Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg und Barentsee

Die ruhige und geschützte See nördlich von Tromsø haben wir nun hinter uns gelassen, von der Barentssee ist aber nicht viel zu spüren. Kurz vor Havøysund bin ich wach und gehe an Deck: Ruhige See, schöner Himmel und kein entgegenkommendes Schiff: Die vier Schiffe von Havila fahren noch nicht, was Lücken im Fahrplan hinterlässt.

Havøysund erreichen wir planmäßig gegen 8:30 – ein guter Zeitpunkt, um zu frühstücken. Die anschließende Fahrt durch den Magerøyasund verbringe ich teils an Deck und teils mit der Reiseleitersprechstunde auf Deck 4. Das nächste Ziel ist Honningsvåg um 10:55 mit gut viereinhalb Stunden Aufenthalt: Von hier starten die Ausflugsbusse zum Nordkapp. Zwei oder drei fahren hin, es können also nicht mehr als 200 Passagiere an Bord sein.

Bis es soweit ist, gilt es, die Anfahrt zu genießen: Ein karges Land, das in den Herbstfarben aber noch nicht so trostlos ist wie im November. Bei meiner nächsten Tour im Dezember ist hier schon Polarnacht, dafür liegt dann hoffentlich auch schon Schnee. Aktuell präsentiert die Gegend sich noch durchaus hübsch.

Die Wolkenlücken machen Hoffnung für den Abend…

Dreimal Nordkap(p)

Ich fahre wieder nicht zum Nordkapp, sondern mache meinen üblichen Spaziergang durch den Ort. Es gibt einige neue Baustellen und erfreulich wenig Geschäftsaufgaben. Direkt am Kai sind nun die MS Nordkapp, das Nordkap-Museum (das sich nicht allzusehr lohnt, meiner Meinung nach) und Nordkap-Taxi – allerdings fahren heute keine Taxis zum Nordkap, wo früher einige auf preisbewusste Passagiere warteten. Wahrscheinlich hat der Lockdown dafür gesorgt, dass die Fahrer sich andere Jobs gesucht haben.

Das Souvenirgeschäft am Hafen hat jetzt komplett auf Weihnachten umgestellt, die Kunst im Hafen ist geblieben.

Bei schönstem Wetter gehe ich auf die andere Seite vom Hafenbecken, um unser Schiff zu knipsen, dann geht es über die Kirche hoch zum alten Friedhof. Dort hat man einen schönen Blick auf den Hafen und das Schiff, leider regnet es mittlerweile auch etwas. Den Abstecher zum Denkmal für den örtlichen Regisseur schenke ich mir daher und mache mich auf den Rückweg. Dabei treffe ich Anja: Sie hat Blumen für ihren Garten gesammelt und arbeitet als Reiseführerin zum Nordkap – sobald es wieder Touren gibt. Wir haben ein nettes kleines Gespräch auf Deutsch – richtig ungewohnt, sich im Ausland auf Deutsch zu unterhalten.

Da der Wind doch unangenehm ist, mache ich mich auf den Rückweg zum Schiff, wo ich die Sicherheitsübung miterlebe. Viel kriege ich davon aber nicht mit: Die Durchsagen sind auf Norwegisch (außer dem Hinweis, dass Gäste nicht mitspielen dürfen), und die Crew übt wohl Evakuierung – ich kriege im Panoramasalon nicht viel davon mit. Vorher mache ich noch ein paar Aufnahmen vom fast leeren Schiff:

Die Nordkapp von innen.

Das wars dann eigentlich auch schon für mich mit Honningsvåg. Einziges Souvenir: Ich nehme jetzt doch zwei Bücher von Eva Schmutterer mit, die es ans Nordkap verschlagen hat und deren Büchlein mir seit langem empfohlen werden.

Die anschließende Fahrt nach Kjøllefjord ist trotz offener Seestrecke sehr ruhig, wer will, kann sich mit Apfelkuchen und heißer Schokolade versorgen oder den Vortrag über die Sami anhören, den das Schiff anbietet. Er wohl lang, aber gut – ich war stattdessen an Deck. Vielleicht komme ich mal wieder dazu, mir die Schiffsvorträge anzuhören oder beim Gathering des Expeditionsteams zuzuhören. Aber nicht heute – es ist schön draußen!

Kurz vor Kjøllefjord kommt auch die Finnkirche in Sicht, eine nette Felsformation, die aus dem richtigen Blickwinkel an Kirche und Kapelle erinnert. Im Winter wurde sie früher auch beleuchtet, heute gibt es immerhin einen Point of Interest. Zumindest wird sie über die Bordsprechanlage beschrieben, ob an Deck 7 auch etwas stattfindet, weiß ich nicht. Mit Kabine auf Deck 3 und der neuen Inneneinrichtung auf Deck 7 bin ich meist nur auf dem Umlaufdeck 5.

Nordkap-Buffett

Mehamn hat wohl ein Möwenproblem

Anschließend wird es wieder frustrierend: 100% Bewölkung sind angesagt, ich schaue immer wieder raus und sehe, wie die Wolkenlücken immer weniger werden. In Mehamn ist nichts zu sehen (außer einem Möwenproblem, wenn ich mir das Lagergebäude am Kai so anschaue), danach sehe ich zwar immer wieder einzelne Sterne, aber sonst nichts.

Also bin ich die meiste Zeit auf Deck 4 und arbeite etwas, wobei ich immer wieder rausschaue. Anscheinen gab es eine halbe Stunde Polarlicht, die ich aber verpasst habe – und wer sie gesehen hat, hat nicht Bescheid gesagt, sodass es auch keine Durchsage gab.

Ich erfahre es dann aus Deutschland, weil da dieser Tweet aufgefallen war:

Ich verpasse dagegen auch die Schiffsbegegnung nach Berlevåg (angesagt wurde sie nicht) und beobachte die Nordlys nur aus dem Fenster, während ich ein Nordlys trinke. Wenn das sonst schon nichts wird…

Gegen 22:40 schaue ich noch einmal raus und sehe tatsächlich einen blassen Bogen Nordlicht. Halleluja, hoffentlich hält das!

Schnell die Kamera an die Reling geschraubt und zur Rezeption gespurtet – aber die gute Frau telefoniert. Und telefoniert. Und eröffnet mir dann, dass sich das Nordlicht gerade schon wieder verabschiedet hat. Es gäbe in einer Stunde oder so noch eine Chance. Und tatsächlich: Als ich wieder an Deck gehe, ist da nichts mehr, das war keine Minute, nachdem ich im Schiff war, auch weg.

Und in dieser Nacht kommt auch nichts mehr; kurz vor Mitternacht gebe ich endgültig aus.

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