Hurtigrute Tag 10: Die Helgelandküste

Die Fahrt entlang der schönen Helgelandküste hat nur einen Nachteil: Wir passieren den Polarkreis gegen 8:45. Für passionierte Spätaufsteher und Nachtarbeiter ist das natürlich nichts – und da das Licht nun besser ist als auf der nordgehenden Route, muss man da natürlich raus. Immerhin ist mein Laptop nun auch mit den meisten Bildern des letzten Abends durch.

Alle Wetter

Direkt nach dem etwas beschleunigten Frühstück kam dann die Durchsage, dass wir etwa eine halbe Verspätung haben und den Polarkreis erst gegen 9:15 überqueren. Bleiben wir also noch etwas länger im Norden, bevor es zurück nach Südeuropa geht.

Draußen gibt es derweil wieder jedes Wetter von klar bis düster – das düster ist ausgerechnet da, wo die Insel Vikingen mit der Polarkreiskugel steht. Kurz bevor wir am Ziel sind, ist es Bug nicht mehr auszuhalten: Eine Mischung aus Wind, Schnee und Hagel vertreibt mich, und die Insel ist nicht mehr zu sehen. Kurz vor der Passage traue ich mich wieder auf das Umlaufdeck und mache ein paar Schnappschüsse, während ich gefühlt sandgestrahlt werde. Das hat was von Island…

Eigentlich hatte ich ja gedacht, die Polarkreistaufe mit Eis gibt es nur nordgehend, aber diesmal hat Neptun dafür gesorgt, dass ich genug Eis in meinen Taschen habe. Junge, Junge. Als ich dann auf Deck 7 bei der Lebertranausgabe vorbeischaue, wird gleich Interesse an meinen Bildern angemeldet. Hier war es trotz besserem Windschutz wohl auch nicht angenehmer, wobei die fast bis ganz ans Heck durchgezogenenen Scheiben der Polarlys bei der Fotografie auch nicht hilfreich sind.

Es weihnachtet sehr

Die weitere Fahrt verläuft ähnlich kontrastarm: Während auf dem Schiff die Weihnachtsbäume aufgestellt werden, ist es draußen oft einfach nur weiß. Aber nicht winterlich weiß, sondern einfach nur weiß, ohne etwas zu sehen. Ich verbringe die Zeit bis zum nächsten Hafen daher im Reiseleitereck, während durch die Fenster gelegentlich zu sehen ist, wie Landschaft vorüberzieht.

Nesna

Im nächsten Hafen muss ich natürlich wieder an Deck. Nesna begrüßt mich kurz vor 11 mit noch größeren Hagelkörnern als am Polarkreis. Was soll ich sagen – das ist noch echtes Wetter! Durch die Isolierglasscheiben des Schiffs betrachtet ist das auch ganz angenehm. Gut, dass wir nicht mit einem Wikinger-Drachenboot unterwegs sind, sondern in dem durchaus komfortablen Postschiff der Hurtigrute.

Ein kleines bisschen Hagel

Die Reise geht weiter nach Sandnessjøen. Ich nutze die Zeit, um meinen letzten Vortrag über Sternbilder und Mythen zu arbeiten. Das Expeditionsteam hat ein bisschen für Verwirrung gesorgt, weil es auf 10 Uhr ebenfalls einen Vortrag über Mythen und Legenden angesetzt hat. Ist ja auch ein schönes Thema für den lockeren Ausklang, aber noch nicht jeder durchschaut wohl, dass unsere Vorträge von denen des Schiffs vollkommen unabhängig und nur für unsere Gruppenreise sind. Trotz des Themas gibt es aber keine Überschneidung: Ich befasse mich nur mit den Sternbild-Sagen.

Sandnessjøen

Die gesamte Helgelandküste ist ja Schauplatz der „längsten Sage“ rund um die Sieben Schwestern, die schöne Lekna, den Hestmannen und den Torghatten, die ich in diesem Blog schon ein paar Mal angerissen hatte. Mein Vortrag war direkt nach der Passage der Bergkette der Sieben Schwestern angesetzt und wurde wegen unserer Verspätung etwas verschoben auf 13:40. Sandnessjøen erreichen wir gegen 12:15 bei vergleichsweise gutem Wetter, aber es sieht nicht so aus, als ob man von den Bergen etwas sehen könnte. Also Zeit fürs Mittagessen.

Überraschenderweise haben die Sieben Schwestern nach dem Ablegen aus Sandnessjøen dann doch Erbarmen mit uns armen Reisenden: Die Gipfel halten die Wolken über der Stadt, und von der anderen Seite aus sind sie ziemlich gut zu sehen. Immer wieder hübsch, die Damen.

Norwegens Mitte

Mein Vortrag kurz darauf ist überraschend gut besucht, wenn man bedenkt, dass er zur besten Zeit für ein Verdauungsschläfchen stattfindet, und endet natürlich rechtzeitig für den Halt in Brønnøysund. Durch den neuen Fahrplan haben wir hier nun deutlich mehr Zeit, rund zweieinhalb Stunden – die Verspätung haben wir ziemlich gut aufgeholt. Nur: Was macht man in Brønnøysund, wenn man keinen Hike zum Torghatten macht? Es werden zwar zwei Ausflüge (eine Lachsfarm und Hildurs Urterarium – keine Ahnung, was das schon wieder ist) und ein Hike angeboten, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich gehe also zu dem Stein, der Norwegens Mitte markiert, fotografiere das Schiff und entsorge anschließend mein Leergut im Einkaufszentrum. Dann noch ein Softeis am Kai, und zurück aufs Schiff, während draußen ein heftiges Schneegestöber wütet.

Schnee.

Das Captain’s Dinner um 18 Uhr ist ganz entspannt, da wir mangels Licht keinen Fototermin am Torghatten haben. Und irgendwann kriege ich vielleicht auch einmal ein schönes Bild von der Crew beim Captain’s Dinner hin… Aber es ist ohnehin keine große Sache: Ein Dankeschön von der Crew und an die Crew, auch an alle hinter den Kulissen. Dann eine kleine Prozession durch das Restaurant zum anstoßen, und das normale Abendessen beginnt.

Rørvik

Die interessanteste Info beim Dinner ist, dass wir mit dem Wetter wirklich Glück hatten: In der Barentssee ist es zwar gerade recht klar, aber bei Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h tobt da auch ein ordentlicher Sturm. Man stelle sich vor, da draußen ist ein tolles Polarlicht, und man darf nicht an Deck… Da doch lieber die recht ruhige See bei uns und die Chance, beim Anlaufen in Rørvik noch einmal schneegestrahlt zu werden. Hui! Was für ein Sauwetter.

Nachdem wir angelegt haben, kann man es draußen sogar wieder aushalten, aber von Bord gehe ich trotzdem nicht – wir haben ohnehin nur eine halbe Stunde Aufenthalt. Die Fahrt über die Folda beginnt recht ruhig, nach etwa einer Stunde ist dann aber doch etwas Bewegung im Schiff: Es schaukelt zwar gleichmäßig, aber deutlich spürbar. In diesem Sinne: Gute Nacht! Heute wird es kein Polarlicht mehr geben, und morgen früh sind wir schon in Trondheim.

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