Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Kurs Kirkenes

Kirkenes – der Name weckt Sehnsüchte nach Ferne und den Geheimnissen des höchsten Nordens, denen die Stadt kaum gerecht wird. Die Stadt an der russischen Grenze wurde zwar in den letzten Jahren renoviert und besitzt gut gepflegte Häuschen, aber touristisch hat sie nicht so viel zu bieten. Und in einem warmen November wie diesem finden Ausflüge wie Schlittenhunde oder Schneehotel noch nicht statt.

Immerhin: Es ist noch hell, wenn wir in Kirkenes sind, schließlich liegt der Hafen ein gutes Stück südlich der Barentssee, etwa auf der Höhe von Tromsø. Ein Spaziergang in die Stadt bietet sich also an.

Vertrauenserweckende Stützmauern

Etwa 20 Minuten kann man für die Strecke vom Hafen in den Ort einplanen. Der Kiosk direkt am Hafen hat einen neuen Anstrich erhalten, während im Ort schon wieder Renovierungsarbeiten nötig sind: Eine Stützmauer, die mit Seilen in der Erde verankert ist, die sie eigentlich stützen soll, ist eine gewagte Konstruktion…

Irgendwann muss ich auch einmal den Ausflug zur russischen Grenze mitmachen. Auf dem Weg in den Ort begegnen wir dem Ausflugsbus am Russendenkmal, und ausnahmsweise hat auch die Anders-Grotta einmal geöffnet. Der Zugang in den alten Schutzbunker ist zwar gesperrt, aber wenigstens die Tür ist einmal offen.

Die Anders-Grotta

Wir machen diesmal nur die kleine Runde, zur Kirche, kurz ins Stadtzentrum und – als Premiere – ins Amfi-Einkaufszentrum. Der große Outdoor-Outlet ist eindeutig auf den Handel mit Russland ausgelegt: Groß und nicht allzu günstig.

Auf dem Rückweg bemerke ich einen (neuen?) Souvenirladen für russische und norwegische Souvenirs (interessante Kombination im Schaufenster) sowie die bekannten Stapel aus Fangkäfigen für die Königskrabbenjagd. Kurz vor dem Schiff macht sich auch die Sonne noch einmal bemerkbar – hübsch.

Vardø

Viel steht an diesem Tag nicht auf dem Programm: Wir verlassen Kirkenes mit etwas Verspätung und überqueren die ruhige, offene See bis Vardø, das wir erst deutlich nach 16 Uhr erreichen – und das Anlegen gestaltet sich auch etwas schwieriger. Die knappe Liegezeit ist viel zu knapp für einen Spurt zum Hexendenkmal, und bei Wind und leichtem, aber eiskaltem Regen verzichte ich auch dankend auf einen Kurzbesuch bei der Festung Vardøhus. Funny Fact am Rande: Auf der Hurtigruten-Webseite wird munter 15:45 als Ankunftszeit angegeben, obwohl die Schiffe kaum vor 16 Uhr ankommen – das wäre wohl nur ohne Beschleunigen und Bremsen möglich… Auf dem Schiffsfahrplan steht 16 Uhr als Ankunftszeit, aber da wir in Kirkenes rumgetrödelt haben, kommen wir sogar noch später an.

Båtsfjord – die weißen Punkte sind keine Schneeflocken, sondern Vögel, die gegen den Wind kämpfen

Eismeerbaden gibt es auch keins, das findet erst ab Ende des Monats statt. Wahrscheinlich ist es noch zu warm… Also beschränken sich die abendlichen Aktivitäten auf den Tagesrückblick des Expeditionsteams, das Abendessen (zur Abwechslung im Bordbistro, das Menü reizt uns heute nur wenig), den Halt in Båtsfjord (sehr windig um 20 Uhr) und gelegentliche Blicke in den wolkenverhangenen Himmel. Kai nutzt die Gelegenheit, um um 20 Uhr einen Vortrag über die Hurtigrute und unser Schiff einzuschieben. Dementsprechend wenig sehe ich von Båtsfjord, aber bei dem Wind ist das kein Verlust. Sogar die zahlreichen Vögel im Hafen kommen kaum von der Stelle. Dann lieber ein paar Infos über Vergangenheit und Zukunft der Hurtigrute mitnehmen, Kai macht das ja auch sehr gut.

Die Trollfjord

Das einzige Highlight des Abends verpassen wir fast: Die Begegnung mit der nordgehenden Trollfjord. An Bord ist eine weitere Nordlicht-und-Sterne-Gruppe, für die Hans Koechl twittert. Da es keine Schiffsdurchsage zu dem Treffen gab, verpassten wir es nur dank Marinetraffic nicht und waren zum Winken an Bord – aber da auf der Trollfjord ebenfalls keine Durchsage gemacht wurde, konnten wir nur den Kollegen in der Bar zuwinken…

Bleibt noch die Hoffnung auf Nordlicht. Gegen 23 Uhr sollen wir eine Wolkenlücke erreichen – ich quatsche mit Gästen fest, aber als ich dann doch mal einen Blick raus werfe, ist auch gegen Mitternacht nichts zu sehen. Da mit Mehamn um 0:45 bereits der nächste Hafen naht, verzichte ich auf eine weitere Polarlichtwache und verabschiede mich gegen halb 1 vom Deck.

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