Hurtigrute Tag 2: Auf ins Ungewisse

Das war wirklich die ruhigste Westkapp-Passage, die ich je hatte. Die einzigen Wellen gestern Abend gab es in der Badewanne meines Hotelzimmers, die ich zur Entspannung benutzte. War auch nötig, nach dem Tag. Spätabends gab es noch die letzten Telefonate mit Hurtigruten; es gibt am Samstagnachmittag doch noch einen Flieger von Amsterdam nach Ålesund. Ich könnte also prinzipiell ausschlafen, statt in aller Herrgottsfrühe morgens einen Flieger nach Bergen zu nehmen, und von da weiter nach Trondheim zu fliegen.

Das Steigenberger im Frühnebel.

Nur dass Eva meint, dass das mit dem Koffer nicht klappt. Also stehe ich doch kurz nach 6 auf, dusche und mache eine kurze Stippvisite im Frühstücksraum des Steigenberger Airporthotels. Ab 6:30 gibt’s hier Frühstück – ideal für Reisende… also kurz meinen Flüssigkeitsspiegel aufgefüllt, zwei Croissants verschlungen und auschecken. Vor dem Hotel wartet auch schon der Transferbus für 7 Uhr.

Also, sagen wir mal: Da steht ein Bus. Einerseits ist der eh wieder viel zu klein – aber das passt ja dazu, dass KLM auch gerne mal Flüge überbucht. Warum sollte es da beim Shuttle anders sein? Andererseits kommt dann die Info, dass es mit dem Bus technische Probleme gibt. Kaputt. Und dann fährt er mit ein paar Reisenden Richtung JFK (?) ab, während uns ein Taxi versprochen wird.

Überraschung: Um 7 kommt dann doch noch der viel zu kleine Bus,der uns gestern ins Hotel gebracht hatte. Ich ergattere sogar einen Sitzplatz und fahre wie geplant zum Flughafen.

Shuttlebus?

Am Airport klappt dann alles: Ich kriege das richtige Bordticket nach Ålesund, und der KLM-Schalter bestätigt mir hoch und heilig, dass mein Koffer umgebucht ist. Ist alles im System, und der Koffer geht ohne mich auch in keinen Flieger. Nur für die anderen Gäste kann ich nichts tun, das müssen die selber veranlassen.

Uff.

Und nun? Habe ich knapp fünf Stunden, bevor ich die üblichen zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein soll. Komoot schlägt mir eine 8km- bzw. 2-Stunden-Wanderung zu irgendwelchen Seen in der Nähe vor, nur finde ich den Ausgang vom Flughafen nicht und stoße stattdessen auf Hinweisschilder zur gut versteckten Panoramaterasse.

Also nutze ich die Gelegenheit, um da an der frischen Luft zu sein, und schaue mir bis kurz vor 11 den Flughafen von oben an. Immerhin ist da wohl keine Maskenpflicht. Nebel zieht auf, Nebel lichtet sich wieder, und langsam wird es frisch da draußen… aber immer noch besser, als irgendwo im Flughafen rumzusitzen.

Auf der Panoramaterrasse steht auch eine alte KLM-Maschine, bei der man einen Blick ins Cockpit werfen kann, und es gibt abseits gelegene, sehr saubere und noble Toiletten.

Gegen elf suche ich dann doch das Warme und eine Gelegenheit, den 15-Euro-Verzehrgutschein von KLM einzulösen. Langt für einen Salat und ein Sandwich. Maskenpflicht gilt übrigens erst, nachdem man mit Boardingpass das eigentliche Terminalgebäude mit der Security-Schleuse betreten hat. Im Gegensatz zur deutschen Flughafensecurity sind die Kollegen hier freundlich und noch schneller, es bleibt sogar Zeit, um über ein paar Dinge in meinem Handgepäck zu reden. Meine Sternkarte erweckt die Neugier – hübsch.

Neuer Flieger, neues Glück

Anschließend sind noch gut zwei Stunden totzuschlagen, bis tatsächlich ein neuer Flieger aufkreuzt und wie nach Ålesund fliegen. Unglaublich!

Der Flug ist voll, aber ereignislos, und ich kann tatsächlich ein bisschen Schlaf nachholen.

Wir landen pünktlich in Ålesund, wo die Einwanderung etwas dauert (statt Personalausweis wollen die Beamten einen Reisepass sehen, außerdem den Covid-QR-Code), dann gibt es einen grünen Zettel, und ich kann nach meinem Gepäck schauen, das nicht neben dem Band steht.

Aha.

Hatte die gute Frau gestern am Flughafen bei T-2 doch recht, dass sie mir mein Gepäck nicht geben kann. Aber dass ich es gar nicht kriege, trotz der Zusicherung von KLM? Meine Meinung über KLM ist jetzt wie der Nachthimmel – voller Sterne:

Diese ****** ****** ** ******* von ********** *******! Können die ************* *** ********* ***********!?!

Naja, hilft ja nichts außer norwegischer Gelassenheit.

Der Flughafen Ålesund

Also gut, wo ist die Baggage Reclaim? Wir werden zu Widerøe geschickt, wo es einen QR-Code zu Scannen gibt, der natürlich auf KLM verweist. Dann finden wir doch noch Menschen (die Flughäfen in Norwegen sind ja weitestgehend automatisiert) und kriegen einen QR-Code von KLM zum Scannen. Durch die Umbucherei findet die KLM-Webseite allerdings weder mich noch meine Buchung. Schließlich finden wir doch noch einen Menschen, und können das Gepäck verlustigt melden – mittlerweile hat sich ein Teil meiner Gruppe zu erkennen gegeben, Gepäck hat keiner. Es soll nachgeliefert werden. Vielleicht morgen in Trondheim, vielleicht übermorgen in Bodø, und nein, wir kriegen vorher keine Info, wann es kommt.

Immerhin kann ich den Gästen ein Taxi zum Schiff anbieten (das wir irgendwann auch kriegen), und Norwegen zeigt sich schon einmal von seiner schönsten Seite. Wie ich auf Twitter schon sehen durfte.

Während der Warterei komme ich immerhin auch erstmals mit unseren Leuten ins Gespräch. Einige saßen auf der linken Seite vom Flieger und hatten wohl Flammen aus dem Triebwerk kommen sehen. Eieiei. Gut, dass bis auf diese Unannehmlichkeiten – und das sind sie letztlich nur, so ärgerlich das auch ist – nichts passiert ist. Trotzdem hätte ich jetzt gerne eine gute Reise, viel Polarlicht, und mein Stativ, das noch im Koffer ist.

Auf der Fahrt nach Trondheim kommen wir noch an der Fridtjof Nansen und der Ex-Midnatsol vorbei (wenn ich das im Vorbeifahren richtig erkannt habe), die ebenfalls in Ålesund an einem anderen Kai liegen. Um den beiden noch einen Besuch abzustatten, langt die Zeit natürlich nicht. Aber immerhin, wir erreichen auch unser Schiff, das schon im Hafen am Skansen-Kai liegt, und am Kai ist eine große Schlange mit Neuankömmlingen, die die Corona-Selbsterklärungen ausfüllen. Und dann bin ich tatsächlich an Bord!

Welcome on board!

Eva begrüßt, ich beziehe meine Kabine im dritten Stock, dann eine erste kleine Begrüßungsveranstaltung, dann nahtlos um 20 Uhr Abendessen, dann um 21 die einstündige Begrüßungsveranstaltung und Sicherheitseinweisung, anschließend Treffen bei der Rezeption, um die auch mit der Gepäckverfolgung zu beauftragen, und für mich Coffee und WiFi zu beantragen – ich wurde in den falschen Tarif gebucht.

Uff. Halb elf Abends, und ich war noch nicht einmal draußen an Deck. Stattdessen geht es noch einmal auf Deck 7, Organisatorisches durchsprechen, und gegen Mitternacht in die Kabine. Blog schreiben. Mittlerweile fiebern doch einige Kollegen mit, wie das hier ausgeht.

Und dann Feierabend. Wie schaffen wir das eigentlich immer in Bergen, wo wir auch nicht früher an Bord sind, aber schon um 20:30 regulär in See stechen?

Ach ja, falls sich jemand fragt, um die Bilder so knackig bunt sind: Das liegt an Apple. Bislang habe ich nur mit dem Handy fotografiert und nicht mit der großen Kamera. Aber die habe ich wenigestens im Handgepäck.

Die Reise kann losgehen!

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