Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Nördlich von Hammerfest

Nördlich von Hammerfest

Wir sind mittlerweile wieder auf dem Weg nach Süden, und das Highlight des Tages – die Begegnung mit der MS Lofoten – ignoriere ich. Schließlich hatte ich ihr schon einmal während dem Abendessen zugewunken. Eigentlich hatte ich mir Ausschlafen vorgenommen, das klappt aber nicht: Die allgemeinen Infos zur Abfahrt in Havøysund kommen kurz vor acht nicht über das normale Sprechsystem, sondern über die Notfall-Lautsprecher – da stehe wohl nicht nur ich senkrecht im Bett. Das Frühstück fällt zugunsten der Reiseleiter-Sprechstunde trotzdem knapp aus, und sogar den leckeren Energiekaffee an Deck auf der Höhe von Melkøya verpasse ich – Kameras wollen erklärt werden.

Je näher wir Hammerfest kommen, desto besser wird das Wetter, und alles ist bereit für eine kurze Tour durch die Stadt. Sie wird beinahe eine Kirchentour, zumindest hat die Stadt einige Gotteshäuser zu bieten – katholisch, evangelisch, Methodisten… Mein erster Halt ist aber „meine Bank“ am Musikpavillon. Es liegt noch mehr Schnee als im Januar, aber diesmal habe ich mein Mäntelchen dabei, sodass ich Platz nehmen kann. Anschließend geht die Rundtour erst zum Kulturhaus und dem Zufluchtsraum in seiner Nähe, dann zu der Kapelle und Kirche, die das Stadtbild prägen.

Die Eisbärenstadt

Die Eisbärenstadt

In die Kapelle kommen wir nicht hinein, aber die Kirche hat offen. Der Blick hinein lohnt sich immer. Für das nahegelegene Grenzlandmuseum (Gjenreisningsmuseet for Finnmark og Nord-Troms) habe ich keine Zeit, da ich mal wieder in der Buchhandlung und dem Eisbärenclub vorbeischauen will. Da nächste Woche mal wieder Mammut Salg mit vielen Sonderangeboten ist, sind die meisten Bücher abgedeckt, sodass ich nichts hübsches finde. Aber der Eisbär im Eingang der Buchhandlung begrüßt mich trotzdem freundlich. Vielleicht schaffe ich es im April in das Museum.

Im Eisbärenclub wurde etwas umgeräumt, aber da es ziemlich voll ist, heißt es für mich zurück auf’s Schiff: Mittagessen und Vortrag vorbereiten. Heute bin ich wieder dran und darf Geschichten über die Sternbilder erzählen. Irgendwann habe ich das Buch dazu vielleicht auch endlich einmal druckfähig…

Der Nachmittag wäre eigentlich ideal für den Vortrag, da es sonst nicht viel zu tun gibt, aber wir haben den Termin diesmal nicht gekriegt. In Øksfjord halten wir auch nur eine Viertelstunde, was immerhin für ein paar schöne Fotos langt, anschließend geht es auch schon auf die Lopphavet. Auch diese offene Seestrecke ist außergewöhnlich ruhig – der immer noch recht bewölkte Himmel geht zumindest mit recht ruhiger See einher.

Øksfjord

Øksfjord

Um 16:30 führen Matrosen vor, wie man Knoten knüpft, während für mich der Endspurt beginnt: 17 Uhr ist mein Abschlussvortrag. Danach gibt Margit noch eine kurze Vorschau, und dann steht auch schon wieder das Abendessen an.

Der Abend klingt in der Bar aus – so langsam kommt man noch mit weiteren Gästen ins Gespräch. Das Tagesprogramm sieht keine Überbrückung für die Fahrt nach Tromsø vor, trotzdem wird ein Film über den Männerchor von Berlevåg gezeigt, auf norwegisch mit englischen Untertiteln. Und das Polarlicht? Als wir das letzte Mal rausgesehen haben, war bedeckt und kein Licht, sodass wir uns in der Bar festgeschwätzt hatten.

Lite, lite lys über Tromsø

Lite, lite lys über Tromsø

Kurz vor Tromsø kamen dann einige Passagiere rein und schwärmten davon, was das für ein tolles Polarlicht in der letzten halben Stunde gewesen war. Toll – es hat natürlich keiner für nötig gehalten, kurz reinzuschauen und an der Bar Bescheid zu sagen. Da das Polarlicht hinter dem Schiff war, hat der Kapitän das natürlich auch nicht gesehen (die Brücke ist vorne auf Deck 7, da hat er noch zwei Decks über sich und keine Sicht nach hinten), sodass es keine Durchsage gab. Und der Wetterbericht war für die Zeit nach Tromsø optimistischer, wobei das Wetter natürlich sehr unvorhersagbar ist. Für uns blieb daher nur noch das, was Dan auf meiner letzten Tromsø-Tour als lite, lite lys bezeichnet hat: Wenig, wenig Licht.

Domkirke bei Nacht

Domkirke bei Nacht

Im Hafen blitzt immer wieder es Polarlicht zwischen den Wolken durch, aber letztlich lohnt es sich nicht, darauf zu spekulieren. Stattdessen nutzen wir den Samstagabend in der großen Stadt zum Ausgehen: Die Stadt wird wieder von Studenten bevölkert, und es ist viel los auf Tromsøs Straßen. Im Rorbua am Hafen ist die Musik etwas laut, daher landen wir im Bahnhof, wo es nicht nur Guinness gibt, sondern die Musik auch leise genug für eine Unterhaltung ist.

Wieder auf dem Schiff wird noch etwas Polarlichtwache gehalten, aber es gibt bis kurz nach zwei Uhr weder größere Wolkenlücken noch sichtbares Polarlicht. Sehr, sehr schade.

Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Onkel Heinz serviert den Energiekaffee

Onkel Heinz serviert den Energiekaffee

Auf unserer Rückreise südwärts erwartet uns kurz vor Hammerfest wieder der lecker Energiekaffee. Der Himmel ist bedeckt und die Temperatur frisch, da ist das eine willkommene Abwechslung, sodass sich zahlreiche Passagiere um Tourguide Heinz und den Küchenchef drängen. Neben dem Energiekaffee gibt es auch noch frische Garnelen zum probieren; wer Krabben pulen will, kommt hier auf seine Kosten. Wenig später kommt auch schon der Grund für den Kaffee in Sicht: Die Insel Melkøya mit der Erdgasverflüssigungsanlage „Projekt Schneewittchen“. Vergleiche mit der BASF in Ludwigshafen kommen auf, wir sind nicht die einzigen aus Süddeutschland:-) Die Anlage wurde 2006 errichtet und soll noch bis etwa 2035 Flüssiggas produzieren. Heute liegt kein Schiff vor Anker, vielleicht weil Sonntag ist.

In Hammerfest, das langsam hinter der „Milchinsel“ („Melkøya“) auftaucht, haben jedenfalls die meisten Läden geschlossen. Die Stadt ist gut eingeschneit; den Zickzackweg probieren wir gar nicht erst, und auf „meiner Bank“ liegt diesmal auch zu viel Schnee, als dass ich mich darauf setzen wollte. Unsere kurze Tour führt am Friedhof und der kleinen Kapelle vorbei, die als einzige den Krieg überlebt hat. Neben der mächtigen Kirche von Hammerfest entsorgen zwei Bagger den Schnee im Meer, und wir sind pünktlich zum Glockengeläut am Kirchturm. Viel Zeit bleibt aber nicht, denn wir haben noch eine Termin im Eisbärenklub, Neumitglieder werben. Nur zu unserer Jahreshauptversammlung heute Abend um 18 Uhr können wir nicht bleiben, das Schiff legt bereits um 12:45 wieder ab.

Da keine Restaurants in Hammerfest offen haben (Pepes Pizza öffnet heute erst um 13 Uhr), holen wir am Mittagsbuffet das Frühstück nach, während der Captain stolz an Norwegens größtem Stein vorbeifährt: Die Insel Høja ist angeblich ein einziger großer Findling, der in der letzten Eiszeit durch einen Gletscher hierher kam. Unser örtlicher Geologe bezweifelt das, aber wir fahren zu dicht an Høya vorbei, um einen Überblick zu erhalten, aber doch nicht nah genug für Proben. Tante Google schlägt eher den 30m hohen Skipheller als größten Findling vor… Aber was soll’s: Das wird seit 30 Jahren so in der Schule gelehrt, also muss es stimmen, und eindrucksvoll ist der Felsen allemal.

Um 14:30 ist dann volles Programm: Im Panoramasalon auf Deck zeigt die Schiffsbesatzung, wie man richtige Knoten macht, gleichzeitig gibt es in einem Konferenzraum die Möglichkeit, gebeizten Lachs zuzubereiten. Einen Teil davon kann man am Ende der Reise mitnehmen, diese Aktivität kostet daher 250 NOK. Und um 15:00 haben wir im großen Konferenzraum unseren vierten Vortrag, einen Rundflug durch das Sonnensystem. Er fällt mit der Liegezeit in Øksfjord zusammen, sodass wir ruhige See haben und das Schneetreiben im Hafen durch die Fenster beobachten können. Rechtzeitig bevor wir raus aufs offene Meer fahren und die Lopphavet überqueren, ist der Vortrag somit beendet – aber so ruhig wie die See ist, hätten wir ihn auch während der Überfahrt halten können.

Mondhalo

Mondhalo

Das Abendessen fällt mit Skjervøy zusammen, wo wir auf der Hinfahrt das tolle Polarlicht erleben durften. Heute ist der Himmel zwar relativ klar, aber die Polarlichtaktivität ist gering – immerhin gibt es einen schönen Halo rund um den Halbmond, der (für mich) wesentlich interessanter ist als der Film über die Antarktisreisen, mit denen das Schiff die Zeit bis zum Mitternachtskonzert in Tromsø überbrückt. Auf der Novembertour hatten wir hier tolles Polarlicht, bis nach der Modenschau das Licht auf dem Heck angeschaltet wurde, um Stockfisch vorzuführen – diesmal wären wir am Bug ungestört, aber es gab weder Polarlicht noch Modenschau.

Als kleinen Unterhaltungspunkt gab es noch eine wieder sehr ruhige Schiffsbegegnung mit der nordgehenden Richard With, bevor Tromsø wieder in Sicht kam. Am Hafen warteten schon die Busse für das Mitternachtskonzert, aber die Stadt hat noch mehr zu bieten: Das Kneipenleben lohnt sich. Sogar auf dem Schiff scheint das Jägermeister-Symbol zu prangen – es gehört aber zum Tromsø Filmfest, das komplett an uns vorbei ging. Da der Rørbua-Pub direkt am Schiff keine Live-Musik hat, zieht eine kleine Gruppe von uns in die Innenstadt, und ich kriege endlich mein erstes Guiness auf der Reise.

Eine gute Stunde reicht für ein gemütliches Zusammensein, und wie sind sogar noch vor den Konzertgängern wieder an Bord. Mangels vielversprechender Polarlichtprognose ist halb zwei ein guter Zeitpunkt, um Feierabend zu machen.