Hurtigrute Tag 12: Back to Bergen

Alles muss raus – wir auch

Der letzte Tag zieht sich – bis um 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein, damit schon jetzt mit dem Putzen begonnen werden kann (schließlich liegt das Schiff in Bergen deutlich kürzer als in Ålesund, bereits um 20:30 heute Abend heißt es wieder: “Leinen los!”), und das Gepäck muss laut Aushang schon eine Stunde früher um 9 Uhr an den Aufzügen stehen, damit es in Bergen an Land gebracht wird. Der Tagesplan gibt dagegen 10 Uhr an, und tatsächlich hätten wir solange Zeit gehabt.

Wie dem auch sei: Der Wecker klingelt viel zu früh, damit der Kofferinhalt noch an das maximal zulässige Gesamtgewicht angepasst werden kann. Drei Tafeln Schokolade als Tariergewicht müssen raus, immerhin kann ich so in 220-Gramm-Schritten arbeiten… Einen Vorteil hat das frühe Aufstehen: Ich bekomme einmal Florø um 8:15 mit, passend zum Frühstück. Das ist kein besonders schöner Hafen (zumindest ist außer Containern nicht viel zu sehen), aber immerhin in einer hübschen Landschaft.

Dass wir jetzt endlich strahlendblauen Himmel haben, ist eigentlich eine Unverschämtheit. Gestern Nacht wurde nach Molde noch ein Schimmer von Polarlicht gesehen – das gefürchtete flache graue Band am Horizont, das kaum begeistert, aber die Nordlichtgarantie ebenfalls erfüllen würde. Für eine normale Reise war das Wetter sehr angenehm, aber es hätte ruhig ein paar klare Nächte mehr auch im Norden geben dürfen, um die Polarlichtaktivität nutzen zu können. So blieb es nur bei einer schönen Nordlichtsichtung. Immerhin – es gab schon Touren ganz ohne Polarlicht, ich hatte zum Glück noch keine. Die Zeit des stabilen Skandinavienhochs scheinen vorbei zu sein, willkommen im Klimawandel.

Da wir aus den Kabinen raus müssen, ist das Schiff nun gut gefüllt, und man merkt erst recht, wie viel doch gehustet wird. Auf den routinemäßigen Coronatest zuhause bin ich gespannt. Um dauernd draußen zu sein, ist es aber doch noch zu frisch. Das Expeditionsteam lädt um 10:45 noch einmal zu einer Veranstaltung an: Norwegische Musik. Um 11 Uhr treffen wir uns dagegen alle auf Deck 9 im windgeschützten Bereich, um noch einmal auf die Reise anzustoßen, anschließend ist Mittagessen angesagt. Ich glaube, das ist die erste Reise, auf der ich jedes Mittagessen ausfallen lasse. 12 Uhr ist mir einfach zu früh. Dann lieber auf das Handgepäck aufpassen, das wir im Vortragsraum deponieren konnten, und den Steinsund durch die Fenster vorbeiziehen zu sehen. Immer wieder wechseln sich etwas offenere Seestrecken mit schmalen Sünden ab. (Ist Sünde die korrekte Pluralform von Sund? Sunde klingt irgendwie besser… ich glaube, das muss Sunde heißen. Sowas haben wir in Süddeutschland nicht, da gibt’s nur Seelen, um die Leute zu verwirren. Also falls der Teufel mit mir um eine Seele feilschen will, da lässt sich was einrichten. Sogar belegt. Aber ich schweife ab.)

Aber letztlich zieht sich die Strecke, wobei das bei schlechtem Wetter natürlich noch eine andere Nummer ist. So kann man immer wieder die Landschaft genießen und doch noch mit den Gästen ins Gespräch kommen. Auf dieser Tour habe ich mich eher zurückgehalten – Norwegen hat die Coronaregeln aufgehoben und die Pandemie beendet; ich hatte versucht, zumindest dann Maske zu tragen, wenn Menschenansammlungen da waren, und ansonsten Abstand zu halten. Also entweder an Deck oder in der Kabine, wenn keine Reiseleitersprechstunde war. So oft war ich wirklich noch nie in der Kabine. Günter hatte dafür ja ein außergewöhnlich umfangreiches Rahmenprogramm, da konnte ich mich etwas zurückhalten, solange das Wetter nicht mitspielte.

In Bergen kamen wir fast pünktlich an. Bereits um 15:30 saßen wir im Bus und erreichten nach einer halben Stunde Fahrt als erste am Flughafen. Bei unserer kleinen Gruppe mit 21 Teilnehmern (von denen zwei noch eine Nacht in Bergen blieben) ging die Gepäckabgabe dann auch schnell und reibungslos, sodass wir eine Stunde Zeit hatten bis zum Boarding. Genug für Tax Free, Shopping und Co. Im internationalen Bereich galt dann auch wieder Maskenpflicht…

Auch der Anschlussflug in Amsterdam klappte, wobei Schiphol wirklich mal in Anzeigetafeln investieren sollte. Bis man den Anschlussflug findet, dauert. Und damit endet meine letzte Tour für die Saison – hoffen wir, dass alle gesund heim kommen!

Zum Abschluss noch mein bislang kürzestes, aber nicht unbedingt schlechtestes Polarlichtvideo – erstmals sogar mit einer Echtzeit-Sequenz!

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