Und wieder ab nach Norwegen!

Die Reiseunterlagen und noch mehr Probedrucke

Die Reiseunterlagen und noch mehr Probedrucke

Naja, noch nicht heute, sondern erst am Montag. Aber die Unterlagen sind da, und wenn ich nicht noch auf der Frankfurter Buchmesse vorbeischauen wollte, könnte ich eigentlich schon durchstarten. Ebenfalls angekommen sind jetzt die letzten Probedrucke von meinem aktuellen Buchprojekt zur Nordlicht und Hurtigruten – gleich zwei Stück, einmal von Amazon und einmal von der Druckerei. Schauen beide gut aus, wieder ein Projekt abgeschlossen. Aber die beiden Bücher gehen nicht mit auf die Tour.

Die Oktober-Tour ist meine früheste in der Nordlicht-Saison, das heißt: Wir fahren noch nach dem Herbstfahrplan. Damit gibt es ein paar Änderungen zur normalen Route. In den berühmten Geirangerfjord fahren wir wieder nicht, aber der ist wohl eh von Kreuzfahrtschiffen überlaufen. Den verlängerten Aufenthalt in Ålesund, den ich aus den Wintermonaten kenne, wird es trotzdem nicht geben, stattdessen steht ein Abstecher in den Hjørundfjord an – der wird wohl erst seit 2013 von der Hurtigrute angefahren und soll ähnlich beeindruckend sein wie der Geiranger. Könnte dann so aussehen:

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Nur halt mit der Finnmarken statt der Midnatsol. Also weniger Zeit in Ålesund und mehr Fjorde. Auch fein. Und dass wir dann etwas kürzer und später Trondheim sind, macht auch nichts aus. Ob wir von 8:30 bis 12:00 oder von 6:00 bis 12:00 Uhr in Trondheim sind, kommt auf’s selbe raus – ich muss nicht gleich um 6 Uhr nach Trondheim reinstürmen. Alelrdings kriege ich so eventuell mal das Einlaufen in Trondheim mit.

Ebenfalls neu: Mit etwas Glück fahren wir südgehend in den Trollfjord ein, statt wegen Lawinengefahr davor anzuhalten. Noch scheint er befahrbar zu sein, wenn Marinetraffic genau genug ist. Zumindest war die Nordkapp gestern noch drin.

Was ich leider nicht rechtzeitig fertig gebracht habe, ist eine Fahne zum Winken. Schade, denn auf der Nordkapp (also einen Tag nach mir) startet ein Wiederholungstäter einer der letzten Fahrten (Hallo Holger: Viel Spaß!), und auf der Polarlys fährt die Freihalterin. Dann wird halt doch mit Taschenlampe oder Handtuch gewunken. Hauptsache Vinkekonkurranse:-) Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass diesmal auch wieder einige bekannte Gesichter mit auf Tour sind.

Ich freu mich schon!

Neues Buch: Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten

Die Probedrucke vom neuen Buch – und bestellbar ist es auch schon!

Die Probedrucke vom neuen Buch – und bestellbar ist es auch schon!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Nordlichtsaison fängt wieder an, und ich habe den Sommer dazu genutzt, in aller Heimlichkeit ein Buch zu schreiben: Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Reiseführer schreibe, aber hier ist er.

Auch wer die Reiseberichte in meinem Blog regelmäßig liest, wird hier noch ein paar neue Dinge finden, und vor allem sauber strukturiert. Auf 128 Seiten gibt’s in drei Teile gegliedert eigentlich alles, was ich für die Tour für wichtig halte:

  • Die Reise beschreibt jeden Tag der Fahrt auf der Hurtigrute auf einer Doppelseite mit einem Überblick, was es im Winter zu sehen gibt. Dabei liegt der Schwerpunkt natürlich nicht auf den Ausflügen, die Hurtigrute anbietet – die sind zur Genüge in den Katalogen und auf dem Schiff beschrieben – sondern auf allem, was man sonst noch so sehen kann. Damit ist es knapp genug, dass man es auch noch während der Reise lesen kann:-) Dazu kommen Tipps zur Fotografie, zum Leben an Bord und zu Schiffsbegegnungen. Das alles natürlich passend zum Winterfahrplan.
  • Nordlicht darf natürlich auch nicht fehlen. Wie entsteht es, welche Geschichten gibt es dazu, wie beobachte und fotografiere ich es am besten – also die ganzen Hintergründe, und hoffentlich nicht ganz so kompliziert aufbereitet wie in den anderen Büchern auf dem Markt.
  • Der Sternenhimmel macht den Abschluss: Was gibt es alles am Himmel zu sehen, wie ändert der Himmel sich im Lauf des Jahres, und – natürlich – ein paar Beobachtungstipps, die schon mit einem Fernglas zu sehen sind.

Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten

Das Buch gibt es wieder einmal nur über Amazon als Print-on-Demand, also in guter Laserdrucker-Qualität – mein erster Probedruck ist noch unterwegs. Der Preis: 24,96€, im Farbdruck. Eine günstige Schwarz-Weiß-Ausgabe ist bei den vielen Reise- und Polarlichtfotos sinnlos… Im Preis inbegriffen ist das EBook (vorausgesetzt, Amazon Matchbook funktioniert in Deutschland – da bin ich mir gerade nicht sicher), das es beim Kauf des gedruckten Buchs kostenlos dazu gibt und das in den nächsten 36 Stunden online gehen müsste. [Update vom 23.10.16: Matchbook gibt’s laut Amazno nur in den USA, auch wenn ich’s generell aktiviert habe. Schade.] Oder man kauft das EBook (übrigens ohne DRM, sodass es auch abseits vom Kindle genutzt werden kann) für 7,50 Euro – günstiger konnte ich es nicht machen, da einerseits 19% Mehrwertsteuer drauf kommen und andererseits viele Bilder drin sind. Und bei Amazon zahlt der Verlag oder Autor die Portokosten für das EBook, nicht der Käufer, und die werden nach Dateigröße berechnet…

Blick ins Buch und so sollte auch demnächst bei Amazon erscheinen, um mal im Buch zu blättern. Das ist der Nachteil daran, dass ich keinen Verlag hinter mir stehen habe: Keine Buchhandlungen, in denen man es sich anschauen kann. Aber dafür bleibt es länger am Markt.

Irgendwann nächstes Jahr gibt’s das Buch übrigens auch noch in einer richtigen gedruckten Version als Beilage für die Nordlicht-und-Sterne-Themenreisen, die über Hurtigruten Deutschland gebucht werden. Das gilt natürlich nur für die Nordlicht-Reisen von Hurtigruten Deutschland (die auch im Reisebüro gebucht werden können) und nicht für die, die andere Reiseunternehmen auf den Hurtigruten-Schiffen anbieten. Aber das dauert noch ein wenig – erst muss es einmal gedruckt werden, und da laufen die Probedrucke noch. Mit 17×24 cm hat man endlich auch mal was in der Hand – es gibt viel zu viele Reiseführer etwa im DIN-Lang-Format (wohl um in die Hosentasche zu passen), die dann aber so dick sind, dass sie doch nicht passen. Die Kooperation mit Hurtigruten ist auch der Hauptgrund, warum ich diesmal wieder keinen Verlag mit ins Boot genommen habe: So kann ich schneller auf Änderungen reagieren.

Wer also keine Lust hat, mein Blog zur Reisevorbereitung auszudrucken, hat jetzt eine Alternative. Aber Achtung: Es kann sein, dass das Buch das Nordweh weckt. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal im Norden. God tur!

Hands-on: Universe2Go

Zugegeben: Ich bin eigentlich kein Freund von 3D. (Auch wenn man mir das vielleicht nicht glaubt, nachdem ich das Spacewalker 3D-Fernglas mittlerweile gekauft habe, das mir Astroshop zum Testen gegeben hatte.) Im Kino lohnt sich der Aufschlag für die 3D-Brille nicht, nur um ein paar Effekte zu sehen, die einfach nur 3D! brüllen. Und Virtual Reality? Wir haben einen wunderbaren Planeten, der so viel in Echt zu bieten hat. Und dann kommt Astroshop mit dem Universe2go, bei dem ich mich nie überwinden konnte, mich mit dem Plastikkästchen näher zu beschäftigen. Auf der Heilbronner Sternwarte hatten wir auch schon Anfragen, ob wir das Gerät nicht vertreiben wollten, aber da fehlt uns die Fläche für. Es wird ja kräftig beworben, aber was steckt eigentlich dahinter? Naja, ich habe genug offene Baustellen.

Das Universum im Pappkarton

Das Universum im Pappkarton

Und dann kam die Anfrage, ob ich nicht was bloggen wollte – also mein Gegenangebot: Ich schreibe eine Rezension für unsere Vereinszeitung, mache noch einen Blogpost für mehr Reichweite daraus, und das Gerät geht dann an die Sternwarte. Deal. Dann habe ich doch mal einen Grund, mir das Teil näher anzuschauen:-)

Das Päckchen kam dann kurz vor dem Mallorca-Urlaub, inmitten des Chaos, wenn man sich mal für ein, zwei Wochen abseilen will und nebenher noch an einem Buch arbeitet. Aber trotz allem Alltagsstress: Etwas Neugierde war doch da, als mich das Päckchen erreichte.

Es enthält einen weißen Pappkarton, der ein wenig an die Apple-Verpackungen erinnert: Man hat das Gefühl, etwas edles in der Hand zu halten, auch wenn der Karton dünner ist. Aber es geht ja nicht um die Verpackung, sondern um den Inhalt. In dem Karton steckt: Ein Plastik-Kästchen im Stoffbeutel, Gurt und einer ausführlichen Anleitung – auch auf Deutsch. Die VR-Brille wird als Sternenbrille bezeichnet – klingt schon mal schön.

Der Lieferumfang des Universe2go

Der Lieferumfang des Universe2go

Vor dem Einsatz steht erst einmal ein Besuch im App-Store an: Man benötigt die über 300 MB große, gleichnamige App, die in in mehreren Sprachen zur Verfügung steht. Sie lässt sich eingeschränkt auch alleine nutzen, damit sie ihr Potential entfaltet, braucht es aber die Sternenbrille und den Code, der in den Karton geklebt ist. Mittlerweile gab es ein paar Updates (ich habe das Gerät ja schon seit August bei mir), die Software wird also weiterhin gepflegt – fein! Es ist nur schade, dass der Code nicht in das Gerät geklebt werden kann.

Die App lässt sich kostenlos herunterladen und als normale Sternkarten-App wie viele andere auch benutzen. So weit, so unspektakulär; in Kombination mit dem Code im Karton und der Sternenbrille wird das ganze interessanter, um nicht zu sagen: Einzigartig.

Wenn der Download abgeschlossen ist, muss das Handy (maximal 147x74x11mm) in das Passepartout eingepasst werden: Wenn man den Deckel aufklappt, kann es mit Schaumgummi positioniert werden; das Schaumgummi-Passepartout ist vorgestanzt und kann auch nachgekauft werden, wenn ein anderes Smartphone kommt. Wenn alles passt, heißt es, die Lautstärke hochzudrehen (oder Bluetooth-Kopfhörer benutzen), das Smartphone mit dem Display nach unten einlegen und den Deckel zu schließen.

Smartphone (hier: iPhone 5S) im Universe2go

Smartphone (hier: iPhone 5S) im Universe2go

Vor dem ersten Einsatz muss die Software kalibriert werden – also Kompass und Bilddarstellung justieren, was mit Neigen und Drehen des Geräts erreicht wird. Nach kurzer Zeit ist die Software einsatzbereit, und man kann den Himmel erkunden.

Den ersten Test habe ich in Mallorca gemacht, im Urlaub mit einigen RMSlern. Der erste Eindruck: Chic! Man sieht den Sternenhimmel in echt (der über dem Inland von Mallorca schon mal deutlich besser ist als über der Heilbronner Innenstadt), und überlagert sind die Sternbildlinien und Objekte, die die Software kennt. Ein Objekt angepeilt, und Infos dazu erscheinen. Cool. Die Sternenbrille macht die Runde, M 31 wird angepeilt, dann der Kleiderbügel: Das Gerät erkennt alles. Und dann legt es von selber los: „Nun, da Sie die ersten Schritte mit dem Universe2go gemacht haben, wird es Zeit…“

Eigentlich ist es ja nett: Die Software stellt die Funktionen des Geräts vor und macht eine Tour durch die Optionen, nur sind wir mehr daran interessiert, die Grenzen der Leistungsfähigkeit auszuloten. Der Blick ins Handbuch einige Zeit später zeigt dann, was uns der geflissentlich ignorierte Sprecher erzählt hat: Es gibt verschiedene Modi, die aufgerufen werden, indem man nach unten (unter den Horizont) blickt und das Gerät dann nach rechts oder links neigt. Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig, aber man hat den dreh rasch raus.

Zu den Modi gehören der Anfänger-Modus, der nur Sterne und Sternbilder einblendet sowie Infos zu den Sternbildern gibt. Im Entdecker-Modus gibt es zusätzlich Infos zu den Sternen, wenn man sie etwas länger anpeilt. Der Mythologie-Modus gibt einen kurzen, gesprochenen Überblick zu den griechischen Sternsagen. Der Deep-Sky-Modus ergänzt die für das bloße Auge unsichtbaren Deep-Sky-Objekte, und im 3D-Modus wird versucht, dem ganzen einen Eindruck räumlicher Tiefe zu geben. Ein Quiz und eine Suchfunktion runden das Ganze ab.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Rezensionsexemplar!

Für einen langjährigen Beobachter verfliegt der Reiz des Neuen natürlich recht bald, aber die sind ja auch nicht die Zielgruppe. Trotzdem es ist eine coole Sache, die Infos als „Head-Up-Display“ über den realen Himmel eingeblendet zu bekommen – deutlich anschaulicher als mit den „einfachen“ Planetariumsprogrammen für das Smartphone, die „nur“ den aktuellen Himmelsanblick auf dem Display anzeigen. Ich muss mal sehen, ob sich auch Ekliptik & Co einblenden lassen…

Für Einsteiger dagegen ist es eine wirklich nette Sache: Die normalen Planetariumsprogramme auf dem Handy, die den jeweils aktuellen Himmelsausschnitt zeigen, sind ja schon cool, aber mit diesem Gerät taucht man nochmal mehr in den Himmel ein. Die Brille ist natürlich sperriger als einfach nur das Handy vor sich zu halten, aber in Kombination mit der Software macht sie Spaß. Und wer über den hohen Preis für die Brille jammern will, wo er sowas auch selbst drucken könnte: Da steckt natürlich auch die Software drin, und allein die Texte zusammenzustellen und sprechen zu lassen frisst einiges an Zeit.

Ein bisschen skeptisch bin ich bei dem Gerät natürlich schon – schließlich macht es genau das, was ich bei Führungen auf der Sternwarte mache: Bei klarem Himmel die Sterne erklären. Aber immerhin sind unsere Führungen noch billiger als die digitale Konkurrenz. Für Einsteiger ist es jedenfalls eine faszinierende Art, um den Himmel zu erkunden – und um die Sterne näher zu sehen, macht es hoffentlich Lust für den Besuch auf einer Sternwarte.

Cooles Teil.

Photokina, late and lazy, und Sonnenschäden

Die Photokina ist jetzt auch schon wieder eine ganze Zeit vorbei, und viel mitgekriegt habe ich von der Messe eh nicht – am produktivsten war noch ein Treffen mit der wunderbaren Ramona Wultschner. Nicht ganz uneigennützig, muss ich zugeben, schließlich ist mein nächstes Buchprojekt gerade im Endspurt. Mehr dazu in ca. einer Woche, ein Probedruck läuft grad noch.

Auf der Photokina hätte ich beinahe meine kleine LX100 am Panasonic-Stand reinigen lassen können, nachdem ich neulich den ersten Staub auf dem Sensor hatte. Ich hatte sie ja über den Händler zum Reinigen geschickt, aber als nicht reparabel zurück erhalten. Trotzdem war der Sensor sauber; ob das jetzt Panasonic oder der Paketdienst beim Versand geschafft hat, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Naja, in zwei Wochen geht’s wieder auf die Hurtigrute (mit der Finnmarken, Abfahrt am 24.10. in Bergen), dann werden wir sehen, was an Bildern raus kommt. Immerhin dürfte ich bis dahin die meisten dringenden Baustellen abgeschlossen haben.

Ein Bild von der Photokina will ich aber keinem vorenthalten: Eine Canon 5D, bei der bei der Sonnenfotografie der Sonnenfilter von der Kamera gefallen war. Der Verschluss ist wohl aus Titan und funktioniert noch, aber ich empfehle das trotzdem keinem zur Nachahmung.

Canon nach Sonnenfotografie ohne Sonnenfilter

Das Weltall in 3D mit dem Space Walker 3D Fernglas

Erfahrene Sternfreunde sehen in Teleskopen keine Sterne, sondern Optikfehler. Das klingt zynisch, ist aber so – ich habe es selbst schon einmal erlebt, dass bei einer Saturnbeobachtung alle vom Anblick begeistert waren, während ich als erstes den Muschelbruch vom Okular bemerkt hatte. Und dann kommt ein Laden Namens 3D Astronomy und klebt Glasplättchen ins Okular, um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen. Dabei weiß doch jeder, dass sich so wenig wie möglich im Strahlengang befinden soll.

Kein Wunder also, dass ich auf dieses Lederman Optical Array neugierig geworden bin, das zuerst in den 21mm 3D-Okulare (Astroshop) und jetzt in einem 3D Astro 8×42 Fernglas verbaut wurde. Erfunden hat das ganze Russ Lederman von Denkmeier Optical (auf Astronomyconnect gibt es ein Interview mit ihm dazu). Der Trick ist, dass ein Okular im Prinzip ein kontrolliertes Doppelbild erzeugt, bzw. einen Teil des Bilds versetzt. Angeblich musste er dazu auf ein neues Okulardesign zurückgreifen, damit es funktioniert.

Neumodisches Teufelszeug… Kann das funktionieren? Zum Glück habe ich nicht nur zwei Bücher über Astronomie mit dem Fernglas geschrieben, sondern kenne auch die richtigen Leute – als mir Stefan, den ich noch aus Heidelberg kenne und jetzt beim Astroshop ist, daher das Fernglas zum Testen anbot, habe ich natürlich sofort zugegriffen. Leider kam es erst an, nachdem ich schon nach Mallorca gestartet war, aber zurück in Deutschland war das Wetter gnädig: Ein paar Tage klarer Himmel bei abnehmendem Mond waren ideal, um dem 3D-Versprechen nachzugehen. Dazu muss ich sagen, dass ich im Kino die klassischen 2D-Filme bevorzuge, da bringt mir der 3D-Hype nichts. Mal sehen, wie’s im Universum ausschaut – Avatar war ja auch einer der wenigen Filme, die von 3D profitiert haben.

Der Lieferumfang des Space Walker 8x42

Der Lieferumfang des Space Walker 8×42

Auf den ersten Blick ist das Space Walker Fernglas hochwertig, aber unauffällig: Ein ordentliches 8×42 Dachkantfernglas. Zum Lieferumfang gehören zwei geflügelte Augenmuscheln, der übliche Regenschutz für die Okulare (dieser Doppel-Deckel, den man Tragegurt befestigen kann), zwei Objektivdeckel, die am Tubus befestigt sind, und eine etwas hochwertigere Tasche. Dazu noch Tragegurt und das allgegenwärtige Putztuch, sowie zwei Bedienungsanleitungen (eine für ein normales Fernglas, und eine für die 3D-Besonderheiten).

Die technischen Daten sind nicht schlecht:

  • 8×42 Dachkantfernglas
  • Phasenkorrigiert FMC-Vergütung (Fully Multi Coated)
  • Dielektrische Prismenvergütung
  • BaK4-Prismen
  • 60° Eigenbildfeld
  • 188 Fuß auf 1000 Yards, also in ordentlichen Einheiten ein Bildfeld von etwa 172m auf 1000m oder etwa 9,8°, wenn ich mich nicht verrechnet habe
  • Gummiarmiert
  • Wasserdicht
  • verstellbare Augenmuscheln (und somit Brillenträgertauglich)
  • geflügelte Augenmuscheln als Streulichtschutz
  • Dazu kommen Tragetasche und Trageriemen
Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Also ein gutes, handliches Dachkantfernglas. Nichts liegt näher, als das mit einem ähnlichen Glas zu vergleichen; das Celestron TrailSeeker 8×42 war da ganz gut geeignet. Mit knapp 300 Euro Listenpreis ist es ein gutes Stück günstiger als das Space Walker 3D Bino, aber natürlich auch ohne 3D; ohne 3D dürften beide in der selben Liga spielen.

Der erste Blick ist so ernüchternd wie erwartet: Bei Tag ist das Bild mäßig; die drei Glasplättchen sind deutlich zu sehen. Das Bild ist zwar deutlich plastischer, aber dafür erscheinen Bereiche gegeneinander verschoben zu sein. Es sieht nach Doppelbildern aus, auch wenn irgendwie doch kein Versatz zu erkennen ist und das Fernglas auch keine Kopfschmerzen verursacht. Ein ganz seltsamer Effekt, aber wie erwartet: Irgendwelche Sprünge im Lichtweg sind Blödsinn. Aber fairerweise: Das Fernglas ist ja als Nachtglas gedacht und nicht für den Einsatz am Tag. Mittlerweile weiß ich auch, an was mich das irgendwie erinnert: Ein Kaleidoskop:-)

Bis es dunkel wird, gibt es also noch genug Zeit, um einen Blick in die beiden Bedienungsanleitungen zu werfen. Die erste ist der typische mehrsprachige Waschzettel aus China, der die Handhabung von Ferngläsern ganz allgemein beschreibt. Der zweite beschreibt die Eigenheiten des LOA: Es macht am meisten Spaß bei dunklem Himmel, wenn die Glaskanten nicht mehr zu sehen sind. Okay, das ist bei Tag natürlich nicht gegeben.

Als es endlich dunkel geworden ist (immerhin haben wir noch August, aber im Gegensatz zum Norden Deutschlands gibt’s hier im Süden wenigstens noch etwas Nacht), gehe ich mit dem Fernglas für einen kurzen Test raus auf den Acker. Um mit den Nachteilen anzufangen: Der Tragegurt der Tasche langt nur, um sie mir um den Hals zu hängen, aber nicht als Schultergurt. Da es ein Leihgerät ist, will ich den Umhängegurt nicht am Fernglas befestigen. Zweiter Nachteil: Es hat (genau wie das TrailSeeker) eine geschlossene Brücke und ist daher nicht ganz so griffig wie ein Fernglas mit offener Brücke, bei dem man die einzelnen Tuben mit der Hand umfassen kann.

Aber genug gelästert, jetzt wird mal durchgeschaut. Zu den Bedingungen: Die Milchstraße ist im Zenit schwach, aber eindeutig zu erkennen, der Himmel ist also nicht ganz schlecht. Der erste Blick in den Himmel:

Wow.

Das funktioniert wirklich. Die Sterne scheinen tatsächlich unterschiedlich weit entfernt zu sein. Ein Schwenk durch die Milchstraße und Richtung Schütze: Hammer! Die offenen Sternhaufen treten deutlicher hervor, obwohl der 3D-Effekt natürlich willkürlich ist und nichts mit den realen Abständen zu tun hat. Reine Show, aber eine verdammt gute. Blick Richtung Osten, zur Andromeda: M31 hängt als deutlicher Nebelfleck zwischen den Sternen. Leider nicht dahinter, aber der Anblick ist trotzdem beeindruckend.

Viel mehr Zeit bleibt an diesem Abend nicht (morgen früh klingelt der Wecker), aber der erste Eindruck war Wahnsinn.

Ein normales 8x42 TrailSeeker-Fernglas und das 8x42 Space Walker 3D

Ein normales 8×42 TrailSeeker-Fernglas und das 8×42 Space Walker 3D

Die nächste Nacht: Jetzt geht’s mit Auto, Stativ und zusätzlich dem TrailSeeker raus auf den Acker. Die erste Erkenntnis: Verfluchte Dachkantferngläser. Ich habe zwar einen schön stabilen Stativadapter, aber der passt an keines der beiden Ferngläser, weil er zu breit ist. Also muss doch mein Auto als Stütze herhalten. Beide Ferngläser sind sehr klein und kompakt, daher ist es nicht so einfach, sie freihändig zu halten.

Mein erster Gedanke war eigentlich, dass ich mir das Fernglas als 7×50-Porro wünschen würde, aber die Wahl der Daten macht schon Sinn: Der 3D-Effekt wirkt bei dunklem Himmel und etwas Bewegung am besten, da wäre ein ruhig zu haltendes Fernglas wohl kontraproduktiv. Außerdem hat ein 8×42 nur eine Austrittspupille von etwa 5mm, also ein relativ dunkles Bild – was gleichzeitig bedeutet, dass der Himmelshintergrund dunkler wird, ohne dass man gleichzeitig weniger punktförmige Sterne sieht. Und als “Spaß-Glas” ist Transportabilität wichtiger – auch wenn ein Porro preiswerter wäre. Passt also letztlich schon.

Der Überraschungseffekt der ersten Nacht ist nun natürlich verflogen, aber es macht immer noch Spaß. Das TrailSeeker zeigt am Himmel nicht weniger, aber das Bild ist nun mal flach und im direkten Vergleich langweilig. Also mal die Milchstraße abklappern. Schütze: Viele kleine Sternhaufen, sehr nett. So auffällig sind sie im normalen Fernglas nicht. M31: Chic wie beim ersten Mal. Der Ringnebel: Vielleicht zu erahnen, es sind halt nur 42mm Öffnung. Der Kleiderbügel: Nice. h und Chi Persei: Zwei Sternklumpen vor der Milchstraße. Melotte 20 im Perseus: Umwerfend, der erschlägt einen beinahe. (Wer übrigens Beobachtungsziele fürs Fernglas sucht, wird hier fündig.)

Dann mal der direkte Vergleich mit dem TrailSeeker an Mizar und Alkor: Beide zeigen Mizar, Alkor und den 7,5m Feldstern problemlos, bei den Sternchen 9. Größe ein Stück weiter links zeigen sich langsam Unterschiede: Im TrailSeeker sind sie noch gut zu erkennen, im Space Walker sind sie noch gut zu erahnen. Das TrailSeeker hat also ein etwas helleres Bild.

Aber für echtes Arbeiten (Veränderliche Sterne schätzen oder so) würde ich ohnehin zu einem normalen Großfernglas greifen, bei dem es auch keinen leichten Versatz zwischen den Flächen gibt. Wenn man kritisch ist, lässt sich auch ein Helligkeitsabfall zu Rand erkennen. Aber man beobachtet ja doch in erster Linie in der Bildmitte.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Fazit der zweiten Nacht: Der 3D-Effekt begeistert mich immer noch; das Fernglas löst tatsächlich einen gewissen Haben-Will-Reflex aus. Hätte ich so nicht erwartet.

Und noch eine Nacht: Letztes Wochenende hatte ich es auf der Sternwarte Heilbronn dabei, man will ja interessantes Spielzeug auch mal zeigen. Dummerweise war es etwas diesig, und der gute Stadthimmel setzt den 42mm Öffnung natürlich Grenzen. Trotzdem hat es sich gegen ein zwanzig Jahre altes 7×50 Porro von Photo Porst ganz gut geschlagen und sogar ein paar Sterne mehr gezeigt. Aber es waren nur selten so viele Sterne im Bild, dass der 3D-Effekt zum tragen kam. An der beleuchteten Kilianskirche am Horizont nach Sonnenuntergang war der 3D-Effekt aber auch schon zu erkennen, und das LOA fiel nicht so sehr auf. Sehr interessant war, wie unterschiedlich verschiedene Beobachter darauf reagierten: Mal war es einfacher zu halten als das größere 7×50 Porro, ein einziger Beobachter sah verschiedene Schärfebereiche, andere konnten den 3D-Effekt bestätigen oder sahen ein besseres Bild als 7×50 Porro. Wieder ein anderer konnte den 3D-Effekt nicht nachvollziehen und hat die Bildfehler deutlich störender empfunden.

Fünf Leute, sechs Meinungen…

Es ist also gewiss kein Glas für alle, aber mir macht der Effekt einfach nur Spaß – aber es setzt definitiv einen guten, dunklen Himmel voraus, an dem auch ein normales 42mm-Fernglas Spaß macht.

Da denkt man, man hat alles schon mal gesehen, was mit 42mm Öffnung geht, und dann hat man auf einmal wieder Lust, auch in Deutschland raus auf den Acker zu gehen. Was jetzt noch fehlt ist ein Test am Nachthimmel mit Mond – aber da muss ich noch warten, bis er wieder am Abendhimmel zu sehen ist. Bis dahin ist meine Motivation eher gering, das Fernglas wieder herzugeben…

 

Bilder aus Mallorca

Testaufbau für die Sonnenfinsternis

Testaufbau für die Sonnenfinsternis

Der Urlaub ist schon wieder vorbei, und ein paar Projekte neigen sich ebenfalls dem Ende entgegen – Zeit, mal wieder das Blog mit Inhalt zu füllen, auch wenn’s nur Urlaubsbilder sind – und nicht mal aus Skandinavien, sondern aus einer Woche Mallorca. Da unten sollte es im August ja eigentlich gutes Wetter geben, also war das gleich die Chance, die Ausrüstung für die Sonnenfinsternis nächstes Jahr einmal zu testen.

Das hat auch hervorragend geklappt: Ich habe prompt die Winkelschiene vom Star Adventurer vergessen und das 1kg-Gegengewicht umsonst nach Malle geflogen. Immerhin, bis auf zwei Wolkentage hat das Wetter auch gehalten. Einnorden mit Handy-Kompass funktioniert wohl gut genug, und die Nachführung sollte ebenfalls okay sein, das ist schon einmal vielversprechend für nächsten August. Nach drei Stunden in der Sonne (wenn auch später abgeschattet) ist auch bewiesen, dass das MacBook Air wirklich einen Lüfter hat. Die nächste Herausforderung: Scharfstellen mit dem manuellen Objektiv, und verlässlich ein Kontrollbild von der DSLR auf den Laptop zu zaubern. Wird noch spannend…

Der Eingang zu Ses Païsses

Der Eingang zu Ses Païsses

Aber ich hab da nicht nur Astro gemacht, sondern auch ein bisschen die Insel angeschaut – schließlich hatte ich vor drei Jahren noch nicht die ganze Insel gesehen, der Südwesten fehlte noch. Da gibt es zum Beispiel Ses Païsses, die Reste einer bronzezeitlichen Siedlung bei Arta. Damals wurde massiv gebaut, und mit zwei Euro ist der Eintritt auch noch bezahlbar. Zu sehen gibt es die noch recht hohen Mauern einer alten Siedlung, die sich um einen Turm gruppiert. Die Form sieht man irgendwie immer noch auf Mallorca, da gibt es noch einige ähnliche Gebäude.

Nächster Halt: Die Coves d’Arta, angeblich nicht ganz so touristisch geprägt wie die berühmteren Coves del Drac ein Stück weiter südlich. Sie sind auf jeden Fall sehenswert, und vor allem angenehm kühl und schattig. Anders als in Campanet darf man auch fotografieren. Ein natürliches Ökosystem gibt es da drin eh nicht mehr, rund um die Scheinwerfer wachsen einige Algen. Der Hinweis, zum Schutz der Natur nichts anzufassen wirkt ohnehin etwas unglaubwürdig, wenn zum besseren Durchgang Stalaktiten abgesägt wurden, es breite Wege gibt und der Führer auf Tropfsteinsäulen rumhämmert, um zu zeigen, dass sie hohl sind…

Wenn die Coves del Drac schon als touristisch ausgebaut verrufen sind, langt mir die Höhle bei Arta aber auch schon: Die bunte Lichtshow im “Höllengewölbe”, unterlegt mit Musik von den Carmina Burana, hätte es nicht unbedingt gebraucht. Aber der Besuch hat sich trotzdem gelohnt, ich kann’s empfehlen.

Zentrale Postverteilung

Zentrale Postverteilung

Ebenfalls einen Besuch wert: Der Puig de Randa samt Kloster war der Startpunkt einer eigenen Tagestour in den Süden Mallorcas. So manche kleine Straße dorthin wird wohl auch von der Post gemieden, aber mein Navi kennt da nichts.

Der Puig de Randa wird unter anderem von einem Kloster gekrönt und liegt oberhalb der Flughöhe der ganzen Flieger, die etwa im Dreiminutentakt Palma ansteuern. Interessanter Anblick, nachdem wir die Flieger von der Finca bei Costitx immer nur von unten gesehen haben… Auf dem Klostergelände stehen auch jede Menge alte Pflüge, außerdem konnten wir sehen, wie das Kloster per LKW mit Wasser versorgt wird.

Der Faro ses Salines

Der Faro ses Salines

Die Rundfahrt durch den Süden führte außerdem an den Salines de Llevant vorbei, die im Rahmen einer gut halbstündigen Führung besichtigt werden können. Da sieht man mal wieder, dass Salz ein Naturprodukt ist.

Und wenn man schon in der Gegend ist, fährt man natürlich auch beim nächsten Leuchtturm vorbei, dem Faro ses Salines. Die Idee hatten aber noch andere, in der Gegend gibt es einen gut besuchten Strand und dementsprechend wenige Parkplätze…

Mallorquinische Eier

Mallorquinische Eier

Aber die Touristenziele auf Mallorca sind ohnehin gut besucht – bei der Menge an Flugzeugen, die in der Woche Mallorca angesteuert haben, stellt sich eh die Frage, ob Mallorca nicht irgendwann mal voll ist. Der Plan, in Alcúdia in der Pizzeria zu essen, in der wir letztes Jahr waren, ist daher an fehlenden Plätzen gescheitert. So gab es die Möglichkeit, im Nachbarrestaurant lokale Spezialitäten zu probieren. Die wichtigste Erkenntnis: Mallorquinische Eier sind Spiegelei auf fettigen Pommes. Kann man mal essen, hätte ich jetzt aber nicht unbedingt als Spezialität bezeichnet.

Ein bisschen Astro musste zum Abschluss der kurzen Woche trotzdem noch sein. Zuerst mal das Erfolgserlebnis: Eine hübsche Strichspuraufnahme, nachdem ich bei eineinhalb Stunden Belichtungszeit gefühlte 50 Flugzeuge wegretuschiert hatte. Im Web-JPG verschmiert das leider etwas:

Strichspur-Mallorca

Weniger überzeugend war dagegen der Besuch auf der Sternwarte in Costitx. Die Einrichtung ist im Prinzip ganz hübsch: Ein Planetarium, eine Meteoritensammlung und eine ganze Menge Kuppeln für die Öffentlichkeitsarbeit. Geforscht wird da angeblich auch, wohl in dem Teleskop auf einem Turm. Wir hatten uns bereits vorher als Gruppe der Heilbronner Sternwarte angekündigt, sodass wir eine deutsche Führung erhielten. Eigentlich hatten wir ja gedacht, wir wären am Freitag alleine da – aber Pustekuchen, irgendwas zwischen 70 und 90 Gästen waren da, und im Lauf des Abends kamen noch zwei Busse dazu. Die Hoffnung, auf das Planetarium verzichten zu können und mehr Zeit an den Teleskopen verbringen zu können, zerschlug sich somit. Also genossen wir die Planetariumsshow doch. Gezeigt wurde: Sechs Jahre 20 Jahre Hubble Space Teleskop, wobei Bilder des HST an die (runde) Kuppel projiziert wurden, dazu gab es abgelesene Erklärungen auf Deutsch und Englisch von unserer Führerin. Der kleine Zeiss-Projektor war nicht in Betrieb, die Sterne im Hintergrund wurden wie die Bilder vom Beamer an die Kuppel projiziert. Immerhin die Musik war schön…

Der nächste Halt war die Meteoritensammlung, und in freier Rede war das Deutsch unserer Führerin besser als bei den vorgelesenen Texten im Planetarium (und der Inhalt auch). Es ist wohl die größte Meteoritensammlung in Spanien – 16 Meteorite, und alle echt! Dazu gab es noch die Möglichkeit zu einer Fotosession mit ET.

Und dann, endlich: Ab zu den Teleskopen. Vorher gab es noch die Warnung, bitte nichts anzufassen… Auf dem Freigelände stehen neun Kuppeln, in drei durften wir hinein. In jeder erwartete uns ein gabelmontiertes 10″-Meade Schmidt-Cassegrain. Das erste war auf Saturn gerichtet; als ich die Bodenlampe mit der Hand abschirmte, um am Okular nicht geblendet zu werden, kam gleich die Bitte, nichts zu verstellen, bevor wir Saturn nicht mehr im Teleskop hätten… Immerhin: Die Cassini-Teilung war zu sehen, wenn auch nicht allzu deutlich.

Ab zum nächsten Teleskop, auch hier war Saturn eingestellt, aber mit einem anderen Betreuer. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, scharfzustellen: Was für ein Spiegelshifting. Und was für eine Dejustage. Von der Cassini-Teilung war nichts zu sehen… Unser Vorschlag, mal einen Sternhaufen einzustellen, wurde auch abgelehnt: Der Handcontroller ist kaputt, das Teleskop kann nicht verstellt werden. Hm… Dann halt weiter zu Teleskop #3, das auf Mars gerichtet war. Keine Ahnung, wie es sein kann, dass ich da ein Mehrfachbild gesehen habe. Fazit: Wenn das 15 Euro Eintritt wert war, müssen wir in Heilbronn entweder unser Niveau deutlich senken oder die Eintrittspreise gewaltig anheben. Mit etwas Pflege wäre das bestimmt eine tolle Sternwarte, so gingen wir freiwillig ziemlich früh wieder. Dann lieber noch einmal den Sternenhimmel über der Finca genießen, bevor es am nächsten zurück nach Deutschland ging.

Mal wieder SoFi-Tests…

Noch ziemlich genau ein Jahr bis zur Sonnenfinsternis in den USA, und mal wieder an der Zeit, das Equipment zu testen. Langsam wird es vollständiger: Das 90/500-Objektiv ist jetzt motorisiert, um mit weniger Gewackel fokussieren zu können.

Die Kamera mit Motorfokus

Und weil grad Sommer ist und ich noch keinen Blendschutz fürs Display habe, wird das bei Nacht am Mond ausprobiert.

Das Ergebnis: Zumindest denke ich, dass die Brennweite ganz gut für die SoFi passen wird. Wackeln tut’s trotzdem noch etwas, und die Schärfe ist nicht ganz einfach zu beurteilen. Vielleicht liegt es aber auch am T-Ring, mit dem das Objektiv befestigt ist und der etwas zu dick ist. Scharfstellen wird jedenfalls noch ein Spaß. Und warum rauscht die Kamera bei 200 ISO eigentlich so stark? Liegt es an den 25 Grad Außentemperatur um Mitternacht?

Ich glaube, da stehen noch ein paar Tests an…

Der zu 98,9% beleuchtete Mond am Abend des 20. Juli 2016

Der zu 98,9% beleuchtete Mond am Abend des 20. Juli 2016

M101 vom Wochenende – vom RAW zum Bild

Die grandiosen Astrofotos beeindrucken fast jeden – und wecken leider auch viel zu hohe Erwartungen bei allen, die zum ersten Mal durch ein Fernrohr schauen. Was da alles an Bildbearbeitung drin steckt, sieht niemand. Ich bin zwar bei weitem kein Profi-Astrofotograf, aber ein bisschen Erfahrung habe ich doch gesammelt. Letzten Samstag war daher mal wieder die Galaxie M101 im Großen Wagen dran. Eine knappe Stunde hatte ich ab Mitternacht Zeit, bis die Wolken kamen. Davon ging eine Viertelstunde drauf, um das C14 der Heilbronner Sternwarte einsatzbereit zu machen (Dach auf, Strom an, Referenzstern einstellen), meine DSLR samt 0,8x Reducer an den aufgesattelten ED80/600 zu setzen, per Bahtinov-Maske zu fokussieren und M101 anzufahren. Anschließend blieb noch Zeit für sieben Bilder à drei Minuten bei 2000 ISO mit automatischem Dunkelbildabzug.

Das Ergebnis: Naja…

M101 – RAW-Bild, drei Minuten bei 2000 ISO, 480mm Brennweite

M101 – RAW-Bild, drei Minuten bei 2000 ISO, 480mm Brennweite

Das ist von der Helligkeit mal abgesehen schon mal nah am visuellen Eindruck, aber nicht hübsch. Immerhin: Die Sterne sind scharf, obwohl ich ohne Nachführkontrolle gearbeitet habe, und die Galaxie ist auch zu erahnen. Auf dem Kameradisplay sah’s übrigens hübscher aus.

Anschließend kommt die Magie: Das ganze durch Photoshop jagen, weil der Deep-Sky-Stacker irgendwie nichts schönes rausgebracht hat. Sieben Bilder überlagern, um das Rauschen zu reduzieren, anschließend an Tonwertkorrektur und Gradationskurve rumspielen, bis was halbwegs brauchbares raus kam. Patentrezepte gibt’s dafür leider keine, aber die Bildbearbeitung hat doch noch was rausgeholt:

Nicht toll, aber besser: M101 nach der Bildbearbeitung.

Nicht toll, aber besser: M101 nach der Bildbearbeitung.

Immerhin ist die Galaxie schon recht hübsch zu sehen. Im Detail sieht’s so aus:

Crop auf die Galaxie

Crop auf die Galaxie

In SW fast wie früher im Lehrbuch...

In SW fast wie früher im Lehrbuch…

Der ganze Dreck auf dem Sensor fehlt jetzt, und die Spiralarme sind im verbliebenen Rauschen ganz brauchbar zu sehen.

Für Low-Light-Aufnahmen gibt’s den Tip, auf Schwarzweiß zu gehen – da sind wir Rauschen eh von früher gewöhnt. Ja, sieht gar nicht mal so schlecht aus. Vor 30 Jahren waren so Bilder in vielen Büchern zu finden. Wenn ich die Rohbilder jetzt nicht in der Innenstadt aufgenommen hätte und mich mal mehr in die Bildbearbeitung einarbeiten würde, könnte da durchaus noch mehr gehen.

Aber es sind ja nicht immer nur die perfekten Bilder interessant, sondern auch mal der Weg dahin, und was alles unter den Tisch fällt.

Island im Tiefflug, Teil 7

Das wär’s dann mit Island: Wir räumen die Appartments in Borganes und machen uns auf den Weg zum Flughafen. Da der Flieger aber erst gegen Mitternacht starten soll, haben wir noch genug Zeit für Reykjavík und die Sehenswürdigkeiten auf der Halbinsel. Bleibt nur die Frage nach der Startzeit für die letzten 226 Kilometer. Halb acht steht im Raum, um möglichst viel Zeit für die Hauptstadt zu haben… Ich schlage für mein Auto noch etwas Zeit heraus, wir starten eine halbe Stunde später und frühstücken in aller Ruhe in der Tanke in Borganes, statt erst nach Reykjavík zu fahren.

“Richtig” abschalten in Island, ah ja…

An der Tankstelle hatten wir gestern schon gefrühstückt und sind jetzt vor Kombinationen wie “Süße Waffel mit Lachs” gewarnt; das Sandwich mit Garnelensalat war aber auch nicht so der Renner. Die Kassierin ist wieder hochmotiviert und knallt die eingeschweißten Brote nach dem einscannen lustlos auf den Tresen – vielleicht liegt’s an der Uhrzeit? Jedenfalls google ich zur Frühstückslektüre mal nach Island und Selbstmordrate. Interessant: Sie liegt niedriger als bei uns, und der zweite Treffer ist Werbung für Island: “Wer Erholung sucht und ein Land, in dem man vom Alltag völlig abschalten kann, der ist in Island genau richtig.” So vollständig wollte ich hier eigentlich nicht abschalten, liebes Google…

Dann lassen wir die gute Frau doch lieber in Ruhe und machen uns auf den Weg nach Reykjavík, wo wir gegen halb zehn an der Hallgrímskirkja parken und die anderen suchen. Da ihr ursprünglich geplantes Restaurant gerade saniert wird, treffen wir sie an der Harpa, dem modernen Konzerthaus. Viel scheinen wir nicht verpasst zu haben, wenn ich mir die anderen Bilder so anschaue – uns hat es sogar noch für einen Blick in die Hallgrimmskirkja gelangt:-) Besonders lohnenswert ist der Betonbau aber nicht: Er ist groß, aber kahl.

Bevor wir an der Harpa zu den anderen aufschließen, steht noch ein kurzer Besuch an der Sólfar-Skulptur an. Das stilisierte Wikinger-Boot gehört ja zu den Wahrzeichen der Stadt; die Wohnblöcke dahinter fehlen auf den meisten Bildern verständlicherweise. Für die Harpa selbst bleibt uns nicht viel Zeit, es geht im Eilmarsch durch die Stadt. Einmal quer durch Reykjavík finden sich einige kleinere Häuser, zum Teil ganz aus Beton – seit die Wälder abgeholzt wurden, ist alternatives Baumaterial gefragt. Ein paar Impressionen:

Souvenirshop im Tresorraum

Souvenirshop im Tresorraum

Aber fragt mich nicht, wo in der Stadt sie aufgenommen wurden. Die kleine Panasonic hat leider kein eingebautes GPS, so sehr ich die Kamera auch sonst mag. In der Innenstadt dann eine Verschnaufpause: Wir finden einen Souvenirshop, der wohl in einer alten Bank ist – zumindest sind die Verkaufsräume im Kellergeschoss hinter dicken Panzertüren gesichert. So wertvoll sind Island-Pullis dann doch nicht.

Mir läuft hier noch ein Sagenbuch über den Weg, mit dem ich schon am Dimmuborgir geliebäugelt hatte – und die deutschsprachige Version ist hier sogar billiger. Island hat also keine Buchpreisbindung, wie’s aussieht. Die Ex-Bank akzeptiert auch meine Kreditkarte, beruhigend.

Der Marsch geht weiter durch die Einkausstraße, bis wir ein Restaurant für’s Mittagessen finden, das genug Platz für zehn Leute bieten dürfte. Es gibt noch einmal Burger, wer hätte das gedacht. Langsam kriege ich Lust auf einen Salat, aber hier oben wächst wohl in erster Linie Fleisch… Und, Überraschung: Meine Kreditkarte wird nicht akzeptiert. Zum Glück klappt’s mit der EC-Karte; mein Bargeldbestand ist mittlerweile gut reduziert.

Ich kann verstehen, warum sich die Bevölkerung in Reykjavík konzentriert: Man kann erkennen, dass es hier durchaus kulturelles Leben und eine lebendige Szene gibt, wobei die Häuser zwischen gepflegt und bruchreif schwanken. So manch kleine Hütte zeugt von vergangenen Zeiten und vor allem günstigen Grundstückspreisen. Einen Tag für die Hauptstadt einzuplanen ist wohl kein Fehler, aber was soll’s – wir wollen ja nur einen Eindruck vom Land. Also geht es weiter zum Perlan, dem Heißwasserspeicher der Stadt. Auf den Tanks steht eine Glaskuppel mit Restaurant und Aussichtsplattform; die verspiegelten Scheiben laden zu einer Art Selfie ein – ganz ohne Idiotenszepter Selfie-Stick.

Damit wäre auch Reykjavík abgehakt, und wir machen uns auf die Reise über die Halbinsel Reykjanes. Eine kleine Piste gibt noch einmal die Möglichkeit, das Auto zu waschen (ohnehin kein Fehler, bevor wir es heute Abend wieder abgeben). Die Ziele des Tages: Zunächst Gunnuhver, ein Thermalgebiet mit heißen Quellen und entsprechender Luftqualität… In den 1930er Jahren stand hier ein einfaches Haus – ein Däne mit seiner lettischen Frau züchtete hier Blumen, bis ihm der Boden unter den Füßen zu heiß wurde. Die Fundamente seiner Unterkunft sind noch erhalten, Blumen wachsen dort jedoch keine mehr. Bei unserem Besuch kommt nicht einmal nennenswert flüssiges Wasser aus dem Boden, sondern nur Dampf, der die Reste eines Stegs einhüllt. Auf der Google Maps ist hier ein See eingezeichnet…

Nächster Stop: die nahegelegene, schroffe Küste. Von den hohen Kliffs hat man einen schönen Ausblick auf den schwarzen Strand. Die Gegend hier könnte Tolkien zu seiner Vorstellung von Mordor inspiriert haben… Der Weg hinab zum Strand ist nicht weit, und man sieht jetzt erst, wie groß die “Kiesel” sind. Das ist schon was anderes als die Black Beach bei Vík vor ein paar Tagen. Ohne Regen kann man sich hier einige Zeit aufhalten und Zwergenfotos machen – die Bilder lassen einen fast vermuten, die Leute wären mit Photoshop geschrumpft und zwischen Kiesel gesetzt worden.

Die Brücke zwischen den Kontinenten

Die Brücke zwischen den Kontinenten

Ein Ziel bleibt noch in diesem Ödland, bekannt von vielen Fotos: Die Brücke zwischen den Kontinenten. Island driftet ja auseinander, und im Westen kann man eine kleine Version des Grabenbruchs zwischen europäischer und nordamerikanischer Platte beobachten. Trotz Regen sind bei der Brú Milli Heimsálfa sogar beide Seiten der Kontinentalplatten zu sehen.

Wer will, kann versuchen, die Brücke zumindest fotografisch zu tragen, wobei mir die Making-Off-Bilder besser gefallen:-) Die Brücke ist ein netter Gag mit eigenen Accounts in den sozialen Medien, aber man kommt natürlich auch ohne sie problemlos von Kontinent zu Kontinent.

Der Blick von der Brücke

Der Blick von der Brücke

Das war es dann fast schon mit dem Touri-Programm. Es bleibt nur noch die Blaue Lagune – im Prinzip ein Freibad mit blauem Wasser, das von Geothermalkraftwerk stammt. Kieselalgen verleihen im seine blaue Farbe, und das Kassenhäuschen macht es zu etwas exklusivem…

Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Flughafens und ist ein entspannender Ausklang für die Reise, wenn auch nicht unbedingt ein notwendiger Punkt für eine Rundreise. Aber was soll’s, im warmen Wasser zurücklehnen und entspannen hat was – wenn wir auf der Tour schon keine Chance hatten, außer einmal im Hot Pod zu relaxen. Die Eintrittskarten mussten allerdings schon in Deutschland vorbestellt werden, sie ist ein wahrer Touristenmagnet.

Der Rest des Abends? Ein Besuch bei Kentucky Fried Chicken (mal keine Burger), dann die Autos abgeben und ab zum Flughafen, wo wir kurz nach Mitternacht mit dem Boarding unseres Fliegers nach Stuttgart beginnen sollten. Dumm nur, dass Deutschland gerade wesentlich schlechteres Wetter hat und der Flieger wegen Starkregen eine Stunde in Stuttgart fest saß. Irgendwann machen auch hier die Läden zu, wobei es am Flughafen mehr Auswahl an Souvenirs gibt als sonst auf unserer Route. Ich kann mein letztes Hartgeld in einen Schokoriegel investieren und habe noch eine Krone übrig. Wert ist sie nichts (naja, 0,7 Cent) und darf als Souvenir bei mir bleiben. Um 1:20 konnten wir dann endlich in den Flieger, wo wir mit Guten Morgen begrüßt wurden – und zum Glück etwas mehr Beinfreiheit als auf dem Hinflug hatten; die Sitze waren halbwegs benutzbar.

Hochwasser bei Bad Wimpfen

Hochwasser bei Bad Wimpfen

Um 5:20 isländischer Zeit bzw. 7:20 Ortszeit dann die Landung in Stuttgart – gerade noch rechtzeitig, um die vorgebuchte Parkzeit nicht zu überziehen. Die Begrüßung in Stuttgart: Gute Nacht. Tja, viel mit erholsam Schlafen war in dem Flieger nicht.

Auf dem Heimweg gab es erst ein wenig Stau bei Stuttgart (ja, wir sind eindeutig wieder zuhause), und dann Umleitungen und überflutete Straßen rund um Bad Friedrichshall. Bei Bad Wimpfen konnte ich dann über den Neckar – zumindest die Altstadt auf dem Berg hatte wohl keine Probleme mit Hochwasser, am Neckarufer sah das schon ganz anders aus.

Da hatten wir in Island doch das bessere Wetter… Schön war’s und wohl auch nicht das letzte Mal, aber das dürfte noch ein wenig dauern, bis ich wieder dahin komme.

Island im Tiefflug, Teil 6

Wolken und Regen werden typisch für diesen Tag

Wolken und Regen sind typisch für diesen Tag

Start- und Endpunkt sind heute identisch, aber das ist kein Grund, nicht doch rund 300 km zurückzulegen und die Halbinsel Snæfellsnes zum umrunden, Länge mal Breite mal Höhe. Vom 1446 Meter hohen Vulkan Snæfellsjökull sehen wir zwar nicht viel, da er sich in den Regenwolken verbirgt, aber dafür gibt es genug Möglichkeiten für Zwischenstopps. Der Blick aus dem Autofenster lohnt sich auch immer wieder, es tauchen einige interessante Krater und Berge unter den Wolken auf. Die Ringstraße lassen wir für diese Tour natürlich abseits liegen, die Halbinsel ist eine eigene Route und im Allgemeinen gut asphaltiert.

Búðarkirkja

Búðarkirkja

Der erste geplante Stop: Eine schwarze Kirche. Die Búðarkirkja ist aber nicht etwa ein Ort, an dem schwarze Messen abgehalten wurden, sondern vielmehr ein Denkmal für Schwarzarbeit. Als die Pfarrei in Búðir 1816 aufgelöst wurde, stieß das auf den Unmut von Steinunn Sveinsdóttir – die Frau wollte gegen den Willen der Landeskirche eine Kirche im Ort und erhielt letztlich die könligliche Erlaubnis zum Kirchenbau. Sie wurde 1848 vollendet und ist jetzt eine der ältesten Holzkirchen Islands.

Der nächste Halt ist ungeplant: Kurz vor Arnarstapi fasziniert die moosüberwucherte wilde Landschaft zu sehr, und es gibt einen Parkplatz am Straßenrand – also nichts wie raus. So eine Landschaft habe ich auch noch nie gesehen…

Der nächste Halt ist die Küste bei Arnarstapi. Hohe Klippen und unterspülte Basaltbögen fesseln den Blick; unzählige Vögel leben hier, ohne von der Brandung weggespült zu werden. Die Wege entlang der Küste bis zum Denkmal für den Halbriesen Bárður Snæfellsás sind noch ganz gut begehbar, verwandeln sich aber schon langsam in Matsch. Zum Ende der Saison dürfte es hier deutlich unangenehmer sein; der erste Reisebus verfolgt uns jetzt schon auf unserer Tour.

Das Denkmal von Bárður Snæfellsás ist weithin sichtbar und aus groben Steinen aufgeschichtet, die dem Regen trotzen – mittlerweile wird das Wetter wieder schlechter und nasser, also zurück zum Auto, auch um etwas Abstand von dem Reisebus zu halten.

20160528-11h-58m-P1130157Der nächste Halt wird kurz: Eine Höhle liegt an der Straße, durch die es auch Führungen gibt, aber wir haben den Einlass knapp verpasst – daher machen wir noch einen kurzen Abstecher an die Küste, bevor es auf den Parkplatz am Djúpalónssandur-Steinstrand geht. Hier war lange Zeit eine Fischereiflotte stationiert. Wer dort arbeiten wollte, musste seine Kraft beweisen, indem er einige der runden Steine dort hoch hob. Die vier Steine tragen je nach Gewicht die passenden Namen: Fullsterkur (“Ganzstarker”, 154 kg), Hálfsterkur (“Halbstarker, 100 kg), hálfdrættingur (“Brauchbarer”, 54 kg) und Amlóði (“Schwächling”, 23 kg). Zumindest Brauchbarer musste man auf einen Felsabsatz heben, um einen Platz an Bord zu erhalten.

1948 strandete der Fischtrawler Epine aus Grimsby hier, nur vier oder fünf der 19 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Einige Reste des Schiffs liegen immer noch am Strand und stehen unter Denkmalschutz.

Davon, dass der Strand am Fuß des Snæfellsjökull liegen soll, ist aber nicht viel zu sehen. Also auf zum nächsten Halt, dem Krater Saxhóll. Island zeigt sich wieder einmal von seiner windigsten Seite. Eine Eisentreppe führt auf diesen Vulkankrater, aber oben ist es noch ungemütlicher als unten – wer sich nicht noch einmal in den Wind legen will, macht sich rasch wieder an den Abstieg. Von dem eigentlich schönen Panorama ist auch nicht viel zu sehen. Da hilft nur, bei besserem Wetter wiederzukommen und im Windschatten der Autos eine kurze Mittagspause einzulegen, nachdem die Kamera wieder trockengelegt wurde.

Alte Torfhäuser in Hellissandur

Alte Torfhäuser in Hellissandur

The road goes on and on, und nach ein paar Kilometern taucht ein Strich in der Landschaft auf: Der 412 Meter hohe Funkmast war einst das höchste Bauwerk Europas, 1994 wurde er abgeschaltet. Er ist immer noch das höchste Bauwerk Islands, uns aber keinen Stop wert – den gibt’s erst ein paar Meter weiter, am kleinen Museum in Hellissandur. Die Torfhäuser gehören zu einem Seemannsmuseum. Das Wetter hat sich jetzt völlig geändert: Vielleicht sind wir jetzt im Windschatten des unsichtbaren Snæfellsjökull, jedenfalls ist der Wind weg und der Himmel stellenweise sogar blau. Das wäre ein besserer Ort für eine Mittagspause gewesen als der Fuß der Saxhóll…

20160528-14h-03m-P1130213Gegenüber des Museums gibt es dafür eine Sehenswürdigkeit, die uns mittlerweile vertraut ist, auch wenn ich sie viel zu selten fotografiert habe. Zeit, das nachzuholen: Eine Tankstelle. Eine gute Chance, noch einmal die Getränkevorräte aufzufüllen – nutzen wir sie. Tankstellenshops gehören wohl zur Grundversorgung von Island-Reisenden, zumindest auf der Ringstraße.

Kirkjufellsfossi

Kirkjufellsfossi

Apropos Straße: Wir müssen ja weiter. Der nächste Halt ist der Kirkjufellsfossi, trotz des Regenwetters ein hübscher Wasserfall am Straßenrand. Aussteigen lohnt sich: was von der Straße aus regnerisch-trübe aussieht, macht vom Wasserfall selbst aus deutlich mehr her. Der Spitze Berg im Hintergrund ergibt ein sehr schönes Panorama, das bei gutem Wetter noch eindrucksvoller sein müsste. Definitiv einer der schöneren Wasserfälle und einen Stop wert.

Die Straße führt uns dann weiter Richtung Stykkishólmur, immer entlang der Nordküste der Snæfellsness-Halbinsel. Rund 20 km nach Kirkjufellsfossi ist ein unwirtliches Lavafeld, durch das schon zur Landnahmezeit Wege angelegt werden sollten. Dazu heuerten die Einheimischen Berserker aus Norwegen an – die starken Männer sollten zum Lohn isländische Frauen erhalten. Nur die Frauen waren davon weniger begeistert und lockten die Männer in eine Scheune, die sie dann anzündeten. Die Gegen trägt heute den Namen Berserkerjahraun – wir fahren sicherheitshalber durch.

Kirkjufellsfossi

Kirkjufellsfossi

Stykkishólmur

Stykkishólmur

Das schmucke Städtchen Stykkishólmur hat seltsame Kirchenbauten, eine Fährverbindung und auf der Insel Súgandisey einen kleinen Leuchtturm, von dem aus man einen schönen Rundumblick hat. Für einen Drohnenflug war es leider zu windig, aber der Aufstieg über die Treppe lohnt sich allemal. Wann sehen wir über Westisland sonst schon mal blauen Himmel?

Damit haben wir unser Programm für heute auch abgearbeitet. Zeit für ein bisschen Spaß… für den Rückweg könnten wir entweder die Asphaltstraße zurückfahren, oder die Piste quer durch die Halbinsel nehmen. Die Entscheidung fällt leicht, und den Rest der Rückfahrt dürfen andere filmen und fotografieren, während wir durch Staub und Pfützen pflügen. Zum Ausgleich steht danach noch einmal kurz Autoputzen an; zum Glück gibt es an jeder Tankstelle eine kostenlose Waschgelegenheit. Fazit: Gerne jederzeit wieder:-)

Wahre Island-Begeisterung sieht anders aus...

Wahre Island-Begeisterung sieht anders aus…

Was bleibt noch zu tun? Zurück nach Borganes, wo wir im Landnahmezentrum einen Tisch reserviert haben. Es gibt gehobene Küche, wozu – natürlich – auch Burger gehören. Kein Wunder, dass McDonalds und Burger King sich hier nicht durchsetzen können… Ich greife lieber zur gut gewürzten Lasagne und gönne mir ein Skyr zum Nachtisch. Das Restaurant gehört zum Landnahmezentrum, das eine Ausstellung über die Besiedelung Islands zeigt. Von den Wikingern an der Wand wirkt allerdings keiner besonders glücklich… Das Haus gehört zu den ältesten der Stadt und wurde an den Fels erweitert, um mehr Platz zu gewinnen – wir sitzen also direkt an der Felswand, an die Glasfenster und Dach angepasst wurden. Interessanter Baustil.

Abschließend bleibt noch etwas Zeit für einen kleinen Rundgang durch Borganes. So gemütlich die Häuser innen auch sein mögen: Schönheitspreise können nur die wenigsten gewinnen. Auch wenn das Klima rau ist, würde ein wenig Farbe nicht schaden. Aber dafür gibt es auch ausreichend Bauten, die vollständig mit Metall verkleidet sind, oder Betonbunker. Schade eigentlich, aber der einzige Baumarkt, den ich auf der Strecke gesehen habe, war auch weit weg in Reykjavík.