Spanien/SoFi 2026 Tag 2 – Von Lascaux Richtung Pyrenäen

Es gibt noch einen Grund, warum ich in Brive Station gemacht habe: Von dort ist es nur eine gute halbe Stunde bis zur Höhle von Lascaux, genauer gesagt zu Lascaux IV. Die originale Höhle (Lascaux I) ist in der Nähe und heute nicht mehr zugänglich; unzählige Besucher haben seit der Öffnung der Höhle 1948 zu viel Feuchtigkeit und Licht in die Höhle gebracht, dass die Höhlenmalereien nicht länger unbeschädigt überleben könnten. Bereits 1963 musste sie daher wieder für die Öffentlichkeit verschlossen werden, um die Malereien zu erhalten. Lascaux II ist der erste Nachbau eines Teils der Höhle und wurde 1983 nur 200 Meter neben der originalen Höhle eröffnet. In Lascaux III war ich schon einmal, 2019 in München: Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung, die nicht die komplette zeigt, sondern mehrere Meter große Kopien von besonders beeindruckenden Wandteilen mit Wandmalereien.

Wir waren jetzt in Lascaux IV, dem 2016 eröffneten vollständigen Nachbau der Höhle, vielleicht 400 Meter von Lascaux I & II entfernt. Die (originale) Höhle ist für ihre rund 17.000 Jahre alten Höhlenmalereien bekannt und stand schon lange auf meinem Plan. Was werden sich zukünftige Archäologen denken, wenn sie die Höhle und die Kopien finden – und werden dann in der Nähe noch einmal Kopien der Höhlenkopien für Besucher errichtet werden?

Das Besucherzentrum von Lascaux IV

Nun, heute sind wir in Frankreich, und man spricht Französisch – vormittags kann die Höhle nur mit Führungen erkundet werden, und die einzige englische Führung ist um 9:45. Wir haben rechtzeitig im Voraus gebucht, sodass genug Zeit bleibt, um vor dem Regenschauer in das Gebäude zu kommen, einen Blick in den Shop zu werfen (oh, oh, oh, das wird nicht billig) und uns in die Schlange für unsere Führung zu stellen. Alle fünf Minuten startet eine neue Gruppe, das ist perfekt durchgetaktet und ein wahrer Besuchermagnet. Wie erhalten freischwebende Kopfhörer und verstehen unserer Führerin, die perfektes Englisch spricht, wunderbar. Die Führung beginnt auf dem Dach des Besucherzentrums mit einem Überblick über die Region, die vor 17.000 Jahren am Ende der Eiszeit noch bei weitem nicht so bewaldet war wie heute. Die Höhle liegt am Hang eines Tals – ich muss zugeben, dass ich Lascaux immer näher am Mittelmeer verortet hatte und nicht so zentral in Frankreich.

Rund eine Stunden dauert der Besuch der Höhle, in der Fotoverbot herrscht. Ansonsten würden die Besucher vor lauter Blick in die Kamera nichts von der Höhle sehen und über die eigenen Füße stolpern, und die Taktung könnte nicht beibehalten werden. Macht aber nichts: Die Führerin zeigt alle wichtigen Details (oder zumindest so viele, wie man aufnehmen kann, ohne überfordert zu sein), und die Illusion der Höhle ist fast perfekt – es gibt nur ein paar Abkürzungen, sodass man aus Seitengängen nicht wieder zurückgehen muss.

Die Höhle selbst: Wow! Viel mehr Deckenmalereien, als ich gedacht hätte, und die Farben im Original sind vielfach in den Stein eingezogen, sodass sie wirklich so gut erhalten sein sollen. An anderen Stellen besteht die Höhle aus anderen Gesteinsarten, sodass die Farben verwittert sind, während nur die Felsritzungen mit den Umrissen der Tiere erhalten geblieben sind. Malen nach Zahlen war das damals beinahe…

Der Saal der Stiere ist – zumindest für die Astronomen – wohl der bekannteste Teil der Höhle, weil hier ein paar Punkte über einem Stier als Plejaden und Sternbild Stier gedeutet werden können. Der Saal mit überlebensgroßen Bildern ist imposant, die astronomische Deutung überzeugt mich jetzt nicht mehr so sehr. Es gibt noch mehr Punkte und andere Symbole in der Höhle, deren Bedeutung heute vergessen ist. Signaturen der Künstler? Prähistorische Notausgang-Schilder?

Sehr beeindruckend war auch das Panneau der schwimmenden Hirsche: Hirsche, die nur bis zum Kopf dargestellt wurden; der Schatten einer Kerze auf dem Boden spiegelte die Wasseroberfläche auf dem unregelmäßigen Felsen. Sehr cool.

Nach dem Besuch der Höhlenreplik ist man auf sich selbst gestellt und kann im anschließenden Museum mit einem Tablet weitere Reproduktionen erkunden, ähnlich wie in der Wanderausstellung. Hier darf man auch fotografieren. Dann gibt es noch drei Kinos, leider ohne Zeitangabe und Infos, was einen dort erwartet. Eines gibt künstlerisch die Entdeckung und Erforschung der Höhle wieder, eines ist ein “immersiver Raum”, der Höhlenmalereien auf Französisch Revue passieren lässt (an einer Wand sogar mit englischen Untertiteln), und im dritten waren wir nicht, weil unklar war, was uns da erwartet und wie lange es dauert. Draußen war derweil ein Wolkenbruch; als wir den Shop geplündert hatten, war das Wetter wieder gut, und die Temperaturen noch erträglich.

Bis zu unserem nächsten Ziel, der Unterkunft im Chateau de Druon am Fuß der Pyrenäen, sind es etwas über vier Stunden Fahrt – eher mehr, da wir die von Waldbränden geplagte Gegend um Bordeaux vermeiden und über Land fahren wollen. Da bietet sich ein Zwischenstop an. Der liegt strategisch ungünstig keine halbe Stunde weit weg: Der Roque Saint-Christophe ist ein fast einen Kilometer langer Abri, also ein Felsvorsprung, der seit der Steinzeit bewohnt ist und im Mittelalter ein Dorf mit gut tausend Einwohnern beherbergte, die dort vor den Wikingerüberfällen gut geschützt waren.

Das ist mal was ganz was anderes und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man in der Gegend ist – und sei es nur wegen der Aussicht. Überhaupt hat das Perigord viel mehr zu bieten, als ich gedacht hatte.

Der Rest des Tages war ein Fahrtag – es waren dann doch vier Stunden am Stück, bis wir unser nächstes Ziel erreichten: Das Chateau de Druon, ein Schlösschen von 1870. Schon mit der Inneneinrichtung des Zimmers, die eher Richtung Steam Punk geht, hat es mich bei der Buchung rumgekriegt. Man gönnt sich ja sonst nichts:-)

Hier erwartet uns nicht nur ein Bed & Breakfast, sondern auch ein Drei-Gänge Überraschungs-Menü zum Abendessen. Ich will nicht zu viel verraten, nur so viel: Der Hauptgang war frischer Fisch aus der Region, und alles war sehr lecker. Unsere Gastgeberin sprach Englisch und hatte nicht nur einige Zeit an der badisch-elsässerischen (elsässische?) Grenze gewohnt, sondern auch noch die originale Höhle von Lascaux gesehen. Mit uns am Tisch waren zwei Engländer, die die Sonnenfinsternis in Saragossa beobachten wollten – für Tischgespräche war also gesorgt. Abgerundet wurde der Aufenthalt durch den abendlichen Blick auf die Pyrenäen samt Pic du Midi. Am nächsten Morgen war der Ausblick durch Wolken versperrt…

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