Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Die Risøyrenna

Die Risøyrenna

Eigentlich wäre es schön, einmal die Trondenes-Kirche in Harstad vom Schiff aus zu fotografieren. Aber morgens um acht ist das Licht im Februar noch nicht so schön, und am Tag nach Tromsø ist die Nacht ohnehin viel zu kurz, und Frühstück wird auch überbewertet… Langer Rede kurzer Sinn: Während die Teilnehmer der Vesterålen-Bustour pünktlich von Bord gehen, bekomme ich von Harstad nicht viel mit. Mein erstes Fotomotiv ist die Risøyrinne mit ihren unzähligen Kormoranen um kurz nach zehn. Die 4,5 km lange Fahrtrinne ist eigentlich unspektakulär, die Landschaft rund herum macht mehr her – von der Rinne sieht man nun einmal nur die Markierungen; dass sie nur sieben Meter tief ist, ist von oben nicht zu erkennen. Die Trollfjord hat 5,1 Meter Tiefgang; damit die neuen Schiffe (Trollfjord, Midnatsol, Finnmarken) auch bei Ebbe in die Risøyrenna passt, musste sie extra ausgebaggert werden.

Risøyhamn

Risøyhamn; rechts ist die Treppe zum Königsstein im Schnee zu erkennen.

In Risøyhamn wollte ich eigentlich kurz zum Königsstein spurten, aber als mir einfiel, dass das dieser Hafen ist, legen wir fast schon wieder ab. So bleibt es bei einem Bild mit dem Teleobjektiv vom Schiff aus.

Der nächste Halt ist dann Sortland. Wie immer werden wir unter der Brücke hindurch fahren, während die Busse mit den Ausflüglern auf der Brücke entlang fahren, aber es bleibt noch genug Zeit für das Mittagessen. Während wir anschließend in der Reiseleiterecke bei der Sprechstunde sitzen, kommt die Durchsage, dass wir jetzt unter der Brücke durchfahren.

Die Ausflugsbusse

Die Ausflugsbusse

Sehr hilfreich; für mehr als ein Handy-Bild durch die Scheibe langt es bei dieser kurzen Vorwarnzeit nicht. Da gab es schon deutlich mehr Action an Bord, wenn den Bussen mit Norwegerfahnen und Bettlaken zugewunken wird – auf dieser Fahrt bleibt das Event eher eine Randnotiz.

In Sortland mache ich nur ein paar Fotos, ohne vom Schiff zu gehen – die Reiseleiterecke wird doch ganz gut frequentiert. Anschließend wird noch etwas gearbeitet, schließlich schreibt das Blog sich auch nicht von selbst. Aber wer kann auf dieser Reise schon ständig am Laptop sitzen – irgendwann kommt die Sonne zwischen den Wolken hervor und lockt alle Fotografen ins Freie.

Endlich Sonne!

Endlich Sonne!

Bis Stokmarknes wird das Wetter immer besser, und es lohnt sich nicht, noch einmal die Kabine zu gehen. Stokmarknes war die Heimat von Richard With, dem Gründer der Hurtigrute, und beherbergt heute das Hurtigrutenmuseum. Mit der aktuellen Hurtigrutenreederei hat es aber nichts zu tun, und seit dem letzten Eigentümerwechsel von Hurtigruten ASA kostet das Museum auch für die Rundreisepassagiere immer wieder mal Eintritt. Seit 1. Januar wird es wieder einmal mit 50 NOK Eintritt versucht, daher gehen die meisten Gäste auch nicht in das Museum und auf die alte Finnmarken, sondern in den überschaubaren Ort. Bis wir von Bord kommen, ist es auch schon wieder 14:30, sodass nur eine Dreiviertelstunde bleibt.

Vor der Finnmarken steht an Land übrigens ein unauffälliger weißer Container, in dem der Salon der ersten Finnmarken eingelagert ist – das Hinweisschild, das einst über den Inhalt aufklärte, ist auch schon längst verschwunden. Die Finnmarken selbst ist der Witterung ziemlich schutzlos ausgeliefert, aber ein Schutzbau ist in Planung. Vielleicht klappt es einmal.

Mein Ziel ist diesmal die große Brücke, um von dort einmal einen Blick auf Stokmarknes und die alte Finnmarken zu werfen. Die Zeit langt gerade so für einen Fotostopp auf der Brücke, dann muss es auch schon wieder zurück zum Schiff gehen.

Fischfilettieren

Fischfilettieren

Kurz nach der Abfahrt aus Stokmarknes wird auf Deck 9 Fisch filettiert, aber die grandiose Landschaft ist faszinierender: Die Sonne liefert ein unglaubliches Farbenspiel ab. Jetzt haben wir das Wetter, das man sich in Norwegen erwartet. Die Reise führt in nur wenige Metern Entfernung an hohen Felsen vorbei, durch den Raftsund und bis zum Trollfjord, den wir gegen 17 Uhr erreichen. Von dem perfekten Licht, mit dem über die Bordsprechanlage alle nach draußen gelockt werden, merke ich zwar nicht viel, aber die Stimmung ist dennoch faszinierend. Etwas nerviger ist der Hinweis, dass man doch bitte an Deck gehen, den Trollfjord anschauen und etwas zu trinken kaufen soll. Wenn der Hinweis weniger aufdringlich wäre, hätte man vielleicht sogar Lust auf einen Sekt…

Aber egal: Bei der Dämmerungsstimmung fasziniert der Trollfjord auch ohne Alkohol, und man will eigentlich gar nicht zum Abendessen gehen, das heute auch schon um 17:30 beginnt (zumindest für die erste Sitzung) – aber so bleibt mehr Zeit für Svolvær, das wir gegen 18:30 erreichen.

Svolvær bietet Schnee statt Polarlicht, und da Sonntag ist, haben die Galerien auch geschlossen. Wir nutzen die Zeit für einen Abstecher in den Anker, eine von mehreren netten Kneipen in dem Städtchen, gefolgt von einem kleinen Stadtrundgang.

Pünktlich um 20:30 müssen wir wieder auf dem Schiff sein: Margit hält einen Vortrag über die historischen Postschiffe MS Lofoten und MS Nordstjernen, während ich gegen 20:45 der MS Nordkapp winken muss. Im Tagesprogramm fehlt diese Schiffsbegegnung (eigentlich eine Unverschämtheit, mein Schiffchen zu ignorieren), daher stehe ich fast alleine am Bug, während die beiden Schiffe einander hupend begrüßen und sogar ein kleines Konzert mit den Schiffstyphonen geben.

Stamsund

Stamsund

Der letzte Hafen des Tages ist Stamsund, wo wir nur einen halben Steinwurf von den Hafengebäuden entfernt anlegen. Da es mittlerweile stärker schneit, spricht aber alles für einen ruhige Abend – nach Polarlicht Ausschau zu halten ist bei Schneefall sinnfrei. Stattdessen kann man fast schon an das Packen denken – Trondheim ist nicht mehr fern.

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