Hurtigrute Tag 12: Zurück in Bergen

Die Zeit vergeht wie im Fuge, wie es so schön heißt – aber wer auch immer den Spruch geprägt hat, ist wohl kein Vielflieger… Egal, der Reihe nach:

Florø

Der Abschlusstag unserer Reise vom 5. bis 16. März ist schnell erzählt. Der letzte Hafen vor Bergen ist Florø, wo wir zwischen 7:45 und 8:15 liegen. Das Wetter ist endlich so wechselhaft-regnerisch, wie man es von Norwegen erwartet, aber da wir ohnehin im Containerhafen liegen, ist der Anreiz ohnehin gering, viel Zeit an Deck zu verbringen. Florø hat bestimmt seine hübschen Ecken, aber hier ist es vor allem ein geschäftiger Hafen.

Florøs hübsche Ecke

Merke: Durch geschickte Wahl des Bildausschnitts findet man eigentlich immer irgendwo ein hübsches Motiv.

Den Rest des Tages fahren wir durch: So weit im Süden gibt es genug andere Reedereien, die die Häfen versorgen, da kann die Hurtigrute non-stop bis Bergen durchfahren. Für uns bedeutet das natürlich auch, dass es nicht viel zu tun gibt – kein Halt, kein Ausflug, nur schöne Landschaft, die am Schiff vorbeizieht.

Abschiedsstimmung

Um 9 Uhr muss das Gepäck aus den Kabinen, falls man nicht bis Bergen auf seinem Koffer sitzen will oder ihn mit dem Handgepäck im Konferenzraum abstellen will. Also treffen wir uns nach der Kofferabgabe um 9:05 zum Frühstück und räumen danach die Kabine. Dann machen wir es uns noch einmal in unserem „Büro“ vor dem Restaurant bequem. Wir können das ganz entspannt angehen: Heute gibt es das Mittagessen nicht als Buffett, sondern als feste Sitzung – für uns um 11:30. Da kann man nach dem Frühstück auch gleich sitzen bleiben… Statt Mittagessen gönne ich mir lieber ein ausgedehntes Frühstück; spätestens im KLM-Flieger gibt’s ja wieder was zu Essen. Und verhungern musste auf der Fahrt niemand…

Das Wetter draußen ist wechselhaft, aber immer noch schön: Ruhige See und viele enge Sunde, in denen wir den Felsen ähnlich nah kommen wie im Stokksund.

Das Bordprogramm – Mittagessen, eine Listening Session mit klassischer norwegischer Musik im Panoramasalon und ein „Behind-the-Scenes“-Film um kurz vor eins – ist heute nicht nötig; bei schlechtem Wetter sieht das schon ganz aus. Trotzdem: Der letzte Tag zieht sich immer in die Länge. Ganz unbewacht will man sein Handgepäck ja doch nicht stehen lassen, vor allem wenn die Fototasche nicht abschließbar ist.

Bergen

Kurz nach zwei nähern wir uns dann Bergen und werden mit einem Regenschauer begrüßt – beim Einlaufen ist es um Glück wieder trocken. Wer an Deck ist, kann noch einen letzten Blick auf die Hakonshalle und – ganz klein – Bryggen werfen. Die großen Ölversorger sind auffällig – darunter auch die Sandefjord, die mich schon einmal bis Hammerfest verfolgt hat.

Aufmerksame Beobachter erkennen auf der Landzunge, die das Hurtigrutenterminal von Bryggen trennt, auch ein Gebäude mit Sternwartenkuppel: Die Fagskole steht an der Stelle der 1903 abgerissenen alten Bergener Sternwarte und beherbergte einst eine Fachschule für Navigation. In der Kuppel stand ein Transitinstrument zur exakten Zeitbestimmung, von dem prominenten Gebäude aus wurde das Zeitsignal an die Schiffe weitergegeben. Daniel Fischer hat die Geschichte in seinem Skyweek-Blog aufgearbeitet.

Gepäckchaos

Nach dem Anlegen geht es Schlag auf Schlag: Das Schiff wird deckweise verlassen, das Gepäck wird mehr oder deckweise auf das Gepäckband verladen (aber nicht unbedingt in der Reihenfolge, in der die Passagiere die Nordnorge verlassen), dann geht es in die Busse und zum Flughafen. Dort ist für viele das erste Ziel die Northland-Bäckerei, um den Stempel für Tax Free zu holen. Neu: Der Bäckereiangestellte will die Waren sogar sehen, bevor er den Stempel gibt. Es muss ja alles neu und ungetragen sein. Bei meinen Souvenirs ist das kein Problem…

Am Flughafen in Bergen ist alles ganz entspannt: Wir hätten gut zweieinhalb Stunden bis zum Abflug, da die Maschine Verspätung hat, sind es sogar drei. Zeit genug für Tipps, was zu tun ist, wenn man den Anschlussflieger verpasst. Für mich sieht das ganz entspannt aus, weil der nächste Flug nach Frankfurt auch mit Verspätung angekündigt war und ich die geplante knappe Stunde Umsteigezeit hätte – bis die App dann meint, zumindest in Amsterdam würden wir pünktlich starten. Toll…

The Flying Dutchman

Immerhin: Um 18:30 sind dann alle im Flieger, und mit einer Dreiviertelstunde Verspätung geht es Richtung Amsterdam. Mein Plan, im Flugzeug das ausgefallene Mittagessen mit dem KLM-Käsebrot zu ersetzen, scheitert auch: Ein Fehler im Catering, die Reihen 17 und 18 erhalten stattdessen salzige gebrannte Mandeln. Juhu. Zum Glück habe ich noch ein paar Kvikk Lunsj dabei. Die entsprechen unseren Kitkat und wurden in Norwegen erfolgreich als Energieriegel angepriesen.

Kurz vor Amsterdam dann die Durchsage, dass fast alle unsere Anschlussflüge erreicht werden können, wenn man rennt. Leider keine Info dazu, zu welchem Gate man muss. Nur die Berliner müssen zum KLM-Desk und sich nach Alternativen erkundigen. Der Landeanflug ist etwas holprig: Wegen schlechtem Wetter sind wohl nur zwei von fünf Landebahnen freigegeben, und der Pilot muss immer wieder die Fluglage korrigieren, bevor er das Flugzeug auf die Landebahn fallen lässt. Da ist wohl ein Satz neuer Stoßdämpfer fällig – aber immer noch besser, als kurz über Bodenhöhe die Lage korrigieren zu müssen. Ganz ohne Sarkasmus: Gute, wenn auch harte Landung. Kurz darauf kommt auch die Durchsage, dass es hart, aber sicher war und sie das öfter machen. Schön, wenn die Kommunikation aus dem Cockpit funktioniert.

Bordverpflegung

Und dann: Einmal von Gate C irgendwas zu Gate B32 rennen. Fünf Minuten langen in Anmsterdam zum Umsteigen… auch, weil sich das Boarding etwas verzögert. Immerhin: Unser Gepäck kommt so auch mit, und wir kommen fast planmäßig in Frankfurt an. Die Bordverpflegung: Komische flache Salzstangencracker. Habe ich schon erwähnt, dass fünf Minuten Umsteigezeit in Amsterdam zu kurz sind, um dort was zu essen? Naja, noch habe ich Kvikk Lunsj (und allmählich keine Lust mehr auf Schokolade)…

Der Transfer vom Frankfurter Flughafen zu meinem Auto mit Fly Autoparking funktioniert auch einwandfrei, und ich komme auch aus dem engen Parkhaus raus. In Anbetracht der Stürme, die wohl in Deutschland wüteten, während wir das schöne Wetter in Norwegen hatten, war das Parkhaus wohl keine schlechte Entscheidung.

Jetzt steht nur noch ein wenig Nacharbeit an: Die Bilder ein letztes Mal sichten, dieses Blog schreiben und aufräumen, bevor der Alltag wieder los geht. Das ist ja nicht mein einziger Job, auch wenn Büroarbeit nur halb so viel Spaß macht.

Auf die Hurtigrute gehe ich im September wieder, vorher steht Schottland an: Meinen Schottland-Reiseführer um die Äußeren Hebriden und Mull erweitern. Da freue ich mich schon drauf. Außerdem erscheint diesen Monat noch mein Buch über Astrofotografie, und ich arbeite an der englischen Version meines Celestron-Buchs. Gibt viel zu tun…

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