Hands on: Avalon M-Zero

Zu den Vorteilen daran, etwas tiefer in der Astro-Szene tätig zu sein, gehört die Möglichkeit, auch einmal die Neuheiten zu sehen, bevor sie irgendwann einmal auf Astro-Messen oder Teleskoptreffen auftauchen. So konnte ich schon einmal mit den 10Micron-Montierungen rumspielen (sehr chic, aber neu leider fast in der selben Preisklasse wie mein Auto), und nun hatte ich auch die Chance, einmal mit einer Avalon-M-Zero zu spielen, die schon eher in meine Preisklasse fällt. Zugegeben: Im Augenblick werkelt bei mir eine gebrauchte Vixen GP-DX, die auch viel zu selten zum Einsatz kommt.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Die Avalon M-Zero ist Neuentwicklung aus Italien und trotz aller Vorbehalte gegenüber italienischer Technik ein sauberes Stück Arbeit. Mein erster Gedanke war: Oh wie niedlich! In dem Karton, der etwa so groß ist wie eine Celestron CGEM oder eine SkyWatcher EQ6, stecken sowohl die Montierung als auch das Stativ (wobei die Montierung auch mit den normalen Vixen-GP-Stativen kompatibel ist, man muss das Stativ also nicht mitkaufen – das T-Pod 90 als kleinstes der Serie ist 90 cm hoch und samt Tragegriff 4,5kg leicht). Die Montierung selbst wiegt keine 6kg und passt sogar in das Handgepäck im Flugzeug – wenn meine Nordlichtjagd nicht an Bord eines Hurtigrutenschiffs stattfinden würde, hätte es mich glatt gereizt, sie mitzunehmen. Nur müsste dann das Kameraequipment in das normale Gepäck, bei ca. 8kg ziehen die Fluggesellschaften die Grenze für das Handgepäck. Aber eine Astro-Montierung auf einem Schiff wäre eh Blödsinn… Das Stativ ist relativ klein, es gibt aber auch größere Modelle, wenn der visuelle Einsatz geplant ist – das Set hier ist für die Fotografie ausgelegt, da bringt ein hohes Stativ eher Windangriffsfläche. Die Kombination aus Rohr und gebogenem Metall ist schön stabil, leicht und sowohl mit Tragegriff als auch Tasche gut transportabel. Mein Fotostativ braucht bald mehr Platz – und ist zwar höher, aber auch wesentlich weniger stabil. Sehr chic ist, dass die StarGo-Steuerung am Stativ verschraubt ist. In der Montierung sind nur die Motoren (die Avalon-Montierungen wurden lange mit einer SkyWatcher-Steuerung verkauft; die StarGo verfolgt einen neuen, interessanten Ansatz).

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Aufgrund der Wolkendecke blieb es leider beim Trockentest ohne Teleskop, aber der war schon sehr vielversprechend: Wenn ich an der Montierung wackle, bewege ich zwar alles (Montierung und Stativ), aber in sich wirkt das ganze sehr stabil. Bei dem geringen Eigengewicht ist das aber auch kein Wunder – der Setup ist transportabler als meine altehrwürdige GP-DX mit Berlebach-Holzstativ. Da die Montierung vor allem für die Fotografie ausgelegt ist, stört das niedrige Stativ auch nicht. Wenn eine Kamera dran hängt, ist der Einblick ohnehin egal (bei einer CCD sogar beim Fokussieren, das läuft dann ja über den Laptop), und der Polsucher wird oben auf der Montierung befestigt. Man muss nicht mehr in respektvoller Haltung vor der Montierung in die Knie gehen, um sie einzunorden, sondern hat den Polsucher in einer brauchbaren Höhe. Mit einem Zenitspiegel für Polsucher wird das richtig komfortabel. (Ja, ich geb’s zu: Ich werde auch nicht jünger. Im Stehen Einzunorden wird da immer reizvoller, den Polsucher habe ich schon vor zwei Jahren für die HEQ-5 im Verein besorgt.)

Dass das ganze sauber verarbeitet ist, sollte bei dieser Preisklasse natürlich eine Selbstverständlichkeit sein – da der Konstrukteur selber Amateurastronom ist, ist es das auch. Für knapp 4000 Euro Einführungspreis mit Stativ muss natürlich etwas geboten werden. Für mich ist natürlich meine GP-DX die Messlatte. Den Nachfolger, die GP-D2, gibt es für rund 1300-1400 Euro incl. StarBook-Computersteuerung, aber ohne Stativ.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Lohnt sich der Aufpreis? Ich muss ganz offen zugeben, dass ich das Spiel in Deklination bei meiner GP-DX nie ganz in den Griff bekommen habe. Ich habe zwar nur die einfache Steuerung, aber das Getriebespiel ist spürbar. Dafür kann ich, wenn das System einmal sauber eingenordet ist, problemlos 5 Minuten bei 500mm belichten. Das Vixen StarBook hat mich dafür nie überzeugt, und letztlich ist die GP-D2 Technik aus den 1990ern.

Die Avalon-Montierungen umgehen das Getriebespiel, indem sie auf Getriebe verzichten: Über Riemen ist die Achse mit dem Motor direkt verbunden, es gibt keine Zahnräder, die erst ineinander greifen müssen. Bei einem Richtungswechsel reagiert das System bei diesem Direktantrieb sofort. Fein – das macht wirklich Spaß. Allerdings garantiert das von Haus aus keine perfekte Nachführung: Das System führt sehr gleichmäßig nach, sodass ein Autoguider leichtes Spiel hat. Auch wenn die Montierung 500mm bei sauberer Einnordung nachführen mag: Auch für so kurze Brennweiten wird ein Autoguider empfohlen. Da ich mit meiner GP-DX sowohl Nächte mit 0% Ausschuss als auch mit 100% Ausschuss hatte, kann ich guten Gewissens sagen: Wer ernsthaft Astrofotografie durch das Teleskop betreiben will, wird so oder so bald einen Autoguider auf seiner Einkaufsliste haben.

Die Montierung selber ist deutlich flexibler als die GP-DX: Sie kann natürlich als normale parallaktische Montierung betrieben werden. Sehr schön ist, dass sie auf den Alignment-Prozess verzichten kann: Wenn Sie grob eingenordet wird oder sogar auf eine feste Säule kommt, muss man sie nur anschalten, und schon wird nachgeführt. Klar: Datum und Uhrzeit einzugeben und ein ein-Stern-Alignment zu machen, wie bei modernen Computersteuerungen üblich, ist jetzt kein Hexenwerk, aber doch irgendwo nervig, wenn man in der Zwischenzeit Sonne, Mond oder Planeten selber einstellen könnte.

Der fotografische Einsatz als kompakte, leichte Reisemontierung stand bei der Entwicklung im Vordergrund. Die M-Zero ist nicht nur unglaublich klein und kompakt, sondern benötigt auch weniger als 1,5A Strom. Wenn ich bedenke, dass andere Montierungen aus China mittlerweile 2,5A benötigen, spricht das doch eindeutig für Made in Europe. Und viel wichtiger: Während die modernen Goto-Steuerungen chinesischer Fertigung wie ein Küchenmixer klingen und die ganze Nachbarschaft aufwecken können, erinnert die M-Zero zwar beim Anfahren an ein altes Arkade-Videospiel, aber sie bleibt sehr leise. Im Nachführbetrieb ist sie unhörbar, und auch bei schneller Schwenkgeschwindigkeit ist sie angenehm leise. So gehört das.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Cool ist, dass sie leicht zu einer azimutalen Montierung umgebaut werden kann: Einfach einen Inbus-Bolzen versetzen, und die Montierung steht senkrecht. Während sie parallaktisch ohne weiteres nur nördlich oder südlich von 20° Abstand zum Äquator einsetzbar ist, ist sie so weltweit einsetzbar – zwar nur visuell, aber noch schneller als im parallaktischen Modus. Für den schnellen Blick in die Sterne oder ohne Nachführung als terrestrische Montierung wird sie so zur echten Grab-and-Go-Montierung. Nett. Vor allem ist sie tragfähiger und hat eine Nachführung, was meine Vixen Porta nicht hat – auch wenn die dafür deutlich billiger war. A propos tragfähig: Die Angaben sind konservativ und beziehen sich auf den Einsatz mit einem Teleskop – die M-Zero hat die Option, zwei Teleskope zu befestigen. So dienen sie gegenseitig als Gegengewicht, und ein C8 plus ein Refraktor (für Rich-Field-Beobachtung oder als Leitrohr) sollen sogar fotografisch nutzbar sein (bei parallaktischem Aufbau, versteht sich). Aus rund 8kg Traglast mit einem einzelnen Teleskop sollen so ca. 13 kg mit zwei Teleskopen werden – egal, ob das zweite Teleskop als Leitrohr dient, oder ob ganz klassisch zwei Teleskope parallel z.B. für die Sonnenbeobachtung genutzt werden.

Und letztlich kann sie für Time-Lapse-Aufnahmen eingesetzt werden – langsame Schwenks sind ebenso möglich wie die Steuerung einer DSLR. Als reine Time-Lapse-Plattform ist sie zwar Overkill (da ist der Nano-Tracker sinnvoller und viel billiger, auch wenn er fast mehr Batterien schluckt als die M-Zero), aber es ist doch eine nette Option.

Ein sehr großer Unterschied zu meiner alt-ehrwürdigen GP-DX ist natürlich die Steuerung. Auf den ersten Blick ist der Unterschied marginal: Am Stativ ist die Elektronikbox befestigt, und die Handsteuerbox hat Richtungstasten sowie Tasten für Schwenkgeschwindigkeit, Fokussierer und eine Funktionstaste. Da ist meine alte Vixen-Steuerung spartanischer, aber: Das soll eine moderne GoTo-Steuerung sein?

Im Prinzip ja – die Handsteuerbox genügt für den einfachen Betrieb; dank Rutschkupplung lässt sich auch jedes Objekt leicht einstellen und manuell einfahren. Nachführrichtung und das Umschwenken lassen sich ebenfalls über die Handsteuerbox einstellen – nach einem Meridian-Flip muss also nicht das Teleskop in Dec umgeschwenkt werden, sondern nur die Dec-Achse „umgepolt“ werden.

Und wo ist das GoTo?

Das Goto ist „im Bluetooth“ – leider nur für Android, Windows-PC und (Halleluja!) Mac. So steht einem ein großes Display zur Verfügung, und ein vollwertiges Planetariumsprogramm. iOS-Geräte werden wegen der etwas speziellen Bluetooth-Handhabung unter iOS nicht unterstützt. Das ist für mich natürlich ein Problem: Die tiefergehenden Einstellungen und die Steuerung erfolgen normalerweise sehr bequem über die App für das Smartphone, so müsste ich das MacBook mit auf den Acker nehmen. Auch die Steuerung über SkySafari geht derzeit nur unter Android, sollte aber auch unter iOS funktionieren. Immerhin: sowohl Android-Gerät als auch ein Computer mit MacOS oder Win unterstützen die Software für die Einstellungen, und z.B. über Stellarium lässt sich die Montierung steuern. Unter Windows muss dafür die ASCOM-Plattform installiert sein, die Treiber sind in der Software integriert.

Da ein Smartphone oder Tablet mehr Rechenleistung zu einem günstigeren Preis bietet als ein dedizierter Handcontroller und auch ohnehin öfter durch ein moderneres Modell ersetzt wird, hat dieser Ansatz seinen Reiz. Android ist weit verbreitet und durchaus erschwinglich (wenn man das Geld für eine 4000-Euro-Montierung plus Foto-Equipment investiert, ist ein Tablet kein großer Posten, falls man nicht ohnehin schon eines hat. Für Apple-User ist das größte Problem, sich mit Android anzufreunden – aber es muss ja nur SkySafari und die Avalon-Software für die Einstellungendarauf laufen).

Das Alignment läuft normalerweise über SkySafari oder das Planetariumsprogramm am PC. Im Gegensatz zu Smartphone-gebundenen Steuerungslösungen kann man aber die Tasten des StarGo-Handkontrollers nutzen. Sehr nett, denn wenn ich durch das Oklar sehe, habe ich am Handy/Tablet keine Rückmeldung, auf welche Taste ich jetzt eigentlch drücke. Durch die echten Tasten weiß ich, was ich tue. (Aus dem selben Grund würde ich mir auch kein Auto kaufen, das auf Touch-Screens setzt – ich will die Tasten auch blind bedienen können).

Langer Rede kurzer Sinn: Die Avalon M-Zero macht einen sehr guten, durchdachten Eindruck, auch wenn Android-Benutzer im Vorteil sind. Es ist gewiss keine Montierung für Gelegenheitsnutzer, sondern ganz klar für Astrofotografen ausgelegt, die ein sehr mobiles und trotzdem stabiles Werkzeug wollen. GoTo geht billiger (und lauter!) mit Montierungen der Massenhersteller, kein Zweifel. In den Foren wird man wohl wenig von ihr lesen, da ihre Benutzer eher mit Fotografieren als mit Fehlersuche und Optimierungen beschäftigt sein dürften. Ich hoffe sehr, die Montierung auch einmal am Nachthimmel testen zu können – natürlich mit Autoguider, denn dafür wurde sie ausgelegt. Wenn das Zusammenspiel funktioniert, ist sie ihr Geld auf jeden Fall wert – zumindest, wenn ich die Zeit berücksichtige, die ich bei anderen Montierungen schon damit verbracht habe, die Technik zum Laufen zu bringen. Time is Cash, Time is Money – wenn ich mich ein klares Wochenende in den Bergen nur mit der Technik beschäftigen muss, ärgert mich das mehr als ein höherer Preis. Fokussiermotor und evtl. noch weiteres über StarGo steuern zu können, ist für Astrofotografen auch reizvoll.

Wenn ich nach Norwegen mal eine dieser Montierung testen kann, werde ich mich natürlich melden. Bis dahin wird das Sparschwein noch etwas gefüttert.

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4 thoughts on “Hands on: Avalon M-Zero

  1. Excellent review. Seems very impressing. I wonder if you have time to conduct some more test? Would be curious to see the unguided performance, easiness of guiding/controlling via PC ASCOM platform. I’m also curious about the tested weight capacity as the stated 8kg capacity will probably be very close to my imaging setup.

    Thanks,
    Yizhou

    • Hello!

      I may have the chance to use it for a weekend or so this summer, but I’m quite busy at the moment and there aren’t many longer periods of clear weather in Germany at the moment.

      The mount is optimized for smooth tracking, so an autoguider is recommended for photography – it is no 10Micron with integrated encoders. Yeah, I need a free weekend with clear weather to test it. The capacity was tested by the manufacturer and is no theoretical value. So 8 kg is a realistic load capacity, especially with shorter telescopes like Schmidt-Cassegrains.

      Connecting via ASCOM was no problem, and the mount was very responsive.

      Best regards,
      Alex

  2. Hi Alex,

    nice and comprehensive review which I found only recently and which has inspired me to eventually switch from my bumpy GP-E /starbook s to the M-Zero, in particular because you’ve pointed to the possibility to control the mount from a mac via Bluetooth and e.g Stellarium software by LX200 protocol. But before I go and spend 4000€ I’d like to ask if you can verify that this is the case. None of the german dealers I’ve asked so far could give me a positive answer, can you?
    Unfortunately Avalon did not answer yet.

    Best regards, Uwe

    • Hi!

      I haven’t had a chance to test it myself, at the moment I’m playing around with smaller setups for star-field photography.

      But the manual of the StarGo at http://www.avalon-instruments.com/products/stargo-goto-control-system says:
      > The wireless Bluetooth capability is also integrated
      > in the control box to interact with intelligent devices
      > such smartphones, tablets and, again with Windows
      > and Mac computers.
      so it should work. There is a PDF on that website which states on pages 35/36 that the mount has been tested with The Sky X Pro and SkySafari Pro under MacOS 10.9.4. and that a quick guide manual about this will be published seperately. I haven’t found recent information about the software-protocol yet.

      Avalon is a small manufacturer, so they are probably drowning in emails, but I’ve found them to be very nice and competent. In the last years, they were also present at the AME in Villingen-Schwenningen, perhaps this year, too.

      Best regards,
      Alex

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