Polarlichtgarantie bei Hurtigruten?

Am Samstag ist die eine der beiden größten Astro-Messen, die AME in Villingen-Schwenningen, und was mach ich? Hurtigruten planen. Auf die AME geh ich sowieso, da braucht’s keine Planung.

So wie es aussieht, bin ich Anfang nächstes Jahr gleich auf zwei Touren dabei, wobei noch nicht ganz sicher ist, auf welchen. Aber ich bin sehr optimistisch. Hurtigruten selbst auch: Ein paar Touren sind schon ausgebucht, und jetzt geben die anscheinend auch noch Polarlichtgarantie. Hat zumindest @MulteMusic getwittert

Demnach gilt wohl, dass jeder, der eine 11-Tages-Tour bis zum 30.11. 2014 bucht und auf der Tour keine Polarlichter gesehen werden, anscheinend nochmal darf. Eine Quelle ist unter anderem Bergens Tidende.

Trotzdem kann man nur hoffen, dass es auf der ersten Fahrt klappt – bevor nur ein Schimmer hinter Wolkenlücken zu sehen ist oder die Fahrt so läuft:

Kleiner Trost für mich: Wenn auf dem nächsten Trip irgendwer wieder bei mir die Polarkreistaufe wiederholen will, weil es keine Polarlichter gibt, dem kann ich was entgegenhalten (falls rechtzeitig gebucht wurde). Aber mit etwas Glück hab ich auf beiden Schiffen einen beheizten Whirlpool, da kann dann ruhig Eis reingekippt werden, wenn ich drin lieg…

Ob die Garantie real ist, bitte beim Reiseveranstalter nachfragen, nicht bei mir. Garantien geb ich keine – evtl gilt das Angebot nur bei Buchung über Großbritannien.

Ach ja, weil’s so schön ist:

Ein Polarlicht von der letzten Reise.

Ein Polarlicht von der letzten Reise.

Ja, Winter is coming

Nordlicht und Hurtigruten 2014/2015

Mittlerweile stehen meine Termine für diesen Winter in Norwegen, die Flüge sind gebucht, wieder umgebucht und schließlich bestätigt, die Hotels ebenfalls, und ich werde insgesamt immerhin einen Monat in Norwegen sein. Wenn das mal keine Heizkosten spart…

Die MS Nordkapp

Die MS Nordkapp

Hurtigruten darf ich dieses Jahr gleich zweimal machen: Eigentlich sollte ich die GRP100 vom 18.-29. Januar 2015 auf der Midnatsol begleiten, aber dann wurde kurzfristig umdisponiert, und ich starte zwei Tage später mit der Nordkapp: Vom 20. bis zum 31. Januar hoffe ich dann auf klaren Himmel und ruhige See. Das Schiff kenne ich ja, die Tour im letzten Februar war ja ebenfalls mit diesem Schiff. Das ganze ist die GRP107, es sind übrigens noch Plätze auf dieser Nordlicht und Sterne-Reise frei. Die Fahrt geht fast in die Polarnacht, das wird bestimmt spannend.

Dann schaue ich mal kurz in BaWü vorbei, bevor es vom 11. bis zum 22. Februar heißt: GRP101, die selbe Tour nochmal – dann wieder mit Volker und wieder auf der MS Nordkapp, wie letzten Februar. Selbes Schiff, andere Kabine und anderer TourGuide (Marco ist ja jetzt auf der Midnatsol). Die Februar-Tour ist bereits ausgebucht, wer mich live erleben will, muss also entweder im Januar mitfahren oder noch etwas warten.

Der Foto-Setup für Timelapse-Aufnahmen.

Der Foto-Setup für Timelapse-Aufnahmen.

Bleiben wir mal regional: Am 2. Januar 2015 werde ich voraussichtlich meinen Hurtigruten-Vortrag im Keplersaal des Planetarium Stuttgart halten. Organisieren wird das die Schwäbische Sternwarte. Das ist noch ein bisschen unter Vorbehalt; wenn ganz Württemberg unter Neujahrsglatteis liegt, werde ich eher nicht nach Stuttgart rutschen… Der Vortrag ist vor allem ein Rückblick auf die letzte Hurtigruten-Tour, aber:

Vom 23.-27. November (also demnächst) bin ich für ein paar Tage in Tromsø, Polarlichter jagen. Heute Abend habe ich schon einmal das Equipment getestet (es gibt Fotoläden in Tromsø, aber wer will sich das schon leisten): Den StarAdventurer mal im TimeLapse-Modus getestet, Batterien getestet, Schutzgläser für die Objektive besorgt und ein Auto samt Fahrer fürs Polarlichtjagen organisiert (das war’s dann mit meinem Reisebudget). Die letzten Teile habe ich letzte Teile mal wieder bei Fernrohrland/Photo Universal besorgt. Jetzt muss ich nur noch ein paar Optiken putzen, Batterien kaufen und auf gutes Wetter hoffen.

Winter is coming – ich freu mich drauf!

Reisevorbereitungen

Ach ja – ich könnte jetzt schon im Flieger sitzen, wenn ich die GRP100 der Nordlicht und Sterne Tour von Astronomie.de und Hurtigruten nicht mit der GRP107 getauscht hätte. So sitzen jetzt Volker und Marcus (hoffentlich) im Flieger nach Norwegen und stechen heute Abend mit der MS Midnatsol in See. Macht aber nichts, ich fliege dann am Dienstag ab Stuttgart und mache es mir wieder auf der MS Nordkapp bequem. Bei Havøysund können wir uns dann zuwinken, irgendwann später kommt dann sogar die Sonne halb über den Horizont – abklingende Polarnacht ist was feines.

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen sind da und gepackt ist fast alles. Der Handy-Tarif ist jetzt auch auf Norwegen umgestellt, sodass ich zumindest den Twitter-Feed öfter füttern kann, ohne mir um Roaming Gedanken zu machen – mal sehen, ob die Live-Berichterstattung jetzt besser klappt als auf der letzten Reise. Die Wettervorhersage ist auch nicht schlecht (nach den ganzen Stürmen zum Jahresbeginn), jetzt muss nur noch die Sonne mitspielen und sich etwas Mühe geben. Bis zum nächsten Minimum ist eigentlich noch Zeit…

Mit etwas über 40 Teilnehmern ist die Gruppe recht überschaubar, aber es ist ja auch „nur“ der Ausweichtermin, weil die Midnatsol voll ist. Könnte gut werden. Ach was: Wird gut werden!

Gegenüber der letzten Reise haben sich ein paar Sachen geändert:

  • Es gibt jetzt keine Übernachtung vor der Reise in Bergen mehr. Das ist einerseits gut, da Peppes Pizza so meine Reisekasse nicht plündert, andererseits sollte das Gepäck diesmal gefälligst auch mit mir im selben Flieger sein. Am Donnerstag hat die Security in Stuttgart gestreikt, hoffentlich arbeiten sie dann am Dienstag. Oder winken mich einfach so durch, unsicherer fühle ich mich dann auch nicht.
  • Die Reise endet in Bergen statt schon in Trondheim. Mal sehen – Trondheim hatte einen netten Flughafen, Bergen ist wohl immer noch Baustelle. Dafür gibt’s einen Tag mehr auf dem Schiff.
  • Das Boblebad auf der Nordkapp ist anscheinend stillgelegt:-(
  • Ich bleibe im Anschluss an die Reise noch eine Nacht in Bergen, weil kein Rückflug mehr frei war…

Von mir aus kann’s losgehen:-)

Endlich wieder auf der Hurtigrute

Es ist wieder soweit: Tag 1 meiner ersten Hurtigrutentour ist Realität! Vielleicht klappt’s diesmal mit dem Live-Bloggen; Twitter wird zumindest mal öfter gepflegt – ein neuer Handyvertrag macht’s möglich.

Flugzeugenteisung auf dem Stuttgarter Flughafen

Flugzeugenteisung auf dem Stuttgarter Flughafen

Und wie sich das gehört, hat es mit Chaos begonnen: Der Schneeregen im Ländle war wohl für manchen Autofahrer zuviel, und die Fahrt zum Stuttgarter Flughafen hat statt einer Stunde satte eindreiviertel Stunden gedauert – Unfall im Engelbergtunnel. Zum Glück war ein eine halbe Stunde früher als geplant losgefahren und habe nur sechs der zwanzig Kilometer Stau mitgemacht. Der obligatorische Streik der Security war auch schon letzten Donnerstag, sodass ich pünktlich im Flieger nach Kopenhagen saß – samt meiner Ko-Lektorin Felicitas Mokler, und einer Handvoll Passagiere. Der Flieger war diesmal ein Regionaljet 900 und fällt in die Kategorie lächerliche Keksdose, zumindest im Vergleich mit den Airbus‘, die ich so gewöhnt bin: Aufrecht stehen ist nicht. Da Stuttgart sich von seiner besten Seite zeigt (Nebel Schneeregen und Sichtweite Null), habe ich auch endlich mal eine Flugzeugenteisung miterlebt. Die grüne Soße hat gewirkt, sodass wir problemlos nach Kopenhagen fliegen und dort in einen Airbus umsteigen konnten (Kopffreiheit! Handgepäckfach!). Die gute Nachricht: Nicht nur die meisten unserer Gäste waren an Bord, sondern – richtig ungewohnt – sogar mein Gepäck! Das ist auch ganz gut so, da diesmal kein Aufenthalt in Bergen auf dem Programm stand, sondern es gleich auf die Nordkapp ging.

Nein, das war nicht unser Flieger...

Nein, das war nicht unser Flieger…

Am Flughafen Bergen erwartete uns Kai, unser Reiseleiter, und mit dem Bus ging es dann auf leichten Umwegen zum Schiff: Da kein Aufenthalt in Bergen mehr auf dem Programm steht, wird die Fahrt zu einer kleinen Stadtrundfahrt genutzt. Diesmal gab’s keinen Regen in Bergen, aber dafür war Nacht…

Und dann das Deja-vu: Endlich wieder Hurtigruten-Terminalen und MS Nordkapp. Man kommt sich fast wie zuhause vor, auch wenn es ein paar Änderungen gibt: Unser Reiseleiter vom letzten Mal ist auf die Midnatsol gewechselt (seine Nachfolgerin ist aber auch nett), die beiden Whirlpools sind weg (buhu), und das Schiff ist fast leer: Nur rund 150 Passagiere sind an Bord. Da ist es kein Problem, den Konferenzraum zu kriegen. Wird eine gemütliche Fahrt.

Auf der Midnatsol ist’s enger: Eigentlich hätte ich ja die Tour machen sollen, die zwei Tage früher gestartet ist, dafür haben Volker und Marcus jetzt volles Haus – die Kong Harald hat technische Probleme, und ihre Passagiere sind jetzt auf die Midnatsol gewechselt. Dafür haben die beiden schon am zweiten Tag Polarlichter gesehen: Der Himmel ist klar (Von wegen, über Baden lacht die Sonne – diesmal lacht sie über Bergen), und die Voraussichten sind gut. Die Stürme der letzten Wochen haben sich auch ausgetobt: Beste Voraussichten!

Adieu, BErgen: Ein letzter Blick auf's Hurtigruten-Terminalen.

Adieu, Bergen: Ein letzter Blick auf’s Hurtigruten-Terminalen.

Nach dem Bergen-Buffet, ersten Gesprächen mit den Mitreisenden und etwas Verzögerung (die Rettungsboote wurden wohl noch getestet) geht’s jetzt endlich los: Wir verlassen Bergen, und gegen ein Uhr kommt wohl etwas offenere See. Letztes Mal hat’s am nächsten Morgen schön geschaukelt, mal sehen was das Westkap morgen zu bieten hat.

Und viel interessanter: Mal sehen, was der Himmel in den nächsten Tagen zu bieten hat!

Nachtrag: Die Tourdaten

Noch als Ergänzung, weil gefragt wurde: Hier die Tourdaten:

  • Tag 1 – 20.1.2015: Anreise, Abfahrt Bergen
  • Tag 2 – 21.1.2015: Ålesund
  • Tag 3 – 22.1.2015: Königsstadt Trondheim
  • Tag 4 – 23.1.2015: Polarkreis und Lofoten
  • Tag 5 – 24.1.2015: Tromsø, Tor zur Arktis
  • Tag 6 – 25.1.2015: Honningsvåg und Nordkap
  • Tag 7 – 26.1.2015: Kirkenes, der Wendepunkt
  • Tag 8 – 27.1.2015: Hammerfest und Tromsø
  • Tag 9 – 28.1.2015: Vesterålen und Lofoten
  • Tag 10 – 29.1.2015: Polarkreis
  • Tag 11 – 30.1.2015: Trondheim und Kristiansund
  • Tag 12 – 31.1.2015: Bergen, das Ende der Reise

Wenn das Blog vollständig ist, lassen sich alle Beiträge auch chronologisch über die Kategorieauswahl abrufen; mit dem ältesten Beitrag zuerst.

Tag 2: Ålesund und erstes Polarlicht

Blick zurück auf's Westkap

Blick zurück auf’s Westkap

Bei bestem Wetter sind wir in die Reise gestartet, und sogar das Westkap war recht freundlich: Das erste Stück offenes Meer wird pünktlich zum Frühstück passiert, und dementsprechend sind alle etwas um das Frühstücksbuffet herumgetorkelt. Trotzdem planen die Norweger weiterhin, das Westkap zu untertunneln – bei richtigem Sturm geht es anders ab.

Um 11 Uhr war dann Meet&Greet angesagt: Reiseleiter Kai, Ko-Lektorin Felicitas und ich stellten uns der 42-köpfigen Gruppe vor, klärten organisatorische Details und gaben die Vortragstermine bekannt, anschließend stand auch schon das Mittagessen auf dem Programm – etwas früher, damit auch jeder die Stadtführung am nächsten Halt mitmachen konnte, ohne auf eine Mahlzeit verzichten zu müssen. Allerdings hatte schon der kleine Schoko-Nachtisch genug Kalorien für eine ganze Familie. Uff…

Die Rute führt vom Westkap aus über Torvik in die Jugendstilstadt Ålesund. Jetzt weiß ich endlich, wie der Aksla bei Sonnenschein aussieht, letztes Jahr bei Sturm war doch ein Erlebnis der anderen Art. Auch diesmal habe ich die Stadt auf eigene Faust erkundet, man war ja doch noch nicht überall. Und nach dem Mittagessen war Bewegung nötig. Hübsche Kirche.

Nach Ålesund ging es ruhig weiter. Unser Tourguide zeigte am Nachmittag den Hurtigrutenfilm über die Polarlichter, der mal wieder meinen halben Vortrag vorwegnahm (macht aber nichts, so merkt man es sich besser), und für den Abend war Sternbilder erklären angesagt. Es ist zwar noch einiges an Materie im Sonnensystem unterwegs, aber auf der Höhe Polarlichter? Wohl kaum.

Da das Schiff mit rund 150 Passagieren bei weitem nicht ausgelastet ist, gibt es nur eine Abendessensitzung um 19:00, im Anschluss hatte ich dann zu einer kurzen Sternführung auf dem Achterdeck eingeladen – der Käptn hatte die Beleuchtung ausgeschaltet, nur der Schornstein war noch erstrahlt, sodass die schwächeren Sterne fehlten. Aber das erleichtert immerhin die Orientierung, und Felicitas konnte den Komet Lovejoy im Fernglas präsentieren. Im Norden zog derweil Nebel auf.

Nebel?

Einen kurzen Sprint in die Kabine später hatte ich meine Kamera aufgebaut, und 30 Sekunden später war klar: Das ist grün. Ich konnte also jetzt schon das erste Polarlicht präsentieren, noch vor Kristiansund, auf 63° 6′ 26,53″ N und 7° 32′ 25,308″ O.

Ein Hauch von Polarlicht

Ein Hauch von Polarlicht

Zugegeben, dieses schmale graue Band war jetzt nicht gerade das, weshalb wir hier sind, aber der Pflichtteil war erledigt. Diesmal droht uns keiner eine zweite Polarkreistaufe / Icebucket-Challenge an, weil es keine Polarlichter gibt.

In Kristiansund (22:15-23:00) ging wegen Stadtbeleuchtung eh nichts. Die Kollegen auf der Midnatsol zwei Schiffe weiter nördlich hatten auch schon etwas gesehen, und nachdem das Schiff kurz vor Mitternacht fast ausgestorben war, ging ich noch ein letztes Mal nach draußen. Da tat sich doch was, ein sanfter, aber deutlicher Bogen über dem Nordhorizont. Also zurück in die Kabine, Kamera plus Stativ holen und ab an den Bug: Keine Chance, mir hätte es fast das Stativ über Bord geweht. Am seitlichen Umlauf ging es dann, und mittlerweile war auch etwas Farbe und Bewegung zu erkennen:

Das erste richtige Polarlicht

Das erste richtige Polarlicht. 5 Sekunden bei 3200 ISO und 13mm/f2,4

Damit war klar: Das muss bekannt gegeben werden. Die Rezeption war zum Glück noch besetzt und konnte eine Durchsage machen. Viele haben es gehört, und das Deck hat sich dann langsam gefüllt. Das Licht wandelte sich allmählich zum breiten Band und zeigte Strukturen. So geht Polarlicht, zumindest so weit im Süden. Eineinhalb Stunden später leerte sich das Deck wieder, da morgen von 6-12 Uhr Trondheim auf dem Programm steht, aber das Licht tanzte schwächer weiter.

Dancing slowly: Die Farben waren dezent, aber mit der Zeit waren Veränderungen zu sehen.

Dancing slowly: Die Farben waren dezent, aber mit der Zeit waren Veränderungen zu sehen. Irgendwo darunter ist die Midnatsol…

Und die Kollegen auf der Midnatsol? WOW. HAMMER. Die waren mit ihrem überfüllten Schiff (die Gäste der Kong Harald sind wegen Generatorschaden auf die Midnatsol umgesiedelt) näher dran und begeistert. Aber für den Einstieg können wir auch zufrieden sein (zumindest alle, die die Durchsage gehört haben).

2015_GRP_100-6-Midnatsol

Das Polarlicht über der Midnatsol, etwa Höhe Lofoten.

Und in unseren modernen Zeiten sieht man natürlich noch mehr: Daniel Fischer ist gerade mit einer Gruppe auf der Insel und war mitten drin statt nur dabei – festes Land hat natürlich den Vorteil, dass es nicht wackelt

Bei mir war dann als letzter gegen zwei Uhr Feierabend, und es blieb nur noch den Kamerakku wieder ans Ladegerät zu hängen und den Gang durch Trondheim zu streichen – um sechs Uhr aufstehen ist nicht mehr:-) Stattdessen werden morgen früh Bilder gesichtet und dieser Beitrag geschrieben.

Tag 3: Trondheim

Die Insel Munkholmen vor Trondheim

Die Insel Munkholmen vor Trondheim

Trondheim! Alte Hauptstadt! Der Nidaros-Dom! Wunderschön zu Fuß zu erkunden!

Ich hab’s verschlafen. Es war doch eine lange Nacht, und ich war ja schon mal da, und überhaupt gibt’s nur bis 10:00 Frühstück. Gegen halb zehn hatte ich es dann zum Frühstücksbuffet geschafft, gerade rechtzeitig. Da heute der erste Vortrag anstand, ging der Rest des Vormittags dann für Vorbereitungen drauf – ich bin ja nicht zum Spaß hier. Ein später Start in den Tag, aber für einen Blick auf die Insel Munkholmen hat es gelangt.

An Bord war dann auch für das Unterhaltungsprogramm gesorgt: Beim Mittagessen (man kann an diesen Schiffen irgendwie echt nur am Essen sein – da ist Selbstdisziplin gefragt, sonst steht die Tour unter dem Motto 11 Tage, 11 Kilo) waren ein paar Orcas zu sehen. Whale Watching wird auf dieser Tour auch erstmals angeboten. Das Tourismus-Programm wird immer weiter ausgebaut… Trotzdem noch einmal der Hinweis, dass die Hurtigrutenschiffe immer noch in erster Linie Fähren sind, auch wenn einige Punktabzug geben, weil nicht jeder Deutsch spricht oder irgendwas weißes an der Reling ist (könnte Salz gewesen sein). Es sind halt Arbeitsschiffe, und das macht den speziellen Reiz der Hurtigruten-Touren aus. Hoffen wir, dass er noch lange erhalten bleibt.

Orcas vor dem Restaurant.

Orcas vor dem Restaurant.

Die Orcas waren kleiner als ich gedacht hätte, aber kamen sehr nah ans Schiff heran. Natürlich hatte ich da nur die Händykamera dabei, aber bei der weißen Wellenkrone war tatsächlich einer abgetaucht. Glaubt mir:-)

Zwischen 12 Uhr (Abfahrt Trondheim) und 20:45 (Ankunft Rørvik) verbringt man diesen Tag komplett auf See. Langweilig wird es aber keinesfalls: Neben Essen und überraschenden Walen sorgt die grandiose Landschaft für Abwechslung, und um 15:00 gab es meinen ersten Vortrag über atmosphärische Phänomene, Polarlichter und Fototipps. Das war die Gelegenheit, um noch einmal darauf hinzuweisen: Lernen sie Ihre Kamera kennen – und zwar vor der Reise! Auch kleine Kompaktknipsen können heute schon sehr gute Bilder machen, wenn die Software nicht Belichtungszeit, ISO und Blende automatisch begrenzt. (Hallo Nikon, Canon, Panasonic, Olympus und Co.: Was soll der Blödsinn?)

Die Richard With vor der Nordkapp.

Die Richard With vor der Nordkapp.

In Rørvik gab es dann nach dem Abendessen wieder die Gelegenheit, die Richard With zu besuchen. Mit der CruiseCard (oder irgendeinem anderen Dokument) kann man problemlos an Bord der Hurtigrutenschiffe gehen und sich umsehen, und danach geht jeder wieder mit der Gewissheit auf sein Schiff zurück, dass er das beste hat:-) Da die Fahrpläne fix sind, begegnet sich immer die selben Schiffe. Für mich war das die Chance, mal die Richard With zu fotografieren – ich weiß ja schon, dass die Nordkapp schöner ist:-)

Nach Rørvik ging es dass weiter Richtung Polarkreis, und es gab wieder Aurora-Alarm. Eine ruhige Show: Von etwa 21:30 bis 23:30 gab es wieder Gedränge am Bug, während das Licht als breiter Bogen im Norden stand. Es war ausgedehnter, aber gefühlt etwas weniger intensiv als in der vorhergegangenen Nacht.

Immer wieder schön und mit leichten Veränderungen, aber gegen Mitternacht gaben die meisten Zuschauer dann doch auf, und ich ging auch zum Akkus aufladen und Bilder sortieren in meine Kabine. Das war natürlich ein Fehler, wie ich am nächsten Morgen erfuhr: Nach Mitternacht ging es noch einmal los. Aber wer rechnet schon damit, dass sich das schwache Polarlicht noch einmal so viel Mühe gibt, dass es sich gegen den Hafen von Brønnøysund durchsetzen kann?

In Brønnøysund hatte ich noch einmal aus dem Fenster geschaut, den hellen Hafen gesehen und Feierabend gemacht – der Kameraakku war wieder voll und die Bilder zu einem hübschen Filmchen zusammengestellt (der aber erst online geht, wenn ich wieder in Deutschland bin und DSL zur Verfügung habe – das Schiffs-WLAN ist damit etwas überfordert, und mein Handytarif auch). Und kaum war ich am einschlafen, kam die Durchsage: Polarlichter steuerbord voraus. Die sollten sich besser Mühe geben… also schnell wieder fertig gemacht, da bei 0°, aber eisigem, starken Wind sogar ich ganz gerne eine Jacke anziehe. Langer Rede kurzer Sinn: Eine Stunde später hatte ich nochmal 200 Bilder im Kasten, und ja, es hat sich gelohnt. Das Licht hat zwar wieder nur einen langsamen Tanz gezeigt, aber immer wieder mit einem Hauch von Grün. Auch die „Vorhänge“ waren immer wieder zu erkennen.

Aber sehen Sie selbst, während ich meine Ernährung langsam auf Koffein umstelle:

Und der erste Programmpunkt morgen früh? Die Polarlichtüberquerung morgens kurz nach sieben. Na dann gute Nacht.

Tag 4: Polarkreis und Bodø (und noch mehr Polarlichter)

Letztes Jahr war die Polarkreisüberquerung ja ein ziemliches Highlight: Gefühlt waren alle 300 Passagiere an Deck, der Tourguide hatte gut Spannung aufgebaut, und gegen 7:12 morgens passierten wir mit lautem Gehupe die Insel mit dem beleuchteten Globus, und in wenigen Sekunden entstanden hunderte unterbelichtete und verwackelte Bilder der Insel.

Irgendwo da ist die Polarkreiskugel. und die paar wackeren Passagiere, die schon auf waren.

Irgendwo da ist die Polarkreiskugel. und die paar wackeren Passagiere, die schon auf waren.

Dieses Mal forderte das Polarlicht seinen Tribut, und nur eine Handvoll Gäste waren auf Deck 7 versammelt, sodass die Crew kaum Sekt verkaufen konnte. Der Globus lag im Dunkel und wurde nur sporadisch vom Suchscheinwerfer gestreift. Immerhin der Schiffstyphon war wie gewohnt, und um 7:20 passierten wir die Insel. Anschließend: Frühstück. Gähn.

Aber wieder ins Bett gehen lohnte sich auch nicht mehr, stattdessen suchte ich den Panoramasalon auf – während der letzten Reise gab es da keine Plätze am Fenster, diesmal hatte ich eine Chance und konnte mich gleichermaßen den EMails wie auch der Landschaft widmen. Derweil tuckerte die Nordkapp weiter Richtung Ørnes, einem der schöneren Häfen in einer grandiosen Landschaft.

Ørnes. Der Berg im Hintergrund erinnert mich an einen liegenden Trollkopf. Ist der seit der letzten Vesterålenreise hierher gewandert?

Ørnes. Der Berg im Hintergrund erinnert mich an einen liegenden Trollkopf. Ist der etwa seit meiner letzten Vesterålenreise hierher gewandert?

Der Platz am Bug war zugig, aber die Aussicht lohnt sich immer wieder. Während der kurzen Liegezeit im Hafen widersetzten sich einige Passagiere der Kälte, und wir konnten einige Bilder der letzten Nacht vergleichen. Es ist sehr angenehm, dass dieses Mal schon so weit im Süden und vor meinem ersten Vortrag geübt werden konnte: So hatte jeder ausreichend Zeit, sich doch mit seiner Kamera zu beschäftigen, und auch manche kleine Kompaktknipse konnte das Grün am Himmel festhalten. Mittlerweile kennt man auch einige Reiseteilnehmer und ist per Du, es wird langsam familiär. Und es ist sogar etwas von meinem Vortrag hängen geblieben: Gegenüber der Sonne, die gerade am Horizont kratzte, konnten wir den Erdschatten samt Venusgürtel erspähen. Die Idylle rundeten ein paar Seeadler auf einer kleinen Insel ab.

Kunst auf der Nordkapp

Kunst auf der Nordkapp

Von Ørnes aus geht die Reise weiter nach Bodø. Letztes Mal war ich mit Vortragsvorbereitungen beschäftigt und hatte von der Stadt nichts mitgekriegt, diesmal hatte ich etwas Zeit dafür. Bis dahin war aber noch volles Programm: Unser Reiseleiter Kai gab eine Kunstführung durch das Schiff. Wie alle Hurtigrutenschiffe ist auch die Nordkapp ein Gesamtkunstwerk, und die Bilder haben sogar eine Bedeutung. Und nach dem unterhaltsamen kleinen Rundgang weiß man sogar, was dahinter steckt: Welche Sagen hier verewigt wurden, und dass manche Szene den Fischfang und -transport vor gerade einmal 100 oder 150 Jahren zeigt. Die Bilder sind nicht nur Deko, und auch der Künstler hat sich wohl in dem Tryptichon verewigt. Sehr nett.

King Neptune ließ sich aber nicht blicken – hatte der Herrscher des Meeres etwa auch wegen Polarlichtern verschlafen?

Wandschmuck in Bodø. Heilbronn hat das auch, aber da sind die Graffiti nicht so schön.

Wandschmuck in Bodø. Heilbronn hat das auch, aber da sind die Graffiti nicht so schön.

Für Bodø hatte ich nicht ganz so viel Zeit wie unsere Passagiere, da um 15:30 mein zweiter Vortrag anstand – diesmal über die Sonne, und kurz nach der Abfahrt. Allerdings erinnert mich Bodø auch an Heilbronn: Es wurde im Krieg weitestgehend zerstört und viel zu schnell wieder aufgebaut. Der Glockenturm ist noch das sehenswerteste Ziel, neben ein paar Wandmalereien. Meine Tour führte mich zum Getränkekauf ins REMA1000, und dann wieder zurück in den Vortragsraum auf dem Schiff. Das war gar nicht so einfach – weniger wegen der vereisten Straßen als vielmehr wegen des starken Gegenwinds.

Zum Vortrag waren dann auch alle Gäste wieder an Bord, und ich handelte die Sonne und das Leben der Sterne ab. Weiterer Programmpunkt: Die drehbare Sternkarte und ein Crashkurs in Orientierung am Himmel. Die wichtigsten Sternbilder hatten wir schon am ersten Abend live gezeigt, ebenso den Komet Lovejoy in Felicitas‘ Fernglas. Daher konnte ich mich hier kurz fassen. Problematisch war nur, dass nicht jeder die drehbare Sternkarte erhalten hatte. Zum Glück erhält man auch als Lektor gelegentlich ein Exemplar, das dann als Ersatz dient, aber der Hinweis sei gestattet: Wer die Themenreise bucht, sollte überprüfen, ob den Unterlagen auch wirklich eine Sternkarte beiliegt. Das gilt natürlich nur, wenn sie auch zum Umfang gehört – keine Ahnung, ob sie auch in Zukunft dazu gehört. Wer keine hat, kann den Sternenhimmel übrigens zum Beispiel mit seinem Smartphone und einer kostenlosen App wie Celestron SkyPortal erkunden.

Magischer Trolltrunk gefällig?

Magischer Trolltrunk gefällig?

Da die Wetter- und Weltraumwettervorhersagen so gut waren, verkniff ich mir dieses Jahr die Teilnahme am Lofotr Wikinger-Fest (obwohl ich eigentlich im Museumsshop noch einkaufen wollte). Eine weise Entscheidung: Wegen Niedrigwasser fuhr die Nordkapp nach dem Abendessen in Schleichfahrt Richtung Raftsund und Svolvaer. Mit rund einer Stunde Verspätung konnten wir dann in Svolvaer anlegen und die Ausflügler wieder an Bord nehmen. Wer wollte, konnte immer noch die Zeit nutzen, um die Magic Ice Galerie zu besichtigen.

Oder er nutze die Zeit zum Aufwärmen – es gab schon wieder Polarlicht, und gar nicht mal so schlecht. Über Svolvaer als „Hauptstadt des Lichts“ standen zwar schon die ersten Wolken, aber bis dahin gab es wieder einen schönen ruhigen Tanz, bei dem auch etwas Farbe zu sehen war – trotzdem war es nicht immer leicht, zwischen Wolken und Aurora zu unterscheiden.

Nach gut 200 Aufnahmen und 80 Minuten beendete ich die Aufnahmeserie, um im Hafen die Speicherkarte zu leeren und den Akku zu laden. Der Batteriegriff mit dem zweiten Original-Akku von Nikon war eine geniale Anschaffung. Erinnert sich noch jemand an meinen letzten Reisebericht, bei dem mein Ersatzakku den Geist aufgeben hatte? Den mir mein örtlicher Fachhändler als super-robust und ganz toll verkauft hatte? Dieser Hähnel Extreme Li-Ion? Und der nach der ersten Nacht den Geist aufgegeben hatte? Der Austauschakku ist genauso gut – extrem bedeutet wohl, dass er keine extremen Breitengrade mag. Scheißdrecksgelump, außerschwäbisches. Gut, dass ich noch die Originale dabei habe.

Aber wie es sich gehört, komme ich danach wieder an Deck und werde zuerst gefragt, ob ich auch im Hafen fotografiert hatte, es wäre gerade wieder ganz toll gewesen.

Toll. Ganz toll.

Natürlich hatte ich nicht fotografiert. Aber bei der anschließenden Fahrt durch den Raftsund wieder:-) Das Licht gab sich wieder Mühe, ich sah Farbe und manch anderer hielt sie auch im Bild fest. Von der Fahrt wird es kein Video geben, da das Licht seitlich von uns war und die Belichtungszeiten zu lang für die Landschaft, aber über den schneebedeckten Bergen war es ein beeindruckender Anblick. Wow.

Nur die Crew hatte ein Problem: Eigentlich gab es den magischen Trolltrunk und Fiskekake auf dem Sonnendeck, aber alle standen am Bug, Polarlichter gucken. Der Halt am Trollfjord fiel wegen unserer Verspätung aus, aber wenn er genauso gut angeleuchtet worden wäre wie die Kugel am Polarkreis, hätten wir ohnehin genauso viel gesehen wie bei der letzten Fahrt vorne am Bug.

Und sehr beruhigend: Ab Mitternacht ließ die Aktivität nach, und wir konnten beruhigt ins Bett gehen. Endlich schlafen… wobei der Raftsund auch bei Nacht sehr beeindruckend ist. Amazing!

Tag 6: Meeting Midnatsol

Nordkapp meets Midnatsol um 8:20 Uhr.

Nordkapp meets Midnatsol um 8:20 Uhr.

Die Midnatsol (in höherer Auflösung)

Die Midnatsol.

Eine kurze aktuelle Zwischenmeldung: Gerade eben haben wir die südgehende MS Midnatsol passiert, zusammen mit der anderen Nordlicht-und-Sterne-Gruppe. Die Vorhersage war gar nicht so einfach, da die letzte Positionsmeldung der Midnatsol auf Marinetraffic schon etwas länger her war und erst zum Treffen aktualisiert wurde. Was heban die Menschen nur früher ohne Internet gemacht?

Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich die Kollegen auch gesehen habe; auch dieses Mal gab es keine großartige Winkekonkurransje. Aber die Schiffe haben sich mit zusätzlicher Beleuchtung begrüßt, und es waren auf jeden Fall einige an Deck zu sehen, wie auch das ein oder andere Taschenlampenlicht. Und jetzt geht’s weiter an den Klippen und Kaps Richtung Nordkapp vorbei. Noch haben wir den Wendepunkt unserer Reise nicht erreicht. Zum Glück:-)

Die Midnatsol

Die Midnatsol

Tag 5 – Tromsø (ohne (erwähnenswertes) Polarlicht)

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Okay, zugegeben: Ich sage ja selbst auch immer wieder, dass die Hurtigrutenschiffe Fähren sind und keine Kreuzfahrtschiffe, obwohl natürlich schon einiges an Luxus da ist. Das Essen ist klasse und mehr als reichlich, die Kabinen haben alle Steckdosen, Dusche und WC (wobei ich mir bei der Lofoten nicht so sicher bin), und man kann es sehr gut darauf aushalten. Leider hatte ich es auf der letzten Fahrt nicht in den Whirlpool am windgeschützten Heck auf der Nordkapp zu steigen, aber von dort die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen muss klasse sein.

Und jetzt ist er weg. Wo einst die beiden Pools waren, ist jetzt neu geplättelt und leerer Raum. Nur die Duschkabine gibt’s noch, und Bademäntel im Shop. Hallo Hurtigruten, falls ihr das lest: Mein Gummientchen und ich hätten gerne den Whirlpool wieder. Das geht doch nicht, dass es den nur auf Midnatsol, Trollfjord und Finnmarken gibt:-(

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

Nun ja, widmen wir uns weniger ernsten Themen. Heute wurde die Polarkreistaufe nachgeholt. King Neptune war diesmal deutlich freundlicher als beim letzten Mal, hat niemanden angepöbelt und kam sogar freiwillig. Letztes Mal mussten wir ihn herbeirufen – dafür hatten damals auch mehr Leute die Polarkreistaufe mitgemacht. Diesmal kamen so Kommentare wie „zu kalt“, dabei war der Temperaturunterschied zwischen Eis und Luft viel kleiner als im Februar 2014…

Leider wird das Wetter immer schlechter, und Wolken ziehen auf. Bei Finnsnes war es heiter bis wolkig, aber nicht mehr so perfekt wie in den letzten Tagen, als wir noch deutlich unterhalb des Polarlichtovals waren. Die Fahrten unter einer Brücke hindurch sind immer wieder spannend, oft ist der Abstand zwischen Brücke und Schornstein wirklich gering. Das Foto kann das nur ungenügend wiedergeben… Die Brücken sorgen übrigens auch dafür, dass die großen Kreuzfahrtschiffe bei vielen Fjorden draußen bleiben müssen, und geben gleichzeitig die maximale Höhe der Hurtigrutenschiffe vor.

Die 1,5km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Die 1,5 km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Nach Finnsnes ging es weiter nach Tromsø. Das kenne ich ja mittlerweile, daher konnte ich mir das Tourismusprogramm sparen. Für den Storsteinen war es auch etwas dunkel (die Sonne lässt sich erst seit ein paar Tagen wieder in Tromsø blicken, und durch die Wolkendecke ist es etwas finsterer als im letzten Februar), daher steuerte ich meine üblichen Ziele an: Die örtlichen Buchhandlungen. Und wieder einmal bin ich fündig geworden und nun stolzer Besitzer der Eventyr von Asbjørnsen und Moe. Das ist wohl das Standard-Werk über die norwegischen Sagen und Märchen, so wie bei uns die Brüder Grimm. Jetzt muss ich das nur noch lesen können, ist natürlich ein etwas dickeres Hardcover-Buch auf Norwegisch. Man braucht ja Herausforderungen. (Ich weiß noch nicht, wie ich das im Gepäck unterbringe…)

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Als Einkaufsstadt ist Tromsø gar nicht schlecht – vielleicht sollte ich nächstes Mal doch wieder einen Ausflug machen, die Hundeschlittentour könnte billiger sein als ein Ausflug in das Nerstranda Senter. Aber auch die nehmen gerne Kreditkarten.

Der Satz „Tromsø geht immer“ in Sachen Polarlicht hat diesmal leider nicht gestimmt. Es gab wohl gegen 19:00 Polarlicht, wie die Kollegen von der Midnatsol aus der Barentssee berichtet haben, aber einerseits gab’s da bei uns Essen, und andererseits war es bedeckt. Nachmittags konnte der Mond noch durch die Wolken schimmern, abends ging erst nichts mehr, und dann war klar, aber ohne nennenswertes Polarlicht. Halt nur noch „Kameragrün“ und nichts, was einen zum Aufbleiben überreden könnte.

Aber was soll’s: So konnte man in Ruhe mit den Gästen plauschen. Am nächsten Morgen war ja schon wieder volles Programm: Das Treffen mit der Midnatsol stand an (touristisch vollkommen wertlos, da lang vor Sonnenaufgang, aber wenn man schon die Kollegen auf dem Schiff hat) und natürlich Honningsvåg und das Nordkapp.

Tag 6 – Vom Nordkap ostwärts

Auch  wenn es morgens kurz nach acht noch recht duster ist: Das Treffen mit der Midnatsol konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ob die Kollegen der GRP100 mich auch gesehen haben, weiß ich nicht sicher – aber es waren auf jeden Fall einige Leute an Deck.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Nachdem die Midnatsol auf ihrem Kurs südwärts an uns vorbeigezogen war, stand erst einmal Bilder sichten, duschen und spätes Frühstück auf dem Programm. Dabei herrschte richtig Stress: Frühstück bis 9:30, Mittagessen dann von 10-13 Uhr wegen der Tour zum Nordkapp. Aber es ist kein Problem, hier eine Mahlzeit ausfallen zu lassen. (Schreibe ich eigentlich zu viel über das Essen? Sollte ich Bilder davon posten? Oder ist das eher etwas für Facebook?)

Kurs auf Honningsvåg

Kurs auf Honningsvåg

Kurz nach 11 kam dann Honningsvåg in Sicht. Die Stadt ist der Ausgangspunkt für die Fahrt zum Nordkap. Gestern war die Tour wohl wegen zu schlechtem Wetter ausgefallen, aber bei unserem Besuch war das Wetter fast optimal. Das Schöne an den Wintertouren ist auch, dass das Kap dann nicht so überlaufen ist – bei drei Bussen kann man das Kap genießen. Mein Programm sah anders aus: Zum Nordkap wollte ich nicht schon wieder, auf Fischerdorf mit Weihnachtshaus hatte ich keine Lust, aber die berühmte Shelltankstelle am 71. Breitengrad, die musste diesmal sein. Vom Hafen aus sind es etwas über zwei Kilometer, ein schöner Spaziergang, um das Frühstück zu rechtfertigen. Da Sonntag war und die Temperaturen doch recht frisch, war kaum jemand unterwegs, aber ich bin wohl dem Hund des Schneepflugfahrers vom letzten Mal begegnet, der gerade Gassi geführt wurde.

Ein Troll?

Ein Troll?

Honningsvåg hat wie üblich viele kleine Holzhäuser, die nur etwas größer wirken als so mancher Geländewagen, der davor steht. Die verschneiten kleinen Häuser, die schroffen und vereisten Felsen und das düstere Licht haben ihren Reiz, aber leben wollte ich da nicht unbedingt. Die Shelltankstelle ist natürlich nur dann interessant, wenn man die Sache mit dem Breitengrad weiß, und auch dann eher ein netter Gag – für das nächste Mal dürfte der Hausberg von Honningsvåg auf dem Programm stehen, der einen schönen Ausblick bietet. Gelohnt hat es sich trotzdem: Ich glaube, ich habe schon wieder einen Troll gesehen, diesmal mit einer Kaffeetasse am Straßenrand. Als ich ihn erreicht hatte, war nur noch eine schneefreie Felswand zu sehen – die Trolle sind gerissen!

Sicherheitsübung.

Sicherheitsübung.

Weiterer Vorteil der Tour zur Tanke: Man ist rechtzeitig wieder auf dem Schiff, um doch noch was vom Buffet mitzukriegen. (Fisch-Cordon-Bleu. Sehr lecker. Wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen.) Die Crew führte derweil eine Sicherheitsübung aus, mit Aussetzen eines Rettungsboots. Der Blick auf die Webcam des Nordkaps zeigte, dass nicht nur in Honningsvåg gutes Wetter war (bedeckt und kalt, aber windstill), sondern auch am Kap selbst gute Bedingungen herrschten.

Um viertel vor drei – die Ausflügler waren alle wieder an Bord und begeistert, kein Wunder – ging die Reise dann weiter ostwärts. Die Wetterprognose war nicht so berauschend und die Polarlichtaktivität der Gegend angemessen, sodass es nach einer ruhigen Nacht aussah. Für 20:00 war unser nächster Vortrag vorgesehen (von Felicitas über das Planetensystem), und da das Abendessen als Nordkappbuffet serviert wurde, passte das auch vom Zeitplan. Eine Stunde langt für jeden, um sich zu überfressen, und der Nachtisch hat es immer wieder in sich.

Krabbenfischer entern das Boot

Krabbenfischer entern das Boot

A propos Essen: Gegen 16:30, also zwischen Nordkap-Tour und Abendvortrag, stand schon wieder ein Highlight auf dem Programm. Kurz vor Kjøllefjord legten Krabbenfischer in voller Fahrt an der Nordkapp an und präsentierten ihren Fang. Einziges Problem: Entweder steht man an der Reling und beobachtet das Anlegemanöver, oder man sichert sich einen guten Platz auf Deck 7 für die Vorführung. Zeit für ein Foto mit den Krabben bleibt aber allemal.

Ich konnte das Anlegemaneuver von Deck 5 aus verfolgen, da hier ein guter Blick auf die Felsformation der Finnkirka möglich war. Mit f/1,4 und viel zu viel ISO war sie sogar schön zu fotografieren, auch wenn das Farbenspiel schon etwas arg nach Disneyland aussieht. Aber es ist durchaus eindrucksvoll. Allerdings muss ich fairerweise sagen, dass mir die Finnkirka nur im Mondlicht besser gefällt. Ist viel mystischer als das ständig wechselnde Farbenspiel. Andererseits sieht man sie dann nur auf den Fotos und nicht mit dem Auge.

Felicitas‘ Vortrag konnte ich mir nicht anhören: Ich hielt stattdessen Polarlichtwache am Bug, da schon vor dem Abendbuffet ein paar Lichter zu sehen waren.

Durch die Wolken war immer wieder ein Hauch von Grün zu erahnen, und die Kamerabilder waren schon ganz nett, aber Wetter und Intensität waren nicht sehr beeindruckend. Dafür wollte ich den Vortrag nicht unterbrechen – im Gegensatz zum Käptn, der Polarlichtwarnung ausgab. Also verschwand ich kurz in den Vortragsraum, um Entwarnung zu geben. Bis Berlevåg um 21:45 war immer wieder ein grauer Schleier zu sehen, und das Wetter besserte sich (im Gegensatz zur Polarlichtvorhersage). Bug voraus war immer wieder etwas zu sehen, aber nicht wirklich toll.

Klar, das dann die besorgten Fragen aufkamen, wie es den Rest der Nacht weitergehen würde – Polarlicht oder Ruhe & Erholung? Meine Schätzung war Ruhe & Erholung, dann kam kurz nach Berlevåg die Durchsage vom Käptn, dass es wieder Lichter gibt – und diesmal lohnte es sich! Der Nachteil dabei, die Kamera immer auf den selben Punkt zu richten, ist natürlich dass einem mal ein paar Highlights entgehen. Aber dafür gibt das später einen hübschen Film.

Quer über das Schiff erstreckte sich ein großer Bogen, und nun glaubten mir endlich alle, dass die Auro wirklich grün ist und sogar tanzt. Wow. So gehört sich das. Bis Båtsfjord um kurz vor Mitternacht ging die Show, und hoffentlich hat jeder die Durchsage gehört. Das Licht auf Deck 7 wurde (leider bis auf den Schornstein) abgeschaltet, und jeder kam auf seine Kosten (und auch wenn ich ein paar Leute an der Bar zusammentrommeln musste). Awesome, great show! Für ca. Stufe 5 schon sehr schön. Ich leide mit allen, die die Reise nicht machen konnten.

Nach Mitternacht und Båtsfjord leerte sich das Deck dann langsam, und der Kontrollblick um halb eins zeigte: Immer noch Lichtshow. Nicht mehr so stark und beeindruckend, aber doch gut genug für einige Fotos. Zwischen 0:40 und kurz vor zwei Uhr entstand dieser Nachschlag:

Aber das Ziel der Reise ist erreicht: Es kam die Bitte, doch die Lichter abzuschalten, damit man endlich schlafen darf… Mal sehen, wer sich jetzt noch alles den Nordlichtvirus eingefangen hat.

Bei mir droht dafür jetzt langsam der Supergau: Die externe Festplatte ist voll und der Laptop sowieso. Bleiben noch die 192 Gig Speicher in der Karte…