Hurtigrute Tag 8: Hammerfest

Ich hatte gestern ja erwähnt, dass langsam alles kaputt geht. Heute ging dann noch der Rolladen meiner Kabine kaputt. Die Kette, um ihn hochzuziehen, reißt. Zum Glück auf einer Dezember-Fahrt, wenn es draußen meist eh nicht viel zu sehen gibt…

Aber nun verlassen wir ja den hohen Norden: In der Nacht waren wir in Honningsvåg und dem Magerøya-Sund, und morgens zum Frühstück legen wir mit etwas Verspätung in Havøysund an. Obwohl wir Berlevåg ausfallen ließen, haben wir wieder eine Viertelstunde Verspätung. Noch werden Wetten angenommen, ob wir rechtzeitig in Bergen ankommen, sodass wir unser Flugzeug erreichen…

Aber das liegt noch in weiter Ferne, ob wohl es jetzt Schlag auf Schlag geht. Im Augenblick stehen andere Probleme auf dem Programm: Unser letzter Vortrag sollte parallel zu Heinz’ Vortrag über Amundsen stattfinden, auch damit die Personenobergrenze bei 150 deutschsprachigen Gästen nicht gerissen wird – aktuell dürfen nur 50 Personen in einen Vortragsraum. Letztlich planen wir um und halten unseren Vortrag bereits um 14 Uhr, so können auch unsere Gäste beide Vorträge besuchen.

Aber bis es soweit ist, gibt es noch einen Interessenspunkt an Deck: Melkøya, die Erdgasverflüssigungsanlage vor Hammerfest, die wir mit einer Viertelstunde Verspätung erreichen.

Fast schneefrei: Mein Bänkchen.

Diese große Industrieanlage ist immer wieder ein interessanter Anblick und kündigt an, dass wir gleich in Hammerfest sind, das in der Bucht dahinter liegt. Aber die Zeit ist knapp: Wer um 12 zum Mittagessen will, hat dank unserer Verspätung nur rund eine halbe Stunde Zeit für die Stadt. Aber als wir von Bord gehen, zeigt sich, dass das Pflichtprogramm eingedampft wurde: Der Eisbärenclub hat heute zu. Pech für alle, die Mitglied werden wollten. Aber so bleibt genug Zeit für ein Foto mit den Eisbären vor dem Rathaus.

Mein Ziel ist wie immer die Bank am Musikpavillon. Nach den letzten Tagen hätte ich hier mehr Schnee erwartet, aber es liegen nur ein paar Zentimeter. Aktuelle Bilder aus Ålesund zeigen, dass der Schnee dort schon weitestgehend aus der Stadt verschwunden ist. Unser Winterwunderland Norwegen war wohl perfektes Timing.

Anschließens geht es ein Stück weit den Zickzack-Weg hinauf, aber nur bis zur zweiten Kurve – danach wird es doch zu heikel, und wir haben ohnehin weniger Zeit als normal.

Dann noch ein kurzer Besuch bei der Kirche, wo gerade eine Beerdigung stattfindet, dann geht es auch schon zurück zum Schiff. Wieder mal nur ein Kurzbesuch in Hammerfest, nachdem wir schon im Oktober zu spät angekommen waren. Und da in Hammerfest heute keine Ausflüge stattfinden, wird auch auf keinen Ausflugsbus gewartet – also legen wir weitestgehend pünktlich gegen 12:45 ab.

Øksfjord

Damit bleibt noch gut eine Stunde bis zu unserem letzten Vortrag über Sternsagen, den ich damit verbringe, meinem Rechner beim Bilder rendern zuzuschauen. Das zieht sich, und vor dem Vortrag unterbreche ich ihn – ich brauche doch ein wenig Rechenpower für die Präsentation; Lightrrom legt sonst alles lahm. So läuft dann alles glatt, und unser Pflichtprogramm ist beendet: Fünf Vorträge, ohne dass wir von schwerer See, Krankheiten, Konferenzen oder anderen unvorhersehbaren Ereignissen daran gehindert worden wären. Und Polarlicht gab es auch genug, um das Nordlichtversprechen überzuerfüllen. Bislang eine traumhafte Reise. Den Großteil des Nachmittags verbringen Volker und ich dann an unserem Stammplatz im Multe auf Deck 7.

In Øksfjord legen wir wieder mit leichter Verspätung an, aber mehr als ein paar Minuten hat der Captain auf der Strecke nicht verbummeln können. Ich mag diesen Hafen: Er hat das wohl beste Echo, wenn das Schiff sein kommen wie üblich mit lautem Hupen ankündigt. Diesmal kriege ich auch fast das gesamte Tröten auf Video – oft findet ein Vortrag in diesem Hafen statt, bevor es auf die oft stürmische Loppa geht. Loppa macht hoppa, wie es so schön heißt – aber diesmal ist sie angenehm ruhig. Kaum zu glauben, dass über den britischen Inseln der Orkan Barry wütet.

Neue Mülleimer.

Die Wetterprognose für heute Abend sieht zumindest für Skjervøy gut aus, Richtung Tromsø sollen Wolken aufziehen. Allerdings ist das Weltraumwetter zu ruhig: Das Polarlicht fällt heute aus, auch wenn wir uns bereit halten. Aber das Polarlichtoval ist verschwindend gering, und es gibt kein Polarlicht. Nur eine Italienerin (?) auf Deck 5 knipst begeistert die Abgasschwaden aus dem Schornstein und glaubt uns kein Wort, dass das nur aus unserem Schornstein kommt und ihr “Polarlicht” hinter ihr stünde, wenn sie von der Mitte des Schiffs zum Heck gehen würde. Naja, des Menschen Glaube ist sein Himmelreich.

So ist das einzig neue, was es zu sehen gibt, der Vergleich zwischen alten und neuen Mülleimern, die an Deck installiert werden. Die Schiffe sind Arbeitsschiffe. (Mein Rollo wurde übrigens auch schon repariert. Fein, fein.)

Gute Nacht aus Tromsø

Wir machen somit früh Feierabend, ich komme noch einmal zum Bloggen, und mit 20 Minuten Verspätung erreichen wir um 0:06 den Kai in Tromsø. In Corona-Zeiten war aber ohnehin kein Kneipenbummel geplant, und das Mitternachtskonzert findet auch nicht statt – ein guter Zeitpunkt, um Feierabend zu machen.

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