Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Morgens, halb 9 in Norwegen

Der Tag fängt früh an: Irgendwas pfeift auf diesem Schiff morgens um halb sechs. Weiterschlafen klappt da auch nicht, obwohl es erst spät hell wird. Vor 8 wird das trotzdem nichts mit dem Frühstück, und danach kann man die Morgenstimmung genießen, während wir durch den landschaftlich wenig spektakulären Trondheimfjord schippern.

Der Tag fängt spät an: Wir erreichen Trondheim mit 20 Minuten Verspätung. Vor ein paar Jahren lagen wir hier noch gemeinsam mit dem südgehenden Schiff am Kai und hatten den ganzen Vormittag Zeit für die alte Hauptstadt mit ihren reizvollen Häuschen, dem imposanten Nidaros-Dom und dem alten Bischofssitz. Jetzt haben wir regulär nur drei Stunden Aufenthalt, wobei man zu Fuß schon gut 20 Minuten für den Weg in die Stadt einplanen kann. Eigentlich hatte ich mir im Oktober überlegt, mir schon mal die passende App für die Leihfahrräder und E-Roller zu suchen, um schneller nach Trondheim zu kommen, aber bei dem Schnee ist das keine gute Idee. Also bleiben nur knapp zwei Stunden für den eigentlichen Rundgang durch die Stadt. Gut, dass ich schon weiß, wo ich fotografieren will…

Bevor wir Trondheim erreichen, sehen wir noch die südgehende Nordlys, die gerade unseren Platz am Kai freigemacht hat, die alte Kloster- und Gefängnisinsel Munkholmen, und die Hanseatic Spirit – ein Hapag-Lloyd-Schiff, das gerade ebenfalls die norwegische Küste entlang fährt, aber als Kreuzfahrtschiff mit längeren Aufenthalten in den Häfen. Also sowas wie wir gestern in Ålesund, nur überall und deutlich teurer. Dafür entfallend ie Halte in den kleinen Häfen, die eigentlich den Reiz der Reise ausmachen.

In Trondheim stürmen wir von Bord, schließlich haben wir ein straffes Programm – bis auf Volker, dessen CruiseCard spinnt. Mittlerweile hat er die neunte oder zehnte, weil seine Zimmertür ihn immer wieder ausgesperrt hat. Und jetzt lässt sie ihn nicht von Bord – das kostet wertvolle Minuten.

Und dann: Ab in die Stadt, über Nedre Elvehavn am Fluss entlang über Bakklandet zum Dom.

Die Straßen sind recht frei, aber es liegt noch einiges an frischem Schnee. Als es rechts über den Nidelv in die Stadt geht, biegen erst noch links zum eingeschneiten Fahrradlift ab und dann geradeaus zum Flussufer – es das Wasser steht überraschend hoch, die Treppe führt bis ins Wasser. Ein kurzes Stadtpanorama schießen, dann rüber über den Fluss zum Dom.

Gamle By Broa und Nidaros-Dom von ihrer schönsten Seite

Die alte Stadtbrücke mit dem Dom im Hintergrund zeigt sich heute von ihrer schönsten Seite. Fototechnisch lohnt sich dieser kleine Marathon-Lauf wirklich.

Weiter geht’s zum Dom, dann in das Einkaufszentrum Torget, das einige alte Häuschen integriert hat, ein 3-Minuten-Aufenthalt in der Buchhandlung, um einen Kalender zu kaufen, dann zur Var Frue Kirke, einen Blick auf den Weihnachtsmarkt werfen, eine heiße Schokolade besorgen und über Siftgården – Norwegens größtes Holzhaus und Sitz der Königsfamilie – zurück zum Schiff. Langt gerade so.

Ganz ehrlich: Früher war das entspannter, als man sich noch für einen Kaffee in Trondheim hinsetzen konnte. Aber dafür haben wir ja Ålesund…

Jedenfalls komme ich auch diesmal nicht dazu, nach neuen Schuhen zu schauen. Ob mein Schuhgeschäft in Trondheim mich schon vermisst? So sind wir jedenfalls ein paar Minuten vor Ablegen wieder auf dem Schiff und verzichten auf das Mittagessen (die Alternative war eine Østepølser im Narvesen am Bahnhof, langt auch).

Der weitere Tag ist recht ruhig – ein Seetag, den Onkel Heinz mit Vorträgen füllt. Um 15:30 passieren wir in der blauen Stunde den Kjeungskjærfyr, den oft fotografierten roten Leuchtturm. Wegen zu kalt findet der Point of Interest nicht an Deck statt, sondern über die Bordsprechanlage.

Anschließend gibt’s vom Schiff das Treffen mit dem Expeditionsteam und Wikinger-Vortrag, der kurz vor unserem ersten Vortrag um 17 Uhr endet. Wer will, kann also nahtlos berieselt werden – und da Onkel Heinz gleich mit dem Ausflüge-Verkaufen beginnt, haben wir nicht einmal eine Chance, unseren Vortrag noch einmal durchsagen zu lassen. Hier ist wirklich volles Programm.

Volker und ich berichten dann über das Polarlicht, was es ist, wie man es fotografieren und vor allem auch beobachten kann. Für heute Abend stehen die Chancen gar nicht schlecht, es ist zumindest sternklar. Dann: Abendessen. Wir können wieder zwischen verschiedenen Menüs auswählen. Die Vorspeise kommt rasch um kurz nach 18 Uhr, der Hauptgang dann eine Dreiviertelstunde später, ziemlich genau passend zum Beginn der offenen Seestrecke der Folde. Da gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten…

Die Folda hat heute keine besonders hohen Wellen, dafür Windstärke 6 mit Böen bis 9, aber zum Glück vom Land. Daher ist nicht allzuviel Bewegung im Schiff, aber die Gischt sorgt dafür, dass es an Deck trotzdem unangenehm ist. Zeit für ein bisschen Verwaltungskram; Bei dem Spritzwasser sieht man draußen eh nicht viel.

Denkste.

Kurz nach 20 Uhr kommt die Meldung, dass wir das erste Nordlicht an backbord haben. Gefolgt von der Meldung von Onkel Heinz, dass das noch länger bleibt und man doch bitte im Restaurant bleiben und aufessen soll. Aber deshalb haben wir ja die erste Sitzung um 18 Uhr: Um rechtzeitig fertig zu sein. An Deck ist es ordentlich windig: Auf Deck 5 keine Chance, ohne komplett durchnässt zu werden, und an Deck 7 ist es bei dem Wind sportlich, meine Kamera an die Reling zu klemmen. Zum Glück gibt es kaum Seegang. An Steuerbord im Norden zeigt sich der berühmte “schöne grüne Bogen”: Erst gräulich, dann mit zunehmender Zeit und Dunkeladaption (nur die Weihnachtsbeleuchtung vom Schiff brennt wacker weiter) auch in geisterhaftem Grün. Ein wenig Strukturen sind zu erkennen – noch nicht die große Show, aber schon deutlich zu sehen.

Die Nordkapp

Etwa eine halbe Stunde vor Rørvik baue ich meine Kamera dann ab: Das Licht wird schwächer, und wir nähern uns dem Hafen. Zeit, die Kamera trocknen zu lassen… Die Nikon hat wieder zuverlässig die Bilder für einen Zeitraffer aufgenommen, während meine kleine Panasonic wohl mit der Kälte kämpft: Ich kann seit einigen Tagen keine GPS-Daten mehr einspielen, und der Auslöser spinnt immer wieder mal. Hm.

Kurz vor Rørvik treffen wir noch die Nordkapp. Sie hat Rørvik wohl ausgelassen; wir kommen dann etwas verspätet im Hafen an, wo der Gabelstapler schon wartet. Nur mit Anlegen wird das nichts: Wir fahren eine Wendeschleife, die immer größer wird und wohl schließlich über Kirkenes führen wird, bis wir in Rørvik anlegen – kurz darauf kommt die Durchsage, dass wir wegen dem schlechten Wetter Rørvik auslassen. Es ist aber auch ein übler Wind. Immerhin verlassen wir Rørvik so pünktlich. Auf der Fahrt nach Brønnøysund brechen wir die weitere Polarlichtjagd ab: Es tut sich nicht viel, und an Deck ist es dafür zu ungemütlich. Also ab ins Bett und den Computer auf die Nordlichtbilder ansetzen. Morgen ruft der Polarkreis…

Hier noch das Ergebnis der Nachtschicht:

Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Der Tag beginnt viel zu früh: gegen halb sechs sind wir in Måløy. Davon kriege ich zwar eigentlich nicht viel mit, aber es ist wohl das Pfeifen und Quietschen der Ladeluke, das ich um die Uhrzeit höre. Und wenn ich schon wach bin, kriege ich auch mit, dass in der Folgezeit gut Bewegung im Schiff ist: Wir umrunden das Westkapp mitten in der Nacht, aber es sind doch einige Wellen – nicht schlimm, aber ein regelmäßiges Auf und Ab, das das Wiedereinschlafen erschwert. Erst als ich gegen halb acht in der Dusche bin, hört es schlagartig auf.

Wir haben feste Frühstückszeiten, um eine Überfüllung des Restaurants zu vermeiden – von 7:00-8:30. Aber erwartungsgemäß bedeutet das, dass von den Teilnehmern der ersten Sitzung fast alle erst kurz nach 8 Uhr auftauchen (man hat ja Urlaub), dementsprechend gedrängt geht es zu. Ein bisschen mulmig ist einem da schon.

Also wird nicht zu lange gefrühstückt, und dann der Morgenhimmel genossen: Wir erreichen Torvik fast pünktlich gegen halb neun, und der Himmel zeigt sich mit einer prächtigen Morgendämmerung. Dazu der verschneite Hafen – schön!

Morgendliche Lichtspiele

Der geplante Aufenthalt in Torvik beträgt nur 10 Minuten – gerade lang genug, um zwei Paletten und ein Auto auszuladen. Früher konnte man hier sogar noch kurz von Land gehen, aber während Corona wurde der Winter-Fahrplan geändert. Jetzt legen wir schon um 20:30 in Bergen ab statt wie früher um 22:30, was das ganze etwas stressiger macht. In der Zeit von Frühjahr bis Herbst lohnt sich das sogar, weil es dann Abstecher in den Geiranger- oder den Hjørundfjord gibt; im Winter liegen wir stattdessen über 10 Stunden in Ålesund.

Für uns bedeutet das ein anderes Programm als in den letzten Jahren: Statt den Vormittag für die Willkommensveranstaltung zu nutzen, in der unsere Reiseleiter Margit und Andreas sowie Volker und ich als Lektoren und vorstellen, bevor wir Ålesund erreichen, kommen wir schon um 9:45 in der Jugendstilstadt an. Da es Ausflüge gibt und man nie weiß, wer da alles wann teilnimmt, können wir da natürlich kein Programm anbieten. Dafür gibt es die erste Reiseleitersprechstunde mit Ausflugstipps und Tipps zu Ålesund, und wir klären mit dem Schiff unsere Vortragstermine ab. Sowas klappt leider nie im Voraus und muss an Bord gemacht werden. Aber auch wenn der Bordreiseleiter Onkel Heinz wieder volles Programm fährt, finden wir auch noch Termine. Tja, und dann haben wir noch 10 Stunden Liegezeit in Ålesund zu füllen. Ich komme mir vor wie auf einem Kreuzfahrtschiff und nicht wie auf der Hurtigrute…

Daher gehen wir ganz entspannt auf Einkaufstour, statt einen der Ausflüge zu machen, die angeboten werden (die 8-Stunden-Fahrt zur Trollwand findet übrigens diesmal nicht statt). Das erste Ziel hat Margit ausgegraben: Der Korsatunnel, der unter dem Park mit dem Ålesund Museum hindurch führt. Er entpuppt sich als alter Schutzraum und ist überraschend groß, wenn auch nicht besonders lang. Aber er hat genug Platz für Verkaufsbuden, Autos und Straßenlaternen. Mal was Neues.

Und dann? Wir trennen uns, ich peile den Aussichtspunkt hinter der Kirche an, bevor es in den Kremmergården geht. Da oben war ich auch noch nie, und es ergibt sich mal ein anderer Blick auf Ålesund. Auf dem Weg geht es durch das Jugendstil-Stadtzentrum, und zur Otto Sverdrup: Die ehemalige MS Finnmarken fährt heute keinen Liniendienst mehr, sondern “Expeditionsreisen” ab Hamburg. Wir hatten sie gerade noch auf der anderen Seite von Ålesund einfahren sehen, und zumindest einen Abstecher dorthin gönnen wir uns. Da sie keine Fähre mehr ist, könnten wir sie aber nicht einmal besuchen, wenn gerade keine Corona-Regeln wären…

Ein bisschen nostalgisch wird man da ja: Sie liegt fast dort, wo die normalen Hurtigrutenschiffe angelegt hatten, als ich mit den Touren angefangen hatte. Unser aktueller Anleger ist erst ein paar Jahre alt.

Da uns der Zugang zur Otto Sverdrup verwehrt ist, geht es also hoch zur Kirche, dann an der prominenten gelben Schule vorbei zum Aussichtspunkt Storhaugen. Hübsch.

Der Rückweg ist auf den tief verschneiten, steilen Straßen teils etwas sportlich und führt über das Stadtzentrum zum Kremmergården. Noch einmal entspannt erste Weihnachtseinkäufe tätigen, während in Deutschland 2G+ eingeführt wird. A propos: Wir sind die letzten, die noch halbwegs entspannt nach Norwegen kommen konnten: Seit heute muss man nach der Ankunft in Norwegen einen Corona-Schnelltest machen. Uns langte noch der Impfnachweis und für das Boarding ein Corona-Test vom Vortag.

Nach gut zwei Stunden war dann das normale Besuchsprogramm abgehakt. Für mich ist das der erste so lange Aufenthalt in Ålesund, meine letzte Chaos-Tour im Oktober hatte ja wegen Motorschaden am Flugzeug erst abends in Ålesund begonnen.

Und jetzt? Die Beute auf’s Schiff bringen. Am Hafenbecken noch ein paar schnelle Standard-Fotos, und ein paar ungewöhnliche: Am Hafenbecken stehen beheizte Bänke, und die Tauben freuen sich, dass in Norwegen einige Gehwege ebenfalls beheizt sind. Wir gönnen uns auf dem Schiff das erste Eis der Route, bevor es weiter geht. Im Multe-Cafe auf Deck 7 sitzt immer noch der mitgenommene arme Schiffshund, der mir von meiner letzten Fahrt auf der Kong Harald noch im Gedächtnis geblieben ist. Mittlerweile hat er ein neues Auge erhalten, immerhin.

Natürlich müssen wir noch den Hausberg Aksla in Angriff nehmen. Der Plan war, kurz nach 14 Uhr aufzubrechen, um den Sonnenuntergang mitzunehmen. Das mit dem Sonnenuntergang klappt prinzipiell, wir sind gut in der Zeit, nachdem wir die über 400 verschneiten Stufen erklommen haben. Nur mit blauer Stunde wird das nichts – dank der flach stehenden Wintersonne dauert es noch bis zur Dämmerung, und in Ålesund sind noch keine Lichter an.

Das Waldehus

Der Rückweg führt uns durch den verschneiten Wald und ist gut machbar, bis die zugeschneite Treppe in die Stadt kommt. Zum Glück ist ein Norweger schon halb damit fertig, sie zu räumen, und wir müssen nur noch eine steile Straße heil herunterkommen, bevor wir wieder in der Stadt sind. Dort erwartet und das Waldehus, das vom Stadtbrand verschont bliebt – es ist somit eines der wenigen klassischen Holzhäuser, während der Rest der Stadt im Jugendstil neu aufgebaut wurde.

Außerdem kommen wir an der Stelle vorbei, die 2019 noch eine Baugrube war und wo heute das Stadtbad steht. Großer Bau und kurze Bauzeit. Die warme Abluft des Hallenbads könnte man genießen, wenn sie nicht so chlorgeschwängert wäre…

Bevor es zum Schiff zurück geht, machen wir noch einen Abstecher zum Ålesund Museum, das einen weiteren hübschen Aussichtspunkt auf die Stadt hat.

Damit ist 15:30, und wir haben eigentlich alles wichtigen fußläufig erreichbaren Sehenswürdigkeiten gesehen (und, zugegeben, auf das Mittagessen um 12 Uhr verzichtet). Na dann: Feierabend, zurück zum schiff und unsere Willkommensveranstaltung um 20:45 vorbereiten. Um 18 Uhr steht das Abendessen auf dem Programm: Unsere Sitzung ist im hinteren, voll besetzten Teil des Restaurants. Es zieht sich – wir können wieder zwischen drei verschiedenen Vor-, Haupt- und Nachspeisen wählen, aber bis zum Nachtisch dauert es über eine Stunde. Das ging im Oktober schneller…

Aber es langt noch gut bis zu unserer Willkommensveranstaltung, bei der wir uns endlich unseren Gästen vorstellen und erste Tipps geben. Den Abend lassen wir gemütlich ausklingen. Molde erreichen wir etwas verspätet kurz vor 23 Uhr, damit ist der Aufenthalt zu kurz, um von Bord zu gehen. Noch schnell ein Handy-Foto vom Scandic-Hotel, und dann ist endgültig Feierabend – Polarlichtaktivität wäre zwar da, aber die Wolken sind stärker.

Molde

Hurtigrute Tag 1: Bergen

In manchen Wochen ist einfach zu viel los, und dann ist das noch komplett surreal. Vorgestern war ich noch in Bayern, meinen Zweitwohnsitz aufgeben (schade eigentlich, war doch sehr gemütlich, aber dank Corona brauche ich ihn nicht mehr), wo ich beim Wintereinbruch dann auch prompt mit dem Auto im Schnee stecken geblieben war.

Gestern stand kurzfristig noch ein Corona-Schnelltest auf dem Programm, weil in Deutschland die Inzidenz in den Himmel schießt und nur noch durch den Mangel an Testkapazitäten gedeckelt wird. Und heute bin ich schon in Norwegen auf der Hurtigrute. Im Oktober war hier ja noch alles sehr entspannt, mittlerweile steigen die Zahlen hier auch. Also ist der digitale Impfpass (den bei der Einreise keiner sehen wollte, auch am Flughafen nicht) ebenso im Gepäck wie die Einreiseerklärung für Norwegen (die erst recht keiner sehen wollte). Erst beim Boarding am Schiff kamen Covid-Test, Impfnachweise und die Online-Selbsterklärung fürs Schiff zum Einsatz (die in der Mail von Hurtigruten mit einem falschen Link verknüpft war).

Es geht tatsächlich wieder los: Der Flughafen Stuttgart

Aber der Reihe nach. Mein erster Tagespunkt war die Fahrt nach Stuttgart, diesmal mit einem früheren Flieger: 9:45 Abflug, also gegen 7:45 am Flughafen. Bei einer Stunde Anfahrt plus etwas Karenzzeit heißt das früh aufstehen. Aber ich kenne den Dauerstau auf der A8 bei Pforzheim ja (bis 2026 wird die sechsspurig ausgebaut – damit weiß der geneigte Leser, worüber ich die nächsten Jahre bei der Anfahrt jammern werde) und weiß, dass ich die beiden rechten Spuren wegen LKW-Stau meiden muss. Auf der linken Spur ging’s dann doch ganz gut, sodass ich sogar 5 Minuten zu früh am Flughafen war, obwohl ich 15 Minuten früher als geplant losgefahren war. Das Wetter war vielversprechend.

Der KLM-Schalter war diesmal auch schon geöffnet, und ich wurde mein Gepäck los. Nach Impfung und Einreise-Formular für Norwegen wurde zwar gefragt, aber sehen wollte es wieder keiner. Nachdem das erledigt war, stand noch ein Anruf beim Covid-Testzentrum auf dem Programm: Mein Schnelltest-Ergebnis von gestern war immer noch nicht da, das ich für das Boarding vom Schiff brauche – seit einiger Zeit wird ein maximal 24 Stunden alter Test vorausgesetzt. Um 19:25 war ich testen, das langt gerade so. Gestern gab’s wohl technische Probleme, wenig später war die EMail da – wie erwartet negativ, die Reise kann also starten. Die Security interessierte sich diesmal statt für meine Kamera für meine Schuhe, mal was Neues.

Prinzipiell war ja Platz im Flieger…

Und dann war ich am Gate, eine Stunde vor Abflug. Nicht schlecht. Und die Maschine war auch pünktlich da! Wir starteten pünktlich mit einem nur zu einem Drittel besetzten Flieger. KLM weißt die Sitzplätze ja automatisch zu, aber manchmal kann man auch ohne Aufpreis den Sitzplatz ändern – bei 55 Minuten Aufenthalt in Amsterdam suchte ich mir einen Platz so weit vorne, wie ohne Aufpreis möglich. Den Aufpreis wollte wohl niemand bezahlen, also war das innere Drittel der Maschine dicht an dicht besetzt (acht oder zehn voll besetzte Reihen), der Rest war leer, und dazu gab es die Aufforderung, sich nicht umzusetzen, wegen der Gewichtsverteilung. Immerhin wurde beim Aussteigen dann darauf hingewiesen, doch bitte jetzt Abstand zu halten. Man hätte die Passagiere ja auch mit mehr Abstand platzieren können…

Viel mehr gibt’s über den Flug nicht zu berichten, außer dass ich die Bordverpflegung lieber einsteckte statt im Flugzeug die Maske abzunehmen. Und das Wetter wurde schlechter.

Das Wetter wurde erst besser, dann schlechter, und etwa zwei Stunden später (wegen Gegenwind mit 20 Minuten Verspätung) landete ich gegen 14 Uhr in Bergen – sogar mit meinem Köfferchen!

In Bergen suchte ich dann Margit und Andreas, unsere beiden Reiseleiter – alte Bekannte, die den fast kompletten Zusammenbruch der Tourismusbranche auch irgendwie überlebt hatten. Wir sind ja alles Freiberufler, die nur für die Reisen angeheuert wurden. Staatliche Unterstützung gab’s da keine. Umso schöner war es, die beiden wieder zu sehen. Dann noch ein paar organisatorische Sachen klären, und irgendwann kam dann auch unsere Gruppe aus Amsterdam nach. Wir fingen alle ab (ein paar hatten storniert, aber wir tragen immer noch mit rund 40 Gästen zu den gut 200 Passagieren des Schiffs bei), und es blieb bei Abfahrt um 18 Uhr noch Zeit für eine kleine Stadtrundfahrt durch das nächtliche, weihnachtlich beleuchtete Bergen, bevor es auf das Schiff ging.

Erstmals musste jeder selbst einchecken, nachdem er den Covid-Test vorgezeigt oder nachgeholt hatte. Margit nutze die Zeit, um mein Buch unter die Leute zu bringen (bei den Nordlicht-und-Sterne-Touren gehört es dazu, alle anderen müssen es so kaufen). Im Terminal gibt es jetzt eine Lounge mit Vortragsraum, in dem die Sicherheitsunterweisung stattfindet (endlich nicht mehr an Bord, wo eh keine Zeit dafür ist), und dann ging es endlich an Bord.

Dank der letzten Fahrplanänderung ist der Bergenabend leider sehr hektisch: Es gilt, die Kabine zu beziehen, sich zurechtzufinden, zu Abend zu essen (wir haben jetzt wieder morgens, mittags und abends feste Essenszeiten), die Infoveranstaltung vom Schiff anzuhören, die um 20 und 21 Uhr auf Deutsch stattfand – aber diesmal, ohne dass die Crew sich vorstellt – kein Wunder, denn um 20:30 legen wir schon ab, da hat der Captain anderes zu tun. Und wir müssen natürlich noch Termine abklären. So richtig die Abfahrt genießen ist da nicht mehr drin. Ablegen um 22:30 war da sehr viel entspannter.

Zwei Neuigkeiten fallen aber doch auf, als Volker und ich die Abfahrt an Deck mitmachen: Das Hurtigrutenterminalen heißt jetzt Jekteviksterminalen. Und gegenüber liegt die Havila Capella, die eigentlich gestern zu ihrer Jungfernfahrt hätte aufbrechen sollen. Die Havila-Reederei übernimmt irgendwann vier der elf Abfahrten entlang der Hurtigrute, die jetzt Kystrute heißt, da Hurtigruten AS die Namensrechte am Begriff Hurtigrute hat. Eigentlich sollte Havila schon sei langem unterwegs sein, aber Corona hat das alles verzögert, und die Capella wurde als erstes von vier Schiffen jetzt erst fertig.

Ach ja, eins noch: Es ist ziemlich frisch, und Nordnorwegen ist im Lockdown – also im Snowdown, es hat ordentlich geschneit, und zum Beispiel in Bodø fahren deshalb gerade keine Busse mehr. So viel Schnee so früh im Jahr ist selten, und kommt nach dem trockenen Sommer (der in Norwegen für hohe Strompreise sorgt, wie Margit erzählt hat, weil die Staudämme leer sind) auch eher überraschend. Deutlich zweistellige Minusgrade entlang der Route sind auch für mich neu – mal sehen, wie lange die Kamerakkus durchhalten. A propos: Auspacken muss ich auch noch, die Bilder heute sind alles Handy-Bilder, daher die teils suboptimale Qualität. Neuer Kamerarucksack, der etwas enger ist, sodass die Kamera drin blieb…

Immerhin: Während im Atlantik westlich der britischen Inseln Wellen von 16 Meter und mehr vorhergesagt werden, sieht es für uns und die Barentssee angenehm ruhig aus. Wenn jetzt noch die Wolken mitspielen… Am Westkapp könnte es morgen früh aber etwas holprig werden.

Wir werden sehen, für heute ist Schluss. Wir haben die erste Frühstückssitzung, 7:00-8:30. Bin gespannt, wie oft ich auf dieser Reise frühstücke…

Hurtigrute Tag 12: Auf nach Bergen

Tag 12 unserer elftägigen Reise beginnt. Wie das geht: Wir – oder besser gesagt, die Nordkapp – sind am 1. Oktober um 20:30 gestartet und kommen am 12. Oktober gegen 14:30 wieder in Bergen an. Macht 11 volle 24-Stunden-Tage. Da die Hurtigrute so weit im Süden keinen Versorgungsauftrag mehr hat, weil es zahlreiche andere Schifffahrtsgesellschaften und Transportmöglichkeiten gibt, tut sich heute nicht viel. Wir erreichen Florø mit einer Viertelstunde Verspätung, holen aber auch keine Zeit rein: Hier wird einiges an Ladung gelöscht. Vom Ort selbst sieht man vor lauter Containern nicht viel, nur die Kirche, ein paar Häuser und eine tolle Landschaft lassen sich über den Industriehafen hinweg erspähen. Während der Anfahrt hatten wir Nieselregen und werden wieder mit einem kleinen Regenbogen belohnt.

Punktlandung

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung: Koffer packen und rausstellen. 23kg gesteht KLM einem zu, meine Kofferwaage zeigt – auch nach den Ersatzeinkäufen wegen des verlorenen Gepäcks – 22,88kg an. Na, hoffentlich geht sie genau. (Bevor ich hier mit dem billigen Stilmittel des Cliffhangers arbeite: Die Waage am KLM-Schalter zeigt 22,9kg an. Passt.)

Bis 10 Uhr muss der Koffer draußen stehen und die Kabine geräumt sein. Eine angenehme Zeit, das hatte ich auch schon morgens um 8, bzw. in Trondheim bis Mitternacht – aber da konnte man ihn auch morgens mitnehmen, wenn man Schiff und Kabine verlässt.

Der Rest des Tages ist ruhig – wir verbringen ihn erst am Reiseleitertisch vor dem Restaurant, dann im Panoramasalon, wo überraschenderweise doch noch Plätze frei waren. Das Schiff ist wirklich ziemlich leer. An Programmpunkten gibt es noch den schönen Steinsund, das Mittagessen und das war’s dann eigentlich auch. Wenn ich nicht so groggy wäre und auch mein Handgepäck heute früh abgegeben hätte, hätte ich den Tag wohl an Deck verbracht. Aber irgendwie ist so eine Tour doch anstrengend, und ich passe auf unser Gepäck auf. Daher gibt’S diesmal kaum Bilder, auch wenn wir endlich richtig schönes Wetter hatten. Bei Regen oder gar Sturm macht die Strecke keinen Spaß, dann sitzt man nur rum – so kann man wenigstens die Landschaft noch einmal genießen.

Bergen erreichen wir recht pünktlich, aber bis alle im richtigen Bus sind, das Gepäck verstaut ist und der Fahrer den Alkoholtest gemacht, um seinem Fahrzeug zu beweisen, dass er es fahren, vergeht ein wenig Zeit. Etwa 20 Minuten sind wir am Flughafen, gehen direkt zum Check-In-Schalter, Boardingpass abholen und Coronazertifikat vorzeigen (wozu auch immer – es wird angeschaut und gefragt, ob man zweimal geimpft ist), dann noch die Security (wie immer viel freundlicher als in Deutschland) und ab durch den Duty Free zum Terminal.

Bord-Essen

Mit 15 Minuten Verspätung ist dann auch der Flieger da, der uns ohne weitere Probleme und sogar fast pünktlich nach Amsterdam bringt. Das Essen an Bord hat aber wie erwartet nichts mit dem Menü zu tun, das die App gestern versprochen hatte. In Amsterdam trennen sich unsere Wege wie immer hektisch – jeder versucht, seinen Flieger zu erwischen, aber es müsste eigentlich klappen. Das ist bei diesen Reisen eigentlich immer schade: Das Ende geht Schlag auf Schlag.

Tja, und das war die erste Nordlicht-und-Sterne-Tour seit der Corona-Pause: Unvergesslich, mit einem wirklich schönen Polarlicht und einer tollen Truppe!

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim in den Süden

Verregnetes Trondheim

Es gab eine Zeit, da endete die Hurtigrute für mich in Trondheim: Morgens ab in den Flieger, und nicht zu spät am Abend zuhause. Nun, die Zeiten sind längst vorbei, und heute gehen die Nordlicht-und-Sterne-Touren wieder bis Bergen. Das macht die ganze Reise entspannter, es gibt mehr Zeit für Vorträge und nun auch zum Entspannen. Andererseits laufen wir auch praktisch keine Häfen an: Hier im Süden ist das Verkehrs- und Schifffahrtsnetz so dicht, dass die Hurtigrute keinen Versorgungsauftrag hat – die Fracht kann hier von den großen Häfen verteilt werden.

Da es keine Schiffsbegegnungen im Hafen mehr gibt (wegen angeblich zu gefährlich oder so), haben wir nur drei Stunden Aufenthalt in Trondheim – von 6:30 bis 9:30. Das langt theoretisch, um noch einmal durch die Stadt zu rennen, oder um zu vernünftiger Zeit aufzustehen und vor dem Frühstück noch schnell mein Leergut zum Rema zu bringen. Durch die Absperrungen im Hafengelände ist man da auch schon lang genug unterwegs. Also kurz ins Rema, Leergut zurückbringen, Vorräte für den letzten Tag besorgen, und zurück aufs Schiff.

Nach dem Frühstück stehe ich dann rechtzeitig zum Ablegen auf Deck 5 und sehe die nordgehende Vesterålen schon vor Munkholmen dümpeln, während der Nieselregen über Trondheim niedergeht. Als dann bei uns die Durchsage kommt, dass wir doch noch eine halbe Stunde länger bleiben, nimmt sie Kurs auf den klassischen Liegeplatz hinter der Nordkapp am selben Kai und parkt rückwärts ein. Das ermöglicht zumindest einen guten Blick auf das einzige Schiff dieser Klasse, dass nich für Hurtigruten im Dienst ist – die Vorgängergeneration der Nordkapp. Ich kann das Maneuver aber nur teilweise verfolgen, dann ruft die Pflicht: Um 10:30 haben wir unsere Abschiedsveranstaltungen mit Informationen zum Rückflug für unsere Gäste, und ichmuss noch ein bisschen vorbereiten.

Ich bezweifle, dass KLM dieses Menü servieren wird…

Wir nutzen unsere Abschiedsveranstaltung nicht nur für einen Ausblick auf den Rückflug, sondern auch für einen Rückblick auf die vergangenen ereignisreichen Tage. Es war definitiv eine ungewöhnliche Tour, die in Erinnerung bleibt!

Anschließend steht der Check-In für den Rückflug an. Die KLM-Webseite läuft nicht auf allen Handies, und dank der Umbucherei auf der verkorksten Anreise läuft der Check-In auch nicht bei allen ganz reibungslos, aber wir kriegen fast alle eingecheckt. Der Rest dann morgen am Flughafen…

Aber ich habe echte Zweifel, dass das Essen, das KLM morgen servieren wird, auch nur die entfernteste Ähnlichkeit mit dem Teaser-Bild hat, das die App unter dem Punkt Essen anzeigt. Nun ja, vielleicht gibt’s ja eine positive Überraschung.

Sehtag

Der Rest des Tages ist See- und Sehtag: Wir fahren bis Kristiansund (planmäßig um 16:30) durch, erreichen es wegen der Verspätung aus Trondheim aber erst nach 17 Uhr. Damit entfällt der kurze Besuch in dem Örtchen, da wir schon um 17:30 pünktlich ablegen, um wieder im Fahrplan zu sein.

Bis dahin gibt es nicht viel zu tun außer aus dem Fenster die Landschaft vorbeiziehen zu sehen (bei wechselhaftem Wetter von Sonnenschein bis Regen), die Zeit für Gespräche zu nutzen und schon einmal teilweise zu packen. Ob mich die Zwangseinkäufe über die Grenze zum Übergepäck bringen? Meine Kofferwaage pendelt (bei noch unvollständigem Koffer) zwischen 17 und 21 kg – auf See ist es doch nicht sinnvoll, das Gewicht zu messen. Aber es dürfte knapp werden…

Das Schiff hat noch ein paar Veranstaltungen, um die Zeit zu überbrücken, aber ich schnaufe doch lieber einfach einmal durch. Irgendwie kommt man dazu viel zu selten – ich sollte die Tour vielleicht mal als Tourist machen. So gibt es doch immer wieder einiges zu tun.

Kristiansund

Als wir Kristiansund erreichen, regnet es wieder in Strömen. Bäh. Da will man gar nicht raus gehen, auch wenn der Ort eigentlich ganz hübsch ist. Ein andermal vielleicht…

Nach Kristiansund wird dann auch schon zum letzten Abendmahl an Bord gerufen: Lachsschinken, Schweinshaxe und zum Abschluss Eis. Daran könnte man sich gewöhnen. Die Methode, Abends zwischen drei Menüs wählen zu können, ist wirklich eine der guten Neuerungen und wird hoffentlich auch nach Corona beibehalten. Gleichzeitig geht es auf die Hustavika, wo wir erstmals nennenswerten Seegang haben – nicht schlimm und weit entfernt von dem, was diese auch heute noch gefährliche Seestrecke zu bieten hat, aber es ist doch gut Bewegung im Schiff.

Der Weg in den Panoramasalon zeigt dann, wer seefest ist. Torkel…

Der letzte Halt des Tages ist Molde, wieder mit leichtem Nieselregen. Um 22:15 ist von dem für Rosen bekannten Ort aber nicht viel zu sehen. Zeit, um Feierabend zu machen und soweit wie möglich zu packen. Da das Schiff weitestgehend leer ist, müssen wir das Gepäck zwar erst bis 10 Uhr vor die Tür stellen, aber mit Ausschlafen wird es auch morgen wieder nichts werden. In diesem Sinne: Gute Nacht!

Molde

Hurtigrute Tag 10: Über den Polarkreis entlang der Helgelandküste

Die Fahrt von Ørnes über den Polarkreis nach Brønnøysund entlang der Helgelandküste ist eine der schönsten Teilstrecken der Hurtigrute. Es gibt zwar keine nennenswerten Hafenaufenthalte (und Brønnøysund am Sonntag ist auch eher ausgestorben), aber es gibt viel zu sehen. Also prinzipiell, wenn das Wetter mitspielt.

Ich bin morgens um halb neun an Deck, um mir die Polarkreisüberquerung anzuschauen. Es ist trüb, aber immerhin halbwegs trocken – ich hatte auch schon exakt bei der Überquerung des Polarkreises eine zweite, unfreiwillige Polarkreistaufe mit Eisregen. Diesmal ist es angenehmer, wenn auch nicht viel fotogener. Dafür ist es heller, und wer will, kann an Deck 7 noch etwas Lebertran abholen, um seinen Vitamin-D-Spiegel anzuheben.

Anschließend sortiere ich noch ein paar Bilder und lege mich wieder hin – irgendwie ist so eine Tour doch anstrengend… Aber: Anders als üblich hustet noch niemand an Bord, die Corona-Maßnahmen wirken auch gegen andere Viren und Bakterien, die einen ansonsten auf diesen Touren begleiten.

Zu Sandnessjøen muss ich natürlich wieder raus (auf das Mittagessen habe ich wieder verzichtet): Hier warten theoretisch die Sieben Schwestern auf uns. Diesmal sind sie aber vollverschleiert, und das Expeditionsteam verschiebt den Point of Interest auf das nachmittägliche Gathering – es gibt einfach nichts zu sehen. Die halbe Stunde aufenthalt lohnt auch kaum, um von Bord zu gehen.

Immerhin kann man erahnen, dass hinter dem Ort Berge sind… Um 14 Uhr schaffe ich es dann zum ersten Mal zum Treffen mit dem Expeditionsteam. Kari stellt Land, Leute und Reiseroute vor. Das übliche – interessant für alle Erstfahrer, aber nichts neues für mich. Anschließend geht es auf Deck 7, aus dem Multe-Salon (der “Puppenstube”) die Landschaft genießen.

Für Brønnøysund ist ab 16 Uhr Regen angesagt, also steige ich auch gleich um 15 Uhr aus, als wir den Hafen erreichen. Viel ist nicht auf meinem Plan, da das Einkaufszentrum geschlossen hat. Ein kleiner Spaziergang rüber zu dem Stein, der die Mitte Norwegens markiert, dann zurück zum Anleger, um mir ein Eis zu holen. Die Eisdiele am Kai ist gut, und nein, ich kriege keine Provision dafür. Am Anleger höre ich eine Durchsage vom Schiff, ohne sie zu verstehen – aber dann sehe ich, worum es geht: Die Maud (Ex-Midnatsol), das in etwa einzige Schiff, auf dem ich noch nicht gefahren bin, fährt an uns vorbei. Sie ist nun nicht mehr im Liniendienst, sondern auf Expeditionstour. So fährt sie aktuell zwar die norwegische Küste entlang, lässt aber kleine Häfen aus und verbringt mehr Zeit in anderen, sodass dort mehr Zeit für Ausflüge bleibt.

Nach dieser überraschenden Schiffsbegegnung samt Hupkonzert genieße ich mein Eis, dann geht es auf’s Schiff – heute ist kein Ausflugswetter. Denke ich.

Und gerade als wir ablegen, gibt es in kurzer Folge eine wunderschöne Lichtstimmung und einen riesigen Regenbogen. Jetzt gibt sich Norwegen nochmal richtig Mühe. Der Regenbogen scheint genau vom Liegeplatz der Midnatsol auszugehen.

Anschließend geht die Fahrt zum Torghatten, dem Berg mit Loch. Die Lichtstimmung: Grandios. Ich fotografiere über die Köpfe der anderen Reisenden hinweg und höre Beschwerden: Hinter mir wurde ein kleines Amphitheater eröffnet, einige stehen auf Stühlen. Da stört meine hochgehaltene Kamera… also schnappe ich mir auch einen Stuhl, man will ja nicht stören.

Verglichen mit dem Sonnenuntergang ist der Torghatten selbst eigentlich schon wieder langweilig, auch wenn unsere Nordkapp in das Loch passen würde. Der Busausflug zum Loch wurde diesmal übrigens auch nicht angeboten. Bei Regenwetter ist das aber auch nichts.

Anschließend komme ich zu spät zum Essen – bzw. es fängt zum Glück erst um 18:30 an. Heute ist eigentlich Captain’s Dinner, die Offiziere machen aber Social Distancing (was ja durchaus sinnvoll ist), sodass wir nur mit einem Glas Sekt empfangen werden – einige Gäste verlassen das Schiff immer in Trondheim, daher findet die Abschlussveranstaltung schon hier statt. Und mir gelingt es endlich, mein Essen zu fotografieren, bevor ich es esse. Die Frage nach dem Essen kommt zuhause ja immer. Wir können wieder zwischen drei Menüs auswählen – feine Sache. Früher gab es eines, und auf gut Glück ein Alternativessen.

Anschließend: Ein ruhiger Abend. Wir fahren nach Rørvik, wo uns nach dem Ablegen die nordgehende Hurtigrute begegnet, und das war es dann auch fast schon.

Schiffsbegegnung in Rørvik

Wobei: Es ist noch einmal relativ klar. Aber viel Polarlicht ist nicht: Ein leichter Schimmer, der die Wolkenkonturen hervorhebt. Noch etwa eine Stunde beobachte ich das, aber es bleibt bei einem Schimmer für die Kamera. Also ab in die Kabine, noch ein wenig arbeiten – morgen ist unsere Abschiedsveranstaltung mit den Infos zur Heimreise.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Was für eine Show das gestern war! Und fette Ausbeute: Bei über 3000 Fotos alleine von meiner Nikon für den Zeitraffer ist mein Rechner bis in den Vormittag beschäftigt. Aber das Säuseln des Laptoplüfters in meiner Kabine hat was beruhigendes.

Zum Glück habe ich dieses Mal wieder keine Ausflüge geplant, wobei ohnehin gerade nicht allzuviel stattfidnet – das Mitternachtskonzert in Tromsø fehlt zum Beispiel aktuell auf der Liste, und die Torghatten-Wanderung gibt es gerade auch nicht. Heute startet dafür wieder die Vesterålen-Bustour in Harstad. Eigentlich ein schöner Ausflug, aber er beginnt bereits um 8 Uhr. Den Fehler hatte ich einmal gemacht (in Kombination mit dem Mitternachtskonzert – aber schlafen kann man ja auch im Bus…). Ohne Ausflug bin ich zwar in Harstad schon wach, sehe vom Ort aber nur die Baustelle am Anleger und was mein Teleobjektiv so ranholen kann: Die Kirche im Ort und die mittelalterliche Steinkirche neben der Wasserfontaine – hier sehe ich auch, wie die Fontaine abgeschaltet wird, während ich sie filmen will.

Wegen Corona gibt es den Gottesdienst in der Kirche für die Ausflügler nicht mehr, dafür wurde das benachbarte Museum etwas aufgepeppt, und es gab viele Informationen – die Tour lohnt sich also immer noch und bietet weiterhin eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse. Für mich steht stattdessen Frühstück an, danach Bilder sichten und den Zeitraffer basteln, den ich im gestrigen Blog schon eingebaut habe. Damit sind die zwei Stunden bis Risøyhamn gut ausgefüllt.

Auf dem Weg zur Risøyrinne gibt es immer wieder schöne Lichtspiele, während die Berge der Vesterålen an uns vorbei ziehen. Schöne Gegend, und noch hält das Wetter.

Die Risøyrinne wurde extra für die Hurtigrutenschiffe gebaut, weil der Gründer der Hurtigrute diese Strecke wollte. Sie ist nur wenig tiefer als die Hurtigrutenschiffe. Theoretisch kann man wohl auf ihren Grund sehen – aber gewiss nicht bei Wellen und Starkwind. Aber man sieht zumindest das türkisfarbene flache Wasser direkt neben den Fahrbahnmarkierungen, die von zahlreichen Kormoranen besiedelt sind.

Der Königsstein

So ein Projekt wie eine neue Schiffahrtsstraße lockt natürlich auch die Prominenz an, und vom Schiff aus sieht man den Königsstein, auf dem die Unterschriften dreier norwegischer Könige verewigt sind. Heute schenke ich mir den Spurt zum Stein und fotografiere ihn vom Schiff aus – heute lohnt sich das Teleobjektiv mal, ansonsten langt mir das normale Zoom und vor allem das Ultraweitwinkel-Polarlichtobjektiv.

Wenn wir pünktlich anlegen, reicht die Zeit aber auch für einen kurzen Besuch – diesmal soll man erst zehn Minuten vor Ablegen wieder an Bord sein, manche Schiffe machen schon 15 Minuten vorher die Luken dicht.

Von Risøyhamn aus geht die Reise weiter nach Sortland. Sehr schön: Kurz vor 12 kommt die Aufforderung, vorne am Bug den Ausflugsbussen zu winken! Ganz so wie früher! Das ist zwar während der Essenszeit (und wegen Corona gibt es mittags feste Essenszeiten und ein Menü, das serviert wird), aber es finden sich doch einige ein, um mit Norwegerfähnchen zu winken. Das sind die netten kleinen Einlagen, die die Hurtigrute immer noch so menschlich machen. It’s fun!

Anschließend schaue ich kurz bei Kari vom Expedition-Team vorbei und gebe ihr meinen Nordlicht-Film von letzter Nacht. Das mache ich meistens – als kleines Dankeschön für die gute Zusammenarbeit, auch wenn ich diesmal wenig mit dem Team zu tun hatte. Aber auch heute schaffe ich es nicht, zum Treffen mit dem Expeditions-Team zu gehen: Das ist einerseits schade, weil hier immer ein Tagesrückblick gegeben wird, ebenso wie ein Blick auf den nächsten Tag und einige Infos rund um Norwegen. Andererseits kenne ich das meiste schon, und es tut gut, keine Termine zu haben.

Kurs Stokmarknes

Der kurze Halt in Sortland ist nicht weiter erwähnenswert – noch einmal den Rückkehrern der Bustour zuwinken, dann ab in den Panoramasalon. Hier gibt es einige freie Plätze, sodass ich für mich und meinen Laptop einen Platz mit Ausblick finde, auch wenn der Ausblick immer schlechter wird.

Wir kommen wohl in ein Schlechtwettergebiet. Für die nächsten Tage ist Regen angesagt (und nicht wenig), und die Seeadler-Safari im Raftsund wird wegen Sturmwarnung abgesagt: Kleine Boote sollen heute nicht rausfahren. Schade: Dabei wird aus dem fahrenden Schiff in ein kleines Boot umgestiegen, das Raftsund und Trollfjord unabhängig von der großen Nordkapp erkundet.

In Stokmarknes hält das Wetter noch, zumindest regnet es nicht: Der Ort taucht langsam aus dem Nebel auf. Seit meiner letzten Reise hat das Hurtigrutenmuseum den Schutzbau für die alte MS Finnmarken fertiggestellt, die zuvor ungeschützt den Elementen ausgeliefert war. So sieht man heute den weißen Bau mit Glasfront direkt am Anlieger. Das Museum wird privat betrieben und ist einen Besuch wert – wann kann man heute noch eines der klassischen schwarz-weißen Hurtigruten-Postschiffe erkennen? Diese Schiffe waren die Vorgänger unserer modernen Schiffe wie der Nordkapp. Leider wurde der Preis kräftig erhöht – ich höre über die Lautsprecheranlage was von 250 NOK; ich meine, früher waren es für Hurtigrutenpassagiere 50 NOK statt 90 NOK für Nicht-Passagiere (ganz früher war der Eintritt für Passagiere sogar frei). Aber früher konnte man die Eintrittskarten auch schon an Bord kaufen, aktuell nur im Museum.

Durch die große Glasfront sieht man leider nicht mehr viel vom Schiff, aber es scheint zumindest einen neuen Anstrich erhalten zu haben.

Mit Stokmarknes verlassen wir die Vesterålen: Der Raftsund markiert die Grenze zwischen Vesterålen und Lofoten. nun wird das Wetter auch schlechter. Ich merke es kaum, aber während ich mir die Einfahrt in den Raftsund vom Bug aus anschaue, wird meine Kamera triefnass. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung… und tatsächlich hat der herbstlich gefärbte Raftsund durch Nebel und tiefhängende Wolken seinen ganz besonderen Reiz. Nur ob wir in den Trollfjord fahren, ist bis zuletzt unklar – das entscheidet der Käpt’n vor Ort.

Nachdem ich meine Kamera wieder trockengelegt habe, schaue ich mir den größten Teil des Raftsunds vom Panoramasalon an. Erst zum Trollfjord geht’s wieder raus – und das lohnt sich: Obwohl ich anfangs nur Nebel sehe, biegt das Schiff tatsächlich nach links in den Trollfjord ab und fährt rein. Es ist angenehm still, und der Nebel passt zu dem engen Fjord. Hat was – und so oft war ich hier auch noch nicht: Irgendwann demnächst wird er wegen Schnee- und Lawinengefahr gesperrt werden, sodass die Nordlicht-und-Sterne-Touren meist nur bis zur Mündung kommen, selbst bei Tag.

Nach dem Trollfjord geht es wieder in den trockenen Panoramasalon. Die mystisch-neblige Landschaft, die am Fenster vorbeizieht, hat etwas einschläferndes – aber viel Schlaf gibt es auf der Hurtigrute ohnehin nicht. Dafür gibt es genug zu Essen: Um 17:30 eröffnet das Buffet, damit genug Zeit für Svolvær bleibt. Eigentlich wollten wir dort wieder in die Kneipe gehen, aber es ist Starkregen angesagt, und dieses Versprechen wird eingehalten.

Svolvær

Also betrete ich Svolvær auf dieser Tour überhaupt nicht. Wenn es Schnee wäre, wäre es eine Überlegung wert, aber so? Nein Danke.

Der Rest vom Abend ist daher für mich ruhig. Das Expeditionsteam ruft um 21 Uhr zu Gesangsstunde mit Shanties im Konferenzraum auf, die ich schwänze, dafür tue ich mir die Begegnung mit der nordgehenden Nordnorge an. Im strömenden Regen gibt es aber keine Fotochance, auch weil die Nordnorge überraschend dunkel bleibt, von der Lichthupe einmal abgesehen. Bleibt genug Zeit für mein kleines Blog hier.

Ich bin froh, dass mich der Pferdeausritt bei Nacht durch die dunklen Lofoten nie gereizt hat; bei diesem Regen dürfte das keinen Spaß machen. Aber ich bin auch kein Reiter; Astronomen lieben sternklaren Himmel. Dauerregen ist nicht mein Ding.

Als letzter Hafen vor dem Westfjord bleibt noch Stamsund. Bei strömendem Regen begnüge ich mich mit einem Beweisfoto; Nordlicht sehen wir heute gewiss keines mehr. In diesem Sinne: Feierabend.

Hurtigrute Tag 8: Südkurs und die große Show

Honningsvåg am frühen Morgen

Gestern waren wir noch in Kirkenes und der Barentssee, das heißt, dass es ab jetzt Schlag auf Schlag in den Süden geht. Wobei die ersten Schläge von den Wellen kamen – die Barentssee war zwar nicht besonders stürmisch, aber es ist doch die Barentssee, und wir liefen Honningsvåg in den frühen Morgenstunden mit einiger Verspätung an.

Erst gegen 8 Uhr (statt wie geplant um 6 Uhr) verlassen wir daher Honningsvåg, und bei mir bimmelt das Telefon: Die nordgehende MS Polarlys fragt, wo wir uns rumtreiben? Margit und Ingrid sind mit der zweiten Nordlicht-und-Sterne-Tour des Jahres dort an Bord, und wir wollen uns eigentlich zuwinken – Ingrid wollte ich schon am Flughafen in Bergen treffen, aber das hatte ja nicht geklappt.

Morgenstimmung im Magerøya-Sund

Und jetzt schon wieder nicht?

Ach was – wir begegnen uns halt nur nicht in Hawaiisund Havøysund, sondern erst später kurz nach 9. Die beiden nutzen das gnadenlos aus: Margit hätte eigentlich einen Vortrag, also wird die ganze Truppe an Deck für eine Winkekonkurranse gejagt, die die Polarlys auch haushoch gewinnt – meine Leute sitzen ohne Vorwarnung noch beim Frühstück. Immerhin wurde die Schiffsbegegnung durchgesagt.

Bis es soweit ist, genieße ich noch die Fahrt durch den Margerøya-Sund mit wunderbarer Lichtstimmung, und dann kommt die Polarlys endlich in Sicht – also nichts wie an den Bug, zum Winken und Fotografieren.

Die Kollegen auf der Polarlys sind natürlich nur mit Winken beschäftigt, daher kriegen sie die schöneren Fotos von mir und gewinnen auch noch den Wettbewerb. Wobei: Hurtigrute mit Regenbogen hat auch was. Spaß macht so eine Begegnung immer wieder, vor allem wenn es schon keine Schiffsbegegnungen im Hafen mehr gibt. Ich wünsche euch eine gute Reise, ruhige See, klaren Himmel und viel Polarlicht!

Und von der Polarlys sah es so aus:

Regen in Hammerfest

Unser nächstes Ziel war Hammerfest, mit einer verkürzten Liegezeit von einer Stunde. Während die Flüssiggasanlage bei Melkøya nur im Nebel lag, regnete es in Hammerfest in Strömen. Da machte es nichts aus, dass keine Zeit für einen Trip den Zickzackweg hoch auf den Berg blieb. Dafür gab es das erste Bild von mir auf dem Bänkle am Musikpavillon im strömenden Regen. Mal was anderes.

Nach dem Bank machte ich noch einen Abstecher in die Buchhandlung direkt daneben (der Eisbär, der früher im Eingang stand, ist auch weg), schaue bei Kirche für ein paar Fotos vorbei und danach bei den Eisbären vor dem Rathaus. Anschließend ein Abstecher in den Eisbärenclub: Der ist fast leer, zumindest haben im Shop ein paar Fahrräder mehr Platz als die Souvenirs, die normalerweise den Raum füllen. Mir bleibt nur keine Zeit um nachzufragen, ob mein Club sich etwas auflöst?

Anschließend geht es auch schon wieder auf das Schiff zurück – wir haben ja Verspätung aufzuholen. Immerhin: Dank der Liegezeit von 12-13 Uhr verzichte ich wieder einmal auf das Mittagessen.

Bevor es soweit ist, legen wir noch kurz in Øksfjord an (der Hafen hat immer ein wunderbares Echo, wenn das Schiff hupt), und genießen prächtige, bereits schneebedeckte Berge. Die Temperaturen sind von 15° am Anfang der Reise auf 5-10° gefallen, obwohl wir schon wieder südwärts fahren.

Der Sonnenuntergang zum Abendessen ist vielversprechend, aber wir haben ja noch Zeit. Erst kommt das Abendessen, dan Skjervøy, dass wir gegen 19:45 verlassen werden ab dann wird es interessant. A propos, da immer wieder nach dem Essen an Bord gefragt wird – das gab es heute:

Es fängt mit einem sternklaren Himmel an, und nach nicht allzulanger Zeit erscheint ein flacher, schwacher Bogen am Horizont. Sowas erwarte ich in Rørvik, weit im Süden. Aber es dauert nicht allzulange, und er wird schöner, ein geisterhaftes Grün kommt dazu, und nach vielleicht einer Stunde beginnt die Show: Nun ist das Polarlicht wesentlich größer und heller, zeigt Strukturen, wird im Lauf der Nacht sogar ein paar Mal tanzen und als Corona (die einzige Version davon, die ich hier sehen will!) über uns steht.

Das ist es, weshalb ich hier bin und was ich unseren Gästen zeigen will!

Ab 22 Uhr, nach einem Abschlussfeuerwerk, lässt sie nach, dennoch gibt es immer wieder schöne kleine Intermezzos. Während sie am hellsten ist, versuche ich meine Panasonic in den Film- oder Zeitraffermodus zu bekommen, aber es ist zu lange her, und ich kriege es nicht hin. Dummerweise denke ich nicht daran, das mit dem Handy auszuprobieren – das iPhone 12 Mini macht schon ziemlich beeindruckende Standbilder, nächstes Mal muss ich Video ausprobieren:

Wofür schleppe ich eigentlich meine DSLR mit? Okay: Bei voller Auflösung kann man die Bilder nicht anschauen, und im Sturm kann ich eine Kamera auch besser halten als das Handy, aber die Bilder können sich wirklich sehen lassen. Und die beiden anderen Kameras? Die Panasonic war immer wieder auf andere Himmelsbereiche gerichtet und hat auch die Corona im Bild festgehalten:

Und die DSLR lieferte wie immer einen schönen Zeitraffer:

Gestern in der Barentssee war die Pflicht, heute kam die Kür. Polarlichtversprechen erfüllt:-)

Und in Tromsø mache ich Feierabend, bzw. lasse meinen Rechner bis zum nächsten Morgen durcharbeiten. Knapp 3200 Fotos wollen zu einem Zeitraffer werden.

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes und endlich Nordlicht!

Ein trüber Tag – so begrüßt uns Kirkenes. Irgendwann in der Nacht haben wir den östlichsten Punkt der Reise passiert und fahren jetzt wieder nach Südwesten bis Kirkenes durch den Varangerfjord. Ich bin bereits kurz nach Vadsø wach (einmal war ich sogar früh genug wach, um ein Foto vom einzigen Hafen der Route zu machen, der nur auf der nordgehenden Strecke angefahren wird), aber heute verpasse ich ihn knapp. Nun, dann wird halt gefrühstückt; draußen an Deck ist es ohnehin nicht so angenehm. Im Lauf des Vormittags regnet es immer wieder mal.

Kirkenes erreichen wir ziemlich pünktlich, aber bevor wir von Bord dürfen, wird erst das Gepäck der aussteigenden Gäste von Bord gebracht. Aber kein Problem, ich will heute nur einmal kurz in die Stadt (Bücher jagen) und zum Kiosk am Kai. Im Hafen liegen nicht mehr so viele russische Seelenverkäufer, links von uns liegen sogar zwei ganz schmucke Fischtrawler. Warum am Heck die russische Fahne und am Mast die norwegische Fahne weht, ist mir aber unklar. Ob die die Liegegebühren nicht gezahlt haben und statt einem Kuckuck eine Norwegen-Fahne verpasst gekriegt haben?

In leichtem Regen verlasse ich schließlich das Schiff und mache mich auf den gut ausgeschilderten Weg in die Stadt. Zumindest für Fußgänger ist das Stadtzentrum gut zu erreichen. Auch hier hat Corona Spuren hinterlassen: Die Libris-Buchhandlung fällt mir zuallererst als Leerstand auf, an anderer Stelle gibt es einen neuen Souvenir-Shop. Die Outdoor-Läden im Amfi scheinen dagegen alle überstanden zu haben – aber dank KLM brauche ich hier keine neuen Sachen. Daher beschränke ich mich auf die Standard-Fotos von Russen-Denkmal, Anders-Grotta und Stadtzentrum (ein Bär am Rathaus hat eine rote Flagge erhalten), bevor ich mich auch schon auf den Rückweg mache. Kirkenes hat den Flair von Ende der Welt – das regnerische Wetter unterstützt das noch, und ich freue mich auf die heimelige Nordkapp.

Noch kurz ein Besuch im Kiosk am Kai: Die Huskies haben die Flucht ergriffen, stattdessen hängt ein Blumenkasten am Geländer. Schade eigentlich. Innen ist es voll wie immer, nur der Elch begrüßt nun mit Gesundheitshinweisen.

Da ich schon zwei Stunden vor dem Ablegen wieder an Bord bin, bleibt genug Zeit, mich mal wieder meinen EMails zu widmen und das Mittagessen mitzunehmen. Wir legen mit etwas Verspätung ab, sodass ich schon davon ausgehe, dass wir Vardø wieder zu spät für das Hexendenkmal erreichen. Die Überfahrt ist sehr ruhig, ideal um noch etwas an meinem vorletzten Vortrag zu basteln – es geht diesmal um den Mond.

Völlig überraschen erreichen wir Vardø fast pünktlich: Zehn Minuten nach der planmäßigen Ankunftszeit wird die Gangway um 16:16 freigegeben, und ich spurte los: Mit etwas beschleunigtem Schritt passiere ich die Festung Vardøhus, und da es noch hell ist, sehe ich das Ziel. Nach gut zehn Minuten erreiche ich das Denkmal für die Männer und Frauen, die der Hexenjagd zum Opfer fielen. Die Zeit langt, um einmal durch das lange Gebäude zu gehen, ein Infoheft mitzunehmen und einen Blick in das Gebäude mit der ewigen Flamme zu werfen, die aus einem Stuhl lodert. Uff, aber das Ganze ist immer wieder beeindruckend. Noch einige andere Gäste haben es geschafft, oder kommen mit entgegen, als ich schon auf dem Rückweg bin und um 16:45 wieder an Bord gehe.

Gabelstapler-Ballett in Båtsfjord

Als ich wieder auf dem Schiff bin, habe ich aber keine Ruhe: Um 17 Uhr, als wir ablegen, steht mein Vortrag auf dem Programm. Vielleicht hätte ich ihn vor Vardø halten sollen – wir haben etwas Bewegung im Schiff, aber zum Glück vertragen alle den Seegang. Mein Streifzug über den Mond mit einem Meteoriten-Exkurs ist rechtzeitig fertig, dass wir uns auch alle wieder zum Essen sehen. Trotz Geschaukel wird Suppe serviert, auch wenn sie etwas dicker ist als üblich.

In Båtsfjord kommen wir etwas verspätet an und können bei bedecktem Himmel und immer wieder Regen das Gabelstapler-Ballett bewundern. Die beiden fahren wirklich einige überflüssige Pirouetten um ihre Paletten.

Derweil haben sich alle Nordlichtjäger auf Deck 7 versammelt, wo sie den nächsten Regenschauer aussitzen und auf besser Wetter warten. Endlich kommen tatsächlich die ersten Sterne raus, und dann zeigt sich die Aurora.

Da ist ein heller Grauschimmer vielleicht mit einem Hauch von Grün, aber sie ist es eindeutig. Nach ein paar Kontrollblicken – meine Kamera arbeitet zur Abwechslung mal am Heck auf Deck 7 – gehe ich runter zur Rezeption und werde Zeuge, wie sie gerade durchgesagt wird.

Wieder an Deck gibt es wieder vermehrt Wolken. Also abwarten, noch ein Regenschauer, damit ich auch schön Wassertropfen auf meinem Objektiv habe, und dann kommt die Aurora noch einmal. Nette Show, nicht die größte, aber schon echtes Polarlicht, in dem auch etwas Bewegung ist – nicht nur der berühmte “schöne (kamera)grüne Bogen”. Erschwert wird das Ganze nur dadurch, dass wir doch einiges an Bewegung im Schiff haben – am Heck muss ich mich doch gut an der Reling festhalten. Eine Hand für das Schiff, eine für die Kamera…

Was sich wieder einmal bewahrheitet: Stell irgendwo eine Kamera hin, und wenig später steht jemand direkt davor, weil der Platz ja so gut sein muss. Das ist der Nachteil daran, wenn die Kamera das Deck mit auf dem Bild hat.

Letztlich ist eine nette Show, auch wenn kaum Farbe zu sehen ist – wenn ich mir die Bilder anschaue, gab es wohl farbige Momente, aber da hatte ich unter dem Dach Schutz gesucht.

Irgendwo um die Windstärke 6-8 haben wir, und Gegenwind. Hui…

Kurz vor Berlevåg lässt die Aktivität nach, und ich packe zusammen. Gut 1200 Bilder sind im Kasten, und die Kamera ist auch nicht über Bord gegangen. Berlevåg lassen wir aus, und in der Nacht schwankt es ganz nett – es fällt nichts aus den Regalen, aber ich sehe aus dem Fenster auf Deck 3 doch einiges an Wellen (uns spüre sie). Gegen halb zwei bin ich mit den Bildern durch, sodass der Rechner über Nacht laufen kann, damit ich am nächsten Morgen einen Zeitraffer draus machen kann.

Mittlerweile ist das Video auch fertig. Doch, wir können zufrieden sein.

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg und Barentsee

Die ruhige und geschützte See nördlich von Tromsø haben wir nun hinter uns gelassen, von der Barentssee ist aber nicht viel zu spüren. Kurz vor Havøysund bin ich wach und gehe an Deck: Ruhige See, schöner Himmel und kein entgegenkommendes Schiff: Die vier Schiffe von Havila fahren noch nicht, was Lücken im Fahrplan hinterlässt.

Havøysund erreichen wir planmäßig gegen 8:30 – ein guter Zeitpunkt, um zu frühstücken. Die anschließende Fahrt durch den Magerøyasund verbringe ich teils an Deck und teils mit der Reiseleitersprechstunde auf Deck 4. Das nächste Ziel ist Honningsvåg um 10:55 mit gut viereinhalb Stunden Aufenthalt: Von hier starten die Ausflugsbusse zum Nordkapp. Zwei oder drei fahren hin, es können also nicht mehr als 200 Passagiere an Bord sein.

Bis es soweit ist, gilt es, die Anfahrt zu genießen: Ein karges Land, das in den Herbstfarben aber noch nicht so trostlos ist wie im November. Bei meiner nächsten Tour im Dezember ist hier schon Polarnacht, dafür liegt dann hoffentlich auch schon Schnee. Aktuell präsentiert die Gegend sich noch durchaus hübsch.

Die Wolkenlücken machen Hoffnung für den Abend…

Dreimal Nordkap(p)

Ich fahre wieder nicht zum Nordkapp, sondern mache meinen üblichen Spaziergang durch den Ort. Es gibt einige neue Baustellen und erfreulich wenig Geschäftsaufgaben. Direkt am Kai sind nun die MS Nordkapp, das Nordkap-Museum (das sich nicht allzusehr lohnt, meiner Meinung nach) und Nordkap-Taxi – allerdings fahren heute keine Taxis zum Nordkap, wo früher einige auf preisbewusste Passagiere warteten. Wahrscheinlich hat der Lockdown dafür gesorgt, dass die Fahrer sich andere Jobs gesucht haben.

Das Souvenirgeschäft am Hafen hat jetzt komplett auf Weihnachten umgestellt, die Kunst im Hafen ist geblieben.

Bei schönstem Wetter gehe ich auf die andere Seite vom Hafenbecken, um unser Schiff zu knipsen, dann geht es über die Kirche hoch zum alten Friedhof. Dort hat man einen schönen Blick auf den Hafen und das Schiff, leider regnet es mittlerweile auch etwas. Den Abstecher zum Denkmal für den örtlichen Regisseur schenke ich mir daher und mache mich auf den Rückweg. Dabei treffe ich Anja: Sie hat Blumen für ihren Garten gesammelt und arbeitet als Reiseführerin zum Nordkap – sobald es wieder Touren gibt. Wir haben ein nettes kleines Gespräch auf Deutsch – richtig ungewohnt, sich im Ausland auf Deutsch zu unterhalten.

Da der Wind doch unangenehm ist, mache ich mich auf den Rückweg zum Schiff, wo ich die Sicherheitsübung miterlebe. Viel kriege ich davon aber nicht mit: Die Durchsagen sind auf Norwegisch (außer dem Hinweis, dass Gäste nicht mitspielen dürfen), und die Crew übt wohl Evakuierung – ich kriege im Panoramasalon nicht viel davon mit. Vorher mache ich noch ein paar Aufnahmen vom fast leeren Schiff:

Die Nordkapp von innen.

Das wars dann eigentlich auch schon für mich mit Honningsvåg. Einziges Souvenir: Ich nehme jetzt doch zwei Bücher von Eva Schmutterer mit, die es ans Nordkap verschlagen hat und deren Büchlein mir seit langem empfohlen werden.

Die anschließende Fahrt nach Kjøllefjord ist trotz offener Seestrecke sehr ruhig, wer will, kann sich mit Apfelkuchen und heißer Schokolade versorgen oder den Vortrag über die Sami anhören, den das Schiff anbietet. Er wohl lang, aber gut – ich war stattdessen an Deck. Vielleicht komme ich mal wieder dazu, mir die Schiffsvorträge anzuhören oder beim Gathering des Expeditionsteams zuzuhören. Aber nicht heute – es ist schön draußen!

Kurz vor Kjøllefjord kommt auch die Finnkirche in Sicht, eine nette Felsformation, die aus dem richtigen Blickwinkel an Kirche und Kapelle erinnert. Im Winter wurde sie früher auch beleuchtet, heute gibt es immerhin einen Point of Interest. Zumindest wird sie über die Bordsprechanlage beschrieben, ob an Deck 7 auch etwas stattfindet, weiß ich nicht. Mit Kabine auf Deck 3 und der neuen Inneneinrichtung auf Deck 7 bin ich meist nur auf dem Umlaufdeck 5.

Nordkap-Buffett

Mehamn hat wohl ein Möwenproblem

Anschließend wird es wieder frustrierend: 100% Bewölkung sind angesagt, ich schaue immer wieder raus und sehe, wie die Wolkenlücken immer weniger werden. In Mehamn ist nichts zu sehen (außer einem Möwenproblem, wenn ich mir das Lagergebäude am Kai so anschaue), danach sehe ich zwar immer wieder einzelne Sterne, aber sonst nichts.

Also bin ich die meiste Zeit auf Deck 4 und arbeite etwas, wobei ich immer wieder rausschaue. Anscheinen gab es eine halbe Stunde Polarlicht, die ich aber verpasst habe – und wer sie gesehen hat, hat nicht Bescheid gesagt, sodass es auch keine Durchsage gab.

Ich erfahre es dann aus Deutschland, weil da dieser Tweet aufgefallen war:

Ich verpasse dagegen auch die Schiffsbegegnung nach Berlevåg (angesagt wurde sie nicht) und beobachte die Nordlys nur aus dem Fenster, während ich ein Nordlys trinke. Wenn das sonst schon nichts wird…

Gegen 22:40 schaue ich noch einmal raus und sehe tatsächlich einen blassen Bogen Nordlicht. Halleluja, hoffentlich hält das!

Schnell die Kamera an die Reling geschraubt und zur Rezeption gespurtet – aber die gute Frau telefoniert. Und telefoniert. Und eröffnet mir dann, dass sich das Nordlicht gerade schon wieder verabschiedet hat. Es gäbe in einer Stunde oder so noch eine Chance. Und tatsächlich: Als ich wieder an Deck gehe, ist da nichts mehr, das war keine Minute, nachdem ich im Schiff war, auch weg.

Und in dieser Nacht kommt auch nichts mehr; kurz vor Mitternacht gebe ich endgültig aus.