Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Morgens, halb 9 in Norwegen

Der Tag fängt früh an: Irgendwas pfeift auf diesem Schiff morgens um halb sechs. Weiterschlafen klappt da auch nicht, obwohl es erst spät hell wird. Vor 8 wird das trotzdem nichts mit dem Frühstück, und danach kann man die Morgenstimmung genießen, während wir durch den landschaftlich wenig spektakulären Trondheimfjord schippern.

Der Tag fängt spät an: Wir erreichen Trondheim mit 20 Minuten Verspätung. Vor ein paar Jahren lagen wir hier noch gemeinsam mit dem südgehenden Schiff am Kai und hatten den ganzen Vormittag Zeit für die alte Hauptstadt mit ihren reizvollen Häuschen, dem imposanten Nidaros-Dom und dem alten Bischofssitz. Jetzt haben wir regulär nur drei Stunden Aufenthalt, wobei man zu Fuß schon gut 20 Minuten für den Weg in die Stadt einplanen kann. Eigentlich hatte ich mir im Oktober überlegt, mir schon mal die passende App für die Leihfahrräder und E-Roller zu suchen, um schneller nach Trondheim zu kommen, aber bei dem Schnee ist das keine gute Idee. Also bleiben nur knapp zwei Stunden für den eigentlichen Rundgang durch die Stadt. Gut, dass ich schon weiß, wo ich fotografieren will…

Bevor wir Trondheim erreichen, sehen wir noch die südgehende Nordlys, die gerade unseren Platz am Kai freigemacht hat, die alte Kloster- und Gefängnisinsel Munkholmen, und die Hanseatic Spirit – ein Hapag-Lloyd-Schiff, das gerade ebenfalls die norwegische Küste entlang fährt, aber als Kreuzfahrtschiff mit längeren Aufenthalten in den Häfen. Also sowas wie wir gestern in Ålesund, nur überall und deutlich teurer. Dafür entfallend ie Halte in den kleinen Häfen, die eigentlich den Reiz der Reise ausmachen.

In Trondheim stürmen wir von Bord, schließlich haben wir ein straffes Programm – bis auf Volker, dessen CruiseCard spinnt. Mittlerweile hat er die neunte oder zehnte, weil seine Zimmertür ihn immer wieder ausgesperrt hat. Und jetzt lässt sie ihn nicht von Bord – das kostet wertvolle Minuten.

Und dann: Ab in die Stadt, über Nedre Elvehavn am Fluss entlang über Bakklandet zum Dom.

Die Straßen sind recht frei, aber es liegt noch einiges an frischem Schnee. Als es rechts über den Nidelv in die Stadt geht, biegen erst noch links zum eingeschneiten Fahrradlift ab und dann geradeaus zum Flussufer – es das Wasser steht überraschend hoch, die Treppe führt bis ins Wasser. Ein kurzes Stadtpanorama schießen, dann rüber über den Fluss zum Dom.

Gamle By Broa und Nidaros-Dom von ihrer schönsten Seite

Die alte Stadtbrücke mit dem Dom im Hintergrund zeigt sich heute von ihrer schönsten Seite. Fototechnisch lohnt sich dieser kleine Marathon-Lauf wirklich.

Weiter geht’s zum Dom, dann in das Einkaufszentrum Torget, das einige alte Häuschen integriert hat, ein 3-Minuten-Aufenthalt in der Buchhandlung, um einen Kalender zu kaufen, dann zur Var Frue Kirke, einen Blick auf den Weihnachtsmarkt werfen, eine heiße Schokolade besorgen und über Siftgården – Norwegens größtes Holzhaus und Sitz der Königsfamilie – zurück zum Schiff. Langt gerade so.

Ganz ehrlich: Früher war das entspannter, als man sich noch für einen Kaffee in Trondheim hinsetzen konnte. Aber dafür haben wir ja Ålesund…

Jedenfalls komme ich auch diesmal nicht dazu, nach neuen Schuhen zu schauen. Ob mein Schuhgeschäft in Trondheim mich schon vermisst? So sind wir jedenfalls ein paar Minuten vor Ablegen wieder auf dem Schiff und verzichten auf das Mittagessen (die Alternative war eine Østepølser im Narvesen am Bahnhof, langt auch).

Der weitere Tag ist recht ruhig – ein Seetag, den Onkel Heinz mit Vorträgen füllt. Um 15:30 passieren wir in der blauen Stunde den Kjeungskjærfyr, den oft fotografierten roten Leuchtturm. Wegen zu kalt findet der Point of Interest nicht an Deck statt, sondern über die Bordsprechanlage.

Anschließend gibt’s vom Schiff das Treffen mit dem Expeditionsteam und Wikinger-Vortrag, der kurz vor unserem ersten Vortrag um 17 Uhr endet. Wer will, kann also nahtlos berieselt werden – und da Onkel Heinz gleich mit dem Ausflüge-Verkaufen beginnt, haben wir nicht einmal eine Chance, unseren Vortrag noch einmal durchsagen zu lassen. Hier ist wirklich volles Programm.

Volker und ich berichten dann über das Polarlicht, was es ist, wie man es fotografieren und vor allem auch beobachten kann. Für heute Abend stehen die Chancen gar nicht schlecht, es ist zumindest sternklar. Dann: Abendessen. Wir können wieder zwischen verschiedenen Menüs auswählen. Die Vorspeise kommt rasch um kurz nach 18 Uhr, der Hauptgang dann eine Dreiviertelstunde später, ziemlich genau passend zum Beginn der offenen Seestrecke der Folde. Da gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten…

Die Folda hat heute keine besonders hohen Wellen, dafür Windstärke 6 mit Böen bis 9, aber zum Glück vom Land. Daher ist nicht allzuviel Bewegung im Schiff, aber die Gischt sorgt dafür, dass es an Deck trotzdem unangenehm ist. Zeit für ein bisschen Verwaltungskram; Bei dem Spritzwasser sieht man draußen eh nicht viel.

Denkste.

Kurz nach 20 Uhr kommt die Meldung, dass wir das erste Nordlicht an backbord haben. Gefolgt von der Meldung von Onkel Heinz, dass das noch länger bleibt und man doch bitte im Restaurant bleiben und aufessen soll. Aber deshalb haben wir ja die erste Sitzung um 18 Uhr: Um rechtzeitig fertig zu sein. An Deck ist es ordentlich windig: Auf Deck 5 keine Chance, ohne komplett durchnässt zu werden, und an Deck 7 ist es bei dem Wind sportlich, meine Kamera an die Reling zu klemmen. Zum Glück gibt es kaum Seegang. An Steuerbord im Norden zeigt sich der berühmte “schöne grüne Bogen”: Erst gräulich, dann mit zunehmender Zeit und Dunkeladaption (nur die Weihnachtsbeleuchtung vom Schiff brennt wacker weiter) auch in geisterhaftem Grün. Ein wenig Strukturen sind zu erkennen – noch nicht die große Show, aber schon deutlich zu sehen.

Die Nordkapp

Etwa eine halbe Stunde vor Rørvik baue ich meine Kamera dann ab: Das Licht wird schwächer, und wir nähern uns dem Hafen. Zeit, die Kamera trocknen zu lassen… Die Nikon hat wieder zuverlässig die Bilder für einen Zeitraffer aufgenommen, während meine kleine Panasonic wohl mit der Kälte kämpft: Ich kann seit einigen Tagen keine GPS-Daten mehr einspielen, und der Auslöser spinnt immer wieder mal. Hm.

Kurz vor Rørvik treffen wir noch die Nordkapp. Sie hat Rørvik wohl ausgelassen; wir kommen dann etwas verspätet im Hafen an, wo der Gabelstapler schon wartet. Nur mit Anlegen wird das nichts: Wir fahren eine Wendeschleife, die immer größer wird und wohl schließlich über Kirkenes führen wird, bis wir in Rørvik anlegen – kurz darauf kommt die Durchsage, dass wir wegen dem schlechten Wetter Rørvik auslassen. Es ist aber auch ein übler Wind. Immerhin verlassen wir Rørvik so pünktlich. Auf der Fahrt nach Brønnøysund brechen wir die weitere Polarlichtjagd ab: Es tut sich nicht viel, und an Deck ist es dafür zu ungemütlich. Also ab ins Bett und den Computer auf die Nordlichtbilder ansetzen. Morgen ruft der Polarkreis…

Hier noch das Ergebnis der Nachtschicht:

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