Die erste Nacht im Castillo de Añón de Moncayo, unserer Burg aus dem 13. Jahrhundert mit modernem Komfort (bequemes Bett, fließendes Wasser und leistungsstarke Klimaanlage) ist vorbei, und beim Frühstück gibt es eine kleine Überraschung: Die Burgherrin hat am selben Tag Geburtstag wie ich. Ob sie das bei der Sprachbarriere kapiert hat, weiß ich nicht, aber ich starte den Tag mit einem Full Spanish Breakfast: Frisches Brot, Tortillas, hausgemachte Marmelade, Melone, Tomate-Mozarella und O-Saft, dazu Zitronenkuchen und Croissants. Damit kommt man ähnlich weit durch den Tag wie mit einem Full Scottish Breakfast, aber es könnte gesünder sein als die deftige schottische Version.
Lecker ist es auf jeden Fall. Dann wird die Kühltruhe gefüllt, und es geht zum nächsten Abenteuer: Mit dem Sport-Kombi in die Halbwüste der Bardenas Reales. Dort erwarten uns Felsformationen, die eher nach Marokko gehören, und ein Paradies für Allrad-Fahrzeuge. Alternativ Reisen: Statt Schottland im Porsche mal Halbwüste im tiefergelegten Sportkombi. Ich bin gespannt…
Wir fahren eine gute Stunde durch das Ebro-Tal, bis die ersten Schilder auftauchen. Am Eingang der Bardenas ist ein Besucherzentrum mit vollem Parkplatz und zwei langen Schlangen: Einer für die beiden Unisex-Toiletten, und einer für den Info-Schalter, an dem man einen mäßig hilfreichen Flyer und sonst wenig Infos erhält. In der Mitte der Bardenas Reales ist ein Militärstützpunkt, da darf man nicht reinfahren, ansonsten soll man wegen Vogelbrutzeit und Schutzgebieten auf den Wegen bleiben, ansonsten kann man überall anhalten, wo man will.
Wir machen den harmlosen, etwa zweistündigen Rundkurs um den Militärstützpunkt. Die Landschaft hat schon was, und der erste Halt lässt nicht lange auf sich warten. Schilder gibt es keine, also am besten da halten, wo schon andere Autos stehen oder es interessant aussieht.






Die erste Station mit lauter vielleicht zwei Meter tiefen Cañons neben der Straße hätte ich beinahe übersehen. Eine interessante Mondlandschaft.



Man merkt, dass es hier auch mal regnet: Nicht nur, weil es doch einiges an Büschen gibt, sondern auch, weil die Lehmlandschaft von der Erosion geformt wurde. Die Straße ist übrigens eine normale Schotterpiste, Steinschlag ist die größte Gefahr. Aus gutem Grund gilt hier Tempo 40. Nur ein paar Geländewagen geben Gas und nebeln die Straße ein. Ein Stück Bardenas Reales nehme ich so bis nach Deutschland mit, mal sehen, was die heimische Waschanlage kann…
Neben diesen Canyons gibt es auch immer wieder schöne Felsformationen am Straßenrand. Die Hitze ist sogar erträglich, obwohl wir etwa von 11 bis 14 Uhr unterwegs sind. Dass man immer nur ein paar Schritte weg vom Auto gehen muss, macht die Sache sehr angenehm; dafür hat man immer wieder die selben Wohnmobile vor sich.






Obwohl das Gebiet auf einer gut ausgebauten Schotterpiste zu befahren ist, sahen wir trotzdem ein Auto mit Reifenpanne. Ich vermute, ein Mietwagen – da erhält man teilweise üble Reifen ohne Profil. Ich bin jedenfalls problemlos durchgekommen, die Bardenas stellen kein normales Auto vor eine Herausforderung.
Nach zweieinhalb Stunden waren wir dann fast am Ende der Rundfahrt, eine besonders markante Formation zog die Besucher an. Der Castil de Tierra ist eine Pyramide, bei der der härtere Deckstein die Erosion behindert und die irre Form verursacht hat.



Nach rund drei Stunden verließen wir die Lehmwüste – gerade rechtzeitig, um am Besucherzentrum vor verschlossenen Türen zu stehen. Siesta von 14 bis 15 Uhr. Nun, immerhin haben wir die Bardenas Reales gesehen. Morgen ist das Gebiet wegen Sonnenfinsternis geschlossen. Überhaupt wurden schon einige Straßensperren angekündigt. Gut, dass wir das heute gemacht haben.
Das nächste Ziel waren die nahe gelegenen Cuevas de Arguedas. Die haben wir aber nur aus der Ferne gesehen: Das Navi lotst mich in den Ort, von wo ich sie zwar sehe, aber nicht hinkomme; und im zweiten Anlauf finde ich nur Wohnmobilparkplätze, weiß aber nicht, wo ich parken könnte. Ich gebe auf und steuere Tarazona an, die nächste größere Stadt vor Añón de Moncayo.
Die Stadt hat noch fast 11.000 Einwohner, ihre einst blühende Streichholz-Industrie gehört mittlerweile auch der Vergangenheit an. Wir parken auf einem Parkplatz in der sengenden Sonne, es ist wärmer als in den Bardenas. Zumindest einen guten Blick auf die hochgelegene Altstadt haben wir von hier. Aber es ist heiß! Ohne einen großen Plan geht es erst zur imposanten Kathedrale, die auf das 12. Jahrhundert zurück geht. Sie liegt im Tal vor der Stadt, die Lage geht wohl auf wesentlich ältere Kultbauten zurück.






Der Eintritt in die Kathedrale ist mit 6 Euro noch erschwinglich (wobei wir das kleine Besuchspaket nehmen), und der Bau ist durchaus eindrucksvoll. Die Verständigung klappt halbwegs, und wir erhalten auch einen deutschen Audioguide, der aber nicht dazu motiviert, ihn komplett anzuhören. Egal, eindrucksvoll ist es allemal. Interessant sind auch die Fenster, die nur halb durchsichtig sind – ist das Alabaster? In Anbetracht der vielen Waldbrände entlocken mir die elektronischen Votivkerzen ein Lächeln.
Ohne großen Plan – auch wenn wir einen Stadtplan an der Kasse der Kathedrale mitnehmen – geht es dann noch auf einen kleinen Rundgang durch die Altstadt. Die ist durchaus eindrucksvoll, teilweise heruntergekommen und nicht auf Touristen ausgelegt. In der Altstadt finden wir weder Restaurant noch Eisdiele oder andere Läden, und in der Neustadt am Fuß des Hügels haben die Restaurants noch zu.






Der Rückweg führt an der Stierkampfarena vorbei und zurück nach Añón, mit einem kurzen Halt im Supermarkt, Abendessen kaufen. Anschließend vielleicht noch ein kurzer Abstecher zum Mirador de la Diezma? Warum eigentlich nicht. Kurz in Grisel abbiegen, die Straßen werden immer schmaler und sehen irgendwann nach Fußweg aus. Ich lasse das lieber und versuche zu wenden. Ein Einheimischer bietet seine Hilfe an und beschreibt den Fahrweg (ganz woanders), ich bedanke mich und fahre heimwärts, da ich mir die Beschreibung eh nicht merken konnte.
Und dann wird auf der Burg der Abend und der Sonnenuntergang genossen. Es ist perfekt klar, die Sonne steht zur rechten Zeit über dem Berghang – so darf es morgen bitte aus sein!

