Hurtigrute Tag 10: Helgelandküste

Der Tagesplan

Nachdem die Aurora sich gestern wieder äußerst unkooperativ gezeigt hat (bzw. gar nicht gezeigt hat), verpasse ich heute fast den Polarkreis. Sechs Minuten Vorwarnzeit gibt mir Johan, was gerade von der Dusche bis an Deck langt – uff. Ich muss mir doch mal wieder angewöhnen, ins Tagesprogramm zu schauen – auf der Kong Harald gibt es das ja sogar in gedruckter Form; andere Schiffe zeigen es nur noch auf den Monitoren, und seitdem beachte ich es meist nicht mehr.

Aber egal, ich bin rechtzeitig um 8:37 draußen, um die südgehende Polarkreisüberquerung mitzumachen.

Auch wenn jetzt eigentlich nicht mehr viel auf der Reise passiert – alle großen Häfen haben wir tagsüber auf der nordgehenden Route besucht, jetzt kommen kleine Häfen und viel Landschaft – hat man trotzdem keine Ruhe. Nach dem Frühstück kommt um 9:45 die Polarkreistaufe mit Lebertran-Verköstigung, dann wird der Polarkreisstempel vorgezogen, um elf Uhr signiert die Crew wieder Bücher, und um 11:15 habe ich meinen Abschlussvortrag über Sternbilder und ihre Mythen.

Nesna

Ach ja: Kurz vor halb elf legen wir auch noch Nesna an. Etwas überraschend, da über die Sprechanlage der Text für Sandnessjøen kommt. Aber wir halten hier doch nicht bis 12:15, und gleich darauf kommt die Korrektur, dass es nur ein kurzer Halt ist.

Als ich kurz vor 12 mit meinem Vortrag fertig bin, sind wir dann doch schon in Sandnessjøen. Bei einer halben Stunde Liegezeit sind die Zeiten vorbei, in denen man hier kurz durch die Fußgängerzons sprinten und die zahlreichen Kunstwerke anschauen konnte, mit dem aktuellen Fahrplan ist das nicht mehr drin. Der Blick aus dem Fenster verheißt auch nichts Gutes für die Bergkette der sieben Schwestern, und es gibt auch keinen Interessepunkt. Nur auf dem Tagesprogramm wird mit einem Bild darauf hingewiesen. Aber Überraschung: Sie stecken zwar tief in den Wolken, sind aber mit wehenden Schleiern doch zu erkennen.

Die Sieben Schwestern
Die Helgelandküste…

Auch mal ein interessanter Anblick. Danach geht die Fahrt weiter, um 14 Uhr ist noch einmal ein Treffen mit dem Expeditionsteam, während draußen die Helgelandküste in den Wolken verschwindet. Nach dem wunderbaren Trollfjord gestern präsentiert sich Norwegen nun wieder betont kontrastarm. Schade. Immerhin: Die Gewitterwarnung für Brønnøysund wurde nun durch normalen Regen ersetzt.

In Brønnøysund haben wir einen etwas längeren Aufenthalt, damit neben dem dem Besuch bei den Lachsen auch eine Tour zum Torghatten stattfinden kann, dem Berg mit Loch. Bei dem Wetter wird das bestimmt ein Erlebnis – auf der Herfahrt ist der Torghatten kaum zu sehen.

Suchspiel: Erkennen Sie den Torghatten im Hintergrund?
Norwegens Mitte

Mein Weg führt mich heute nicht allzu weit: Erst ein Besuch in der Mitte Norwegens, und dann ab ins Amfi zum Coop, mein gesammeltes Leergut abgeben und die Getränkevorräte und den Kühlschrank zuhause auffüllen. Soweit der Plan für heute, der mal wieder scheitert: Der Coop wird umgebaut und eröffnet “demnächst” wieder. Da steh ich nun mit meinem Altglas und ohne Chance, noch Wurst für daheim oder Getränke für den Rest der Tour zu kaufen.

Nun gut. Also noch eine Runde durch das Amfi drehen (mit gewissem Erfolg im Sportgeschäft), und dann ab zum nächsten Kiwi. Zumindest werde ich dort das Leergut los; dann muss ich morgen dem Rema in Trondheim noch einen Besuch abstatten. Oder den kurzen Aufenthalt in Kristiansund nutzen, mal sehen.

Auf dem Weg zum Kiwi fällt mir zum ersten Mal die Tourist Information auf, die direkt hinter dem Anleger liegt, und neben der eine hübsche alte Scheune oder ein anderes Wirtschaftsgebäude steht. Dann noch ein Bild vom Schiff (ich habe schon lange nicht mehr am Tau entlang fotografiert), und die Einkäufe verstauen.

Und dann? Natürlich ein Eis, während einige aus unserer Gruppe zurückkommen. Vielleicht lerne ich es irgendwann und bestelle entweder das berühmte Softeis oder einen Becher… so erhalte ich eine schmale Waffel, auf der zwei große Kugeln Eis kurzfristig balancieren. Mal sehen, ob ich das Beweisfoto erhalte – zum selberknipsen hatte ich keine Chance. Das war zwar lecker, aber eine Sauerei. Zum Glück gibt’s im Kiosk ein WC mit Waschbecken… Bei den Plusgraden schmilzt das Eis doch recht flott.

Jubiläumsmenü

Von Peter erfahre ich dann, dass ich beim Shoppen aufs falsche Pferd gesetzt habe – der Bunnpris hätte noch Wurst gehabt. Egal.

Die Vorbeifahrt am Torghatten um 18:10 fällt mangels Sichtbarkeit und wegen Wind aus. Der nächste Programmpunkt wäre damit das Captains Dinner um 18 Uhr, da uns erfahrungsgemäß viele Gäste in Trondheim verlassen. Aber alles ist anders auf dieser Tour: Morgen steigen 140 Schüler zu (zumindest bis Kristiansund), und Hurtigruten feiert 130jähriges Jubiläum, also gibt es ein 5-Gänge-Jubiläumsmenu. Gut und ausreichend. Burps…

Um 20:15 gehen die Feierlichkeiten im Panoramasalon weiter, der Captain (?) steht da, während Johan eine kurze Festansprache hält und jeder ein Glas Sekt erhält. Anschließend greigt er zur Gitarre und unterhält uns zusammen mit Giske noch zwei Stunden lang mit Livemusik. Schön.

Rørvik

Derweil ärgern uns draußen ein paar Wolkenlücken, aber in Rørvik regnet es dann schon wieder leicht. Es ist ja nicht so, dass es hier in der Region keine Chancen auf Polarlicht gibt, aber in dieser Nacht dann doch nicht.

Nach dem Ablegen aus Rørvik winke ich der Havila Polaris noch einmal zu und widme mich dann dem Blog, unterbrochen von einigen Blicken nach draußen. Aber es lohnt sich nicht, und die offene Seestrecke der Folda ist zwar alles andere als wild, aber mit Wind und etwas Wellen ist es doch unangenehm draußen, trotz Temperaturen um die 12 Grad. Also Schluss für heute.

Die Havila Pollux bei Rørvik

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