Hurtigrute Tag 6: 2x Nordkap(p)

MS Nordkapp

Heute passieren wir den nördlichsten Punkt unserer Reise und sehen zweimal Nordkap(p): Den Anfang macht unser Schwesterschiff, die MS Nordkapp, der wir vor Havøysund begegnen. Auf dem Schiff habe ich meine ersten Reisen gemacht, also muss ich natürlich raus und ihm zuwinken. Auch wenn die Schiffsbegegnung schon um halb neun ist, lange vor Sonnenaufgang. Aber andererseits haben wir Polarnacht, die Sonne geht hier also noch ein paar Wochen lang nicht auf, also was soll’s: Raus an Deck, die Barentsee genießen!

Havøysund

Havøysund erreichen wir mit leichter Verspätung, obwohl der Captain anscheinend mit angezogener Handbremse in die Kurve geht, bei der Schräglage, die das Schiff beim Abbiegen hatte. Zusammen mit dem Wind am Bug: Woohoo, ein Riesen-Spaß!

In „Hawaii-Sund“ wäre ich gerne kurz von Bord gegangen, um das Denkmal für ein vor langer Zeit gesunkenes Hurtigrutenschiff anzuschauen, aber durch die verkürzte Liegezeit langt das nicht. Also dann ein reichhaltiges Frühstück, und anschließend die Fahrt durch den immer wieder eindrucksvollen Magerøyasund. Auch diesmal hat er wieder eine hübsche Lichtstimmung, inklusive einiger farbenfroher Wolken zu bieten.

Im Sund macht das Expeditioneteam wieder einen Point of Interest, während ich mich lieber auf Deck 5 die Landschaft genieße und mich zwischendrin auf das Nordkap vorbereite: Seit meiner ersten Tour 2014 war ich nicht mehr da, jetzt kann man es sich mal wieder leisten. Dafür verzichte ich auf das Mittagessen, wird sonst doch alles etwas knapp.

Während wir Kurs auf das Städtchen Honningsvåg (mit etwa so vielen Einwohnern wie mein Heimatdorf) nehmen, haben wir bis auf Schnee und Regen fast jedes Wetter – von klaren Stellen bis dunklen Wolken. Das macht doch Hoffnung.

In Honningsvåg angekommen, geht es direkt in den Bus – von der üblichen Sicherheitsübung des Schiffs bekomme ich diesmal nichts mit, wie die meisten anderen Passagiere sitze auch ich im Bus zum Nordkap. Die Fahrt dauert etwa eine Dreiviertelstunde und führt über die verschneite Insel Magerøya – das Nordkapp liegt weder auf dem Festland, noch ist es der nördlichste Punkt der Insel. Zu dem führt eine Fünf-Stunden-Wanderung von einem Parkplatz an der Straße zum Nordkap. Wie beim ersten Mal passieren wir mit dem Bus die nördlichste Shell-Tankstelle und gleich darauf den 71. Breitengrad, dann ein Hotel und ein Sami-Lager. Merke: Fotos aus dem Bus heraus sind sinnlos…

Ab in die Nordkap-Halle

Imposant ist die Landschaft trotzdem, und wir gewinnen einige Höhenmeter, während unsere österreichische Reiseleiterin etwas über die Landschaft und das Leben hier erzählt. Obwohl einiges an Schnee liegt, gilt noch keine Kolonnenpflicht mit Schneepflug, wir dürfen alleine fahren. Am Nordkapp angekommen haben wir etwa eineinviertel Stunden Zeit und sehen erstmal keinen Nordkap-Globus, dank Schnee und Dunst. Auch die Busse heben sich kaum gegen den Hintergund ab.

Nordkap?

Der schnellste Weg zur Nordkap-Kugel führt vom Parkplatz durch die Halle. Da die Kugel aber kaum zu sehen ist, gehe ich erst einmal in das Untergeschoss, in den Tunnel mit den Dioramen, die berühmte Besucher zeigen, der nördlichsten Kapelle und dem kleinen Museumsraum, der an den Besuch des thailändischen Königs erinnert. Die Wand mit den Fotos seiner Reise unterscheidet sich auch nicht sehr von der Instagram-Seite moderner Touris…

Am Ende des Tunnels ist die „Höhle des Lichts“, in der eine Reihe Zeitrafferfilme das Nordkapp im Lauf der Jahreszeiten zeigt. Für den anderen Film, der im Kinosaal eine Ebene höher läuft, nehme ich mir wieder keine Zeit. Mittlerweile ist das Wetter draußen besser, und ich gehe ins Freie, aber nicht direkt zur Kugel, sondern erst einmal nach links, um Kugel samt Kap zu fotografieren.

Bei meinem ersten Besuch war ich ohne Spikes hier, da kam mir der Weg deutlich länger vor. Also richtig viel länger. Das müssen doch mehr als die lächerlichen 50 Meter gewesen sein… Noch ist die Kugel umlagert, also gehe ich um das Gebäude herum, wo unsere Busse warten, und schaue mir einmal die Kinder der Welt an – runde Steintafeln, die von Kindern aus aller Welt gestaltet wurden.

Dann setzt schon wieder Schneegraupel ein, aber bis ich an der Kugel bin und meine Fotos mache, lässt er schon wieder nach.

Damit ist die Stunde Aufenthalt auch schon rum, und wir wurden Zeuge davon, wie rasch sich das Wetter hier wandelt. Die Temperatur lag zwar nur etwa bei etwa 0°, aber durch den Wind fühlte es sich deutlich kälter an. Bleibt noch genug Zeit für einen kurzen Gang durch den Souvenirshop, und dann ab in den Bus. Mittlerweile ist es draußen auch schon dunkel – kein Grund also, noch länger hier zu verweilen. Schließlich wartet das Schiff auch nicht, und kurz nach der Abfahrt bin ich mit meinem Vortrag über den Sternenhimmel dran, garniert mit griechischen Sagen und einem Streifzug durch das Leben der Sterne. Wer dann noch nicht genug hat, kann den Vortrag des Expeditionsteams über die Sami anhören.

Kjøllefjord

Die Felsformation der Finnkirke wird diesmal nicht beleuchtet oder erwähnt, und in Kjøllefjord schneit es. Ob das heute noch aufklart? Ich übe mich mal in Optimismus, auch wenn das Nordlichtoval auch fast verschwunden ist.

Um 17:30 ruft auch schon das Nordkap-Buffet. Da das Restaurant einen neuen Teppich erhält (der Umbau der Polarlys ist ja schon einige Zeit her, nach dreieinhalb Jahren darf der Teppich schon durchgescheuert sein), essen wir heute vor dem Restaurant im Café und dürfen schon eine halbe Stunde früher ran – Fast Lane ins Restaurant, gar nicht schlecht. So verbrät man vielleicht wenigstens eine Kalorie mehr beim Essen holen…

Mehamn im Schneefall

Anschließend heißt es hoffen auf klaren Himmel, die Wolkendecke liegt laut Prognose bei 40%. Trotzdem schneit es in Mehamn mindestens so stark wie in Kjøllefjord. Nach Mehamn geht es raus auf die Barentssee, und es ist wenigstens ein wenig Bewegung im Schiff. Am Himmel zeigen sich auf der Fahrt nach Berlevåg zwei Sterne und zwei Möwen – geht da noch mehr?

Bis Berlevåg tut sich leider nichts, erst verschwinden die Sterne, dann auch noch die Möwen. Zwischenzeitlich erreicht mich von der Finnmarken die Info, dass wir wegen Wind Berlevåg auslassen würden. Aha… Hier weiß nur keiner was davon, wir merken nur, dass die Finnmarken Verspätung hat. Also dümpeln wir vor dem Hafen rum, während die Finnmarken es sich bequem macht und der Himmel aufreißt. Irgendwann drehen wir ab – lassen wir Berlevåg doch aus? Also gehen wir rein und machen Feierabend, bis klar wird, dass wir einmal drehen und doch wieder den Bug auf die Hafeneinfahrt richten.

Die Finnmarken vor Berlevåg

Endlich bequemt sich die Finnmarken, den Kai freizumachen, und wir bekommen doch noch eine Schiffsbegegnung. Die Schiffe fahren dicht, aber leise aneinander vorbei, und nur die beiden Nordlicht-und-Sterne-Gruppen winken einander und machen etwas Stimmung – zumindest die Teilnehmer, die noch nicht im Bett sind.

Berlevåg

Derweil sind weite Teile des Himmels sternklar, aber keine Spur von Grün – das Polarlichtoval macht sich rar, und nach einem letzten Kontrollblick können wir doch Feierabend machen. Nicht einmal nennenswerten Wellengang gibt es – nach Tromsø scheint auch die Barentssee kaputt zu sein. Na dann gute Nacht.

One thought on “Hurtigrute Tag 6: 2x Nordkap(p)

  1. Hallo Alex, ich war in der Gruppe 115 Christina Ruhner von 21.11-02.12 19,Siegerin (Polarkreis) ich wollte mir gern deinen Film herunterladen. Doch ich bin nicht so perfekt am PC und kann mit deiner Visittenkarte nicht das finden war ich herrunterladen möchte. Ich habe mir deinen Reisebericht ausgedruckt. Er ist wunderschön und man erlebt die Reise nocheinmal. Vieleicht kannst du mir helfen.
    Ich bezahl auch für den Film.Danke im Voraus.Christina und Horst Ruhner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.