Noch eine Woche bis Norwegen im Frühling

Wie die Zeit vergeht – ich war seit Februar nicht mehr in Norwegen, mittlerweile ist Ostern und am Sonntag geht es schon wieder auf die nächste Nordlicht-und Sterne-Tour. Irgendwie stecke ich zwar mehr in den Vorbereitungen für einen Island-Trip Ende Mai und der Planung für die Sonnenfinsternis nächstes Jahr, aber die Post lügt nicht: Die Reiseunterlagen für die nächste Tour sind da.

Nordlicht & Sterne – GRP105

Nordlicht & Sterne – GRP105

Am Sonntag geht es also wieder zum Frankfurter Flughafen und dann mit KLM über Amsterdam nach Bergen. Diesmal sammel ich also keine Meilen bei SAS, dafür muss ich mein Gepäck aber auch nicht in Oslo durch den Zoll tragen. Das steht dann im Oktober wieder an. Ich bin gespannt, wie diese Reise wird: Tromsø hat ähnliche Temperaturen wie Heilbronn, die Tage werden deutlich länger (Frühlingsanfang bzw. Tagunsnachtgleiche liegen hinter uns) und das Wetter war in den letzten Wochen mäßig, auch in Norwegen. Aber das muss ja nichts heißen. Interessant ist jedenfalls, Norwegen einmal zu Beginn des Frühlings zu sehen. Mal sehen, wo noch Schnee liegt (oder doch mal bei den Webcams von Kystnor.no vorbeischauen?) und wie viele Chancen es für Polarlicht gibt. Durch die späte Dämmerung kann ich jedenfalls mal in Tromsø an Bord Abendessen – Sonnenuntergang ist gegen 19:45, da brauche ich noch keine Polarlichtwache an Deck zu halten.

Da die Tour wieder auf die Trollfjord geht, kann ich auch gleich testen, ob meine letzten Erweiterungen vom Kameraequipment ihren Zweck erfüllen und mit etwas Glück auch, ob die Kamerahandschuhe rechtzeitig aus Norwegen ankommen – im Augenblick sind sie (hoffentlich) in der Post. Die Buchbestellung an meine Buchhandlung in Tromsø ist auch schon raus, also sollte alles klappen.

Tag 1: Bergen

Böse Zungen könnten behaupten, dass es langsam zur Gewohnheit wird: Wir haben den 3. April, und ich fliege schon wieder nach Norwegen. Dabei war ich noch nie im April in Norwegen… Die April-Tour ist daher auch für mich spannend: Wie sieht Norwegen im Frühjahr aus, und langen die kurzen Nächte, damit das Polarlicht sich durchsetzen kann?

Die Terminal-Bahn in FFM

Die Terminal-Bahn in FFM

Eine Änderung zu den letzten Reisen gibt es jedenfalls schon mal: Ich fliege mit KLM via Frankfurt mit Abflug um 11:45 – eine sehr astronomenfreundliche Zeit. Pro-Tipp: KLM fliegt über Amsterdam und somit als Inner-EU-Flug von Terminal 2 statt Terminal 1. Der Weg vom üblichen Parkplatz ist also noch etwas länger als üblich und beinhaltet eine kostenlose Fahrt mit der Shuttle-Bahn. Dafür gibt es im Terminal 2 nicht viele Möglichkeiten, um die Zeit totzuschlagen, nachdem mal einmal durch die Security durch ist.

KLM betreibt die Strecke mit City-Hoppern, also eher kleinen Maschinen. Die haben aber auch ihren Reiz (wenn auch nicht ganz so reizvoll wie die Propellermaschinchen von Widerøe), und wenn man sein Handgepäck ausreichend optimiert hat, passt es sogar in das Gepäckfach.

Lecker Essen bei KLM

Lecker Essen bei KLM

Anders als SAS ist hier nicht nur Coffee & Tea always free, sondern es gibt sogar eine Kleinigkeit zu essen und eine reichhaltigere Getränkeauswahl. Da der Flughafen Schiphol einen schon ganz gut auf die norwegischen Preise vorbereitet, ist das gar nicht mal so unpraktisch… Da das Lunchpaket einen Falafel und Wasser aus der Türkei umfasst, sind wohl gerade türkische Wochen. Auch nicht schlecht. Jedenfalls lande ich kurz vor 17 Uhr recht entspannt in Bergen, wo Kari die letzten Teilnehmer unserer Gruppe in Empfang nimmt. Bergen begrüßt uns zwar wie gewohnt mit Regen, aber dafür auch mit Temperaturen um die 10° und Tageslicht. Sehr ungewohnt, auf der kleinen Stadtrundfahrt einmal richtig was von der Stadt zu sehen…

Mit dem Bus geht es königlichen Schloss vorbei auf die gewohnte Tour durch Bryggen. Aber jede Tour ist anders: Den Abstecher durch Paradis nehmen wir diesmal nicht, dafür geht es am Aquarium vorbei in den Teil des Hafens, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Neu für mich: Es gibt auch in Bergen ein Hexendenkmal, mit dem an die Hexenverbrennungen erinnert wird. Das ist also keine Spezialität von Vardø, auch wenn es in Bergen nur eine einfache Stele gibt.

Anschließend geht es auf die Trollfjord, den Rest vom Team kennen lernen und den Vortragsraum sichern. Auf den Schiffen ist auch immer mehr Programm… Und nicht zu vergessen: Abendessen! Es gibt am Bergen-Buffett wieder Lachsröllchen, lecker. Anschließend stellt Tone – die ich schon von der Nordkapp kenne und die jetzt auf der Trollfjord Tourguide ist – die Crew vor, bevor der gemütliche Teil des Abends beginnt. Immerhin zwei von der Crew kennen mich noch, und mit den Gästen gibt es auch schon die ersten netten Gespräche – könnte eine angenehme Tour werden.

Abfahrt

Abfahrt

Gegen 22:30 verlassen wir Bergen, und die Wetterprognose für die nächsten Tage sieht gar nicht schlecht aus. Polarlicht wurde gestern ja schon bis hinab nach Deutschland gesichtet; da besteht die Hoffnung, dass es noch ein wenig mehr zu sehen gibt, sobald wir aus den Wolken raus sind. Für die Fahrt über die Stad morgen früh ist auch wieder ein Ententeich angesagt – bis jetzt ist alles sehr vielversprechend.

Tag 2: Ålesund und First Light

Die erste Nacht auf See, und das nur wenige Meter von meiner alten Kabine entfernt – und noch etwas ist gleich wie auf der letzten Fahrt: Das Westkap und die Stadhavet sind sehr ruhig, die erste Strecke über das offene Meer ist wieder mal ein Ententeich. Damit entfällt natürlich die morgendliche Unterhaltung, wenn alle rund um das Frühstücksbuffett schwanken:-) Stattdessen können es alle in Ruhe genießen und die erste Begegnung mit Brunøst machen, dem berühmten braunen Käse (den ich auf keinen Fall als Souvenir nach Hause bringen soll, wie mir eindrücklich klar gemacht wurde. Entweder man mag das Zeug, oder man will möglichst Einfuhr und Produktion verbieten).

Ruhige See in der Stad

Ruhige See in der Stad

Der erste richtige Reisetag ist immer erst einmal ein Information Overkill: Jeder wird mit allen wichtigen Informationen zugeschüttet in der Hoffnung, das etwas hängen bleibt. Da machen wir natürlich auch mit: Um 10:00 Uhr ist die Begrüßungsveranstaltung für unsere Gruppe. Diesmal gibt es einen kleinen Sektempfang, nachdem wir – die Reiseleiter Kari und Thomas sowie Hans und ich – uns im Amfi-Theater vorgestellt und die gestrigen Infos vom Schiffs-Tourguide ergänzt haben. Damit fällt der Hafen in Torvik zwar flach, aber das lässt sich kaum vermeiden. Generell versuchen wir, unsere Veranstaltungen so zu legen, dass man möglichst nichts wichtiges verpasst. Und wir haben ja noch rund 30 Häfen vor uns, da darf ein Gläschen Sekt schon sein.

Die neue alte Anlegestelle in Ålesund

Die neue alte Anlegestelle in Ålesund

Dann geht’s hurtig weiter mit dem Mittagessen, schließlich legen wir schon um 12:00 in Ålesund an. Das ist neu, das ist anders: Wir legen auf der anderen Seite der Stadt an, nicht mehr am Cruisekay. Hier hatten die Hurtigrutenschiffe vor einigen Jahren angelegt, bevor ein Prachtbau neu entstand. Im Augenblick ist die Anlegestelle provisorisch, weil über die Miete gestritten wird. Aber sie liegt nicht wesentlich ungünstiger als die Anlegestelle für die Kreuzfahrtschiffe; der Weg zum Aksla ist ähnlich lang.

So lerne ich auch einmal die andere Seite vom Hafenbecken kennen, aber der Fußweg bis zur alten Anlegestelle ist nicht weit. Dort zieht es mich hin; auf dem Hausberg Aksla war ich diesen Winter schon oft genug. Ich will lieber sehen, wie weit das Projekt Bankskøta 2015 ist, das an dem Kai eines der alten Fischerboote neu baut. Es macht Fortschritte: Der Rumpf wird gerade gestrichen.

Anschließend geht es auf neuen Pfaden weiter um das Hafenbecken, zu den alten Häusern unterhalb der schlossähnlichen Schule. Ein paar Häuser haben hier Stadtbrand und Wiederaufbau überlebt. Am Fischereimuseum vorbei bietet sich noch ein Abstecher zu dem kleinen Leuchtturm an, bevor es auch schon wieder langsam Zeit für den Rückweg ist.

Während wir dann nordwärts fahren, wird das Wetter zusehends besser: Klarer, blauer Himmel und zweistellige Temperaturen. Plus, versteht sich, nicht Minus. Am Bug bin ich alleine, aber das Sonnendeck wird gut genutzt. Recht so, schließlich stellt man sich so Norwegen vor: Einfach traumhaft. Die Präsentation der Ausflüge durch das Schiff schenke ich mir da natürlich.

Richtig ungewohnt ist es, bei deutlichen Plusgraden und Sonnenschein auf Molde zuzusteuern. Die Stadt kenne ich nur bei Dunkelheit; jetzt sticht das Scandic-Hotel richtig heraus. Das bedeutet natürlich auch, dass das Abendessen bei Tag stattfindet. Gar nicht so schlecht: So kann es schon einmal nicht wegen Polarlicht ausfallen. Trotzdem gibt es eine Nordlys-Durchsage: Wir begegnen der MS Nordlys. Verwirrung macht sich breit, da wir ihr eigentlich morgen Abend in Rørvik begegnen sollten, für heute stand die Gamle Dame MS Lofoten auf dem Programm. Letztes Mal hatte ich für die ja sogar die verhüllten Bauerntöchter stehen lassen, die wir zum Nachtisch vernaschen durften. (Wenn man die Speisekarte nicht kennt, klingt das vielleicht etwas seltsam…) Aber diesmal ist es eindeutig die Nordlys; sowohl Marinetraffic als auch der Blick aus dem Fenster sind sich einig. Die Lofoten liegt schon in Bergen…

20160404-DSC_8545Zum Sonnenuntergang findet dann der erste Vortrag statt: Hans und ich berichten von Atmosphärischen Phänomen und Polarlichtern, anschließend gebe ich Fototipps und empfehle die letzten Fotoläden auf der Route, morgen in Trondheim und später in Bodø. Wir überziehen etwas, aber die Fototipps sind Bonusprogramm, das nicht jeder mit anhören muss. Während des Vortrags überqueren wir die Hustadvika, aber das Wetter ist uns gnädig – es schaukelt kaum.

Der Abend sieht ruhig aus: Es ist zwar klar und windig, aber noch kein Polarlicht zu sehen. Gegen 23:00, nachdem wir Kristiansund hinter uns gelassen haben, ist da ein ominöser Grauschimmer am Himmel…

First Light!

First Light!

Die Kamera gibt mir grünes Licht, also ab zur Rezension und Alarm geben. Ein kurzes Telefonat von der Rezeption zur Brücke – der Kapitän meint, dass das Stadtlicht wäre. Ich deute auf meine Kamera, und als „Group Leader Astronomy Tour“ kann ich doch zu einer Durchsage überreden. Vi har lite lys, wir haben immerhin etwas Licht: Gut eine Stunde lang beobachten wir den Schimmer am Horizont, nur die große Show gibt es noch nicht. Trotzdem schon mal schön. Um halb eins packen dann auch Hans und ich zusammen, die Bilder durchsehen und etwas Schlaf für morgen sammeln, wenn Trondheim auf dem Plan steht.

 

Tag 3: Trondheim im Regen

Trollfjord in Trondheim (ohne Midnatsol)

Trollfjord in Trondheim (ohne Midnatsol)

Nach dem perfekten Wetter gestern Nachmittag zeigt sich Trondheim heute weniger gastfreundlich: Ein grauer, wolkenverhangener Himmel hängt morgens um halb acht über der Stadt. Und nicht nur die Sonne fehlt, sondern auch die Midnatsol, der wir hier eigentlich begegnen sollten. Der gesamte Fahrplan hat sich wohl um einen Tag verschoben, daher liegt die Trollfjord einsam am Kai. Grund, genug, nach dem Frühstück ebenfalls das Schiff zu verlassen und in die Stadt zu gehen.

Die ersten Regentropfen verheißen wenig gutes, aber zum Glück kommt kein starker Regen, sondern nur kleinere Schauer. Der Weg den Kai entlang lohnt sich, zahlreiche alte Schiffe haben hier angelegt – ein hübscher Anblick. Ich mache den Stadtrundgang einmal in der umgekehrten Richtung und biege nach der Brücke über die Gleisanlage Richtung Bakklandet und Nedre Elvehavn ab. Das Elvehavn-Viertel ist sehr chic, viele alte Backsteingebäude haben eine neue Verwendung gefunden und sind schön herausgeputzt.

Ohne Schnee sieht man auch einmal, was die Norweger alles auf die Straße schreiben. Es gibt häufiger die Aufforderung, doch zu Fuß zu gehen, oder Danksagungen dafür. Dabei gelten die Norweger doch eh schon als Frischluftfreunde…

20160405-09h-24m-P1090626Von Elvehavn geht es weiter zu den kleinen Holzhäusern des Bakklandet-Viertels. Wenn man die beiden größeren Straßen (und die Baustellen, die Norweger sind nicht zu unrecht Weltmeister im Renovieren) hinter sich lässt, den Rundweg ignoriert und einmal abbiegt, geht es steil den Berg hoch. Aber auch dieser Anblick lohnt sich, und ich will ja nicht immer die selben Häuser fotografieren.

Kurz vor dem Ende des Viertels (oder dem Anfang, wenn man die Standard-Tour macht) treffe ich dann auch einige von unserer Reisegruppe, die ohne mich den berühmten Fahrradlift wohl auch übersehen hätten. Er macht aber erst im April auf; jetzt (Anfang April) hat er noch zu. Über die Gamle Bro, die markante alte Brücke, geht es weiter zum Nidaros-Dom. Wie oft habe die Brücke schon geknipst? Egal!

Im Torg Einkaufszentrum

Im Torg Einkaufszentrum

In Trondheim gibt es noch einen kleinen Abstecher in das Einkaufszentrum, in das einige alte Häuser einfach integriert wurden. Hier lasse ich kein Geld, dafür lasse ich die Gäste dann wieder in Ruhe: Mein Weg führt mich wieder in die Buchhandlung. Siri Pettersens Ravneringene-Trilogie klingt ganz interessant, aber bis mein Norwegisch gut genug für Romane ist, dauert es wohl noch ein bisschen. Hier widerstehe ich mal; schließlich erwartet mich in Tromsø noch eine Bestellung.

Der Rückweg zum Schiff ist regnerischer, aber das Wetter ist noch erträglich. Nachdem wir abgelegt und Munkholmen passiert haben, muss ich meine Kamera trotzdem erst einmal trockenlegen. Anschließend wird es etwas stressig: Schnell Mittagessen, damit ich kurz nach 13:00 wieder an Deck sein kann, wenn wir die Rissa-Werft passieren. Hier wird gerade die MS Nordkapp auf das neue Arktische Design umgebaut. Da muss ich doch aus der Ferne Händchen halten, hoffentlich kriegt mein Nordkäppchen eine Vollnarkose bei der OP. Bei der Gelegenheit richte ich ihr gleich noch schöne Grüße aus Deutschland aus. (Hurtigrutenfahrer und Lieblingsschiffe sind so eine Geschichte für sich.) Aber wenn ich bedenke, dass ich diese Zeilen auf der Trollfjord schreibe, in der die Kunst des Salons der alten Harald Jarl komplett versetzt wurde, während auf der Nordkapp gerade die Kunstwerke von Karl Erik Harr entfernt werden, was dem Künstler auch nicht gefällt…

Viel Zeit bleibt aber nicht: Um 14:00 steht mein zweiter Vortrag an, und für 14:45 plant das Schiff die Passage des Kjeungskjærfyr Leuchtturms und eine Miesmuschelprobe. Also beschränke ich mich auf eine halbe Stunde, und prompt kommt die Info, dass wir Gas gegeben haben und den Leuchtturm früher erreichen. Also gibt es nur einen kurzen Ausflug in den Sternenhimmel und seine Sagenwelt, der ich mich im letzten Vortrag ohnehin mehr widmen werde. Vom Leuchtturm bekomme ich nichts mit: Am Ende gibt es noch eine kleine Fragerunde, bei der wir uns festquatschen.

Das Wetter bleibt trüb und regnerisch, trotzdem ist die Passage des Stokksunds eindrucksvoll. Sehr schön ist auch, wie viel Abstand einige Passagiere von den Pfützen an Deck halten. Falsches Schuhwerk, sag ich da nur. Trotzdem ist danach wieder Kameratrocknen angesagt, und bis zum Abendessen gibt es noch einige schöne Gespräche.

Zum Abendessen gibt es Ente – hoffentlich endet damit nicht auch der „Ententeich“, über den wir bislang gefahren waren. Im November gab es Ente und anschließend Sturm… Die Folda, die wir während des Essens überqueren, ist ebenfalls sehr ruhig.

Die Finnmarken in Rørvik

Die Finnmarken in Rørvik

Rørvik erreichen wir eine Viertelstunde früher als geplant, und hier liegt die Finnmarken vor uns. Die eingesparte Zeit wird beim Anlegemanöver aber locker wieder reingeholt, beide Schiffe brauchen mehrere Anläufe, bis alle Taue passen und wir von Bord können. So bleibt doch nur eine knappe halbe Stunde für den Besuch des anderen Schiffs, auf dem ich im Januar unterwegs war. Heinz ist wieder Reiseleiter, für ein paar nette Worte bleibt Zeit. Aber er will auch die Kollegen auf unserem Schiff besuchen, also bleibt es beim Hallo sagen. Also auf zu einem kleinen Rundlauf durch die Finnmarken. Im Vergleich mit der Trollfjord wirkt sie mit ihrer Art-Deco-Ausstattung deutlich maritimer, aber auch düster. Im Oktober sehe ich sie wieder.

Die Trollfjord in Rørvik

Die Trollfjord in Rørvik

Noch ein letztes Bild der Trollfjord schießen, und dann geht es auch wieder zurück – wir müssen weiter. Der Himmel bleibt bedeckt, sodass der Tag ruhig ausklingt und es die Möglichkeit gibt, noch einmal früh ins Bett zu kommen – schließlich steht morgen schon die Polarkreisüberquerung an, irgendwann nach 7 Uhr.

Tag 4: Polarkreisüberquerung, Bodø und Lofoten

Viking-Insel und Hestmannen

Viking-Insel und Hestmannen

Jeden Tag neues Wetter: Nach dem eher trüben Wetter gestern begrüßt uns heller Sonnenschein, als wir gegen halb acht den Polarkreis überqueren. Kurz nach sieben bin ich dann auch schon an Deck – Nordgehend kenne ich die Vikinginsel mit dem Polarkreismonument eher nur als Schemen, von dem trotz der künstlichen Beleuchtung viele unscharfe Bilder entstehen. Wenn die Sonne scheint, ist das ganze schon viel fotogener, und auch der versteinerte Troll Hestmannen im Hintergrund ist gut zu sehen – er jagte mit seinem Pferd und wehenden Mantel der schönen Lekemøya hinterher und vergaß darüber den drohenden Sonnenaufgang, sodass er versteinerte und heute noch am Polarkreis zu sehen ist.

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Bei wunderschönem und recht warmem Wetter geht die Reise weiter nach Ørnes, das wunderschön am Ende eines kleinen Fjords liegt. Die Berge spiegeln sich im Wasser, und die Sonnenbrille macht sich bezahlt. Nach Ørnes bekommen wir dann Besuch von Neptun: Der Gewinner des Polarkreiswettbewerbs wird verkündet und darf auch gleich als erster getauft werden. Anschließend stellen sich wieder viele der Ice-Bucket-Challenge und werden mit einem Gläschen Schnaps oder Aquavit belohnt. Um das Gedränge schön zu fotografieren brauche ich irgendwann mal eine kleine Kameradrohne…

Bis zur Ankunft in Bodø bleibt noch etwas Zeit für das Mittagessen. Mittlerweile bin ich zum siebten Mal in Bodø, und allmählich erkenne ich auch den Reiz dieser Stadt, oder zumindest die interessanten Orte. Vor 140 Jahren bestand die Stadt noch aus einer Handvoll Häusern, und 1940 wurde es von der deutschen Luftwaffe weitestgehend in Schutt und Asche gelegt. Seitdem hat sich viel getan. Kari hat mir den Tipp gegeben, einmal in das Nordlandmuseum direkt hinter der Kirche zu gehen. Das gelbe Haus hat den Krieg wohl überlebt und bietet neben einem Überblick über die Stadtgeschichte auch einen kleinen Wikingerschatz aus Silber, darunter eine 1,2 kg schwere Gewandfibel. Noch beeindruckender ist ein samischer Gammen, eine also eine der kleinen Hütten, die die Samen benutzten – die letzte wurde erst 1950 errichtet. Unglaublich.

Am Hafen fällt mir zum ersten Mal die Gedenksäule für den Untergang der Prinsesse Ragnhild auf, die während des Kriegs bei Bodø unterging. Der Aufbruch in die Stadt verzögert sich etwas: Es macht zu viel Spaß, den Vorbereitungen für die Bootssafari zuzusehen, die mit Speedbooten Richtung Saltstraumen fahren werden. Das Nordlandmuseum ist direkt hinter die Kirche, beide haben geöffnet und sind einen Besuch wert. Zwischen einer halben und einer Stunde kann man für das Museum einplanen, wobei auch ein 25 Minuten langer Film mit englischen Untertiteln gezeigt wird. Anschließend blieb noch genug Zeit für einen Abstecher zur Gamle Salten am Scandic-Hotel, dem Denkmal für den Brand auf der Erling Jarl und einen Blick in das Lachs-Center, bevor wir auch schon wieder auf das Schiff müssen.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Etwas später zeigt das Schiff den Nordlichtfilm, daher haben wir heute keinen Vortrag und können zusehen, wie die über 100 km lange Lofotenwand langsam Horizont auftaucht und immer größer wird. Es ist windig, aber ein traumhaftes Wetter – hoffentlich hält es bis zur Nacht.

Stamsund erreichen wir pünktlich zum Abendessen, danach nutze ich die Chance, um den zwischen hohen Bergen eingezwängten Ort einmal bei Tag zu sehen. Chic. Hier verlassen uns auch die Teilnehmer des Wikingerfests, während bei uns Nyr von 19 glücklichen Kühen auf dem Teller landet. Lecker.

Wer Wikingerfest und Nordlicht & Sterne plant, für den ist der April-Termin perfekt: Es ist während der ganzen Tour noch hell, und in Svolvær, wo es wieder an Bord geht, herrscht Abenddämmerung. Ich habe mal wieder vergessen, dass dieser Ausflug jetzt schon stattfindet, und erlebe daher die Passage nach Svolvær einmal bei Tag – und Junge, was für ein Abendlicht! Die Bilder können das kaum wiedergeben:

Das einzige, was ich nicht sehe, ist die Vesterålen, der wir eigentlich kurz vor Svolvær begegnen sollten. Auf See habe ich sie nicht gesehen, gehupt wurde auch nicht, und Marinetraffic behauptet steif und fest, sie wäre in Svolvær im Hafen. Aber zu sehen ist sie da auch nicht.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Dafür sehe ich Svolvær einmal bei Tag – die „Hauptstadt des Licht“ in der blauen Stunde. Nett. Am Hafeneingang sehe ich jetzt auch die Statue der Fischerfrauen, die Dafinn Bakke geschaffen hat und im Januar eher zu erahnen war. Eine knappe Stunde bietet genug Zeit für einen kurzen Marsch zum Scandic-Hotel mit den alten Rørbua-Häuschen und zur Galerie von Dagfinn Bakke, die allerdings geschlossen hat.

Als wir Svolvær um 22 Uhr verlassen, ist es immer noch ziemlich hell. Der Wetterbericht ist allerdings pessimistisch, und viel Polarlichtaktivität wird auch nicht vorhergesagt. Wir hatten schon deutlich mehr, aber auch sehr viel weniger. Über der Stadt hängt eine Wolkendecke mit etwas klarer Sicht am Horizont. Vielleicht klappt es ja nach dem Trollfjord, wenn es dunkler ist und wir weiter im Norden sind.

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Den Trollfjord erreichen wir mit etwas Verspätung, dafür gibt es pünktlich Trollfjordkarsk in der exquisiten Tasse (im Preis inbegriffen) und heiße Fiskekake (gratis). Für etwas Irritierung sorgt, dass der Fiskekake im Tagesprogramm als Fischsuppe angekündigt wird, aber das wird hier nicht so eng gesehen.

Gegen halb zwölf erreichen wir dann den Trollfjord, den der Captain wieder mit den Schiffsscheinwerfern beleuchtet. Vom Deck aus sind derweil die ersten Sterne zu erkennen, und wenig später auch der erste Grünschimmer – zumindest wenn man sich in den dunkleren Bereich am Heck hinter dem Schornstein zurückzieht. Also auf, die Kameras holen; das Schiff macht schon eine Durchsage, bevor ich Bescheid geben kann. Diesmal ist wohl auch der Captain von der Nordlicht-Sichtung überzeugt:-)

Ich stelle wieder mal fest, dass mir die Nordkapp lieber ist – an der breiteren Reling der Trollfjord habe ich Probleme, meine Kamera zu befestigen. Hinten am Heck geht es zu Glück, und ab Mitternacht arbeitet sie durch. Obwohl der Himmel selbst um Mitternacht noch recht hell ist (wobei Sommerzeit und Längengrad auch mit reinspielen), kann sich das Nordlicht durchsetzen und zeigt sogar etwas Farbe – oft nur ein geisterhaftes Grün, aber immer wieder auch etwas deutlicher. Nach einer Stunde, kurz vor Stokmarknes, sind auch noch einige kräftigere Bögen am Nordhorizont zu sehen, die ich mit der „Heckkamera“ aber nicht erwische. Aber wofür hat man eine Zweitkamera, und einen Kollegen, der ebenfalls eine Kamera hat. Um ein Uhr ist es auch schon weitestgehend dunkel, nur im Norden ist noch Dämmerung – langsam kommt die Mitternachtssonne.

Der Raftsund ist wieder eine grandiose Kulisse, und auch Stokmarknes ist schön. Das Polarlicht ist sehr ruhig und tanzt nicht, dafür gibt es einige schöne Bänder und Vorhänge, die sich langsam verändern. Dafür, dass kaum Aktivität vorhergesagt war, ist das gar nicht schlecht. Tromsø hatte immerhin einen Kp-Index von vier erreicht, und so hätte ich die zweite Hälfte der Show auch eingeschätzt. Nach Stokmarknes begnügen wir uns mit einem kurzen Blick nach draußen: Mehr Aktivität ist nicht zu erwarten, dafür frischt der Wind auf – immerhin haben meine Vallerret Handschuhe (aus Norwegen, via Kickstarter) sich bewährt. Kurz vor 2 Uhr ist auch keine schlechte Zeit, um die Bilder durch den Computer zu jagen und Feierabend zu machen. Am nächsten Morgen war mein kleiner Zeitraffer dann auch fertig:

Tag 5: Tromsø

Zur Abwechslung wieder ein trüber Morgen

Zur Abwechslung wieder ein trüber Morgen

Ein ruhiger Tag, zumindest für mich: Um Viertel nach neun werfe ich erstmals einen Blick aus dem Fenster und sehe einen trüben Himmel. Eigentlich war unser erster Vortrag für 9:00 geplant, aber wegen einer Terminkollision mussten wir ihn auf den Mittag verschieben. Nach der letzten Nacht ist das aber gar nicht schlecht, schließlich muss man auch mal schlafen. Daher lasse ich das Frühstück ausfallen, mache meinen Nordlicht-Zeitrafferfilm fertig, twittere ihn und gehe in Finnsnes kurz von Bord. Das Wetter ist wieder trübe – ob wir für diese Tour den Rhythmus beibehalten, dass auf einen schönen Tag ein bedeckter folgt? Von schlechtem Wetter will ich bei milden Temperaturen und ruhiger See ja gar nicht sprechen.

Finnsnes und die benachbarte Insel Senja gehören zu den Fleckchen, von denen man auf der Tour eigentlich viel zu wenig mitkriegt. Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens und auch ein beliebter Ort für Polarlichttouren. Mir langt die Zeit nur, um ein paar Meter vom Schiff wegzugehen, die Schoko-Reklame einmal nicht von hoch oben zu knipsen und ein paar Schritte die Straße entlangzugehen.

Schokowerbung in Finnsnes

Schokowerbung in Finnsnes

Nach der Bewegung in Finnsnes kann ich mich dann guten Gewissens am Mittagsbuffet dem Frühstück widmen, nachdem ich mein Blog noch aktualisiert hatte. Kurz nach 13:00 dann der Blick auf die Uhr: Schon so spät? Und das jetzt, wo es extrem leckere Mousse au Chocolat gibt, bei der in 100 Gramm wohl 200 Gramm Schokolade enthalten sind? Aber gut, um 13:15 ist Hans mit seinem Vortrag dran, und ich will schließlich auch hören, was er über die Sonne zu erzählen hat. Außerdem zeigen wir ja die Polarlichtbilder der letzten Nacht:-)

Nach dem Vortrag bleibt noch eine Dreiviertelstunde, bis wir in Tromsø anlegen. Es ist draußen schon wieder sehr winterlich geworden: Schnee dominiert, auch wenn die Temperaturen mit rund +5° immer noch angenehm sind. Aber die Anfahrt auf die Stadt lasse ich mir nicht entgehen.

Kurs auf Tromsø

Kurs auf Tromsø

Das Wetter ist immer noch trüb, aber schon etwas besser; im Lauf des Nachmittags gibt es sogar ein paar blaue Flecken am Himmel. Eigentlich ideal, um mal wieder die Stadt zu erkunden. Tromsø ist ja als Paris des Nordens bekannt, also steht Einkaufen an – die Buchbestellungen abholen, nach gescheiten Schuhen schauen, nochmal in die Buchhandlung, dann in den Coop zum Auffüllen der Vorräte, zwischendrin hoch auf den Aussichtspunkt bei der Fischereischule – der Nachmittag geht schnell rum. Irgendwie erledige ich in Norwegen immer die ganzen Einkäufe, für die ich in Deutschland keine Zeit habe… Die typischen Touri-Highlights werden natürlich ebenfalls abgeklappert, und Tromsøs Greatest Souvenir Shop hat auch einige neue Sachen im Angebot. Hier lasse ich diesmal aber kein Geld. Trotzdem: Ein Besuch ist immer wieder ein Erlebnis. So viel Kitsch, und sogar ein paar reizvolle Sächelchen.

Die Tour zur Fischereischule ist neu, bislang war mir dieser Aussichtspunkt entgangen. Den Tipp verdanke ich Marcus, der ihn auf der letzten Tour von einem Wiederholungstäter erhalten hatte. Von da oben hat man wirklich einen hübschen Ausblick. Wenn ich schon nicht auf den Hausberg Storsteinen hoch komme, weil die Fjellheisen-Seilbahn noch getestet wird, bevor Touristen reingesetzt werden, gibt es immerhin von dort einen Blick auf die Stadt. Die Gondeln der Bahn sind noch im Probebetrieb. Während der Anfahrt hing eine Gondel ziemlich lange vor der Bergstation in der Luft – ist vielleicht ganz gut, dass erst mal getestet wird.

Da der Schnee in der Stadt weitestgehend verschwunden ist, zeigen sich auch die Spuren des Winters: Zahlreiche Bürgersteige und Straßen sind zerbröselt, und etwas abseits der Innenstadt ist auch manches Haus renovierungsbedürftig. Zuerst ist aber die Straßenreinigung schwer am Schaffen: Der Bagger mit der großen Bürstenwalze, der den ganzen Rollsplit zur Seite schiebt, ist schon beeindruckend. Und der Schneehaufen neben der Fischereischule deutet darauf hin, das mit dem Schnee auch gerne mal Asphalt weggeräumt wird. Ich bin gespannt, wie es hier im Oktober aussieht, nach dem Sommer. Da es noch hell ist und die Wolkendecke weitestgehend geschlossen, brauche ich heute Abend während des Abendessens keine Polarlichtwache zu machen. Damit fällt das Essengehen in Tromsø auch aus, ich kann ausnahmsweise in Tromsø auf dem Schiff essen.

Der Rest des Tages ist entspannt: Während des Abendessens legen wir noch einmal im Norden von Tromsø an, um zusätzliche Fracht aufzunehmen, die wegen eines Streiks nicht am normalen Kai eingeladen werden konnte. Im Anschluss hält der Kapitän einen interessanten Vortrag über Leuchttürme und Navigation im Lauf der Zeit – war schön, einmal einen Einblick in seine Arbeit zu erhalten. In Tromsø hat der Kapitän übrigens gewechselt. Jeder arbeitet ja 22 Tage am Stück, und er Wachwechsel kann so einigermaßen nahe an den Wohnorten erfolgen. Nur die Crewmitglieder, die Ansprechpartner für die Passagiere sind, machen normalerweise die Rundreise von Bergen aus.

Die Nordnorge

Die Nordnorge

Ein letzter Programmpunkt bleibt noch, nachdem der Himmel bedeckt ist: Der Nordnorge winken. Da sind gerade einige Reiseleiter an Bord, die wir auch kennen, also muss das sein. Da beide Schiffe Verspätung haben, begegnen wir ihr erst kurz vor 22 Uhr. Mittlerweile ist es dunkel und windig genug, dass wir nur erahnen können, wer gerade an Bord ist. Immerhin weht der Wind mir das Handtuch nicht aus der Hand. Anschließend bleibt nur noch, den Abend zu genießen und in Ruhe ausklingen zu lassen, während die Trollfjord versucht, die Zeit wieder aufzuholen. Skjervøy erreichen wir um 23:45 mit 75 Minuten Verspätung, und damit habe ich auch wieder genug Internet, um diesen Blogbeitrag abzuschicken. Da der Himmel weiterhin bedeckt ist, ist es Zeit für Feierabend. Aber erst nach einem Gang um das Schiff, schließlich hat Skjervøy eine hübsche kleine Kirche. Wenn dieses Mal schon kein Nordlicht über der Stadt schimmert, wird wenigstens die fotografiert.

Skjervøy

Skjervøy

Tag 6: Honningsvåg

Bevor ich mit meinem Tagesrückblick beginne, muss ich erst noch einen Tipp weitergeben, der mir zugetwittert wurde. In den letzten Tagen kam die Frage auf, ob sich das Nordlicht auch schneller bewegt, oder ob wir im Fernsehen und so immer nur Zeitrafferaufnahmen sehen. Ja, die meisten Filme sind Zeitraffer und zeigen mehr Farben als unser Auge wahrnehmen kann. Aber mittlerweile sind einige Kameras so gut, dass Live-Aufnahmen möglich sind, die dem visuellen Eindruck nahe kommen. Auf meiner Februar-Reise hatte ein Passagier eine Sony A7S dabei, was Echtzeitvideos ermöglicht (in meinem Film von der letzten Reise sind ein paar Szenen von ihm dabei), und zwei Videos will ich nicht vorenthalten. Dieser hier entstand Ende März:

und dieser ist schon etwas älter, dafür mit spielenden Walen:

Ich sammle noch Spenden für eine neue Kamera…

Natürlich muss für solche Aufnahmen alles stimmen – das Wetter, die Sonnenaktivität, und man selbst muss auch am richtigen Ort sein. Trotzdem: Wow!

Wilde Landschaft

Wilde Landschaft

Und wie sieht’s grad auf der Trollfjord aus? Eher trübe: Für die Barentssee ist Regen oder zumindest eine ziemlich durchgehende Wolkendecke vorausgesagt, erst südgehend im Raum Skjervøy/Tromsø soll es klar sein (nach aktueller Prognose). Immerhin ist die Seen wieder ruhig, nachdem es letzte Nacht ein wenig Wellengang gab. Aber wirklich nur ganz wenig.

In Havøysund haben wir die Verspätung von gestern bereits fast wieder reingeholt und legen mit nur einer Viertelstunde Verzögerung wieder ab. Die Landschaft in der Magerøya-Straße ist wieder beeindruckend: Schroff, abweisend, schneebedeckt und absolut faszinierend.

Alle Vögel sind schon da

Alle Vögel sind schon da

Mittlerweile tummeln sich auch zahlreiche Vögel in der Luft und auf dem Wasser; der Winter geht eindeutig dem Ende zu, und die Tierwelt kommt zurück. Ab 9:30 zeigt das Schiff den Film über die samische Geschichte; für mich ist viel wichtiger, dass es jetzt gerade nichts zu Essen gibt – für das Frühstück war ich zu spät dran (Havøysund war interessanter), und zwischen 9:30 und 10:15 ist das Restaurant heute geschlossen. Aber auf der Reise sammelt man genug Reserven, sodass ich nicht ins Cafe ausweichen kann. Stattdessen gehe ich an den Bug, lasse mir den Wind um die Ohren wehen, führe ein paar Gespräche und sehe zu, wie Honningsvåg immer näher kommt. Das Wetter bietet von Sonne bis Regen alles, und ich lasse den Nordkap-Ausflüglern Vortritt am Buffet. Es ist auch so noch genug übrig, als wir angelegt haben, die Busse gestartet sind und ich mich meinem Frühstück widme.

Aber die Kalorien müssen auch wieder verbrannt werden, also geht es danach ab in den Ort. Endlich kann ich einmal die ganzen Statuen am Hafen zuordnen. Drei steinerne Figuren und eine Metallskulptur sind rund um das Hafenbecken verteilt:

Die Trash Art ist also bei weitem nicht das einzige Kunstwerk in Honningsvåg. Dazu kommen das Denkmal für den Hund Bamse (ein Kriegsheld), die Büste des Regisseurs Jansen am Aussichtspunkt über der Stadt und viele weitere Details. Kunst und Fisch scheinen hier sehr wichtig zu sein.

Ein Einkaufs-Schlitten

Aufmerksame Augen sehen außerdem noch einen der typischen Schlitten, die im nordnorwegischen Winter das Fahrrad ersetzen. Der Weg zum Aussichtspunkt über der Stadt ist jetzt frei, unter dem ganzen Schnee ist also eine asphaltierte Straße – gut zu wissen. Am Wegrand nach der letzten Abzweigung liegt der Schnee noch gut schulterhoch. Da sieht man mal, wo wir vor eineinhalb Monaten drübergestiefelt waren.

Honningsvåg von oben.

Honningsvåg von oben.

Der Ausblick ist wie gewohnt schön, und das Wettergeschehen beeindruckend. Vielleicht haben die Nordkap-Fahrer ebenfalls gutes Wetter? Später an Bord erfahre ich, dass sie leider Nebel hatten; nur die Anfahrt über die Insel Magerøya hatte schönes Wetter.

Auf dem Rückweg schaue ich noch beim Cafe Retro vorbei. Es ist geschlossen und wird zum Kauf angeboten. Macht die Eigentümerin doch Ernst mit ihren Plänen? Es wäre schade, aber dass sie sich mit den günstigen Preisen so lange halten konnte, hat mich ohnehin verwundert. Schade – die Heiße Schokolade war gut und günstig.

Rettungsübung in Honningsvåg

Rettungsübung in Honningsvåg

Also ab zurück auf das Schiff, wo gerade wieder ein Ernstfall geübt wird. Ein rotes Schild an meiner Kabinentür signalisiert mir, dass ich wohl erfolgreich evakuiert wurde, und im Hafen – wo mittlerweile sogar die Sonne scheint – sehen wir eines der Rettungsboote. Gut zu wissen, dass es uns im Ernstfall gut gehen würde.

Ich quatsche mich an Deck fest und komme erst lange nach dem Ablegen dazu, mal kurz in das Schiff zu gehen – vielleicht für eine halbe Stunde oder so, dann nähern wir uns auch schon der Finnkirka. Bei Tageslicht ist sie leichter zu fotografieren als im Winter, aber auch weniger fotogen. Dafür die Finnkirke ohne die Lichtshow natürlicher. Endlich kann ich auch mal mit dem Tele arbeiten und brauche nicht das lichtstarke Weitwinkelobjektiv.

Die örtlichen Fischer erklären, wie man Dorschzungen herausschneidet.

Die örtlichen Fischer erklären, wie man Dorschzungen herausschneidet.

Der örtliche Fischer ist ebenfalls leicht zu knipsen. Allerdings bringt er jetzt keine Königskrabben an Bord, sondern Dorsch. Nachdem er von seinem Speedboot aus das Schiff geentert hat, wird auf Deck neun demonstriert, wie man an die Dorschzungen herausschneidet. Einige Freiwillige dürfen sich ebenfalls daran versuchen, bis wir in Kjøllefjord anlegen. Das idyllische Örtchen ist im Frühjahr nicht mehr ganz das vertraute Winterwunderland, aber immer noch nett anzuschauen. Wir nehmen wieder Fracht auf: mehrere Paletten Eier. Anschließend steht um 18:00 auch schon das Nordkap-Buffett an. Die Dorschzungen mögen ja teuer sein, kulinarisch überzeugen sie uns aber nur mäßig – wobei ich sie gar nicht erst probiere, sondern mich auf Vorspeise (Schinkenröllchen und ähnliches) sowie Dessert (viel zu viel) konzentriere.

Eine mehrstöckige Torte stammt vom Patisserie-Lehrling im Küchenteam, die seit einem halben Jahr an Bord ist. Es traut sich wirklich jemand, dieses Kunstwerk anzuschneiden. Nun, das Buffet geht schnell, und nachdem wir in Mehamn die Teilnehmer der Schneemobilsafari wieder eingesammelt haben und über die Barentssee holpern, hält Hans seinen zweiten Vortrag über das Planetensystem. Parallel dazu signiert der Küchenchef um 20:30 das Hurtigruten-Kochbuch.

Geheimnisvolle Welten im Vortragsraum

Geheimnisvolle Welten im Vortragsraum

Anschließend bewahrheitet sich der Wetterbericht: In Berlevåg regnet es, somit haben wir heute Abend auch wieder frei. Kein Polarlicht. Mist. Und von der Lofoten, der wir vor Berlevåg begegnen sollten, ist auch nichts zu sehen – die kurvt gerade bei Stokmarknes herum.

Da das einzige Nordlys, das wir heute sehen, von der Mack-Brauerei stammt, lassen wir den Rest des Abends also gemütlich in der Bar ausklingen, bevor wir von der Barentssee (für hiesige Verhältnisse) sanft in den Schlaf gewiegt werden.

Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

Kurs auf Kirkenes

Kurs auf Kirkenes

Im Frühjahr zu fahren hat seine Vorteile, wenn man etwas von der Landschaft sehen will – sogar als Spätaufsteher. Mir bietet sich diesmal die Chance, die Anfahrt auf Kirkenes mitzuerleben. Normalerweise nutze ich diesen Aufenthalt gerne, um mit allem auf den aktuellen Stand zu kommen und das Schiff zu fotografieren, wenn alle auf Ausflügen sind, aber diesmal ist meine To-Do-Liste angenehm klein. Da kann ich nach dem Frühstück ganz entspannt die 20-Minuten-Wanderung in den Ortskern auf mich nehmen.

Im Hafen von Kirkenes treiben einige Eisschollen herum, da er vor dem Golfstrom geschützt ist – den östlichsten Punkt der Route haben wir mit Vardø in der Nacht passiert und sind nun schon wieder ein Stück südlich in einer großen Bucht. Trotzdem sind die Temperaturen recht angenehm, rund +5°C. Nach dem Frühstück und dem obligatorischen Blick in den Kiosk am Hafen geht es dann also ab in das Städtchen.

Das Feuerwehrauto ist nicht mehr im Dienst.

Das Feuerwehrauto ist nicht mehr im Dienst.

Viel zu bieten hat Kirkenes aber nicht, auch wenn die Häuser mittlerweile gut gepflegt sind und es ein paar nette Details gibt, zum Beispiel die Bären an den Laternenpfosten des Rathausplatzes, das Russendenkmal oder der Schutzbunker Anders-Grotta. Auch das alte Feuerwehrauto, das bis etwa 2002 noch im Einsatz war, hat seinen Reiz. Wohnen wollte ich hier oben trotzdem nicht, und es gibt nicht viel Wehmut, als wir pünktlich um 12:30 in See stechen und die neuen Gäste an Deck auf den Beginn ihrer Reise anstoßen können.

Die Überfahrt nach Vardø ist etwas holprig, einige Wellen sorgen für ein wenig Action. Einigen Passagieren ist es schon zu viel… mich stört zum Glück nur, dass wir Vardø wieder einmal mit Verspätung erreichen. Erst kurz vor 16:00 erreichen wir den Hafen. Die gute Nachricht: Die Liegezeit wird verlängert, wir haben doch eine volle Stunde Aufenthalt! Das langt für einen Besuch am Steilneset Hexendenkmal. Mit sehr zügigem Schritt schaffen wir den Weg in 11 Minuten – aber auch nur, weil es hell ist, der Weg zu sehen ist und kein Schnee liegt.

Bei finsterer Nacht und alleine wirkt es noch bedrohlicher, dafür sehe ich es jetzt auch einmal von außen. Rund 100 Menschen wurden hier im 17. Jahrhundert verbrannt, nachdem sie sich unter Folter der Hexerei für schuldig bekannt hatten. Ein kleines Infoheft fasst die Schicksale zusammen. In Hammerfest und Vardøhus fanden die Prozesse statt. Unter der norwegischen Bevölkerung traf es vor allem Frauen verbrannt, während bei den Sami eher Männer zum Tode verurteilt wurde – wohl auch Schamanen, die man bei der Gelegenheit gleich los wurde.

Die Festung Vardøhus

Die Festung Vardøhus

Neben dem düsteren Gang, in dem Lampen an jedes Opfer erinnern, steht noch ein Glasbau, in dem ein Stuhl brennt. Die Spiegel an der Decke sollen es jedem ermöglichen, sich einmal virtuell auf diesen Stuhl zu setzen. Das klappt nur mäßig… Aber es bleibt ohnehin nicht allzu viel Zeit, und schon bald heißt es ab zum Schiff. Noch ein paar Fotos der Festung Vardøhus von der anderen Seite, und dann ertönt auch schon die Schiffshupe – noch zehn Minuten bis zur Abfahrt. Da wird einem schon etwas anders, aber wir schaffen es als letzte noch an Bord. Hier ist dann genügend Zeit, um die Infobroschüre durchzulesen, die am Steilneset auslag.

Båtsfjord

Båtsfjord

Heute haben wir keinen Vortrag nach Vardø, und Eismeerbaden gab es auch keines. Damit können wir den Abend ruhig ausklingen lassen, und trotz des Abendessens bleibt noch Zeit für einen Blick auf Båtsfjord. Das Städtchen hat anscheinend einen Spitzenplatz bei den angelandeten Fischmengen; viel mehr als Fischerei ist hier oben aber auch kaum möglich.

Als Spätprogramm ist noch eine kurze Modenschau geplant – die wird ansonsten gerne vor Tromsø gemacht, um die Zeit bis zum Mitternachtskonzert zu überbrücken, aber diesmal findet sie einen Tag vorher statt. So können wohl alle, die in Tromsø aussteigen, noch einen Blick in den Shop werfen. Ich muss aber nicht mitmachen, schließlich laufe ich schon die ganze Reise mit der roten Hurtigruten/Helly-Hansen-Jacke rum.

Modenschau

Modenschau

Dafür werden Kari und Thomas als Models verpflichtet und auf den Catwalk geschickt, um die aktuelle Mode vorzuführen – zusammen mit einigen anderen der Crew. Das Ereignis ist recht kurz, aber trotzdem nett anzuschauen. Weniger Spaß macht dagegen der Himmel. Die Kong Harald am Hafen von Berlevåg habe ich verpasst, dafür kann ich ein paar Schneeflocken bewundern. Das einzige Nordlys gibt es heute Abend wieder an der Bar, wo wir den Tag ausklingen lassen. Schade eigentlich.

Tag 8: Hammerfest & Havnnes

Bestes Wetter vor Hammerfest

Bestes Wetter vor Hammerfest

Der Tag beginnt mehr als nur vielversprechend: Vor Hammerfest begrüßt uns ein strahlend blauer Himmel, nur ein paar Wölkchen verleihen der endlosen Weite etwas Tiefe. Kurz nach zehn nähern wir uns der Flüssiggasanlage Melkøya, und es gibt wieder Energiekaffee. Diesmal tendiert er mehr auf die schokoladige Seite; ich hatte hier schon deutlich schlechtere Mischungen. Ein paar Gäste waren so freundlich, mir eine Tasse mitzubringen, um auch meine Energiereserven aufzufüllen.

20160410-10h-12m-DSC_0647Hinter Melkøya taucht auch schon Hammerfest auf. Wir haben dieses Mal nur eine Stunde Liegezeit, ziemlich knapp für die Stadt. Also gibt es nur einen kurzen Ausflug zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Einmal durch den Hafen am Musikpavillon und an meiner immer noch gut eingeschneiten Bank vorbei zum Zickzackweg, dann rechts zu Kapelle, Kirche und Wiederaufbaumuseum. Die halbe Stunde ist für das Museum natürlich zu knapp, aber es genügt, um einen Eindruck davon zu erhalten, was hier im Krieg abging und wie Hammerfest sich danach wieder aufrappelte. Im Turm sieht man den Wandel in der Bebauung von selbstgezimmerten Hütten in der Vorkriegszeit zu vordesignten Fertighäusern nach dem Krieg und hat einen guten Blick auf die Stadt. Sehr schön ist, dass nicht nur die Zerstörungen in Hammerfest gezeigt werden, sondern u.a. auch in Mostar, Hiroshima und Dresden – Respekt. Gewinner gibt es im Krieg keine, nur sinnlose Zerstörung. Nie wieder Krieg ist ein Motto, das leider zunehmend in Vergessenheit gerät.

Im Hafen gab es noch eine schöne Überraschung: Die Gamle Mårøy liegt im Hafen. Das Schiff wurde 1959 gebaut und ähnelt den Hurtigrutenschiffen der damaligen Zeit, arbeitete allerdings als Lokalfähre und wurde später für Walsafaris eingesetzt. Zurzeit wird sie restauriert. Es ist schon eindrucksvoll, wenn man einem Schiff vom Kai aus in den Schornstein schauen kann…

20160410-12h-57m-DSC_0687

Das gute Wetter hält leider nicht an, stattdessen ziehen immer mehr Wolken auf. Aber immerhin ist die See wieder sehr ruhig, und die Landschaft wirkt auch mit dunklen Wolken oder Nebel faszinierend. Unseren nächsten Halt in Øksfjord verpasse ich: Mein letzter Vortrag steht an. Sogar ein paar Trolle kann ich in meinem Sternsagen-Vortrag einbauen.

Die Überquerung der Lopphavet unterscheidet sich kaum von der Fahrt an der Küste entlang, es ist sehr ruhig. Skjervøy erreichen wir pünktlich um 18:00. Im Winter nordgehend endete hier schon oft eine schöne Nordlichtshow; jetzt fehlen sowohl Grün als auch Blau am Himmel. Sehr schade.

Havnnes

Havnnes

Mit dem Abendessen beginnt auch der Grund für unseren kürzeren Aufenthalt in Hammerfest: Seit Anfang April fahren die Hurtigrutenschiffe wieder durch den Lyngenfjord. Die hohen Gipfel sind nebelverhangen, aber auch durch die Scheiben des Restaurants eindrucksvoll. Ich verzichte auf meinen Nachtisch und schließe mich Thomas an, der ebenfalls die Landschaft dem Essen vorzieht. Auf der Route liegt auch der alte Handelsplatz Havnnes. Unser Schiff hält hier nicht, aber wir werden dennoch freudig begrüßt: Am Kai stehen zwar nicht alle 50 Einwohner des Örtchens, aber doch eine ganze Anzahl.

Winkewettbewerb mit Havnnes

Winkewettbewerb mit Havnnes

Auch bei uns an Bord ist einiges los, zwei Offiiziere mit Norwegen-Fähnchen sind ebenso an Deck wie zahlreiche Passagiere. Unser Schiff fährt fast bis an den Kai, bevor es doch wieder abdreht. Was für ein Spektakel; am Kai wird sogar eine Feuerwerksrakete gezündet. Trotzdem nehmen wir keinen der Einwohner mit. Auf Facebook ist das ganze dann auch vom Kai aus zu sehen, inklusive Fotos: Premiereseiling i Lyngen – MS Trollfjord først ut. Anklicken lohnt sich!

Leider halten sich die Wolken zwischen den Bergen. Weder das Treffen mit der Midnatsol noch das gemeinsame Krabbenpulen an Deck machen Hoffnung auf Polarlicht, und in Tromsø kommt eine Mischung aus Schnee und Regen vom Himmel. Den mitternächtlichen Gang in die Stadt erspare ich mir und sortiere nur noch ein paar Bilder aus, bevor ich Feierabend mache.

Tag 9: Harstad, Stokmarknes und Svolvær

Die Noorderlicht

Die Noorderlicht in Harstad

Die Vesterålenrundfahrt gehört zu den Ausflügen, die ich in der Regel meide – wenn es Abends wieder einmal spät wird, ist der frühe Tourbeginn übel. Bereits um 9:15 geht die Busfahrt los; und Tromsø hat neben dem Mitternachtskonzert auch schöne Kneipen zu bieten. Da ich das Mitternachtskonzert schon zu Silvester gesehen hatte und der Nieselregen mich gestern Abend doch auf dem Schiff hielt, schaffe ich es heute früh entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch, kurz vor der Einfahrt nach Harstad wach zu sein. Die Bustour mache ich trotzdem nicht mit, aber ich sehe den Hafen einmal, sogar bei Tageslicht.

Die Trondenes-Kirche

Die Trondenes-Kirche

Direkt vor uns liegt die Nordlys; für einen Besuch ist die Zeit aber zu knapp – schade. Ebenfalls im Hafen liegt die hübsche Noorderlicht, die ich bereits im Februar in Finnsnes gesehen hatte. Was mich eigentlich aus den Federn getrieben hat, ist die Kirche von Trondenes. Die älteste Steinkirche Norwegens liegt ein Stück außerhalb der Stadt und ist mangels Kirchturm kaum als solche zu erkennen – er steht ein Stück abseits, da der Troll, der die Kirche einst errichtete, sie nicht mehr vollenden konnte.

Nach der Fotosession steht erst einmal Frühstück an, um dann die Fahrt durch die Risøyrinne zu genießen. Sie ist nur wenig tiefer als unser Schiff, sodass der Kapitän sich strikt an die Markierungen halten muss. Neben den Kormoranen besiedeln jetzt auch zahlreiche Möwen und andere Vögel die Strecke.

Der Königsstein in Risøyhamn

Der Königsstein in Risøyhamn

In Risøyhamn steht für Thomas und mich ein kurzer Spurt zum Königsstein an. Beim Verlassen des Schiffs heißt es: Drei Minuten – aber das langt, die eigentliche Liegezeit beträgt ja 15 Minuten, und der Weg ist nicht so weit. Wir schaffen das. Der Stein wurde von den Königen Håkon und Olav anlässlich der Eröffnug der Risøyrinne unterzeichnet und ist wohl das touristische Highlight des Ortes, zumindest für Reisende auf der Hurtigrute. Für die benachbarte Galerie bleibt gewiss keine Zeit… Also hin und wieder zurück, mit ein paar Fotos mehr in der Kamera. Diese Exkursion ist deutlich entspannter als der Besuch beim Hexendenkmal in Vardø…

Hallo, Ausflügler!

Hallo, Ausflügler!

Die Reise geht weiter nach Sortland. Kari hat einige Leute zusammengetrommelt, damit wir den Ausflugsbussen zuwinken können, wenn sie die Brücke zeitgleich mit uns passieren – immer wieder ein netter Spaß. Sortland selbst fällt natürlich mit dem Mittagessen zusammen; die blaue Stadt sehe ich auch mit dem Frühjahrsfahrplan immer nur vom Schiff aus.

Der nächste Halt ist Stokmarknes mit dem Hurtigrutenmuseum. Bei einer Stunde Aufenthalt kann man entweder in das Museum mit der alten Finnmarken gehen, sich das Städtchen anschauen oder einen Ausflug in den Coop machen, um Souvenirs wie Moltebeerenmarmelade oder Schokolade zu kaufen.

Im Raftsund

Im Raftsund

Eine halbe Stunde nach Stokmarknes geht es auch schon in den Raftsund. Nordgehend hatten wir hier Polarlicht, jetzt tiefhängende Wolken. Der Eindruck: Mit dem Schiff durch die Alpen. Die hohen Felswände sind zum Greifen nah, faszinierend. Irgendwann fängt dann das Rätselraten an: Wo startet eigentlich die Seeadler-Safari? Wir legen zu Beginn dieser Exkursion doch an gar keine Hafen an?

Mitten im Raftsund geht dann ein relativ kleines blaues Boot längsseits und legt an der Steuerbordseite der Trollfjord an – nur die Ballons an der Seite verhindern eine Kollision. Eine Gangway wird ausgelegt, und die Teilnehmer der Safari klettern an Bord. Also so läuft das hier…

Der Trollfjord

Der Trollfjord

Die Vogelfreunde nehmen wir erst in Svolvær im Hafen wieder an Bord, für uns geht die Reise weiter Richtung Trollfjord. Wegen Lawinengefahr ist er immer noch gesperrt (auch die Seeadler-Tour darf nicht hinein), aber vorne am Bug herrscht andächtiges Schweigen, als wir uns langsam der engen Mündung nähern. Die umliegenden Gipfel sind in Wolken verhüllt – es gehört nicht viel Fantasie dazu, um im Nebel Trolle und andere Wesen zu vermuten.

Schließlich drehen wir ab, und das viel zu frühe Abendessen wartet auf uns: In Svolvær stehen immer wieder Ausflüge an, auch wenn die Angeltour mangels Teilnehmern abgesagt wurde. Mittlerweile geht auch ein ekelhafter Schneeregen herunter… Zwei Stunden reichen aus, um sich das Städtchen und jede Menge Stockfisch anzuschauen, oder im Anker beim Scandic-Hotel zu versumpfen. Die Kneipe ist urig, wobei sie im Winter noch besser wirkt, wenn draußen keine Spuren der Moderne zu sehen sind.

Svolvær

Svolvær

Da wir noch bei Tageslicht hier sind, sind auch die Berge im Hintergrund gut zu sehen, mit der Svolværgeita – zwei 1,8m auseinander stehende Bergspitzen, die wie Hörner aussehen. Bei der Abfahrt ist es wieder trocken, und in der Bar ist viel los: Einige Musiker aus Tromsø geben ein kleines Konzert. Kaum tut sich was, ist die Bar gefüllt. Das ist ganz was anderes als die Konservenmusik, die ansonsten den Raum erfüllt – sehr schön. So kann man den Tag ausklingen lassen.