Tag 4: Auf See

Déjà Vu: Morgenrot in Trondheim

Déjà Vu: Morgenrot in Trondheim

Am Donnerstagmorgen liegt die Finnmarken immer noch in Trondheim, aber das ist (noch) okay: Schließlich haben wir das Frühstück so gelegt, dass wir zur geplanten Abfahrt an Deck sein können. Die vorbeifahrende Polarlys um halb neun verpasse ich zwar, aber um kurz nach 9 legen wir endlich ab – und über die Schifflautsprecher ertönen Fanfaren und Musik. Das mag ich an Norwegen: Es wird nicht alles bierernst genommen.

[A propos Frühstück und Restaurant, bevor ich es vergesse: Mittlerweile stehen Kaffeekannen auf dem Tisch; für die Koffeinjunkies ist also auch gesorgt. Und den O-Saft gibt es jetzt aus wieder aus dem Automat, was mir auch sympathischer ist als eine edle Karaffe, bei der jeder mit dem Verschluss kämpft. Und Mittags und Abends gibt es Table Water, auch wenn die Flasche diesmal nicht auf dem Tisch stehen bleibt.]

Wir fahren!

Wir fahren!

Aber zurück zum Schiff: Durch den Trondheimfjord geht es nun entlang unserer normalen Route. Wie angekündigt lassen wir die Häfen bis Tromsø aus, zum Glück bleiben wir aber in der Nähe der Küste: Auch wenn das Wetter nicht so toll ist, gibt es also immer etwas zu sehen. Wer will, kann mit einem Film über die samische Geschichte starten, und anstelle der Ausflüge nach Munkholmen werden die Passagiere zu Bier- und Weinproben eingeladen. Wir finden um 11 Uhr Zeit für unseren zweiten Vortrag: Wie funktioniert eigentlich unsere Sonne? Ein wenig technischer darf es mal werden, aber wir schaffen es, dass alle bis zum Ende durchhalten – das durch den Kjeungskjærfyr markiert wird. Pünktlich zur Vorbeifahrt schicke ich alle an Deck, damit dieser Leuchtturm wieder zum meist-fotografierten der Reise werden kann. Ich kriege mal wieder nichts von ihm mit: Wir haben diesmal den zweiten Konferenzraum auf der falschen Seite vom Schiff und müssen noch ein wenig aufräumen.

Stokksund

Stokksund

Nach dem Mittagessen fahren wir gegen 13:30 sogar in den Stokksund ein. Er war eigentlich nur für schönes Wetter geplant, aber jetzt haben wir ausreichend Zeit und testen die Steuerung: Butterweich geht es durch den engen Sund, nur das Nieselwetter macht die Fahrt etwas unbequem – zumindest für die am Bug; im Panoramasalon dürfte es angenehmer sein. Aber nur vom Bug aus oder von Deck 8 sieht man, wie niedrig so manche Brücke ist.

Die Fahrt über die Folda ist für uns trotz der rund fünf Meter hohen Wellen recht erträglich, die Wellen kommen zum Glück von hinten. Wer für Seekrankheit anfällig ist, hat natürlich trotzdem ein Problem. Einige verschwinden in der Koie oder stellen fest, dass es bei diesem Seegang draußen an der frischen Luft am besten für sie ist. Patentrezepte gegen Seekrankheit gibt es leider nicht.

Trotzdem: Ganz harmlos ist die Fahrt nicht, kleinere Boote, denen wir begegnen, werden ganz schön durchgeschüttelt. Die Masse der Finnmarken und ihre Stabilisatoren sind da sehr angenehm. Wie die Fahrt wohl mit der ersten Finnmarken gewesen wäre, vor rund einem Jahrhundert?

Rørvik

Rørvik

An Rørvik rauschen wir gegen halb sechs vorbei, und die Fahrt geht an der Insel Leka vorbei nach Brønnøysund. Pünktlich zum Abendessen kommt dann die Durchsage, dass es Nordlicht gibt – was korrekt ist, aber leider zeigt es kaum Strukturen und ist nur hinter den Wolken zu sehen. Die große Show bleibt aus. Kurz vor Brønnøysund biegen wir auch links ab (der Torghatten ist in der Dunkelheit zu erahnen), und es wird sehr unangenehm am Bug: Der eisige Wind erwischt uns nun voll; Zeit, um die Kameras abzubauen. So etwa von 19:50 bis 20:20 MESZ konnten wir so etwas Grün am Himmel sehen. Also gerade lange genug, um den Hauptgang des Abendessens abzubrechen und den Nachtisch zu verpassen.

In Anbetracht des Wetters können wir um 21 Uhr mit unserem nächsten Vortrag starten: Der Sternenhimmel, samt einigen griechischen Sagen. Leichte Kost zu später Stunde, und hoffentlich eine gute Alternative zum bedeckten Himmel draußen.

Im Lauf des Abends passieren wir Sandnessjoen, und in der Gegend der Sieben Schwestern gibt es vor Mitternacht noch einmal Polarlicht. Im Prinzip eine gute Show, zumindest zeigt die Kamera, dass der halbe Himmel grün ist. Ein Überfluss an Wolken und ein Mangel an Strukturen im Polarlicht lassen das ganze jedoch zu einer unbefriedigenden Show werden, und irgendwann geben wir auf. Mal sehen, was der nächste Tag bringt. Immerhin scheint unser Aufenthalt in Tromsø länger zu dauern.

Tag 3: Trondheim. Sonst nichts.

Bei der geplanten Ankunft in Trondheim um 8:30 ist der Aufenthalt in der alten Königsstadt im Oktober fast ein wenig knapp, allerdings machen die meisten Läden ohnehin erst um 10 Uhr auf. Mit einem frühen Frühstück vor dem Anlegen ist das aber auch kein Problem und langt für einen Rundgang durch die Stadt.

Am Pirbadet Kreuzfahrtanleger

Am Pirbadet Kreuzfahrtanleger

Durch die Maschinenprobleme wollte die Finnmarken den Hafen sogar schon um 4 Uhr erreichen, es wurde dann aber doch etwa 7 Uhr. Nach dem Aufstehen geht der erste Blick natürlich aus dem Fenster: Haben wir unser Ziel erreicht? Statt der gewohnten Silhouette der Stadt begrüßt uns der Blick ins Hallenbad – wir haben am Pirbadet Anleger für die Kreuzfahrtschiffe angelegt, der wohl mit weniger Kurswechseln zu erreichen ist. Nicht sehr vertrauenserweckend, aber immerhin ist so der Weg in die Stadt etwas kürzer…

Wir kombinieren unseren Gang durch die Stadt mit einem Frühstück in Trondheim; um keine Zeit zu verlieren, verzichten wir auf einen Besuch der Richard With, die am normalen Hurtigrutenkai liegt. In den norwegischen Häfen kann man ja problemlos auf alle Hurtigrutenschiffe gehen, Cruise Card oder Personalausweis langen. Das Wetter ist bedeckt, aber bei leichten Plusgraden ganz angenehm für den Rundgang.

Trondheim hat sich seit dem letzten Besuch nicht sehr verändert, aber die Baustellen im schnuckligen Bakklandet-Viertel sind weg, und der Nidaros-Dom wirkt zwischen den buntgefärbten Bäumen sehr chic. Im Japan-Photo trifft sich wieder das halbe Schiff und ergänzt fehlendes Foto-Zubehör; in der Buchhandlung sind wir wie üblich eher unter uns. Auf dem Schiff lagen wieder Stadtpläne mit einem eingezeichneten Rundgang aus, an den wir uns auch mehr oder weniger gehalten haben.

Denkmal für Leif Erikson

Denkmal für Leif Erikson

Auf dem Rückweg finde ich wegen des anderen Anlegers noch ein neues Fotomotiv: Leif Erikson wird mit einer Statue geehrt; dank Gegenlicht leider kein allzu dankbares Fotoziel.

Auf dem Schiff steigt dann die Spannung – noch steht ein Auto von Siemens am Kai. Zur geplanten Abfahrt um 12 Uhr sind wir im Restaurant, und wenig später kommt die Durchsage: Der Schaden ist noch nicht behoben, wir fahren heute nicht mehr weiter. Uff. Erst einmal betroffene Gesichter und Galgenhumor, schließlich war die Finnmarken letzten Monat schon einmal defekt, und die Reise direkt vor unserer Fahrt musste sie ihre Fahrt schon einmal in Tromsø beenden. War es das jetzt mit der Finnmarken? Wird ihr ein Platz in Stockmarknes reserviert, im Hurtigrutenmuseum neben der alten Finnmarken?

Genauso faszinierend: Auf Twitter kommt die Info etwa zeitgleich mit der Durchsage auf dem Schiff…

Auf 13 Uhr ist eine Infoveranstaltung geplant, vorher werden die Reiseleiter der Gruppen noch über die Optionen informiert. So können wir für unsere Gruppe eine eigene Infoveranstaltung machen; Eckehard und Jeanette zeigen die Optionen auf: Reise abbrechen, auf eine Abfahrt morgen hoffen, nach Tromsø fliegen, um auf die Nordkapp einzuchecken, oder morgen auf die Polarlys umsteigen. Die Hoffnung ist, dass die Finnmarken morgen um 16 Uhr wieder fährt; ob es klappt, weiß natürlich noch niemand. Nur eins ist klar: Wir – Reiseleiter und Lektoren der GRP 107 – bleiben an Bord. Wer will, kann gehen, jeder entscheidet selbst.

An einem Alternativprogramm für den nächsten Tag wird fieberhaft gearbeitet, Fahrten nach Munkholmen und zu einem Freilichtmuseum sollen angeboten werden. Später heißt es sogar, dass sie kostenlos sein sollen.

Solsiden Einkaufszentrum

Solsiden Einkaufszentrum

Für den Rest des Tages läuft aber erst einmal nichts mehr; und da viele Gäste noch einmal von Bord wollen, blasen wir unseren für 17 Uhr geplanten Vortrag auch ab. Stattdessen gehen wir noch einmal nach Trondheim, um zu sehen, was es sonst noch in dieser Stadt gibt.

Ich bleibe dabei: Zum Einkaufen ist Norwegen trotz der Preise optimal. Die Stadt profitiert ganz schön von uns. Zu den neuen Erkenntnissen gehört, dass Einkaufszentren gerne alte Gebäude integrieren; im Solsiden finden sich genau wie auch im Trondheim Torg im Stadtzentrum alte Häuser mitten im Einkaufszentrum. Und unser Geld werden wir auch los.

Die Rückseite der Königsresidenz

Die Rückseite der Königsresidenz

Ebenso schön: Norwegens größtes Holzhaus, das gleichzeitig Wohnsitz der Königsfamilie in Trondheim ist, ist von hinten wesentlich hübscher als von vorne. Der kleine Park ist auch reizvoll.

Ansonsten hat sich in Trondheim seit unserem letzten Besuch wenig verändert, und so viel neues entdecken wir nicht. Ich würde lieber in Tromsø statt in Trondheim liegen bleiben…

Einige Kilometer später erreichen wir am Abend wieder das Schiff und verpassen gerade noch eine Durchsage. Die gute Neuigkeit finden wir trotzdem bald heraus: Es soll bereits morgen zwischen acht und neun weiter gehen, allerdings nonstop bis Honningsvåg. Ab Kirkenes wollen wir wieder im normalen Fahrplan sein. Aber wer sich bereits umentschieden hat, ist raus. Es geht also weiter – wird das doch noch was mit gutem Polarlicht. *Freu*

Um die reine Seereise zu überbrücken, werden vom Schiff Wein- und Bierproben angeboten, und wir schmeißen unsere Vortragsplanung auch um: Wenn wir auf Ausflüge und Häfen keine Rücksicht nehmen brauchen, gibt es ein paar bessere Termine, und wir füllen die Seetage mit Vorträgen. Außerdem wird ein kurzer Stopp in Tromsø angedeutet – immerhin.

Fahrräder zählen

Fahrräder zählen

Damit hat sich aber auch der Plan erledigt, morgen in das Rockheim-Museum zu gehen, und nach dem Essen geht es noch einmal in die Stadt – zum Rema 1000 bei Solsiden, Vorräte bunkern. Bei Nacht ist Trondheim auch ganz hübsch, und wir merken erstmals, dass die Fußgängerbrücke über den Fluss bei Nacht beleuchtet ist und die Radfahrer gezählt werden, die sie benutzen. Ideen haben die Norweger… Auf der Straße steht übrigens immer wieder ein “Danke, dass du radelst” oder “Danke, dass du zu Fuß gehst”.

Am Abend ist der Himmel dann wieder einmal unentschieden: Polarlichtaktivität ist da, aber die prognostizierten Wolkenlücken fehlen. Auf den angedachten nächtlichen Ausflug zur Festung (dunklerer Himmel als im Hafen) verzichten wir daher. Am späten Abend läuft meine Kamera trotzdem noch eine Stunde lang und fängt die Wolken ein, zwischen denen das Polarlicht hindurchschimmert. Keine beeindruckende Show, zumindest für uns. Also ab ins Bett.

Nordlicht und Wolken

Nordlicht und Wolken

Tag 2: Rund um Ålesund, mit Hjørundfjorden

Wir fahren nach dem Herbstfahrplan, daher sind wir schon gegen 8:45 in Ålesund. Das erste Frühstück findet also nicht am Westkapp statt, damit entfällt ein beliebtes Schauspiel: Wer seefest ist, kann im Oktober nicht im Restaurant beobachten, wer mit Wellengang klar kommt und wer stärker torkelt.

Ålesund im Morgenrot

Ålesund im Morgenrot

Früh aufstehen (gegen 7 Uhr) lohnt sich trotzdem: Die Jugendstilstadt schimmert im Morgenrot. Diesmal zum Glück kein Stadtbrand wie Anfang des letzten Jahrhunderts, sondern ein prächtiges Naturschauspiel. Wir nutzen die Dreiviertelstunde Anlegezeit, um einmal kurz Richtung Stadtzentrum und wieder zurück zu gehen – schließlich legen wir um 9:30 schon wieder ab, Richtung Hjørundfjorden. Das langt, um kurz in die Stadt zu sprinten und einige Fotos der Häuser vor klarem Himmel zu machen. Für den Hausberg Aksla langt das natürlich nicht, aber der Hjørundfjord soll ja auch sehr schön sein.

Im morgendlichen Ålesund

Im morgendlichen Ålesund

Bevor ich einen Blick auf diesen Fjord werfen kann, ruft erst einmal die Pflicht: Der Begrüßungscocktail mit der Gruppe. Irgendwie muss man ja alle einmal kennenlernen, die mit uns unterwegs sind, bzw. vor allem selber Hallo sagen, um erkannt zu werden. Ganz wichtig sind auch die Hinweise, dass man seine Kamera kennen lernen sollte.

Um 10 Uhr heißen wir also alle Gäste willkommen, und anschließend quatschen Volker und ich uns mit Ekkehard fest, einem unserer beiden Reiseleiter. Draußen zieht derweil die Landschaft vorbei, und irgendwann ist klar: So angenehm das Gespräch auch ist, draußen verpassen wir etwas. Der Fjord ist hübsch, relativ eng und schneefrei; um 11:30 erreichen wir schon unseren nächsten Hafen: Urke, mit 51 Einwohnern das Zentrum der Zivilisation in diesem Fjord. Hübsch, aber leben wollte ich hier nicht – es liegt doch ziemlich einsam…

Unser Halt dauert etwa 3,5 Stunden, wir legen jedoch nicht an. Stattdessen bringt ein Tenderboot die Ausflügler an Land, später dann auch alle, auf die kein Bus wartet. Wer sich Urke anschaut, wird persönlich begrüßt und erhält erst einmal einen Ortsplan; aber ich bin ja nicht zum Spaß hier. Stattdessen stehen noch die letzten Vorbereitungen für den abendlichen Vortrag an, und dann kommt die Müdigkeit. Wecker auf 7 Uhr war doch zu früh, auch wenn sich Ålesund gelohnt hat, und während das Schiff im Fjord rumdümpelt, mache ich mal Mittagsschlaf. Tut Not, und tut gut…

Kurs auf Ålesund

Kurs auf Ålesund

Um 15 Uhr geht die Reise wieder weiter; wir haben niemanden in Urke zurück gelassen und ich habe jetzt auch die Chance, den Fjord einmal zu sehen. Wirklich ganz nett.

Gegen 17 Uhr und sogar ein paar Minuten zu früh sind wir dann wieder in Ålesund und stürmen die knapp 400 Stufen auf den Aksla hinauf. Für Ålesund im Sonnenuntergang sind wir zu früh, aber die herbstlich-bunten Bäume bieten einmal ein ganz anderes Panorama als wir es sonst kennen. Leider machen sich mittlerweile auch ein paar Wolken breit, aber als Wanderwetter ist es optimal.

Ålesund im Herbstkleid

Ålesund im Herbstkleid

Das Abendessen wurde wieder einmal neu organisiert: Jetzt gibt es vier Sitzungen, die immer eine halbe Stunde versetzt anfangen. So wurde das Servieren entzerrt und ist für Gäste (und hoffentlich auch Crew) entspannter. Table Water gibt es auch wieder kostenlos, aber nur ohne Kohlensäure.

Beim Abendessen gibt es dann einen kleinen Schock: Für ein paar Sekunden fällt das Licht aus. Die Finnmarken hatte in den letzten Wochen ja schon ein paar Mal Probleme, die wird doch nicht schon wieder…? Immerhin scheint nach ein paar Sekunden alles wieder zu funktionieren.

Nordlicht und Wolken

Nordlicht und Wolken

Um 20:45 halten wir dann als Tagesabschluss unseren Nordlicht-Vortrag samt Fototipps und bereiten uns auf einen ruhigen Abend vor. So ganz klappt das aber nicht: Es ist zwar bewölkt, aber nicht völlig, und dazwischen scheint ziemlich starkes Nordlicht durch. Gut genug, um Fotografieren zu üben, aber nicht schön genug für eine beeindruckende Show. Da muss noch mehr gehen auf dieser Tour.

Bleibt zu hoffen, dass schönes Wetter in Bergen nicht schlechtes Wetter an der übrigen Küste bedeutet. Ebenso beunruhigend: Während unseres Vortrags kam die Info, dass Molde und Kristiansund gestrichen werden. die Finnmarken will schon um 4 Uhr Trondheim erreichen, damit der Techniker mehr Zeit hat. Na schaun wir mal – viel Fahrt macht sie stellenweise nicht. Es bleibt spannend, aber bekanntlich ist ja jede Reise anders.

Tag 1: Auf nach Bergen

Es geht wieder einmal nach Bergen – am 24. Oktober startet ein SAS-Maschinchen von Stuttgart nach Bergen. Und da die A81 nach Stuttgart zurzeit ein einziger Stau ist, heißt es viel zu früh starten. Um fünf Uhr losfahren, um rechtzeitig zum Abflug (10:05) im knapp 70 km entfernten Stuttgart zu sein. Irgendwas läuft falsch in diesem Land…

Kopenhagen

Kopenhagen mit bestem Wetter

Immerhin ist so mehr als genug Puffer drin, um morgens nach der Fahrt durch die regnerische Nacht noch in Stuttgart einkaufen zu gehen und dann mit dem Fliegerchen nach Kopenhagen zu hüpfen, bevor es weiter nach Bergen geht. Es ist richtig ungewohnt, ohne einen Besuch in der Enteisungsstation Richtung Norden zu fliegen.

In Bergen dann die Überraschung: Entweder haben wir uns verflogen, oder Bergen ist kaputt – jedenfalls scheint die Sonne und gibt ein paar völlig ungewohnte Blicke auf die Stadt. Der Neubau vom Flughafen schreitet auch rasch voran. Beeindruckend. Hier sammeln wir dann auch die Gäste der Gruppe ein – über 80 – und starten zu einer kleinen Stadtrundfahrt, die gegen 18:30 an der Finnmarken endet.

Auf dem Schiff dann erstmal Stress und Hektik: Wir legen dank Herbstfahrplan bereits um 20:00 Uhr ab, damit bleibt nicht viel Zeit, um sich auf dem Schiff einzurichten. Vorher geht’s noch kurz in den Kiwi, Getränke und Schokolade kaufen. Rett-i-koppen gibt’s nur in der Light-Version – mal sehen, wie das schmeckt.

Dann ab ans Buffett (sehr schön: Den Koch hatten wir letztes Mal auch, am Ende der Reise – das heißt, das Essen ist gut, und Eis gibt’s auch), und zu den Vorbesprechungen: Um 20:30 ist die Vorstellungsrunde vom Schiff, und das Auslaufen aus Bergen verpasse ich, weil noch die Vortragsräume reserviert werden müssen. Kleines Problem: Es sind noch einige Gruppen mehr an Bord, und eine hat jeden Tag reserviert. Eine englischsprachige Astronomie-Tour, einer ihrer Lektoren ist Ian Ridpath – sein Sternsagen-Buch kenne ich natürlich, ich habe ja selbst noch eines in Arbeit. Cool. Nur dass er ähnliche Vortragszeiten plant wie ich ist weniger cool, aber man ist das improvisieren ja gewohnt. Immerhin ist er ein netter Kerl.

So gegen 22 Uhr sind wir bereits aus Bergen raus und seit zwei Stunden unterwegs; langsam kehrt Ruhe ein, und man könnte in Ruhe was trinken. Volker und ich machen naturgemäß vorher noch einen kleinen Besuch am Bug, wo uns ein klarer Himmel und eine helle Wolke im Norden erwarten. Das wird doch nicht… Schnell zurück in die Kabine, die Kamera und: Es ist grün.

Wahnsinn. So weit im Süden hatte ich noch nie Polarlicht (zugegeben: noch nicht einmal klaren Himmel). Wir entscheiden, dass dieser Schimmer eine Durchsage wert ist, und trommeln alle an Deck. Fein: Es füllt sich rasch, und “unsere Leute” halten auch lange durch. Könnte eine gute Reise mit einer tollen Truppe werden. Es gibt auch immer wieder Strukturen im Polarlicht und einen Hauch von geisterhaftem Grün, gleichzeitig ist die See schön ruhig. Langer Rede kurzer Sinn, hier ist schon mal das Ergebnis:

Gegen vier Uhr gab es wohl noch einmal einen Schwung Polarlicht, aber da gab gab es keine Durchsage mehr. Schade, aber es wird hoffentlich noch mehr zu sehen geben in den nächsten Tagen.

Vom Westkapp kriege ich diesmal nichts mit – kurz nach 7 Uhr sind wir am nächsten in Torvik und etwas später in Ålesund, aber die See ist sehr ruhig. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen. Der Start ist vielversprechend.

Und wieder ab nach Norwegen!

Die Reiseunterlagen und noch mehr Probedrucke

Die Reiseunterlagen und noch mehr Probedrucke

Naja, noch nicht heute, sondern erst am Montag. Aber die Unterlagen sind da, und wenn ich nicht noch auf der Frankfurter Buchmesse vorbeischauen wollte, könnte ich eigentlich schon durchstarten. Ebenfalls angekommen sind jetzt die letzten Probedrucke von meinem aktuellen Buchprojekt zur Nordlicht und Hurtigruten – gleich zwei Stück, einmal von Amazon und einmal von der Druckerei. Schauen beide gut aus, wieder ein Projekt abgeschlossen. Aber die beiden Bücher gehen nicht mit auf die Tour.

Die Oktober-Tour ist meine früheste in der Nordlicht-Saison, das heißt: Wir fahren noch nach dem Herbstfahrplan. Damit gibt es ein paar Änderungen zur normalen Route. In den berühmten Geirangerfjord fahren wir wieder nicht, aber der ist wohl eh von Kreuzfahrtschiffen überlaufen. Den verlängerten Aufenthalt in Ålesund, den ich aus den Wintermonaten kenne, wird es trotzdem nicht geben, stattdessen steht ein Abstecher in den Hjørundfjord an – der wird wohl erst seit 2013 von der Hurtigrute angefahren und soll ähnlich beeindruckend sein wie der Geiranger. Könnte dann so aussehen:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Akzeptieren im Banner unten rechts klickst. Dadurch werden auch eingebettete Videos freigeschaltet und ggf. Daten an Vimeo, Youtube oder Twitter übertragen.

Nur halt mit der Finnmarken statt der Midnatsol. Also weniger Zeit in Ålesund und mehr Fjorde. Auch fein. Und dass wir dann etwas kürzer und später Trondheim sind, macht auch nichts aus. Ob wir von 8:30 bis 12:00 oder von 6:00 bis 12:00 Uhr in Trondheim sind, kommt auf’s selbe raus – ich muss nicht gleich um 6 Uhr nach Trondheim reinstürmen. Alelrdings kriege ich so eventuell mal das Einlaufen in Trondheim mit.

Ebenfalls neu: Mit etwas Glück fahren wir südgehend in den Trollfjord ein, statt wegen Lawinengefahr davor anzuhalten. Noch scheint er befahrbar zu sein, wenn Marinetraffic genau genug ist. Zumindest war die Nordkapp gestern noch drin.

Was ich leider nicht rechtzeitig fertig gebracht habe, ist eine Fahne zum Winken. Schade, denn auf der Nordkapp (also einen Tag nach mir) startet ein Wiederholungstäter einer der letzten Fahrten (Hallo Holger: Viel Spaß!), und auf der Polarlys fährt die Freihalterin. Dann wird halt doch mit Taschenlampe oder Handtuch gewunken. Hauptsache Vinkekonkurranse:-) Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass diesmal auch wieder einige bekannte Gesichter mit auf Tour sind.

Ich freu mich schon!

Neues Buch: Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten

Die Probedrucke vom neuen Buch – und bestellbar ist es auch schon!

Die Probedrucke vom neuen Buch – und bestellbar ist es auch schon!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Nordlichtsaison fängt wieder an, und ich habe den Sommer dazu genutzt, in aller Heimlichkeit ein Buch zu schreiben: Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Reiseführer schreibe, aber hier ist er.

Auch wer die Reiseberichte in meinem Blog regelmäßig liest, wird hier noch ein paar neue Dinge finden, und vor allem sauber strukturiert. Auf 128 Seiten gibt’s in drei Teile gegliedert eigentlich alles, was ich für die Tour für wichtig halte:

  • Die Reise beschreibt jeden Tag der Fahrt auf der Hurtigrute auf einer Doppelseite mit einem Überblick, was es im Winter zu sehen gibt. Dabei liegt der Schwerpunkt natürlich nicht auf den Ausflügen, die Hurtigrute anbietet – die sind zur Genüge in den Katalogen und auf dem Schiff beschrieben – sondern auf allem, was man sonst noch so sehen kann. Damit ist es knapp genug, dass man es auch noch während der Reise lesen kann:-) Dazu kommen Tipps zur Fotografie, zum Leben an Bord und zu Schiffsbegegnungen. Das alles natürlich passend zum Winterfahrplan.
  • Nordlicht darf natürlich auch nicht fehlen. Wie entsteht es, welche Geschichten gibt es dazu, wie beobachte und fotografiere ich es am besten – also die ganzen Hintergründe, und hoffentlich nicht ganz so kompliziert aufbereitet wie in den anderen Büchern auf dem Markt.
  • Der Sternenhimmel macht den Abschluss: Was gibt es alles am Himmel zu sehen, wie ändert der Himmel sich im Lauf des Jahres, und – natürlich – ein paar Beobachtungstipps, die schon mit einem Fernglas zu sehen sind.

Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten

Das Buch gibt es wieder einmal nur über Amazon als Print-on-Demand, also in guter Laserdrucker-Qualität – mein erster Probedruck ist noch unterwegs. Der Preis: 24,96€, im Farbdruck. Eine günstige Schwarz-Weiß-Ausgabe ist bei den vielen Reise- und Polarlichtfotos sinnlos… Im Preis inbegriffen ist das EBook (vorausgesetzt, Amazon Matchbook funktioniert in Deutschland – da bin ich mir gerade nicht sicher), das es beim Kauf des gedruckten Buchs kostenlos dazu gibt und das in den nächsten 36 Stunden online gehen müsste. [Update vom 23.10.16: Matchbook gibt’s laut Amazno nur in den USA, auch wenn ich’s generell aktiviert habe. Schade.] Oder man kauft das EBook (übrigens ohne DRM, sodass es auch abseits vom Kindle genutzt werden kann) für 7,50 Euro – günstiger konnte ich es nicht machen, da einerseits 19% Mehrwertsteuer drauf kommen und andererseits viele Bilder drin sind. Und bei Amazon zahlt der Verlag oder Autor die Portokosten für das EBook, nicht der Käufer, und die werden nach Dateigröße berechnet…

Blick ins Buch und so sollte auch demnächst bei Amazon erscheinen, um mal im Buch zu blättern. Das ist der Nachteil daran, dass ich keinen Verlag hinter mir stehen habe: Keine Buchhandlungen, in denen man es sich anschauen kann. Aber dafür bleibt es länger am Markt.

Irgendwann nächstes Jahr gibt’s das Buch übrigens auch noch in einer richtigen gedruckten Version als Beilage für die Nordlicht-und-Sterne-Themenreisen, die über Hurtigruten Deutschland gebucht werden. Das gilt natürlich nur für die Nordlicht-Reisen von Hurtigruten Deutschland (die auch im Reisebüro gebucht werden können) und nicht für die, die andere Reiseunternehmen auf den Hurtigruten-Schiffen anbieten. Aber das dauert noch ein wenig – erst muss es einmal gedruckt werden, und da laufen die Probedrucke noch. Mit 17×24 cm hat man endlich auch mal was in der Hand – es gibt viel zu viele Reiseführer etwa im DIN-Lang-Format (wohl um in die Hosentasche zu passen), die dann aber so dick sind, dass sie doch nicht passen. Die Kooperation mit Hurtigruten ist auch der Hauptgrund, warum ich diesmal wieder keinen Verlag mit ins Boot genommen habe: So kann ich schneller auf Änderungen reagieren.

Wer also keine Lust hat, mein Blog zur Reisevorbereitung auszudrucken, hat jetzt eine Alternative. Aber Achtung: Es kann sein, dass das Buch das Nordweh weckt. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal im Norden. God tur!

Hands-on: Universe2Go

Zugegeben: Ich bin eigentlich kein Freund von 3D. (Auch wenn man mir das vielleicht nicht glaubt, nachdem ich das Spacewalker 3D-Fernglas mittlerweile gekauft habe, das mir Astroshop zum Testen gegeben hatte.) Im Kino lohnt sich der Aufschlag für die 3D-Brille nicht, nur um ein paar Effekte zu sehen, die einfach nur 3D! brüllen. Und Virtual Reality? Wir haben einen wunderbaren Planeten, der so viel in Echt zu bieten hat. Und dann kommt Astroshop mit dem Universe2go, bei dem ich mich nie überwinden konnte, mich mit dem Plastikkästchen näher zu beschäftigen. Auf der Heilbronner Sternwarte hatten wir auch schon Anfragen, ob wir das Gerät nicht vertreiben wollten, aber da fehlt uns die Fläche für. Es wird ja kräftig beworben, aber was steckt eigentlich dahinter? Naja, ich habe genug offene Baustellen.

Das Universum im Pappkarton

Das Universum im Pappkarton

Und dann kam die Anfrage, ob ich nicht was bloggen wollte – also mein Gegenangebot: Ich schreibe eine Rezension für unsere Vereinszeitung, mache noch einen Blogpost für mehr Reichweite daraus, und das Gerät geht dann an die Sternwarte. Deal. Dann habe ich doch mal einen Grund, mir das Teil näher anzuschauen:-)

Das Päckchen kam dann kurz vor dem Mallorca-Urlaub, inmitten des Chaos, wenn man sich mal für ein, zwei Wochen abseilen will und nebenher noch an einem Buch arbeitet. Aber trotz allem Alltagsstress: Etwas Neugierde war doch da, als mich das Päckchen erreichte.

Es enthält einen weißen Pappkarton, der ein wenig an die Apple-Verpackungen erinnert: Man hat das Gefühl, etwas edles in der Hand zu halten, auch wenn der Karton dünner ist. Aber es geht ja nicht um die Verpackung, sondern um den Inhalt. In dem Karton steckt: Ein Plastik-Kästchen im Stoffbeutel, Gurt und einer ausführlichen Anleitung – auch auf Deutsch. Die VR-Brille wird als Sternenbrille bezeichnet – klingt schon mal schön.

Der Lieferumfang des Universe2go

Der Lieferumfang des Universe2go

Vor dem Einsatz steht erst einmal ein Besuch im App-Store an: Man benötigt die über 300 MB große, gleichnamige App, die in in mehreren Sprachen zur Verfügung steht. Sie lässt sich eingeschränkt auch alleine nutzen, damit sie ihr Potential entfaltet, braucht es aber die Sternenbrille und den Code, der in den Karton geklebt ist. Mittlerweile gab es ein paar Updates (ich habe das Gerät ja schon seit August bei mir), die Software wird also weiterhin gepflegt – fein! Es ist nur schade, dass der Code nicht in das Gerät geklebt werden kann.

Die App lässt sich kostenlos herunterladen und als normale Sternkarten-App wie viele andere auch benutzen. So weit, so unspektakulär; in Kombination mit dem Code im Karton und der Sternenbrille wird das ganze interessanter, um nicht zu sagen: Einzigartig.

Wenn der Download abgeschlossen ist, muss das Handy (maximal 147x74x11mm) in das Passepartout eingepasst werden: Wenn man den Deckel aufklappt, kann es mit Schaumgummi positioniert werden; das Schaumgummi-Passepartout ist vorgestanzt und kann auch nachgekauft werden, wenn ein anderes Smartphone kommt. Wenn alles passt, heißt es, die Lautstärke hochzudrehen (oder Bluetooth-Kopfhörer benutzen), das Smartphone mit dem Display nach unten einlegen und den Deckel zu schließen.

Smartphone (hier: iPhone 5S) im Universe2go

Smartphone (hier: iPhone 5S) im Universe2go

Vor dem ersten Einsatz muss die Software kalibriert werden – also Kompass und Bilddarstellung justieren, was mit Neigen und Drehen des Geräts erreicht wird. Nach kurzer Zeit ist die Software einsatzbereit, und man kann den Himmel erkunden.

Den ersten Test habe ich in Mallorca gemacht, im Urlaub mit einigen RMSlern. Der erste Eindruck: Chic! Man sieht den Sternenhimmel in echt (der über dem Inland von Mallorca schon mal deutlich besser ist als über der Heilbronner Innenstadt), und überlagert sind die Sternbildlinien und Objekte, die die Software kennt. Ein Objekt angepeilt, und Infos dazu erscheinen. Cool. Die Sternenbrille macht die Runde, M 31 wird angepeilt, dann der Kleiderbügel: Das Gerät erkennt alles. Und dann legt es von selber los: „Nun, da Sie die ersten Schritte mit dem Universe2go gemacht haben, wird es Zeit…“

Eigentlich ist es ja nett: Die Software stellt die Funktionen des Geräts vor und macht eine Tour durch die Optionen, nur sind wir mehr daran interessiert, die Grenzen der Leistungsfähigkeit auszuloten. Der Blick ins Handbuch einige Zeit später zeigt dann, was uns der geflissentlich ignorierte Sprecher erzählt hat: Es gibt verschiedene Modi, die aufgerufen werden, indem man nach unten (unter den Horizont) blickt und das Gerät dann nach rechts oder links neigt. Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig, aber man hat den dreh rasch raus.

Zu den Modi gehören der Anfänger-Modus, der nur Sterne und Sternbilder einblendet sowie Infos zu den Sternbildern gibt. Im Entdecker-Modus gibt es zusätzlich Infos zu den Sternen, wenn man sie etwas länger anpeilt. Der Mythologie-Modus gibt einen kurzen, gesprochenen Überblick zu den griechischen Sternsagen. Der Deep-Sky-Modus ergänzt die für das bloße Auge unsichtbaren Deep-Sky-Objekte, und im 3D-Modus wird versucht, dem ganzen einen Eindruck räumlicher Tiefe zu geben. Ein Quiz und eine Suchfunktion runden das Ganze ab.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Rezensionsexemplar!

Für einen langjährigen Beobachter verfliegt der Reiz des Neuen natürlich recht bald, aber die sind ja auch nicht die Zielgruppe. Trotzdem es ist eine coole Sache, die Infos als „Head-Up-Display“ über den realen Himmel eingeblendet zu bekommen – deutlich anschaulicher als mit den „einfachen“ Planetariumsprogrammen für das Smartphone, die „nur“ den aktuellen Himmelsanblick auf dem Display anzeigen. Ich muss mal sehen, ob sich auch Ekliptik & Co einblenden lassen…

Für Einsteiger dagegen ist es eine wirklich nette Sache: Die normalen Planetariumsprogramme auf dem Handy, die den jeweils aktuellen Himmelsausschnitt zeigen, sind ja schon cool, aber mit diesem Gerät taucht man nochmal mehr in den Himmel ein. Die Brille ist natürlich sperriger als einfach nur das Handy vor sich zu halten, aber in Kombination mit der Software macht sie Spaß. Und wer über den hohen Preis für die Brille jammern will, wo er sowas auch selbst drucken könnte: Da steckt natürlich auch die Software drin, und allein die Texte zusammenzustellen und sprechen zu lassen frisst einiges an Zeit.

Ein bisschen skeptisch bin ich bei dem Gerät natürlich schon – schließlich macht es genau das, was ich bei Führungen auf der Sternwarte mache: Bei klarem Himmel die Sterne erklären. Aber immerhin sind unsere Führungen noch billiger als die digitale Konkurrenz. Für Einsteiger ist es jedenfalls eine faszinierende Art, um den Himmel zu erkunden – und um die Sterne näher zu sehen, macht es hoffentlich Lust für den Besuch auf einer Sternwarte.

Cooles Teil.

Photokina, late and lazy, und Sonnenschäden

Die Photokina ist jetzt auch schon wieder eine ganze Zeit vorbei, und viel mitgekriegt habe ich von der Messe eh nicht – am produktivsten war noch ein Treffen mit der wunderbaren Ramona Wultschner. Nicht ganz uneigennützig, muss ich zugeben, schließlich ist mein nächstes Buchprojekt gerade im Endspurt. Mehr dazu in ca. einer Woche, ein Probedruck läuft grad noch.

Auf der Photokina hätte ich beinahe meine kleine LX100 am Panasonic-Stand reinigen lassen können, nachdem ich neulich den ersten Staub auf dem Sensor hatte. Ich hatte sie ja über den Händler zum Reinigen geschickt, aber als nicht reparabel zurück erhalten. Trotzdem war der Sensor sauber; ob das jetzt Panasonic oder der Paketdienst beim Versand geschafft hat, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Naja, in zwei Wochen geht’s wieder auf die Hurtigrute (mit der Finnmarken, Abfahrt am 24.10. in Bergen), dann werden wir sehen, was an Bildern raus kommt. Immerhin dürfte ich bis dahin die meisten dringenden Baustellen abgeschlossen haben.

Ein Bild von der Photokina will ich aber keinem vorenthalten: Eine Canon 5D, bei der bei der Sonnenfotografie der Sonnenfilter von der Kamera gefallen war. Der Verschluss ist wohl aus Titan und funktioniert noch, aber ich empfehle das trotzdem keinem zur Nachahmung.

Canon nach Sonnenfotografie ohne Sonnenfilter

Das Weltall in 3D mit dem Space Walker 3D Fernglas

Erfahrene Sternfreunde sehen in Teleskopen keine Sterne, sondern Optikfehler. Das klingt zynisch, ist aber so – ich habe es selbst schon einmal erlebt, dass bei einer Saturnbeobachtung alle vom Anblick begeistert waren, während ich als erstes den Muschelbruch vom Okular bemerkt hatte. Und dann kommt ein Laden Namens 3D Astronomy und klebt Glasplättchen ins Okular, um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen. Dabei weiß doch jeder, dass sich so wenig wie möglich im Strahlengang befinden soll.

Kein Wunder also, dass ich auf dieses Lederman Optical Array neugierig geworden bin, das zuerst in den 21mm 3D-Okulare (Astroshop) und jetzt in einem 3D Astro 8×42 Fernglas verbaut wurde. Erfunden hat das ganze Russ Lederman von Denkmeier Optical (auf Astronomyconnect gibt es ein Interview mit ihm dazu). Der Trick ist, dass ein Okular im Prinzip ein kontrolliertes Doppelbild erzeugt, bzw. einen Teil des Bilds versetzt. Angeblich musste er dazu auf ein neues Okulardesign zurückgreifen, damit es funktioniert.

Neumodisches Teufelszeug… Kann das funktionieren? Zum Glück habe ich nicht nur zwei Bücher über Astronomie mit dem Fernglas geschrieben, sondern kenne auch die richtigen Leute – als mir Stefan, den ich noch aus Heidelberg kenne und jetzt beim Astroshop ist, daher das Fernglas zum Testen anbot, habe ich natürlich sofort zugegriffen. Leider kam es erst an, nachdem ich schon nach Mallorca gestartet war, aber zurück in Deutschland war das Wetter gnädig: Ein paar Tage klarer Himmel bei abnehmendem Mond waren ideal, um dem 3D-Versprechen nachzugehen. Dazu muss ich sagen, dass ich im Kino die klassischen 2D-Filme bevorzuge, da bringt mir der 3D-Hype nichts. Mal sehen, wie’s im Universum ausschaut – Avatar war ja auch einer der wenigen Filme, die von 3D profitiert haben.

Der Lieferumfang des Space Walker 8x42

Der Lieferumfang des Space Walker 8×42

Auf den ersten Blick ist das Space Walker Fernglas hochwertig, aber unauffällig: Ein ordentliches 8×42 Dachkantfernglas. Zum Lieferumfang gehören zwei geflügelte Augenmuscheln, der übliche Regenschutz für die Okulare (dieser Doppel-Deckel, den man Tragegurt befestigen kann), zwei Objektivdeckel, die am Tubus befestigt sind, und eine etwas hochwertigere Tasche. Dazu noch Tragegurt und das allgegenwärtige Putztuch, sowie zwei Bedienungsanleitungen (eine für ein normales Fernglas, und eine für die 3D-Besonderheiten).

Die technischen Daten sind nicht schlecht:

  • 8×42 Dachkantfernglas
  • Phasenkorrigiert FMC-Vergütung (Fully Multi Coated)
  • Dielektrische Prismenvergütung
  • BaK4-Prismen
  • 60° Eigenbildfeld
  • 188 Fuß auf 1000 Yards, also in ordentlichen Einheiten ein Bildfeld von etwa 172m auf 1000m oder etwa 9,8°, wenn ich mich nicht verrechnet habe
  • Gummiarmiert
  • Wasserdicht
  • verstellbare Augenmuscheln (und somit Brillenträgertauglich)
  • geflügelte Augenmuscheln als Streulichtschutz
  • Dazu kommen Tragetasche und Trageriemen
Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Also ein gutes, handliches Dachkantfernglas. Nichts liegt näher, als das mit einem ähnlichen Glas zu vergleichen; das Celestron TrailSeeker 8×42 war da ganz gut geeignet. Mit knapp 300 Euro Listenpreis ist es ein gutes Stück günstiger als das Space Walker 3D Bino, aber natürlich auch ohne 3D; ohne 3D dürften beide in der selben Liga spielen.

Der erste Blick ist so ernüchternd wie erwartet: Bei Tag ist das Bild mäßig; die drei Glasplättchen sind deutlich zu sehen. Das Bild ist zwar deutlich plastischer, aber dafür erscheinen Bereiche gegeneinander verschoben zu sein. Es sieht nach Doppelbildern aus, auch wenn irgendwie doch kein Versatz zu erkennen ist und das Fernglas auch keine Kopfschmerzen verursacht. Ein ganz seltsamer Effekt, aber wie erwartet: Irgendwelche Sprünge im Lichtweg sind Blödsinn. Aber fairerweise: Das Fernglas ist ja als Nachtglas gedacht und nicht für den Einsatz am Tag. Mittlerweile weiß ich auch, an was mich das irgendwie erinnert: Ein Kaleidoskop:-)

Bis es dunkel wird, gibt es also noch genug Zeit, um einen Blick in die beiden Bedienungsanleitungen zu werfen. Die erste ist der typische mehrsprachige Waschzettel aus China, der die Handhabung von Ferngläsern ganz allgemein beschreibt. Der zweite beschreibt die Eigenheiten des LOA: Es macht am meisten Spaß bei dunklem Himmel, wenn die Glaskanten nicht mehr zu sehen sind. Okay, das ist bei Tag natürlich nicht gegeben.

Als es endlich dunkel geworden ist (immerhin haben wir noch August, aber im Gegensatz zum Norden Deutschlands gibt’s hier im Süden wenigstens noch etwas Nacht), gehe ich mit dem Fernglas für einen kurzen Test raus auf den Acker. Um mit den Nachteilen anzufangen: Der Tragegurt der Tasche langt nur, um sie mir um den Hals zu hängen, aber nicht als Schultergurt. Da es ein Leihgerät ist, will ich den Umhängegurt nicht am Fernglas befestigen. Zweiter Nachteil: Es hat (genau wie das TrailSeeker) eine geschlossene Brücke und ist daher nicht ganz so griffig wie ein Fernglas mit offener Brücke, bei dem man die einzelnen Tuben mit der Hand umfassen kann.

Aber genug gelästert, jetzt wird mal durchgeschaut. Zu den Bedingungen: Die Milchstraße ist im Zenit schwach, aber eindeutig zu erkennen, der Himmel ist also nicht ganz schlecht. Der erste Blick in den Himmel:

Wow.

Das funktioniert wirklich. Die Sterne scheinen tatsächlich unterschiedlich weit entfernt zu sein. Ein Schwenk durch die Milchstraße und Richtung Schütze: Hammer! Die offenen Sternhaufen treten deutlicher hervor, obwohl der 3D-Effekt natürlich willkürlich ist und nichts mit den realen Abständen zu tun hat. Reine Show, aber eine verdammt gute. Blick Richtung Osten, zur Andromeda: M31 hängt als deutlicher Nebelfleck zwischen den Sternen. Leider nicht dahinter, aber der Anblick ist trotzdem beeindruckend.

Viel mehr Zeit bleibt an diesem Abend nicht (morgen früh klingelt der Wecker), aber der erste Eindruck war Wahnsinn.

Ein normales 8x42 TrailSeeker-Fernglas und das 8x42 Space Walker 3D

Ein normales 8×42 TrailSeeker-Fernglas und das 8×42 Space Walker 3D

Die nächste Nacht: Jetzt geht’s mit Auto, Stativ und zusätzlich dem TrailSeeker raus auf den Acker. Die erste Erkenntnis: Verfluchte Dachkantferngläser. Ich habe zwar einen schön stabilen Stativadapter, aber der passt an keines der beiden Ferngläser, weil er zu breit ist. Also muss doch mein Auto als Stütze herhalten. Beide Ferngläser sind sehr klein und kompakt, daher ist es nicht so einfach, sie freihändig zu halten.

Mein erster Gedanke war eigentlich, dass ich mir das Fernglas als 7×50-Porro wünschen würde, aber die Wahl der Daten macht schon Sinn: Der 3D-Effekt wirkt bei dunklem Himmel und etwas Bewegung am besten, da wäre ein ruhig zu haltendes Fernglas wohl kontraproduktiv. Außerdem hat ein 8×42 nur eine Austrittspupille von etwa 5mm, also ein relativ dunkles Bild – was gleichzeitig bedeutet, dass der Himmelshintergrund dunkler wird, ohne dass man gleichzeitig weniger punktförmige Sterne sieht. Und als “Spaß-Glas” ist Transportabilität wichtiger – auch wenn ein Porro preiswerter wäre. Passt also letztlich schon.

Der Überraschungseffekt der ersten Nacht ist nun natürlich verflogen, aber es macht immer noch Spaß. Das TrailSeeker zeigt am Himmel nicht weniger, aber das Bild ist nun mal flach und im direkten Vergleich langweilig. Also mal die Milchstraße abklappern. Schütze: Viele kleine Sternhaufen, sehr nett. So auffällig sind sie im normalen Fernglas nicht. M31: Chic wie beim ersten Mal. Der Ringnebel: Vielleicht zu erahnen, es sind halt nur 42mm Öffnung. Der Kleiderbügel: Nice. h und Chi Persei: Zwei Sternklumpen vor der Milchstraße. Melotte 20 im Perseus: Umwerfend, der erschlägt einen beinahe. (Wer übrigens Beobachtungsziele fürs Fernglas sucht, wird hier fündig.)

Dann mal der direkte Vergleich mit dem TrailSeeker an Mizar und Alkor: Beide zeigen Mizar, Alkor und den 7,5m Feldstern problemlos, bei den Sternchen 9. Größe ein Stück weiter links zeigen sich langsam Unterschiede: Im TrailSeeker sind sie noch gut zu erkennen, im Space Walker sind sie noch gut zu erahnen. Das TrailSeeker hat also ein etwas helleres Bild.

Aber für echtes Arbeiten (Veränderliche Sterne schätzen oder so) würde ich ohnehin zu einem normalen Großfernglas greifen, bei dem es auch keinen leichten Versatz zwischen den Flächen gibt. Wenn man kritisch ist, lässt sich auch ein Helligkeitsabfall zu Rand erkennen. Aber man beobachtet ja doch in erster Linie in der Bildmitte.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Fazit der zweiten Nacht: Der 3D-Effekt begeistert mich immer noch; das Fernglas löst tatsächlich einen gewissen Haben-Will-Reflex aus. Hätte ich so nicht erwartet.

Und noch eine Nacht: Letztes Wochenende hatte ich es auf der Sternwarte Heilbronn dabei, man will ja interessantes Spielzeug auch mal zeigen. Dummerweise war es etwas diesig, und der gute Stadthimmel setzt den 42mm Öffnung natürlich Grenzen. Trotzdem hat es sich gegen ein zwanzig Jahre altes 7×50 Porro von Photo Porst ganz gut geschlagen und sogar ein paar Sterne mehr gezeigt. Aber es waren nur selten so viele Sterne im Bild, dass der 3D-Effekt zum tragen kam. An der beleuchteten Kilianskirche am Horizont nach Sonnenuntergang war der 3D-Effekt aber auch schon zu erkennen, und das LOA fiel nicht so sehr auf. Sehr interessant war, wie unterschiedlich verschiedene Beobachter darauf reagierten: Mal war es einfacher zu halten als das größere 7×50 Porro, ein einziger Beobachter sah verschiedene Schärfebereiche, andere konnten den 3D-Effekt bestätigen oder sahen ein besseres Bild als 7×50 Porro. Wieder ein anderer konnte den 3D-Effekt nicht nachvollziehen und hat die Bildfehler deutlich störender empfunden.

Fünf Leute, sechs Meinungen…

Es ist also gewiss kein Glas für alle, aber mir macht der Effekt einfach nur Spaß – aber es setzt definitiv einen guten, dunklen Himmel voraus, an dem auch ein normales 42mm-Fernglas Spaß macht.

Da denkt man, man hat alles schon mal gesehen, was mit 42mm Öffnung geht, und dann hat man auf einmal wieder Lust, auch in Deutschland raus auf den Acker zu gehen. Was jetzt noch fehlt ist ein Test am Nachthimmel mit Mond – aber da muss ich noch warten, bis er wieder am Abendhimmel zu sehen ist. Bis dahin ist meine Motivation eher gering, das Fernglas wieder herzugeben…

 

Bilder aus Mallorca

Testaufbau für die Sonnenfinsternis

Testaufbau für die Sonnenfinsternis

Der Urlaub ist schon wieder vorbei, und ein paar Projekte neigen sich ebenfalls dem Ende entgegen – Zeit, mal wieder das Blog mit Inhalt zu füllen, auch wenn’s nur Urlaubsbilder sind – und nicht mal aus Skandinavien, sondern aus einer Woche Mallorca. Da unten sollte es im August ja eigentlich gutes Wetter geben, also war das gleich die Chance, die Ausrüstung für die Sonnenfinsternis nächstes Jahr einmal zu testen.

Das hat auch hervorragend geklappt: Ich habe prompt die Winkelschiene vom Star Adventurer vergessen und das 1kg-Gegengewicht umsonst nach Malle geflogen. Immerhin, bis auf zwei Wolkentage hat das Wetter auch gehalten. Einnorden mit Handy-Kompass funktioniert wohl gut genug, und die Nachführung sollte ebenfalls okay sein, das ist schon einmal vielversprechend für nächsten August. Nach drei Stunden in der Sonne (wenn auch später abgeschattet) ist auch bewiesen, dass das MacBook Air wirklich einen Lüfter hat. Die nächste Herausforderung: Scharfstellen mit dem manuellen Objektiv, und verlässlich ein Kontrollbild von der DSLR auf den Laptop zu zaubern. Wird noch spannend…

Der Eingang zu Ses Païsses

Der Eingang zu Ses Païsses

Aber ich hab da nicht nur Astro gemacht, sondern auch ein bisschen die Insel angeschaut – schließlich hatte ich vor drei Jahren noch nicht die ganze Insel gesehen, der Südwesten fehlte noch. Da gibt es zum Beispiel Ses Païsses, die Reste einer bronzezeitlichen Siedlung bei Arta. Damals wurde massiv gebaut, und mit zwei Euro ist der Eintritt auch noch bezahlbar. Zu sehen gibt es die noch recht hohen Mauern einer alten Siedlung, die sich um einen Turm gruppiert. Die Form sieht man irgendwie immer noch auf Mallorca, da gibt es noch einige ähnliche Gebäude.

Nächster Halt: Die Coves d’Arta, angeblich nicht ganz so touristisch geprägt wie die berühmteren Coves del Drac ein Stück weiter südlich. Sie sind auf jeden Fall sehenswert, und vor allem angenehm kühl und schattig. Anders als in Campanet darf man auch fotografieren. Ein natürliches Ökosystem gibt es da drin eh nicht mehr, rund um die Scheinwerfer wachsen einige Algen. Der Hinweis, zum Schutz der Natur nichts anzufassen wirkt ohnehin etwas unglaubwürdig, wenn zum besseren Durchgang Stalaktiten abgesägt wurden, es breite Wege gibt und der Führer auf Tropfsteinsäulen rumhämmert, um zu zeigen, dass sie hohl sind…

Wenn die Coves del Drac schon als touristisch ausgebaut verrufen sind, langt mir die Höhle bei Arta aber auch schon: Die bunte Lichtshow im “Höllengewölbe”, unterlegt mit Musik von den Carmina Burana, hätte es nicht unbedingt gebraucht. Aber der Besuch hat sich trotzdem gelohnt, ich kann’s empfehlen.

Zentrale Postverteilung

Zentrale Postverteilung

Ebenfalls einen Besuch wert: Der Puig de Randa samt Kloster war der Startpunkt einer eigenen Tagestour in den Süden Mallorcas. So manche kleine Straße dorthin wird wohl auch von der Post gemieden, aber mein Navi kennt da nichts.

Der Puig de Randa wird unter anderem von einem Kloster gekrönt und liegt oberhalb der Flughöhe der ganzen Flieger, die etwa im Dreiminutentakt Palma ansteuern. Interessanter Anblick, nachdem wir die Flieger von der Finca bei Costitx immer nur von unten gesehen haben… Auf dem Klostergelände stehen auch jede Menge alte Pflüge, außerdem konnten wir sehen, wie das Kloster per LKW mit Wasser versorgt wird.

Der Faro ses Salines

Der Faro ses Salines

Die Rundfahrt durch den Süden führte außerdem an den Salines de Llevant vorbei, die im Rahmen einer gut halbstündigen Führung besichtigt werden können. Da sieht man mal wieder, dass Salz ein Naturprodukt ist.

Und wenn man schon in der Gegend ist, fährt man natürlich auch beim nächsten Leuchtturm vorbei, dem Faro ses Salines. Die Idee hatten aber noch andere, in der Gegend gibt es einen gut besuchten Strand und dementsprechend wenige Parkplätze…

Mallorquinische Eier

Mallorquinische Eier

Aber die Touristenziele auf Mallorca sind ohnehin gut besucht – bei der Menge an Flugzeugen, die in der Woche Mallorca angesteuert haben, stellt sich eh die Frage, ob Mallorca nicht irgendwann mal voll ist. Der Plan, in Alcúdia in der Pizzeria zu essen, in der wir letztes Jahr waren, ist daher an fehlenden Plätzen gescheitert. So gab es die Möglichkeit, im Nachbarrestaurant lokale Spezialitäten zu probieren. Die wichtigste Erkenntnis: Mallorquinische Eier sind Spiegelei auf fettigen Pommes. Kann man mal essen, hätte ich jetzt aber nicht unbedingt als Spezialität bezeichnet.

Ein bisschen Astro musste zum Abschluss der kurzen Woche trotzdem noch sein. Zuerst mal das Erfolgserlebnis: Eine hübsche Strichspuraufnahme, nachdem ich bei eineinhalb Stunden Belichtungszeit gefühlte 50 Flugzeuge wegretuschiert hatte. Im Web-JPG verschmiert das leider etwas:

Strichspur-Mallorca

Weniger überzeugend war dagegen der Besuch auf der Sternwarte in Costitx. Die Einrichtung ist im Prinzip ganz hübsch: Ein Planetarium, eine Meteoritensammlung und eine ganze Menge Kuppeln für die Öffentlichkeitsarbeit. Geforscht wird da angeblich auch, wohl in dem Teleskop auf einem Turm. Wir hatten uns bereits vorher als Gruppe der Heilbronner Sternwarte angekündigt, sodass wir eine deutsche Führung erhielten. Eigentlich hatten wir ja gedacht, wir wären am Freitag alleine da – aber Pustekuchen, irgendwas zwischen 70 und 90 Gästen waren da, und im Lauf des Abends kamen noch zwei Busse dazu. Die Hoffnung, auf das Planetarium verzichten zu können und mehr Zeit an den Teleskopen verbringen zu können, zerschlug sich somit. Also genossen wir die Planetariumsshow doch. Gezeigt wurde: Sechs Jahre 20 Jahre Hubble Space Teleskop, wobei Bilder des HST an die (runde) Kuppel projiziert wurden, dazu gab es abgelesene Erklärungen auf Deutsch und Englisch von unserer Führerin. Der kleine Zeiss-Projektor war nicht in Betrieb, die Sterne im Hintergrund wurden wie die Bilder vom Beamer an die Kuppel projiziert. Immerhin die Musik war schön…

Der nächste Halt war die Meteoritensammlung, und in freier Rede war das Deutsch unserer Führerin besser als bei den vorgelesenen Texten im Planetarium (und der Inhalt auch). Es ist wohl die größte Meteoritensammlung in Spanien – 16 Meteorite, und alle echt! Dazu gab es noch die Möglichkeit zu einer Fotosession mit ET.

Und dann, endlich: Ab zu den Teleskopen. Vorher gab es noch die Warnung, bitte nichts anzufassen… Auf dem Freigelände stehen neun Kuppeln, in drei durften wir hinein. In jeder erwartete uns ein gabelmontiertes 10″-Meade Schmidt-Cassegrain. Das erste war auf Saturn gerichtet; als ich die Bodenlampe mit der Hand abschirmte, um am Okular nicht geblendet zu werden, kam gleich die Bitte, nichts zu verstellen, bevor wir Saturn nicht mehr im Teleskop hätten… Immerhin: Die Cassini-Teilung war zu sehen, wenn auch nicht allzu deutlich.

Ab zum nächsten Teleskop, auch hier war Saturn eingestellt, aber mit einem anderen Betreuer. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, scharfzustellen: Was für ein Spiegelshifting. Und was für eine Dejustage. Von der Cassini-Teilung war nichts zu sehen… Unser Vorschlag, mal einen Sternhaufen einzustellen, wurde auch abgelehnt: Der Handcontroller ist kaputt, das Teleskop kann nicht verstellt werden. Hm… Dann halt weiter zu Teleskop #3, das auf Mars gerichtet war. Keine Ahnung, wie es sein kann, dass ich da ein Mehrfachbild gesehen habe. Fazit: Wenn das 15 Euro Eintritt wert war, müssen wir in Heilbronn entweder unser Niveau deutlich senken oder die Eintrittspreise gewaltig anheben. Mit etwas Pflege wäre das bestimmt eine tolle Sternwarte, so gingen wir freiwillig ziemlich früh wieder. Dann lieber noch einmal den Sternenhimmel über der Finca genießen, bevor es am nächsten zurück nach Deutschland ging.