Hurtigrute mit der Nordlys Tag 2: Måløy, Måløy und Ålesund

Måløy, morgens um halb neun

Måløy, morgens um halb neun

In der Nacht hat es etwas geschaukelt, aber zum Glück gleichmäßig: Es gibt allmählich die ersten Herbststürme, die mich irgendwann in der Nacht einmal geweckt haben, aber davon abgesehen war die erste Nacht an Bord entspannt. Gegen acht Uhr wache ich dann endgültig auf, und obwohl es draußen noch dunkel ist, entscheide ich mich fürs Aufstehen. Wir sind Måløy, haben die Stunde Verspätung aus Bergen also noch nicht wieder eingeholt. Auch recht: Dann wird halt ohne das Geschaukel vom Westkap gefrühstückt.

Und dann kommt die Durchsage, dass wir wegen kleiner technischer Probleme erst um 10 Uhr weiter fahren… Sowas hatte ich doch neulich erst auf der Finnmarken? Dabei hat die Nordlys doch gar keinen Grund für Probleme, sondern war in der Vergangenheit eher zuverlässig? Hoffentlich ist es nichts ernstes – ich würde doch gerne etwas weiter kommen als nur bis Måløy… Wer will, hat die Chance, den Ort zu besichtigen, aber bei Nebel und ein wenig Organisatorischem, das noch ansteht, bleibe ich an Bord. Auf 11 Uhr haben wir unsere Begrüßungsveranstaltung angesetzt, und ein bisschen Zeit muss dafür auch investiert werden.

Um 10 Uhr dann das nächste Déjà vu: Wir werden versuchen, um 11:30 abzufahren. Ah ja. Damit gehören wir zu den wenigen Winterfahrern, die Måløy im Hellen sehen… Immerhin schaukelt um 11 Uhr nichts, als wir unsere Gruppe im A la Carte Restaurant versammeln, uns vorstellen und die ersten Reiseinfos geben. Eigentlich hätte wir ja Zeitdruck, da es wegen der geplanten Ankunft in Ålesund um 12 Uhr bereits ab 11:30 Mittagessen gibt, aber noch liegen wir fest im Hafen, ohne dass sich etwas bewegt.

Und dann, neue Durchsage: Passagiere für Torvik und Ålesund bitte an der Rezeption melden. Etwas später folgt die Meldung, dass es demnächst eine Infoveranstaltung zu kommenden Ausflügen gibt. Die Crew glaubt also noch, dass wir weiterfahren, beruhigend. Wenig später, die nächste Durchsage: Geplante Abfahrtszeit 12:30, nur ein kurzer Halt in Torvik, und Ålesund von 16:15-17:30. Ich bin gespannt.

15 Uhr: Der Nebel lichtet sich

15 Uhr: Der Nebel lichtet sich

Und wirklich: Etwa um 12:30 legen wir doch noch ab, auch wenn wegen des Nebels nicht viel zu sehen ist. Erst gegen 15 Uhr bessert sich das Wetter, und endlich ist ein wenig von Norwegen zu sehen. Torvik erreichen wir schließlich kurz nach 15 Uhr. Eigentlich wäre jetzt Zeit für das Frühstück, das ist doch immer nach Torvik… Aber heute natürlich nicht. Etwa um diese Zeit machen wir auch Reiseleiter-Sprechstunde. Ich bin dabei und stelle die ersten Kameras für das Nordlicht ein.

Torvik

Torvik

Nach Torvik steht die Stad mit dem Westkap an, und mit etwas Geschaukel bringen wir auch diese offene Seestrecke hinter uns. Die Stad ist ein “Point of Interest” für das Expeditionsteam, einer der vier gibt an Deck ein paar Infos dazu. Ich muss aber zugeben, dass ich mir das nicht anhöre… aber am Abend werden Fotos gezeigt, es hat wirklich statt gefunden.

Viel interessanter ist, dass wir demnächst Ålesund erreichen. Das Wetter ist suboptimal, es regnet, und die Lichter der Stadt wirken fast so, als ob Ålesund wieder brennt – aber es ist zum Glück keine Wiederholung des Brands, dem die Stadt ihr Jugendstil-Stadtbild verdankt, sondern nur die Straßenbeleuchtung. Am Bug lässt sich gut ansehen, wie wir anlegen.

Aber das Wetter in Norwegen ändert sich schnell: Als wir an Land gehen, regnet es in Strömen. Das ist, wie Terry Pratchett es einst so schön formulierte, schon eher Wasser mit Schlitzen drin.

Und zwar horizontalen Schlitzen. Junge, Junge, an einen Aufstieg auf den Aksla ist nicht zu denken. Stattdessen spurte ich einmal quer durch die Stadt etwa bis zur Apotheke und dann wieder zurück. Das ist vielleicht schon mal eine gute Übung für den nächsten Island-Urlaub… die wasserdichten Schuhe und die Helly-Hansen-Jacke halten ganz gut, nur die Jeans war ein Fehler. Zurück auf dem Schiff wird die erst einmal an den Haken gehängt. Heute Nacht brauche ich kein Handtuch als Luftbefeuchter…

Immerhin: Bei dem Wetter langen eineinviertel Stunden für Ålesund. Sogar auf das Einkaufen verzichte ich da gerne. Blubb…

Statt dessen geht es zurück aufs Schiff, raus aus den nassen Klamotten und die Kamera trocken legen. Dann heißt es: Meet the Expedition-Team im Panoramasalon. Drei der vier stellen sich vor (Nummer vier ist malad, und morgen wird eh gewechselt) und erklären das Konzept: Sie machen, was motiviertere Reiseleiter oft gemacht haben, nur noch mehr davon. Wenn es etwas interessantes zu sehen gibt, wird zehn bis fünfzehn Minuten an Deck etwas dazu erklärt (und das ist keine Verkaufsveranstaltung), außerdem gibt es zu den üblichen Ausflügen auch ein paar Hikes – Wanderungen oder ähnliches für alle, die es gerne etwas aktiver haben. Das Konzept klingt nicht schlecht. Bei der Gelegenheit wird auch die erste “Geschmacksprobe” nachgeholt, und wir dürfen getrocknetes Lamm kosten.

Molde

Molde

Um 19 Uhr ist dann Abendessen angesagt, anscheinend mit neuer Speisekarte. Abends gibt es wieder ein Drei-Gänge-Menü mit Lamm, das geschmacklich überzeugt: Auf der Nordlys wird gewürzt, fein.

Nach dem Essen gibt es in der Bar auf Deck 7 kostenlosen Kaffee, und um 20:20 verlassen wir Molde und segeln am Scandic-Hotel vorbei. Es ist wie ein Segel geformt und bei Nacht auch ein interessanter Anblick – bei Tag wirkt es aber dennoch imposanter.

In der Bar gibt es ab 20 Uhr Live-Musik, aber was für mich viel interessanter ist: Wir begegen kurz nach Molde der Finnmarken. Ob wir wieder von einer Vinkekonkuransje überrascht werden? Big Party auf der Finnmarken?

Hallo, Finnmarken!

Hallo, Finnmarken!

Klare Antwort: Nein. Es bleibt bei der Lichthupe der beiden Schiffe, und ich winke ihr alleine von unserem Bug aus zu. Auch diesmal sind auf der Finnmarken wohl viele Passagiere schon in Trondheim ausgestiegen.

Da der Himmel immer noch bedeckt und regnerisch ist, bleibt Zeit für Gespräche (auf den kleinen Schiffen kommt man wirklich leichter ins Gespräch), bis wir um halb zwölf Kristiansund erreichen.

Kristiansund

Kristiansund

Hier gibt es sogar eine Hauch von Weihnachtsbeleuchtung, während des kurzen Halts steige ich aber nicht aus. Stattdessen ist dann doch mal Feierabend angesagt, schließlich wollen wir Trondheim morgen früh gegen 6:30 erreichen.

Hurtigrute mit der Nordlys Tag 1: Bergen und Pepperkakebyen

Irgendwie wird die Hurtigrute ja zur (guten) Gewohnheit: Ich darf schon wieder eine Nordlicht und Sterne Tour für Astronomie.de und Hurtigruten Deutschland begleiten. Diesmal mit der Nordlys – einem Schiff der so genannten neuen Generation, also einem der älteren Schiffe aus den 90er Jahre, und vor allem einem, das noch nicht umgebaut wurde, sondern noch den alten Charme hat. Sehr schön. Vom 24.11. bis zum 4.12. geht die Reise diesmal, Bergen-Kirkenes-Trondheim.

Es gibt nur ein Problem: Ich fliege um 10 Uhr in Stuttgart ab, dank Security soll man zwei Stunden vorher am Flughafen sein, dazu kommt eine halbe Stunde für den Shuttle vom FlyAway Parkservice, bei dem ich mein Auto wieder unterstelle, und zwischen Heilbronn und Stuttgart liegt die A8. Für die 100km plane ich mal lieber zwei Stunden ein, wegen Berufsverkehr, Baustellen und viel zu klein geplanter Autobahn. Wichtige Erkenntnis: Wenn ich um 5:30 losfahre, ist die Strecke sogar in einer guten Dreiviertelstunde machbar. Ich bin also viel zu früh und viel zu müde in Stuttgart. Na, was soll’s. Eine Stunde später im Berufsverkehr hätte es nicht geklappt.

Das kleine SAS-Maschinchen in Stuttgart.

Das kleine SAS-Maschinchen in Stuttgart.

Immerhin ist der Flieger weitestgehend pünktlich, und am Flughafen bleibt genug Zeit für Frühstück und das alter Ratespiel “Wer gehört zur Gruppe, wer hat Gepäckanhänger von Hurtigruten?” Die ersten “Verdachtsfälle” habe ich bereits…

Bis Kopenhagen wird das Wetter besser, und es bleibt bei rund zwei Stunden genug Zeit für Mittagessen und Kontakte knüpfen: Die ersten Vermutungen bewahrheiten sich, ich habe die ersten Gäste identifiziert und komme ins Gespräch, bis das Boarding beginnt. Gegen 15:30 landen wir, und irgendwie bringe ich das Kunststück fertig, als letzter die Maschine zu verlassen und als erster mit Gepäck in die Wartehalle zu kommen, wo Sabine schon auf uns wartet. Mittlerweile werden die Reise zu Familientreffen: Mit ihr und Ekkehard (mit dem ich letzten Monat auf der Finnmarken war) war ich vor rund einem Jahr unterwegs, und auf dem Schiff wartet Angelika, die schon bei meiner ersten Tour Reiseleiterin war. Neu sind mein Ko-Lektor Hans und eben das Schiff, die Nordlys.

Bergen. Regen. Alles in Ordnung.

Bergen. Regen. Alles in Ordnung.

Bald wird es auch etwas voller in der Wartehalle, aber wir haben noch eine Stunde, bis die letzte Maschine aus Amsterdam landet und alle Gäste da sind. Soweit läuft alles glatt: Auch wenn die Lufthansa streikt, haben SAS und KLM alle sicher nach Bergen gebracht, und in der Stadt regnet es. Es ist ja doch einiges an Wind und Regen für den Süden Norwegens vorausgesagt…

Als es gegen 17:30 dann mit fast allen Gästen zum Schiff geht (zwei haben es geschafft, auf eigene Faust vor uns auf der Nordlys anzukommen, sodass wir sie am Flughafen vergeblich gesucht hatten), ist von Bergen natürlich nicht mehr so viel zu sehen. Die Orientierungsrundfahrt ist daher kurz, ohne dass man etwas verpasst. Auch Weihnachtsmärkte oder -beleuchtung sind rar: Ein paar Lichterketten, die über die Bäume geworfen wurden, und die beleuchteten Giebel von Bryggen sind eigentlich schon alles.

Bryggen im Weihnachtsschmuck

Bryggen im Weihnachtsschmuck

Nach etwa einer Stunde treffen wir dann am Hurtigrutenterminalen auf Angelika und Hans, und das Schiff ist auch fast vertraut: Genau wie die Nordkapp gehört sie zur mittleren Generation, und sie hat noch das klassische, maritime Design. Nicht ganz die Nordkapp, aber nah genug dran:-) Im Gedächtnis hatte ich sie aber wohl mit der Nordnorge verwechselt – zumindest gab es ein Schiff, dass der Nordkapp noch ähnlicher war. Aber die Nordnorge wird ja auch modernisiert, schade für die Freunde des klassischen Designs.

Aber die Dinge ändern sich, und auch auf der Nordlys gibt’s was Neues: Sie ist jetzt Expeditionsschiff. Damit kümmern sich jetzt gleich vier Leute statt des Bordreiseleiters um die Gäste und bieten jede Menge kleine Veranstaltungen und Präsentationen an. Das ist an sich gar nicht schlecht, aber die Suche nach einem Vortragsraum ist natürlich kniffliger. Aber das Expeditionsteam sind nette Leute, und wir finden gute Termine. Dabei ist natürlich auch hilfreich, dass die Nordlys mit rund 100 Passagieren alles andere als ausgelastet ist. Damit kann einer erfolgreichen Reise eigentlich nur noch das Wetter im Weg stehen.

Bis zur Abfahrt um 22:30 ist neben der Vortragsorganisation natürlich noch einiges zu tun: Kabine beziehen, um 20:30 die Vorstellung der Crew mit der Infoveranstaltung vom ReiseExpeditionsleiter, Abendessen (das Weihnachtsbuffet, das auch für Besucher aus der Stadt offen steht), und natürlich der Besuch Kiwi, dem Supermarkt um die Ecke. Und wie es sich so ergibt, ist die Pepperkakebyen direkt ums Eck, die Bergener Pfefferkuchenstadt. Wenn man weiß, wo man hin muss, ist das trotz strömenden Regens machbar. Also verkürze ich das Abendessen und mache mich auf zu einem kurzen Besuch. Was soll ich sagen: Eindrucksvoll. Die Bergenser haben ihr Hallenbad leer geräumt und Bergen in Pfefferkuchen nachgebaut. Ob das 90 NOK Eintritt wert ist, ist schwer zu sagen, aber gelohnt hat sich trotzdem, auch wenn ich nur ein paar Minuten da war – echtes Hurtigrutenfeeling halt.

Der Hafen von Bergen bis hin zu Fløyenbahn, Håkonshalle und Arienkirche sowie vieles mehr sind liebevoll bis fantasievoll nachgebildet. Hat was.

Die Crew wird vorgestellt.

Die Crew wird vorgestellt.

Trotzdem muss ich bald schon wieder auf dem Schiff sein, zur Info-Veranstaltung. Ich will doch wissen, was es mit dem Expeditionsschiff auf sich hat. Ralf und Eskild geben die üblichen Infos zum Leben auf dem Schiff, als Expeditionsschiff gibt es noch jede Menge Point of Interests, bei denen etwas erzählt wird. Das kann gut werden, ich bin gespannt. Außerdem werden zu den normalen Exkursionen noch “Hikes” angeboten – getreu der norwegischen Freiluftliebe gibt es also Wandertouren für aktiveres Publikum. Könnte interessant werden – abwechslungsreich, hoffentlich ohne zu viel zu sein. Und das Expeditionsteam ist auch auf Polarlichtjagd. Dann dürften die Durchsagen und die Schiffsbeleuchtung schon mal kein Problem sein. Fein.

Bye, bye, Bergen

Bye, bye, Bergen

Zur Abfahrt trifft man sich dann an Deck, die Nordlys hat ja auch die beiden windgeschützten Bereiche auf Deck 7. Der Raucherbereich ist überraschend voll… und was ich an den kleinen Schiffen mag: Es leichter, ins Gespräch zu kommen. Dürfte eine sehr angenehme Tour werden.

Bergen verlassen wir im strömenden Regen dann erst gegen 23:40 – es gab wohl ein paar Problemchen, die erst noch gelöst werden mussten. Das wird doch kein Finnmarken-Déjà-vu geben? Wie dem auch sei, nachdem wir die Brücke passiert haben, wird es langsam Zeit für Feierabend. Schließlich war es ein langer Tag.

In der Nacht schaukelt es ein wenig, aber immerhin gleichmäßig. Das Westkap morgen früh dürfte interessant werden – ich freu mich schon.

Sensorabstand bei der Digiskopie

Ich beschäftige mich ja schon einige Zeit mit der Digiskopie, also der Fotografie durch’s Okular. Mit dem Handy ist das mittlerweile unglaublich einfach geworden, und mit der Spiegelreflex ist so eine hohe “Vergrößerung” möglich – auch wenn in der Fotografie besser vom Bildmaßstab gesprochen werden sollte, die Vergrößerung hängt ja letztlich vom Bildschirm, Ausdruck oder Foto-Abzug ab. Dabei gilt: Je weiter ein Sensor vom Okular weg ist, desto höher ist die Vergrößerung bzw. desto kleiner ist der Bildausschnitt.

Die Äquivalenzbrennweite – also die Brennweite, die man einer alten Kleinbildkamera für den selben Bildausschnitt benötigt – berechnet sich wie folgt:

fÄquivalent = fObj × ((a/fOku)-1)

Das bezieht sich heute auf DSLRs mit Vollformat; bei APS-C-Kameras kommt für Vergleiche ggf. noch der Cropfaktor dazu: Die physikalische Brennweite eines Objektivs bleibt natürlich unverändert, aber da der Sensor kleiner ist, zeigt das Bild den selben Bildausschnitt wie eine Vollformat-Kamera mit der 1,5-fachen Brennweite (bzw. 1,6 bei Canon).

Der Vorteil des kleineren Sensors ist natürlich, dass er besser ausgeleuchtet wird – die T2-Adapter können den großen Vollformat-Sensor etwas abschatten. Außerdem werden durch den kleineren Sensor Abbildungsfehler der Optik am Bildrand abgeschnitten und stören nicht. Man bekommt sie aber auch weg, indem man den Abstand Okular-Kamera vergrößert.

Klingt zu kompliziert? Ist in der Praxis aber ganz einfach.

Einige Spektive bzw. deren Okulare haben ein Gewinde, sodass ein T-Ring (T2-Adapter) angeschraubt werden kann. Die T-Adapter haben wiederum ein Kamerabayonett und stellen einen Abstand von 55mm vom Auflagemaß zum Kamerasensor bereit. Früher gab es Objektive mit T-Anschluss, so war sicher gestellt, dass man an jeder Kamera ein scharfes Bild kriegt.

DSLR direkt am Trailseeker 65, zusätzlicher Abstand 0mm

DSLR direkt am Trailseeker 65, zusätzlicher Abstand 0mm

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, meine Nikon D7100 (APS-C-Sensor) an ein Celestron TrailSeeker 65 Spektiv anzuschließen. Wenn man die Kamera nun mit dem T-Ring direkt an das Okular schraubt, sieht das so aus wie im Bild unten.

Die Kamera sieht dann ein Bild, das nicht ganz so überzeugend ist: Die Ecken sind unscharf, werden nicht ganz ausgeleuchtet und sind verzerrt. Kein Wunder, schließlich soll das Okular ja eigentlich auf unserer gewölbten, kleinen Netzhaut im Auge ein scharfes Bild abgeben und nicht auf einem großen, ebenen Kamerasensor.

APS-C-Kamera über T2 direkt am Okular angeschlossen.

APS-C-Kamera über T2 direkt am Okular angeschlossen.

An einer Vollformatkamera fällt das natürlich noch mehr auf. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man erhöht die Vergrößerung, indem man den Kameraabstand erhöht, oder man macht am PC einen Bildausschnitt.

Kameraanschluss mit Baader TQC Schnellwechsler, Baulänge 16mm

Kameraanschluss mit Baader TQC Schnellwechsler, Baulänge 16mm

Ein größerer Kameraabstand ist dabei natürlich wünschenswert, weil man weiterhin den ganzen Sensor der Kamera ausnutzen kann. Aus Kleinbild-Zeiten (Vollformat) gibt es den Tipp, eine 40mm-Verlängerungshülse zu nutzen. Was braucht man an APS-C?

Ich habe mal mit dem Baader TQC Schnellwechsler angefangen. Der ein oder andere hat so einen Schnellwechsler vielleicht vom Bino-Ansatz des Teleskops ohnehin da. Er hat eine Baulänge von 16mm und den großen Vorteil, dass man die Kamera ausrichten kann, wenn sich das Okular beim Zoomen mitdreht oder die Kamera sonst schief am Spektiv hängt.

Sieht doch gleich viel besser aus:

16mm zusätzlicher Abstand dank TQC-Schnellwechsler

16mm zusätzlicher Abstand dank TQC-Schnellwechsler

Die Ecken sind – vor allem rechts – schon fast so gut wie in der Bildmitte. Links ist es etwas verwaschen, aber das dürfte an der Luftunruhe liegen – auch beim Blick durch das Okular hat das Bild ganz gut gewabert, aber ich hatte keine Lust, für diese Tests auf perfekte Bedingungen zu warten. Das Ergebnis ist auch so zu erkennen. Alle Bilder sind übrigens mit den selben Kameraeinstellungen im manuellen Modus gemacht und unbearbeitet.

Mehr Vergrößerung mit ein (oder zwei) 15mm-Verlängerungen

Mehr Vergrößerung mit ein (oder zwei) 15mm-Verlängerungen

Der nächste Schritt: Mehr Abstand mit zusätzlichen 15mm-Verlängeurngshülsen zum Schnellwechsler. Mit einer Hülse bin ich bei 31mm und mit zwei schon bei 46mm. Die 7,5mm-Hülse hatte ich nicht zur Hand.

Das Ergebnis: 31mm sind auf jeden Fall randscharf, 46mm auch, aber das Bild ist schon ziemlich dunkel (Das Spektiv hat bei der kleinsten Vergrößerung von 16x eine Austrittspupille von 4mm).

31mm Abstand mit TQC und 15mm-Hülse

31mm Abstand mit TQC und 15mm-Hülse

46 mm Abstand mit Schnellwechsler und zwei 15mm-Hülsen

46 mm Abstand mit Schnellwechsler und zwei 15mm-Hülsen

Mein Favorit ist dabei eindeutig die Kombination 15mm-Ring plus Schnellwechsler, wobei der Schnellwechsler alleine auch schon ausreicht, wenn es nicht auf absolute Perfektion ankommt – also auch, wenn nicht alles im Bild gleich weit entfernt ist wie die Dachziegel, sondern ein Vogel irgendwo im Geäst sitzt und ich lieber mehr Bildfeld will.

Der Klassiker: 40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängeurngshülse

Der Klassiker: 40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse

Und wie schaut es mit der klassischen Kombination aus, also nur der 40mm-Hülse? Klar – hohe Vergrößerung und ähnliches Bildfeld wie mit der 46mm-Kombination, also an APS-C perfekt.

Mangels Vollformat-Kamera kann ich das nicht an Vollformat testen… Egal, hier das Bild an APS-C. Wie erwartet ist es scharf bis zum Rand, aber auch sehr stark vergrößert. Mit dem großen Abstand der Kamera vom Spektiv muss man das auch erst einmal stabil montiert bekommen, und die Bildhelligkeit (Öffnungsverhältnis) ist recht gering.

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40mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse

Und das ganze zusätzlich mit dem T2-Schnellwechsler:

56mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse und Schnellwechsler

56mm Abstand mit einer einzelnen Verlängerungshülse und dem Schnellwechsler

Mein Fazit:

Für Vollformat würde ich wie gehabt zu einer 40mm-Verlängerungshülse oder zu 2x15mm plus Schnellwechsler raten.

Für APS-C fährt man mit ca. 30mm Abstand ganz gut – z.B. mit 1x15mm Verlängerungshülse + Schnellwechsler

Aus dem Bauch heraus sollte der Schnellwechsler alleiner (oder eine 15mm-Verlängerung) für Micro 4/3 gut ausreichen.

Tag 11: Trondheim, mal wieder

Lately it occurs to me, what a long strange trip it’s been…

Jede Reise ist anders, und für diese gilt das ganz besonders. Was mit einem für mich als “Winterfahrer” ungewohnten Abstecher in den Hjørunderfjord begann, wurde dann über eine Panne mit ungewissem Ausgang in Trondheim zu einer Highspeed-Kreuzfahrt in den Borden, bevor die Reise dann ab dem Nordkap doch noch zur klassischen Postschiffreise wurde. Eines ist sicher: Wer sich entscheidet, diese Tour noch einmal zu machen (und dann vielleicht noch im Winter, wenn Schnee liegt), wird eine ganz andere Reise erleben.

Und das Nordlicht? Anfangs hatte ich schon befürchtet, auf dieser Reise zwar viel Nordlicht zu sehen, aber keine schöne Show. In jeder Nacht etwas Licht mit Wolken ist blöd, und Dauerbewölkung in der Barentssee erst recht. Aber dann hat die Aurora entgegen allen Prognosen doch noch richtig Gas gegeben, und ich habe mehr Bilder zu Zeitraffern verarbeitet als auf jeder anderen Tour. Wow. Mit über 13.000 Bildern im Gepäck war erst einmal eine neue Festplatte fällig…

Trondheim aus der richtigen Perspektive

Trondheim aus der richtigen Perspektive

Aber alle Dinge enden einmal, und diese ungewöhnliche Tour endete schließlich wie geplant am 3. November 2016 in Trondheim. Diesmal legten wir am richtigen Kai an und hatten den vertrauten Ausblick auf Trondheim. Bereits um 8 Uhr mussten die Kabinen geräumt werden, in der Zwischenzeit konnten wir das Gepäck in einem Konferenzraum zwischenbunkern. Bis zur Abfahrt der Transferbusse um 10 Uhr blieb noch genug Zeit, um der Spitsbergen einen Besuch abzustatten – der neueste Zugang der Hurtigrutenflotte ist eine umgebaute Azorenfähre (Ex Atlantida) und bereits im neuen Arctic Design gestaltet.

Die Spitsbergen in Trondheim

Die Spitsbergen in Trondheim

Was soll ich sagen? Das Schiff ist einheitlich umgestaltet, hier passt die moderne Inneneinrichtung. Sieht gut aus, leider war der Umlauf um den Bug im Hafen gesperrt. Da sie keinen Vortragssaal hat, fällt sie für die Nordlicht-und-Sterne-Touren von Hurtigruten Deutschland und Astronomie.de allerdings aus. Schade.

Sehr cool ist der Fake-Kamin im Salon, bei dem LED-hintergrundbeleuchteter Wasserdampf ein flackerndes Kaminfeuer simuliert. Leider sind die Sessel sehr niedrig, das “Expeditionsschiff” ist wohl eher für die Zielgruppe bis Mitte 20 ausgelegt. Aber hübsch ist sie. Noch beeindruckender ist die Gangway: Sie federt wunderbar, fast wie ein Trampolin. So kommt man noch schneller an Land:-)

Erster Schnee

Erster Schnee

Nach dem Besuch auf der Spitsbergen ging es wieder auf die Finnmarken, Adieu sagen und das Gepäck abholen. Statt des vertrauten “Welcome” beim Scannen der Cruise Card hieß es nun “DRRRRR” – mit dem ersten Verlassen des Schiffs waren unsere Cruise Cards ungültig geworden, und wir durften nur noch mit einer Port Guest Karte an Bord. So schnell kann es gehen…

Kurz vor der Abfahrt hatte es zu schneien begonnen. Der erste Schnee der Saison puderte Schiff und Hafen ein, bis wir in den Bussen saßen. Da noch Zeit bis zum Rückflug war, hatten wir noch ein bzw. zwei Stunden Zeit für einen Aufenthalt in Trondheim. Mittlerweile kennt man sich da ja aus und konnte Fotoziele und Läden rasch abklappern.

Schneeschippen für Profis

Schneeschippen für Profis

Anschließend ging es zum Flughafen und – zumindest für mich – nach einem Mittagessen um 15:05 in den Flieger. Der Flughafen Trondheim hatte mit dem Schnee keine nennenswerten Probleme, sodass der Rückflug ereignislos verlief. Die Armada aus Schneeschiebern ist immer ein beeindruckender Anblick, von dem Deutschland noch was lernen kann.

Mittlerweile – ich schreibe diesen Beitrag am 6. November – sind die “Aufräumarbeiten” auch erledigt. Volkers Präsentation und meine Bilder liegen auf der Geheimseite für die Teilnehmer unserer Reise. Die gehört übrigens nicht zum Standardprogramm, das machen wir freiwillig.

Meine Nordlichtbilder habe ich nun auch schon zu einem Filmchen verarbeitet und bei Vimeo hochgeladen – viel Spaß damit!

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Nordlicht und Sterne GRP 107 – Oktober 2016 from Alex Kerste on Vimeo.

Für mich gibt es nur kurz Ruhe – jetzt heißt es zweieinhalb Wochen lang durcharbeiten, bevor ich am 24. November schon zur nächsten Reise durchstarte. Und kurz danach geht es in einen wohlverdienten Kurzurlaub nach Island, hoffentlich zu noch mehr Polarlichtern.

Tag 10: Südwärts über den Polarkreis

MS Kong Harald

MS Kong Harald

Nach dem Feuerwerk gestern Abend beginnt nun der letzte richtige Reisetag, noch einmal mit einer Party an Deck: Um 8:30 begegnen wir der Kong Harald und überraschen sie bei bestem Wetter mit Luftballons und Winke-Winke.

Anschließend bleibt nicht viel Zeit für das Frühstück, denn bereits eine Stunde später passieren wir den Polarkreis, und das Ereignis wird wieder mit einer Zeremonie auf Deck 8 gewürdigt. Diesmal steht Lebertran auf dem Programm, und man darf den Löffel behalten. Einige Passagiere geben sich gleich die ganze Flasche, dürfen aber trotzdem nur den Löffel behalten. Anita, unsere Bordreiseleiterin, begleitet das ganze Zeremoniell wieder.

Löffel gefällig?

Löffel gefällig?

In der Zwischenzeit sind Volker und ich hochbeschäftigt: Mein Computer hat endlich die Bilder der vorletzten Nacht zu einem Film verarbeitet, und Volker gibt seiner Abschlusspräsentation den letzten Schliff – schließlich haben wir schon um 11 Uhr das Abschlusstreffen unserer Gruppe, mit einem kleinen Reiserückblick und Infos zur Rückreise in Trondheim.

Für rund eine Stunde treffen wir uns im Konferenzraum, während das Schiff in Nesna an- und wieder ablegt. Volker und ich machen gar nicht viele Worte, sondern lassen Bilder sprechen. Obwohl am Anfang viele Häfen und Exkursionen ausgefallen waren, ist doch wieder einiges zusammengekommen. Man vergisst so schnell, was man alles erlebt hat, und ist von den Eindrücken einfach überwältigt.

Die sieben Schwestern

Die sieben Schwestern

Danach bleibt noch etwas Zeit, um die Reise zu genießen. In Sandnessjøen haben wir nur eine halbe Stunde Aufenthalt, bevor die Reise weiter geht und wir an den sieben Schwestern vorbei fahren. Die Berge zeigen sich diesmal in ihrer ganzen Pracht vor der tiefstehenden Sonne. Im Süden ist wohl schon der Torghatten bei Brønnøysund zu sehen.

Für mich steht noch ein letzter Programmpunkt auf dem Plan: Um 15 Uhr bietet Eckehard noch einen kleinen Bonus-Vortrag an, über die Geologie Norwegens, und ich darf mitspielen. Jetzt wird einem klar, woran man in den letzten Tagen eigentlich vorbei gefahren ist, und wie hoch die Skanden und das Kaledonische Gebirge mal waren, von denen nur noch das heutige Skandinavien mit seinen Fjorden übrig geblieben ist. As time goes by…

In Brønnøysund gibt es für die Passagiere, die von Anfang an dabei waren, noch einmal die Chance für eine kurze Brückenbesichtigung. Alle anderen können auf ein Eis in die beste Eisdiele an der Route gehen. Zugegeben: Es ist auch die einzige Eisdiele, an der wir direkt halten. Mit dem englischen Lektor, der meint, Ben & Jerrys wäre besser, stimme ich trotzdem nicht überein.

Anschließend bleibt noch Zeit für einen Besuch im Amfi-Einkaufszentrum, um die letzten Kronen von der Kreditkarte runterzukriegen und Souvenirs einzukaufen. Pünktlich um 15:45 legen wir ab, dem Torghatten – dem Berg mit Loch – statten wir diesmal aber keinen Besuch ab: Es ist einfach zu dunkel, sodass es nichts zu sehen gäbe.

Captain's Dinner

Captain’s Dinner

Aber egal, so können wir um 18:00 entspannt zum Avskjedsmiddag erscheinen, dem Farewell Dinner. Die Crew verabschiedet sich schon einmal, da viele in Trondheim das Schiff verlassen, auch wenn wir im hinteren Teil des Restaurants nicht viel davon mitbekommen. Wie immer ist es eine lockere und alles andere als bierernste Veranstaltung.

Die MS Lofoten

Die MS Lofoten

Nun bleibt noch ein Hafen auf der Route: Rørvik, wo wir die Lofoten treffen. Sie ist das letzte klassische Postschiff, das noch auf der Route fährt. Kaum zu glauben, dass die fast den gleichen Tiefgang hat wie die Finnmarken…

Nach Rørvik ist packen angesagt. Ich verkneife mir mittlerweile die Polarlichtprognosen, da es sowieseo welches gibt, aber der Himmel ist bedeckt. Um 23 Uhr machen wir noch einen letzten Rundgang um das Schiff, während es über die Folda geht, aber außer Wolkenstrukturen ist nichts zu sehen. Wir können guten Gewissens die Kamera wegpacken und ins Bett gehen.

Bis kurz vor Mitternacht die Durchsage kommt: Vi har Nordlys.

Na toll. Also wieder rein in die Klamotten und raus an den Bug, wo ich fast alleine bin. Tatsächlich: Es gibt Polarlicht, schwache Bänder flattern sehr schnell über den Himmel. Allerdings gibt es nur eine Wolkenlücke von etwa eineinhalb Handbreit, durch die die Show zu sehen ist. Über dem Schiff schimmert ein heller grüner Streifen hinter den Wolken. Bei besserem Wetter wäre es eine tolle Show, so gehe ich nach zehn Minuten wieder ins Bett – schließlich müssen wir in Trondheim schon um 8 Uhr die Kabinen verlassen.

Tag 9: Lofoten und Trollfjord

Trondenes-Kirche in Harstad

Trondenes-Kirche in Harstad

Mittlerweile haben wir den ersten November, und die Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Vorher geht es aber noch durch die beeindruckende Inselwelt von Lofoten und Vesterålen. Wer will, kann die Bus-Tour durch die Vesterålen machen und so auch der Trondenes-Kirche einen Besuch abstatten. Sie ist die älteste Steinkirche Norwegens und hat einen freistehenden kleinen Glockenturm, in ihrer Nähe gibt es ein hübsches Museum.

Oder man genießt einfach die Fahrt durch die Inseln und durch die Risøyrinne. Dieser Kanal ist von oben unscheinbar und nur durch die von Kormoranen besiedelten Fahrbahnmarkierungen zu erkennen. Kaum zu glauben, dass wir hier nur eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben.

Der Königsstein

Der Königsstein

In Risøyhamn am Ende der Rinne erinnert der “Königsstein” an die Eröffnung des Fahrtwegs. Er ist mit einem kleinen Spurt leicht zu erreichen: Runter vom Schiff auf die andere Straßenseite und ein paar Meter nach links. Bei einer Viertelstunde planmäßigem Aufenthalt klappt das aber nur, wenn die Gangway beim ersten Versuch ausgeklappt wird und man auch von Bord gelassen wird. Diesmal wird Wert darauf gelegt, dass man 10 Minuten vor Abfahrt wieder an Bord ist, und da das Anlegen zu lange dauert (mit der Frachtluke klappt das deutlich besser – die ersten Autos fahren schon an Bord, bevor die Gangway in ihrer richtigen Position ist), kann der Stein diesmal nur vom Schiff aus besichtigt werden. Schade.

Vorbereitungen zum Busse-Winken

Vorbereitungen zum Busse-Winken

Eineinhalb Stunden später erreichen wir dann Sortland, die blaue Stadt. Die Finnmarken macht ihrem Ruf als Vergnügungsdampfer wieder einmal alle Ehre: Alle werden an den Bug gebeten, und wer kein Handtuch dabei hat, wird mit Flaggen, Ballons, Müllsäcken oder Transparenten zum Winken ausgestattet. Wie immer überqueren die Busse mit den Teilnehmern der Vesterålen-Rundfahrt die Sortland-Brücke genau dann im Kriechtempo, wenn das Schiff darunter hindurch fährt. In Sortland sammeln wir dann die drei Ausflugsbusse wieder ein, und die Fahrt geht weiter Richtung Süden, nach Stockmarknes, dem Geburtsort der Hurtigrute.

Die alte Finnmarken hat gelitten

Die alte Finnmarken hat gelitten

Mit den letzten Strahlen der Abendsonne erreichen wir den Ort und nutzen die Zeit für ein spontanes Gruppenfoto an Bord, bevor es in das Hurtigrutenmuseum geht. Da das Museum nicht zur Hurtigrute gehört, sondern privat betrieben wird, kostet es Eintritt. In den letzten Jahren gab es immer wieder verschiedene Regelungen: Mal war der Besuch im Reisepreis inbegriffen, mal kostet es extra. Es ist schade, dass der Eigner von Hurtigruten jetzt ein britischer Finanzinvestor ist, der wohl eher an Geld als an der Tradition interessiert ist.

Das Museum kann die Eintrittsgelder jedenfalls gut gebrauchen: Das mächtigste Ausstellungsstück ist die alte Finnmarken, die an Land liegt und den Elementen ausgeliefert ist. Am Bug fehlen einige Buchstaben des Namens, im April war er noch vollständig. Traurig, aber ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Der einstündige Aufenthalt reicht entweder für Museum oder Schiff; am besten schaut man sich zuerst das Schiff an.

Im Raftsund

Im Raftsund

Mittlerweile liegt das Mittagessen auch schon wieder zweieinhalb Stunden zurück, daher werden auf Deck Waffeln angeboten, und der “magische Trolltrunk”. Der Grund: Wir fahren nun in den Raftsund mit dem berühmten Trollfjord. Um 16 Uhr beginnt diese eindrucksvolle Passage, und gegen 17 Uhr steht der Trollfjord auf dem Programm. Dank der Zeitumstellung ist es nun leider schon recht dunkel, und bis zuletzt ist unklar, ob der Kapitän noch genug sieht, um in den Trollfjord hineinzufahren.

Es ist ohnehin eng mit dem Timing: Auf dieser Fahrt haben wir vier Sitzungen für das Abendessen, die mit einer halben Stunde Versatz anfangen, damit schneller serviert werden kann. Normalerweise geht es um 18:30 los, unsere Sitzung wäre dann um 19 Uhr. Damit alle zu den Ausflügen in Svolvær können, gibt es diesmal nur zwei Sitzungen um 17:15 und 20:30. Aber egal, wenn wir in den Trollfjord fahren, will ich das sehen.

Der Eingang zum Trollfjord

Der Eingang zum Trollfjord

Und kurz vor der Mündung dann die Durchsage: Wir gehen rein!

Das Schiff schiebt sich langsam in den Fjord, und an Bord herrscht andächtiges Schweigen. Genau so stellt man sich einen Fjord vor: Eng, steile Wände, ruhiges Wasser.

Am Ende des Fjords steht ein Turbinenhaus, das seit 1960 einen Wasserfall zur Stromerzeugung nutzt – also daher stammt das Licht, das man im Winter immer im Fjord schimmern sieht.

Am Ende des Fjords dreht das Schiff dann auf der Stelle und setzt unter dem Applaus der Passagiere seine Reise fort. Wow. Für die Ausfahrt bleibt uns an Deck leider keine Zeit, das Abendessen ruft. So wie es aussieht, sind wir für diese Saison das letzte Schiff, das in den Trollfjord fährt: Die Polarlys am nächsten Tag fuhr wegen Sicht und Lawinengefahr schon nicht mehr hinein.

In Svolvær gehe ich dann etwas später von Bord, diesmal bleibt es nur bei einem kurzen Blick in den Anker, die urige Kneipe im Scandic-Hotel. Dafür zeigt Eckehard uns noch einen weiteren verborgenen Schatz: Ein großes Gemälde der Schlacht am Trollfjord im Scandic-Hotel, bei dem traditionelle und moderne Fischer sich in die Haare geraten waren.

Eines der ältesten Häuser in Svolvær

Eines der ältesten Häuser in Svolvær

Ein kleiner Spaziergang durch Svolvær lohnt sich immer, und die Galerie von Dagfinn Backe (der die Karikaturen im Treppenhaus der Finnmarken gezeichnet hat und auch das Denkmal der Fischerfrau am Hafeneingang geschaffen hat) ist wohl ebenfalls geöffnet. Da bin ich aber zu spät, sie steht erst am Ende meines Rundgangs.

Zurück auf dem Schiff gibt es klaren Himmel, aber alle Prognosen deuten auf eine ruhige, polarlichtfreie Nacht hin. Außer dem üblichen Grünschimmer am Horizont ist nichts zu erwarten. Heute dürfen wir wohl einmal früh ins Bett.

So weit die Theorie.

Die Trollfjord

Die Trollfjord

Bei der Schiffsbegegnung mit der Trollfjord kurz vor 21 Uhr ist tatsächlich noch alles ruhig, und nicht einmal die übliche Party an Deck steigt.

Kurz vor 23 Uhr gehe ich dann aber noch einmal an Deck, ein paar Sternbilder erklären, und kurz darauf beginnt ein tolles Feuerwerk. Wahnsinn, sogar vom recht hellen Oberdeck aus. Jetzt zeigt die Aurora noch einmal, was sie kann, und tanzt, bis die Wolken kommen.

Zum Glück bleiben wir noch länger an Deck, denn gegen Mitternacht kommt die nächste Wolkenlücke, passend zur nächsten großen Show. Diesmal verpasse ich das Maximum, da ich kurz unter Deck bin, aber es ist und bleibt beeindruckend. Volker erlebt die Show im Dunklen am Bug, ich verbringe sie auf Deck 8.

Es ist immer wieder faszinierend, und man gewöhnt sich nie daran. Aber irgendwann werden die Jubelrufe weniger, und man nickt der Aurora eher zu, wie einer guten alten Freundin, und genießt den Abend. Dieser Abend bot das volle Programm, mit schnellen, flatternden Bändern, hellen Streifen und einem breiten, von senkrechten Abschnitten unterteilten Band. Das ist die Show, wegen der immer mehr Menschen diese Fahrten öfters unternehmen, und der einen in seinen Bann zieht.

Was für eine Nacht!

Tag 8: Hammerfest

Havøysund

Havøysund

Eigentlich hatte ich nicht vor, mir Havøysund anzuschauen, aber wir erreichen den Hafen immerhin mit einer Dreiviertelstunde Verspätung gegen 8:30 und bleiben ein wenig länger als die geplante Viertelstunde. Das passt sogar zu meinem Tagesrhythmus. Ein paar Fotos sind schnell gemacht, sodass genug Zeit für das Frühstück bleibt. Immerhin: Wie angekündigt bessert sich das Wetter, und die für den Abend angekündigte Wolkenlücke vor Tromsø scheint Bestand zu haben. Nur die Polarlichtaktivität ist mau…

Auch wenn wir Hammerfest mit Verspätung erreichen, gibt es pünktlich um 10 Uhr den berühmten Energiekaffee, auf den ich dankend verzichte. Anlass ist wie immer die Passage an der Flüssiggasanlage auf der “Milchinsel” Melkøya kurz vor Hammerfest. Mit Energie haben die Norweger ja schon öfter experimentiert, Hammerfest hat schon seit Ende des 19. Jahrhunderts elektrische Straßenbeleuchtung, unter anderem aus einem Gezeitenkraftwerk. Wenn ich mir das Tempo anschaue, dass die Finnmarken vorlegt, sollten die den Energiekaffee aber vielleicht besser in den Tank schütten.

Hammerfest

Hammerfest

Bei der aktuellen Verspätung dürfte uns einiges an Zeit in Hammerfest fehlen, was schade ist – auch wenn die Reiseinfo einer englischen Gruppe, die mit uns an Bord ist, Hammerfest für überflüssig hält. Deren Reiseleiter meint in seiner Info, dass er keine Tipps für die Stadt geben kann: Es gibt den Eisbärenklub voller ausgestopfter Polarbären, ein Wiederaufbaumuseum, in dem er noch nicht war, und die Grabkapelle, die die Deutschen aus irgendeinem Grund vergessen hatten, auch noch niederzubrennen. Das Beste wäre noch der Ausblick vom Zickzackweg.

Der Mann hat doch keine Ahnung.

Die markante Kirche von Hammerfest ist auch von innen sehenswert, ebenso wie wie das Museum des Eisbärenclubs, für das leider immer zu wenig Zeit bleibt. Dabei lohnt es sich, die Schautafeln durchzulesen und nicht nur an den Ausstellungsstücken vorbeizulaufen. Die Grabkapelle ist leider meist verschlossen, liegt aber auf dem Weg, wenn man einen Rundgang durch die Stadt macht. Und das Wiederaufbaumuseum ist absolut eindrucksvoll, und Buchhandlungen gibt’s natürlich auch. Daher bin ich durchaus froh, als wir Hammerfest kurz nach 11:15 erreichen und immerhin bis 13 Uhr Zeit haben.

Für die, die seit Bergen an Bord sind, werden ausnahmsweise auch kurze Brückenführungen angeboten, während das Schiff im Hafen liegt. Ich gehe lieber von Bord und schaue mir Hammerfest an.

Meine Bank ist schneefrei

Meine Bank ist schneefrei

Im Hafen liegt links am Kai immer noch die Gamle Mårøy – ein Oldtimer, der auch gut auf der Hurtigrute hätte fahren können und den selben Aufbau hat wie die alten Postschiffe. Da noch kein Schnee liegt, geht es vom Hafen aus dann schnurstracks den Zickzack-Weg hoch. Die Eisbären vor dem Rathaus werden diesmal ignoriert, aber für einen kurzen Halt an “meiner Bank” am Musikpavillon muss Zeit sein. Das Erinnerungsfoto ist ohne Schnee natürlich langweilig; im Februar schließt die Sitzfläche oft bündig mit der Schneedecke ab.

Der Zickzackweg ist dank Wasser und Matsch etwas rutschig, aber gut begehbar, und belohnt einen mit einem schönen Ausblick über Hammerfest. Die Bepflanzung in den Blumenkübeln oben auf dem Berg ist dafür etwas ungewöhnlich und erinnert an Salat…

Im Eisbärenclub

Im Eisbärenclub

Den Rundgang an Grabkapelle und Kirche vorbei beschleunigen wir etwas, da noch ein Besuch im Eisbärenclub ansteht. Es müssen wieder neue Mitglieder geworben werden. Neben Eisbären erwartet einen hier auch eine ganze Armada von Huskies. Niedlich:-)

Kurz nach 13 Uhr und somit nur mit einer Viertelstunde Verspätung verlassen wir dann Hammerfest pünktlich zum Mittagessen und passieren Håja, einen großen Felsen, der gelegentlich – und ohne Belege, aber es klingt gut – regional als größter Findling beworben wird. So wie es aussieht, ist es aber doch nur eine ganz normale Insel. Übrigens lohnt sich eine Fahrt mit Ekkehard immer, so viel über Geologie habe ich selten gelernt. Leute, redet mit euren Reiseleitern!

Um 15 Uhr gab es dann schon den nächsten Programmpunkt: Moltebeeren-Verköstigung im Panoramasalon. Die kleinen gelben Beeren sind okay, und man kann jede Menge Produkte draus machen, die es alle im Shop zu kaufen gibt.

Erster Blick auf Øksfjord

Erster Blick auf Øksfjord

Øksfjord erreichen wir gegen 16 Uhr und verlassen es 20 Minuten später, mittlerweile sind wir also wieder bei einer halben Stunde Verspätung. Immer wieder gibt es aber die beruhigenden Mitteilungen, dass das Mitternachtskonzert in Tromsø eine Exklusiv-Veranstaltung für Hurtigruten ist und auf jeden Fall stattfindet. Es gibt noch Plätze, und das Konzert lohnt sich wirklich.

Nach Øksfjord geht es auf die offene Seestrecke der Loppa, die recht ruhig ist – zum Glück, denn der Himmel ist klar genug, und schon in der Abenddämmerung um 17 Uhr gibt es das erste Polarlicht am Horizont. Das gibt eine lange Nacht…

Zu Beginn ist es ein ruhiger Bogen, der über dem Horizont schimmert und sich während der Überfahrt in mehrere Bänder auflöst. Damit ist das Abendessen gestorben, wir beobachten das Schauspiel teils vom Bug und teils vom Heck bis Skjervøy. Als wir den Hafen fast pünktlich erreichen und die Lichter angehen, ziehen sich einige zurück und verpassen die ganz große Show: Ein riesiger Ausbruch tanzt kurz aber heftig am Himmel, genau als wir den Hafen erreichen. Selbst im Hafen ist es noch beeindruckend. Die Gegend geht eigentlich immer, sogar noch besser als Tromsø.

Über den Rest des Abends gibt es eigentlich nicht viel zu berichten außer: Polarlicht satt. Von Skjervøy bis zur Ankunft in Tromsø kurz vor 23:45 bleiben wir an Deck, und langsam geht mir der Speicherplatz aus. In Skjervøy habe ich schon angefangen, Platz auf den SD-Karten zu schaffen; 2×128 GB sind einfach zu wenig für stundenlange Zeitraffer im RAW-Format. Mit der Verarbeitung der Bilder ist mein Computer noch den ganzen nächsten Tag beschäftigt. Was für eine ausdauernde Show.

Auf der ruhigen See zwischen Skjervøy und Tromsø sind die Bedingungen für die Beobachtung eigentlich optimal, und es lohnt sich, die ganze Zeit über an Deck zu bleiben.

In Tromsø kann das Ereignis dann gefeiert werden – entweder mit einem Besuch des Mitternachtskonzerts oder mit einem Besuch in der Kneipe. Montagnachts ist recht wenig los in den Kneipen, aber für ein gemütliches Guiness langt es. Und ich muss zugeben: Wenn es im Lauf der Nacht noch weitres Polarlicht gab, war mir das dann erst einmal egal – pünktlich zur Abfahrt sind wir wieder an Bord, dann wird der Rechner für die Bildbearbeitung angeworfen und darf die Nacht über arbeiten, während ich Feierabend mache.

Tag 7: Von Kirkenes bis zum Abwinken

Vadsø

Vadsø

Es ist der letzte Sonntag im Oktober, und damit endet auch die Sommerzeit. So sind gleich zwei Wunder möglich: Wir erreichen Vadsø pünktlich, und ich bin um kurz vor sieben Uhr wach, während wir im Hafen liegen. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich Vadsø mal erlebe – jetzt fehlen mir eigentlich nur noch Florø und Maløy, beide kurz vor Bergen. Vadsø ist die Hauptstadt der Finnmark, aber ich kann nicht sagen, dass sich das Aufstehen gelohnt hat…

Andererseits hatte ich auch keine Chance zum Aussteigen, und den Ankermast von Roald Amundsens Luftschiffexpedition habe ich vom Schiff aus nicht erkannt. Jedenfalls verspüre ich erst einmal kein Verlangen, länger in Vadsø zu bleiben, und sichte noch ein paar Fotos, bevor es zum Frühstück geht. Mittlerweile sind meine erste Speicherkarte und das Handy voll…

Blick auf Vadsø

Blick auf Vadsø

Die Ankunft in Kirkenes ist auf 9 Uhr angesetzt, was auch etwa passt. Kirkenes ist der Wendepunkt der Reise – etwa auf der selben Höhe wie Tromsø, aber deutlich trostloser. Den Kirkenes-Tag nutze ich immer gerne, um das Schiff zu fotografieren (aber die Finnmarken habe ich ja schon durch) oder mein Blog zu pflegen, aber diesmal ist Ekkehard an Bord und plant einen Rundgang durch die Stadt – das verspricht, interessant zu werden. Den Russenmarkt haben wir leider verpasst, der ist in der Regel am letzten Donnerstag im Monat.

Busse und Bagger

Busse und Bagger

Kirkenes präsentiert sich trübe wie immer. Noch gibt es keinen Schnee, nur etwas Glatteis. Bevor wir das Schiff verlassen dürfen, wird erst einmal Splitt gestreut. Am Hafen warten Busse für die Ausflügler und im Hintergrund eine ganze Armada von Baggern – die Eisenerzmine ist wieder einmal still gelegt.

Unser kleiner Rundgang geht am Feuerwehrhaus mit dem alten Dodge vorbei an einigen alten Bunkern, die zum Teil als solides Fundament für moderne Häuser dienen, und führt uns zur alten Eisenerzfabrik, die nun auch schon rund 20 Jahre still steht. Dahinter ist eine Werft, die nur zur Reparaturzwecken errichtet wurde. Mit den russischen Fischtrawlern gibt es dafür genug Kundschaft, wenn auch nicht unbedingt zahlungskräftige. Wobei im Augenblick kaum ein rostiger Kahn im Hafen liegt, normalerweise ist da mehr los.

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Die Finnmarken in Kirkenes

Dafür sehen wir im Hafen zwei Schlauchboote, die zur Krabbensafari gehören – einem der Ausflüge, die im schneefreien Kirkenes angeboten werden. Die Teilnehmer können Krabben zerlegen und essen.

Vom Eisenwerk sind es nur ein paar Schritte bis zur menschenleeren Fußgängerzone – am Sonntag ist Kirkenes wirklich tot. Mittlerweile fängt es auch an zu schneien, sodass wir uns auftrennen: Während Eckehard noch einen Aussichtspunkt ansteuert, gehen wir über Andersgrotte und Russendenkmal zurück zum Schiff.

Hier gibt es mittlerweile Änderungen bei den Passagieren: Einige verlassen das Schiff und fliegen heim, während neue Gäste für die südgehende Tour an Bord kommen. Bevor die Ausflugsbusse zurück kommen, kümmern wir uns um das Mittagessen, und um 12:30 geht es planmäßig Richtung Vardø. Die Überfahrt ist nicht so ruhig, wie sie sein könnte, sodass diverse Mittelchen gegen Seekrankheit ausprobiert werden, wenn auch mit mäßigem Erfolg.

Die Seestrecke nach Vardø lässt sich immerhin zum Arbeiten nutzen, und auf dieser Tour funktioniert das Schiffs-WLAN auch einwandfrei. Bislang hatte ich noch keine Probleme, auch wenn mein Laptop sich immer im WLAN der Crew anmelden will.

Vardøhus

Vardøhus

Vardø steht bei Hurtigruten immer noch mit 15:45 auf dem Fahrplan; der Tagesfahrplan der Finnmarken geht gleich mal von 16:00 aus. Um 16:30 erreichen wir den Hafen dann endlich und bekommen sogar die Gangway auf – immerhin Ekkehard und Sabine trauen sich, in 45 Minuten zum Hexendenkmal zu sprinten. Wir sollen ja weiterhin zehn Minuten vor Abfahrt an Bord sein. Ich gehe stattdessen nur zur Festung, das ist entspannter machbar. Wenn man weiß, wo es steht, kann man das Steilneset Hexendenkmal sogar am Horizont erahnen – und die Taschenlampe unserer beiden mutigen Hexendenkmal-Jogger.

Um 17:15 verlassen wir Vardø, die halbe Stunde Verspätung behalten wir bei. Die Barentssee ist etwas unruhig, aber für diese Gewässer noch ganz angenehm. Im Lauf des Abends nimmt das Geschaukel zu, und beim Abendessen sind ein paar Plätze mehr frei als normal. Pünktlich zum Hauptgang gegen 19:15 kommt dann die Durchsage “Polarlicht”, was aber keinen von unser Gruppe vom Hocker reißt – und ein Probebild vom Kollege an Deck zeigt auch, dass es wieder nur Grün hinter Wolken ist.

Am Abend gibt es immer wieder Durchsagen wegen Wolkenlücken und Polarlicht, aber bis man draußen ist, hat es schon wieder zugezogen oder regnet. Irgendwann kommt die Durchsage, dass man sich bitte nicht am Bug aufhalten sollte, damit keiner weggeweht wird. Wenig später folgt der Hinweis, dass ein Stativ bei dem Wellengang keine besseren Bilder liefert, sondern nur Stolperfalle für die Passagiere ist. Soviel zur Polarbelichtbeobachtung in dieser Nacht.

Vinkekonkurranse

Vinkekonkurranse

In Berlevåg ist die Polarlys erwartungsgemäß vor uns im Hafen, und unsere Vorbereitungen für die Vinkekonkurranse laufen auch Hochtouren. Wir warten wieder mit Partymusik und Luftballons an Deck, bis die südgehende Hurtigrute MS Polarlys endlich Berlevåg verlässt und von uns mit Scheinwerfern, Hupe und Geschrei begrüßt wird. Um es kurz zu machen: Meine Kamera hat versagt und das Ereignis nicht gefilmt (verdammt), aber wir haben wohl eindeutig gewonnen. Zur Feier gibt es noch eine Polonaise über Deck 5.

We are the champions läuft eindeutig zu Recht, als wir nach Berlevåg einlaufen und einen Passagier absetzen – nachdem wieder einige Zeit mit der Gangway gekämpft wurde. Auf der Lofoten wäre der Reiz einer Postschiffreise (an jedem noch so kleinen Hafen von Bord gehen und die Reste der Party von außen fotografieren zu können) kein Problem gewesen, hier durfte keiner von uns für ein kurzes Foto von Bord. Schade eigentlich.

Kurz nach elf endet die Party dann, und die Wolkendecke macht Hoffnung auf eine erholsame Nacht. Schließlich ist zumindest die Wolkenprognose für das Stück vor Tromsø morgen vielversprechend.

Tag 6: Nordkap, Nordkapp und wieder im Fahrplan

Vielversprechendes Wetter bei Magerøya

Vielversprechendes Wetter bei Magerøya

Die Nacht war kurz: Erst wurde bis zwei Uhr Polarlicht geguckt, dann trötet uns die Nordlys irgendwann gegen neun Uhr an, und schließlich klopft die Putzfrau zweimal an, bis ich endlich die Kabine räume. Mittlerweile ist der 29. Oktober und der sechste Reisetag – weiter in den Norden als heute kommen wir auf dieser Fahrt nicht.

Kurz nach halb zehn bin ich dann am Restaurant, genau rechtzeitig, um kein Frühstück mehr zu kriegen. Macht aber nichts, ab 10:15 gibt es ja schon Mittagessen. Schließlich wollen wir um 11:15 in Honningsvåg auf der Insel Magerøya sein, damit insgesamt sechs Busse die Passagiere zum Nordkapp starten können. Aber ehrlich gesagt: Wer braucht schon Frühstück. Stattdessen schaue ich mir lieber an, wie wir in Honningsvåg einlaufen – mit ein paar Minuten Verspätung erreichen wir den Ort, der noch nicht so trostlos wirkt wie im November, wenn das letzte Gelb und Grün verschwunden ist, jedoch noch kein Schnee liegt.

Alle Mann von Bord

Alle Mann von Bord

Wir schauen noch zu, wie alle Mann von Bord gehen, und kümmern uns dann in aller Ruhe um das Essen. Honningsvåg wird ja gerne auch für Sicherheitsübungen auf dem Schiff genutzt, aber diesmal wohl nicht: Ein Großteil der Crew ist ebenfalls ans Nordkap gefahren, mit einem weiteren Bus. Vielleicht wird ja auch “Abandon Ship!” geübt… Möglichkeiten zum Umgang mit unvorhergesehen Ereignissen gab es auf der Fahrt ja genug.

Volker und ich steuern dann erst einmal das Denkmal am Aussichtspunkt über dem Ort an, um es links liegen zu lassen und weiter den Berg hinauf zu gehen: Auf der anderen Seite soll es einen schönen Ausblick auf den Nachbarort geben. Der Aufstieg ist allerdings etwas weiter als geplant, aber letztlich schaffen wir es und haben einen hübschen Ausblick auf Nordvågen. Hübsch, und wir sind ganz schön hoch gekommen.

Viele, viele kleine Boote

Viele, viele kleine Boote

Auf dem Rückweg bleibt noch genug Zeit für einen Besuch bei der Büste für den Regisseur am Friedhof hoch über der Stadt, bevor es zurück in den Ort geht. Allmählich fängt es zu regnen an, und wir machen noch ein paar Fotos der Kirche, vom Schiff und dem Weg entlang des Hafens.

Dabei kommen wir auch wieder an Trash Art vorbei – dem Gebäude mit den Kunstwerken aus angeschwemmten Gummistiefeln –, ebenso wie an einigem Müll im Meer. Das landet wohl alles hier.

Das Schiff erreichen wir gleichzeitig mit dem Crew-Bus, vom Schiff aus erwarten wir dann die anderen Exkursionsteilnehmer. Ein schönes Schauspiel: Zehn Minuten vor der geplanten Abfahrt wird noch einmal die Gangway neu eingestellt, um den Gezeitenhub auszugleichen, und bis wer auch immer die Gangway einstellt endlich mit dem Ergebnis zufrieden ist, vergeht einige Zeit. Die ersten Gäste an Land hatten verständlicherweise schon die Panik gekriegt, als die Gangway zu früh hoch ging; als sie wieder unten ist, steht der Kai voll mit unseren Leuten. Zum Trost kann man dann an Bord Apfelkuchen mit heißer Schokolade kaufen.

Die Finnkirche

Die Finnkirche

Von Honningsvåg aus geht es über die Barentssee – etwas schaukelig, aber für diese Region harmlos. Eine gute Möglichkeit, ein paar Dinge aufzuarbeiten. Kurz nach halb sieben erreichen wir am Nachmittag die Finnkirche. Die alte samische Opferstätte ist wieder ein Programmpunkt. Alle werden zur Beobachtung auf Deck 8 gebeten, wo Anita etwas darüber erzählt und Musik abspielt, während die Finnmarken vor der unbeleuchteten Felsformation anhält. Ich bin gewohnheitsmäßig auf Deck 5, wo mehr Platz ist, und bekomme von der Geschichte daher nichts mit. Irgendwann geht dann das Licht an, und die Fotografen können sich an der Finnkirche die Zähne ausbeißen. Mit Blende 1,4 hat man Chancen…

Da der Himmel bedeckt ist, sehen wir diesmal kein Nordlicht, während wir langsam weiter nach Kjøllefjord fahren, und der Krabbenfischer kommt ebenfalls nicht an Bord. So setzen wir die Teilnehmer der Exkursion “Samischer Herbst” im Hafen ab, bevor wir nach Mehamn weiterfahren. Irgendwo auf dieser Strecke passieren wir auch Nordkyn, den nördlichsten Punkt des europäischen Festlands. Mangels Durchsage bekomme ich davon aber nichts mit.

Pünktlich zum Abendessen gibt es dann die Durchsage, dass Polarlicht zu sehen ist. Der Blick vom Bug aus ist aber enttäuschend: Es gibt zwar verschwommene Bänder aus Polarlicht, aber sie sind hinter Wolken verborgen. Kein einziger Stern ist zu sehen, und leicht regnen tut es auch noch. Da kann man guten Gewissens ins Restaurant gehen. Mehamn, den nördlichsten Hafen auf der Route, erreichen wir dann mit etwas Verspätung und leichtem Niederschlag.

Ein Programmpunkt fehlt noch: Das Treffen mit der Nordkapp. Ich will ja eh winken, da eine andere Nordlicht-und-Sterne-Tour auf dem Schiff ist und mit Holger einer von einer früheren Tour (Hurtigrute hat Suchtpotential), und da eine Winkekonkurranse organisiert wird, verspricht das trotz Nieselregen Spaß zu machen.

Winkekonkuranse

Winkekonkuranse

Kurz nach zehn bin ich dann draußen an Deck, wo die Crew Vorbereitungen trifft, und sehe die Nordkapp an uns vorbeirauschen. Was zum Geier…?

Wie sich herausstellt, haben wir Passagiere für die Nordkapp an Bord, die zuerst in Berlevåg aussteigen müssen. Obwohl wir Verspätung hatten, muss die Nordkapp also draußen warten. Wir machen nur mit einem Tau am Kai fest, lassen die beiden Mädels aussteigen und legen schon wieder ab. Und während der ganzen Zeit ist Stimmung an Bord: Ein paar von der Crew tanzen auf Deck 5, die Musik ist laut aufgedreht und Luftballons stehen bereit. Wahnsinn. Wir waren mit voller Partybeschallung in den Hafen gefahren und nehmen nun Kurs auf die Nordkapp.

MS Nordkapp

MS Nordkapp

Auch wenn sie sich Mühe gibt: Es passt schon, dass kurz nach der Passage ein We are the Champions erschallt. Und es ist kein Wunder, dass die Finnmarken bei MarineTraffic nicht als RoRo-Ferry, sondern als Pleasure Craft erscheint… Spaß hat’s gemacht, und morgen ist dann die Polarlys dran:-)

Tag 5: Zwischenstopp in Tromsø

Morgenliche Lichtspiele

Morgenliche Lichtspiele

Genau um 1:33 Uhr haben wir den Polarkreis überquert – aber ich glaube nicht, dass da jemand an Deck war. Sektverkauf gab es jedenfalls keinen, und gehupt wurde auch nicht. Bei tiefster Nacht macht es auch keinen Spaß, die Kugel zu fotografieren, das hebe ich mir für den Rückweg auf.

Der Morgenhimmel mit einer Mischung aus Wolken, klarem Himmel und Regen am Horizont ist ohnehin viel eindrucksvoller. Der heutige Seetag führt uns entlang der Küste Richtung Tromsø, wobei wir den Raftsund nicht durchqueren. Stattdessen wird es an Ramstad, Fjelldal und Sandstrand vorbei gehen, und in einigem Abstand auch an Harstad vorbei. Der Tjeldsund ist das wohl.

Neptun bei der Arbeit

Neptun bei der Arbeit

Vorher steht natürlich noch das Ereignis des Tages an: Die Polarkreistaufe. Um 11 Uhr versammeln sich alle auf Deck 8, Neptun wird herbeigerufen, und Anita in ihrer Funktion als Tourguide des Schiffs liest seine Rede vor. Anschließend: Eis für alle!

Für die Erstüberquerer des Polarkreises ist es eine Riesen-Gaudi (nach der der warme Whirlpool richtig verlockend ist), die Vielfahrer fragen sich eher, ab der wievielten Polarkreisurkunde man die Ehrenbürgerschaft in Njörds Reich erhält. Und während Eis verteilt wird, hält sich an backbord wacker ein Teil eines Regenbogens.

Wer will, kann anschließend Briefmarken zur Polarkreisüberquerung kaufen und sich einen Film über Tromsø als Tor zur Arktis anschauen.

Regenbogen

Regenbogen

Davon abgesehen verläuft unser zweiter Seetag ruhig; wir haben genug Zeit für unseren vierten Vortrag um 14 Uhr. Während wir uns Tromsø nähern, geht es im Tiefflug zu den Planeten des Sonnensystems. Acht Planeten plus jede Menge Kleinkörper sind einfach zu viel, um sich eingehender mit ihnen zu beschäftigen.

Mittlerweile gibt es auch Neuigkeiten zu unserem kurzen Aufenthalt in Tromsø: Wir werden gegen 18 Uhr ankommen und bis etwa 23:30 bleiben, also sogar noch länger als üblich. Außerdem gibt es für uns einen kostenlosen Shuttlebus zur Seilbahn hoch auf den Hausberg Storsteinen. Polaria oder Mack Brauerei konnten sich leider nicht zu verlängerten Öffnungszeiten überreden lassen, und die meisten Läden machen um 18 zu. Auch Tromsøs Greatest Souvenir Shop hat reguläre Öffnungszeiten bis 18 Uhr angekündigt, auch wenn er angeblich länger offen hatte. Der älteste Souvenirshop in Tromsø wurde übrigens 1999 gegründet, nachdem der Eigentümer im Lotto gewonnen hatte… Da wir den ersten Bus auf den Storsteinen nehmen, fällt diesmal ein Besuch aber ohnehin flach.

Tromsø von oben

Tromsø von oben

Polarlicht vom Storsteinen

Polarlicht vom Storsteinen

Die neue Seilbahn auf den Berg läuft butterweich und geisterhaft leise; es ist fast unheimlich, wie wir durch die Nacht gleiten. Oben hat sich bis auf die vergrößerte Besucherplattform nicht allzu viel geändert, und wir haben einen grandiosen Ausblick auf die Lichter der Stadt. Während der üblichen Liegezeiten gibt es diese Chance nicht.

Ein paar Minuten später bewahrheitet sich wieder einmal: Tromsø geht immer. Durch ein paar Wolkenlücken sehen wir eine schöne, helle Aurora tanzen. Letztlich sind die Wolken aber stärker, und wir nehmen die Gondel nach unten in die Stadt. Der Shuttlebus fährt fast bis auf das Autodeck der Finnmarken, und wir gehen zum Abendessen in die Stadt. Das arktische Buffet muss ohne uns auskommen, und bei Bewölkung haben wir ohnehin frei.

Polarlicht im Hafen

Polarlicht im Hafen

Gegen 22 Uhr – normalerweise wären wir jetzt kurz vor Skjervøy – geht es noch einmal durch die Stadt zum Hafen, die Speicherhäuser fotografieren. Dabei ein Blick nach oben: Graugrünliche Bänder, die sich auch noch bewegen – Polarlicht! Also nichts wie zurück zum Schiff, vorbei an den ganzen Fotografen, die ihre Kameras am Kai aufgebaut haben. Noch bevor wir die Finnmarken erreichen, hören wir schon die Durchsage, dass von Deck 8 Polarlicht zu sehen ist.

Oben erwarten uns schon begeisterte Gäste und die Frage, ob wir das auch gesehen haben. Nun, immerhin die anderen haben eine schöne Show gesehen; als wir oben sind, lässt es schon wieder deutlich nach. Hauptsache, die Gäste sind zufrieden und glauben uns, dass Polarlicht nicht nur ein Grünschimmer ohne nennenswerte Strukturen ist. Wenn wir planmäßig abgefahren wären, dürfte es außerhalb von Tromsø noch beeindruckender gewesen sein…

Die MS Spitsbergen

Die MS Spitsbergen

So treffen wir immerhin noch auf die Spitsbergen, das neueste Schiff der Hurtigrute. Es fährt im Winter anstelle der Midnatsol, die gerade in der Antarktis unterwegs ist. Viel los ist auf ihr jedoch nicht.

Die Route nach Skjervøy lohnt sich wieder: Zwar ziehen wieder einige Wolken auf, aber zwischen ihnen tanzt das Polarlicht immer wieder schön hervor. Bis kurz vor zwei Uhr können wir es vom Bug aus beobachten. Noch stehen die Liegestühle an Deck, sodass es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eine angenehme Nacht wird. Immer wieder blitzt sie hell auf, aber nie lange – für eine Durchsage lohnt sich das nicht, und nach der Show im Hafen dürften alle erst einmal gesättigt sein. Immerhin: Das Polarlicht ist hell genug, dass ich Belichtungszeiten von 1,5 Sekunden ausprobiere und erfolgreich Bilder mache, wenn auch recht verrauscht. Aber der Zeitraffer sieht schon mal vielversprechend aus, und ich muss meine zweite Speicherkarte anbrechen – die ersten 128 Gig sind voll…