Am nächsten Morgen ist nicht mehr viel übrig von dem guten Blick auf die Pyrenäen, der Himmel ist bedrohlich wolkenverhangen. Naja, lieber auf dieser Seite der Pyrenäen als in Spanien…
Nach einem hervorragenden Frühstück machen wir uns an die Pyrenäenüberquerung. Über schmale Straßen geht es Richtung Tena-Tal, das bei Slow Driving Aragon ebenfalls vorkommt. Ab dem ersten Dorf haben wir ein LKW-Gespann vor uns.
Sie kennen Deutschland, wo LKWs einen dank Tempolimits aufhalten? Das ist hier anders. Ich weiß nicht, ob LKWs hier (fast) so schnell fahren dürfen wie PKW, aber auch auf der normalen Landstraße sind sie kein Verkehrshindernis. Dieser LKW brettert die schmale Passstraße mit einem Affenzahn hoch, sodass ich schon Probleme habe, hinterherzukommen. Gleichzeitig belegt er eineinhalb Fahrspuren und fegt den Gegenverkehr auch gleich zur Seite. Leider fährt er irgendwann rechts ran, um uns vorbeizulassen.


In den Pyrenäen gibt es immer wieder ein paar Parkplätze, die zu einem Halt einladen. Hübsche Gegend, aber nur bedingt geeignet für einen leicht tiefergelegten Sportkombi. Beim Verlassen des ersten Parkplatzes sitze ich leicht auf. Am nächsten Parkplatz der nächste Halt – Flüssigkeiten verliere ich keine, also geht es weiter.
Die Wolken lassen wir auch hinter uns, und die Temperaturen steigen unaufhaltsam. Im Tena-Tal auf der spanischen Seite der Pyrenäen stehen dann viele Foto-Stopps an. Die Estacion Formigal begrüßt uns mit einem riesigen Parkplatz: Wir sind in einem Skigebiet gelandet. Das wird zwar gerade fit für den Winter gemacht, aber immerhin ein Toilettenstop ist möglich. Öffentliche WCs sind in Spanien Mangelware, also nutzen, was geht.
Ein paar Minuten weiter ist mit Sallent de Gállego ein richtig schönes Pyrenäen-Bergdorf. Es ist steil (auch mein Parkplatz), aber der Stop lohnt sich, um mal kurz durch die Gassen zu schlendern und sich die Beine zu vertreten. Sieht schon sehr ausländisch aus hier, aber sehr gepflegt.




Wir folgen im Prinzip der Ruta Maravillas de Tena y el Serrablo von Slow Driving Aragon, die für 150 km drei Etappen vorschlägt – was wohl drei Tagestouren bedeutet… da wir uns auf Fotostopps beschränken, nicht Wandern gehen und die Tierparks etc. ignorieren, schaffen wir das trotzdem an einem Tag.
Der Ort Lanuza ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil er für den Stausee versetzt wurde. Wir finden einen Ausguck auf den Ort ein Stück vorher und schenken uns den Stop im Ort; aus der Ferne wirkt er wohl ohnehin reizvoller – Lanuza punktet mit seiner Umgebung.
Über kleinere, aber gut fahrbare Nebenstraßen geht es weiter nach Panticosa. Der schöne Ort liegt etwas abseits und wird als sehenswerter Erholungsort beschrieben; mangels Parkplatz machen wir eine Ortsbesichtigung mit dem Auto (hübsch, aber eng) und fahren dann am Embalse (Stausee) de Bubal vorbei und über die enge, einspurige Panoramastraße nach Hoz de Jaca. Mangels Haltemöglichkeit habe ich von Panticosa und der Strecke keine Bilder, aber vom Stausee.



Viel gibt es nicht zu sehen… der Stausee ist ziemlich leer. Wir erreichen einen kleinen Parkplatz (drei Parkplätze oder so) an einem Aussichtspunkt, von dem aus auch eine Zip-Line ins Tal führt. Die führt mich aber sowas von nicht in Versuchung… das mag ja sicher sein, aber ich würde den Flug nicht genießen. Ein paar Meter weiter ist dann auch schon der nächste Ort mit mehr Parkmöglichkeiten und einem Shuttleservice von der Talstation der Zip-Line. Das erklärt die prekäre Parkplatzsituation am Ausguck; draußen ist es aber auch schon heiß genug, dass ich froh bin, dass ich dort direkt parken konnte.
Auf der Fahrt nach Süden begrüßt uns dann die Ermita de Santa Elena hoch auf einem Berg. Wir biegen ab, ich habe die Dolmen de Santa Elena im Navi einprogrammiert, die am Fuß des Berges liegen, weit unterhalb von Einsiedelei und alter Festung. Da soll es einen Parkplatz geben; das Navi führt mich eine steile Schotterpiste hoch. Es gab nirgends ein Durchfahrt verboten Schild, und ein paar Haarnadelkurven heißt es dass “Ziel erreicht”. Danke, Tomtom – bei der Suche nach einer Wendemöglichkeit sehe ich die Dolmen tief unter mir im Tal. Ich wollte eigentlich nicht die 4×4-Piste hoch zur Festung nehmen… Dank Rückfahrkamera und mangels Verkehr kann ich aber wenden, und Apple Maps zeigt mir dann die richtige Abzweigung. Statt über eine steile Steinpiste geht es über eine staubige Sandpiste zu den beiden Dolmen und einer Parkmöglichkeit.


Zwei kleine Dolmen und ein Kunstprojekt, bei dem der keltische Baumkalender gepflanzt wurde, erwarten uns nach ein paar Metern Fußweg. Hübsche Kulisse, auch wenn die beiden Dolmen eher klein sind.
Das nächste Ziel wäre das Örtchen Biescas gewesen. Sehr hübsch, aber der volle Parkplatz liegt weit abseits des Ortskerns, und der Tag ist schon vorangeschritten. Also bleibt es bei einer kleinen Ortsrundfahrt. Den Abstecher nach Orós Bajo und Olivan überspringen wir, und da mein Navi aussteigt, verpasse ich die Abfahrt nach Lárrede mit seiner Kirche und dem dazugehörigem Interpretationszentrum. Stattdessen fahre ich direkt auf die Autobahn nach Saragossa. Nachdem ich mein Handy-Navi neu starte, spricht es auch wieder mit mir, und ich kann die eindrucksvolle Fahrt durch das schöne Pyrenäenvorgebirge genießen. Ein paar Baustellen gibt es, aber warum kriegen wir in Deutschland eigentlich keine so guten Straßen und gut organisierte Baustellen hin?
Als wir das Ebro-Tal erreichen, wird es langweilig. Die Gegend ist flach, nur in der Ferne grüßen ein paar Steilhänge. Das Grün fehlt allmählich, die Gegend ist verdorrt – aber viel besser sieht die Rheinebene gerade auch nicht aus.


In Saragossa steht Tanken an – Diesel für 1,60 statt 2,20 wie in Deutschland. Ich bin neidisch. Mittlerweile ist 16 Uhr durch. Zeit für einen kurzen Halt beim MacDonalds für etwas Essen, ein bisschen Proviant beim Lidl kaufen, und dann geht es weiter zu unserem Endziel: Noch eine gute Stunde ist es bis Añón de Moncayo. Das Bergdorf erreichen wir über gut ausgebaute Straßen, und die Landschaft wird auch wieder interessanter.
Über dem 2310 Meter hohen Moncayo-Berg hängen Wolken, ansonsten ist der Himmel klar. Ich bin gespannt, wie gut meine Idee war, ausgerechnet hier Sonnenfinsternis zu gucken…
Wir hatten schon die Vorwarnung erhalten, auf keinen Fall in den Ort zu fahren, und finden einen Parkplatz vor der Stadtmauer. Wie es sich für eine Burg gehört, ist der Zugang nicht barrierefrei, wir umrunden die alte Malteser-Festung mit unseren Koffern und checken ein. Die Burgherrin spricht nur Spanisch, aber es klappt trotzdem ganz gut, und wir beziehen endlich unser Quartier für die nächsten vier Tage. Der Burgturm ist jederzeit frei zugänglich, und das mit dem Sonnenuntergang könnte auch klappen.




Ein Burg-Restaurant gibt es nicht, wir lassen den Tag erst einmal ruhig ausklingen. Positive Überraschung: Es gibt auch eine Gemeinschaftsküche mit Mikrowelle und Kühlschrank. Das ist Gold wert, da ich meine Kühltruhe nicht quer durch den Ort ins Zimmer tragen will.




















