Hurtigruten Tag 4 – Nidaros-Dom und Wolkenlücken

En richtge gudn Morn – so oder so ähnlich wurden wir heute über die Bordsprechanlage auf Norwegisch begrüßt, gefolgt von Englisch und Deutsch. Wir haben mittlerweile Montag, den 24. Februar, und Trondheim erreicht. Der morgendliche Gang auf Deck 5 (hier ist der Umlauf um das Schiff und die Strecke, die jeder vor dem Frühstück viermal zurücklegen sollte, um sich die Kalorien zu verdienen) war vielversprechend: Das Wetter ist heiter bis wolkig, und vor uns liegt das Hurtigrutenschiff Vesterålen. Innen soll sie sehr schön sein, aber von außen springt bei mir kein Funke über. Da macht die Nordkapp doch mehr her.

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen, direkt vor der Nordkapp.

Wir entscheiden uns wieder gegen die Stadtrundfahrt und wollen auch Trondheim zu Fuß erkunden. Vorher gibt’s noch die Warnung von Tour Guide Marko, pünktlich zu sein: Es ist zwar kein Problem, das Schiff auf seiner Fahrt einzuholen, aber auch kein ganz billiger Spaß: Entweder nimmt man das Taxi für 1100 Euro, oder den Bus, der 10 Minuten zu spät ankommt, oder für 150 Euro das Flugzeug als billigste Möglichkeit. Also nochmal Uhrenvergleich, und los gehts. Einen Stadtplan zum mitnehmen gibt’s übrigens wie bei allen größeren Stationen beim Büro vom Tour Guide, ebenso wie einen Tagesplan mit Infos dazu, wann welcher Hafen angesteuert wird, welche Tageshighlights an Bord geplant sind, welchem Hurtigrutenschiff wir auf offener See begegnen, wann es Fotogelegenheiten gibt und wann Anmeldefrist für die Ausflüge ist. Alles perfekt organisiert.

Die Innenstadt von Trondheim ist nicht nur sehenswert, sondern auch gut zu Fuß erreichbar. Der Weg führt durch den Industriehafen und den Yachthafen mit hübschen alten Wirtschaftsgebäuden bis zum Zentrum.

Blick auf alte Speicherhäuser ind Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Blick auf alte Speicherhäuser in Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Wer die Stadtrundfahrt gebucht hatte, wurde bequem mit dem Bus zum berühmten Nidaros-Dom gefahren; zu Fuß waren wir ein paar Minuten vor der geführten Gruppe da. Der Grund für die Eile: Die Orgel wird gerade neu gestimmt, daher ist der Dom nicht frei zugänglich. Mit der Gruppe konnten wir einen Blick in das eindrucksvolle Gebäude werfen, bevor wir Trondheim weiter erkundeten.

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen.

Trondheim selbst hat einiges zu bieten. Da wäre die malerische Altstadt mit ihren kleinen Gassen und bunten Holzhäusern, die gammlige Brücke (okay: Gamle Bybroen, die alte Stadtbrücke) und rund um den Marktplatz die sehenswerte Innenstadt. Bei Temperaturen im Plusbereich kam auch kein Winterfeeling auf. Da Montag war, konnten wir auch einkaufen gehen: Klamotten (da immer noch einige Koffer vermisst wurden), eine Schützhülle für das iPad im Apple Store (damit später mit dem iPad der Sternenhimmel erklärt werden konnte, ohne das es zu kalt würde) und Reinigungsmittel für die Kamera (gegen das ganze Salz- und Regenwasser, das sich in den letzten Tagen auf der Kamera angesammelt hatte).

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Entgegen aller Internetseiten gibt es in Trongheim sogar ein Starbucks; der Tag war gerettet. Dafür hat die Tourist-Information nicht diese berühmten Norweger-Elche, die auf der Einkaufsliste standen. Was typische Souvenirs angeht, war die Reise bislang eh ein Flop – aber immerhin wurde das Wetter immer freundlicher, und wir waren ja nicht zum Einkaufen hier. Bei dem Preisniveau macht das eh keinen großen Spaß, da lieber in ein billiges Land wie Ägypten oder die USA…

Der Vormittag war somit gut ausgefüllt, und wir konnten uns auf den Rückweg zum Schiff machen, das wir auch pünktlich zum Mittagsbuffet erreichten. Mit entspannen war aber nichts, schließlich mache ich die Reise nicht zum Spaß: Jetzt hieß es erst einmal, den Wetterbericht und die Polarlichtprognosen noch in meinen Vortrag einbauen, und am frühen Nachmittag stand dann der erste Vortrag exclusiv für die Teilnehmer der Nordlicht und Sterne Tour an: Atmosphärische Phänomene. Von der blauen Himmelsfarbe über Nebensonnen und Erdschatten bis zum Regenbogen gab es einen Überblick über die Phänomene des Nachthimmels. Und anschließend: Polarlichter, Sagen und Entstehung. Natürlich war das eine Wiederholung des Hurtigrutenfilms, aber wenn man es zweimal hört, bleibt es besser im Gedächtnis.

Leider war das Wetter noch nicht polarlichtfreundlich, und die Sonne recht inaktiv – bis auf die Breaking News, dass gerade ein Fleckengebiet um den Sonnenrand rotiert und seine Strahlung die Erde knapp verfehlen würde.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Mit dem Vortrag und der Vorschau sowie dem Aufräumen des Konferenzraums (er ist für rund 120 Personen ausgelegt und war mit unseren über 70 Teilnehmern gut besucht) war ich rechtzeitig fertig, um das nächste Tagesereignis mitzukriegen: Die Passage einer Brücke bei Sør-Trøndelag. Viel Platz war nicht mehr zwischen Brücke und Schiff. Marko moderierte das Ereignis wieder sehr schön und machte den Countdown, wann wir fotografieren (oder in Deckung gehen) sollten.

Der Himmel wurde zwar besser und zeigte Strukturen sowie Spuren von Himmelsblau, aber noch keine Chance für sternklaren Himmel. Langsam wurden nicht nur unsere Gäste, sondern auch wir unruhig… Daher war das Hauptereignis des Abends noch die Begegnung mit der südgehenden Richard With im Hafen von Rørvik. Und wieder einmal die Erkenntnis, dass die Nordkapp hübscher war.

Übrigens hatte ich spätestens jetzt den Überblick verloren, wo wir eigentlich waren und welcher Tag war – spätestens jetzt war ich heilfroh, mir den GPS-Empfänger für meine Kamera gegönnt zu haben. Für alle die es interessiert: Der Solmeta GPS Geotagger N3 war ständig auf meiner Nikon. Mit dem Händler habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, ich kann beides empfehlen.

Übrigens auch das Guiness im Bordcafe: Es kommt aus der Dose, was schon einmal deutlich besser ist als das aus der Flasche (es hat den richtigen Schaum). 82 Kronen sind natürlich kein Schnäppchen.

Hurtigruten Tag 3 – Westkapp und Ålesund

Die erste Nacht an Bord verging für mich ganz angenehm, andere hatten leichte Probleme: War man Abend noch sanft in den Schlaf gewiegt worden, ging es über Nacht auf offene See, und am Morgen passierten das Westkapp bei Windstärke acht bis neun. An Deck war es ein klasse Gefühl, während die morgendliche Dusche schon etwas anspruchsvoller war.

Bewegte See am Westkapp – ideale Voraussetzungen für das Frühstück.

Bewegte See am Westkapp – ideale Voraussetzungen für das Frühstück.

Zum Frühstück gibt’s wie in den nächsten Tagen üblich ein reichliches, fischlastiges Buffet, bei dem meine Versuche, das dänische Smørebrøt nachzubauen, mir einige seltsame Blicke bescheren. Immerhin weiß ich jetzt, dass Smørebrøt eigentlich nur belegtes Brot bedeutet. Und Norwegisch ist eine nette Sprache: Die Butter heißt Smør, was ich mal frei als Schmiere übersetze. Passend für etwas, das auf’s Brot geschmiert wird.

Kurz nach 10 (Frühstück gibt’s von 7-10 Uhr) machen wir den ersten Halt, von dem ich etwas mitkriege: Ein kurzer Stop in Møre, den man nutzen kann, um kurz das Schiff zu verlassen und ein paar Fotos zu machen, bis das Schiffshorn die Abfahrt ankündigt. Dann bleiben noch ein paar Minuten, um wieder an Bord zu gehen. Mit der Cruise Card meldet man sich immer an und ab – damit klar ist, wer an Bord ist. Gewartet wird aber auf niemanden, wer zu spät kommt, darf sehen, wie er wieder an Bord kommt. Den ersten Landgang spare ich mir aber, den hebe ich mir für Ålesund nach dem Mittagessen auf.

Unverzichtbar: Die Cruise Card, der Becher für den Coffee Deal und das Info-Buch.

Unverzichtbar: Die Cruise Card, der Becher für den Coffee Deal und das Info-Buch.

Die Zeit bis Ålesund wird auch genutzt, um sich an Bord mit dem Wichtigsten einzudecken. In Norwegen gibt es nichts umsonst, aber immerhin ist im Reisepreis ein sehr schönes Buch inbegriffen, dass man sich beim Tour Guide abholen kann. Es stellt alle Etappen der Reise vor – zumindest an zwei oder drei Tagen schaffe ich es sogar, die Kapitel zu lesen, bevor wir die Orte passieren.

Die Cruise Card ist ohnehin im Reisepreis inbegriffen. Sie dient als Zimmerschlüssel, zum An- und Abmelden auf dem Schiff und zusammen mit den hinterlegten Kreditkartendaten zum Bezahlen. Und das macht man oft genug, denn der Coffee-Deal, bei dem man einmal den Becher kauft und sich dann das ganze Jahr auf der Nordkapp am Kaffee- und Tee-Automat bedienen kann, gilt nicht während der Essenszeiten im Speisesaal. Ab 12 Tassen Kaffee/Tee hat man den Preis wieder drin – aber das Teewasser ist dermaßen kochend heiß, dass es in dem Isolierbecher ewig braucht, bis es auf Trinktemperatur kommt.

Ebenfalls an diesem Tag gab es eine kleine Infoveranstaltung zum Schiff und einen Film über Polarlichter. Toll. Der Film ist neu, bislang wurden nur schöne Bilder gezeigt (die DVD gibt’s im Schiffsshop) und der neue Film nimmt gleich mal meinen halben Vortrag vorweg. Also immer schön zuhören, damit ich im Vortrag nichts gegenteiliges behaupten werde:-)

Jugendstilstadt Ålesund

Jugendstilstadt Ålesund

Ålesund erreichen wir kurz nach Mittag. Die Stadt wurde nach einem Großbrand Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugendstil neu aufgebaut und ist sehenswert – das regnerische Wetter bietet aber keine besonders gute Kulisse. Anstelle der Stadtführung entscheiden wir uns, Ålesund auf eigene Faust zu erkunden, und den Hausberg Aksla zu erklimmen. Anders als beim Fløyen in Bergen gibt es hier keine Bergbahn, sondern eine ganze Reihe von Stufen.

Der Aufstieg zum Akslaerfolgt über Treppen, die in den Felsvorsprung gehauen sind.

Der Aufstieg zum Aksla erfolgt über Treppen, die in den Felsvorsprung gehauen sind.

Die über 400 Stufen sind eigentlich kein Problem, aber der heftige Wind machte den Aufstieg zu einem Erlebnis – ich hatte ein paar Mal das Gefühl, gleich weggeblasen zu werden. Immerhin gibt’s meistens ein Geländer…

Oben angekommen bietet sich nicht nur etwas Windschutz, auch von Regenschauern bleiben wir verschont und können den Blick über Ålesund schweifen lassen. Im Hafen versteckt sich auch die Nordkapp: Im Vergleich zu den Häusern schon ganz groß. Zum Glück sind wir nicht während der Kreuzfahrtsaison hier, wenn Riesen-Schiffe wie Aida und Co den Hafen voll machen. So sind wir weitestgehend unter uns und können die Ruhe genießen, bevor der Abstieg beginnt. Dabei kann ich langsam die Albatrosse verstehen, die erst ab Windstärke 8 fliegen können. Ein Mantel bietet zwar guten Schutz gegen Regen, aber auch genug Windangriffsfläche.

Unten angekommen schlendern wir noch ein wenig durch das Städtchen, das am Sonntag nicht viel zu bieten hat – bis wir auf einen Souvenirshop stoßen, der überraschenderweise geöffnet hat. Neben viel Kitsch mit Wikingern und Elchen (bei dem kleinen Bleistiftspitzer in Elchform konnte ich nicht wiederstehen) gab es im Obergeschoss auch Kleidung, teils sogar zu akzeptablen Preisen – die Gelegenheit, um verlorenes Gepäck zu ergänzen oder neue, warme Kleidung anzuschaffen.

Ålesund vom Aksla aus.

Ålesund vom Aksla aus.

Auf dem Rückweg begegnen wir dann noch der Gruppe, die die Stadtführung mitmacht, und da das Wetter weiterhin bedeckt bis regnerisch ist, können wir den Abend leider ruhig ausklingen lassen. Nach Polarlichtern sieht es nicht aus, und wenn, hätten sie keine Chance. Also verbringen wir den Abend in der Bar und dem Panoramasalon auf Deck 7 und holen die Kamera nur raus, um Abends noch ein paar Fotos von Kristiansund und dem Schiff zu machen. Außerdem konnte die Ausbeute des Tages noch einmal verglichen werden – dieser Elch mit Bleistiftspitzer im Popo (Bild bei Twitter) ist wirklich zu bescheuert, der musste einfach sein. Das kleine Hand-Spektroskop hatte ich schon mal als Vorbereitung für meinen Vortrag am nächsten Tag dabei, das war kein Souvenir.

Kristiansund bei Nacht und (Hoch)Nebel.

Kristiansund bei Nacht und (Hoch)Nebel.

Hurtigruten Tag 2 – Bergen und Check-In

Mit leichter Verspätung komme ich nun endlich dazu, weiter über die Reise zu berichten. Mit dem Beitrag hab ich am 1. März angefangen, danach war die Internetverbindung abgebrochen, dann mein Roaming-Volumen aufgebraucht und ohnehin keine Zeit mehr… Also zurück in die Vergangenheit: Samstag, 22. Februar.

Noch immer fehlen drei Teilnehmern unserer Gruppe (natürlich auch Sandra) Gepäckstücke, und der Frankfurter Flughafen weiß von nichts – rund 20.000 Gepäckstücke sind dem Verdi-Streik zum Opfer gefallen. Das hindert uns aber nicht daran, das reichhaltige Buffet im Hotel zu genießen (es stellt sich die Frage, welche Themenreise wir begleiten: “Nordlicht und Sterne”, “11 Tage, 11 Kilo” oder doch “11 Tage über der Reling”?), die beiden Reiseleiterinnen näher kennen zu lernen und schließlich Bergen bei Tag zu erkunden, bevor die Stadtrundfahrt ansteht.

Buffet-Clarion-Admiral-Bergen

Das Buffet gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

Bergen selbst ist ein hübsches Städtchen, wenn es mal trocken ist – unsere Tour führt uns über den Markt auf den Hausberg, wobei wir uns für die Fahrt mit der Seilbahn nach oben entscheiden und zu Fuß absteigen wollen. Oben angekommen, ist das Wetter brauchbar: Kein Regen (dafür mal kurz etwas Schneefall und recht viel Wind), und Bergen ist zu sehen. Ebenfalls erstmals zu sehen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen (links, gegenüber den beiden gelben Arbeitsschiffen): Die MS Nordkapp.

Auf dem Rückweg in die Stadt (der erst einmal den Berg hinauf führt) sehen wir nicht nur die ersten Trolle, sondern auch zahlreiche Jogger – es ist wohl am Wochenende üblich, den Berg hinaufzulaufen. Wer’s mag… Unser Rückweg bot eine schöne Aussicht und war auch eindrucksvoll: Immer wieder ein schöner Blick auf die Stadt, im Wald verborgene Trolle und und das Hinweisschild, dass man die Hexe nicht fotografieren soll.

No Photos of the Witch.  Aber Solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

No Photos of the Witch.
Aber solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

Bergen hat eine schöne Altstadt und mach den Eindruck eines lebenswerten, netten kleinen Städtchens. Viele kleine Gässchen, Einzelhandel gibt es auch noch, und ganz wichtig: Gegenüber vom McDonalds liegt immer noch das Starbucks, in dem wir uns aufwärmen und das Free WiFi ausnutzen. Noch ist die Motivation gering, einen Daypass zu buchen, um ins Internet zu kommen. Den Zeitraum zwischen Hotel und Schiff, die beide WLAN bereit stellen, wird man wohl auch im 21. Jahrhundert überleben…

Gegen 13:30 beginnt dann die Stadtrundfahrt zum Schiff, bei der wir einiges über die Stadt erfahren – und mehr sehen, als wir gedacht hatten: Mit fast 270.000 Einwohnern ist Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens und bei weitem nicht so klein wie gedacht. You ain’t see nothing yet. Wichtigstes modisches Accessoire ist aber wohl das Paar Gummistiefel, immerhin ist Bergen die regenreichste Stadt Europas. Auch die Neubauten sind zumindest teilweise im traditionellen Holz-Stil gehalten, und auch bei den anderen muss ich sagen: Ich würde gerne einige unserer Architekten zum Nachsitzen nach Norwegen schicken. Hübsch. Beim ersten Stopp im Hafen sorgt dann auch ein plötzlicher Regenschauer dafür, dass alle rasch wieder im Bus sitzen und die Fahrt in die höhergelegenen Regionen der Stadt beginnt, mit gemütlich wirkenden Neubauten.

Auch die traditionelle Bryggen-Häuserzeile am Hafen darf natürlich nicht fehlen: Früher ein reines Männer-Viertel, in dem wegen Feuergefahr auch auf Heizungen verzichtet wurde, ist es heute ein schöner Einblick in die ungemütliche Vergangenheit, der zum Glück den Modernisierungsplänen der 1970er getrotzt hat.

Im Bus stören die Regenschauer nicht...

Im Bus stören die Regenschauer nicht…

Und dann, endlich: Ankunft im Hurtigruten-Terminal, wo das Gepäck aus dem Bus auf das Schiff gebracht wird, während wir unsere Cruise-Cards erhalten (der Zimmerschlüssel, der über die Kreditkarte auch zum Bezahlen verwendet werden kann). Der badische Dialekt macht da gleich mal eine Grußkart’ draus und wirft die Frage auf, wofür man denn eine Grußkart’ braucht… Die Sicherheitsunterweisung in Filmform ist Pflicht, und danach können alle ihren Kabinen beziehen, die nicht noch einmal zurück auf’s Schiff müssen, weil sie etwas vergessen haben…

Der Gang im sechsten Stock und die KAbine mit Blick auf ein Rettungsboot

Der Gang im sechsten Stock und die Kabine mit Blick auf ein Rettungsboot

Meine Kabine im sechsten Stock ist nicht zu groß – für eine Person langt’s locker, für zwei Personen wird’s schon enger. Das Bett (rechts) lässt sich ausklappen, und das Sofa links kann ebenfalls zum Bett umgelegt werden. Ich habe freien Blick auf ein Rettungsboot, was aber mehr als okay ist: Es gibt Tageslicht, und wenn ich was von der Landschaft sehe, weiß ich, dass ich ein Problem habe. A propos: Der Generalalarm wird heute auch geübt, damit jeder weiß, wie ein Alarm klingt. Das Abendprogramm ist überschaubar: Ein reichliches Buffet für’s Abendessen, den Tourguide schnappen, um den Vortragsraum zu reservieren, und abends Meet&Greet auf dem Panoramadeck vorne im Schiff: Die Crew stellt sich vor, und Tour Guide Marco macht noch einmal klar, dass die Nordkapp eine Fähre ist: Anders als auf Kreuzfahrtschiffen wird nicht an jedem Hafen die Schiffsevakuierung geübt, und es kümmern sich auch nur 50 Leute (vom Kapitän bis zum Maschinist) um das Schiff und seine bis zu mehr als 600 Passagiere – zurzeit ist die Norkapp nur zur Hälfte ausgebucht. Ein Kreuzfahrtschiff wie die MS Europa hat dagegen pro Passagier ein Besatzungsmitglied. Gott sei Dank: Ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein muss, wenn ständig ein Animateur hinter einem her ist. Immerhin: Die Zimmer werden einmal am Tag gemacht, und es hat bislang noch jeder Passagier geschafft, das Bett selbständig herauszuklappen. Was will man mehr? Marcos Show zeigt schon, dass uns eine unterhaltsame und leicht makabre Zeit bevor steht.

Abends gegen halb elf verlassen wir dann auch Bergen: Die Fahrt beginnt.

Hurtigruten – Polarlichter gesehen!

Ja, ich bin ein schlechter Blogger – mittlerweile hat die MS Nordkapp Tromsö passiert, und ich habe den Überblick verloren, welchen Tag wir eigentlich haben. Morgen steht das Nordkapp auf dem Programm, es sind endlich alle Gepäckstücke auf dem Schiff angekommen, und nur mein Twitterfeed war in letzter Zeit ein Lebenszeichen. Die Tage sind gut ausgebucht.

Bevor ich mit Tag 2 (Stadtrundfahrt durch Bergen und die erste Nacht an Bord) weitermache, hier ein kurzer Zwischenstand: Zwei von fünf Vorträgen sind gehalten, den Regen haben wir hinter uns gelassen, einige Passagiere hat man näher kennen gelernt, und heute Abend gab es die erste Polarlichter. Relativ schwach, aber die grünliche Färbung war erahnbar, und das Schauspiel war fast zwei Stunden lang sichtbar. Die ersten Bilder:

Polarlicht mit 30mm f/1,4

Polarlicht mit 30mm f/1,4

Und dann mit mehr Bildfeld:

Polarlicht mit 11mm f/2,8; 20 Sek bei 800 ISO.

Polarlicht mit 11mm f/2,8; 20 Sek bei 800 ISO.

Damit ist der Erfolgsdruck auch von dieser Reise genommen, und alle können es genießen. (Bis auf meinen Ersatzakku der Nikon – der ist keine zwei Monate alt und schon tot, als ich ihn gerade aus dem Ladegerät in die Kamera verfrachten wollte.

 

Hurtigruten Tag 1 – Streiks, Regen und leichtes Gepäck

Endlich ist es soweit: Die Hurtigruten-Fahrt Nordlicht und Sterne 2014 beginnt. Nach ein paar Umverteilungen hat auch alles in Reisetasche und Handgepäck gepasst. 22,8kg (von 23kg erlaubt) für die Tasche und 7,7kg (von 8kg Limit) für den Rucksack, dazu die Kamera und der Mantel. Passt alles, perfekt um relaxt am Freitag in aller Frühe (5:30) zum Flughafen nach Frankfurt zu fahren. Und dann kam die Mail von Sandra an:

Panik! Morgen Streik am Flughafen Frankfurt!

Da konnte ich nur sagen: Keine Panik, dann fahren halt alle ein bischen früher los. Sandra und Nick waren eh im eigenen Auto unterwegs, und bei mir hieß es dann, allen anderen aus dem Auto hinterherzutelefonieren. Letztlich: Treffen bei mir um 5:00, Ankunft Flughafen Frankfurt 6:15. Ab zum Check-In bei der Lufthansa – alles ist ruhig, und das Gepäck aufgeben (das heißt aus gutem Grund so) geht mittlerweile automatisch. Früher gab’s da mal Personal, heute muss man sogar die Barcodes selber draufkleben. O tempora, o mores – deutsche Servicegesellschaft. Bis auf ein paar Fernsehteams ist am Flughafen alles ruhig. Dann ab zur Sicherheitskontrolle: geschlossen, nur für Piloten.

Mist.

Ab zum anderen Eingang: Gut, hier staut es sich. Und nicht zu wenig, da die geöffneten Eingänge von fünf auf vier auf drei reduziert werden.

Das Chaos beginnt: Menschenmengen vor der Security in Frankfurt/Main. Ich fühle mich da nicht besonders sicher...

Das Chaos beginnt: Menschenmengen vor der Security in Frankfurt/Main. Ich fühle mich da nicht besonders sicher…

Endlich den Eingang passiert (6:42 – ging ja noch), und dann die richtige Warterei: Schlange um Schlange zieht sich durch die Vorhalle des Security-Checks. Um 8:25 die Info von Sandra: Obwohl sie vielleicht 15 Minuten nach uns da war, hat sie jetzt erst die Passkontrolle passiert. Derweil wird die Luft immer schlechter, Wintersachen sind definitiv nichts für eine völlig überhitzte Wartehalle, in der angeblich die Klimaanlage auf Hochtouren läuft. Die ersten Leute kippen schon um, aber ist ja für die Sicherheit. 9:00: Endlich – der Scanner ist in Sicht. Nur darf keiner durch, weil ein männlicher Mitarbeiter fehlt, um jemanden zu überprüfen, und zwischendrin alles stillstehen muss. Ca. 9:15 haben wir endlich die Security hinter uns und rasen wie die Bekloppten zum Gate, stürmen die Treppe runter und sitzen um 9:25 im Transferbus. Drei Stunden vom Auto bis zum Flieger – nicht schlecht. Ach ja: Geplanter Abflug war 9:25. Immerhin haben wir Glück und erreichen den Airbus noch, Sandra und Nick bleiben zurück. Wir gedenken ihrer, während wir im Flieger freie Platzwahl haben: Der Großteil der Teilnehmer der Tour sollte von Frankfurt abfliegen, aber die Maschine ist sehr übersichtlich besetzt. Auf dem Rollfeld wird noch das Gepäck sortiert – damit nur das von den Passagieren mitkommt, die auch in der Maschine sind.

Die MAschine nach Kopenhagen startet mit leichter Verspätung - unser Glück. Passagiere hat sie jedoch kaum.

Die Maschine nach Kopenhagen startet mit leichter Verspätung – unser Glück. Passagiere hat sie jedoch kaum.

Gut eine Stunde später sind wir in Kopenhagen und steigen in den Flieger nach Bergen um, das wir dann pünktlich erreichen. Da treffen wir auch Sandra und Nick wieder, die in einen Direktflug umgebucht wurden. Alles ist gut.

Alles?

Naja, mal abgesehen davon, dass kein Mensch weiß, wo unser Gepäck ist. Mittlerweile nimmt Hurtigruten mit uns Kontakt auf: Wo wir wären, und dass zumindest eine der beiden Reiseleiterinnen mittlerweile leicht verzweifelt Passagiere sucht. Immerhin: Gut ein Dutzend steht jetzt mit uns an der Beschwerdestelle, um das Gepäck vermisst zu melden. Die meisten Passagiere haben’s geschafft, und so was schweißt zusammen – man lernt sich schon einmal kennen. Schließlich sind alle beisammen, und ab geht es in den Transferbus nach Bergen, ins Clarion Admiral. Kurz nach 15 Uhr sind wir da, checken ins Zimmer ein, lernen die andere Resieleiterin (Kirsten) kennen und können uns dann mal Bergen anschauen.

Bergen. Regen. Trotzdem schön.

Bergen. Regen. Trotzdem schön.

Mittlerweile hat es zu regnen angefangen (soll wohl typisch für Bergen sein), und wir kommen immerhin bis zum Starbucks. Beim Venti Caramel Hot Chocolate klingelt das Handy: Hurtigruten fragt nach, ob ich Kontakt zur Reiseleiterinh hätte und am Hotel für einen Aushang sorgen kann: 18 Uhr kleiner Sektempfang. Kein Problem, ich bin ja nicht zum Spaß hier.

Die Begrüßung von (fast) allen Teilnehmern

Die Begrüßung von (fast) allen Teilnehmern

Nach einer kleinen Vorstellung und ersten netten Gesprächen mit den Gästen haben wir dann den Abend für uns. Außerdem besteht Hoffnung: Der erste hat schon die SMS-Info erhalten, dass sein Gepäck gefunden wurde. Wir begeben uns auf die Suche nach Frühstück, Mittagessen und Abendessen – in Frankfurt war ja keine Zeit dafür gewesen. Mittlerweile ist der Regen auch weg, und wir können Bergen in aller Ruhe erkunden.

Bergen bei Nacht - Blick über den Hafen.

Bergen bei Nacht – Blick über den Hafen.

Hübsches Städtchen.

Historische Häuser am Hafen

Historische Häuser am Hafen

Aber letztlich zieht es uns doch in eine Pizzeria (Fisch gibt es in den nächsten Tagen noch genug), und der erste Schock mit dem norwegischen Preisniveau überredet uns alle dazu, die kleine Pizza zu nehmen (für rund 20 Euro). Immerhin: Die hat auch eine Größe, die mehr als satt macht. Und dann: Feierabend, ab ins Hotel (nachdem geklärt wurde, wie das in der Pizzeria mit Bezahlen und Trinkgeld abläuft). Die freudige Überraschung: Ich habe zwar immer noch keine Gepäck-gefunden-SMS erhalten, aber das Gepäck ist da (samt dem Ladegerät für den Kamera-Akku, juhu!) – der Abend ist gerettet.

Jetzte nur noch kurz ein paar Vorträge anpassen (nun, da man die Leute besser kennt – einige haben die Tour schon mal gemacht, und viele waren auch schon in der Antarktis – ich bin neidisch), diesen Blogpost schreiben und das Gepäck überprüfen – und das war’s für heute. Abenteuer war genug dabei (der Flughafen Frankfurt hat mittlerweile komplett dicht gemacht), ab jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, und die Sonnenaktivität. Noch ist’s ruhig, aber sie soll gefälligst noch mal ein bisschen in die Gänge kommen.

Für morgen stehen Frühstück (von 7:30-11 Uhr – sehr angenehme Zeit), Freizeit und um 13:30 Stadtrundfahrt mit anschließendem Transfer zum Schiff auf dem Programm. Und um 22:30 ist dann Abfahrt.

Hands on: Avalon M-Zero

Zu den Vorteilen daran, etwas tiefer in der Astro-Szene tätig zu sein, gehört die Möglichkeit, auch einmal die Neuheiten zu sehen, bevor sie irgendwann einmal auf Astro-Messen oder Teleskoptreffen auftauchen. So konnte ich schon einmal mit den 10Micron-Montierungen rumspielen (sehr chic, aber neu leider fast in der selben Preisklasse wie mein Auto), und nun hatte ich auch die Chance, einmal mit einer Avalon-M-Zero zu spielen, die schon eher in meine Preisklasse fällt. Zugegeben: Im Augenblick werkelt bei mir eine gebrauchte Vixen GP-DX, die auch viel zu selten zum Einsatz kommt.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Die Avalon M-Zero ist Neuentwicklung aus Italien und trotz aller Vorbehalte gegenüber italienischer Technik ein sauberes Stück Arbeit. Mein erster Gedanke war: Oh wie niedlich! In dem Karton, der etwa so groß ist wie eine Celestron CGEM oder eine SkyWatcher EQ6, stecken sowohl die Montierung als auch das Stativ (wobei die Montierung auch mit den normalen Vixen-GP-Stativen kompatibel ist, man muss das Stativ also nicht mitkaufen – das T-Pod 90 als kleinstes der Serie ist 90 cm hoch und samt Tragegriff 4,5kg leicht). Die Montierung selbst wiegt keine 6kg und passt sogar in das Handgepäck im Flugzeug – wenn meine Nordlichtjagd nicht an Bord eines Hurtigrutenschiffs stattfinden würde, hätte es mich glatt gereizt, sie mitzunehmen. Nur müsste dann das Kameraequipment in das normale Gepäck, bei ca. 8kg ziehen die Fluggesellschaften die Grenze für das Handgepäck. Aber eine Astro-Montierung auf einem Schiff wäre eh Blödsinn… Das Stativ ist relativ klein, es gibt aber auch größere Modelle, wenn der visuelle Einsatz geplant ist – das Set hier ist für die Fotografie ausgelegt, da bringt ein hohes Stativ eher Windangriffsfläche. Die Kombination aus Rohr und gebogenem Metall ist schön stabil, leicht und sowohl mit Tragegriff als auch Tasche gut transportabel. Mein Fotostativ braucht bald mehr Platz – und ist zwar höher, aber auch wesentlich weniger stabil. Sehr chic ist, dass die StarGo-Steuerung am Stativ verschraubt ist. In der Montierung sind nur die Motoren (die Avalon-Montierungen wurden lange mit einer SkyWatcher-Steuerung verkauft; die StarGo verfolgt einen neuen, interessanten Ansatz).

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Aufgrund der Wolkendecke blieb es leider beim Trockentest ohne Teleskop, aber der war schon sehr vielversprechend: Wenn ich an der Montierung wackle, bewege ich zwar alles (Montierung und Stativ), aber in sich wirkt das ganze sehr stabil. Bei dem geringen Eigengewicht ist das aber auch kein Wunder – der Setup ist transportabler als meine altehrwürdige GP-DX mit Berlebach-Holzstativ. Da die Montierung vor allem für die Fotografie ausgelegt ist, stört das niedrige Stativ auch nicht. Wenn eine Kamera dran hängt, ist der Einblick ohnehin egal (bei einer CCD sogar beim Fokussieren, das läuft dann ja über den Laptop), und der Polsucher wird oben auf der Montierung befestigt. Man muss nicht mehr in respektvoller Haltung vor der Montierung in die Knie gehen, um sie einzunorden, sondern hat den Polsucher in einer brauchbaren Höhe. Mit einem Zenitspiegel für Polsucher wird das richtig komfortabel. (Ja, ich geb’s zu: Ich werde auch nicht jünger. Im Stehen Einzunorden wird da immer reizvoller, den Polsucher habe ich schon vor zwei Jahren für die HEQ-5 im Verein besorgt.)

Dass das ganze sauber verarbeitet ist, sollte bei dieser Preisklasse natürlich eine Selbstverständlichkeit sein – da der Konstrukteur selber Amateurastronom ist, ist es das auch. Für knapp 4000 Euro Einführungspreis mit Stativ muss natürlich etwas geboten werden. Für mich ist natürlich meine GP-DX die Messlatte. Den Nachfolger, die GP-D2, gibt es für rund 1300-1400 Euro incl. StarBook-Computersteuerung, aber ohne Stativ.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Lohnt sich der Aufpreis? Ich muss ganz offen zugeben, dass ich das Spiel in Deklination bei meiner GP-DX nie ganz in den Griff bekommen habe. Ich habe zwar nur die einfache Steuerung, aber das Getriebespiel ist spürbar. Dafür kann ich, wenn das System einmal sauber eingenordet ist, problemlos 5 Minuten bei 500mm belichten. Das Vixen StarBook hat mich dafür nie überzeugt, und letztlich ist die GP-D2 Technik aus den 1990ern.

Die Avalon-Montierungen umgehen das Getriebespiel, indem sie auf Getriebe verzichten: Über Riemen ist die Achse mit dem Motor direkt verbunden, es gibt keine Zahnräder, die erst ineinander greifen müssen. Bei einem Richtungswechsel reagiert das System bei diesem Direktantrieb sofort. Fein – das macht wirklich Spaß. Allerdings garantiert das von Haus aus keine perfekte Nachführung: Das System führt sehr gleichmäßig nach, sodass ein Autoguider leichtes Spiel hat. Auch wenn die Montierung 500mm bei sauberer Einnordung nachführen mag: Auch für so kurze Brennweiten wird ein Autoguider empfohlen. Da ich mit meiner GP-DX sowohl Nächte mit 0% Ausschuss als auch mit 100% Ausschuss hatte, kann ich guten Gewissens sagen: Wer ernsthaft Astrofotografie durch das Teleskop betreiben will, wird so oder so bald einen Autoguider auf seiner Einkaufsliste haben.

Die Montierung selber ist deutlich flexibler als die GP-DX: Sie kann natürlich als normale parallaktische Montierung betrieben werden. Sehr schön ist, dass sie auf den Alignment-Prozess verzichten kann: Wenn Sie grob eingenordet wird oder sogar auf eine feste Säule kommt, muss man sie nur anschalten, und schon wird nachgeführt. Klar: Datum und Uhrzeit einzugeben und ein ein-Stern-Alignment zu machen, wie bei modernen Computersteuerungen üblich, ist jetzt kein Hexenwerk, aber doch irgendwo nervig, wenn man in der Zwischenzeit Sonne, Mond oder Planeten selber einstellen könnte.

Der fotografische Einsatz als kompakte, leichte Reisemontierung stand bei der Entwicklung im Vordergrund. Die M-Zero ist nicht nur unglaublich klein und kompakt, sondern benötigt auch weniger als 1,5A Strom. Wenn ich bedenke, dass andere Montierungen aus China mittlerweile 2,5A benötigen, spricht das doch eindeutig für Made in Europe. Und viel wichtiger: Während die modernen Goto-Steuerungen chinesischer Fertigung wie ein Küchenmixer klingen und die ganze Nachbarschaft aufwecken können, erinnert die M-Zero zwar beim Anfahren an ein altes Arkade-Videospiel, aber sie bleibt sehr leise. Im Nachführbetrieb ist sie unhörbar, und auch bei schneller Schwenkgeschwindigkeit ist sie angenehm leise. So gehört das.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Cool ist, dass sie leicht zu einer azimutalen Montierung umgebaut werden kann: Einfach einen Inbus-Bolzen versetzen, und die Montierung steht senkrecht. Während sie parallaktisch ohne weiteres nur nördlich oder südlich von 20° Abstand zum Äquator einsetzbar ist, ist sie so weltweit einsetzbar – zwar nur visuell, aber noch schneller als im parallaktischen Modus. Für den schnellen Blick in die Sterne oder ohne Nachführung als terrestrische Montierung wird sie so zur echten Grab-and-Go-Montierung. Nett. Vor allem ist sie tragfähiger und hat eine Nachführung, was meine Vixen Porta nicht hat – auch wenn die dafür deutlich billiger war. A propos tragfähig: Die Angaben sind konservativ und beziehen sich auf den Einsatz mit einem Teleskop – die M-Zero hat die Option, zwei Teleskope zu befestigen. So dienen sie gegenseitig als Gegengewicht, und ein C8 plus ein Refraktor (für Rich-Field-Beobachtung oder als Leitrohr) sollen sogar fotografisch nutzbar sein (bei parallaktischem Aufbau, versteht sich). Aus rund 8kg Traglast mit einem einzelnen Teleskop sollen so ca. 13 kg mit zwei Teleskopen werden – egal, ob das zweite Teleskop als Leitrohr dient, oder ob ganz klassisch zwei Teleskope parallel z.B. für die Sonnenbeobachtung genutzt werden.

Und letztlich kann sie für Time-Lapse-Aufnahmen eingesetzt werden – langsame Schwenks sind ebenso möglich wie die Steuerung einer DSLR. Als reine Time-Lapse-Plattform ist sie zwar Overkill (da ist der Nano-Tracker sinnvoller und viel billiger, auch wenn er fast mehr Batterien schluckt als die M-Zero), aber es ist doch eine nette Option.

Ein sehr großer Unterschied zu meiner alt-ehrwürdigen GP-DX ist natürlich die Steuerung. Auf den ersten Blick ist der Unterschied marginal: Am Stativ ist die Elektronikbox befestigt, und die Handsteuerbox hat Richtungstasten sowie Tasten für Schwenkgeschwindigkeit, Fokussierer und eine Funktionstaste. Da ist meine alte Vixen-Steuerung spartanischer, aber: Das soll eine moderne GoTo-Steuerung sein?

Im Prinzip ja – die Handsteuerbox genügt für den einfachen Betrieb; dank Rutschkupplung lässt sich auch jedes Objekt leicht einstellen und manuell einfahren. Nachführrichtung und das Umschwenken lassen sich ebenfalls über die Handsteuerbox einstellen – nach einem Meridian-Flip muss also nicht das Teleskop in Dec umgeschwenkt werden, sondern nur die Dec-Achse “umgepolt” werden.

Und wo ist das GoTo?

Das Goto ist “im Bluetooth” – leider nur für Android, Windows-PC und (Halleluja!) Mac. So steht einem ein großes Display zur Verfügung, und ein vollwertiges Planetariumsprogramm. iOS-Geräte werden wegen der etwas speziellen Bluetooth-Handhabung unter iOS nicht unterstützt. Das ist für mich natürlich ein Problem: Die tiefergehenden Einstellungen und die Steuerung erfolgen normalerweise sehr bequem über die App für das Smartphone, so müsste ich das MacBook mit auf den Acker nehmen. Auch die Steuerung über SkySafari geht derzeit nur unter Android, sollte aber auch unter iOS funktionieren. Immerhin: sowohl Android-Gerät als auch ein Computer mit MacOS oder Win unterstützen die Software für die Einstellungen, und z.B. über Stellarium lässt sich die Montierung steuern. Unter Windows muss dafür die ASCOM-Plattform installiert sein, die Treiber sind in der Software integriert.

Da ein Smartphone oder Tablet mehr Rechenleistung zu einem günstigeren Preis bietet als ein dedizierter Handcontroller und auch ohnehin öfter durch ein moderneres Modell ersetzt wird, hat dieser Ansatz seinen Reiz. Android ist weit verbreitet und durchaus erschwinglich (wenn man das Geld für eine 4000-Euro-Montierung plus Foto-Equipment investiert, ist ein Tablet kein großer Posten, falls man nicht ohnehin schon eines hat. Für Apple-User ist das größte Problem, sich mit Android anzufreunden – aber es muss ja nur SkySafari und die Avalon-Software für die Einstellungendarauf laufen).

Das Alignment läuft normalerweise über SkySafari oder das Planetariumsprogramm am PC. Im Gegensatz zu Smartphone-gebundenen Steuerungslösungen kann man aber die Tasten des StarGo-Handkontrollers nutzen. Sehr nett, denn wenn ich durch das Oklar sehe, habe ich am Handy/Tablet keine Rückmeldung, auf welche Taste ich jetzt eigentlch drücke. Durch die echten Tasten weiß ich, was ich tue. (Aus dem selben Grund würde ich mir auch kein Auto kaufen, das auf Touch-Screens setzt – ich will die Tasten auch blind bedienen können).

Langer Rede kurzer Sinn: Die Avalon M-Zero macht einen sehr guten, durchdachten Eindruck, auch wenn Android-Benutzer im Vorteil sind. Es ist gewiss keine Montierung für Gelegenheitsnutzer, sondern ganz klar für Astrofotografen ausgelegt, die ein sehr mobiles und trotzdem stabiles Werkzeug wollen. GoTo geht billiger (und lauter!) mit Montierungen der Massenhersteller, kein Zweifel. In den Foren wird man wohl wenig von ihr lesen, da ihre Benutzer eher mit Fotografieren als mit Fehlersuche und Optimierungen beschäftigt sein dürften. Ich hoffe sehr, die Montierung auch einmal am Nachthimmel testen zu können – natürlich mit Autoguider, denn dafür wurde sie ausgelegt. Wenn das Zusammenspiel funktioniert, ist sie ihr Geld auf jeden Fall wert – zumindest, wenn ich die Zeit berücksichtige, die ich bei anderen Montierungen schon damit verbracht habe, die Technik zum Laufen zu bringen. Time is Cash, Time is Money – wenn ich mich ein klares Wochenende in den Bergen nur mit der Technik beschäftigen muss, ärgert mich das mehr als ein höherer Preis. Fokussiermotor und evtl. noch weiteres über StarGo steuern zu können, ist für Astrofotografen auch reizvoll.

Wenn ich nach Norwegen mal eine dieser Montierung testen kann, werde ich mich natürlich melden. Bis dahin wird das Sparschwein noch etwas gefüttert.

Jubiläum und Gewinnspiel bei ClearSkyBlog

Die Zeit vergeht wie im Fluge, und Stefan Gotthold vom ClearSky-Blog feiert seinen 500sten Blog-Beitrag. Ein Grund zum Gratulieren, wie ich finde – außerdem durfte ich da auch schon mal gastbloggen🙂

ClearSkyBlogStefan feiert natürlich auch, dass er im Schnitt 100 Beiträge pro Jahr geschafft hat – eien respektable Leistung, schon weil es viele Artikel mit Inhalt sind und keine leeren Statusmeldungen. In seinem 500sten Beitrag geht es nicht nur um einen Rückblick, sondern er hat auch was zu verlosen. Vorbeischauen lohnt also, aber nicht nur weil’s was zu gewinnen gibt – da sind einige interessante Beiträge auf der Seite.

Mir bleibt nur zu sagen: Viel Erfolg auch für die nächsten 500 Beiträge!

Dungeons and Ponies

Der ein oder andere hat sich vielleicht über meinen Post vom letzten Wochenende gewundert, von wegen Dungeons and Ponies. Wir spielen gelegentlich Dungeons and Dragons, wobei ich Spieleleiter bin und den ganzen Kram bei mir habe. Dummerweise hatte ich diesmal die Figuren vergessen und nur die Bücher, Unterlagen und ein paar Gegner aus Pappe dabei.

Tja, und dann hatte einer aus der Gruppe zufällig My Little Pony Figuren im Auto, sodass die Gruppe mit lauter süßen Ponies das Dungeon gestürmt, um Goblins und Skelettkrieger niederzumetzeln.

In der Rolle des Spieleleiters und bösen Oberherrschers hatte ich da natürlich ein Problem: Wie soll man gegen diese Truppe kämpfen? Die sind so niedlich!

Cuteness Overkill

Cuteness Overkill

Da konnte ich ja nur verlieren…

Bereit für Norwegen – Hunting the Light

In letzter Zeit war es ruhig hier, während ich am Rödeln war – da sorgt nicht nur mein Finanzamt für, sondern auch so manches Projekt, das ansteht. Immerhin an einem Buch – Projektname ist vorerst Fenris – komme ich so langsam mal wieder zum Schreiben, und mein Fernglasbuch bringe ich mit etwas Glück auch noch ins Englische.
Deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, Beobachtungstipps für 2014 zusammenzusuchen. Sorry…

Das kleine Redesign der Homepage war so nebenher. Endgültig ist es noch nicht…

Vor allem aber ist das Projekt, das die meiste Zeit in Anspruch genommen hat, jetzt endlich offiziell:

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen

Ich habe die Reiseunterlagen für meine Hurtigruten-Tour erhalten, nachdem alle Passagiere sie schon länger haben. Am 21. geht’s um 9:25 in Frankfurt los; im Augenblick ist die MS Nordkapp laut Marinetraffic noch im Dock. Hoffentlich ist sie bis zum 22. dann rechtzeitig frisch saniert in Bergen und nicht, wie laut Marinetraffic, in Lamar im US-Bundesstaat Colorado. Ich will Polarlichter sehen und keine Prärie.

Meine Vorträge für die Reise stehen soweit (auch wenn ich einen wohl noch mal umschmeiße und neu mache), die Meteoritesammlung ist ebenfalls bereit, und das Kamera-Equipment ist auch vollständig. Außerdem gibt es an Bord wohl WLAN, sodass ich über Twitter und dieses Blog hoffentlich viel neues posten kann.

Und während ich mich auf den hohen Norden vorbereite (zusammen mit einem Kollege der Heilbronner Sternwarte), hat der Oliver Dreissigacker einen Parabelflug vor sich – den Livetweet dazu gibt’s vom @odreissi unter dem Hashtag #zeroG. Da wünsche ich viel Spaß!

Rains of Castamere

Es ist zum Glück nicht so, dass ein Musiker den Drogentod gestorben sein muss, um gute Musik zu machen – allerdings stelle ich immer wieder fest, dass die meisten Musiker, die ich höre, schon ziemlich lange im Geschäft sind. Aber es gibt Ausnahmen.

Auf Karliene hatte ich im Tumblr-Blog ja schon mal verwiesen – seit einiger Zeit hat sie ihre erste CD veröffentlicht. Sobald sich mein Konto von den Vorbereitungen für die Hurtigruten-Tour auf der MS Nordkapp Ende Februar und von meiner Steuererklärung erholt hat, ist die CD fällig.

Bis dahin gibt’s nochmal die Rains of Castamere. Ein Besuch auf http://karliene.com/ lohnt sich unabhängig davon auf jeden Fall: Sind einige schöne Lieder dabei.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Akzeptieren im Banner unten rechts klickst. Dadurch werden auch eingebettete Videos freigeschaltet und ggf. Daten an Vimeo, Youtube oder Twitter übertragen.