Komet Lovejoy

Mittlerweile hat sich wohl rumgesprochen, dass der Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) im Januar zu sehen ist, wenn das Wetter mitspielt. Eine Aufsuchkarte gibt’s hier. Heute haben die Wolken aufgerissen, und ich konnte ihn auch mal anschauen – ein heller Fleck rechts von Plejaden und Hyaden. Für ein paar Fotos hat’s gelangt, nur Bildbearbeitung muss ich noch üben – der Himmel ist mir entschieden zu bläulich. Oder ich brauch einen Standort mit weniger Lichtverschmutzung… Aber immerhin, ich präsentiere:

Komet Lovejoy bei Plejaden und Hyaden am 13. Februar 2015

Komet Lovejoy bei Plejaden und Hyaden am 13. Februar 2015

Irisierende Wolken

Irisierende Wolken über Augsburg am 10. Januar 2015

Irisierende Wolken südlich von Augsburg am 10. Januar 2015

Während draußen der Sturm tobt und die Wolken vorbeiziehen, lohnt es sich, einen Blick in den Himmel zu werfen: Gerade konnte ich ein paar irisierender Wolken sehen und im Bild festhalten. Sehr hilfreich war dabei, dass die Sonne selbst sich auch mal hinter den Wolken versteckt hat.

Sie entstehen durch Lichtbeugung an kleinen Wasser- und Eiskristallen in hohen Wolken. Ein seltener, aber hübscher Anblick.

Wer mehr wissen will: Der AK Meteore hat seine Homepage überarbeitet und ein paar schöne Infos zum Thema.

Hurtigruten-Vortrag in Stuttgart am 2.1.2015

Die MS Nordkapp

Die MS Nordkapp

Nächstes Jahr schon was vor?

Zum Jahresanfang halte ich im Planetarium Stuttgart einen Vortrag über meine letzte Hurtigrutenfahrt unter dem Titel Nordlicht & Sterne – Aurora-Jagd mit Hurtigruten: http://www.sternwarte.de/termine/kalender/default.asp

Das läuft als Mitgliederabend und findet am Freitag, dem 2. Januar 2015 im Keplersaal statt. Die Veranstaltung ist aber trotzdem öffentlich:

An den Mitgliederabenden treffen sich die Vereinsmitglieder der Schwäbischen Sternwarte e.V., um Gedankenaustausch zu pflegen sowie über eigene Beobachtungsaktivitäten zu berichten, Referate zu halten und zwanglos astronomische Themen zu diskutieren. Gäste sind jederzeit willkommen.

Wer Lust hat, kann also gerne kommen.

Interstellarum braucht Hilfe

Wer in den Astro-Foren unterwegs ist, hat es schon mitgekriegt: Ein Urgestein der Astro-Szene kämpft um sein Überleben. Interstellarum hat zu wenig Abonnenten, um weiter bestehen zu können – allerdings nicht zu wenige Leser. Es ist in der Zeitschriftenbranche leider so, dass von Kioskverkäufen wenig beim Verlag hängen bleibt, und es nur auf die Abo-Anzahl ankommt. So läuft der Markt leider.
Interstellarum-Banner

Daher ist interstellarum jetzt einen ungewöhnlichen Weg gegangen und will über Crowdfunding neue Abonnenten gewinnen bzw. Kioskleser zum Umstieg auf ein Abo bringen. Noch bis Mitte Februar läuft die Kampagne; wenn sie scheitert, verliert Deutschland innerhalb eines Jahrzehnts sein zweites Astronomie-Magazin (Astronomie Heute als deutsche Ausgabe von Sky&Telescope wurde 2008 eingestellt); dann bleibt am Kiosk eigentlich nur noch Sterne und Weltraum.

Zu allem Überfluss ist jetzt auch noch die Verlagswebseite down, aber das heißt nicht, dass der Verlag schon aufgegeben hätte, sondern ist nur ein technisches Problem. Leider ist so das PDF der letzten Ausgabe im Augenblick auch nicht mehr verfügbar, aber alle Infos zur Kampagne gibt’s unter https://www.startnext.de/interstellarum. Durchaus interessant ist, dass es als Bonus zum Abo zurzeit auch einiges an Gutscheinen großer Astrohändler gibt. Und wenn das Crowdfunding scheitert, gibt’s das Geld zurück (aber auch kein interstellarum mehr).

Das wäre nicht zuletzt deshalb schade, da dann auch unklar ist, wie es mit dem Verlag als solchem weiter geht – Oculum hat einige sehr gute Bücher am Markt.

Am 14. Februar endet die Kampagne. Im Augenblick sind die Zuwächse eher ruhig – aber damit sie nicht in Vergessenheit gerät, nun auch von mir der Hinweis. Vielleicht wollen Sie interstellarum ja noch eine Chance geben.

Nordlichtvideo aus Tromsø

Der Trip nach Tromsø ist auch schon fast wieder einen Monat her, aber so langsam komme ich dazu, die Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Dieses Video ist auf dem Storsteinen entstanden: Rund 400 Bilder mit je sechs Sekunden Belichtungszeit, auf eine Minute eingedampft:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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Storsteinen from Alex Kerste on Vimeo.

Und ja, ich habe jetzt auch einen Vimeo-Account:-)

Vixen SG 2,1×42 – das Großfeldfernglas

Das Vixen 2,1×42 hatte ich zum ersten Mal auf dem Astrofest von Intercon Spacetec gesehen und fand es damals schon interessant: 42mm Öffnung und nur zweifache Vergrößerung? Bei einem klassischen Fernglas wäre das eine unmögliche Austrittspupille (20mm – irgendwo bei 7mm ist normalerweise Schluss, da man die Pupille ohnehin nicht weiter öffnen kann), aber ein Galilei-Fernglas wie dieses soll wohl anders funktionieren, sodass die Berechnung der Austrittspupille angeblich keinen Sinn macht. Sagt zumindest Astro-Optik Kohler über sein 2,3×40 Gucki. Da der Import von Artikeln aus der Schweiz immer ein Problem ist (irgendwer muss da sein, damit der Postbote den Zoll und die Mehrwertsteuer kassieren kann), habe ich das Gucki nie bestellt.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Das Vixen ist da einfacher zu kaufen, schließlich gibt es das ganz regulär bei deutschen Händlern. Tja, und da ich ein paar Mitarbeiter bei Astroshop kenne, war natürlich nichts naheliegender als dort einmal nach einem Testgerät zu fragen. Hier der Link zum Gerät: Vixen Fernglas SG 2,1×42 Binokular für Sternfeldbeobachtung. Der letzte Auslöser war mein Norwegen-Trip im November: Wie wirken die Polarlichter durch so ein Fernglas? Ist früher Farbe zu sehen? Und wenn ich schon im hohen Norden bin, gibt’s hoffentlich auch so ein paar Sterne zu sehen.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich durfte mir ein Vorführexemplar ausleihen.

Eher unscheinbar: Der Karton

Eher unscheinbar: Der Karton

Unboxing

Der Karton selbst ist erst einmal unauffällig und dezent: Grau-Schwarz und ohne Hinweis auf den Inhalt. Nur die Aufkleber geben einen Hinweis auf das Fernglas. Dafür wiegt er einiges und ist größer als gedacht – irgendwie hatte ich es doch einiges kleiner in Erinnerung.

Nach dem Öffnen zeigt sich des Rätsels Lösung: Ein ziemlich großer Styroporriegel sorgt für Volumen:-) So hat auch die Anleitung Platz. Angenehme Überraschung: Das Fernglas steckt in einer hochwertigen, gepolsterten Gürteltasche.

Der Inhalt der Box

Der Inhalt der Box

Ebenfalls in der Box: Ein Trageriemen und die Bedienungsanleitung. Sehr übersichtlich, das Ganze, aber was soll auch zu einem Fernglas noch dazu gepackt werden? (Okay: Das übliche Reinigungstüchlein, aber wer vermisst das schon…)

Die Tasche macht einen sehr guten Eindruck: Gepolstert und strapazierfähig. Sie hat eine Gürtelschlaufe und eine Kunststofföse für einen Karabinerhaken. Sieht sehr vertrauenserweckend aus – aber ich bin ja nicht an der Tasche interessiert, sondern am Inhalt.

Das Fernglas hat vier Staubschutzdeckel, die fast größer wirken als das eigentliche Bino, und bei dem Gewicht ist die Trageschlaufe keine schlechte Sache – das glatte Metallgehäuse  ist mangels Baulänge nicht besonders griffig. Mit dem Trageriemen kann man es sich aber auch umhängen, sodass keine Sturzgefahr besteht.

Fernglas, Tasche, Deckel und Handschlaufe.

Fernglas, Tasche, Deckel und Trageriemen.

Durch die Mischung aus Metall und gefühlt zwei massiven Glasblöcken ist es schwer, obwohl es so klein ist: gut 470g mit Tasche und 430g ohne Tasche, aber jeweils mit Deckeln und Umhängeschlaufe. Hier der Größenvergleich mit einem 7×50 Porro-Fernglas:

Vixen 2,1x42 und ein 7x50 Porro-Fernglas.

Vixen 2,1×42 und ein 7×50 Porro-Fernglas.

Der Blick durch das kleine Vixen ist ungewöhnlich: Fokussieren ist gar nicht so einfach und erinnert erst einmal an den Blick durch die Sehtestprüfgeräte beim Optiker. Man darf nicht die erste scheinbar scharfe Stellung nehmen, sondern muss wirklich einmal durchfokussieren, dann ist auch der Bildfeldrand beim Blick in Landschaft brauchbar. Das Bildfeld entspricht etwa dem beim Blick aus dem Fenster: Groß, aber nicht gigantisch. Trotzdem kein Vergleich mit einem normalen Fernglas, sondern um Welten größer. Am Bildrand lässt die Qualität nach, die Bildmitte macht einen schönen Eindruck. Und vor allem: Es ist hell! Selbst der Blick in die nebelverhangene Novemberlandschaft zeigt Details, die man ansonsten übersehen hätte. Wie wird es sich wohl am Nachthimmel machen? Bislang konnte ich es nur in einer Nacht testen.

Der Blick in den Himmel…

…ist erst einmal ungewohnt. Der erste Eindruck bei einer Nacht auf dem Land, aber noch einigermaßen in Stadtnähe: Das Gesichtsfeld ist groß, aber nicht so groß, wie man es bei 2x vielleicht erwarten würde. Die sieben Sterne des Großen Wagens passen komplett in das Gesichtsfeld; wirklich scharf wird etwa der Bereich der Kastensterne abgebildet. Durchaus imposant. Noch mehr als der Gewinn an Grenzgröße fällt zunächst die zusätzliche Trennschärfe auf: Während Mizar und Alkor ja als Augenprüfer bekannt sind, sind sie mit dem Vixen gar kein Problem. Plejaden und Hyaden machen richtig Spaß, die Milchstraße ist chic, nur die Andromeda-Galaxie bleibt wenig beeindruckend. Das mag an meinem Standort liegen, sie ist zwar ein Nebelfleck, aber doch recht klein. Bei dem bisherigen Wetter hatte ich leider nur eine Nacht, in der ich es kurz am Sternenhimmel testen konnte.

Die Randunschärfe ist vorhanden, stört mich aber nur, wenn ich darauf achte. Aber das wird natürlich jeder anders empfinden – es ist etwas Wahres an dem Spruch dran, dass fortgeschrittene Sternfreunde im Okular eher Optikfehler als Sterne sehen. Mit Brille macht es übrigens weniger Spaß: Dann ist der Augenabstand größer und das Bildfeld kleiner.

Besonders reizvoll wäre der Blick durch ein paar Nebelfilter mit dem Gerät auf den Sommerhimmel. Nordamerikanebel oder Schleiernebel dürften dann unter Alpenhimmel machbar sein – schade, dass es keine Filterhalter hat. (Wie gut kommt eigentlich ein Nebelfilter mit so einem großen Bildwinkel zurecht?)

Unter einem mäßigen Landhimmel (Kleiner Wagen komplett sichtbar) macht es Spaß, mit dem Vixen Sternhaufen zu jagen oder die Milchstraße abzufahren. Für die Suche nach einem ausgedehnten Komet in der Dämmerung dürfte es sehr gut sein. Aber man bleibt dennoch auf einen Ausschnitt des Himmels beschränkt – es ist nicht so, dass man den Eindruck einer Sternen-Brille hätte.

Der Einsatz für die Polarlichtjagd hat sich leider nicht gelohnt: Wenn die schwache Aurora mit bloßem Auge zu erkennen war, ging es auch im Fernglas, es zeigte jedoch nicht früher Farbe als mit bloßem Auge. Zum Überprüfen, ob man wirklich Polarlichter sieht, bleibt also weiterhin nur der Griff zur Kamera. (Es wäre reizvoll gewesen, einmal ein helles Polarlicht darin zu beobachten – aber das hatte ich auf dem letzten Trip nur einmal, und da hatte ich keine Zeit, um zum Fernglas zu greifen.)

Fazit

Nach dem ersten kurzen Beobachtungsabend bin dem Fernglas gegenüber etwas zwiespältig – die Bildqualität ist nicht ganz so gut, wie ich sie von meinem ersten Blick in Erinnerung hatte, aber durchaus okay: Die Bildmitte ist schön, und der Rand trägt eben nur zum Gesamteindruck bei, dort beobachte ich nicht. Und ein ganzes Sternbild auf einmal zu überblicken, ist etwas vollkommen anderes, als man es normalerweise gewohnt ist. Als Weitfeld-Spezialist und für die Jagd nach helleren Kometen ist es sehr, sehr reizvoll. Durch den Preis ist es aber kein Gerät, das ich einfach so mal kaufe. Verarbeitung und Zubehör sind erstklassig, es ist nur schade, dass sich 2″-Filter nicht adaptieren lassen. Unter einem dunklen Himmel dürfte es wesentlich beeindruckender sein als unter unserem typischen Landhimmel.

Den Haben-Will-Reflex, der dafür sorgt, dass bei mir schon einige Geräte stehen, die ich eigentlich nur mal testen wollte, hat das Vixen nicht ausgelöst – dafür ist es mir im Augenblick noch zu teuer, und andere Anschaffungen haben Vorrang. Aber es ist auch noch nicht von meiner Wenn-mal-Geld-übrig-ist-Liste verschwunden. Es ist halt ein Luxus-Artikel, den ich nicht unbedingt für’s Hobby brauche. Trotzdem gebe ich es nur ungern zurück – aber für die nächsten Wochen wird auch kein schönes Wetter vorhergesagt; für weitere zeitnahe Tests gibt es wohl keine Chance. Vielleicht schlage ich beim nächsten hellen Komet zu…

Polarlichtjagd in Tromsø – Rückblick

Irgendwann krieg ich das mit dem Live-Bloggen vielleicht mal hin, aber wahrscheinlich erst, wenn ich alleine unterwegs bin. In einer Sechsergruppe mit Freunden gibt’s doch zu viel zu reden, man kommt ja sonst nicht dazu…

Mittlerweile bin ich wieder zurück und habe 32 Gig Bilder durchzusehen (incl. der RAW-Dateien). Uff. Am Samstag habe ich dafür noch Lightroom installiert – mal sehen, was es kann. Und im Internetradio läuft statt Radio Caroline jetzt NRK P1.

Die Tour war ein voller Erfolg. Nach dem ersten Test im Kongsparken vom Sonntagabend ging es am Montagabend nach einer Stadtbesichtigung und dem Abendessen auf den Storsteinen. Die Fjellheisen-Bahn fährt im Winter zurzeit alle halbe Stunde, und das Busticket dahin ist mit rund 20 Euro für vier Tage auch noch erschwinglich. Im Vergleich zum letzten Februar lag deutlich weniger Schnee, diesmal hatte das Geländer wirklich eine Funktion und diente nicht nur als Markierung. Die Lichter von Tromsø hellten den Himmel deutlich auf, aber ein recht langsames und dezentes Polarlicht war dennoch schön zu sehen.

Polarlichter vom Storsteinen aus.

Polarlichter vom Storsteinen aus.

Nach ein paar Schnappschüssen ging ich wieder in den Timelapse-Modus; da das Polarlicht recht schwach war, verzichtete ich allerdings auf die Montierung und ließ die Kamera auf dem festen Stativ arbeiten. Den Film muss ich noch einmal bearbeiten, aber er sieht schon jetzt beeindruckender aus als das Polarlicht an dem Abend mit bloßem Auge wirkte.

Nach etwa 2,5 Stunden packten wir zusammen, um die letzte Seilbahn noch zu erwischen – keiner hatte Lust, den Fußweg in die Stadt zu suchen. Die Eile hätten wir uns allerdings sparen können, die Gondel wartete noch auf ein paar Gäste, die an der Endstation ein Gelage veranstaltet hatten. Als eine halbe Stunde nach Abfahrt endlich alle an Bord waren, lag der Alkohol-Gehalt der Luft deutlich über dem Normalwert. Zum Glück hatte niemand das Bedürfnis, sich eine Zigarette anzuzünden…

Gar nicht so dunkel: Die Polarnacht. Tromsø kurz vor 11 Uhr Mittags.

Gar nicht mal so dunkel: Die Polarnacht in Tromsø am 25. November kurz vor 11 Uhr Mittags.

Dienstag war dann der große Tag: Um 19 Uhr erwartete uns Dan Steinbakk von Arctic Experience mit seinem Bus, um das Licht zu jagen. Das Wetter sah nicht sehr vielversprechend aus: In der ständigen Dämmerung der vor kurzem angebrochenen Polarnacht war es zwar noch recht hell, aber die Wolkendecke und der Wetterbericht versprachen nichts Gutes.

Wir nutzten den Tag, um das Vitensenteret zu besuchen: Ein Science-Center mit vielen Versuchen zum selbermachen und einem Planetarium. Der Besuch lohnt sich, wenn man die Zeit dafür hat, kann man sich gut austoben. Nur das Planetarium selbst besuchten wir nicht, auf die nächste englische Vorstellung hätten wir zu lange warten müssen. Dafür gab es eine kleine Wanderung durch die sehr schöne Uni zur (auf ihre Art) beeindruckende Skischanze und am botanischen Garten vorbei.

Zurück im Stadtzentrum gab es noch die Gelegenheit, die Kong Harald zu besichtigen – jeden Tag legen zwei Hurtigrutenschiffe in Tromsø an (einmal nachmittags nordgehend für mehrere Stunden, und einmal südgehend kurz vor Mitternacht für das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale). Mit einem Ausweis erhält man eine Besucherkarte und kann sich auf dem Schiff umsehen. So konnten wir die halbe Flotte kennenlernen. Sehr nett.

Mittlerweile war von Dan, unserem Guide für die Nacht, auch eine EMail gekommen: Bitte die Pässe einpacken, da Regen vorausgesagt war, müssen wir eventuell bis Finnland fahren…

Nach dem Abendessen im Hotel Clarion Aurora (das entgegen der Kritiken und Befürchtungen nicht nur aus einer Suppe bestand, sondern lecker und ausreichend war) stiegen wir dann zu Dan von Arctic Experience ArcticX.no – einem netten Kerl, mit dem wir auch schnell ins Gespräch kamen. Schließlich wollten wir wissen, wie er die tollen Fotos machte, die er unter anderem auf https://www.facebook.com/ArcticEx immer wieder zeigt. Sehr vielversprechend war, dass er die selbe Kameraausstattung hat wie ich: Nikon D7100 und Tokina 11-16mm. Nice. Ich werde seine Tricks hier nicht verraten, sondern gebe nur einen Tipp: Wer in Tromsø ist und Polarlichter sehen will, ist bei Dan genau richtig. Er ist hochmotiviert und will die Aurora selber sehen, und durch den kleinen Bus ist es ein klasse Erlebnis, nur mit ein paar Leuten in der Wildnis zu stehen, während es am Himmel ein Schauspiel gibt.

Twin Peaks: Polarlicht hinter Wolken

Twin Peaks: Polarlicht hinter Wolken

Unser erster Halt war nach einer Stunde “Twin Peaks”, ein Berggipfel an der Straße nach Finnland. Durch ein paar Wolkenlücken waren Sterne zu erkennen, ebenso immer wieder das Tanzen des Polarlichts. Außerdem war es saukalt und windig, sodass wir uns für die Weiterfahrt entschieden. Nur Dan wollte noch ein kurz ein paar Fotos machen, daraufhin packte auch ich mein Stativ aus, und darauf auch alle anderen. Es hat sich gelohnt: Die ersten Kameratricks konnten gleich angewendet werden, und trotz Wolken gab es einige schöne Bilder.

Es ist immer gut, wenn der Guide motivierter ist als seine Gäste:-)

Nach dem kurzen Stopp ging es dann weiter, bis kurz vor die finnische Grenze. Auf einer riesigen, einsamen Ebene in der Nähe eines Sees hatten wir unser Ziel erreicht, und das gerade rechtzeitig: Unter einem beeindruckenden Sternenhimmel (Klassen besser als in den Alpen, alleine deshalb hatte sich die Tour schon gelohnt) bauten wir unsere Kameras auf. Nach einer kurzen Stärkung mit Dans würziger Suppe, Karottenkuchen und heißer Schokolade standen die nächsten eineinhalb Stunden unter dem Motto: Awesome! Holy Crap!

Das Polarlicht fing als breites Band über den gesamten Himmel an, und nach einer Stunde legte es richtig los: Ein rascher Tanz, bei dem neben Grün auch Rot zu sehen war. Unbeschreiblich, und als Fotograf konnte man nur das selbe machen wie Dan: Von einem Eck zum nächsten rennen und abdrücken, ohne sich um die Kameraeinstellungen zu scheren. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal überbelichtete Polarlichtbilder machen würde. Und Dan konnte kaum glauben, dass keinen von uns kalt war – zum Glück war es windstill, und nur wenig unter dem Gefrierpunkt. Er war hier auch schon bei -40 Grad gewesen; die Ebene reicht wohl bis Russland.

Gegen Mitternacht erreichten uns dann die Wolken, und Dan brachte uns sicher zum Hotel zurück – in Tromsø erwartete uns Schneeregen und das warme Bett. Wer sich auch einmal im Winter in Tromsø rumtreibt und die Aurora empfehlen will, dem kann ich Dan und Arctic Experience nur wärmstens empfehlen – mit ihm würde ich sofort wieder fahren; er ist mindestens so polarlichtverrückt wie ich und bestens vorbereitet.

Weihnachtsbäume für Norwegen auf der MS Lofoten

Weihnachtsbäume für Norwegen auf der MS Lofoten

Mittwoch war dann nach einem Besuch im Polarmuseum Pooltag (der Whirlpool auf dem Dach des Hotels ist sehr angenehm, wenn auch kochend heiß), Bilder davon gibt’s aber keine:-) Das Hurtigrutenschiff zum Abschied war die Lofoten mit einer Ladung Weihnachtsbäume, und am nächsten Mittag ging es dann auch schon zurück nach Deutschland. Die MS Midnatsol sahen wir dann nur noch vom Flieger aus.

Jetzt heißt es warten bis zum 20. Januar, wenn es wieder auf die Hurtigrute geht, und ich muss mich erst einmal wieder an die langen Tage hier im Süden gewöhnen…

Tromsø geht immer

Der Weihnachtsbaum in Tromsø.

Der Weihnachtsbaum in Tromsø.

Wie heißt es so schön? Tromsø geht immer, wenn’s um Polarlichter geht.

Obwohl wir auf dem Hinflug eigentlich nur Nebel sahen, nachdem wir den sonnigen Süden hinter uns gelassen hatten, empfing uns die Polarnacht in Tromsø mit klarem, kalten Wetter. Am Flughafen war nicht nur unsere kleine Gruppe, sondern auch alles Gepäck vollzählig eingetroffen, und mit einem Taxi-Bus war die Fahrt zum Hotel für sechs Personen sogar ein bezahlbares Vergnügen. Premiere: Ich habe noch nie vorher einen Kreisverkehr in einem Tunnel gesehen…

Wie üblich gab’s dann während dem Abendessen das erste Polarlicht; bis wir die Kameras bereit und den leckeren Nachtisch verputzt hatten, war es schon wieder schwächer. Aber sogar aus dem hellen Hafengebiet war es schon grün zu fotografieren und zumindest in grau auch zu sehen.

Polarlicht über dem Hafen von Tromsø – 23.11.2014, 21:48, 15 Sek. @400 ISO mit f/2,8 und 11mm.

Polarlicht über dem Hafen von Tromsø – 23.11.2014, 21:48, 15 Sek. @400 ISO mit f/2,8 und 11mm.

Die Suche nach einem besseren Standort endete im Kongsparken und mit der Erkenntnis, dass auch die hochwertigen, reflexfreien Schutzfilter Reflexe machen…

Also Filter runter, während das Polarlicht nochmal loslegte. Nächste Erkenntnis: Zumindest in Tromsø ist die Einstellung “Kunstlicht” für den Weißabgleich besser geeignet als “Sonne”. Aber wofür gibt’s das RAW-Format:-)

Polarlichter über dem Kongsparken.

Polarlichter über dem Kongsparken.

Das war’s dann zum Warmwerden, morgen soll das schöne Wetter halten. Zum Abschied gab’s um Mitternacht noch einen Blick auf die MS Polarlys. Ich hatte schon ganz vergessen, wie groß so ein Hurtigrutenschiff ist…

Astronomie mit einem Celestron jetzt auch als EBook

Astronomie mit einem Celestron-Teleskop

Astronomie mit einem Celestron-Teleskop

Manchmal geht’s schneller als gedacht: Gerade eben habe ich bei der EBook-Version von Astronomie mit einem Celestron-Teleskop auf “Veröffentlichen” geklickt, damit müsste es bald für den Kindle verfügbar sein. Mit etwa 7,50 Euro ist es nicht ganz billig (die vielen Bilder fordern ihren Tribut – und die “Portokosten” für die Auslieferung stellt Amazon mir in Rechnung), und da ich auch Bilder von Celestron drin habe, ist es mit DRM.

Trotzdem habe ich ein Goodie anzubieten: Wer das gebundene Buch kauft, kann das EBook umsonst herunterladen. Das Paket nennt sich Amazon Matchbook und ist eigentlich eine ganz nette Sache.

Warum ich auch hier Amazon nur auf Amazon setze? Für Apples iBooks bräuchte ich eine US-Steuernummer, Tolino nimmt wohl immer noch keine Self-Publisher und vom Google Play Store habe ich mangels Android-Gerät keine Ahnung.

Neues Buch: Astronomie mit einem Celestron-Teleskop

Astronomie mit einem Celestron-Teleskop

Astronomie mit einem Celestron-Teleskop

Was gibt es schöneres, um den Sonntag zu beginnen, als endlich den Proof eines Buchs abzusegnen und auf “Veröffentlichen” zu klicken?

Astronomie mit einem Celestron-Teleskop (Amazon-Link) ist mein neuestes Projekt, das mich diesen Sommer über gut beschäftigt hat. Mit Celestron-Teleskopen arbeite ich ja schon etwas länger; auf der Heilbronner Sternwarte haben wir ein paar C8, die seit den 1980ern in Betrieb sind, und über meine Kontakte zu Baader Planetarium als deutschem Generalimporteur von Celestron habe habe ich noch ein paar tiefere Einblicke.

Da lag es nahe, einmal einen umfassenden Überblick über die Celestron-Geräte zu geben. In den Astronomie-Foren wird ja eigentlich immer nur auf den Dobson hin beraten, der ja auch eine wunderbare Sache ist, wenn man nur visuell beobachten will – aber eine computergesteuerte Montierung hat durchaus ihre Vorteile. So manchen Kniff, der in den Tiefen der NexStar-Steuerung verborgen ist, übersieht man leicht.

Das Buch (das dann doch auf 180 Seiten angewachsen ist) ist in sechs Teile gegliedert:

  • Die Celestron-Teleskope im Überblick stellt die Teleskopserien vor, die zurzeit angeboten werden – von den PowerSeeker-Einsteigerteleskopen bis zum RASA-Astrograph. So können Sie einen Überblick darüber erhalten, was es gibt und was für Sie geeignet sein könnte.
  • Die ersten Nächte am Teleskop hilft dabei, den richtigen Beobachtungsplatz zu finden, die passenden Okulare zu verwenden und das Teleskop richtig aufzustellen. Ein Schwerpunkt liegt natürlich auf der NexStar-Computersteuerung und ihrer Bedienung.
  • Der Himmel enthält Sternkarten für das ganze Jahr, erste Beobachtungstipps und Tipps zur Sonnenbeobachtung oder für Beobachtungsprojekte.
  • Teleskoptechnik vermittelt Hintergrundinformationen: Wie funktioniert ein Teleskop, welche Typen gibt es, was ist an Zubehör sinnvoll oder möglich, und welche Optionen bietet die NexStar-Computersteuerung?
  • Die Fotografie ist ein Thema, das die meisten Einsteiger reizt, aber viele Fangstricke enthält. Hier werden die verschiedenen Möglichkeiten vorgestellt, um mit oder durch ein Teleskop zu fotografieren.
  • Darüber hinaus gibt es Tipps zu Computeranbindung und Firmware-Updates, zur Pflege und zu weiteren Informationsquellen.

Jedes Thema wird auf einer übersichtlichen Doppelseite behandelt. Dabei geht es darum, Sie sicher durch die ersten Nächte zu bringen und zu zeigen, was Ihnen an Möglichkeiten offen steht. Das Buch will also nicht alles erklären, sondern Ihnen vor allem zeigen, wo Sie nach den ersten Beobachtungen weitermachen können. Der Ansatz ist ein bisschen wie Wikipedia: Ich will aufzeigen, was alles möglich ist, ohne Sie mit Informationen zu erschlagen. Erfahrungen müssen Sie ohnehin selbst sammeln, und die einzelnen Themen sind an anderer Stelle umfangreich abgehandelt worden – man muss nur wissen wo, und ob es einen überhaupt interessiert. Ich will vielmehr dabei helfen, die größten Problemstellen leichter zu umfahren und Tipps geben, was Sie später alles machen können.

Erste Schritte mit Ihrem Celestron-Teleskop

Erste Schritte mit Ihrem Celestron-Teleskop

So ein Projekt ist natürlich nicht alleine entstanden, sondern in Zusammenarbeit mit Baader/Celestron-Deutschland. Eine deutlich kürzere Version wird als Broschüre einigen Celestron-Teleskopen beiliegen – dafür aber in Farbe. Das große Buch ist nur in Schwarz-Weiß erhältlich. Meine beiden ersten Amazon-Veröffentlichungen habe ich ja in Farbe und Schwarz-Weiß angeboten, dieses Mal beschränke ich mich auf Schwarzweiß. Der Grund ist einfach: Farbdruck kostet deutlich mehr und bringt in diesem Fall trotz zahlreicher Abbildungen nur wenig Nutzen. Und ein Buch, das sich auch (aber nicht nur) an Erstkäufer eines Teleskops richtet, will ich nicht für 40 Euro anbieten müssen. Schon die 17,96 Euro sind höher, als mir lieb wäre (der krumme Preis kommt übrigens durch den Dollarkurs und Rundungsfehler; bei Amazon wird der Nettopreis angelegt).

Die günstigere EBook-Version ist ebenfalls schon in Arbeit und erscheint hoffentlich bis zum nächsten Wochenende; ich kann sie allerdings nur mit DRM anbieten – viele Bilder stammen nicht von mir, daher kann ich es nicht so offen anbieten wie ich es gerne würde. Das nächste Buch ist dann wieder DRM-frei (ja, ich habe drei weitere in der Pipeline – von denen zur Abwechslung mal keines mit Astronomie mit… im Titel anfangen wird).

Der Preis ist auch der Grund, warum ich das Buch nicht über den Buchhandel anbieten kann, sondern nur über Amazon: Es gibt zwar mittlerweile die “Expanded Distribution”, über die auch der Buchhandel bestellen kann, aber dadurch würde der Preis noch einmal deutlich höher liegen. Funny Fact: Ich hatte schon einige Interessenten aus dem Bekanntenkreis, die gemeint hatten, dass sie es nicht gekauft haben, weil es nur über Amazon erhältlich ist – aber es direkt bei mir kaufen würden. Um ein Zeichen gegen Amazon zu setzen, bringt das aber nichts – schließlich kaufe auch ich die Bücher direkt bei Amazon ein, die für mich Druckerei und Distributor…

Warum ich weiterhin bei Amazon veröffentliche, trotz allen Diskussionen, die es in letzter Zeit um die Firma gab? Weil mir Amazon einen guten Deal anbietet, ich alle Rechte am Buch behalte (andere Print-on-Demand-Anbieter sichern sich genau wie ein richtiger Verlag alle Rechte, leisten dafür aber wesentlich weniger und verlangen zum Teil sogar einen Mindestumsatz) und ich flexibler bin. Ich muss nicht warten, bis alle Exemplare abverkauft sind, sondern kann bei Bedarf die nächste Auflage herausbringen, wenn Celestron sein Produktsortiment erweitert. Wenn ich mein Fernglasbuch bei einem Verlag herausgebracht hätte, wäre es wohl nie auf Englisch erschienen. John Scalzi hat das in einem längeren, lesenswerten Posting vor kurzem sehr schön auf den Punkt gebracht: Publishing is a Business, und weder Amazon noch die Verlage sind deine Freunde, sondern Geschäftspartner. Das heißt nicht, dass die Leute, die dort arbeiten und mit denen man zu tun hat, keine Freunde sein können – aber die Firma als solches ist gewinnorientiert, sonst verschwindet sie irgendwann. Aber ich habe keine Exklusiv-Deals, sondern bin durchaus bereit, bei Amazon wie auch bei Verlagen zu veröffentlichen. Bei Amazon habe ich mehr Kontrolle und Rechte, bei Verlagen jede Menge Leute, die Profis auf ihrem Gebiet sind und die Bücher besser im Buchhandel platzieren können.

Daher bin ich nicht abgeneigt, auch wieder einmal bei einem Verlag zu veröffentlichen: Es ist die beste Möglichkeiten, in den Buchhandel zu kommen, und ich bin ein großer Freund vor allem von kleinen Buchhandlungen, bei denen die Bücher nicht hinter DVDs, Geschenkartikeln und Esoterik-Kram versteckt sind wie in vielen Buchhandelsketten.

A propos Verlag: Interstellarum und indirekt auch der Oculum-Verlag, der dieses Magazin für praktische Astronomie herausbringt, steckt zurzeit in Schwierigkeiten. Um die Zeitung auch in Zukunft herausbringen zu können, werden gerade über ein Crowdfounding Abonnenten gesucht, da über den Kioskverkauf kaum etwas beim Verlag hängen bleibt. Es wäre schade um die Zeitung, und auch der Verlag hat eine ganze Reihe schöner Bücher herausgebracht sowie die Volkssternwarten gefördert. Als PDF und App gibt’s die aktuelle Ausgabe auf der Varlagswebseite zum Anschauen. Auch der Newsletter, den interstellarum kostenlos anbietet, würde dann verschwinden. TANSTAAFL, wie es so schön heißt: There ain’t no such thing as a free lunch. Vielleicht ist das ja auch etwas für Sie?

Das wichtigste nochmal zum Schluss: Astronomie mit einem Celestron-Teleskop (Amazon-Link) ist seit heute als Taschenbuch erhältlich:-)