Hands on: 10Micron Leonardo Fernglas-Montierung

Zugegeben: Eigentlich würde ich jetzt gerne mit der Avalon M-Zero spielen – der Sommer fängt ja mit prächtigem Wetter an. Aber für die Heilbronner Sternwarte sind wir grad auf der Suche nach einem schönen Großfernglas in der 100mm-Klasse, und dazu gehört natürlich auch vernünftiger Unterbau. Eine Bino-Mount / Parallelogramm-Montierung hat mich schon immer gereizt, da gibt’s ja einige – zum Beispiel von Intercon Spacetec die Bino-Mount oder von Orion die Monster, die alle gar nicht mal so teuer sind. Das Problem ist nur: Das kleine „Monster“ hat eine Traglast von 6,5kg, und bei der Bino-Mount gibt’s keine Angabe (aber immerhin 4 kg Gegengewichte). Süß.

Süß deshalb, weil ein schönes 100mm-Fernglas mit Schrägeinblick locker an die 10 kg auf die Waage bringt. Die Vixen HF2 wäre tragfähig genug, aber ist nicht so komfortabel höhenverstellbar – der Vorteil einer Parallelogramm-Montierung ist ja, dass ein Objekt immer im Bild bleibt, auch wenn man die Höhe verstellt. Das ist natürlich perfekt für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Und dann gibt’s noch die neue 10Micron Leonardo. Die ist weder billig noch klein, aber sehr solide. Als ich das erste mal davor stand, dachte ich auch: Was für ein Monster. Aber nachdem Orion seine kleine Montierung schon Monster nennt, muss das wohl was anderes sein. Leviathan? Eine freundliche Version von Jörmungandr, der Midgard-Schlange? Groß A’Tuin? Keine Ahnung, aber die Größe ist erst einmal respekteinflösend. Bleiben wir einfach mal bei Leonardo, der ist ja auch als Geistesgröße bekannt. Als Tragkraft sind 13,5 kg angegeben, das langt sogar für ein C8.

Im Frühjahr konnte ich sie zum Glück einmal ausleihen (auch, um sie in der Öffentlichkeit vorzuführen). Wenn man sie erst einmal aus dem Karton befreit hat, ist sie gar nicht mehr so erschreckend, und passt (wenn die Gegengewichtsstange abgeschraubt ist) problemlos quer in den hinteren Fußraum von meinem Auto. Das Gewicht ist auch okay – 13 kg laut Hersteller, ohne Gegengewichte. Es gibt genügend Griffmöglichkeiten, sodass man sie gut greifen und tragen kann.

Die Montierung ist ausgereifte Ingenieurskunst, die man selber sehen muss, um das Preisschild zu begreifen – oder man muss zumindest einmal darunter stehen. Bilder werden ihr nicht gerecht… Das Prinzip ist simpel: Genau wie bei einer Schreibtischlampe ist die Halterung für das Fernglas an zwei parallelen Armen befestigt, so dass ihre Lage auch bei Höhenänderung gleich bleibt. Damit das auch mit richtigen Großferngläsern funktioniert, sind hier gleich vier statt zwei Stangen verbaut. Eine massive Gegengewichtsstange sorgt dafür, dass das Gerät auch in der eingestellten Höhe bleibt, ohne dass eine Klemmung betätigt werden müsste. Soweit ginge das alles auch mit Baumarktmitteln – die Details und die Verarbeitung sind es, die ein Foto nicht vermitteln kann.

Klemmungen in der Mittelachse auf dem Stativ (für rechts/links) und für die Höhe sind eine Selbstverständlichkeit, und die großen Klemmgriffe sind sehr angenehm zu bedienen. Weniger selbstverständlich (aber naheliegend) sind das Paar aus zwei großen Griffen, um gesamte Halterung für Fernglas/Teleskop nach oben oder unten zu schwenken, und der Handgriff an dem Parallelogramm-Ausleger, um den ganzen Arm zu bewegen. Überhaupt nicht selbstverständlich ist das Gelenk an der Fernglasaufnahme, mit dem das Fernglas noch zusätzlich ein Stück weit nach rechts oder links geschwenkt werden kann – so kann ein Objekt zentriert werden, ohne dass gleich die ganze Montierung bewegt werden muss. Dadurch ist die Befestigung des Fernglases etwas ungewöhnlich: An der Schraube ist ein kleiner Zapfen, der in diese Feinverstellung greift. Zum Befestigen des Fernglases muss die Schraube angehoben und in den Stativadapter geschraubt werden, anschließend wird sie mit einer Kontermutter in der Platte der Feineinstellung gesichert. Das ist blöd zu erklären, funktioniert aber ganz gut.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN 2014.

Kritisch wird es nur, wenn man auf diese Art alleine ein schweres 100mm-Fernglas chinesischer Fertigung auf der Schraube mit kleinem Fotogewinde befestigen will (der Montierung liegen zwei Befestigungschrauben bei, eine mit großem und eine mit kleinem Fotogewinde) und das Fernglas chinesischen Standards entsprechend das Stativgewinde so hahe an den Prismen hat wie bei kleineren Ferngläsern – dann lässt sich das Fernglas nämlich schon von Haus aus nicht ausbalancieren, und die Schraube zu treffen, wird etwas kniffliger.

Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Wenn am Fernglas eh schon gebastelt werden muss, damit die Stativbefestigung am Schwerpunkt liegt, kann man es auch gleich mit einer Prismenschiene versehen. Und dann kann auch gleich noch eine Schnellklemme auf die Montierung geschraubt werden – dann ist das Fernglas ausbalanciert und die Montage leichter.

A propos leicht: Das Ganze muss natürlich noch ausbalanciert werden. Damit die Gegengewichtsstange nicht zu lang wird, ist sie kürzer als der Parallelogramm-Ausleger. Daher ist etwas mehr an Gegengewichten nötig, als die eigentliche Optik wiegt, und bei etwas größeren Optiken sind zusätzliche Gegengewichte nötig. Sehr praktisch: Die Montierung lässt sich über eine Schraube in der Horizontalen fixieren, sodass die Gegengewichte in aller Ruhe auf die Stange geschoben werden können. Dann wird die Schraube einfach herausgezogen und um eine Vierteldrehung gedreht, und schon ist die Montierung wieder frei beweglich.

Etwas ungewöhnlich (wenn man nur die kleineren Montierungen gewohnt ist) ist die Befestigung der Leonardo auf dem Stativ: Sie wird auf einen flachen, mitgelieferten Flansch geschraubt und nicht über eine Mittelschraube. Ich hatte zur Montierung noch ein T-Pod-Stativ von Baader, auf dem der Flansch einfach mit drei Inbusschrauben befestigt wird. Dann muss nur noch die Gegengewichtsstange an die Montierung geschraubt werden, die Montierung auf den Flansch gesetzt und mit drei griffigen Schrauben befestigt werden. Das geht recht komfortabel, wenn man den Ausleger über einem der Stativbeine positioniert, dann kann nichts umkippen.

Um die Montierung auch auf vorhandenen, stabilen Stativen mit EQ-Anschluss zu verwenden, gibt es von Baader den Flanschkopf #245 1145 für Celestron/NexStar – er müsste auch mit dem Ansatzflansch der Leonardo kompatibel sein. Die Chancen sind sehr gut, dass ich das diesen Sommer noch ausprobieren werde…

Die Leonardo im Einsatz - mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Die Leonardo im Einsatz – mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Und wie ist sie im Feldeinsatz? Sie ist natürlich keine Montierung, die man zusammen mit dem Fernglas immer im Auto hat, um mal schnell einen Blick in die Sterne zu werfen – die Höhenverstellung lohnt sich vor allem dann, wenn mehrere Leute durch das Fernglas schauen sollen. Ihren ersten Test hatte sie im April bei der Veranstaltung „Kinder Kinder“ in der Heilbronner Fußgängerzone. Da waren wir als Sternwarte natürlich auch vertreten, und die Leonardo war ein genialer Kundenfänger:-) Aber sie hat nicht nur als Blickfang funktioniert: Wir hatten einen ED80 mit Herschelkeil drauf gesetzt und konnten so jedem gefahrlos die Sonne zeigen. Nachführung/Einstellen war über den Sonnensucher vom Baader-Herschelkeil auch kein Problem und immer wieder nötig: Wer schon einmal Kinderführungen gemacht hat, weiß, dass da atombombensicher gebaut werden muss. Die Leonardo hatte mit grober Behandlung durch Kinderhände keine Probleme, aber sobald das erste Kind sich mit beiden Händen an das Okular hängt, wird die Montierung natürlich erst einmal verstellt. Also musste immer wieder nachgestellt werden. (Wieder mal meinen großen Respekt vor allem, die mit Kindern arbeiten!)

Vom kleinsten Besucher bis zum größten konnte so jeder bequem einen Blick in das Teleskop werfen. Für den kleinen Refraktor hatten wir uns übrigens nicht nur wegen der Sonnenbeobachtung entschieden, sondern auch, weil so nicht jedes mal der Augenabstand vom Fernglas verstellt werden musste – für Erwachsene ist das kein Problem, aber bei einer Kinderveranstaltung ist oft schon der Blick in ein Einzelokular anspruchsvoll genug.

Eine Woche später waren die Taubensuhler Astronächte der Kollegen aus Bellheim, wo die Montierung ihren ersten Einsatz unter dem Sternenhimmel hatte. Auch hier hatte sie Eindruck geschunden (erste Zweifel, ob sie ein 100mm-Fernglas überhaupt trägt, waren nach dem ersten Blick auf die Leonardo in voller Lebensgröße beseitigt) und sich bewährt. Auch bei etwas höherer Vergrößerung wurde das Fernglas noch ordentlich getragen, der Farbfehler und später der Tau auf den Linsen hat da mehr bei der Beobachtung gestört.

Tja, und das Fazit?

Wenn man die Leonardo mal live gesehen hat, überzeugt sie sehr schnell. Eigentlich hatten wir für dieses Jahr die Anschaffung eines iPads für unsere Führungen, aber jetzt wird es doch erst einmal die Leonardo mit einem Großfernglas. Sorry, Apple… Ab Spätsommer wird sie dann wohl auf einer unserer Sandsteinsäulen auf der Plattform zum Einsatz kommen, und dann kann ich auch mal den erwähnten Adapterflansch für andere Stative ausprobieren.

Hands on: Avalon M-Zero

Zu den Vorteilen daran, etwas tiefer in der Astro-Szene tätig zu sein, gehört die Möglichkeit, auch einmal die Neuheiten zu sehen, bevor sie irgendwann einmal auf Astro-Messen oder Teleskoptreffen auftauchen. So konnte ich schon einmal mit den 10Micron-Montierungen rumspielen (sehr chic, aber neu leider fast in der selben Preisklasse wie mein Auto), und nun hatte ich auch die Chance, einmal mit einer Avalon-M-Zero zu spielen, die schon eher in meine Preisklasse fällt. Zugegeben: Im Augenblick werkelt bei mir eine gebrauchte Vixen GP-DX, die auch viel zu selten zum Einsatz kommt.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Die Avalon M-Zero ist Neuentwicklung aus Italien und trotz aller Vorbehalte gegenüber italienischer Technik ein sauberes Stück Arbeit. Mein erster Gedanke war: Oh wie niedlich! In dem Karton, der etwa so groß ist wie eine Celestron CGEM oder eine SkyWatcher EQ6, stecken sowohl die Montierung als auch das Stativ (wobei die Montierung auch mit den normalen Vixen-GP-Stativen kompatibel ist, man muss das Stativ also nicht mitkaufen – das T-Pod 90 als kleinstes der Serie ist 90 cm hoch und samt Tragegriff 4,5kg leicht). Die Montierung selbst wiegt keine 6kg und passt sogar in das Handgepäck im Flugzeug – wenn meine Nordlichtjagd nicht an Bord eines Hurtigrutenschiffs stattfinden würde, hätte es mich glatt gereizt, sie mitzunehmen. Nur müsste dann das Kameraequipment in das normale Gepäck, bei ca. 8kg ziehen die Fluggesellschaften die Grenze für das Handgepäck. Aber eine Astro-Montierung auf einem Schiff wäre eh Blödsinn… Das Stativ ist relativ klein, es gibt aber auch größere Modelle, wenn der visuelle Einsatz geplant ist – das Set hier ist für die Fotografie ausgelegt, da bringt ein hohes Stativ eher Windangriffsfläche. Die Kombination aus Rohr und gebogenem Metall ist schön stabil, leicht und sowohl mit Tragegriff als auch Tasche gut transportabel. Mein Fotostativ braucht bald mehr Platz – und ist zwar höher, aber auch wesentlich weniger stabil. Sehr chic ist, dass die StarGo-Steuerung am Stativ verschraubt ist. In der Montierung sind nur die Motoren (die Avalon-Montierungen wurden lange mit einer SkyWatcher-Steuerung verkauft; die StarGo verfolgt einen neuen, interessanten Ansatz).

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Aufgrund der Wolkendecke blieb es leider beim Trockentest ohne Teleskop, aber der war schon sehr vielversprechend: Wenn ich an der Montierung wackle, bewege ich zwar alles (Montierung und Stativ), aber in sich wirkt das ganze sehr stabil. Bei dem geringen Eigengewicht ist das aber auch kein Wunder – der Setup ist transportabler als meine altehrwürdige GP-DX mit Berlebach-Holzstativ. Da die Montierung vor allem für die Fotografie ausgelegt ist, stört das niedrige Stativ auch nicht. Wenn eine Kamera dran hängt, ist der Einblick ohnehin egal (bei einer CCD sogar beim Fokussieren, das läuft dann ja über den Laptop), und der Polsucher wird oben auf der Montierung befestigt. Man muss nicht mehr in respektvoller Haltung vor der Montierung in die Knie gehen, um sie einzunorden, sondern hat den Polsucher in einer brauchbaren Höhe. Mit einem Zenitspiegel für Polsucher wird das richtig komfortabel. (Ja, ich geb’s zu: Ich werde auch nicht jünger. Im Stehen Einzunorden wird da immer reizvoller, den Polsucher habe ich schon vor zwei Jahren für die HEQ-5 im Verein besorgt.)

Dass das ganze sauber verarbeitet ist, sollte bei dieser Preisklasse natürlich eine Selbstverständlichkeit sein – da der Konstrukteur selber Amateurastronom ist, ist es das auch. Für knapp 4000 Euro Einführungspreis mit Stativ muss natürlich etwas geboten werden. Für mich ist natürlich meine GP-DX die Messlatte. Den Nachfolger, die GP-D2, gibt es für rund 1300-1400 Euro incl. StarBook-Computersteuerung, aber ohne Stativ.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Lohnt sich der Aufpreis? Ich muss ganz offen zugeben, dass ich das Spiel in Deklination bei meiner GP-DX nie ganz in den Griff bekommen habe. Ich habe zwar nur die einfache Steuerung, aber das Getriebespiel ist spürbar. Dafür kann ich, wenn das System einmal sauber eingenordet ist, problemlos 5 Minuten bei 500mm belichten. Das Vixen StarBook hat mich dafür nie überzeugt, und letztlich ist die GP-D2 Technik aus den 1990ern.

Die Avalon-Montierungen umgehen das Getriebespiel, indem sie auf Getriebe verzichten: Über Riemen ist die Achse mit dem Motor direkt verbunden, es gibt keine Zahnräder, die erst ineinander greifen müssen. Bei einem Richtungswechsel reagiert das System bei diesem Direktantrieb sofort. Fein – das macht wirklich Spaß. Allerdings garantiert das von Haus aus keine perfekte Nachführung: Das System führt sehr gleichmäßig nach, sodass ein Autoguider leichtes Spiel hat. Auch wenn die Montierung 500mm bei sauberer Einnordung nachführen mag: Auch für so kurze Brennweiten wird ein Autoguider empfohlen. Da ich mit meiner GP-DX sowohl Nächte mit 0% Ausschuss als auch mit 100% Ausschuss hatte, kann ich guten Gewissens sagen: Wer ernsthaft Astrofotografie durch das Teleskop betreiben will, wird so oder so bald einen Autoguider auf seiner Einkaufsliste haben.

Die Montierung selber ist deutlich flexibler als die GP-DX: Sie kann natürlich als normale parallaktische Montierung betrieben werden. Sehr schön ist, dass sie auf den Alignment-Prozess verzichten kann: Wenn Sie grob eingenordet wird oder sogar auf eine feste Säule kommt, muss man sie nur anschalten, und schon wird nachgeführt. Klar: Datum und Uhrzeit einzugeben und ein ein-Stern-Alignment zu machen, wie bei modernen Computersteuerungen üblich, ist jetzt kein Hexenwerk, aber doch irgendwo nervig, wenn man in der Zwischenzeit Sonne, Mond oder Planeten selber einstellen könnte.

Der fotografische Einsatz als kompakte, leichte Reisemontierung stand bei der Entwicklung im Vordergrund. Die M-Zero ist nicht nur unglaublich klein und kompakt, sondern benötigt auch weniger als 1,5A Strom. Wenn ich bedenke, dass andere Montierungen aus China mittlerweile 2,5A benötigen, spricht das doch eindeutig für Made in Europe. Und viel wichtiger: Während die modernen Goto-Steuerungen chinesischer Fertigung wie ein Küchenmixer klingen und die ganze Nachbarschaft aufwecken können, erinnert die M-Zero zwar beim Anfahren an ein altes Arkade-Videospiel, aber sie bleibt sehr leise. Im Nachführbetrieb ist sie unhörbar, und auch bei schneller Schwenkgeschwindigkeit ist sie angenehm leise. So gehört das.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Cool ist, dass sie leicht zu einer azimutalen Montierung umgebaut werden kann: Einfach einen Inbus-Bolzen versetzen, und die Montierung steht senkrecht. Während sie parallaktisch ohne weiteres nur nördlich oder südlich von 20° Abstand zum Äquator einsetzbar ist, ist sie so weltweit einsetzbar – zwar nur visuell, aber noch schneller als im parallaktischen Modus. Für den schnellen Blick in die Sterne oder ohne Nachführung als terrestrische Montierung wird sie so zur echten Grab-and-Go-Montierung. Nett. Vor allem ist sie tragfähiger und hat eine Nachführung, was meine Vixen Porta nicht hat – auch wenn die dafür deutlich billiger war. A propos tragfähig: Die Angaben sind konservativ und beziehen sich auf den Einsatz mit einem Teleskop – die M-Zero hat die Option, zwei Teleskope zu befestigen. So dienen sie gegenseitig als Gegengewicht, und ein C8 plus ein Refraktor (für Rich-Field-Beobachtung oder als Leitrohr) sollen sogar fotografisch nutzbar sein (bei parallaktischem Aufbau, versteht sich). Aus rund 8kg Traglast mit einem einzelnen Teleskop sollen so ca. 13 kg mit zwei Teleskopen werden – egal, ob das zweite Teleskop als Leitrohr dient, oder ob ganz klassisch zwei Teleskope parallel z.B. für die Sonnenbeobachtung genutzt werden.

Und letztlich kann sie für Time-Lapse-Aufnahmen eingesetzt werden – langsame Schwenks sind ebenso möglich wie die Steuerung einer DSLR. Als reine Time-Lapse-Plattform ist sie zwar Overkill (da ist der Nano-Tracker sinnvoller und viel billiger, auch wenn er fast mehr Batterien schluckt als die M-Zero), aber es ist doch eine nette Option.

Ein sehr großer Unterschied zu meiner alt-ehrwürdigen GP-DX ist natürlich die Steuerung. Auf den ersten Blick ist der Unterschied marginal: Am Stativ ist die Elektronikbox befestigt, und die Handsteuerbox hat Richtungstasten sowie Tasten für Schwenkgeschwindigkeit, Fokussierer und eine Funktionstaste. Da ist meine alte Vixen-Steuerung spartanischer, aber: Das soll eine moderne GoTo-Steuerung sein?

Im Prinzip ja – die Handsteuerbox genügt für den einfachen Betrieb; dank Rutschkupplung lässt sich auch jedes Objekt leicht einstellen und manuell einfahren. Nachführrichtung und das Umschwenken lassen sich ebenfalls über die Handsteuerbox einstellen – nach einem Meridian-Flip muss also nicht das Teleskop in Dec umgeschwenkt werden, sondern nur die Dec-Achse „umgepolt“ werden.

Und wo ist das GoTo?

Das Goto ist „im Bluetooth“ – leider nur für Android, Windows-PC und (Halleluja!) Mac. So steht einem ein großes Display zur Verfügung, und ein vollwertiges Planetariumsprogramm. iOS-Geräte werden wegen der etwas speziellen Bluetooth-Handhabung unter iOS nicht unterstützt. Das ist für mich natürlich ein Problem: Die tiefergehenden Einstellungen und die Steuerung erfolgen normalerweise sehr bequem über die App für das Smartphone, so müsste ich das MacBook mit auf den Acker nehmen. Auch die Steuerung über SkySafari geht derzeit nur unter Android, sollte aber auch unter iOS funktionieren. Immerhin: sowohl Android-Gerät als auch ein Computer mit MacOS oder Win unterstützen die Software für die Einstellungen, und z.B. über Stellarium lässt sich die Montierung steuern. Unter Windows muss dafür die ASCOM-Plattform installiert sein, die Treiber sind in der Software integriert.

Da ein Smartphone oder Tablet mehr Rechenleistung zu einem günstigeren Preis bietet als ein dedizierter Handcontroller und auch ohnehin öfter durch ein moderneres Modell ersetzt wird, hat dieser Ansatz seinen Reiz. Android ist weit verbreitet und durchaus erschwinglich (wenn man das Geld für eine 4000-Euro-Montierung plus Foto-Equipment investiert, ist ein Tablet kein großer Posten, falls man nicht ohnehin schon eines hat. Für Apple-User ist das größte Problem, sich mit Android anzufreunden – aber es muss ja nur SkySafari und die Avalon-Software für die Einstellungendarauf laufen).

Das Alignment läuft normalerweise über SkySafari oder das Planetariumsprogramm am PC. Im Gegensatz zu Smartphone-gebundenen Steuerungslösungen kann man aber die Tasten des StarGo-Handkontrollers nutzen. Sehr nett, denn wenn ich durch das Oklar sehe, habe ich am Handy/Tablet keine Rückmeldung, auf welche Taste ich jetzt eigentlch drücke. Durch die echten Tasten weiß ich, was ich tue. (Aus dem selben Grund würde ich mir auch kein Auto kaufen, das auf Touch-Screens setzt – ich will die Tasten auch blind bedienen können).

Langer Rede kurzer Sinn: Die Avalon M-Zero macht einen sehr guten, durchdachten Eindruck, auch wenn Android-Benutzer im Vorteil sind. Es ist gewiss keine Montierung für Gelegenheitsnutzer, sondern ganz klar für Astrofotografen ausgelegt, die ein sehr mobiles und trotzdem stabiles Werkzeug wollen. GoTo geht billiger (und lauter!) mit Montierungen der Massenhersteller, kein Zweifel. In den Foren wird man wohl wenig von ihr lesen, da ihre Benutzer eher mit Fotografieren als mit Fehlersuche und Optimierungen beschäftigt sein dürften. Ich hoffe sehr, die Montierung auch einmal am Nachthimmel testen zu können – natürlich mit Autoguider, denn dafür wurde sie ausgelegt. Wenn das Zusammenspiel funktioniert, ist sie ihr Geld auf jeden Fall wert – zumindest, wenn ich die Zeit berücksichtige, die ich bei anderen Montierungen schon damit verbracht habe, die Technik zum Laufen zu bringen. Time is Cash, Time is Money – wenn ich mich ein klares Wochenende in den Bergen nur mit der Technik beschäftigen muss, ärgert mich das mehr als ein höherer Preis. Fokussiermotor und evtl. noch weiteres über StarGo steuern zu können, ist für Astrofotografen auch reizvoll.

Wenn ich nach Norwegen mal eine dieser Montierung testen kann, werde ich mich natürlich melden. Bis dahin wird das Sparschwein noch etwas gefüttert.