Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Onkel Heinz serviert den Energiekaffee

Onkel Heinz serviert den Energiekaffee

Auf unserer Rückreise südwärts erwartet uns kurz vor Hammerfest wieder der lecker Energiekaffee. Der Himmel ist bedeckt und die Temperatur frisch, da ist das eine willkommene Abwechslung, sodass sich zahlreiche Passagiere um Tourguide Heinz und den Küchenchef drängen. Neben dem Energiekaffee gibt es auch noch frische Garnelen zum probieren; wer Krabben pulen will, kommt hier auf seine Kosten. Wenig später kommt auch schon der Grund für den Kaffee in Sicht: Die Insel Melkøya mit der Erdgasverflüssigungsanlage „Projekt Schneewittchen“. Vergleiche mit der BASF in Ludwigshafen kommen auf, wir sind nicht die einzigen aus Süddeutschland:-) Die Anlage wurde 2006 errichtet und soll noch bis etwa 2035 Flüssiggas produzieren. Heute liegt kein Schiff vor Anker, vielleicht weil Sonntag ist.

In Hammerfest, das langsam hinter der „Milchinsel“ („Melkøya“) auftaucht, haben jedenfalls die meisten Läden geschlossen. Die Stadt ist gut eingeschneit; den Zickzackweg probieren wir gar nicht erst, und auf „meiner Bank“ liegt diesmal auch zu viel Schnee, als dass ich mich darauf setzen wollte. Unsere kurze Tour führt am Friedhof und der kleinen Kapelle vorbei, die als einzige den Krieg überlebt hat. Neben der mächtigen Kirche von Hammerfest entsorgen zwei Bagger den Schnee im Meer, und wir sind pünktlich zum Glockengeläut am Kirchturm. Viel Zeit bleibt aber nicht, denn wir haben noch eine Termin im Eisbärenklub, Neumitglieder werben. Nur zu unserer Jahreshauptversammlung heute Abend um 18 Uhr können wir nicht bleiben, das Schiff legt bereits um 12:45 wieder ab.

Da keine Restaurants in Hammerfest offen haben (Pepes Pizza öffnet heute erst um 13 Uhr), holen wir am Mittagsbuffet das Frühstück nach, während der Captain stolz an Norwegens größtem Stein vorbeifährt: Die Insel Høja ist angeblich ein einziger großer Findling, der in der letzten Eiszeit durch einen Gletscher hierher kam. Unser örtlicher Geologe bezweifelt das, aber wir fahren zu dicht an Høya vorbei, um einen Überblick zu erhalten, aber doch nicht nah genug für Proben. Tante Google schlägt eher den 30m hohen Skipheller als größten Findling vor… Aber was soll’s: Das wird seit 30 Jahren so in der Schule gelehrt, also muss es stimmen, und eindrucksvoll ist der Felsen allemal.

Um 14:30 ist dann volles Programm: Im Panoramasalon auf Deck zeigt die Schiffsbesatzung, wie man richtige Knoten macht, gleichzeitig gibt es in einem Konferenzraum die Möglichkeit, gebeizten Lachs zuzubereiten. Einen Teil davon kann man am Ende der Reise mitnehmen, diese Aktivität kostet daher 250 NOK. Und um 15:00 haben wir im großen Konferenzraum unseren vierten Vortrag, einen Rundflug durch das Sonnensystem. Er fällt mit der Liegezeit in Øksfjord zusammen, sodass wir ruhige See haben und das Schneetreiben im Hafen durch die Fenster beobachten können. Rechtzeitig bevor wir raus aufs offene Meer fahren und die Lopphavet überqueren, ist der Vortrag somit beendet – aber so ruhig wie die See ist, hätten wir ihn auch während der Überfahrt halten können.

Mondhalo

Mondhalo

Das Abendessen fällt mit Skjervøy zusammen, wo wir auf der Hinfahrt das tolle Polarlicht erleben durften. Heute ist der Himmel zwar relativ klar, aber die Polarlichtaktivität ist gering – immerhin gibt es einen schönen Halo rund um den Halbmond, der (für mich) wesentlich interessanter ist als der Film über die Antarktisreisen, mit denen das Schiff die Zeit bis zum Mitternachtskonzert in Tromsø überbrückt. Auf der Novembertour hatten wir hier tolles Polarlicht, bis nach der Modenschau das Licht auf dem Heck angeschaltet wurde, um Stockfisch vorzuführen – diesmal wären wir am Bug ungestört, aber es gab weder Polarlicht noch Modenschau.

Als kleinen Unterhaltungspunkt gab es noch eine wieder sehr ruhige Schiffsbegegnung mit der nordgehenden Richard With, bevor Tromsø wieder in Sicht kam. Am Hafen warteten schon die Busse für das Mitternachtskonzert, aber die Stadt hat noch mehr zu bieten: Das Kneipenleben lohnt sich. Sogar auf dem Schiff scheint das Jägermeister-Symbol zu prangen – es gehört aber zum Tromsø Filmfest, das komplett an uns vorbei ging. Da der Rørbua-Pub direkt am Schiff keine Live-Musik hat, zieht eine kleine Gruppe von uns in die Innenstadt, und ich kriege endlich mein erstes Guiness auf der Reise.

Eine gute Stunde reicht für ein gemütliches Zusammensein, und wie sind sogar noch vor den Konzertgängern wieder an Bord. Mangels vielversprechender Polarlichtprognose ist halb zwei ein guter Zeitpunkt, um Feierabend zu machen.

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