Seit dem 11. August 1999 stand ein Termin fest in meinem Kalender: Die totale Sonnenfinsternis von 2026. Alle anderen erreichbaren Sonnenfinsternisse zwischen ’99 und ’26 hatten aus terminlichen oder finanziellen Gründen nicht geklappt; insbesondere die 2017 in den USA war schlichtweg zu teuer – stattdessen ging es damals erstmals nach Schottland, und seitdem immer wieder.
Für Spanien sollte mich aber nichts aufhalten. Ursprünglich war ja der Plan/die Hoffnung, mit einigen Freunden eine Finca auf der Finsternislinie zu buchen und das ganz entspannt von der Unterkunft anzuschauen, aber in “Spanisch-Lappland” sind Fincas Mangelware, und bis die Planungen in die Gänge kamen, gab es endgültig nichts mehr. Plan B war ein Wohnmobil, um einen Roadtrip durch Frankreich und Spanien zu machen, aber die Preise für ein Wohnmobil mit ausreichend Freikilometern und Vollkasko waren jenseits von gut und böse.
Überraschend wurde es Plan C: Das Castillo de Añón de Moncayo hatte am 18.8.2025 noch ein Zimmer frei – ausreichend für mich, wenn die anderen nicht in die Gänge kommen. Gesehen, gebucht, für vier Tage Mindestaufenthalt. Sehr cool: Vom Burgturm aus müsste die Finsternis gerade so zu sehen sein. Dann ging die Urlaubsplanung los: Wo gehen wir da eigentlich hin? Hat dieses Aragon (Aragonien?) irgendwas zu bieten?
Ja, überraschend viel – aus dem Plan, einen Roadtrip durch Frankreich mit Abstecher nach Spanien zu machen, wurden eineinhalb Wochen Aragon mit kurzen Stops in Frankreich. Die Region ist aber nicht auf Touristen ausgelegt: Es gibt zum Beispiel eine Webseite, die auf Spanisch etwa 40 Castillos vorstellt, auf Englisch vielleicht noch zehn und auf Deutsch rund vier…
Slow Driving Aragon war bei der Planung noch hilfreich, wobei zu spät klar wurde, dass das keine Tagestouren waren. Für den astronomischen Teil war ich besser vorbereitet, immerhin hatte ich mal wieder ein Buch dazu geschrieben. Knapp einen Monat vorher war alles an Technik finalisiert, nur eine Infrarot-Kamera kam noch kurzfristig dazu, ein paar neue SoFi-Brillen und ein Aufsatz-Graufilter für das Handy. Am Samstag, dem 8. August ging es dann los.
Anreise Tag 1: Von Karlsruhe nach Brive-la-Gaillarde
Gute 830 km war die erste Etappe lang, aus dem Badischen nach Brive-la-Gaillarde. Um das nicht zu stressig zu halten und nicht in aller Herrgottsfrühe losfahren zu müssen, wurde dieser Ort als Zwischenstop auserkoren. Eigentlich war Clermont-Ferrand geplant, aber Brive liegt näher an der Höhle von Lascaux. Interessante Zwischenstops auf der Fahrt durch Frankreich zu finden ist gar nicht so leicht, auf nicht ganz halber Strecke machte ich deshalb Halt in Dole. Das ist ein hübsches Örtchen, das noch viel alte Bausubstanz hat und einige Parkplätze am Ortszentrum. Deutlich weniger hübsch als der Ort selbst ist das öffentliche stille Örtchen an der Markthalle… Die Toiletten an der Autobahn sind besser gepflegt.
Neben einem kurzen Blick in die Markthalle (frische Nahrungsmittel brauchen wir jetzt nicht) langt die Zeit noch für einen kurzen Spaziergang zur örtlichen Kathedrale und durch einige alten Gassen, dann ab zur teuersten Tankstelle im Ort und weiter geht’s Richtung Westen.




Also ab auf die Autobahn, Maut blechen. Dafür sind die französischen Autobahnen in Top-Zustand, und es gibt was neues: Free Flow Maut. Ein paar Autobahnabschnitte haben die Schranken, Ticket-Automaten und Zahlstellen durch Kameras und den Hinweis ersetzt, dass man innerhalb von 72 Stunden bezahlen muss – sonst wird es deutlich teurer als die 4,20€ Maut. Bezahlen geht vor allem online, irgendwo sind angeblich auch ein paar Tankstellen, wo man vor Ort zahlen kann. Nun, die Umweltplakette für Frankreich hatte ich schon längst besorgt, ebenso Accounts bei den Mautbetreibern Sanef und Aliae angelegt. Irgendwann später konnte ich mein Auto bei Aliae durch einscannen vom KFZ-Schein auch bestätigen, die Benachrichtung über zu zahlende Mautgebühren hat trotzdem nicht funktioniert. Aber auf der Webseite war die Zahlung problemlos möglich – wenn man daran denkt, nachzuschauen.
Nachdem ich bislang immer nur nach Frankreich gefahren war und das Land als flach und langweilig kenne, war die Fahrt eine angenehme Überraschung: Wir durchqueren das Zentralmassiv, kommen auf über 1000 Meter Höhe und sehen die Vulkane der Auvergne. Deutlich hübscher als die Champagne.
Letztlich lassen wir die letzte Peage-Station hinter uns. Einige Euro ärmer erreichen wir abends Brive-la-Gaillarde an, checken im ACE-Hotel ein und landen in einer nahen Pizzeria, da der fest eingeplante Buffallo Grill mittlerweile eine Ruine war. Auf dem Dach stand nur noch U A Grill… Lecker war’s, nur zum Bezahlen sollte man die Tischnummer angeben, die nirgends stand. Die Bedienung hatte uns auf Französisch die Nummer vom Nachbartisch mit sechs Personen genannt und die Zahl dann auf dem Handy bestätigt, sodass wir doch unser Essen bezahlen konnten. Ab ins klimatisierte Hotel. Die Temperaturen lagen weit jenseits der 30 Grad. Gute Nacht für heute.
