Hurtigrute Tag 4: Bodø

Der tägliche Marschbefehl

Der Tag fängt früh an – sogar früher als erwartet: Zwischen halb acht und acht sollen wir den Polarkreis überqueren, aber mich weckt das Bugstrahlruder schon bei dem Halt in Sandnessjøen gegen 4:30. Bis der Wecker für den Polarkreis klingelt, kann ich auch nicht mehr einschlafen…

Gut zwei Stunden nach Sandnessjøen kommt dann die Durchsage, dass der Polarkreis naht. Bis hier reicht die Polarnacht, am 21. Dezember kommt die Sonne hier nicht mehr über den Horizont. Dementsprechend dunkel ist es auch jetzt schon. Beste Chancen für verwackelte Bilder der Kugel auf der Insel Vikingen, aber diesmal trifft der Schiffsscheinwerfer das Monument, als wir gegen 7:46 den Polarkreis überqueren, und scharfe Fotos sind möglich. Auf Deck 5 ist ausreichend Platz, während auf Deck 7 das Expedition Team Show macht.

Die Richard With am Polarkreis

Ein paar Minuten später bin ich noch einmal an Deck: Wir treffen die südgehende Richard With, auf der ebenfalls eine Nordlicht-und-Sterne-Gruppe ist – wir haben aber diesmal keine Vinkekonkurranse organisiert.

Das Frühstück verschiebe ich auf später: Direkt nach der Polarlichtüberquerung sind alle wach, und dementsprechend voll ist der Frühstücksraum.

Also ein spätes Frühstück, dann geht es zur Reiseleitersprechstunde. Wie üblich geben Margit und Andreas Tipps zu Bodø, während Thomas und ich uns wieder um die verschiedensten Kameras kümmern und ebenfalls Tipps zu den Ausflügen geben, die wir kennen. Bei der großen Gruppe sind wir gut beschäftigt, und ich verpasse beinahe den wunderschönen Hafen Ørnes um 10 Uhr. Erst als wir schon wieder abgelegt haben, komme ich endlich für ein paar schnelle Handy-Fotos an Deck.

Um 10:30 geht es schon mit dem nächsten Programmpunkt weiter: Ich komme gerade rechtzeitig zur Polarkreistaufe, als Njörd schon an Deck ist und in seine Tröte pustet – immer wieder eindrucksvoll:-) Von der anschließenden Taufe mit Eis bekomme ich aus der letzten Reihe nichts mit: Bei weit über 300 Passagieren ist das Sonnendeck voll, und ich müsste mich nach vorne kämpfen. Aber die Bilder könnte ich eh nicht ins Blog setzen, da lasse ich das Erlebnis denen, die das noch nie mitgemacht haben. Eine Polarkreistaufe langt ja, und die habe ich längst hinter mir.

Anschließen ist der Postmann an Bord und stempelt mit dem Polarkreisstempel; ich genieße die Ruhe der Seestrecke ohne Häfen und hole etwas Schlaf nach, bevor wir kurz nach 13 Uhr Bodø erreichen. Zweieinviertel Stunden haben wir in der modernen Stadt, ausreichend für einen Gang durch den Ort. Großes Programm habe ich diesmal nicht: Mein gesuchter Kalender wurde dieses Jahr wohl nicht veröffentlicht, und Weihnachtsmarkt ist auch noch keiner. Also ein kleiner Rundgang am Hafen entlang, einen Blick auf die Gamle Salten und in das Einkaufszentrum werfen. Bodø zeigt sich im Licht der tiefstehenden Sonne von seiner besten Seite, der Himmel hat ein grandioses Farbenspiel.

Im Hafen fallen die zahlreichen grauen Schiffe von Küstenwache oder Marine auf. Das Verhältnis zu Russland ist gerade nicht das beste, letzten Monat wurden ein paar Drohnenpiloten hops genommen.

Bodø selbst ist ja eine moderne Stadt, da sie im Krieg völlig zerstört wurde. Erinnert mich immer wieder an Heilbronn, der Charme erschließt sich auch hier erst auf den zweiten Blick. Aber sie hat ihre hübschen Stellen. Zum ersten Mal werfe ich auch einen Blick in die Domkirche: Sie ist deutlich hübscher, als ich erwartet hätte.

Als wir wieder am Schiff sind, erstrahlt der Himmel im schönsten Rot. Anschließend geht die Fahrt Richtung Lofoten. Für den Leuchtturm Ladegode ist es bereits zu dunkel, auch von der Lofotenwand ist in der finsteren Nacht nichts zu sehen.

Eigentlich hatten wir für 16 Uhr einen Vortrag geplant, aber das Expeditionsteam bietet Fotokurse an: Um 11:15 gab es den Kurs auf Englisch, um 17 Uhr auf Deutsch, und das Gathering mit dem Expeditionsteam wurde auf 16 Uhr vorverlegt – daher wurde mein Vortrag über den Sternenhimmel auf 17 Uhr verschoben.

Kein Problem, wenn nicht um 16:45 Uhr Polarlichtalarm gegeben würde. Aber es ist erst einmal nur der berühmte “schöne (Kamera-)grüne Bogen”. Da haben wir gestern mehr gesehen. Kurze Krisensitzung: Wir bieten den Vortrag doch an. Da ich ihn alleine halte, hält Thomas Polarlichtwache, um Bescheid zu geben, wenn es sich lohnt, rauszuschauen. Aber alles ist ruhig, ich erzähle wieder meine Märchen (bzw. die griechischen Sagen, die hinter den markantesten Sternbildern am aktuellen Nachthimmel stehen), und im Anschluss gibt Andreas noch eine kurze Vorschau auf den morgigen Tag. Sogar das Abendessen können wir genießen.

Stamsund

Erst in Stamsund, als viele das Schiff verlassen, um das Wikingerfest zu besuchen, geht die Show wieder los. Das meiste verpasse ich, weil ich meinen Rundgang auf der falschen Seite vom Schiff beginne und mich am Heck festquatsche. Als ich auf der Backbordseite ankomme und freie Sicht habe: Ja, da geht was. Ab zur Rezeption, Bescheid sagen: Es ist gerade keiner vom Expeditionsteam da, um das zu überprüfen, aber sie wollen Danilo Bescheid sagen. Was sie und ich nicht wissen: Kurz vorher war Thomas da, und Danilo war schon am Bescheid sagen. Ich schnappe mir meine Kamera und schnalle sie an die Reling, während die Durchsage gemacht wird.

Es ist nicht die ganz große Show, aber schon mal vielversprechend. Nicht nur im Zeitraffer ganz hübsch anzuschauen:

Polarlicht zwischen Stamsund und Svolvær
Schreitende Frau

Als wir in Svolvær anlegen, hat der Himmel sich wieder beruhigt, und wir machen einen kurzen Spaziergang durch die Stadt: Margit hat hinter der Kirche eine schreitende Frau gesehen – eine neue Statue aus Metall, die eine gut zwei Meter große Frau darstellt. Allerdings weiß auch in Svolvær niemand, wen sie darstellt oder warum sie da steht… Ein bisschen gespenstisch ist sie jedenfalls schon, wenn man ihr nichtsahnend in der Finsternis begegnet.

Auf dem Rückweg noch ein schnelles Foto von der Kirche, mal aus einer anderen Perspektive, und dann retour zum Schiff.

Zwischendrin ein Blick nach oben: Okay, da gibt sich das Polarlicht Mühe und ist sogar aus der Stadt schön zu sehen. Ich habe natürlich kein Polarlichtobjektiv dabei, also muss das Handy herhalten. Der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz liefert mir endlich den klassischen Schnappschuss von Polarlicht über einem eingeschneiten Tannenbaum.

Auf dem Schiff dann etwas Hektik, die Kamera auspacken und auf Deck 7 an die Reling schnallen. Trotz der hellen Stadt ist es noch einige Zeit schön zu sehen, bevor wir ablegen.

Als wir Svolvær mit etwas Verspätung verlassen, komme ich kaum noch an meine Kamera ran: Auch wenn eigentlich genug Platz ist, drängt sich alles an der Reling. Während wir Kurs auf den Raftsund nehmen, zeigt die Nikon an der Reling in die falsche Richtung, aber wofür hat man zwei Kameras?

Derweil hat das Restaurant alles für den Verkauf des berühmten Trollknerz aufgebaut – das Getränk habe ich einmal probiert, mein Fall ist es nicht. Aber man kann für 79 NOK (oder 99 “mit Schuss”) auch die Blechtasse behalten.

Gute Show, bis das Licht dann irgendwann diffuser wird.

Polarlicht nach Svolvær

Richtung Raftsund lässt die Aktivität etwas nach, aber der Käpt’n will uns wohl ohne Störung Polarlicht jagen lassen. Zumindest wird der Halt am Trollfjord abgesagt. Am Wetter kann es diesmal eigentlich nicht liegen, ruhiger kann die See kaum sein… Aber wir haben ja südgehend noch eine Chance, vielleicht auch noch in der Dämemrung.

Aber das Licht macht nur kurzen Pausen: Bis 23 Uhr gibt es eine schöne, recht ruhige Show, dann Pause zum Aufwärmen, und kurz vor Mitternacht geht es noch einmal richtig ab.

Später höre ich, dass es bis um 3 Uhr oder so immer wieder was zu sehen gab, aber kurz nach Mitternacht streiche ich die Segel (die kurzen Polarnächte fordern ihren Tribut) und füttere meinen Rechner mit den Bildern. Keine leichte Aufgabe – die Festplatte ist voll, ich muss mit der externen Platte arbeiten.

Polarlicht im Raftsund

Doch, kann sich sehen lassen – gerade gegen Mitternacht war es nicht nur hell, sondern auch deutlich in diesem geisterhaften Grün, das kein Foto so richtig wiedergeben kann, und etwas Bewegung war auch dabei. So macht der Job Spaß!

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