Hurtigrute Tag 12: Back to Bergen

Morgenlicht nach Florø

Das Ende einer wunderbaren Reise, und Norwegen gibt noch einmal alles: Hinter Florø erwartet uns eine fast schon kitschige Morgenstimmung, um uns den Abschied möglichst schwer zu machen. Richtig entspannt ist der Morgen allerdings nicht: Bis um 9 Uhr muss der Koffer aus der Kabine sein. 23,05kg zeigt meine Kofferwaage an, 23 genehmigt mir KLM – müsste passen, und er geht auch noch zu. Hoffentlich überlebt alles den Flug. Einen morgendlichen Schock gab es doch noch: An meiner Kabine hing hinter meiner Rechnung noch die von einer Nachbarkabine. Ich habe doch keine 1000 Euro für Ausflüge und mehr auf dem Schiff gelassen…

Nach dem Frühstück heißt es, sich einen Platz sichern, denn ab 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein – der Putztrupp rückt an, schließlich startet unser Schiffchen heute Abend schon auf die nächste Rundreise. Vom Reiseleitereck auf Deck 5 haben wir leider nur Blick auf die See, sodass uns das meiste der Küste entgeht, aber wir fahren durch so viele enge Sunde, dass es hier auch genug zu sehen gibt. Und wir sind ja bis zum letzten Moment ansprechbar und im Dienst; den Check-In für den Flieger hat Arno gestern schon erledigt.

Irgendwann muss ich mir mal auf der Karte anschauen, wie welcher Sund eigentlich heißt. Die runden Felsen erinnern mich immer irgendwie an an Bretagne.

Zum Glück haben wir schönes Wetter, bei Sturm oder Nebel ziehen sich die letzten vier Stunden doch. Aber so ist es eine abwechslungsreiche Fahrt entlang der Küste, und wer will, kann sich einen Film über Edvard Grieg und seine Musik anschauen. Oder ein letztes Mal zu Mittag essen.

Beim Verabschieden vom Expeditionsteam erhalten wir eine überraschende Info: Wir erreichen Bergen eine Stunde früher, schon um 13:30, und die Busse sind informiert. Damit wird der Flughafen wirklich entspannt.

Bei der Gelegenheit noch zwei Links: Die Polarlys hat ja in letzter Zeit Biodiesel getestet, vielleicht sind wir deshalb gerade so flott. Hier ist die Pressemitteilung von Hurtigruten, und hier ein Bericht von Travelnews (über Fischabfall auf der Hurtigrute). In Bergen wird wieder neu getankt.

Je näher wir Bergen kommen, desto häufiger fahren wir durch verschiedene schmale Sunde – kaum zu glauben, dass unser Schiff da nicht aufsitzt, wenn die Felsen nur wenige Meter entfernt sind. Immerhin eine Dreiviertelstunde vor der geplanten Ankunft erreichen wir Bergen. Wir vier reihen uns bei der Crew ein, um als erste von Bord zu kommen: Es muss ja geklärt werden, welche Busse uns zum Flughafen bringen, und es kommen garantiert die Fragen auf, wer wo hin muss.

Für alle anderen Passagiere heißt es, dass das Schiff Deck für Deck von oben nach unten verlassen wird, damit es am Gepäckband kein Chaos gibt. Das würde auch klappen, wenn die Arbeiter am Gepäckband Zahlen lesen könnten. Zuerst kommt tatsächlich Gepäck von Deck 6, dann von 5, 4, 3, 2, 5, 3, 6… Dementsprechend chaotisch geht es mal wieder am Gepäckband zu. Aber es geht nicht schneller, wenn jeder ganz vorne steht und den anderen den Blick versperrt. Die gelbe Linie markiert nur den Sicherheitsabstand…

Noch bevor Benno und ich unser Gepäck haben, ist der erste unserer beiden Busse gut gefüllt und macht sich auf den Weg zum Flughafen. Dummerweise ohne Rücksprache und irgendeinen von der Reiseleitung… Zum Glück haben wir keinen verloren (es war ja unklar, wie viele im fehlenden Bus sind), und am Flughafen können wir dann beim Kampf mit den Automaten helfen.

KLM ist ja in der Luft ganz gut, aber am Boden… bei einigen klappt es am Automat mit Reisepass, Personalausweis, Buchungsnummer oder Boarding Pass, bei vielen scheitert es daran, dass die Ticketnummer vom Hinflug angefordert wird (wohl dem, der seine alte Bordkarte als Souvenir aufgehoben hat), alle anderen müssen sich am einzigen KLM-Schalter anstellen, um ihr Gepäck aufzugeben. Aber wir liegen ja sehr gut in der Zeit, also kein Grund zur Panik und genug Zeit, um die Technik zu verfluchen. Dann geht es in aller Ruhe in den Internationalen Bereich, etwa zu dem selben Gate, an dem wir auch angekommen sind. Es bleibt sogar genug Zeit, um noch etwas zu essen.

Im ausgebuchten Flieger mache ich dann die Erkenntnis, dass Norweger durchaus extrovertiert sein können, und begeistert sind, dass es bei KLM eine Dose Bier umsonst gibt. Viel Spaß beim Drohnenfestival in Amsterdam, mir bluten die Ohren… Aber auch die zwei Stunden Flug gehen vorbei, und der Pilot findet den Flughafen überraschend früh. Er entschuldigt sich selbst für die harte Landung. Bei der NASA heißt sowas wohl Lithobraking („Lithobraking is a landing technique used by unmanned space vehicles to safely reach the surface of a celestial body while reducing landing speed by impact with the body’s surface.“) Ka-wumm. So ein Flugzeug hält schon was aus.

Time to say Goodbye: Hier trennen sich unsere Wege endgültig, noch einmal Adieu und Gute Reise sagen, bevor sich alle zu ihren Endflughäfen aufmachen. Für Arno und mich heißt das, in den Flieger nach Stuttgart zu steigen. Damit endet eine wunderbare und problemlose Reise – schön war’s.

Nur auf der Rückfahrt gibt’s noch ein Problem: Auf der A8 brennt ein Auto aus, ca. 30 Autos vor mir ist die Autobahn voll gesperrt. Aber die Einsatzkräfte arbeiten schon, die Rauchwolke wird kleiner, und sogar das mit der Rettungsgasse funktioniert recht gut, sodass ich gegen halb zwei zuhause bin.

Jetzt laden gerade noch die letzten Bilder auf meinen Server hoch, und dann war es das für ziemlich genau ein Jahr: Ich werde wohl erst nächsten November wieder fahren. Aber bis dahin wird mir schon noch was für dieses Blog einfallen. Oder ich schreibe mal wieder ein Buch:-)

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