Tag 3: Die Königsstadt Trondheim & erstes Licht

Richard With und Finnmarken

Richard With und Finnmarken

Schon um 6:00 legen wir fahrplangemäß in Trondheim an – zumindest glaube ich das; vom Anlegen bekomme ich nichts mit. Man gewöhnt sich doch recht schnell an die Geräusche an Bord. Mein Plan für heute sieht vor, kurz nach acht loszuziehen, um in Trondheim zu frühstücken, und das ziehe ich mit Volker auch gnadenlos durch: Ausflug 3K – Trondheim kulinarisch auf eigene Faust. Das schöne an den norwegischen Städten ist ja, dass man sie problemlos zu Fuß erkunden kann, und die großen Stadtpläne, die normalerweise auf dem Schiff ausliegen, wurden durch kompaktere Pläne ersetzt, in denen gleich Tourenvorschläge eingezeichnet sind. Die mittlere Tour mit 5km deckt das meiste ab; wir machen sie “rückwärts” und ergänzen sie durch Restaurantbesuche. Das erste Ziel ist natürlich die Richard With, die direkt vor der Finnmarken liegt und ein schönes Fotomotiv abgibt.

Über vereiste Anlegeplätze kleinerer Schiffe geht es durch das Bakklandet-Viertel mit seinen wunderschönen kleinen Holzhäusern bis zu Nidaros-Dom.

Im Nidaros-Dom ist die Olaf-Quelle versteckt – ein kleiner Brunnen, in dem es seit einer Ewigkeit kein Wasser mehr gibt, der mit dem Nidaros-Dom aber das Ende einer Pilgerstrecke markiert. Statt einen Blick in den Dom zu werfen, gehen wir einmal in den Hof des angrenzenden Bischoffspalasts: Chic, durchaus einen Abstecher wert. Die Kirchenherren lebten nicht schlecht.

Die Temperaturen sind eisig, durch den Wind kommt es einem deutlich kälter vor als die rund 5° unter Null. Auf dem Weg vom Dom in die Innenstadt treffen wir einige Gäste, die die Stadt erkunden oder sich im Japan-Foto mit fehlenden Kameraequipment ausgestattet haben – vom Ladegerät bis zum Stativ. Ich sollte von dem Laden doch Prozente verlangen… Heute steht aber kein Fotohändler auf meinem Programm, stattdessen geht es in den Starbucks und die angrenzende Buchhandlung, meine Comic-Sammlung vervollständigen. Irgendwie muss das mit dem Norwegisch lernen doch klappen, auch wenn man mit Deutsch und Englisch gerade auf dem Schiff und in den Touri-Zentren problemlos durchkommt.

Da das Schiff schon gegen 12 Uhr wieder ablegt, steht nach einer schönen heißen Schokolade auch schon wieder der Rückweg an. Ein Besuch im Torget Einkaufszentrum muss sein: Einige kleinere Häuser wurden hier einfach überbaut und in das Einkaufszentrum integriert. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass einige einfach nicht verkaufen wollten, als Trondheim Torg errichtet wurde, und das Center einfach über die Häuser gebaut wurde… Von den Ausgrabungen, die im November auf dem Marktplatz waren, ist dafür nichts mehr zu sehen. Den Weg durch den Hafen zum Schiff kenne ich mittlerweile, und einige folgen uns auch – man hat als Astro-Lektor wohl doch eine gewisse Autorität, auch in Norwegen. Dabei sind gar keine Sterne zum Navigieren zu sehen. Macht aber nichts, die Finnmarken ist schon aus einiger Entfernung zu sehen.

Erster Blick auf die MS Spitsbergen

Erster Blick auf die MS Spitsbergen

Im Hafen ist es immer wieder beeindruckend zu sehen, wie ein kleiner Kranwagen mit den Containern jongliert. Zur Abfahrt geht es an den Bug: Es ist zwar windig, aber es haben sich doch einige Passagiere versammelt, um die Fahrt durch den eindrucksvollen Trondheimfjord zu erleben. Sie verzögert sich etwas: Ein Passagier wird mehrmals ausgerufen. Keine Ahnung, ob er es noch an Bord geschafft hat. An Munkholmen vorbei geht es Richtung offenes Meer, und bis der Hunger alle Richtung Restaurant treibt, ergeben sich einige interessante Gespräche.

Während dem Essen bringt Ekkehard das Gespräch auf die Werften am Ufer; dabei kommt heraus, dass wir auch and er Werft vorbei fahren, in der gerade die Spitsbergen umgebaut wird – das neueste Hurtigrutenschiff, das ab Sommer gemeinsam mit der Lofoten fahren soll, aber auf einer touristisch interessanteren Route. Also raus aufs Deck und mit dem Teleobjektiv drauf halten: Neben dem linken Kran müsste sie liegen, die beiden weißen Schornsteine deuten darauf hin. Ein erster Jagderfolg.

Der nächste Jagdaufruf ist weniger erfolgreich: Der Kapitän sagt durch, dass ein paar Wale zu sehen seien. Aber bis ich an Deck bin, sind sie schon weg; Volker hat wenigstens noch eine Schwanzspitze erspähen können. Für seine Kamera waren sie aber doch zu flott.

Unseren zweiten Vortrag verschieben wir etwas, da nach der Passage des berühmten unaussprechlichen Leuchtturms Kjeungskjærfyr um 14:30 wieder lokale Delikatessen an Deck präsentiert werden. Damit jeder eine Chance zum Probieren hat, beginnen wir etwas später. Der Wind am Bug ist eisig, oben auf Deck 8 lässt es sich besser aushalten. Die Gischt des Schiffs hat einen netten Effekt: Da hinter uns die tiefstehende Sonne leuchtet, gibt es unter uns einen Regenbogen neben dem Schiff. Das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Nach dem Vortrag bleibt etwas Zeit für den gemütlichen Teil; die Wetterprognosen für diesen Abend sind ja nicht so toll. Vorfreude gibt’s trotzdem: Dan hat aus Tromsø tolle Bilder der letzten Nacht gepostet (und er ist auch erkältet; ich bin bei den Vorträgen ebenfalls froh über das Mikro), und für morgen Abend in Svolvær ist gutes Wetter vorhergesagt. In Rørvik begegnen wir nach dem Abendessen der Nordnorge und nutzen die Gelegenheit für einen Besuch. Ich bekomme leichtes Heimweh – sie ist fast identisch mit “meiner” Nordkapp, nur die Inneneinrichtung ist anders, aber ebenfalls sehr chic. (Jeder hat so seine Vorlieben. Die Finnmarken ist ein schönes, großes und luxuriöses Schiff, aber mein Favorit ist etwas kleiner – so läuft man sich häufiger über den Weg. Aber andere lassen zum Beispiel nichts auf die Lofoten kommen. Es gibt für jeden das richtige Schiff.)

Vom Heck der Nordnorge aus gibt es einen guten Blick auf die Finnmarken, und auf dem Achterdeck ziehen Schneehaufen den Blick auf sich: Im Norden gibt es wohl echten Winter. (Die Lofoten hat aus Kirkenes schöne Grüße bei -25° gepostet.) Schönes Schiff; Volker kann mich trotzdem wieder auf die Finnmarken zerren:-) Bemerkenswert ist übrigens die Schräglage der beiden Schiffe zueinander: Jedes wird so getrimmt, dass es bei Seitenwind die Küste entlang möglichst gerade im Wasser liegt; wenn bei gutem Wind ein nord- und ein südgehendes Schiff nebeneinander liegen, fällt das erst so richtig auf.

Das erste grüne Beweisfoto. Für das Auge war Grau schwarz und Grün grau.

Das erste grüne Beweisfoto. Für das Auge war Grau schwarz und Grün grau.

Der Abend klingt gemütlich in der Bar aus; da die Finnmarken nicht einmal zur Hälfte besetzt ist (die Nordnorge sogar nur zu einem Viertel), hat nur der Ausschank im Panoramasalon offen. Unsere beiden Reiseleiter haben zum gemütlichen Abendtreffen eingeladen, und zwischendurch werfen wir immer wieder einen Blick nach draußen. Am frühen Abend ist ein kameragrüner Lichtstreifen unter den Wolken am Horizont zu sehen, gegen 23 Uhr ein Grünschimmer hinter den Wolken – gegen Mitternacht kann man beruhigt ins Bett gehen, und ich kann den Blogeintrag für diesen Tag beenden. Ein paar grüne Bilder sind immerhin entstanden.

Abgesehen davon, dass um halb zwei, nachdem wir Brønnøysund verlassen haben, die Durchsage kommt, dass es vom Bug aus Polarlicht zu sehen gibt. Also wieder ganz anziehen (zum Glück war ich ja noch am Rechner), Kamera schnappen und ab an den Bug.

Stimmt, da ist Nordlicht – etwa von der Stärke, die man so weit im Süden erwarten kann: Kameragrün, mit bloßem Auge grau, keine starke Bewegung, aber trotzdem ganz schön anzuschauen. Es haben sich doch einige von der Gruppe am Bug versammelt und trotzen dem Wind und der Kälte, auch wenn das natürlich noch nicht die Show ist, auf die wir alle hoffen.

Und noch ein Wort an alle, die schneller Blogeinträge erwarten und dabei das freundliche Augenzwinkern vergessen: Ich mache das zum Spaß und in meiner Freizeit; wer mehr Leistung will, kann ja versuchen, mich mit Bestechungsgeldern zu motivieren:-) Ansonsten gibt’s immer wieder ein paar Impressionen über meinen Twitter-Kanal. Aber keine Echtzeit-Polarlicht-Bilder, so gut ist meine Handy-Kamera auch nicht. Und es gibt auf der Reise viel zu sehen und zu erleben, wer sitzt da schon freiwillig ständig am PC:-)

Tag 2: Ålesund

Ruhige See rund um's Westkapp.

Ruhige See rund um’s Westkap.

Der Tag beginnt früh: Kurz nach sieben werde ich wach, wir liegen – etwas vor dem Zeitplan – in Måløy. Damit kriege ich diesen Hafen auch mal mit, dabei wollte ich das gar nicht – aber meine Kabine ist direkt über Ladeluke, und es ist etwas laut. In anderen Kabinen soll es dagegen ruhiger sein, und die Finnmarken ist trotz aller Annehmlichkeiten immer noch ein Hurtigruten- und somit Arbeitsschiff. Immerhin kann ich so ohne Wellengang duschen, wobei auch das Westkapp dieses Mal lieb zu uns ist: Beim Frühstücksbuffet schwankt kaum jemand zu seinem Tisch, die See ist ruhig. Auf dem Umlaufdeck nutzen auch einige die Möglichkeit, Kalorien abzutrainieren und laufen rund um das Schiff, und die Fotografen sind auch schon aktiv – ist ja auch eine schöne Landschaft.

Für unsere Gruppe steht vor Ålesund der erste Vortrag an. So verpassen wir zwar Torvik, aber es gibt noch mehr Häfen, die auch nicht weniger hübsch sind. Der Konferenzraum langt für unsere Gruppe gut aus, und das Headset-Mikrofon hat auch eine gute Qualität. So macht Vortraghalten Spaß. Pünktlich um 11:26 sind wir mit Vortrag und Fototipps durch – rechtzeitig zum nächsten Tageshighlight, dem vorgezogenen Mittagsbuffet um 11:30.

Das Highlight des Tages ist natürlich die Jugendstilstadt Ålesund – immer wieder hübsch und der Grund für das frühe Mittagessen. Das Kaffeepaket mit der berühmten roten Hurtigrutentasse ist seit dem 1. Januar 2016 übrigens Geschichte, dafür gibt es im Restaurant wieder kostenlos Wasser zum Essen dazu, wenn man danach fragt. Auch nicht schlecht; vor einigen Jahren gab es das wohl schon mal. Damit gehören Getränke beim Essen zur Vollpension, wie man es eigentlich erwartet; der kostenlose Kaffee nach dem Essen ist dafür wohl erst einmal Geschichte.

Ganz angenehm auf der Finnmarken: die Kabine ist etwas größer als auf der Nordkapp und hat einen Kühlschrank. (Und einen Fernseher. Wer braucht auf einer Hurtigrutenreise bei der Landschaft einen Fernseher? Okay – er dient als Infokanal für die Durchsagen, die auf anderen Schiffen über das Telefon laufen. Das ist das erste Mal seit Jahren, dass ich wieder einen Fernseher anschalte…) Daher wird Ålesund nicht nur zum Sightseeing genutzt, sondern auch zum Vorräte einkaufen.

Mit Spikes ist auch der Hausberg Aksla kein Problem (ohne ist er trotz der neuen Treppen anspruchsvoll, aber durchaus machbar), und nach der Tour bleibt genug Zeit, um im Kiwi Vorräte zu kaufen. Neben den berühmten Gebäuden hat Ålesund auch einiges an Kunst zu bieten. Die Statuen werden immer wieder gerne fotografiert.

Die Kirche von Ålesund.

Die Kirche von Ålesund.

Diesmal nehmen wir uns auch Zeit, um bei der Kirche vorbeizuschauen, die zusammen mit der Schule das Stadtbild prägt, aber in der entgegengesetzten Richtung zum Aksla liegt. Ein hübscher Bau. Beim Rückweg zu Schiff ist Schnee kein Problem, nur die Regenrinnen der Häuser, die für so manche Eisfläche sorgen.

Der Rückweg führt natürlich auch an dem Bootsbauprojekt vorbei, das ich schon auf den letzten Touren verfolgen konnte. Mittlerweile nimmt der Nachbau eines Fischerbootes echte Formen an. Das Bankskøyta-Projekt rekonstruiert eines der typischen Boote, die noch bis etwa 1900 im Einsatz waren. Neben der Finnmarken wirkt es richtig winzig.

Alt trifft neu: Das Bankskøyta-Projekt nimmt Formen an.

Alt trifft neu: Das Bankskøyta-Projekt nimmt Formen an.

Anschließend bleibt etwas freie Zeit: Den Nordlichtfilm des Schiffs kenne ich ja schon, und er enthält auch keine Widersprüche zu meinem Nordlicht-Vortrag. Im Panoramasalon (“Brotoppen”, also die “Spitze über der Brücke oder so” – auf gut schwäbisch wäre das wohl der (mit einer Bar sehr gut ausgebaute) Dachboden vom Schiff…) ist wenig los, und ich konnte die Zeit für den gestrigen Blogbeitrag nutzen. Das Wetter ist zwar angenehm, aber bedeckt, sodass ich die malerische Abfahrt von Ålesund nicht im Bild festhalten muss.

Das Oberdeck der Finnmarken hat seinen Reiz – und der Sonnenuntergang natürlich auch.

Das Oberdeck der Finnmarken hat seinen Reiz – und der Sonnenuntergang natürlich auch.

Na gut: Ein paar Fotos mache ich doch, wie die Sonne am Horizont noch einmal unter den Wolken hervorlinst. In den Mittagsstunden auf dem Aksla war es schon eindrucksvoll, wie sie knapp über den Berggipfeln hervorschaute.

Aber ich bin ja nicht zum Spaß hier: Um 16:30 stand dann Meet and Greet auf dem Programm. Bei einem Sektempfang stellten wir uns alle vor, und die beiden Reiseleiter informierten über allerhand organisatorisches. Anschließend war Kamerahilfe angesagt: Viele nutzen die Chance, mit uns die besten Kameraeinstellungen durchzugehen. Das ist sehr angenehm, denn noch ist Zeit, um in Ruhe alles zu testen und ggf. in Trondheim Zubehör zu kaufen – weiter nördlich gibt es keine Fotoläden mehr an unserer Route. Und mit etwas Glück klappt dann auch alles, wenn das erste Nordlicht kommt.

Während unserer Infoveranstaltung.

Während unserer Infoveranstaltung.

Dann ging es auch schon weiter zum Abendessen (durchaus lecker – daher stammt wohl der gute Ruf, den die Küche der Finnmarken hat), und das war es dann mit Terminen. Nur noch eine Schiffsbegegnung mit der Vesterålen, die eine überraschend starke Lichthupe hat, und einige Blicke in den Himmel. Jede helle Wolke zog Aufmerksamkeit auf sich, aber noch gibt es kein Polarlicht: Die Wolken sind gelb und werden von den Ortschaften an der Küste angestrahlt. Polarlichtaktivität gibt es zwar, aber sie bleibt hinter den Wolken verborgen.

Hoffen wir auf gutes Wetter in den nächsten Tagen!

Tag 1: Bergen – Anreise mit Hindernissen

Es ist mal wieder so weit: Nordlicht und Sterne steht an, diesmal auf der MS Finnmarken, dem längsten Schiff der Flotte (Midnatsol und Trollfjord sind kürzer, haben aber mehr Bruttoregistertonnen). In Tromsø kürzlich waren wir ja schon zu Besuch auf dem Schiff, wo sie den Spitznamen Titanic erhalten hat: Groß, luxuriös, mit Swimming Pool und zwei Whirlpools, das ganze in stilvoller Art-Deco-Ausstattung. Und da war und auch schon klar, dass es Probleme geben wird: Guinness, Smirnoff Ice und Pepsi Maxx fehlen auf der Speisekarte… Vertraute Rituale abends im Salon werden so wohl nicht stattfinden können.

Freie Bahn an der Security

Freie Bahn an der Security

Aber erst einmal müssen wir hinkommen. Abflug in Frankfurt ist um 10:25, dank der Security müssen wir trotzdem zeitig los. Überraschenderweise geht in Frankfurt alles glatt: Es ist kaum Betrieb und keine Schlange an der Security – wenn es immer so wäre, würde der Flughafen Frankfurt beinahe Spaß machen.

Bis Oslo fliegen Volker und ich zusammen, danach nehmen wir verschiedene Maschinen. Wohl um sicherzustellen, dass zumindest ein Lektor ankommt:-) Bei eineinhalb bis zwei Stunden Umsteigezeit sind die Chancen aber gut, dass in Oslo alles klappt, und tatsächlich erreichen wir den Flughafen pünktlich. Nach einiger Wartezeit am Gepäckband (räumt in Oslo eigentlich nur ein einziger das Gepäck aus den Maschinen?) geht’s durch den Zoll, einen Stock nach oben zum Baggage Drop, dann zum anderen Baggage Drop, weil der Automat die Airline nicht kennt (der SAS-Flug wurde von Lufthansa durchgeführt), das Gepäck abgeben, nochmal durch die Security, dann was zu trinken kaufen und ab zum Gate.

Das Gepäckband in Oslo. Wie ich es hasse.

Das Gepäckband in Oslo. Wie ich es hasse.

Das Boarding läuft schnell und pünktlich ab, 14:45 geht’s auf’s Rollfeld, dann fangen die Probleme an: Wegen technischen Problemen verzögert sich der Start. Eine der Klimaanlagen streikt, nach einem Reset geht’s weiter und mir fallen die Augen zu – die letzte Nacht war kurz. Pünktlich zu Landung um 15:35 wache ich wieder auf. Landung? Wir stehen immer noch in Oslo, bei Schneesturm und -8°C. Von Volker kam vor einer halben Stunde die SMS, dass er auch noch in Oslo wäre (mittlerweile wohl nicht mehr), und erst um 15:55 nach einer Vollwäsche mit Enteiser heben wir ab – sein Maschinchen war komplett zugeschneit gewesen und hatte daher auch Verspätung.

Immerhin: Mit nur einer Stunde Verspätung erreichten wir dann Bergen, wo uns die beiden Reiseleiter Ekkehard und Sabine erwarteten und sogar unser Gepäck den Weg auf Band fand. Der Flughafentransfer um 17:30 war für uns daher kein Problem, nur war mein Flieger der letzte, der Oslo verließ – einige andere Maschinen waren gecancelt, unsere letzten Gäste sollten gegen 21:30 ankommen. Knapp, aber machbar.

Noch mal Security: Die Sicherheitsbelehrung, bevor es auf das Schiff geht.

Noch mal Security: Die Sicherheitsbelehrung, bevor es auf das Schiff geht.

In Bergen geht es nach einer kurzen Orientierungsfahrt durch die Stadt zum Hurtigruten-Terminal, Einchecken, Sicherheitsbelehrung und dann auf’s Schiff.

Erster Eindruck: Groß. Und trotzdem kommen wir nicht ins Restaurant, weil noch umgedeckt wird. Egal: Wir besprechen mit der Reiseleitung und dem Schiff unseren Schlachtplan. Das Ziel ist, den ersten Vortrag und den Begrüßungsumtrunk gleich am ersten Tag zu machen, damit wir die Fototipps abhandeln können – nach Trondheim gibt es keine Fotoläden mehr. Dazu zeigt das Schiff noch den Nordlichtflim (den es jetzt auch im Shop gibt) und macht eine Vorführung zur Zubereitung von Hammelfleisch. Volles Programm, auch weil es wegen Ålesund morgen früher Mittagessen gibt. Uff, aber wir kriegen das hin – Ekkehard ist mittlerweile wieder am Flughafen sammelt alle möglichen Hurtigrutengäste ein: Der Schneesturm hat Oslo ziemlich lahmgelegt.

Um 22:40 sind dann alle an Bord – zehn Minuten nach der geplanten Abfahrt. Wenn 10% der Gäste fehlen, wartet das Schiff wohl doch mal kurz, zumindest wenn der Transferbus schon unterwegs ist.

Als Besonderheit hat die Finnmarken nicht das schöne große Achterdeck (da ist hier der beleuchtete Pool), sondern einen begehbaren Bug. Mal sehen, wie windig das ist, wenn es über der Barentssee Polarlicht gibt – ich bin gespannt. Die Ausfahrt aus Bergen verfolgen wir dort, dann ruft wieder die Pflicht. Irgendwann nach Mitternacht haben wir die Planung dann fertig: Morgen früh beginnt das Programm.

Kurztrip nach Tromsø

Der Parkplatz ist DIE Antwort.

Der Parkplatz ist DIE Antwort.

Silvester in Tromsø – das ist nicht nur eine gute Idee, sondern war auch der Plan für den Jahreswechsel 2015/2016. Nachdem die Pläne auf der Sternwarte bekannt wurden und noch ein paar Anmeldungen hinterher kamen, waren wir schließlich 16 Leute, die nach einigen Umbuchungen durch SAS eine spannende Reiseroute vor sich hatten. Am 30.12. ging es über Frankfurt und Oslo nach Tromsø. 10:25 klingt eigentlich nach einer ganz angenehmen Abflugszeit, wenn man nicht schon zwei Stunden vorher am Flughafen sein müsste und eine längere Anfahrt hätte. Immerhin habe ich guten Parkplatz erwischt – die Nummer kann man sich wenigstens merken. Den ersten Flug führte die Lufthansa durch, daher wurde unser Gepäck in Oslo-Gardermoen auch nicht testweise durchgecheckt. Stattdessen mussten wir es am Gepäckband abholen, durch den Zoll tragen und ein Stock höher wieder aufgeben, anschließend noch mal durch die Security und ab zum Gate mit dem nächsten Flieger.

Tomsø Lufthavn

Tomsø Lufthavn

Soweit die Theorie, denn unser Zeitfenster betrug nur 50 Minuten. Gut die Hälfte von uns schaffte es, war rechtzeitig im Flieger und kurz nach 15:00 Uhr am Flughafen in Tromsø, um dann norwegisch-kreativ auszusteigen: Die Maschine am Heck verlassen, über das Rollfeld, die Treppe am vorderen Ende des Fliegers hoch, ins Flughafengebäude und wieder die Treppe runter zur Gepäckausgabe. Dann ab zu Europcar, die beiden Mietautos abholen, und mit den anderen zusammentelefonieren, die in Oslo zurückgeblieben und nun über ganz Nordnorwegen verstreut waren: Die meisten flogen über Bodø und zahlreiche kleine Flughäfen auf den Lofoten, zwei hatten die große Norwegen-Rundreise gewonnen und machten die südgehende Hurtigrute an einem Abend: Kirkenes, Vardø, Vadsø und weitere Luft- und Schiffshäfen, die ich nur von See aus kenne. Mit den Propeller-Maschinen von Widerøe kann man Norwegen auch schnell und gut kennenlernen; ich freue mich schon auf die Fotos dieser Expeditionstour. Einige kamen somit am späten Abend an, die letzten gegen halb eins – und was machen wir derweil?

Eine kurze Rast (der LKW gehört nicht zu uns).

Eine kurze Rast (der LKW gehört nicht zu uns).

Erst einmal im Hotel einchecken, Getränke für die anderen besorgen und um 19:00 Dan Steinbakk von ArticX treffen, schließlich war die Tour ja fest für diesen Abend geplant. Er machte seinem Ruf wieder alle Ehre, dass er das Polarlicht findet – und schließlich waren ein schöner Sonnensturm und gutes Wetter vorhergesagt. Aber auf die Prognosen ist da kein Verlass: Das Sturmgebiet über dem Atlantik (wegen dem sogar ein paar Bohrinseln evakuiert wurde) trieb Wolken zu uns, und statt Sonnensturm gab’s nur Schneesturm. Ein bisschen mehr Wind, und es hätte mich beim Aussteigen glatt weggeweht, zumindest ohne Spikes.

Litte, litte Lys...

Litte, litte Lys…

Die Suche nach klarem Himmel führte uns zwar nicht ganz bis nach Finnland, aber die Hälfte der Strecke unserer Tour vom letzten November machten wir doch – nur ging es durch mehr Schneetreiben. Irgendwann fanden wir dann ein Eckchen mit Wolkenlücke, schöner Kulisse und “litte, litte lys” – ein bisschen Nordlicht schimmerte durch die Wolkenlücken. Die, die zum ersten Mal dabei waren, waren froh, etwas gesehen haben, die anderen weniger. Dan und ich waren uns einig, in Zukunft besser keine Prognosen mehr abzugeben… Auf der Rückfahrt gab es immerhin noch eine etwas bessere Wolkenlücke, und wir hielten in einer Parkbucht an, um noch etwas Grün zu erhaschen.

Hunting the Light

Hunting the Light

Aber ganz ehrlich: Die Aurora hätte sich ruhig etwas mehr Mühe geben können. Vielleicht hatte sie aber auch nur Mitleid mit dem Rest unserer Gruppe, von denen die ersten mittlerweile in Tromsø angekommen waren und nicht nur die wunderschönen Lofoten von oben gesehen hatten, sondern auch das erste Hurtigrutenschiff besichtigen konnten, das um Mitternacht im Hafen lag. Das war eindeutig die lohnendere Tour, auch wenn ich Dan immerhin einige Kneipentipps für Tromsø entlocken konnte. Irgendwie kenne ich in Norwegen mittlerweile mehr gute Kneipen als in Deutschland…

Die Beute der Nacht ergab immerhin einen kleinen Zeitraffer; zum Üben ganz nett.

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Am nächsten Tag waren wir dann vollständig und hatten nur wenig Programm geplant. Daher galt es, die Ladenöffnungszeiten auszunutzen – über Silvester ist Norwegen weitestgehend geschlossen.

Also machten wir eine kurze Orientierungstour für alle, die zum ersten Mal hier waren, danach ging es zum Shoppen: Im Bokhuset Libris wartete eine Buchbestellung auf mich, anschließend wurden die Schuhgeschäfte und Tromsøs Greatest Gift Shop abgeklappert. Der nächste Termin war ein Besuch auf der Midnatsol, dann das Abendessen im Hotel und anschließend das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale – immer wieder schön, und ich kann es mir auf den nächsten Hurtigruten-Touren sparen:-) Der Besuch auf dem Storsteinen fiel flach: Es gibt zwar wohl einen Fußweg, aber Dan würde ihn nur ambitionierten Bergwanderern mit passender Ausrüstung empfehlen. Also ließen wir die Bauarbeiter da oben in Ruhe. Im Oktober dann wieder.

Nach dem Konzert ging es über die Brücke zurück zum Hotel, noch einmal die Trollfjord anschauen und anschließend etwas verfrüht auf das neue Jahr anstoßen – mit Sekt, aber nur in der Lobby vom Hotel, um keine 1500 NOK Strafe wegen Alkohol auf der Straße zu riskieren. Anschließend ab zum Kai, um wenig privates Feuerwerk zu bewundern, zusammen mit viel städtischem Feuerwerk. Respekt, dagegen ist das Heilbronner Feuerwerk nichts.

Und dann: Big Party und ausschlafen! Pustekuchen… Pünktlich um 10 Uhr am 1. Januar erwartete uns das Taxi zum Hundeschlittenfahren mit Arctic Adventure Tours.

Die Tour führte uns rund 1,5 Stunden quer durch die verschneite Insel Kveløya und war echte Arbeit: Aus Kirkenes kennt man die Hundeschlittentour von Hurtigruten ja so, dass man mit dem Schlitten kurz auf einen See gefahren wird, danach geht’s wieder zurück. Hier war Selberfahren angesagt: Immer zwei von uns auf einem Schlitten, und zwischendrin wird abgewechselt. Die Hunde kennen den Weg bzw. laufen dem Leitgespann hinterher (theoretisch zumindest – solange sie es nämlich nicht aus den Augen verlieren), und der Musher ist das siebte Teammitglied zu den Sechs Huskies und muss mitarbeiten: Am Berg anschieben bzw. abbremsen, wenn es bergab geht, damit man keinen überholt. Außerdem dafür sorgen, dass der Schlitten nicht umkippt, in einem Baum hängen bleibt oder in einem Loch verschwindet. Was soll ich sagen: Der siebte Husky war ‘ne Niete. Bei jedem Team.

Spaß hat’s trotzdem gemacht. Zum Glück gab es auch Overalls und Stiefel, damit alle passend gekleidet waren. Und es war der Ausflug mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis: Die Knochen taten einem noch zwei Tage später weh. Also wurde der Nachmittag im Boblebad vom Hotel verbracht. So schee. Und nein, Bilder gibt’s keine. Zum Trost noch ein paar Impressionen von Tromsø und dem allnachmittaglichen Hurtigrutenschiff:

Um 19:00 stand dann wieder Polarlichtjagd mit Dan auf dem Programm: Diesmal war das Wetter besser, und es ging nur ein paar Kilometer weit. Angeblich war ja in der Nacht zuvor klasse Polarlicht zu sehen, aber über Tromsø waren Wolken. In dieser Nacht fanden wir einen schönen, windgeschützten Standort, hatten zum ersten Mal das versprochene Lagerfeuer (auf der ersten Tour gab’s zu viel Polarlicht, auf der Tour vorgestern zu viel Sturm) und einen sehr angenehmen Abend mit etwas Polarlicht, viel leckerer Spicy Soup (Geheimrezept), Karottenkuchen und interessanten Gesprächen. Dan ist ja so ziemlich der Einzige, der die Aurora auch hörbar macht, das Geprassel des Sonnenwinds ist durchaus interessant.

Leider wieder nicht die große Show, aber ein toller Abend.

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Irgendwann ging’s dann wieder zurück in die superweichen Betten vom Hotel – groggy, k.o., tot. Wecken bitte nicht vor 13 Uhr…

Das rechts ist nicht die Sonne.

Das helle rechts am Horizont ist NICHT die Sonne.

Wobei das mit dem Aufstehen in der Polarnacht ja so eine Sache ist. Irgendwann wacht man auf, überlegt wie spät es ist (gefühlt kann’s nicht viel nach 6 Uhr sein, und dunkel ist’s auch noch), und dann schaut man auf die Uhr: Zwanzig nach Neun? Dann halt doch aufstehen. War auch eine weise Entscheidung: Die anderen wollten die Autoschlüssel, um das Science-Center zu besuchen. Bei mir stand wieder einkaufen auf dem Programm: Zur Tagesbeute gehörten endlich gescheite Schuhe (Warum gibt’s das in Deutschland eigentlich nicht? Ein paar solide Schuhe, die ihr Geld wert sind?) und – erstmals – Souvenirs aus dem Gift-Shop. Anschließend ein Besuch auf dem Schiff der Schiffe, der Nordkapp. Und dann wieder Boblebad, so schee. (Sagte ich das bereits?)

Und für den Abend stand erneut Nordlicht-Jagd auf dem Programm, diesmal auf eigene Faust. Der Himmel war bombenklar, die Polarlichtvorhersage so lala, und von 16 Leuten hatten nur noch zehn Interesse – Leute, wofür sind wir denn in Norwegen? Also ging’s mit zwei Autos westwärts. Der erste Halt war ein spiegelglatter, bitterkalter windiger Parkplatz, der jeden daran erinnerte, dass man die Spikes doch hätte einpacken sollen – gut, dass wenigstens die Autos Spikes haben. Klasse Himmel, kaum Polarlicht. Also noch ein Stück weiter fahren, an Dans VW-Bus vorbei (dann kann die Route schonmal nicht schlecht sein) zum nächsten Parkplatz (nicht schlecht, aber hohe Berge), und dann weiter bis zur Küste, in der Nähe von Skulsfjord. Tolle Kulisse, schönes Polarlicht: Hier bleiben wir! Und zwar fast vier Stunden lang. Zwischendrin holen wir noch ein paar der zurückgebliebenen nach, denn es lohnt sich echt.

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Wer das nicht sehen will, ist selber schuld!

Das ist genau die Show, wegen der wir hier sind. Kurz nach 23 Uhr brechen wir dann zusammen, schließlich steigen morgen früh die ersten schon wieder in den Flieger. Auf der Rückfahrt halten wir noch kurz bei Dan und sind uns einig: AWESOME!

MS Lofoten

MS Lofoten

Zurückgekommen bleibt noch Zeit für einen Kaffee im Hotel, einen Besuch am Kai, wo die Lofoten liegt und ein Abschiedsfoto von Tromsø gemacht werden kann, und eine tolle Reise geht zu Ende.

Für den 3. Januar war eigentlich vorgesehen, dass wir alle zusammen zurück nach Frankfurt fliegen, aber dem hat SAS einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein paar von uns konnten wie geplant fliegen, andere wurden umgebucht und sollten von Tromsø nach Oslo und anschließend von Stockholm nach Frankfurt fliegen, mit angenehmen 5,5 Stunden zwischen den beiden Flügen – nur dummerweise sollte der Gatewechsel zu Fuß erfolgen, und schon der Zug braucht sechs Stunden von Oslo nach Stockholm… Letztlich durften wir noch eine Nacht in Oslo verbringen und hatten so genug Zeit, um noch einmal durch Tromsø zu schlendern. Manche Straße war eisglatt, aber nett war’s trotzdem. Sogar die Gullideckel sind hübscher als bei uns… Anschließend war noch genug Zeit für einen Besuch auf der Finnmarken. Auf dem Schiffchen steigen Volker und ich ja am Sonntag in Bergen zu, wieder Nordlicht und Sterne betreuen.

Blöd: Die Finnmarken hat zwar zwei Whirlpools, aber weder Guinness noch Pepsi Maxx oder Smirnoff Ice (Smirnoff Wodka mit Eis ist keine Alternative), und Free WiFi gibt’s genausowenig wie den Coffee Deal. Das kann ja eine Reise werden…

Immerhin war der Rückflug kein größeres Problem, auch wenn unser Flieger wegen schlechtem Wetter über Svalbard Verspätung hatte. Das Radisson Blu in Oslo hat zwar keinen Whirlpool, aber sehr bequeme Betten und gutes Essen, sodass am Montagmittag auch die letzten unserer Gruppe in Frankfurt landeten.

Und am Sonntag geht’s schon wieder nach Norwegen, auf die Hurtigrute:-)

The books to come…

Jim C. Hines: Die Buchmagier

Jim C. Hines: Die Buchmagier. Mehr gibt’s nicht auf Deutsch.

Manchmal verleiden es einem die Verlage schon, eine Serie auf Deutsch zu lesen…

Zu den interessanteren Büchern und Autoren, die ich in letzter Zeit gefunden habe, gehört Jim C. Hines. Seine Buchmagier sind eine schöne Reihe um einen Bibliothekar, der Gegenstände und mehr aus Büchern herausholen kann, und bieten eine schöne Mischung aus Humor und guter Story. Die ersten beiden Bände gibt’s auf Deutsch, die letzten beiden der Serie werden nach Aussage vom Verlag nicht übersetzt. Fein. Da hätte ich auch gleich zur englischen Version greifen können.

Dann habe ich auf meinem Lesestapel noch Courtney Shafer. Ihre Chroniken von Ninavel (Labyrinth of Flame) hat sich auch als schöne Fantasy entpuppt, nur hat da dann der amerikanische Verlag bankrott gemacht. Dank Kickstarter wurde der letzte Band fertig gestellt und ist (auf Englisch) in der Post; trotzdem wäre es schön, wenn der deutsche Verlag (wieder Bastei-Lübbe) hier zugreifen würde und ihn übersetzt. Ich könnte damit leben, den letzten Band in zwei Sprachen zu haben…

Nach der Reise ist vor den Reisen

P1050543-GRP100Da der Winter in Deutschland anscheinend ausfällt, ist es an der Zeit, wieder in den hohen Norden zu gehen – am Mittwoch geht es zum Einstimmen über Silvester nach Tromsø, und kurz darauf wieder auf die Hurtigrute: Am 10. Januar legt die Finnmarken in Bergen ab. Ich bin gespannt – nach viermal MS Nordkapp geht’s jetzt also auf das längste Schiff der Flotte, mit Schwimmbad und Whirlpool, und Platz für 1000 Passagiere. Das könnte eine richtige Kreuzfahrt werden – ich seh’s schon kommen, dass ich irgendwann mal auf der Lofoten oder Nordstjernen fahre…

Im Augenblick laufen die letzten Vorbereitungen für den Jahreswechsel (Akkus laden, und zwar nicht nur von der Elektronik) und die ersten für die nächste Hurtigruten-Tour; ein paar Fallstricke gibt’s schon mal: Das Kaffeepaket ist jetzt offiziell tot, stattdessen gibt es eine Bonuskarte zum Stempel-Sammeln, und auf Finnmarken, Trollfjord und Midnatsol ist WLAN ab 2016 kostenpflichtig. Super. Mal sehen, wie oft ich dann Infos zur Polarlichtsichtbarkeit geben kann…

Aber solange ich noch gutes WLAN habe, noch ein kleiner Filmtipp: Die Stockfischschiffe der 1950er (oder Italia Båtene) sind nicht nur ein Zungenbrecher, sondern auch eine nette Episode der Hurtigrutengeschichte. Und prägend dafür, wie man sich so ein Postschiff eigentlich vorstellt.

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Neue Filme der letzten Nordlicht-und-Sterne-Tour

Es ist wirklich schon einen Monat her, dass ich das letzte Mal auf der MS Nordkapp war – und das auch noch für längere Zeit, da meine Touren nächstes Jahr auf anderen Schiffen sind. Im Januar und Oktober zum Beispiel auf der MS Finnmarken, der wir bei Berlevåg begegnet waren. Gerhard Pöhlmann hat die Schiffsbegegnung gefilmt und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Bei uns wurde keine Vinkekonkurannse angekündigt, daher waren wir auf der Nordkapp etwas überrumpelt – die Finnmarken hat da eindeutig gewonnen:

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Vinkekonkurannse / Schiffsbegegnung MS Finnmarken und MS Nordkapp from Alex Kerste on Vimeo.

Rock’n’Roll gab es dafür auf der Rückfahrt, als wir etwas Sturm abkriegten. Meine Videos geben den Eindruck nicht so gut wieder, Gerhards schon eher:

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MS Nordkapp im Sturm – November 2015 from Alex Kerste on Vimeo.

So, und jetzt packe ich mal – Silvester wird in Tromsø verbracht, und am 10.1. geht’s wieder zu Nordlicht und Sterne, diesmal auf die Finnmarken

Ralph Ruthe auf Tour in Stuttgart

Comiczeichern auf Messen oder Ausstellungen zu begegnen ist ja nichts Neues. Dass sie auf Tour gehen, kommt schon seltener vor. Ralph Ruthe ist einer von denen, die das regelmäßig machen, und bei denen ich auch immer wieder gerne vorbeischaue – es ist immer schön, wenn man nicht nur die Webseite besucht und sich die Werke kostenlos anschaut, sondern auch die Leute dahinter mal kennen lernt. Positiver Nebeneffekt: Man lässt etwas Geld da, das (auch) dem Künstler zu Gute kommt, und kann sich nebenbei vor Ort mit den neuesten Büchern eindecken, die dann gleich noch signiert werden. Das ist letztlich unbezahlbar – wenn man sich anschaut, wie lange so manche Signierstunde dauert, kommt da ein unterirdischer Stundenlohn raus… was zeigt, dass es nicht nur ums Geld geht. Umso wichtiger ist es, bei Signierstunden auch vor Ort was zu kaufen – vor allem, wenn es in Buchhandlungen stattfindet, damit die sowas auch in Zukunft durchführen.

Eine Lesung von einem Comiczeichner ist natürlich erstmal etwas rätselhaft: Was macht der da eigentlich?

"Gefällt mir" ist nicht nur der Titel von dem Buch, das Ruthe mir einst signierte

“Gefällt mir” ist nicht nur der Titel von dem Buch, das Ruthe mir einst signierte

Die Antwort: Einen sehr unterhaltsamen Abend! Das war mir aber schon vorher klar, schließlich hatte ich ihn schon einmal live erlebt – auf seiner Tour im November 2011 in München. “Ich kannte ihn schon, als er noch nicht berühmt war” ist zwar abgedroschen und nicht ganz korrekt, aber es war damals doch was ganz anderes: Vor vier Jahren war er im Münchner Vereinsheim, was Kneipenatmosphäre hatte, klein und kuschlig war und wo keine Kartenreservierung nötig war – einfach rechtzeitig vorbeikommen und Spaß haben.

Und den gab es auch. Er präsentierte aktuelle und gescheiterte Projekte, zeigte neue Filme und machte auch ein kleines Gewinnspiel, bei dem ich es sogar in die Endrunde schaffte. Als Pausenfüller zeigte er einen unvollendeten Comic, bei dem noch ein Text für die Sprechblase gesucht wurde. Mein Vorschlag “Hier ist noch Platz für’n blöden Satz” erntete beim ersten Mal viel Gelächter und wurde mit “Eigentlich eine Unverschämtheit” kommentiert. In der Endrunde war bei meinem Vorschlag dann eine Grabesstille im Raum, und es hatte nur noch ein Büschel Tumbleweed gefehlt, das über die Bühne rollt. Daher hatte ich mir das aktuelle Buch doch selbst gekauft und – natürlich – signieren lassen. Mit nem Geier und einem “Unverschämtheit”, versteht sich.

Vier Jahre später hatte ich Marcus sei dank die Chance, Ruthe noch einmal zu sehen. Die Zeiten ändern sich: Diesmal trat er im ausverkauften Kleinen Saal vom Theaterhaus Stuttgart auf, und hätte wohl auch einen größeren Saal füllen können.

Das Programm war ähnlich wie vor vier Jahren, bot aber genug Neues: Interessante Einblicke in den Arbeitstag eines Cartoonisten, gescheiterte Projekte, kommende Projekte, archivierte Projekte, alte und neue Cartoons, noch unveröffentlichte Filme, Gesang und die Chance, einige seiner wichtigsten Mitarbeiter kennen zu lernen – also Dinge, die er zum Teil weder auf seiner Homepage noch seinem Youtube-Kanal veröffentlicht hat. Echtes Exklusiv-Material also. Und als kleine Überraschung (zumindest für mich) war auch der Dodokay da.

Was genau er gemacht hat, will ich gar nicht verraten, nur so viel: Die Synthese von Comic und Bühne ist möglich, auch weil er ja nicht nur Comiczeichner ist. (Die Frage, ob man davon leben kann, beantwortet er übrigens auch.) Im Vergleich zu München war’s schon was anderes – Als Gast sind mir die kleinen Veranstaltungen eigentlich lieber, aber wenn ich Vorträge halte, ist mir ein volles Haus auch sehr lieb (oder eine ganz kleine Runde, mit der man letztlich ins Plaudern kommt, statt davor zu stehen). Spaß macht beides; beim Theaterhaus waren halt die Schilder mit Fotoverbot am Eingang – daher gibt’s hier keine Bilder von der Veranstaltung. Mit Blitz in der dunklen Halle fotografieren ist eh blöd, und ohne macht’s auch keinen Spaß…

Und nach zwei Stunden Show hieß es dann anstehen: Signierstunde. Ach, was heißt da Stunde: Er war schon etwas länger beschäftigt, auch weil er sich immer wieder die Zeit für Erinnerungsfotos nahm und nicht nur signierte, sondern auch zeichnete. Ich frag mich ja, ob er manchmal lieber den Zeichenstil von Randall Munroe von XKCD hätte… Aber künstlerisch überzeugen mich Ruthes Zeichnungen schon mehr. Seht selbst:

Passend, dass die Zeichnung nun im Band "Kein Stress" zu finden ist.

Passend, dass die Zeichnung nun im Band “Kein Stress” zu finden ist.

Wer wissen will, wen er da für mich verewigt hat: Seine Tourdaten gibt’s unter http://ruthe.de/live, und mit etwas Glück geht er nochmal auf Tour. Lohnt sich und macht Spaß.

Das Nordlichtvideo von Hurtigrute GRP 105

So, es ist geschafft: Ich habe meine ganzen Zeitrafferaufnahmen der letzten Reise mal wieder zum Video zusammengestellt und auf Vimeo hochgeladen:

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Nordlicht und Sterne November 2015 – Hurtigrute GRP 105 from Alex Kerste on Vimeo.

Damit kann ich diese Reise auch abschließen:-) Am Anfang gab’s relativ viele Wolken; klareren Himmel und mehr Lichter gibt’s etwa ab Minute 4:30. Da ich die Nikon fest an der Reling montiert hatte, ist das ganz große Spektakel nur teilweise drauf, dafür ist es aber auch nicht ganz so überbelichtet. Die Kamera kann die Show ohnehin nur teilweise einfangen.

Für alle, die nochmal wissen wollen, womit ich arbeite: Meine Polarlichtausrüstung.

Tag 12: Wir stürmen zurück

Um Viertel vor Fünf ist die Nacht vorbei: Das Schiff macht einige Schläge und Sätze, die sogar mich wecken. Was noch nicht in der Reisetasche verpackt ist, sondern noch auf der Fensterbank steht, verteilt sich nun auf dem Fußboden. Am nächsten Morgen erfahre ich, dass es wohl nur Windstärke 9 war, aber hart an der 10. Windstärke 9 hatte ich auch schon gehabt, aber diesmal fahren wir gegen den Wind, sodass die Brecher natürlich einiges härter sind. Abgesehen davon, dass ich nicht mehr einschlafen kann, macht mir das zum Glück nichts aus – für alle, die unter Seekrankheit leiden, ist das natürlich kein schöner Start in den letzten Reisetag.

Den Hafen Torvik lassen wir aus, da das Wasser so hoch steht, dass wir nicht unter der Brücke hindurch kämen, und das Schiff ist nur mit 5-10 km/h unterwegs, damit die Wellen nicht zu hart sind. Dadurch ist es an Bord nicht so heftig, dauert aber natürlich deutlich länger. In Florø haben wir rund eine Stunde Verspätung, und auch wenn die See am restlichen Tag nicht mehr ganz so wild ist, bleibt sie doch sehr unruhig. Es ist halt die Nordsee, und das gehört zu einer Seereise dazu.

Die Ruhe nach dem Sturm.

Die Ruhe nach dem Sturm.

In Küstennähe gibt es immer wieder ruhigere Passagen, und das Frühstücksbuffet ist überraschend gut besucht. Viel zu tun gibt es heute nicht: Bis 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein und das Gepäck vor den Aufzügen stehen, sodass es bis zur Ankunft im Fahrzeugdeck verstaut werden kann. Für das Handgepäck wird der Konferenzraum als Lagerraum geöffnet, damit man es nicht ständig mitschleppen muss. Zu den Dingen, die unbedingt ins Handgepäck gehören, gehört natürlich auch die Tasse für den Coffee-Deal – mit Gesprächen und Kaffee bringt man den Tag auch rum. Die Alternative: Shoppen. Der Schiffsshop hat noch offen, und eine weitere rote Jacke wechselt in den Besitz unserer Reisegruppe. Auch wenn das jetzt vielleicht so klingt: Die Hurtigrute ist keine Butterfahrt, aber es gibt genug hochwertige Dinge, die man in Deutschland kaum noch findet. Es wird keiner zum Geldausgeben gezwungen…

Atemberaubend

Atemberaubend

Auch wenn der Sturm etwas nachlässt, bleibt es unruhig, aber der Blick vom Bug aus ist im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend. Wenn man den Kopf etwas zur Seite geht, funktioniert das mit dem Atmen aber ganz gut… Da kann man verstehen, dass Norwegen den Stad Schiffstunnel plant, sodass diese unruhige Gegend dann umschifft werden kann. Ab 2018 wird’s wohl interessant, ein Vorprojekt läuft schon mal (Spiegel.de)

Je näher wir Bergen kommen, desto näher kommen wir auch der Landschaft, die teils nur wenige Meter von uns entfernt vorbeizieht. Das gibt eine leise Ahnung davon, wie es in einem engen Fjord sein muss. Mittlerweile haben unsere beiden Reiseleiter schwer zu schaffen: Die geschätzte Ankunftszeit ist kurz vor 16 Uhr. In den letzten Tagen wurde wegen des Streiks bei der Lufthansa schon nach Alternativen geschaut, und jetzt müssen die Fluggesellschaften informiert werden, dass über 50 Passagiere nach Amsterdam noch auf dem Schiff sind. So kann die Airline die Gepäckannahme schon einmal ausreichend besetzen. Über das Schiff können wir dann auch online einchecken und so wertvolle Minuten sparen. Der Service ist erstklassig, auch wenn so lange so schlechtes Wetter kurz vor Bergen wirklich ungewöhnlich ist – das hätten wir in der Barentssee erwartet, nicht hier. Die Transferbusse warten natürlich auch auf uns.

Eine Ferienhaussiedlung...

Eine Ferienhaussiedlung…

Als wir Bergen schließlich kurz vor 16 Uhr erreichen, muss es schnell gehen. Durch den Regen (obwohl, für Bergen ist das eigentlich kein Regen, eher erhöhte Luftfeuchtigkeit) geht es vom Schiff zum Airport, sodass für ein richtiges Adieu kaum Zeit bleibt. Am Lufthavn lässt uns der Bus fast vor der Türe heraus, und wir leiten alle schnellstmöglich zu Check-In und Gepäckaufgabe. Am SAS-Schalter für Kopenhagen helfe ich durch die Menüs der Automaten, an den anderen sind Monika und Jürgen beschäftigt. Für den Check-In ist der Buchungscode nötig; wer nur die Boarding-Karte griffbereit hat, muss einen Schalterbeamten suchen – zumindest finde ich da im Computer auch nichts passendes. Der eigentliche Check-In ist ja schon erledigt (die meisten haben die Boarding-Karte auf dem Schiff ausgedruckt, meine ist auf dem Handy), aber den Gepäckaufkleber braucht man trotzdem. Dann schnell das Gepäck zum Baggage Drop bringen und aufgeben (ich bin bei 22,7kg – Punktlandung, nachdem ich alle neu gekauften Bücher eingepackt habe), anschließend die Treppe hoch (oder den Aufzug dahinter nehmen) und durch die Security. Hier lassen wir den Reisenden nach Amsterdam den Vorrang: Das Boarding für den Flieger von KLM dauert nicht mehr allzu lange, ist aber noch machbar. Mein Flug über Kopenhagen (und dann weiter nach Stuttgart oder Hamburg) hat mehr Luft; über eine Stunde bleibt mir, um noch eine Kleinigkeit zu essen.

Kaum Zeit bleibt dabei für die Rückerstattung der norwegischen Mehrwertsteuer. Auch wenn die Formulare schon vorher ausgefüllt waren: Der Mitarbeiter vom Narvesen schickt uns zum Service-Point, die aber auch nur einen Stempel auf das Formular setzen, und erst später wird klar, dass die Rückerstattung in der halb-geschlossenen Buchhandlung nach der Sicherheitskontrolle stattfindet.

Vor dem internationalen Bereich gibt es dann auch einen Briefkasten, in den die Formular zur Rückerstattung auf die Kreditkarte eingeworfen werden können. Wer den wohl in der Hektik gefunden hat?

Gratis Wasser.

Gratis Wasser.

Da der Flughafen gerade stark umgebaut und erweitert wird, könnte das bei meinem nächsten Besuch bereits ganz anders aussehen. Meine nächsten Touren – 10. Januar, 6. Februar und 24. Oktober 2016 – gehen nur bis Trondheim, und im Sommer 2017 soll ein neues Terminal fertig sein. Und anders als in Berlin dürfte die Erweiterung hier auch funktionieren…

Eines hat mein Weltbild aber dann doch noch erschüttert: Ein Wasserspender für kostenloses, kaltes Wasser. Von wegen “In Norwegen gibt es nichts geschenkt”. So was vermisse ich in Deutschland. Wenn man schon jede kleine Wasserflasche abgeben muss, ist das eine nette Aufmerksamkeit.

Der Rückflug verläuft reibungslos: Wir landen 20 Minuten früher als geplant in Kopenhagen, und die Anschlussmaschine startet sogar am selben Terminal. Mit anderen Worten: Ich kann in Stuttgart (ebenfalls 20 Minuten früher als geplant) mein Gepäck in Empfang nehmen. Vor dem Flughafen wartet auch schon das Shuttle vom FlyAway Service, sodass ich nicht einmal anrufen muss, und die A8 nach Heilbronn ist an diesem Samstagabend auch schön frei.

Auf dem Rückflug bin ich nur noch mal ins Grübeln gekommen, als ich die hell erleuchteten Städte unter mir sah: Als Astronom und Biologe stört mich das ja; die Lichtverschmutzung nimmt uns nicht nur den Blick auf die Sterne, sondern hat auch auf die Tier- und Pflanzenwelt negative Auswirkungen, inklusive uns. Andererseits: Welch ein Luxus, dass wir unsere Städte hell erleuchten können, ohne Fliegerbomben fürchten zu müssen. Vor 70 Jahren war das anders. Und dann zünden Terroristen in den Städten Bomben, als ob sie damit irgendetwas sinnvolles bewirken könnten – gerade eben wieder in Paris. Es ist eine großartige Welt, und immer wieder versucht irgendjemand, sie zu zerstören oder anderen seine Meinung aufzudrücken. Das ist zwar nicht das Reisefazit, das ich eigentlich ziehen will, aber es bleibt nur: Genießen und erhalten wir diese Welt, solange es geht. Sie ist es wert.

Ach ja, noch etwas für die Teilnehmer der Reise: Meine Bilder und die Filme gibt’s voraussichtlich im Lauf der Woche. Ein Job ist erst erledigt, wenn der Papierkram erledigt ist:-)