Hands on: Unistellar eVscope 2

Irgendwie scheine ich es langsam zum Influencer zu schaffen – Letztes Jahr hatte Unistellar bei mir angefragt, ob ich nicht Interesse hätte, ihr neues Teleskop zu testen. Weil ich Astrofoto-Buch und Blog und so habe. Pünktlich zum schlechten Wetter um Weihnachten kam dann ein Paket bei mir an.

Daher als Vorwarnung zu diesem Beitrag: Ich habe das Teleskop zwar von Unistellar kostenlos bereit gestellt bekommen, erhalte für den Test aber kein Geld. Alle Meinungen sind also meine.

Sauber verpackt: Das eVscope 2 mit Rucksack im Versandkarton.

Auf den ersten Blick ist das eVscope 2 ein schicker kleiner Newton. Im Karton stecken ein großer Wanderrucksack, der Teleskop mit Montierung am Stück aufnimmt, sowie ein Stativ auf dem Level eines guten Fotostativs (Alu, leicht und ausreichend stabil) sowie etwas Zubehör: Die Schnellstartanleitung, ein Satz Schraubenzieher, das Lade-/Netzteil. Das sieht so schön und sauber aus, wie man es gerne von einem Komplettset erwartet.

Für einen Listenpreis von 3799,-€, für den das Teleskop ab Februar 2022 auf den Markt kommt, wäre das natürlich mager, wenn es nur ein normales Goto-Teleskop wäre. Schließlich ist die Optik nur ein 4,5″ /450 Newton.

Der Trick ist, dass es kein klassisches Teleskop ist – das Okular sitzt an der Höhenachse und ist digital (ähnlich einem Kamerasucher), statt einem Fangspiegel gibt es eine Kamera mit Sony IMX347 Sensor, und statt Handcontroller oder Feintrieben eine App für das eigene Smartphone. Das Ding macht EAA – also “elektronisch unterstützte Astronomie” (Electronically Assisted Astronomy). Seit in den letzten Jahren die Kameras immer besser geworden sind, ist das ein neuer Trend: Die Kamera macht recht kurzbelichtete Aufnahmen des Himmels und addiert sie automatisch zusammen, sodass man live zuschaut, wie das Teleskop Photonen sammelt.

Blick ins eVsope 2: Kein Fangspiegel, dicke Spinne für die Kamera

Der große Vorteil gegenüber dem visuellen Beobachten: Das Auge macht 24 Bilder pro Sekunde, wer mehr sehen will, braucht ein größeres Teleskop – hier wird das Licht gesammelt.

Der große Vorteil gegenüber der Astrofotografie: Man spart sich die stundenlange Nachbearbeitung der Bilder.

EAA ist also weder klassisches Beobachten noch klassische Astrofotografie, sondern eher Beobachten mit einem Nachtsichtgerät. Noch vor Corona hatte ich einen Abend lang mit dieser neuen Sparte herumprobiert: Auf der Sternwarte haben wir eine ATIK Horizon, die ebenfalls Live-Stacking unterstützt. Das hatte sogar einigermaßen funktioniert; leider hat ATIK eine eher unintuitive Software, und das Teleskop sitzt klassisch auf einer großen, schweren und exakt eingenordeten parallaktischen Montierung. Daher war es mühsam, die Ergebnisse waren aber schon ganz gut.

Das eVsope verspricht nun, dass man eben keine schwere Montierung aufbauen und einnorden muss, sondern das Teleskop einfach nur hinstellt und loslegt. Klappt das?

Der erste Test

Das eVsope 2 auf meinem Balkon. Im Hintergrund ein 80/910mm Refraktor.

Auch wenn der Rucksack perfekt ist, um das Gerät auf den Acker zu bringen: Ich entschied mich gleich für den Härtetest auf dem Balkon im Dorf. Nicht besonders dunkel, aber ein durchaus brauchbarer Himmel. Und ein auf Komfort ausgelegtes Teleskop wird wohl eher im Garten als in den Hochalpen aufgebaut werden.

Also erst einmal den eingebauten Akku aufladen, die App installieren und dann eine prognostizierte drei-Stunden-Wolkenlücke nutzen. Das Stativ ist ruckzuck aufgebaut, das Teleskop wird mit zwei Schrauben gesichert. Kleine Kritik: Es gibt keinen Messingspannring, die Schrauben gehen also direkt auf das Metall. Und die Schrauben haben keine Verliersicherung, sondern können ganz herausgedreht werden. Zwei Ersatzschrauben gehören sicherheitshalber zum Lieferumfang. Das Teleskop hat anders als z.B. ein Celestron Evolution keine Tragegriffe, ist aber noch handlich genug, um es auf das Stativ zu setzen – bei dem Preis wären mir Griffe dennoch ganz lieb, schließlich hält man einen guten Brutto-Monatslohn in der Hand. Dann die Montierung anschalten, Staubschutzkappen abnehmen, das Handy mit dem WLAN verbinden und die App starten – los gehts.

Erster Eindruck: Die deutschsprachige (!) App ist übersichtlich strukturiert und macht auch ohne eigene Anleitung keine Probleme; Tooltips erklären die Funktionen beim ersten Benutzen. Die Verbindung erfolgt über den WLAN-Accesspoint, den das Teleskop bereit stellt. Mit dem iPhone 13 Mini: Gar kein Problem, und ich kann das Teleskop über die Richtungstasten in der App auf ein Stück klaren Himmel richten. Vorbildlich.

Das elektronische Okular

Und jetzt beginnt die Magie: Die Kamera nimmt ein Bild des Himmels auf, zeigt es sowohl im digitalen Okular als auch auf dem Handy, macht ein Platesolving (also analysiert und identifiziert den Himmelsausschnitt), und das war’s: Die Montierung weiß, wo das Teleskop hinzeigt, die Nachführung läuft, die App macht Beobachtungsvorschläge – perfekt. Ich muss nur noch scharf stellen; den Hauptspiegel hinten am Teleskop, und das elektronische Okular mit dem Dioptrienausgleich direkt am Okular. Eine Justage der Optik spare ich mir – das Bild sieht ordentlich aus, und die Schärfe eines schnellen Newtons ist nicht mein Hauptinteresse in dieser Nacht.

Außerdem war der erste Test sehr gehetzt: Am 31. Dezember, zwischen dem, was zum Jahreswechsel 2021/22 als Silvesterfeier durchgeht und den aufziehenden Schießpulverschwaden aus der Nachbarschaft, die irgendwoher doch Böller bekommen hat, war nicht so viel Zeit. Also blieb etwa eine Stunde in der späten Abenddämmerung. Normalerweise sage ich, dass man sich zwei bis drei Abende gönnen sollte, um ein neues Teleskop kennenzulernen, bevor man ernsthaft ans Beobachten geht. Mir bleibt jetzt eine gute Stunde, und ich bin angenehm überrascht: Nachdem ich das Gerät angeschaltet habe, verbinde ich mein Handy ohne Probleme mit dem Teleskop und fahre ein Stück klaren Himmel an. Kurz darauf ist das Platesolving abgeschlossen – wir reden hier von Sekunden – und das Teleskop weiß, wo es hinzeigt, und ich kann Objekte anfahren. Nach ein bisschen Herumprobieren bietet die Bedienung per App keine Rätsel mehr: Ich kann Objekte suchen und anfahren, wenn ich das Live-Bild auf dem Monitor zoome, verändert sich auch der Zoom im Okular, und es gibt Grenzen, unterhalb derer keine Objekte angefahren werden – aber die App zeigt an, wann die Ziele hoch genug stehen. Wer will, kann diese Grenzen auch ändern.

Die automatische Bildverbesserung wird separat aktiviert, nun wechselt die Anzeige vom Livebild zum Livestacking: Dabei werden wie bei echter Astrofotografie die einzelnen Bilder übereinandergelegt, sodass das Bildrauschen verschwindet und die eigentliche Bildinformation zu Tage tritt. Nach ein, zwei Minuten sieht man schon deutlich mehr als direkt nachdem ein Objekt angefahren wurde.

Es gibt zwei Möglichkeiten, das Bild anzuschauen: Auf dem Smartphone oder in dem elektronischen Okular. Das elektronische Okular von Nikon ist der größte Unterschied zu den Konkurrenzprodukten von Vaionis oder den kleineren Modellen von Unistellar. Zusammen mit der Fokussiermöglichkeit gibt es einem das Gefühl, wirklich an einem Teleskop selbst zu beobachten. Leider ist das Bild im Okular schlechter als auf dem Handydisplay oder im Sucher einer Kamera: Wo das Handy recht kleine Sterne zeigt, sieht man im Okular Blobs – vergleichsweise fette, aufgeblähte Sterne. Dafür ist der Einblick gut und unkompliziert möglich, selbst wenn man das Handy in die Tasche gesteckt hat, während das Teleskop Licht sammelt.

Auf die Schnelle – mit der Objektsuche habe ich mich noch nicht vertraut gemacht – schlägt mir das Teleskop den Monkey Head Nebula als Beobachtungsziel vor, nachdem ich an Beteigeuze scharf gestellt habe – der Orionnebel steht noch zu niedrig. Jetzt muss ich zugeben, dass ich den Affenkopfnebel NGC 2174 bislang nicht wirklich auf dem Schirm hatte. Mit 40 Bogenminuten Durchmesser ist er auch kein offensichtliches Ziel für diesen Standort (man kann in der App in drei Stufen wählen, wie gut der Himmel ist). Aber gut, für einen Test wird es langen.

Nun hat das Teleskop ein Bildfeld von 37×54 Bogenminuten, damit ist der Nebel bildfüllend und dementsprechend schwer auszumachen. Aber es tauchen immerhin einige Sterne mehr auf, die Bildaddition funktioniert also. Sie sind nicht ganz rund – aber dafür, dass das Teleskop ungeschützt vor Wind auf einem Balkon auf einem vollständig ausgezogenen Stativ steht, ohne Autoguider und azimutal montiert, ist das gar nicht schlecht. Und man bedenke: EAA ist keine Astrofotografie, sondern elektronisch unterstütztes Beobachten. Es geht um die Live-Beobachtung.

Ich bin durchaus beeindruckt. Wenn alle Teleskope sich so einfach in Betrieb nehmen lassen würden, wären einige meiner Bücher überflüssig….

Aber bevor mir noch Silvesterböller in das teure Leihteleskop fliegen (und ich als Silvesterfeier-Boykottierer in die Nerd-Ecke gestellt werde), breche ich diese Sitzung ab: Deckel drauf und am Stück reintragen. Eine Beobachtung mit dem Fernglas ist auch nicht weniger aufwändiger…

Die zweite Nacht

Am nächsten Abend ist es überraschenderweise auch klar. Also das Teleskop noch einmal rausstellen, auf einen klaren Fleck am Himmel zwischen dem Dach des Nachbarhauses und der Markise vom Balkon richten, und dann ein sinnvolles Objekt in diesem Beobachtungsfenster suchen. Der Gewinner: M1, der Krebsnebel.

Das Teleskop fährt ihn flüsterleise an, korrigiert noch ein bisschen, et voilà: Da ist er. Nach zwei Minuten ist er deutlich besser zu sehen, ob ich ihn dann zehn oder 15 Minuten im Okular lasse, macht keinen großen Unterschied. Im Okular sieht er hübsch aus, auf dem Handy sieht man, dass es ein paar Nachführfehler gab. Andererseits ist das auch kein Wunder, wenn man beim Beobachten mit dem Okular an das Teleskop kommt. Wenn es um hübsche Bilder geht, sollte man die Stativbeine weiter spreizen, sie nicht vollständig ausfahren, und vor allem das Teleskop nicht berühren. Dann sollten die runden Sterne möglich sein, die auf der Unistellar-Seite abgebildet sind.

Auf dem Handy sieht das übrigens so aus:

Die Plejaden sind zu groß für die Brennweite des eVsope 2.

Der Krebsnebel passt als Ziel deutlich besser zum eVscope als der Affenkopfnebel – und das Bild ist besser als das, was mir das C14 von unserem Verein in der Stadt zeigt. Das kleine Gerät hat Potential.

Wie schlägt es sich an den anderen Paradeobjekten des Winterhimmels?

Erstes Ziel sind natürlich die Plejaden, während der Orionnebel noch höher steigt. Das Bildfeld ist leider zu klein, sie passen nicht komplett drauf. Das passiert einem bei langbrennweitigen Teleskopen natürlich auch; dieser Sternhaufen ist eher ein Ziel für ein Fernglas oder ein Rich-Field-Teleskop. Interessanter Effekt: Nach etwa 10 Minuten wird das Bild nicht mehr spürbar besser, ein Hauch des Reflexionsnebel ist zu erahnen.

Etwa 20 Minuten lasse ich das Teleskop laufen. Und in der Zwischenzeit? Wie bei echter Astrofotografie ist mir langweilig, und ich werfe einen Blick durch den kleinen Refraktor, den ich daneben aufgestellt habe. Im echten Okular ist von dem Plejadennebel nichts zu sehen (M1 probiere ich ohne Lichtverschmutzungsfilter gar nicht erst), dafür gibt es die nadelscharfen Sterne, für die ich Refraktoren liebe.

Fünf Minuten Orionnebel

Endlich steht auch der Orionnebel hoch genug, dass ich ihn anfahren kann.

Nett: Schon nach kurzer Zeit sind Farben zu erkennen. Wer sagt denn, dass Deep-Sky-Objekte schwarzweiß sind? (Klar – jeder erfahrene Beobachter, der ihnen in großen Geräten höchstens einen Hauch von Farbe zugesteht.) In kleinen Geräten und an lichtverschmutzten Standorten zeigen praktisch nur Doppelsterne Farbe. Oder dieses eVsope…

Ja, die Sterne sind fett und etwas verwackelt, und das Zentrum ausgebrannt, aber das geht schon sehr in die Richtung von dem, was ich gerne während einer öffentlichen Führung zeigen würde. Da habe ich zu oft erlebt, dass ich vom Anblick einer Galaxie begeistert war, und die Gäste das mit einem “Dieses Nebelfleckchen?” kommentierten.

Das Gerätchen liefert, wobei M42 natürlich auch kein schweres Ziel ist. Die App gibt noch ein paar Möglichkeiten zur Belichtungssteuerung, und wie lange die einzelnen Aufnahmen belichtet werden – damit dürfte sich noch mehr herausholen lassen. Aber da ich für diesen Test nicht bezahlt werde, belasse ich es bei den Standardeinstellungen und überlege mir die nächste Gemeinheit: Der Pferdekopfnebel.

Dieser berühmte Staubnebel vor den leuchtenden Emissionsnebeln im Orion ist visuell eine echt schwere Nuss; mit meinem 80mm-Refraktor und an diesem Standort brauche ich das gar nicht erst probieren.

Und das eVscope? Es schwenkt ohne Murren dieses Ziel an, das ich noch nie im Teleskop probiert habe, und fängt an, mich beim Beobachten elektronisch zu unterstützen.

10 bis 55 Minuten Pferdekopfnebel

Nach 10 Minuten ist das Pferdchen zu erahnen, nach einer halben Stunde ist die beste Sichtbarkeit erreicht. Die Sterne sind rund, und die Silhouette ist auch nicht schwerer zu erahnen als im Okular eines großen Dobsons an einem guten Standort.

Das ist meine erste Beobachtung (und Aufnahme) des Pferdekopfnebels.

Mit einem 4,5″-Telesköpchen, das ich einfach auf den Balkon gestellt habe.

Mitten im Dorf.

Eigentlich eine Unverschämtheit.

Ich habe damit nur ein Problem: Das war zu einfach. Ich war zwischendrin im warmen Wohnzimmer und habe mir den Verlauf auf dem Handy angeschaut, oder draußen mit dem Refraktor ein bisschen Jupiter beobachtet. Mir war langweilig, und ich habe nicht das Gefühl, ihn wirklich selbst beobachtet zu haben. (Und trotzdem: Mein erstes Pferdchen!)

Danach baue ich ab, der Akku ist nach zwei Nächten am Ende. Die Ladezeit nutze ich, um die Bilder über mein Heim-WLAN zu Unistellar hochzuladen: Zur möglichen wissenschaftlichen Auswertung sammelt Unistellar die Daten. Es ist auch möglich, die gesammelten Gigabyte an RAW-Dateien wieder herunterzuladen, der direkte Zugriff ist nicht vorgesehen: Man muss den Support kontaktieren und erhält dann einen Downloadlink. Das geht recht flott, aus den RAW-Dateien konnte ich aber auch nichts besseres herausholen. Ein Direktzugriff auf den Speicher des Geräts ist aber nicht möglich.

Außerdem sind gleich drei Bereiche vorgesehen, in denen Unistellar-Nutzer die Wissenschaft unterstützen können: Asteroiden-Beobachtung, Exoplaneten-Jagd und “Planetare Verteidigung” vor möglichen Meteoriten-Einschlägen. Damit gewinnt das “Just-for-Fun”-Beobachten sogar wissenschaftlichen Nutzen, es bleibt im Idealfall nicht bei der vergänglichen Beobachtung im Okular.

Eine dritte Nacht

Mit dem Rucksack ist alles griffbereit für den spontanen Einsatz

Wofür das eVscope wirklich hervorragend geeignet ist: Spontan beobachten! Es ist ein echtes Grab-and-Go-Teleskop, weil alles im Rucksack ist. Man braucht nur noch das eigene Smartphone und ggf. ein Ladekabel – unten an der Montierung des eVscope ist ein USB-Ausgang, der wohl zum Laden des Handys genutzt werden kann.

Am 10. Januar gab es eine überraschende Wolkenlücke, und ich nutzte die Zeit, um mir den Rucksack mit dem eVscope, etwas zu trinken und meine Jacke zu schnappen, um auf den nächsten Acker zu fahren, wo ich einen deutlich dunkleren Himmel habe als auf dem heimischen Balkon.

15 Minuten später – davon 10 Minuten Fahrzeit – war das Gerät auch schon einsatzbereit. Im Nordosten drohte bereits die nächste Wolkenbank, aber noch war über mir klarer Himmel.

Da ich in der letzten Nacht ein paar verwackelte Sterne hatte, stellte ich das Stativ zuerst einmal niedrig ein: Die Beine nicht ausfahren, und maximaler Spreizwinkel. Das sollte noch etwas mehr Stabilität bringen. Die Initialisierung verlief wieder problemlos: Das Teleskop grob in die Zielrichtung ausrichten (senkrecht nach oben wollte ich es für die Orientierung am Himmel dann doch nicht zeigen lassen, etwas einfacher darf das System es schon haben), die Sternerkennung aktiviert und fertig. Ab zur Objektsuche in der App, die zahlreiche Vorschläge macht.

Das erste Ziel: M27, der Hantelnebel. Ein nicht zu kleiner Planetarischer Nebel, der auch in kleineren Teleskopen ein hübscher Nebelfleck ist. Im eVscope dauerte es keine zwei Minuten, bis er in Farbe zu sehen war. Chic, was da auf meinem Handy-Display auftauchte. Um Erschütterungen zu vermeiden, schaute ich währenddessen nicht in das elektronische Okular, und werde mit runderen Sternen belohnt.

Nach zwei Minuten war das Bild bereits hübsch, nach sechs Minuten nicht wesentlich besser. Also schon weiter zum nächsten Ziel? Warum nicht… Die App schlägt NGC 6946 vor – die Feuerwerksgalaxie im Cepheus mit 9. Größe. Schauen wir mal. Surrr… die Montierung fährt das Ziel schön leise an; mit dem Kaffeemühlengeräusch vieler Goto-Montierungen hat das nichts zu tun.

Hier lohnt sich die längere Belichtungszeit: Zunächst ist nichts zu sehen, wenig später schälen sich die Spiralarme immer besser heraus. Hübsch.

Und jetzt? Ein Blick zu den Wolken, die näher kommen… ach was soll’s, weiter zum nächsten Ziel. M33 steht hoch über mir, die Dreiecksgalaxie. Kein leichtes Ziel, da sie größer als der Vollmond ist, und der halbvolle Mond obendrein den Himmel aufhellt. Surr, Verbesserte Sicht starten, Blick auf’s Handy: Check, da ist sie. Nach wenigen Minuten sind die Spiralarme erkennbar und nach zehn Minuten deutlicher. Bei Nacht und auf dem Handy sind sie übrigens deutlich schöner als bei Tag auf dem Laptop. Umgebungslicht macht sich auch hier bemerkbar.

War ja einfach, wobei die Galaxie wohl von etwas mehr Belichtungszeit profitieren würde. Ich nutze die Zeit, um die Bilder nach Hause zu schicken. Zurück kommt die Frage, was ich davon halte, dass vom Sofa aus genauso viel zu sehen ist wie bei mir in der Kälte? Tja, da ist was dran – es fühlt sich nicht wie Beobachten an, da ich doch immer nur auf’s Handy schaue.

M82

Aber was soll’s, wenn ich schon mal draußen bin, wird die Zeit genutzt. Über dem Großen Wagen tut sich eine Wolkenlücke auf, also ab zu M82. Die “Zigarre” ist eine hübsche unregelmäßige Galaxie und ein hübsches Paar mit M81.

Es dauert keine Minute, bis die Zigarre mit ihren Staubbändern zwischen den Sternen zu sehen ist.

Eigentlich eine Unverschämtheit, wie gut das funktioniert.

Immerhin sind die Sterne nicht ganz perfekt, und ich entscheide mich, den Fokus zu überprüfen. Ab zu Albireo, der ist hübsch hell, und ich kann mal sehen, was das kleine Gerät an Doppelsternen kann.

Im Staubschutzdeckel ist eine Bahtinov-Maske versteckt, die ein Beugungsmuster verursacht, anhand dessen man die Schärfe wunderbar beurteilen kann. Um es einfacher zu haben, parke ich das Teleskop zwischendrin kurz und bringe das Stativ auf seine maximale Höhe. So kann ich bequem durch das Okular schauen, während ich Albireo fokussiere.

Wie erwartet sind Doppelsterne keine Spezialität des eVscope 2 – da braucht man Vergrößerung, Licht sammeln bringt wenig. Albireo wird nicht wirklich getrennt, aber ich kann gut sehen, dass es zwei Sterne sind, und ich im Fokus bin.

Für schärfere Sterne müsste ich es mal mit Justage des Spiegels probieren, aber darauf habe ich gerade keine Lust. Außerdem: Das Stativ ist nicht das stabilste, und das Teleskop wackelt ziemlich, sodass schon das Fokussieren nicht ganz trivial ist. Aber für meine Zwecke langt es – leider kann ich es auch nicht einfach auf ein stabileres, schwereres Stativ setzen.

Lieber noch ein wenig Beobachten statt zu justieren – zurück zum Großen Bären: M81 ist nach drei Minuten so strukturlos, wie ich das vom klassischen Teleskop gewohnt bin, M82 bleibt hübsch.

Dann machen die Wolken im Norden dicht, und was bietet sich als Ziel an? Natürlich der Mond! Unter “Moon” finde ich ihn in der App, und bald ist er bildfüllend auf dem Handydisplay.

Der Mond zeigt wunderbar das Bildfeld des eVscope 2

Die Bildverbesserung bringt hier übrigens nichts (außer dass er kurz überbelichtet wird). Höher Vergrößern macht nur bedingt Spaß: Es bleibt halt digitaler Zoom, kein optischer. Leicht erschreckend ist der Blick ins Okular, wo er lila eingefärbt erscheint – auf dem Handy sieht er deutlich farbechter aus.

Damit fehlen in meiner Sammlung nur noch offene Sternhaufen. Ein schneller Schwenk zu h Persei, dann manuell ein Stück zur Seite, um h&Chi Persei gemeinsam einzufangen.

Ganz nett, wobei hier die fetten Sterne natürlich stärker auffallen – sie machen zwar die unterschiedlichen Sternhelligkeiten deutlich, aber der Anblick ist doch anders als im Teleskop. Und längere Beobachtungszeit ändert gar nichts am Bild. Ein Blick nach oben: Oha. Wolken.

Das habe ich beim Blick ins Okular gar nicht mitgekriegt. Der Stacking-Algorithmus ist so intelligent, dass er Wolken erkennt – oder schaue ich doch nur auf ein Dia? Nein – wenn ich auf das unverbesserte Livebild gehe, sind auch nur noch Wolken zu sehen. Also doch kein Fake… Der beliebte Trick, die Hand vor das Objektiv zu halten, um zu zeigen, dass man keine Bild sieht, funktioniert am eVscpoe übrigens auch nicht.

Damit mache ich Feierabend. Das geht wunderbar schnell: Teleskop parken, Staubschutzdeckel aus dem Auto holen, Teleskop in den Rucksack und das Stativ daneben. Keine fünf Minuten.

Und zumindest eines hat der Abend mit einer klassischen Beobachtungsnacht gemeinsam: Es wird irgendwann kalt, wenn man auf dem Acker steht.

Fazit: Das Teleskop

Größenvergleich alt gegen neu: Ein computergesteuerter 80mm-Refraktor und das eVscope 2

Diese kurze Testphase mit dem eVscope war wie ein Reinschnuppern in die Zukunft der Amateurastronomie: Ein vollständiges, ordentlich verpacktes Teleskop, das einem die ganzen Technikprobleme abnimmt, sich vollständig automatisch am Himmel orientiert und die Objekte anfährt und verfolgt, die man auswählt – sei es aus der Datenbank oder über Koordinaten. Das elektronische Okular und die manuelle Scharfstellung geben einem noch mehr das Gefühl, selbst zu beobachten, als bei denjenigen robotischen Teleskopen, die das Bild nur auf dem Handy-Display zeigen. Der Preis dafür ist, dass man es gelegentlich doch (wie jeden Newton) justieren sollte. Aber das ist kein Problem, und auch Out-of-the-Box liefert es gute Ergebnisse.

Was ich noch verbessern würde

Amateurastronomen sind fast alle Bastler, und obwohl das eVscope 2 ein rundes Komplettset ist, das sofort funktioniert und keine Nachkäufe benötigt, gibt es natürlich ein paar Dinge, die ich verbessern würde.

  • Das Stativ hat keine Ablagemöglichkeit z.B. für das Handy. Es gibt Stativablagen aus Stoff oder Nylon, die zwischen die Stativbeine gehängt werden und so eine kleine Ablagefläche bereitstellen. Kann man für eine Handvoll Euro nachkaufen.
  • Das Teleskop kann auf mehrere Geräte Bilder übertragen, kennt aber nur einen (Haupt-)Benutzer, der es steuert. Bei meinen Tests wurde ich öfter auf einen Gast-Status zurückgesetzt. Nachdem ich das einmal kapiert hatte, konnte ich die Kontrolle über das Teleskop aber problemlos zurückbekommen. Hier wäre zumindest ein Infofester nett, das einen über den Statuswechsel benachrichtigt – der umso unerwarteter war, da ich es alleine benutzte. Davon abgesehen funktioniert die App einwandfrei, auch wenn das Handy sich in den Ruhemodus begeben hat und die WLAN-Verbindung getrennt hat.
  • Die Akku-Anzeige ist in der App versteckt und hat nur einen groben Ladestandsindikator statt einer Prozentanzeige. Das macht Apple mit dem iPhone auch nicht besser, aber es stört mich trotzdem.
  • Das Nikon-Okular hat noch Luft nach oben, was die Schärfe angeht. Die Sterne sind fett, ein wenig erinnert es mich an alte Dias in einem Diabetrachter. Das kann der Sucher meiner Panasonic besser.
  • Die beiden Klemmschrauben, mit denen das Teleskop auf dem Stativ befestigt sind, sind nicht unverlierbar. Aber vorbildlich: Zwei Ersatzschrauben liegen gleich bei.

Aber das sind Kleinigkeiten, und die Hälfte per App-Update lösbar. Unter dem Strich ist das eVscope 2 sein Geld wert. Das mag bei knapp 3800€ Einführungspreis verwegen klingen, aber: Es ist ein Komplettpaket mit Transport-Rucksack. Für einen ähnlichen Preis erhalte ich wahlweise einen gut transportablen Refraktor mit Goto-Montierung und wirklich gutem Zubehör, der weniger zeigt (oder zumindest anders) und für den ich mir eine Transportmöglichkeit selbst anfertigen muss, oder z.B. ein CPC925, das einen ähnlichen Komfort bietet, ebenfalls beeindruckende Bilder zeigt, aber nur mit dem Auto transportabel ist. Natürlich erhält man für weniger Geld auch schon sehr schöne Pakete, aber wenn das Gesamtpaket ähnlich viel Spaß machen soll, kann man in ähnliche Preisregionen kommen. Ich erinnere nur an das Schmierfett, das bei günstigen Teleskopen gerne am Okularauszug klebt – wer sich mit so etwas abgibt, bleibt in Preisregionen weit unterhalb des eVscope. Für Pfennigfuchser ist es nichts.

Gelegentlich wird es mit dem iPhone verglichen: Nicht billig, aber “It just works”. Und das tut es – wer sich für EAA begeistern kann, ist hier richtig.

Fazit: EAA – Electronically Assisted Astronomy

“Klassische” EAA am Laptop

Das war meine erste erfolgreiche Begegnung mit EAA, nach den ersten Tests in dieser Richtung mit einer ATIK Horizon und der Infinity-Software am großen Sternwartenteleskop. Zwischem dem Livestacking mit der ATIK und dem EAA-Beobachten mit dem eVscope liegen Welten: Mit der ATIK am fest aufgestellten Teleskop habe ich noch richtig was zu tun, um Ergebnisse zu erhalten (richtiger Abstand zum Reducer, um ein scharfes Bild mit dieser Kombination zu bekommen…), und die Software hatte den Rechner ins Stottern gebracht, weil der Prozessor mehr als ausgelastet war. Bis da alles lief, hat es gedauert, und der Aufwand am Teleskop ist nicht viel geringer als bei der Astrofotografie. Das eVscope ist dagegen echtes, unkompliziertes Grab-and-Go.

Jetzt muss ich zu meinem Urteil über EAA dazu sagen: Ich mache seit bald 30 Jahren Astronomie, visuell (meist so einfach wie möglich mit einem Rich-Field-Refraktor, bei dem die einzige Elektronik der Leuchtpunktsucher ist, aber auch mit großen Goto-Teleskopen) als auch Astrofotografie (mit der üblichen Materialschlacht).

EAA ist nichts für mich. Vielleicht romantisiere ich das, aber ein Reiz der Astronomie liegt für mich darin, die Objekte selbst zu finden und im Okular zu sehen – zu wissen, dass die Photonen nach zig Lichtjahren ausgerechnet in meinem Auge liegen. Der andere Reiz liegt für mich darin, die Technik zu verstehen und zu beherrschen– wobei ich natürlich auch Technik mag, die einfach funktioniert, und die ich nur noch an ihre Grenzen bringen muss.

Das eVscope nimmt mir das alles ab und zeigt mir gleich die beeindruckenden Bilder, die man erwartet – verwöhnt von einigen Jahrzehnten bunter Hubble-Bilder als auch dem (mittlerweile) klassischen Vorspann von Star Trek & Co.

Nur: Ich muss dafür überhaupt nichts machen, sondern bekomme es fertig serviert. Das ist einerseits toll – es funktioniert einfach, und man sieht was! – , andererseits ist das ein bisschen wie wenn ich auf eine Foto-Safari mitgenommen werde und am Ende die Bilder vom Reiseleiter aufs Handy geschickt bekomme, ohne selbst mehr dazu beizutragen als Wünsche, was ich gerne sehen würde. Das ist gleichzeitig faszinierend und langweilig. Für mich wäre der Haupteinsatz wohl, dass es neben mir ergänzend auf dem Acker steht und die Grenzen des Beobachtbaren verschiebt, während ich rein visuell beobachte. Oder für einen sehr unkomplizierten und schnellen Blick auf Deep-Sky-Objekte während einer Wolkenlücke vom heimischen Balkon aus, für die ich ansonsten einen Sternatlas oder eine Goto-Montierung bräuchte (und dann doch nicht viel sehen würde).

Gesamt-Fazit: Toll, aber nicht für jeden

eVscope und “klassisches” Goto-Teleskop stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.

Ganz klar: Das eVscope funktioniert problemlos und tut das, was es soll: EAA, also mit der Elektronik beim Beobachten helfen, sodass man das Universum endlich auch ohne Vorkenntnisse oder Bedienungsanleitung lesen in Farbe und bunt sieht, sobald es eine größere Wolkenlücke gibt. Viel unkomplizierter geht es nicht, und das elektronische Okular gibt einem noch das Gefühl, nicht nur aufs Handydisplay zu starren.

Aber: EAA ist eine eigene Sparte. Es ist keine Astrofotografie (es geht nicht um perfekte Fotos) und kein echtes visuelles Beobachten (bei dem man nur mit Auge und Teleskop beobachtet), sondern etwas eigenes, am ehesten vergleichbar mit einem Restlichtverstärker. In Form des eVscopes wurde EAA so perfektioniert, dass man sich nicht mit der Technik beschäftigen muss, sondern einfach loslegen kann.

EAA mit vollautomatisierten Teleskopen ist nichts für alle, die

  • gerne selber Hand anlegen wollen
  • die nadelscharfen Sterne sehen wollen, die einem ein guter Refraktor zeigt
  • die Puristen sind und die Dinge selbst sehen wollen statt auf einem Display
  • die Herausforderung darin sehen, “Faint Fuzzies” im Okular zu jagen
  • Pfennigfuchser sind (wobei ein gutes visuelles Teleskop auch nicht billiger ist und weniger zeigt)
  • Mit denselben Ansprüchen an EAA geht wie an die Astrofotografie

Ein eVscope ist dagegen wohl ideal für alle, die

  • unkompliziert eindrucksvolle Ergebnisse sehen wollen
  • von Deep-Sky-Objekten mehr als Nebelflecken sehen wollen, ohne ein großes Teleskop an dunkle Standorte schleppen zu müssen
  • ein Komplett-System wollen, das einfach funktioniert
  • einfach mal Abends das Teleskop auf die Terasse stellen wollen, um einen Blick in den Himmel zu werfen – gerne auch mit Freunden an einem gemütlichen Abend, statt dafür alleine an einen möglichst dunklen Ort in den Hochalpen zu fahren
  • technik-begeistert sind, aber nicht an der Technik herumschrauben wollen
  • einen einfachen Einstieg in die Astronomie suchen und das nötige Kleingeld haben
  • alle, die Öffentlichkeitsarbeit machen: Auf einer Sternwarte als Ergänzung zu den Beobachtungen mit klassischen Teleskopen kann ich es mir sehr gut vorstellen.

EAA ist also nichts für jeden. Aber wer in die Zielgruppe fällt, erhält mit dem eVscope ein durchdachtes, rundes Gesamtpaket, das begeistert. Ich werde es mir nicht zulegen – aber z.B. für die öffentlichen Führungen an meiner nächsten Sternwarte wäre es durchaus eine interessante Ergänzung.

Den stolzen Preis sehe ich dabei wie gesagt gar nicht einmal als Problem: Ein guter visueller Setup ist auch nicht billiger, und zeigt gerne weniger.

Mich hat vor allem mein dritter Beobachtungsabend sehr an meine erste Beobachtungsnacht mit einem Celestron CPC1100 erinnert. Das Gerät kostetete vor einigen Jahren mit etwas Zubehör ähnlich viel, ist deutlich größer und schwerer (Kofferraum und Rückbank eines Ford Fiesta waren voll), aber ebenfalls rasch aufgebaut, und das Goto hatte einwandfrei funktioniert (Heute ist das CPC925 in derselben Preisklasse, das nicht viel schlechter ist als sein größerer Bruder, und sich mit einem StarSense-Modul ebenfalls automatisch am Himmel orientiert). Auch hier hatte ich in einer Nacht sehr viele Objekte angeschaut und wenig wirklich beobachtet. Aber andererseits hatte ich die Galaxien auch mit eigenem Auge gesehen und nicht nur auf dem Bildschirm.

Das ist vielleicht mein größtes Problem mit dem eVscope: Ich schaue ohnehin schon den ganzen Tag auf irgendwelche Monitore und Displays, da will ich das in meiner Freizeit nicht auch noch. Dann lieber ein echtes Okular, mit schwachen, aber nadelscharfen Sternen und geisterhaften Nebelfleckchen, hinter denen sich Galaxien, Sternhaufen und Gasnebel verbergen.

Aber wer sich für EAA begeistern kann, erhält ein Rundum-Sorglos-Paket, das einer neuen Gruppe von Astronomie-Begeisterten den Einstieg in die Himmelsbeobachtung ermöglicht.

Kleines Update zur Nacht vom 24. Januar

Bald geht das eVscope zurück, und es ist Zeit für ein kleines Update. Ich hatte nämlich noch eine klare Nacht auf der Sternwarte verbracht, und nach dieser Nacht finde ich das Gerät oberaffengeil, weil es einfach funktioniert. Während ich einiges an Frust gesammelt habe… Ich wollte nämlich einiges an neuem Equipment testen, das sich im letzten halben Jahr bei mir und im Verein angesammelt hat. Endlich war Zeit dafür, und ich konnte auf der Sternwarte groß aufbauen.

Baustelle Nummer 1 – Astrofotografie/AutoGuider:

Meine erste Baustelle war unsere CGEM-Montierung, an der ich einen Autoguider testete: Den StarAid Revolution. Mit diesem Stand-Alone-Autoguider konnte ich bereits meine heimische Montierung einnorden, obwohl ich keine freie Sicht nach Norden hatte, jetzt stand ein Guiding-Test an – nachdem endlich ein Netzteil da war und ich alle Verlängerungshülsen parat hatte, um mit meiner DSLR in den Fokus zu kommen. Ach ja: Beim Autoguider und seinem Leitrohr waren auch endlich alle Adapter richtig sortiert, dass ich ihn fokussieren konnte.

Der StarAid Revolution verspricht echtes Plug&Play: Einfach alles zusammenstöpseln und loslegen, er kalibriert sich automatisch (wenn man mal über das Handy scharf gestellt hat).

Der Test sieht gut aus (das war das Erfolgserlebnis an diesem Teleskop), dafür weigerte sich meine Nikon, mehr als neun Bilder am Stück zu machen. Die Intervallfunktion war – sagen wir mal, unkooperativ. Also: Erfolgreicher Test, aber trotzdem keine brauchbaren Ergebnisse.

Nur an unserer großen Alt-Montierung konnte ich ihn nicht testen: Der Autoguider hat ein ST-4-Kabel, die Steuerung eine völlig andere Buchse. Mittlerweile weiß ich, dass das Kabel doch an die Meade Pictor/ST-7-Buchse passt, obwohl sie anders heißt. Es leben die Standards.

Baustelle Nummer 2 – Aufbewahrung:

Die nächste Baustelle ist zwar kein Teleskop, aber hängt damit zusammen: Die Sternwarte hat sich einen Hotech Laser-Kollimator gekauft, um die wenigen Vereinsabende mit klaren Nächte nicht mit Teleskopjustage zu verschwenden. Das funktioniert auch wunderbar und ist sauber in einer eleganten Tasche verpackt. Nur der dazugehörige Getriebeneiger passt natürlich nicht in die Tasche und geht so im Verein garantiert verloren. Also brauchen wir noch eine weitere Tasche, um Tasche plus Getriebeneiger gemeinsam zu verstauen.

Ich habe ja schon viel Zeit mit dem Planen von Aufbewahrungskoffern von Teleskopen verbracht. Um so mehr weiß ich die saubere Lösung des Unistellar für das eVscope zu schätzen. Selbst wenn das Stativ irgendwo anders aufgeräumt wird: Es steht Unistellar drauf, sodass man es jederzeit zuordnen kann. Selbst in einem Verein.

Gerät Nummer 3 – EAA:

Die ATIK am ED80/600-Refraktor, huckepack auf dem großen C14

Das Thema EAA ist je eigentlich alt. Schon vor Corona hatte die Sternwarte eine ATIK Horizon für den ED80/600-Refraktor gekauft, der am großen C14 montiert ist, unserem Hauptgerät. Die Kamera wird von der Atik Infinity-Software unterstützt, die Live-Stacking und -Alignment kann – also EAA macht. Es hat nur die Zeit zum Testen gefehlt. Aber heute!

  • Frust 1 war bei den ersten Tests, dass unser alter Rechner zu langsam war. Auf dem neuen Laptop läuft die Infinity-Software jetzt immerhin flüssig. (Sharpcap hatte für Vereine üble Lizenzbedingungen, als ich das letzte Mal nachgeschaut hatte, und scheidet daher aus). Immerhin das klappt jetzt.
  • Frust 2: Mit dem 0,8x-Reducer (der das Teleskop auf 80/480 f/6 bringt) komme ich gerade so in den Fokus – aber auch nur, weil wir die überlange 2″-Steckhülse, die innen am Okularauszug angestoßen war, schon vor Jahren abgesägt hatten. Damit ist natürlich auch das Filtergewinde Geschichte, Lichtverschmutzungsfilter gehen also nicht. Außer, ich kaufe noch eine neue Steckhülse.
  • Frust 3: Die ATIK verbraucht 13mm Backfokus, der Reducer hat 55mm Backfokus. Mit einer 30mm und einer 12mm T-2-Verlängerung stimmen also die Abstände. Das heißt, sie würden, wenn die Adapter keine so langen Gewinde hätten, dass die T-2-Verlängerungen dadurch noch einmal 1-2mm mehr Abstand vom Kameragehäuse haben und der Sensor 57mm vom Reducer entfernt ist.
  • Frust 4: Trotz Zugentlastung gibt es immer wieder Unterbrechungen in der Stromversorgung der Kamera. Falscher Stecker? ATIK verkauft das Netzteil ja dankenswerterweise extra, es gehört nicht zum Lieferumfang.
  • Frust 5: Die absolut unintuitive Software von ATIK, die alles anders, aber nichts besser macht. Irgendwann werden die Bilder dann sogar gespeichert, und ich finde raus, wie man das LiveStacking aktiviert.
  • Frust 6: Das Ergebnis nach einer Viertelstunde Live-Stacking…
M1 mit runden Sternen, aber… naja…

Also ganz ehrlich: Das sind zwar schön runde Sterne, aber wirklich toll ist das jetzt auch nicht, verglichen mit 2-5 Minuten am eVscope. Jedenfalls nicht so toll, dass ich es in einer Führung zeigen würde um zu demonstrieren, wie viel mehr Astrofotografie gegenüber dem bloßen Auge zeigt. Ja, mit dem Histogramm wurde der Hintergrund dunkel, aber viel hübscher wurde das Ganze dann auch nicht.

Später in der Bildbearbeitung konnte ich etwas mehr herausholen, aber darum geht es ja nicht – Ziel ist der Live-Eindruck.

Baustelle 4 – Nochmal eVscope 2:

Spaßeshalber hatte ich das eVscope noch einmal daneben gestellt. Einfach nur angeschaltet, nichts nachfokussiert. Um gelegentlich mal durchzuschauen, was es so macht. Und dafür hatte ich nicht das Handy gezückt, sondern einfach nur mal einen Blick durch das Okular geworfen. Ganz unkompliziert im Vorbeigehen.

Und jetzt, nach diesem Abend mit den großen Teleskopen, muss ich mein Urteil revidieren: das Gerät ist oberaffengeil, endlich ein Stück Technik, das genau das macht, was es soll. 

M1 sieht beim Blick ins Okular auch nicht schlechter aus als auf dem Laptop, ein paar andere Ziele waren nett, ein paar waren wie im echten Teleskop beim Heilbronner Stadthimmel abgesoffen und nicht zu sehen, die recht dicken Sterne störten mich im Okular diesmal gar nicht mal mehr so sehr. 

Ich habe die Ergebnisse mal bewusst auf etwa die Größe skaliert, wie sie ohne Zoom im Okular zu sehen waren. Weiterhin unkollimiert, nur einige Tage vorher mal fokussiert.

Krebsnebel M1, Eulennebel M97, NGC 9205 und der Eskimonebel, wie sie etwa im Okular aussahen.

Und das ist das, wofür man den Aufpreis für das elektronische Okular zahlt.

Also ganz offen – da überzeugt mich das eVscope jetzt wesentlich mehr als der ähnlich teure Ansatz mit der ATIK. Da kann ich mich darauf verlassen, dass es bei einer Führung (wenn ich Zeitdruck habe, weil Leute um mich herum stehen) funktioniert und was nettes zeigt. Bzw. das macht, was ich mir erwarte: Es zeigt den Unterschied zwischen bloßem Auge und der Kamera. Ohne dass ich dann noch am Laptop versuchen muss, mit Histogramm und irgendwelchen schlecht dokumentierten Einstellungen ein ansehnliches Bild herauszuarbeiten. Und mich in den wenigen Nächten, die ich im Verein bin, in die Technik einzuarbeiten. Und jedesmal neu fokussieren muss, auch wenn mal alle Adapter vorhanden sind und ich die Kamera nur noch anschließen muss. Ja, die Bilder vom eVscope können weg – aber wenn ich am Teleskop ständig durch’s Okular schaue, sind sie auch verwackelt. So what?

Die Chancen sind gar nicht so schlecht, dass ich jetzt die Anschaffung so eines Geräts befürworte, sobald es etwas billiger werden und in unseren Etat passt. Schon, weil alles zusammen sauber verstaut ist. Ja, das Stativ hängt offen an der Seite vom Rucksack, aber auch da steht Unistellar drauf, sodass man es zuordnen kann, wenn es wo anders eingelagert wird.

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