Tag 4 – Ørnes, Bodø und die Wikinger

MS Nordnorge

MS Nordnorge

Etwa um 7:33 haben wir den Polarkreis überquert, wie mir der Blick auf das Handy gepaart mit der Lautsprecherdurchsage bestätigt – den Blick aus dem Fenster spare ich mir allerdings, Frühstück ist für 9 Uhr geplant, und auf der Rückfahrt sehen wir die Kugel ohnehin besser. Im Bett ist’s auch nett. Unscharfe Bilder von der Kugel habe ich ohnehin schon genug, und auf der Rückfahrt kommen wir bei besserem Licht noch einmal an der Insel vorbei. Aber etwas früher aufstehen lohnt sich trotzdem: Gegen halb neun kam die MS Nordnorge in Sicht, und kurz darauf ertönte auch die Ansage über die Lautsprecher, dass wir in wenigen Minuten der Nordnorge begegnen. Hübsches Schiff, aber leicht erkältet: Vorne an den Rettungsbooten klebt noch Schnee, und das Begrüßungstuten klingt etwas dumpf und heißer.

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Kurz vor Ørnes.

Der erste Hafen auf dem Tagesprogramm ist Ørnes, und die grandiose Landschaft bietet eine schöne Kulisse für das Showprogramm des heutigen Tages: Die Polarkreistaufe. Ich hab das ja schon hinter mir, aber auch als Zuschauer ist es immer wieder ein großer Spaß. Neptun ist diesmal auch deutlich motivierter als beim letzten Mal (und diesmal habe ich auch eine Ahnung, wer unter der Maske steckt), sodass so mancher Passagier seine Eiswürfeltaufe kriegt.

Dabei ist nicht nur die Geräuschkulisse der Teilnehmer nett, sondern auch die One-Size-Fits-None-Größe der Neptun-Maske. Neptun muss öfter mal die Augen zusammenkneifen, um zu sehen, was er da macht:-) Aber trotz aller spitzer Schreie bleibe ich dabei, dass die Polarkreistaufe im Winter angenehmer ist als im Sommer, wenn der Temperaturunterschied zwischen Luft und Eis viel größer ist.

Nach der Show ging es wie gewohnt nach Bodø – mittlerweile gibt es eine Mehrheit dafür, Bodø als Budö und die MS Nordkapp als Nurdkapp auszusprechen. Aber mit zwei Schriftsprachen und ungezählten Dialekten ist Norwegen da wohl ohnehin recht flexibel.

Die Stadt Bodø ist nicht hübscher geworden, aber trotzdem lohnt sich der Gang in das Zentrum. Wollten Sie schon immer mal wissen, was die Reiseleitung in einer Stadt macht, während die Gäste die Stadt erkunden oder Ausflüge machen? Zur Auswahl stehen u.a.:

  1. Schuhe kaufen
  2. Optiker besuchen
  3. Als Ansprechpartner an Bord bleiben
  4. Internationale Küche beim Burgerking genießen
  5. Sightseeing
Sightseeing in Bodø geht schnell.

Sightseeing in Bodø geht schnell.

Kein Problem, ich bin ja nicht alleine und habe mich für Option 1 entschieden. Finnische Stiefel scheinen echt was zu taugen. Damit war der Aufenthalt zwar teurer als der Abstecher ins Rema 1000 beim letzten Mal, aber bei Kleidung ist Norwegen gar nicht mal so teuer wie man denken könnte.

Kurz nach der Abfahrt aus Bodø rief dann wieder die Pflicht: Vortrag Nummer 2 über die Sonne und das Leben der Sterne steht auf dem Programm, diesmal halte ich ihn wieder alleine. Im Anschluss wird noch die drehbare Sternkarte behandelt, die alle Reiseteilnehmer erhalten haben – ein Crashkurs zur Orientierung am Himmel.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang war bis Stamsund noch einige Zeit zu vertreiben: Heute gibt es für mich kein Abendessen auf dem Schiff, sondern wieder einmal eine kleine Zeitreise zum Lofotr Wikingerfest. Wenn man weiß, dass es ein reines Touri-Spektakel ist, kann man es durchaus genießen: Nach einer Busfahrt von knapp einer Dreiviertelstunde erreicht man ein rekonstruiertes, über 80m langes Wikinger-Langhaus, in dem ein Wikingerhäuptling zum Julfest einlädt. Sehr fein: Olav Dingsdabumsson (vielleicht merke ich mir den Namen irgendwann mal) wird wieder von einem motivierten Schauspieler gespielt. Weniger fein: Seine Halle ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch Umhänge gibt es für die Besucher dieses Mal keine. Dafür Lamm mit Karotten, Steckrüben, Brot, Rahm und einer Art Marmelade, Met und Gesang.

Um die Götter zufriedenzustellen, bleiben anschließend noch knapp 20 Minuten für den Shop, die weise genutzt werden wollen – ansonsten müsste ich die Vesterålenrundfahrt mitmachen, die sich zwar lohnt, aber in aller Herrgottsfrühe losgeht. Und nachdem es gerade um Odin & Co ging, ist die Herrgottsfrühe gewiss das falsche…

Auf der rund 50-Minütigen Rückfahrt nach Svolvaer zeigte sich dann auch schon wieder das erste Polarlicht als leichter Grünschimmer auf dem Kameradisplay. Trotz aller Vorwarnung präsentierten uns unsere Gäste kaum Bilder der Fahrt nach Svolvaer (der “Hauptstadt des Lichts”). Nach Svolvaer gab es dann immerhin noch bis halb Zwölf Polarlicht – nicht die ganz große Show, aber immerhin schon mit einem Hauch von Farbe und durchaus gut sichtbaren Strukturen.

Was ich ganz vergessen habe: Trollfjord war auch noch. Diesmal mit Fiskekake-Ausgabe und Trolltrunk-Ausschank am Heck, Verkauf nur in der Bar und Beleuchtung vorne am Schiff. Aber jetzt habe ich auch eine wunderhübsche Trolltasse:-) Takk!

Tag 3 – Ein ruhiger Tag in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

Heute stand Trondheim auf dem Plan – und nachdem ich schon um 2:00 den Rechner zugeklappt hatte, als die Bilder des Mitternachtspolarlichts zu einem kleinen Film verarbeitet waren, hat das mit dem Gang in die Stadt sogar geklappt. Aber vorher gab’s eine Premiere: Einen Besuch auf der MS Vesterålen. Ich bleibe dabei, dass sie von außen betrachtet kein schönes Schiff ist, aber der Innenraum hat durchaus seinen Reiz: Ein verwinkeltes Schiff mit recht rustikaler Ausstattung, aber interessant. Allerdings ist das Außendeck sehr glatt – wo auf der Nordkapp zumindest Gittermatten liegen, ist auf der Vesterålen Eis zu finden.

In Trondheim hatte ich kein Touri-Programm geplant, sondern Shopping. Die kleineren Läden machen aber meist erst gegen 10 Uhr auf, sodass die Auswahl begrenzt war. Und im Einkaufszentrum am Marktplatz gab es zwar eine interessante Architektur (viele kleine Häuser, die in die Einkaufspassage integriert sind), aber nichts, was meinen Kaufreflex ausgelöst hätte. Sehr interessant: In der Buchhandlung stand an fast jedem Bücherstapel “Verkauf erst ab Montag”. Na dann halt nicht.

Im Torgcenter Trondheim.

Im Torgcenter Trondheim.

Das Stadtzentrum von Trondheim ist 20 bis 30 Minuten vom Anlegeplatz unseres Schiffs entfernt, sodass es kein Problem ist, die wichtigsten Ziele zu Fuß anzusteuern. Volker und Sabine hatten das Tourismusprogramm durchgezogen, und nach einem schnellen Kaffee waren wir auch rechtzeitig zur Abfahrt wieder auf der Nordkapp.

Pünktlich um kurz nach 12 stand dann ein Techniktest auf dem Programm: Gelingt es uns, im Vortragsraum zwei Mikrofone gleichzeitig in Betrieb zu nehmen, sodass Volker und ich und beim Vortrag abwechseln können? Die Antwort lautet ja, es geht (auch wenn es gelegentlich etwas Rückkopplung gibt). Da mein normaler Vortragstermin durch den Tourguide geblockt war, der da die Ausflüge vorstellen wollte, konnte unser Vortrag über atmosphärische Phänomene erst um 16:30 stattfinden.

Kjeungskjaer fyr

Kjeungskjaer fyr

Das gab mir die Chance, den Leuchtturm Kjeungskjaer fyr einmal in echt zu sehen – normalerweise bin ich bei der Passage gegen 14:30 immer im Vortragsraum. Jetzt kann ich bestätigen: Es gibt ihn wirklich. Süß.

Ab 16:00 beim Aufbau wurde mir auch klar, warum ich den Vortrag gerne früher halte: Es gab ein Stück offenere See, und am Bug war das Schwanken durchaus deutlich – zum Glück ließ es zum Vortrag wieder nach. Nur die Technik neigte zu Fehlfarben, und ich konnte das Abendgrün präsentieren. Irgendwie ist es blöd, wenn der Rotkanal im Bild fehlt…

Pünktlich zum Abendessen ging es dann auf die Folda, das nächste Stück offenes Meer. Die Wolkendecke hielt sich bis in die Abendstunden, sodass anschließend ein ruhiger Abend mit Kniffel anstand, und vergleichsweise frühem Feierabend. Die letzten Testbilder gegen 23:00 zeigten kein Grün, sodass alle zur Polarkreisüberquerung ausgeschlafen erscheinen können – morgen früh ab 7:00 ist Meeting auf dem Deck, als Vorbereitung auf die nächsten Nachtschichten werden wir aber wohl darauf verzichten. Die Wetteraussichten sind nicht ganz schlecht.

Von der Polarlys, die heute mit der nächsten Nordlicht-und-Sterne-Tour in Bergen startet, gibt’s auch News via Twitter:

Hübsche Glorie:-)

Und bevor Fragen aufkommen, ein paar Bilder vom Mittagsbuffet und Abendessen:

Die Nordkapp hinter der Richard With

Die Nordkapp hinter der Richard With

Auch nicht zu vergessen: Am Abend gab es noch ein Treffen mit der MS Richard With und die Möglichkeit, sich in Rørvik die Beine zu vertreten. Und mittlerweile kennen wir die meisten Kameras der Passagiere – das Polarlicht kann kommen. (Aber nicht morgen Abend, wenn wir auf dem Lofotr-Wikingerfest sind.)

Tag 2 – First Light

Trüber Himmel über Torvik

Trüber Himmel über Torvik

Ein trüber Tag in Norwegen: Nachdem es in der Nacht noch ein wenig geschaukelt hat (am Bug war’s echt schön, wenn auch etwas dunkel), hatte auch das Westkap zum Frühstück mit mäßigem Wellengang angedeutet, was es kann. Oder, wie unser Tourguide so schön meinte: Der Seegang war zwischen Esel- und Kamelreiten; aber noch kein Bullenreiten. Also relativ harmlos… Dem ein oder anderen unserer Gäste hat es den Appetit trotzdem vermiest, aber ein leerer Magen ist der falsche Ansatz bei aufkommender Seekrankheit (genau wie Tabletten schlucken – die müssen vorher genommen werden. Tipp von unserer Reiseleiterin: Ein Waldspaziergang hilft). Zum Glück bin ich da unanfällig, auch wenn es schon beeindruckend ist zu sehen, wie der Horizont zwischen oberem und unterem Fensterrand hin- und herpendelt.

Aber die offene See geht ja nie lange, und gegen 10:30 erreichen wir Torvik. Von Bord gehen lohnt sich aber nicht: Einerseits sind wir nur kurz da, und andererseits macht das Wetter auch keine Lust darauf. Grauer Himmel, graue See – wenn es so bleibt, dann mal gute Nacht.

Eine Infoveranstaltung jagt die andere.

Eine Infoveranstaltung jagt die andere.

Was sind die Alternativen? Um 10:15 wird der Polarlichtfilm von Hurtigruten gezeigt, der wieder einmal meinen morgigen Vortrag vorwegnimmt. Im Anschluss, um 11:00, halten wir unsere Infoveranstaltung: Allen Gästen sagen, wo es die Infos gibt, was wir machen, wer wir sind, wo es die Vorträge gibt und dass morgen in Trondheim die letzte sinnvolle Möglichkeit ist, fehlendes Foto-Equipment nachzurüsten (da wir Sonntags in Tromsø sind). Außerdem: Gäste kennenlernen. Und um 11:30 gab’s schon Mittagessen, da wir ab 12:00 in Ålesund sind – wer an den Landausflügen teilnehmen will, hat so auch die Gelegenheit, etwas zu Essen. Bei uns ist es entspannter, und vor allem: Die Warnhinweise bezüglich Kamera haben funktioniert, die ersten Kameraeinstellungen konnten wir schon vornehmen. Jetzt habe ich auch mal eine Sony Alpha in der Hand gehabt, wieder ein neues Kameramodell kennengelernt:-)

Nach der Shoppingtour letztes Mal stand heute wieder der Aksla auf dem Programm, der Hausberg von Ålesund. Die reguläre Treppe ist wegen Bauarbeiten gesperrt, aber es gibt eine Alternative, die allerdings einen Umweg beinhaltet und somit etwas länger dauert. Durch ein Winterwunderland geht es jetzt über verschneite Treppen hoch auf den Aksla – besseres Schuhwerk wäre kein Fehler gewesen, aber mit dem Aufstieg hat man sich immerhin des Mittagessen verdient (ach Blödsinn – ich werde für die Tour bezahlt, da ist das Essen inclusive). Die Mühe lohnt sich auf jeden Fall: Wir haben einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt.

Das Wetter wird immer besser, die vorhandenen Wolken sind geradezu malerisch, und es ist sogar klarer Himmel zu sehen. Der Wetterbericht hat anderes versprochen, aber damit können wir sehr gut leben. Vom Aksla aus sehen wir sogar die MS Lofoten, die gerade auf Werft liegt – wenn auch nur klein am Horizont; auf dem Foto ist sie rechts in der Bucht zu erahnen. Und der größte Lofotenfan an Bord war nicht auf dem Aksla und musste sich mit Fotos begnügen:-)

Alt und neu.

Alt und neu.

Auf dem Rückweg zum Schiff bemerke ich zum ersten mal so richtig, was sich eigentlich in dem Bau am Kai verbirgt: Hier wird ein altes Boot nachgebaut. Das Projekt nennt sich Bankskøyta – hier wird ein Sunnmore Bank Fischerboot nachgebaut, da alle Originale verloren gegangen sind. Zwischen 1860 und etwa 1900 wurden über 300 dieser Schiffe gebaut und ab etwa 1910 durch Motorboote ersetzt. Das Blog dazu gibt’s unter http://bankskoyta.no. Im Herbst 2015 soll das Schiff fertig sein. Man findet doch auf jeder Reise etwas neues.

Die Polarlichtvorhersage für heute Abend war so lala, aber bei Sonnenschein ließen wir Ålesund hinter uns. Für Volker und mich war es Zeit, uns trotzdem in die Kabine zu verziehen: Morgen steht der erste Vortrag an, und das muss ja einmal durchgespielt werden. Kurz vor 18 Uhr dann eine Durchsage: Johan Pearson, unser Tourguide, lädt zu einer Recap (auf Englisch) ein. Auch was neues für mich… Dahinter verbirgt sich ein unterhaltsamer Ausblick auf Wetter und Reise von heute und Morgen, ein Polarlichtausblick der optimistischer ist als meine Prognose, und der Blick auf die Weinkarte. Es ist interessant zu sehen, wie jeder Tourguide seinen eigenen Stil hat. Er trägt das ganze sehr ruhig und unterhaltsam vor – gut gemacht, Respekt.

Lecker Lamm zum Abendessen.

Lecker Lamm zum Abendessen.

Da wir erste Essenssitzung haben, geht’s direkt im Anschluss in das Restaurant. Da nach Essensbildern gefragt wurde: Es gab Lamm mit Gemüse und Kartoffeln, als Vorspeise Dorsch und als Nachtisch Eis mit Obst. Das ganze mit leichtem Zeitdruck wegen der zweiten Essenssitzung um 20:30 und abgerundet durch drei Geburtstage, die mit Gesang gefeiert wurden.

First Light – mit bloßem Auge als Grauschimmer am Horizont.

First Light – mit bloßem Auge als Grauschimmer am Horizont.

Der Plan für den Abend war ein gemütlicher Tagesausklang in der Bar. Tja, der Blick nach draußen hat eine Vielzahl Sterne gezeigt. So viel zur Wettervorhersage. Der Gang zum Bug zeigte etwas Nebel, also ab in die Kabine, Kamera holen, und: Grün fotografiert. Heute schon das erste, schwache (“kameragrüne”) Polarlicht. Also ab zum Tourguide, eine Durchsage machen lassen, und ab auf Deck 7, Kamera aufbauen und schauen, wer von den Gästen die Durchsage gehört hat. Immerhin ein Viertel der Gruppe konnte das graue Band am Horizont bestaunen und bestätigen, dass die Kamera grün sieht. Die Gelegenheit, schon einmal mit den Kameraeinstellungen zu spielen, unseren Pflichtteil (Polarlicht zeigen) abzuhaken, zu bestätigen, dass da noch mehr geht, wenn man weiter im Norden ist, und die Sternbilder zu zeigen. Nach etwa einer Stunde waren dann alle überzeugt, dass sich da heute nicht mehr viel tut, und auch meine Bilderserie wollte ich nicht weiterführen: Das Licht war weitestgehend statisch, bis auf ein paar Andeutungen von Strukturen. Aber da es mittlerweile seitlich vom Schiff war und vor Kristiansund zunehmender Seegang war, gaben wir auf. Die nächsten Tage würden hoffentlich mehr bringen, und die Voraussage ist im Augenblick gar nicht so schlecht. Für Sonntagabend (wenn wir Tromsø verlassen) wird mehr Materie vorhergesagt, und das Wetter könnte sogar mitspielen (statt dem bislang vorhergesagten Orkan). Schaun wir mal – vor allem haben wir so eine Chance, uns morgen Trondheim in wachem Zustand anzusehen.

In Kristiansund verzichteten wir darauf, von Bord zu gehen, stattdessen genossen wir noch das Konzert, das Johann mit der Gitarre gab (einen Musiker haben wir in diesem Jahr nicht an Bord, aber Johann ist gut). Und jetzt gegen halb 12 ist die Bar praktisch leer, die meisten Gäste sind wohl schon im Bett, und ich habe mein Blog fertig – jetzt noch ein wenig am Vortrag feilen, und dann heißt es auch für mich Feierabend.


So schnell ändern sich Pläne: Kaum hatte ich den letzten Absatz getippt und gespeichert, kommt die Polarlichtmeldung über den Lautsprecher. Also ab auf Deck 5, wo das Polarlicht etwas deutlicher ist als vor Kristiansund, und die Kamera noch einmal auf Dauerfeuer gestellt, zumindest für rund eine Stunde und 221 Bilder. Rund 30-40 Passagiere dürften sich auf dem Umlaufdeck versammelt haben, einigen kann ich dann auch den Bogen des Nordlichts erklären, und auch weitere Fototipps gibt es: Blende 22 ist nicht mit kleiner Blende gemeint, da haben die Infoflyer vom Schiff verwirrt. Es ist erwartungsgemäß nicht die große Show, aber hey: So weit im Süden die ersten Polarlichter, und das, obwohl der Wetterbericht Wolken angesagt hat? Nicht schlecht. Sogar etwas Bewegung ist gelegentlich zu sehen. Das ist besser als erwartet und lässt für die nächsten Tage hoffen.

Also fast in Echtzeit: Das Mitternachtspolarlicht:

Und jetzt doch gute Nacht; morgen um acht ist Frühstück und anschließend Trondheim angesagt. Diesmal will ich wirklich in die Stadt!

Tag 1: On the boat again

Am 1. Februar war ich noch im Hotel am Bergener Lufthavn, und zehn Tage später, am 11. Februar verlasse ich Bergen schon wieder – wieder mit der Nordkapp, und wieder für die Nordlicht und Sterne Tour. Und die nächste Reise für November ist auch schon bestätigt. So cool:-)

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Abgesehen davon, dass wir diesmal von Frankfurt über Amsterdam mit KLM statt von Stuttgart über Copenhagen mit SAS geflogen sind, hat das Ganze was von Déjà vu: Kai ist wieder Reiseleiter, und Volker und Sabine sind wie bei der Tour im letzten Februar dabei, außerdem haben sie ihre Reiseleiterin von der Midnatsol mitgebracht, Margit. Überflüssig zu erwähnen, dass Kai und Margit sich auch schon kennen. Am Reiseleitertisch könnte es lustig werden…

Die Fliegerei wird langsam etwas nervig, oder zumindest das Warten am Flughafen. Immerhin: Die erste Strecke waren wir mit einer Embraer 190 unterwegs, die Innen überraschend viel Platz bietet – nach den Cityhoppern der letzten Tour hatte ich schlimmeres erwartet. Der Flughafen Schiphol in Amsterdam ist ganz hübsch und lässt zusammen mit Trondheim, Oslo und Copenhagen die Frage aufkommen, warum Deutschland eigentlich keine hübschen Flughäfen hat… und man kann mit Euro bezahlen, auch nicht schlecht.

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord...

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord…

Da beim letzten Tourbericht nach Bildern vom Essen gefragt wurde: Tada! Links die lecker Flug-Verpflegung. Diese Art Kuchen kann ich besser empfehlen als die Käse-Dingsbums-Dinger, die es als Alternative gab. Mit dem Bergen-Buffet auf dem Schiff kann er trotzdem nicht mithalten (Lachs, irgendwas Geschnetzeltes, Gemüse, noch mehr Lachs (aber mit Pfeffer), Rentier, Schwein – schade, dass ich erst spät zum Essen kam, als das Buffet schon geplündert und nicht mehr fotogen war).

Das Essen auf dem Flug war aber nicht das Highlight, da gab es eine andere Überraschung: Kurz vor Amsterdam (also im Landeanflug, als man nicht mehr an das Handgepäck samt der richtigen Kamera durfte) konnten wir eine Glorie beobachten. Nett, hatte ich vorher auch noch nie bemerkt. Gut, dass ich entgegen meiner Gewohnheit einen Fensterplatz hatte, auch wenn ich nur mit dem iPhone fotografieren knipsen konnte.

Eine Glorie

Eine Glorie

Aber mit ein bisschen Nachbearbeitung kann man sie doch ganz gut erkennen. In Bergen gab es dann das übliche Programm: Die Fahrt zum Schiff mit einer kurzen Rundfahrt durch Bergen, diesmal mit einer etwas anderen Tour. Ich nutzte die Zeit, um die Gäste in meinem Bus mit Informationen zum Schiff, zum Ablauf des Abends und zu Bergen zuzuschütten. Das Wetter ist so, wie man es von Bergen erwartet: Nieselregen.

Auf dem Schiff ging es dann erstmal auf die Kabine, diesmal auf Deck 5. Nett: Die Kabinen sind größer, und der Föhn hat deutlich mehr Power als auf Deck 6 (will sagen, es kommt ein ordentlicher Luftstrom raus, der nicht nur den Griff erwärmt). Gewöhnungsbedürftig: Die Kabine liegt auf dem Umlaufdeck. Also entweder die Vorhänge zumachen, oder auf norwegisch machen und jeden reinschauen lassen…

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Nach dem Check-In (nochmal der Hinweis an alle Passagiere: Immer schön die Hände desinfizieren!) gingen wir erstmal vom Schiff, Getränke für die Kabine bunkern. Damit sind wir definitiv auf Reiseleiter-Niveau, im nächsten Laden trafen wir Margit.

Anschließend: Sturm auf die Reste vom Bergen-Buffet, eine kleine Geburtstagsfeier mit Tänzchen der Crew, Inforveranstaltung durch den Tour-Guide vom Schiff (mit 250 Passagieren ist die Nordkapp besser ausgelastet als im Januar), ein skeptischer Blick auf die Wettervorhersage (eieiei), auspacken und dann Abfahrt aus Bergen. Neu: Die Crew verkauft Sekt für 99 NOK zum Anstoßen.

Nach dem Nieselregen zur Abfahrt stand ein kurzer Abendausgang in der Bar an, inclusive dem traditionellen ersten Kameraputzen. Bad News: Guiness ist alle… Dafür wurde ich in der Cafeteria mit “Immer noch da?” begrüßt:-)

Und während alle anderen sich verabschieden, schreibe ich noch kurz mein erstes Blog. Da Abflug in FFM erst um 12 Uhr Mittags war, bin ich fit – und so gegen halb eins fängt das Schwanken vom Schiff an, schließlich umrunden wir am ersten Morgen ja immer das Westkapp – also ab auf offene See. Bislang hatte ich das immer verschlafen, jetzt schaue ich’s mir mal vom Bug aus an. Allen anderen: Gute Nacht!

Nach der Reise ist vor der Reise

Die Reiseunterlagen.

Die Reiseunterlagen.

Kaum habe ich die Nacharbeiten zur Nordlicht-und-Sterne-Reise GRP107 abgeschlossen, steht schon die nächste Tour an: GRP101 startet am Mittwoch, für mich beginnt der Flug diesmal in Frankfurt, wieder mit Volker. Die Reiseunterlagen sind da, und wer sich wundert, warum GRP101 nach GRP107 kommt: Die 101 war ausgebucht, und 107 wurde nachträglich angeboten – was sich bei der Polarlichtausbeute auch gelohnt hat, und Glück mit dem Wetter hatten wir auch. Jetzt hat ja das Sturmtief Ole neue Rekorde gesetzt, und so richtig schön sind die Aussichten noch nicht. Aber in Norwegen ändert sich das Wetter ja stündlich. Mal sehen, wie die Nordkapp das schwere Wetter überstanden hat.

Da letztes Mal gefragt wurde, hier schon einmal die Reisedaten:

  • Tag 1 – 11.2.2015: Bergen (Ablegen gegen 22:30)
  • Tag 2 – 12.2.2015: Ålesund
  • Tag 3 – 13.2.2015: Königsstadt Trondheim (am Freitag, ideal zum Shoppen – als ob ich die Buchhandlungen noch nicht durch hätte)
  • Tag 4 – 14.2.2015: Polarkreis und Lofoten (vielleicht komme ich diesmal zum Wikingerfest)
  • Tag 5 – 15.2.2015: Tromsø (Sonntags…)
  • Tag 6 – 16.2.2015: Honningvåg und Nordkapp
  • Tag 7 – 17.2.2015: Kirkenes, der Wendepunkt
  • Tag 8 – 18.2.2015: Hammerfest (mal wieder im Isbjørnklubben vorbeischauen) und Tromsø zur Mitternacht
  • Tag 9 – 19.2.2015: Vesterålen und Lofoten (Mit Hurtigrutenmuseum)
  • Tag 10 – 20.2.2015: Polarkreis (schon wieder)
  • Tag 11 – 21.2.2015: Trondheim (bevor die Läden aufmachen) und Kristiansund
  • Tag 12 – 22.2.2015: Back to Bergen – das Ende der Reise

Und da ich ja nicht nur zu meinem Vergnügen hinfahre (auch wenn es immer wieder Spaß macht), darf ich mich noch ein wenig auf Bergen vorbereiten – ich darf nicht nur die Dinge über den Wolken erklären, sondern auch auf der Fahrt durch Bergen etwas über die Stadt erzählen. Kein Problem, ich bin ja nicht das erste mal da.

Polarlichtvideo – GRP107 im Zeitraffer

So langsam bin ich mit meinem Reiserückblick für die Nordlicht-und-Sterne-Tour GRP107 vom Januar fertig. Pünktlich dazu hat mir Arthus ein schönes Bild der Nordkapp in Honningsvåg geschickt, das ich niemandem vorenthalten will:

MS Nordkapp in Honningsvåg

MS Nordkapp in Honningsvåg

Ich geb’s zu: Ist doch hübscher als die Shell-Tankstelle.

Ich hab’s jetzt auch geschafft, meine ganzen Polarlichtbilder zu einem Film zu verarbeiten. Er steht wie immer bei Vimeo:

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Nordlicht über der MS Nordkapp – Nordlicht und Sterne GRP107 im Januar 2015 from Alex Kerste on Vimeo.

Viel Spaß beim Anschauen!

Den ganzen Reisebericht gibt es in der Kategorie-Ansicht in der chronologisch richtigen Reihenfolge.

Tag 12 & 13 – Bergen und der Rückflug

Es ist eine seltsame Stimmung an Bord, während wir uns langsam nach Süden vorarbeiten: Bereits um 10 Uhr mussten die Kabinen geräumt werden, damit die Crew eine Chance hat, das Schiff für die nächste Reise fertig zu machen. Immerhin kommen wir erst gegen 14:30 in Bergen an, und rund zwei Stunden später dürften schon die nächsten Gäste an Bord kommen und sich auf das Bergen-Buffet freuen. Das große Gepäck wird im Laderaum verstaut und in Bergen dann über ein Gepäckband ausgegeben, bis dahin ist es außer Reichweite. Dummerweise habe ich meinen Kaffeebecher da ebenfalls mitverpackt… Nur das Handgepäck behält man, aber ich denke, nächstes Mal gebe ich das auch mit ab. Ständig darauf aufzupassen macht auch keinen Spaß.

Allerdings muss ich sagen, dass der Kontrast vom Schiff zu Flughäfen und der Bahn größer nicht sein könnte.

Auf dem Flugplatz: Never leave your baggage unattanded, or it will be SHOT because of terrorism. Oder vielleicht wegen der Diebstahlgefahr.

Auf der Nordkapp: Stell’s einfach irgendwo hin, wird schon keiner klauen.

Das Schiff ist mir da sympathischer… Trotzdem habe ich den letzten Teil der Reise im Computereck Reiseleitereck verbracht, um die nächste Reise zu planen, und es war ganz praktisch, den Laptop gelegentlich in Reichweite zu haben. Für den gelegentlichen Blick und Gang nach draußen war trotzdem genug Motivation da, schließlich wurde das Wetter immer besser.

Je näher es zum regenreichen Bergen ging, desto schöner wurde es, und letztlich hieß es dann, Abschied nehmen: In Bergen endete die Reise, und für alle, denen ich am Ausgang nicht mehr begegnet war: Macht’s gut, es war eine schöne Tour! Mir hat’s Spaß gemacht.

Im Bus zum Flughafen war nur etwa ein Drittel der Gruppe, der Rest durfte noch einen Tag in Bergen bleiben, da es keinen passenden Rückflug mehr gab. Für Felicitas und mich ging die Reise ebenfalls zum Flughafen, aber erstmal ins Hotel: Auch für uns gab es erst am nächsten Morgen einen Rückflug nach Stuttgart, und zumindest mir war ein Hotel am Flughafen sympathischer: So liegt das Frühstück näher an meinem Tagesrhythmus. Das Clarion Hotel am Bergen Lufthavn kann ich sehr empfehlen, auch wenn ich in den Matratzen fast versunken wäre. So kuschlig…

Immer wieder süß: Der Regionaljet 900, der uns gen Süden bringen würde.

Immer wieder süß: Der Canadair Regionaljet 900, der uns gen Süden bringen würde.

Über die Rückreise gibt’s nicht viel zu erzählen: Vom sonnigen Bergen gings ins verschneite Württemberg, das Auto beim FlyAway-Service abgeholt (perfekter Service: Raus dem Zollbereich und der Gepäckausgabe vom Flughafen, den im Preis inbegriffenen Shuttleservice angerufen, die Treppe hoch und bis zum Auto gefahren worden. Und dann in das süddeutsche Schneechaos gestürzt, um irgendwann gegen Abend nach Hause zum kommen.

Der Plan für die Woche: Das Blog fertigschreiben (mittlerweile erledigt, da der Hackerangriff geendet hat), Bilder sortieren und die Seite für die Kursteilnehmer fertigstellen, und dann die ganzen Polarlichtbilder zu einem Zeitraffer-Film verrechnen. Und zwischendrin etwas Geld verdienen. Die Deadline: 11. Februar, wenn ich wieder auf der Nordkapp bin. Volles Programm, aber es könnte klappen.

Achja: Der Nordlichtfilm ist dann öffentlich, den wird es hier und auf Vimeo geben.

Tag 11 – Trondheim und südwärts

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Jetzt kommt der Teil der Reise, der mir auch neu ist: Letzten Februar endete die Reise ja schon in Trondheim. Da das Feuerwerk gestern noch mindestens bis 1 Uhr ging (zumindest hatte ich dann die Kamera abgebaut), verzichtete ich auf einen erneuten Gang durch Trondheim, obwohl wir zwischen 6:30 und 10 Uhr eigentlich ausreichend Zeit hätten. Diejenigen, die sich den Stadtbummel nicht nehmen ließen, stellten fest, dass die Geschäfte erst so gegen zehn Uhr aufmachen. Immerhin war so jeder rechtzeitig zum Gruppenfoto wieder an Bord, das wir mit Trondheim im Rücken auf Deck 7 aufnahmen. Ein Gruppenfoto gehört zu jeder Reise, und gegen den bedeckten Himmel kann man später ja immer noch etwas unternehmen:-)

Ich muss zugeben, dass ich von der Landschaft nicht zu viel mitgekriegt habe. Die letzte Reise war entspannender – stärkeres Polarlicht, aber dafür deutlich weniger. Dafür nutzte ich den Tag, um meinen Koffeinhaushalt wieder auf ein Arbeitsniveau zu bringen und mich in die Bildbearbeitung mit Pixelmator einzuarbeiten – Photoshop fehlt noch auf dem Reiselaptop, und das Gruppenbild musste noch etwas aufgehübscht werden. Aber das Ergebnis gibt’s nur für die Teilnehmer der Reise.

Am Ende dieses Relax-Tages mit ständig wechselndem Wetter stand Kristiansund, gefolgt von einem kleinen Abschiedstrunk in der Bar: Ein kurzer Rückblick auf die Reise, zu dem ich wenig beizutragen hatte – langsam versagte die Stimme, und große Reden waren von meiner Seite nicht mehr drin. Aber dafür hab ich ja die Webseite.

Beim Tagesausklang in der Bar gab es dann zwei große Fragen: “Gibt’s heute Abend nochmal Polarlicht?” und “Kannst du es für eine Stunde abstellen, damit wir packen können?” Den Gefallen konnte ich den Gästen tun, ohne Polarlicht konnte tatsächlich in Ruhe gepackt werden – schließlich müssen die Kabinen am nächsten Tag bereits um zehn Uhr geräumt sein. Das Ende der Reise ist nah…

Tag 10 – die längste Sage

Nachdem es in der letzten Nacht früh zu Bett ging (also schon kurz nach Mitternacht), hatte ich mich eigentlich auf Ausschlafen gefreut. Bis um viertel nach sechs mein Kabinenfenster per Hochdruckreiniger gereinigt wurde.

Gegen acht Uhr weckte mich dann die Durchsage, dass wir gleich der MS Trollfjord begegnen.

Und gegen neun Uhr kam dann die Durchsage, dass wir jetzt wieder den Polarkreis südgehend passieren, wegen des Wetters die Insel auf der linken Seite sehen würden, und es anschließend eine kleine Arktische Zeremonie gäbe.

Südgehend am Polarkreis-Monument vorbei.

Südgehend am Polarkreis-Monument vorbei.

Irgendwann gebe sogar ich das kuschlige Bett auf, und mittlerweile lag die Nordkapp auch nicht mehr so schief im Wasser wie noch gegen acht, also war letztlich doch Aufstehen angesagt. Und der Griff zur Kamera, weil ich die Insel mit der Polarkreiskugel vom Fenster aus sehen konnte. Soll doch keiner sagen, ich hätte den Polarkreis verschlafen:-)

Für mich beginnt nun der gemütliche Teil der Reise: Alle Vorträge sind gehalten, und je weiter nach Süden es geht, desto geringer sind auch die Aussichten auf Polarlicht. Parallel dazu darf ich meine Ernährung auf Ricola und Kaffee umstellen: Die trockene Luft der Klimaanlage fordert ihren Tribut in Form eines rauen Halses. Den Tipp, immer ein nasses Handtuch als Luftbefeuchter an den Türgriff zu hängen, habe ich in den ersten Nächten leider vergessen, und vielleicht sollte ich die Klimaanlage wärmer einstellen. Aber was soll’s.

Die sieben Schwestern sind heute etwas schüchtern.

Die sieben Schwestern sind heute etwas schüchtern.

Das Wetter ist mittlerweile nicht mehr so schön wie am Anfang unserer Reise, sondern eher trüb und wolkig. Die sieben Schwestern zeigten sich auch eher scheu. Der Sage nach sind sie die Töchter des Königs Sulitjelmakongen, dessen Reich auf der Höhe von Svolvaer lag, jedoch auf der anderen Seite des Vestfjords. In Svolvaer herrschte zu dieser Zeit König Vågekallen. Sein Sohn Hestmannen bemerkte eines Tages die Aufpasserin der sieben Schwestern, die schöne Jungfrau Lekemøya. Er schwang sich auf sein Pferd, woraufhin Lekemøya und die sieben Schwestern die Flucht ergriffen. Die Schwestern gaben die Flucht auf, dorch Hestmannen war nur an Lekemøya interessiert und ließ sie links liegen. Als die Jungfrau ihm zu entkommen drohte, schoss er ihr einen Pfeil hinterher. Der König der Sømnaberge bemerkte das und warf seinen Hut, um den Pfeil abzufangen – noch heute liegt der durchschossene Hut als Torghatten, der Berg mit Loch, vor Brønnøysund. An Lekemøya erinnert heute die Insel Leke, auf der sie Schutz suchte.

Ansonsten war es ein angenehm ruhiger Tag, der mit Gesprächen und der Landschaft gut ausgefüllt war. In Brønnøysund war es schon zu dunkel für schöne Bilder des Torghatten, und das Captain’s Dinner am Abend war wie immer eine lockere Veranstaltung.

MS Nordkapp trifft MS Kong Harald in Rørvik

MS Nordkapp trifft MS Kong Harald in Rørvik

In Rørvik konnten wir dann noch der Kong Harald beim Anlegen zusehen. Das Schiff hatte einen schlechten Start in das Jahr: Wegen einem Generatorschaden mussten die Passagiere im Januar auf die Midnatsol umsteigen (auf der ja Volker mit seiner Nordlicht-und-Sterne-Gruppe war), und am 2. Februar – also kurz nach unserer Reise – wurde sie bei Berlevåg von einem schweren Brecher beschädigt, der zwei Fenster eingedrückt hatte. Am 29.1. in Rørvik sah sie aber noch gut aus.

Da sowohl der Wetterbericht als die Polarlichtvorhersage schlecht aussahen, wurde dieser Abend für Gespräche genutzt, ganz gemütlich. Im Fernsehen (ja, das hat auch auf der Nordkapp Einzug gehalten) liefen Berichte über einen Sturm, der in halb Norwegen für Stromausfall gesorgt hatte, während wir weiterhin eine ruhige Fahrt hatten. Kurz nach Mitternacht hatten sich dann die letzten Gäste ins Bett verabschiedet, und ich ging noch für einen letzten Kontrollblick an Deck. In der Bar war niemand mehr, und draußen am Heck auch niemand. Ein Blick nach oben:

Åååååå!

Ein großer Fetzen grünen Lichts hing über dem Heck; das Nordlicht lieferte noch einmal eine großartige Show. Also einmal durch’s Schiff zur Rezeption rennen, um eine Durchsage machen zu lassen, zur Kabine, die Kamera hoelen, und die Show genießen. Noch eine Stunde lang gab es ein Abschiedsfeuerwerk, dass ich in diesen Breiten nicht erwartet hätte. Mittlerweile gab es auch wieder Wolken, aber das Nordlicht tanzte lange genau zwischen den Wolkenlücken. Ich durfte mir nur eine Kritik von den Gästen anhören: Nächstes mal bitte zehn Minuten früher Bescheid sagen, bevor alle im Bett sind.

Ich probier’s:-)

Tag 9 – Vesterålen, Hurtigrutenmuseum & Generalstreik

Ab jetzt schreibe dieses Reiseblog wieder im Rückblick. Daran sind nicht nur die kurzen, polarlichtreichen Nächte schuld, der norwegische Generalstreik oder das Schiffs-WLAN, sondern auch ein Hacker-Angriff auf meine Webseite. Irgendjemand hat meinen Server tagelang mit Login-Versuchen bombardiert, bis zu viermal pro Sekunde. Zum Glück haben die Sicherheitseinstellungen meines Servers gehalten, aber das hat auch dafür gesorgt, dass ich mich selber auch nicht mehr in mein Blog einloggen konnte (außer über’s Handy). Jetzt läuft alles wieder, und ich bin für ein paar Tage in Deutschland und versuche, Zeit dafür zu finden. Also, weiter geht’s.

Morgens um 10, nordwestlich von Harstad: Ein schöner Morgen!

Morgens um 10, nordwestlich von Harstad: Ein schöner Morgen!

Ich muss zugeben, dass ich wegen der langen Nächte ein wenig aus dem Rhythmus gekommen bin und heute einfach mal das Frühstück ausfallen ließ. Ebenso verpasst habe ich die Vesterålenrundfahrt, aber die hatte ich eh nicht gebucht. War zwar schön, und eigentlich wollte ich im Museum an der Kirche von Trondenes noch einkaufen, aber für diesmal war ohnehin die Fahrt mit dem Schiff durch die Inselwelt der Vesterålen geplant: Auch sehr schön, die Gegend einmal vom Wasser aus zu sehen.

In der Risøyrenna

In der Risøyrenna

Groß angekündigt wurde im Taagesprogramm die Fahrt durch die Risøyrenna. Die Fahrrinne ist nur 7m tief, von der Wasseroberfläche aus wirkt das aber gar nicht so bedrohlich… eine schöne Strecke, die unter einer großen Brücke hindurch nach Risøyhamn führt, wo die Teilnehmer der Walsafari ausstiegen. Der Ausflug ist neu, aber nachdem wir vor ein paar Tagen schon vom Schiff aus Orcas gesichtet hatten, dürfte es interessant werden. (Einige Unternehmen geben sogar eine Erfolgsgarantie: Wer keine Wale sieht, darf am nächsten Tag nochmal. Das Angebot dürften nur wenige Hurtigrutenfahrer wahrnehmen). Das Wetter ist jedenfalls wunderbar – kaum zu glauben, dass auf der Midnatsol neulich Sturmwarnung war.

In Risøyhamn verschwand jede Menge Pflanzenerde im Schiff. Es ist immer wieder interessant zu sehen, was so alles transportiert wird, und in welchen Mengen. Der 200-Einwohner-Ort ist wohl eine Sackgasse: Nach dem Ablegen fährt unser Schiff rückwärts unter der Brücke hindurch und wendet erst später…

Winkekonkurransje bei Sortland? Heute nicht.

Winkekonkurranse bei Sortland? Heute nicht.

Sortland als Mittelpunkt der Vesterålen war letztes Mal sowohl für die Busreisenden der Rundfahrt als auch für die auf dem Schiff zurückgebliebenen ein Höhepunkt: Da der Bus genau dann über die Brücke fährt, wenn das Schiff darunter ist, wurden letztes Mal alle Passagiere zum Winken nach vorne geschickt. Entweder waren diesmal zu wenige auf der Nordkapp, oder unser Tourguide war unmotivierter, jedenfalls bemerkte ich die Brücke erst, als ich im Speisesaal mein Frühstück am Mittagsbuffet nachholte. Die Handykamera erwischte den Bus nur gerade so durch die Scheiben. Vielleicht wird’s nächstes Mal wieder besser, wenn mehr Passagiere an Bord sind.

A propos leeres Schiff: An dieser Stelle einen ganz herzlichen Gruß an unsere holländischen Mitfahrer: Hat Spaß gemacht mit euch! War wirklich eine sehr angenehme Reise!

Ein ernsteres Thema ist übrigens der Generalstreik, den es am 28.1.2015 zwischen 14 und 16 Uhr in ganz Norwegen gab und an dem auch die Besatzung der Nordkapp teilnahm. Der Grund: Die Regierung will mehr Zeitarbeit statt fester Verträge ermöglichen, die Regelungen zur Sonntagsarbeit lockern und generell die Arbeitszeiten verändern. 60-70% der Norweger sind dagegen, ich wünsche ihnen viel Erfolg.

Informationen zum Grund des Streiks gab es an Bord kaum, dank Hurtigforum war ich eine der Informationsquellen für unsere Besatzung. Etwas deprimierend fand ich den Gast, der mir ein paar Tage vorher noch lang und breit eine ideale und gerechte Gesellschaftsform erklärt hatte und bei der Ankündigung des Generalstreiks nur daran dachte, ob er eine Minderung des Reisepreises für sich herausschinden könne, falls der Besuch der Hurtigrutenmuseums in Stokmarknes ausfiele. Anstatt sich zu freuen, dass es noch Leute gibt, die für ihre Rechte eintreten, statt nur von Utopien zu träumen…

Das Hurtigrutenmuseum.

Das Hurtigrutenmuseum.

Außer einem verfrühten Mittagessen und einer bis 16 Uhr verlängerten Liegezeit in Stokmarknes war an Bord von dem Streik jedoch nichts zu spüren. So konnten wir fast zwei Stunden im Museum verbringen (das nicht am Generalstreik teilnahm) und hatten genug Zeit, um sowohl die aufgedockte Finnmarken als auch das Museum und den Shop in Ruhe zu erkunden.

Und unser Weltverbesserer? Von meinem Vorschlag, Hurtigruten mehr zu zahlen, da er ja auch länger im Museum sein konnte, wollte er nichts wissen. Stattdessen wurde darüber gemeckert, dass man den Maschinenraum der Finnmarken nicht besichtigen konnte. Manchen kann man es echt nicht recht machen.

Pünktlich um 16 Uhr nach Ende des Streiks ging die Reise dann weiter, und wer wollte, konnte auf dem Sonnendeck zusehen, wie Fisch fachmännisch filetiert wird. Außerdem: Norwegisches Sushi – die Chance, frischen Fisch zu probieren. Genau: Der erste Ausblick auf das Abendessen:-)

In Svolvaer kolliderte die Essenszeit etwas mit der Liegezeit, aber es blieb doch genug Zeit, um die Magic-Ice-Gallerie zu besichtigen oder kurz in die Stadt zu gehen. Ob die vereisten Gehwege auf den Generalstreik oder das gelassenere Verhältnis der Norweger zum zum Winter zurückgehen, darf jeder selbst entscheiden.

Svolvaer-Panorama

Svolvaer-Panorama

Nach Svolvaer war zwar ein Hauch von Grün am Himmel zu sehen, aber die “Hauptstadt des Lichts” versteckte sich hinter Wolken – doch einmal eine ruhige Nacht und die Chance, etwas Schlaf nachzuholen:-)