Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Morgenstimmung

Der neue Fahrplan ist noch gewöhnungsbedürftig – vielleicht muss sich auch der Kapitän noch daran gewöhnen, und wir schleppen deshalb eine Dreiviertelstunde Verspätung mit, noch von dem verzögerten Start gestern. Aber das hat auch Vorteile: Morgens um acht, als es draußen dämmert, haben wir das Westkap bereits hinter uns. besonders stürmisch war es diesmal nicht, in der Kabine habe ich nur ein wenig leichtes Geschaukel mitgekriegt. DamalsTM waren wir genau zum Frühstück auf rauer See, und man sah genau, wer seefest ist und wer zum Tisch schwankt.

So gibt es eine wunderbare Morgendämmerung mit Blick zurück Richtung Westkap, und genug Zeit um in Ruhe kurz zu frühstücken, bevor wir Torvik erreichen. Wer an Deck ist und ein aufmerksames Auge hat, wird mit einem hübschen Anblick belohnt: Die Sonne ist zwar noch unter dem Horizont, macht sich aber mit einer hübschen Lichtsäule bemerkbar, die in eine rot beleuchtete Wolke übergeht. Chic, aber sehr schwer im Bild festzuhalten.

Torvik

In Torvik gibt es eine Überraschung: Die gelben Versorgungsschiffe, die seit meiner ersten Tour hier im Hafen lagen, sind weg. Hat sie doch endlich jemand gekauft? Irgendwie erkenne ich Torvik so gar nicht wieder. Wobei mir auch nie klar war, warum wir im kleinen Torvik anlegen und nicht im größeren Ulsteinvik auf der anderen Seite. Nach Torvik geht es für mich auf Deck 4, vor das Restaurant: Dort ist die Reiseleitersprechstunde, und wenn es keine Fragen von unseren Gästen gibt, unterhalten wir uns eben untereinander – die Stimmung ist gut und die Chemie stimmt. Nette Gäste, nettes Team, nette Crew – dürfte eine schöne Reise werden. Vorerst haben wir auch Traumwetter.

Ålesund erreichen wir mit Verspätung, aber bei über drei Stunden planmäßigem Aufenthalt bleibt immer noch genug Zeit, um auf den Aksla hochzusteigen, durch den Wald wieder zurück (der Weg war doch vereister als gedacht, obwohl wir um die 8° haben), das Jugendstilzentrum anzuschauen und nach ein paar Einkäufen zurück zum Schiff zu gehen. Diesmal habe ich eine größere Einkaufsliste aus Deutschland erhalten, nicht nur Schokolade…

Die Stadt war 1904 abgebrannt und im Jugendstil wieder aufgebaut worden, die ältesten Jugendstilhäuser , die wir gefunden hatten, waren schon von 1905. Der Wiederaufbau ging schnell. Die modernen Verwaltungsbauten passen wie die Faust aufs Auge…

Gegen 13 Uhr bin ich wieder auf dem Schiff, eine halbe Stunde vor dem Ablegen und genau rechtzeitig, dass sich schon eine Schlange vor dem Restaurant bildet. Sie wird länger, sodass ich mich entscheide, mir lieber das Ablegen an Deck anzuschauen, statt auf einen Platz im Restaurant zu warten. Falls alle Stricke reißen, habe ich ja noch den Ambassador-Obstkorb in Zimmer, den es für Vielfahrer gibt, die sich ein Hurtigruten Ambassador-Kärtchen besorgen.

Beeindruckend, wie niedrig die Sonne hier zur Mittagszeit steht – und wie lange die Dämmerung dauert. Um 15:30 geht sie unter, die Zeit verbringe ich mit Flagge-zeigen im Multe-Cafe, mit unseren Reiseleitern. Trotz aufgeklappten Laptops sind wir natürlich jederzeit ansprechbar:-) Dabei sehen wir durch das Fenster auch, wie kurz hinter Ålesund eine Insel gebaut wird – wohl Teil eines Brückenneubaus.

Das Schiff bietet ja auch ein Programm, den Film über das Nordlicht schenke ich mir aber. Molde erreichen wir recht pünktlich gegen 16:15, schön in der Abenddämmerung. Fast drei Stunden haben wir hier Aufenthalt; allerdings ist um 17:30 unsere Begrüßungsveranstaltung mit Vorstellungsrunde, und um 18:30 gibt es Abendessen. Ich mache einen kurzen Spaziergang durch die Stadt: Zum Shopping scheint Molde ideal zu sein, an Sehenswürdigkeiten finde ich eigentlich nur die Kirche. Sonst präsentiert Molde sich als moderne Stadt, ganz nett, aber nichts, wo ich einen längeren Aufenthalt bräuchte.

Nach dem Abendessen geht es zum ersten Kontrollblick an Deck – der Himmel ist immer noch klar, Thomas hat schon angekündigt, auf Deck 7 Sternbilder zu erklären, und ich schnappe mir die Kamera – dicht über dem Nordhorizont ist ein schöner grauer Bogen zu erkennen. Ja, wir haben tatsächlich schon das erste Nordlicht. Wir beobachten das ganze ein wenig und entscheiden um 20 Uhr, dass das eine Meldung wert sein könnte. Bei dem „Horizont-Siff“ macht das Schiff zwar noch keine Durchsage, aber wir geben allen Bescheid, die das richtige Schlüsselband haben. Der Polarlichtbogen entwickelt sich, meine Kamera arbeitet am nächsten Zeitraffer, und irgendwann kommt auch die Durchsage von der Brücke: Die Polarlichtgarantie ist erfüllt, und die Küchenmannschaft ist nicht ganz so erfreut, als das Restaurant sich plötzlich leert und zu uns an Deck kommt.

Kristiansund mit Orion

Das Polarlicht bleibt aus dieser großen Entfernung natürlich grau, aber man kann doch schon erkennen, dass es sich verändert. Eine wirklich schöne Show, nach der ich die ersten 3000 Aufnahmen im Kasten habe. Mein Laptop darf die Nacht also durcharbeiten. Gegen 22 Uhr breche ich dann ab: Wir nähern uns Kristiansund, wo wir die nächsten drei Stunden bleiben werden. Und danach ist es zu spät, das Polarlichtoval dreht sich weiter – für diese Nacht war es das wohl. Aber das Pflichtprogramm wurde sehr gut erfüllt, jetzt wird die Reise noch entspannter – und die Kür kann kommen!

Hier noch das Ergebnis der Nacht:

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