Bücher, Bücher, Bücher…

Uff. Wir haben Mitte 2019, die heißen Sommertage pausieren mal kurz, und ich stelle fest, dass ich dieses Jahr einiges geschrieben habe, aber schon lange nichts mehr für den Blog. Dafür gibt’s neue/aktualisierte Bücher.

Neuer Stoff

Zuerst mal das wichtigste: Astrofotografie für Einsteiger ist bereits im März im dpunkt-Verlag erschienen. Da steht alles drin, was ich für einen erfolgreichen Einstieg in die Astrofotografie für wichtig halte. Und das beste: Da ich es bei einem richtigen Verlag untergebracht habe, gibt es nicht nur eine vernünftige Druckqualität, sondern ist auch im stationären Buchhandel erhältlich.

Gute Kritiken soweit auf Amazon

Ich mag den stationären Handel ja, und kriege auch immer wieder Anfragen, wie man an meine Bücher ohne Amazon kommt. Bei diesem Exemplar geht es, und wer online kaufen will und mir einen Gefallen tun will, kann auch direkt beim Verlag bestellen. Kostet genauso viel, aber bei mir bleibt mehr hängen…

Und einen Vorteil hat es, dass ich mich erst jetzt um mein Blog kümmern kann: Es gibt schon die ersten Rezensionen auf Amazon, und die lesen sich gar nicht schlecht.

Ansonsten stand Produktpflege an, diesmal wieder im Eigenverlag: Mein Buch über Celestron-Teleskope ist nun auch auf Englisch erschienen. Darin wird (hoffentlich) alles wichtige über Celestron-Teleskope erklärt, vom Kauf über den Einsatz bis zum Zubehör. Das ist Eigenverlag, weil das Thema doch etwas speziell ist und sich öfter mal was ändert. So bleibt das Buch eher aktuell, nur die Computeranbindung hat sich geändert: Celestron hat mit CPWI eine neue Software entwickelt. Auf der AME im Herbst werde ich da wahrscheinlich für Baader einen TechTalk geben. (Spoiler: Sie funktioniert)

Ich bin gespannt, ob sich das Buch auch im englischen Sprachraum verkauft. Die deutsche Auflage hat ja auch schon ein paar nette Rezensionen. Also: Wem’s gefällt – gerne weitersagen.

Produktpflege war dann auch das nächste große Projekt: Mein Hurtigruten/Nordlicht-Reiseführer ist in einer neuen Auflage erschienen, ebenfalls auf Deutsch und Englisch. Was klein und harmlos klingt, hat überraschend viel Zeit gefressen. Dabei habe ich nicht nur ein paar Bilder aktualisiert, sondern durfte auch die Reisebeschreibung aktualisieren: Hurtigruten hat den Fahrplan geändert, es gibt für die ersten/letzten drei Reisetage neue Liegezeiten, und die Schiffsbegegnungen im Hafen von Trondheim und Rørvik sind Geschichte. Hurtigruten findet es unglücklich, wenn zwei Schiffe gleichzeitig im Hafen sind, und Trondheim würde von Touristen überschwemmt, wenn zwei Schiffe morgens im Hafen sind. Naja – es ist zwar schon ruhiger in der Stadt, wenn die Hurtigrute ablegt (war es zumindest, als ich mit der defekten Finnmarken da längere Zeit verbringen durfte), aber jeder Kreuzfahrer macht da mehr aus. So klein ist Trondheim nun auch wieder nicht.

Fazit: Überraschend viel Aufwand, auch weil ich die Änderungen in Deutsch und Englisch in Print und EBook einpflegen muss. Der EBook-Export von InDesign CS4 ist grottig, und solange die Bugs aus der CS4 nicht beseitigt werden, werde ich gewiss kein Abo bei Adobe abschließen. Schlimm genug, dass das Karten-Modul von Lightroom 6 nicht mehr funktioniert. Die gute Nachricht: Die Printauflage ist preislich gleich geblieben, nur das EBook ist etwas teurer geworden. Aber da sind auch 19 statt 7% Märchensteuer drauf. Immerhin: Die alten Rezensionen scheinen mit der neuesten Auflage verknüft zu werden.

Ach ja: Den Reiseführer gibt’s wie das Celestron-Buch nur über Amazon, die machen für mich Druck und Versand. Oder Ihr bucht die Gruppenreise Nordlicht und Sterne bei Hurtigruten Deutschland – da gibt’s das Buch dazu, und mit etwas Glück bin ich an Bord und kann’s signieren. Dieses Jahr voraussichtlich Ende September auf der Kong Harald und Ende November auf der Polarlys. Dann wird hier wieder regelmäßig vom Schiff gebloggt…

Das nächste Projekt? Mein Schottland-Reiseführer. Den werde ich demnächst etwas erweitern und neu rausbringen – wahrscheinlich aber erst nach dem Brexit. Oder der schottischen Unabhängigkeit samt Wiedereintritt in die EU, ich bin gespannt was das noch gibt.

Hurtigrute Tag 12: Zurück in Bergen

Die Zeit vergeht wie im Fuge, wie es so schön heißt – aber wer auch immer den Spruch geprägt hat, ist wohl kein Vielflieger… Egal, der Reihe nach:

Florø

Der Abschlusstag unserer Reise vom 5. bis 16. März ist schnell erzählt. Der letzte Hafen vor Bergen ist Florø, wo wir zwischen 7:45 und 8:15 liegen. Das Wetter ist endlich so wechselhaft-regnerisch, wie man es von Norwegen erwartet, aber da wir ohnehin im Containerhafen liegen, ist der Anreiz ohnehin gering, viel Zeit an Deck zu verbringen. Florø hat bestimmt seine hübschen Ecken, aber hier ist es vor allem ein geschäftiger Hafen.

Florøs hübsche Ecke

Merke: Durch geschickte Wahl des Bildausschnitts findet man eigentlich immer irgendwo ein hübsches Motiv.

Den Rest des Tages fahren wir durch: So weit im Süden gibt es genug andere Reedereien, die die Häfen versorgen, da kann die Hurtigrute non-stop bis Bergen durchfahren. Für uns bedeutet das natürlich auch, dass es nicht viel zu tun gibt – kein Halt, kein Ausflug, nur schöne Landschaft, die am Schiff vorbeizieht.

Abschiedsstimmung

Um 9 Uhr muss das Gepäck aus den Kabinen, falls man nicht bis Bergen auf seinem Koffer sitzen will oder ihn mit dem Handgepäck im Konferenzraum abstellen will. Also treffen wir uns nach der Kofferabgabe um 9:05 zum Frühstück und räumen danach die Kabine. Dann machen wir es uns noch einmal in unserem „Büro“ vor dem Restaurant bequem. Wir können das ganz entspannt angehen: Heute gibt es das Mittagessen nicht als Buffett, sondern als feste Sitzung – für uns um 11:30. Da kann man nach dem Frühstück auch gleich sitzen bleiben… Statt Mittagessen gönne ich mir lieber ein ausgedehntes Frühstück; spätestens im KLM-Flieger gibt’s ja wieder was zu Essen. Und verhungern musste auf der Fahrt niemand…

Das Wetter draußen ist wechselhaft, aber immer noch schön: Ruhige See und viele enge Sunde, in denen wir den Felsen ähnlich nah kommen wie im Stokksund.

Das Bordprogramm – Mittagessen, eine Listening Session mit klassischer norwegischer Musik im Panoramasalon und ein „Behind-the-Scenes“-Film um kurz vor eins – ist heute nicht nötig; bei schlechtem Wetter sieht das schon ganz aus. Trotzdem: Der letzte Tag zieht sich immer in die Länge. Ganz unbewacht will man sein Handgepäck ja doch nicht stehen lassen, vor allem wenn die Fototasche nicht abschließbar ist.

Bergen

Kurz nach zwei nähern wir uns dann Bergen und werden mit einem Regenschauer begrüßt – beim Einlaufen ist es um Glück wieder trocken. Wer an Deck ist, kann noch einen letzten Blick auf die Hakonshalle und – ganz klein – Bryggen werfen. Die großen Ölversorger sind auffällig – darunter auch die Sandefjord, die mich schon einmal bis Hammerfest verfolgt hat.

Aufmerksame Beobachter erkennen auf der Landzunge, die das Hurtigrutenterminal von Bryggen trennt, auch ein Gebäude mit Sternwartenkuppel: Die Fagskole steht an der Stelle der 1903 abgerissenen alten Bergener Sternwarte und beherbergte einst eine Fachschule für Navigation. In der Kuppel stand ein Transitinstrument zur exakten Zeitbestimmung, von dem prominenten Gebäude aus wurde das Zeitsignal an die Schiffe weitergegeben. Daniel Fischer hat die Geschichte in seinem Skyweek-Blog aufgearbeitet.

Gepäckchaos

Nach dem Anlegen geht es Schlag auf Schlag: Das Schiff wird deckweise verlassen, das Gepäck wird mehr oder deckweise auf das Gepäckband verladen (aber nicht unbedingt in der Reihenfolge, in der die Passagiere die Nordnorge verlassen), dann geht es in die Busse und zum Flughafen. Dort ist für viele das erste Ziel die Northland-Bäckerei, um den Stempel für Tax Free zu holen. Neu: Der Bäckereiangestellte will die Waren sogar sehen, bevor er den Stempel gibt. Es muss ja alles neu und ungetragen sein. Bei meinen Souvenirs ist das kein Problem…

Am Flughafen in Bergen ist alles ganz entspannt: Wir hätten gut zweieinhalb Stunden bis zum Abflug, da die Maschine Verspätung hat, sind es sogar drei. Zeit genug für Tipps, was zu tun ist, wenn man den Anschlussflieger verpasst. Für mich sieht das ganz entspannt aus, weil der nächste Flug nach Frankfurt auch mit Verspätung angekündigt war und ich die geplante knappe Stunde Umsteigezeit hätte – bis die App dann meint, zumindest in Amsterdam würden wir pünktlich starten. Toll…

The Flying Dutchman

Immerhin: Um 18:30 sind dann alle im Flieger, und mit einer Dreiviertelstunde Verspätung geht es Richtung Amsterdam. Mein Plan, im Flugzeug das ausgefallene Mittagessen mit dem KLM-Käsebrot zu ersetzen, scheitert auch: Ein Fehler im Catering, die Reihen 17 und 18 erhalten stattdessen salzige gebrannte Mandeln. Juhu. Zum Glück habe ich noch ein paar Kvikk Lunsj dabei. Die entsprechen unseren Kitkat und wurden in Norwegen erfolgreich als Energieriegel angepriesen.

Kurz vor Amsterdam dann die Durchsage, dass fast alle unsere Anschlussflüge erreicht werden können, wenn man rennt. Leider keine Info dazu, zu welchem Gate man muss. Nur die Berliner müssen zum KLM-Desk und sich nach Alternativen erkundigen. Der Landeanflug ist etwas holprig: Wegen schlechtem Wetter sind wohl nur zwei von fünf Landebahnen freigegeben, und der Pilot muss immer wieder die Fluglage korrigieren, bevor er das Flugzeug auf die Landebahn fallen lässt. Da ist wohl ein Satz neuer Stoßdämpfer fällig – aber immer noch besser, als kurz über Bodenhöhe die Lage korrigieren zu müssen. Ganz ohne Sarkasmus: Gute, wenn auch harte Landung. Kurz darauf kommt auch die Durchsage, dass es hart, aber sicher war und sie das öfter machen. Schön, wenn die Kommunikation aus dem Cockpit funktioniert.

Bordverpflegung

Und dann: Einmal von Gate C irgendwas zu Gate B32 rennen. Fünf Minuten langen in Anmsterdam zum Umsteigen… auch, weil sich das Boarding etwas verzögert. Immerhin: Unser Gepäck kommt so auch mit, und wir kommen fast planmäßig in Frankfurt an. Die Bordverpflegung: Komische flache Salzstangencracker. Habe ich schon erwähnt, dass fünf Minuten Umsteigezeit in Amsterdam zu kurz sind, um dort was zu essen? Naja, noch habe ich Kvikk Lunsj (und allmählich keine Lust mehr auf Schokolade)…

Der Transfer vom Frankfurter Flughafen zu meinem Auto mit Fly Autoparking funktioniert auch einwandfrei, und ich komme auch aus dem engen Parkhaus raus. In Anbetracht der Stürme, die wohl in Deutschland wüteten, während wir das schöne Wetter in Norwegen hatten, war das Parkhaus wohl keine schlechte Entscheidung.

Jetzt steht nur noch ein wenig Nacharbeit an: Die Bilder ein letztes Mal sichten, dieses Blog schreiben und aufräumen, bevor der Alltag wieder los geht. Das ist ja nicht mein einziger Job, auch wenn Büroarbeit nur halb so viel Spaß macht.

Auf die Hurtigrute gehe ich im September wieder, vorher steht Schottland an: Meinen Schottland-Reiseführer um die Äußeren Hebriden und Mull erweitern. Da freue ich mich schon drauf. Außerdem erscheint diesen Monat noch mein Buch über Astrofotografie, und ich arbeite an der englischen Version meines Celestron-Buchs. Gibt viel zu tun…

Hurtigrute Tag 11: Von Trondheim südwärts

Trondheim mit Munkholmen

Heute ist mal wieder ein See- und Sehtag. Gegen halb sieben haben wir wohl in Trondheim angelegt, zumindest sind wir sicher am Kai festgemacht, als ich aufstehe. Noch vor dem Frühstück steht ein Abstecher zum benachbarten Rema 1000 an, das Leergut der Reise wegbringen und Proviant für den Rückflug morgen besorgen. Dann ein kurzes Frühstück an Bord, gefolgt vom Ende einer Ära: Zum letzten Mal sehe ich zwei Hurtigrutenschiffe gleichzeitig am Kai liegen.

Ende einer Ära: Nordnorge und Polarlys gemeinsam in Trondheim
Die Polarlys

Wegen der Fahrplanänderung im Sommer sind dann keine Schiffsbesuche mehr möglich. Schade – dann muss ich nach Tromsø fliegen, um ab 2020 auch einmal einen Blick in die Schiffe der neuen Reederei Haviland zu werfen, die dann gemeinsam mit Hurtigruten die Kystruten von Bergen bis Kirkenes bedienen wird. So gehe ich mit den Kollegen an Bord der Polarlys und habe eine nette Überraschung: Marco ist an Bord, der auf meiner ersten Tour 2014 Bordreiseleiter auf der Nordkapp war. Damals gab es noch keine Expeditionsteams, und die Schiffe hatten alle das klassische, maritime Design – ist das wirklich erst vier Jahre her? Ende des Jahres werde ich eine Tour auf der Polarlys machen – mal sehen, ob er dann Dienst hat.

Da wir natürlich bei Marco hängen bleiben, bleibt keine Zeit für einen tieferen Blick auf das Schiff. Um 10 legt die Nordnorge ja schon wieder ab, und bis dahin sollten wir tunlichst wieder an Bord sein.

Die Fahrt südwärts führt wieder an Munkholmen vorbei, während im Fjord Rettungsboote ihre Kreise ziehen. Wahrscheinlich gehören Sie zu der Fallstation, die ich jetzt erstmals am Ufer entdecke. Hier werden wohl Rettungsboote gebaut oder getestet. Wieder was gelernt.

Unzählige Leuchttürme

Der nächste Hafen ist erst Kristiansund um 16:30, es bleibt also genug Zeit, um noch einmal runterzukommen und bei gefühlt sommerlichen Temperaturen die Reise ausklingen zu lassen. An der Küste prägen zahlreiche Leuchttürme das Bild, und gegen halb zwei zeigt sich wieder eine Fata Morgana: Einige Inseln scheinen über dem Meer zu schweben.

Fata Morgana

Wenn man das einmal erkannt hat, sieht man es immer wieder…

Wir machen um 14 Uhr noch unsere Abschiedsveranstaltung: Dankeschön sagen, Alex‘ Tourfilm zeigen und erklären, wie alle morgen nach Hause kommen. Um 9 Uhr muss das Gepäck bei (nicht vor) den Aufzügen stehen, bis 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein, und um 14:30 sollten wir Bergen erreichen.

Und dann: Noch mehr Landschaft genießen, schon mal den Koffer vor-packen und ab 16 Uhr das Einlaufen nach Kristiansund anschauen. Überraschung: Die Nordstjernen liegt im Hafen, nur ein paar Meter von unserem Anleger entfernt. Ich muss da hin!

Bis sich die Gangway der Nordnorge öffnet, ist es schon fast 16:45 – kann der Kahn nicht einmal pünktlich sein? Trotzdem rennen wir raus (die meisten, die das Schiff verlassen, gehen auf den Ausflug ins Bergtatt Marmorbergwerk), spurten zum Nordsternchen und machen ein paar Fotos – schickes Schiff. Es bleibt nur keine Zeit, um zu schauen, ob Margit an Bord ist, schade – das ist das erste Mal, dass ich zweimal das Hupen meines Schiffs höre, während ich noch an Land bin. Aber hätte der Captain mal pünktlich angelegt…

Aber das war den Spurt auf jeden Fall wert. Die Oldtimer haben einfach was.

Abendgruß

Der Rest vom Abend bis Molde geht für das Abendessen (Schweinshaxe) und Packen drauf, sowie die letzten Einkäufe an Bord, bevor die Cruisecard gesperrt wird. Molde erreichen wir gegen 21 Uhr, als das Schiff einen Vortrag über die norwegische Textilindustrie anbietet. Vorher gibt es noch einen Oldtimer zu sehen: Wir begegnen der Lofoten, die wir zuletzt im hohen Norden begrüßt hatten. Jetzt sind die Bedingungen zum Fotografieren schlechter, die Abenddämmerung ist schon weit fortgeschritten.

Die Lofoten
Molde

Auch von Molde ist nicht viel zu sehen. Die Ausflügler kommen wieder an Bord, darunter auch Hans, der ein paar schöne Aufnahmen von der Atlantikstraße mitgebracht hat. Wir machen es uns auf Deck 7 bequem und lassen die Reise gemütlich ausklingen – endlich Zeit für ein paar entspannte Gespräche. Das Expedition-Team veranstaltet im Panoramasalon noch ein Quiz zur Reise (aber uns hat ja keiner geglaubt, dass am Ende abgefragt wird), und irgendwann machen wir dann auch Feierabend – Koffer packen, soweit das jetzt möglich ist.

Der Abschieds-Mond

Ich gönne mir noch einen letzten, ruhigen Gang um das Schiff, während wir uns Ålesund nähern. Der Halbmond steht hell und hoch am Himmel und spiegelt sich wunderbar im Meer. Und da es bei Mondschein eh nichts am Himmel zu sehen gibt, schlafen Astronomen dann auch am besten – man verpasst ja nichts.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

Hurtigrute Tag 10: Polarkreis und Helgelandküste

Vor dem Polarkreis

Wir haben immer noch eine leichte Verspätung von 15 Minuten, was meinen Tagesplan etwas durcheinanderbringt. Es fängt ja schon toll an mit der Durchsage, dass wir in einer Minute die nordgehende MS Nordkapp passieren, also jetzTUUUT-TUUUT-TUUUT… Ich kann so nicht arbeiten.

Für 9:15 ist dann die südgehende Polarkreisüberquerung angesagt. Also mache ich erst einmal kein Frühstück, das langt auch nach dem Polarkreis. Nur dass dann die Durchsage kommt, dass wir ihn erst um 9:30 passieren. Grmpf. Das langt nicht, um vorher noch kurz zu frühstücken, und danach wirds knapp… Egal, wird die Zeit halt mit dem Rest der Reiseleitung verbracht: Wir kennen den Text ja schon, den das Expeditionsteam beim Point of Interest erzählt, und finden uns alle auf dem Umlaufdeck wieder.

Endlich erreichen wir die kleine Insel Vikingen mit der Kugel, die Kameras rattern, und diesmal ist das Seeadler-Pärchen auch gut zu sehen, das auf der Insel nistet. Auf meiner ersten Tour 2014 waren sie noch aufgeflogen, wenn das morgendliche Tuten der Hurtigruten-Tröte erschallt, mittlerweile sind sie wohl an diesen Wecker gewöhnt.

Die „Pflege arktischer Tradition“ auf Deck 7 schenke ich mir (Löffel und Lebertran gibt’s auch im Shop zu kaufen, das war früher exklusiver), so langt es doch noch für ein schnelles Frühstück, bevor es zur Reiseleitersprechstunde geht. Dafür lasse ich dann das Mittagessen ausfallen.

Kurs Nesna

Von dem kleinen Hafen Nesna bekomme ich nicht viel mit: Ich bin zwar rechtzeitig an Deck, verquatsche mich aber und bin auf der falschen Seite vom Schiff. Auch egal.

Dafür nehme ich Sandnessjøen mit: Der Himmel ist heute leider bedeckt, die Gebirgskette der Sieben Schwestern im Hintergrund ist verschleiert. Ohne Mittagessen habe ich Zeit für einen kurzen Gang durch die Hauptstraße bis zum Denkmal für den Dichter und Pfarrer Peter Dass. Immerhin sein Denkmal steht noch; die kleine Statue eines Bären in der Fußgängerzone wurde durch ein Fahrrad ersetzt.

Ein paar Meter neben ihn steht die Statue für Sigrid, die ihn ernst anschaut. Ein wenig wirkt es, als ob sie seine grimmige Ehefrau wäre, aber Sigrid lebte um 850 nach Christus und ist eine der wenigen Frauen, die Snorris Kongesaga erwähnt wurde.

Nach Sandnessjøen steht der Fototermin mit den Sieben Schwestern an. Bei klarem Himmel wirkt das natürlich besser, so haben die Bilder etwas düsteres an sich. Wie immer: Ein klarer Fall fürs Weitwinkel. Oder für Panasonic: Das Klacken der Panaromafunktion zweier Panasonic Lumix Kameras rechts und links von mir erinnert an alte Filmkameras, bei denen noch gekurbelt wurde. Tja, nostalgische Postschiffreisen…

Der arme Fischkutter

Kurz darauf der nächste Termin, unser Bonus-Vortrag: Die Alex erzählt über ihre Erlebnisse in Norwegen, und der Alex zeigt die Nordlichter, die auf dieser Tour eingefangen wurden. Danach bleibt nur ein wenig Zeit, bis Brønnøysund in Sicht kommt. Die Stadt liegt in der geografischen Mitte Norwegens, viel mehr als das Einkaufszentrum habe ich in der guten Stunde, die wir da Aufenthalt haben, noch nicht gesehen. Immerhin bietet der Hafen einen schönen Blick aufs Schiff. Und bei der Anfahrt sehen wir noch, wie ein Fischkutter von Möwen angegriffen wird…

Noch schnell ein Eis holen, dann geht die Fahrt weiter und am Torghatten vorbei, dem berühmten Berg mit Loch, für den es mittlerweile hell genug ist. Eine fantastische Lichtstimmung macht sich breit, die die Kamera nicht einfangen kann.

Um 18 Uhr ist dann Captain’s Dinner angesagt: Eine lockere Veranstaltung, bei der die Crew sich von den Gästen verabschiedet. Viele steigen ja bereits in Trondheim aus und nehmen die günstigeren Rückflüge, um noch am selben Tag zuhause anzukommen.

Letztes Schiffstreffen in Rørvik

Der letzte Programmpunkt des Tages ist Rørvik. Hier liegen wir neben der Finnmarken und haben die Chance, das Schiff zu besichtigen. Es ist noch im alten Design eingerichtet: Dunkler Jugendstil. Für einen kurzen Besuch langt die Zeit.

Here be Dragons

Dann geht es wieder zurück auf unser Schiff, auf Deck 7 und hoffen: Es ist lockere Bewölkung angesagt, und gute Polarlichtaktivität – haben wie noch einmal Glück? Während wir die Wolkendecke dahinziehen sehen, schaue ich mir noch einmal die Nordnorge an. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass es hier Drachen gibt. Vielleicht hat Grisu seinen Traum doch wahr gemacht und ist Feuerwehrmann geworden?

Leider haben Wetter und Polarlicht kein Erbarmen mit uns, es gibt keinen Nachschlag. Dafür schimmert der Halbmond schön über dem Wasser – auch hübsch. Gegen Mitternacht gebe ich dann auf und packe die Kamera endgültig weg.

Hurtigrute Tag 9: Lofoten und Vesterålen

Morgenstimmung: Die Vesterålen bei Harstad

Heute Morgen auf dem Programm: Harstad, mit rund 25.000 Einwohnern drittgrößte Stadt in Nordnorwegen und zweitgrößte in Troms. Bei dem kurzen Halt zu unchristlicher Zeit in den Morgenstunden bekomme ich davon nicht viel mit. Die Teilnehmer der Vesterålen-Rundfahrt können dagegen einen Blick in die Trondenes-Kirche werfen und sehen im Lauf des Vormittags die Vesterålen von Land aus, Spätaufsteher wie ich können nur die Landschaft und das Frühstück genießen. Die Gegend ist schön, und noch gibt es etwas klaren Himmel.

Bei Risøyhamn

Der Tag ist wie die gesamte südgehende Route ein See- bzw. Sehtag: Wir haben keine größeren Häfen, dafür die Gebirgsinsellandschaft der Vesterålen und (südlich des Raftsunds) der Lofoten. In zahlreichen Häfen wird kurz angelegt. Alle, die an Bord geblieben sind, erleben die Risøyrinne mit, die sich nur durch die Bojen auszeichnet, die die Fahrrinne markieren – die Rinne ist nur wenig tiefer als für unser Schiff notwendig; als die großen Schiffe wie die Trollfjord in Dienst genommen wurden, musste sie noch etwas ausgegraben werden. Eine Schwimmplattform mit Bagger deutet darauf hin, dass sie gerade wieder gepflegt wird.

In Risøyhamn halten wir nur etwa eine Viertelstunde – prinzipiell würde das für einen Spurt zum Königsstein auf der anderen Straßenseite langen, aber ich begnüge mich doch lieber mit einem Foto von Deck aus. Er wurde anlässlich der Einweihung der Rinne gesetzt und trägt die Unterschriften dreier norwegischer Könige.

Arbeitsplatz

Bis wir Sortland erreichen, zeigen wir noch Flagge für die Reiseleitersprechstunde. Unserem Arbeitsplatz merkt man langsam an, dass die Fahrt schon länger dauert und anstrengend ist – schließlich sind wir nicht zum Urlaub hier. Die Kaffeetassen stapeln sich und gefährden die Laptops…

Busse bei Sortland

Kurz vor Sortland begegnen wir wieder den beiden Bussen mit den Teilnehmern der Vesterålen-Rundfahrt und organisieren eine Flagge, um traditionsgemäß zu winken. Ich brauche wirklich einmal eine Nordlicht-Flagge…

Anschließend steht das Mittagessen an, gefolgt von der Fahrt nach Stokmarknes mit dem Hurtigruten-Museum. Das Highlight des Museums ist Norwegens größtes Ausstellungsstück, die MS Finnmarken, die von 1956 bis 1993 im Liniendienst war, bis sie von der aktuellen Richard With abgelöst wurde. Leider können wir sie nicht von innen besichtigen: Bis Sommer 2020 soll ein Schutzbau entstehen und das Schiff wieder saniert werden. Die Jahre an Land haben ihm nicht gut getan.

Nach Stokmarknes geht es in den Raftsund. Mein Versuch, das einmal im Panoramasalon zu erleben, wird vereitelt. Zwar gibt es freie Plätze, aber wir haben auch Musiker an Bord. Bevor die loslegen, gibt es eine Katzenmusik, die mich an den Blockflötenunterricht in der Schule erinnert. Aua. Ab 16 Uhr soll es dann von zwei schottischen Musikern Volksmusik geben, aber ich ergreife vorher die Flucht und schaue mir den Raftsund lieber von unserem „Büro“ auf Deck 4 bzw. vom Umlaufdeck 5 an. Eine herrliche Ruhe…

Gegen 17 Uhr erreichen wir den Trollfjord, diesmal bei Tageslicht, sodass es am Bug voll ist: Die Fotografen stapeln sich, GoPro/Selfiestick-Besitzer sind im Vorteil. Aber wir wenden nach ein paar Minuten, und dann ist er auch von der Seite aus zu sehen. Auf Deck 7 wird dazu auf der Violine gespielt… nicht schlecht, aber nicht mein Stil.

Da in Svolvær, unserem nächsten Hafen, einige Ausflüge starten, gibt es bereits ab 17:30 Abendessen: Buffet und freie Platzwahl. Wir beginnen zeitnah mit dem Abendessen, um rechtzeitig für einen Ausflug in den Anker von Bord gehen zu können. Die gemütliche Kneipe ist sowas wie unser Stammlokal in Svolvær.

Svolvær erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang, sodass der Hafen noch gut zu sehen ist. Wir sind auf der vorletzten Nordlicht-und-Sterne-Tour der Saison, nur noch eine beginnt Ende des Monats. Danach grüßt allmählich schon die Mitternachtssonne, und die Nächte sind zu kurz.

Die Nordnorge in Svolvær

Jetzt grüßt in Svolvær erst einmal nur die Statue von Dagfinn Bakke für die Fischerfrauen, die an Land auf ihre Männer warteten. Damals zur See zu fahren war oft genug ein ungewisses Abenteuer. Viel von Svolvær sehen wir diesmal nicht, aber es ist ja auch nicht so, dass wir noch nie da gewesen wären.

Die Nordlys

Kurz nachdem wir zwei Stunden später Svolvær verlassen, begegnen wir der nordgehenden Hurtigrute MS Nordlys. Sie grüßt uns mit Lichthupe, wir mit dem Schiffs-Typhon. Die anschließende Fahrt nach Stamsund ist ereignislos, ich verbringe sie am Rechner, die Abschlussveranstaltungen vorbereiten. Lange ist es nicht mehr…

Stamsund

In Stamsund schneit es, ich begnüge mich mit einem kurzen Gang auf Deck 5 für ein Foto – viel mehr lohnt sich bei dem Wetter nicht. Auch für die Überfahrt nach Bodø sind Wolken angesagt, damit komme ich heute sogar vor Mitternacht ins Bett. Auch mal eine nette Abwechslung, bevor wir morgen Abend den Polarkreis überqueren.

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest bis Tromsø

Suchbild: Schiffsbegegnung mit der Kong Harald

Mist – am frühen Morgen ist die See wieder ruhiger, aber dafür verpasse ich die Schiffsbegegnung mit der Kong Harald knapp – obwohl wir Havøysund mit Verspätung erreichen. Ich bin zwar wach, aber bis ich an Deck bin, ist das Schiff schon wieder fast weg. Und ich habe noch das 11-16mm Weitwinkel auf der Kamera. Damit habe ich von dieser Schiffsbegegnung nur ein Suchbild, auf dem das wenige Pixel große Schiff am Horizont verschwindet. Was soll’s – meine nächste Tour ist am 21. September und auf diesem Schiff, dann werde ich sie mir einmal näher anschauen.

Energiekaffee

So besteht mein Morgenprogramm aus Frühstück und Reiseleitersprechstunde, bis wir gegen halb elf an der Flüssiggasanlage Melkøya vorbeifahren – weiterhin mit leichter Verspätung. Auf Deck 7 wird der berühmte Energiekaffee ausgeschenkt (auf den ich wieder verzichte), außerdem gibt es einen Point of Interest und zum Einstimmen Musik von Abba.

Wetterkapriolen über Melkøya

Die Stimmung an Bord ist gut, ebenso die Lichtstimmung: Dichte Wolkenwände und blauer Himmel wechseln sich ab; als wir anlegen, stehen wir auf einmal wieder im schönsten Schneesturm. Das ist ja fast wie in Vardø gestern.

Heute hatte ich ohnehin nicht geplant, den Hausberg Salen zu erklimmen, vor ein paar Monaten war der Zickzackweg, der auf den Berg führt, dank Eis und Schnee schon anspruchsvoll genug.

Eisbärenklub

Also ist der erste Halt der Eisbeerenklub, bis der Schneefall wenig später nachlässt. Dann verhafte ich Alex für mein Standardfoto: Seit der ersten Tour mache ich jedes Mal ein Bild von mir auf der Bank vor dem Musikpavillon. Traditionen wollen gepflegt sein, und wenn schon mal jemand dabei ist, der Fotografieren kann, wird das gnadenlos ausgenutzt.

Soweit der Plan, nur ist meine Bank weg. Entweder ist sie komplett unter Schnee begraben oder abgebaut. Ich bin nicht der einzige, der die Erfahrung gemacht hat, dass die Norweger gerne mal umdekorieren und Bänke oder Statuen umstellen. Mal sehen, wie das im Herbst aussieht…

Nachdem der Tag somit eh gelaufen ist, treiben wir uns noch ein bisschen am Hafenbecken rum, auf der Suche nach Fotomotiven. Ein Stück weiter steht ein Teil einer Schiffsschraube eines Hurtigrutenschiffs, die einen schönen Blick auf die Nordnorge und den benachbarten, brandneuen Mülleimer bietet. Alex‘ Foto sieht natürlich besser aus als mein Schnappschuss. Dafür kriege ich die Gamle Mårøy und die Kirche mit dem Teleobjektiv schön ins Bild, ohne hingehen zu müssen.

Wir liegen wegen unserer Verspätung sogar bis 13 Uhr in Hammerfest, danach geht es weiter Richtung Süden. Das Wetter schwankt zwischen null Sicht und bestem Winterwetter, sodass ich immer wieder mal raus renne und die Kamera zücke – aber natürlich nicht für die grauen Nebelflächen. Dass wir hier auch schlechtes Wetter haben, müsst ihr mir einfach mal glauben. In der Zwischenzeit: Vor dem Restaurant Flagge zeigen und Bilder bearbeiten.

Øksfjord fotografiere ich diesmal nicht: Um 15:30 hat Hans seinen letzten Vortrag über den Kosmos, und da wir eine Viertelstunde Verspätung haben, entgeht mir der kurze Halt in dem kleinen Hafen komplett.

Skjervøy

Und dann: Bett. Bis zum Abendessen heißt es, Energiereserven auffüllen. Mit etwas Glück haben wir auf der Passage von Skjervøy nach Tromsø klaren Himmel, dann muss nur noch das Polarlicht mitspielen.

Bis Skjervøy ist aber nichts, nur die schmale Mondsichel steht am Himmel. Ich nutze die Chance, um noch einmal den Kamerasensor zu putzen – das ist der Nachteil einer DSLR, sie verschmutzt schneller. Aber im Gegensatz zu meiner kleinen Panasonic kann ich hier den Sensor putzen und muss nicht auf jedem Bild den Schmutz wegretuschieren… Danach: Noch einmal in Skjervøy auf Unendlich fokussieren und abwarten, was das Polarlicht macht. Ab Tromsø soll das Wetter schlechter werden.

Nach Skjervøy gibt es erst einmal Wolken, bis wir in den Sund Richtung Tromsø einbiegen. Es nicht perfekt klar, aber über uns: Das erste Polarlicht des Tages! Also nichts wie runter zur Rezeption, Durchsage machen, und auf dem Weg nach oben allen Bescheid sagen, dass ich nicht unter Deck bin, weil das Polarlicht schon wieder weg ist, sondern weil ich auf dem Weg nach oben war.

Bis Tromsø haben wir ziemlich gutes Wetter, und die schmale Mondsichel bietet mit den Wolken ein schönes Bild. Kurz vor Tromsø lässt die Aktivität dann nach, aber es war eine schöne Show. Einziger Nachteil: Ich habe wieder mal die Modenschau verpasst. Aber das war’s wert.

Making of

Diesmal hatte ich meine Kamera auf Deck 7 aufgebaut – zum ersten Mal auf dieser Tour – und konnte so endlich mal wieder das Schiff mit ins Bild nehmen, bevor ich sie dann in die andere Richtung ausrichten musste. Das Ergebnis der Mühe (nachdem mein armer Laptop die Nacht durcharbeiten musste) kann sich sehen lassen. In Tromsø gehe ich dann nicht mehr von Bord: Bilder kopieren und die Bildbearbeitung starten, und dann legen wir auch schon wieder ab. Also nichts mit Mitternachtskonzert oder Kneipenbummel.

Leider war es das wohl für diese Tour mit Nordlicht: Wolken kündigen sich an. Aber abwarten, so verlässlich ist der Wetterbericht ja nun doch nicht.

Hurtigrute Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

First Eis vor Kirkenes

Es ist soweit: Heute Nacht haben wir mit Vardø den östlichsten Punkt der Route passiert, und Vadsø kurz vor 7 Uhr habe ich ebenso verschlafen. Als wir Kurs auf Kirkenes nehmen, bin ich dann auch irgendwann wach. Draußen: Traumhaftes Wetter, rund -10° auf dem Schiff (in Kirkenes sind es dann nur noch ein paar Grad unter Null, mit schöner, trockener Kälte) und Eis auf dem Wasser. So kommt Arktis-Feeling auf!

In Kirkenes staut sich sich dann erst einmal alles vor der Tür: Die Ausflügler wollen ebenso raus wie die Passagiere, die in Kirkenes aussteigen. Und vorher wird noch das Gepäck an Land gebracht – gut, dass ich es nicht eilig habe.

Für alle Ausflüge, von der Husky-Tour über Snowmobile bis hin zur Fahrt an die russische Grenze (zu der auch ein Besuch der Anders-Grotte und der unrühmlichen deutschen Geschichte hier vor Ort gehört) ist es bestes Wetter. Ich entscheide mich für einen Spaziergang in den Ort, aber diesmal „falsch rum“: Zuerst zu dem Aussichtspunkt (einer Kurve über der Stadt), dann kurz in den Ort rein, statt wie gewohnt über die Andersgrotta direkt nach Kirkenes.

Blick auf Kirkenes vom Aussichtspunkt
Chinatown?

In Kirkenes hat sich seit meinem letzten Besuch nicht viel verändert, außer dass mehr Schnee liegt. Die zweite Uhr an der Kirche ist immer noch kaputt, dafür steht ein chinesisches Tor vor ihr. Vielleicht erhält Kirkenes nun eine veritable Chinatown?

Schneeschippen für Profis

Wie die meisten Städte in der Finnmark profitiert auch Kirkenes davon, wenn Schnee liegt (zumindest rein optisch) – gerade bei so reinem Schnee und blauem Himmel wie heute. Den großen Baggern beim Schneeräumen zuschauen ist zumindest für Touristen reizvoll. Ansonsten halten sich die Sehenswürdigkeiten in Grenzen. Einige Statuen und viele Holzhäuser, die beim letzten kurzen Boom der Eisenerzmine renoviert wurden – es ist eine Stadt, die von Werft, Fischerei und gelegentlich Erzabbau lebt.

Auf dem Weg zum Hafen komme ich wieder an den meterhohen Krabbenkäfigen vorbei, mit denen versucht wird, die Königskrabbenpopulation einzudämmen – sie sind von Russland eingewandert (wo sie ausgesetzt wurden) und machen sich nun im Nordmeer breit.

Eisbrecherchen

Im Hafen dreht ein kleiner Eisbrecher seine Runden, damit das Eis nicht zu dick wird: Immer wieder kommt das kleine orange-weiße Eisbrecherchen vorbei, der Wellengang sorgt dafür, dass sich keine geschlossene Eisdecke bildet. Auch ein netter Job, so kommen die großen Schiffe gut aus dem Hafen raus. Kirkenes liegt ja ein gutes Stück südlich des Golfstroms und ist vor dem warmen Wasser geschützt.

Wir verlassen Kirkenes kurz nach halb eins mit Kurs nach Norden und sind jetzt die südgehende Hurtigrute. Das Wetter ist perfekt und die See glatt, sodass die Überfahrt nach Vardø ereignislos verläuft. Wir gehen Mittagessen und bieten dann vor dem Restaurant die Reiseleitersprechstunde an, bis ich um 15 Uhr meinen Vortrag über Sternbilder und ihre Sagen halte. Irgendwann kriege ich das Buch dazu auch noch fertig…

Normalerweise halte ich den Vortrag erst nach Vadsø um 17 Uhr, aber diesmal kollidiert das mit Norwegen Land & Leute und den Vorträgen anderer Reisegruppen (südgehend sind immer noch über 300 Passagiere an Bord), daher gebe ich mir mit Björn vom Expeditionsteam die Klinke in die Hand: Bis 15 Uhr belegt er den Vortragsraum mit der deutschsprachigen Einführungsveranstaltung für neue Passagiere, dann stöpsle ich meinen Laptop ein, komplimentiere die Nicht-Gruppen-Mitglieder hinaus und mache meinen Streifzug durch die letzten Jahrtausende.

Vardø – wechselhaft

Um 15:45 bin ich planmäßig fertig, dann sollte die Nordnorge auch in Vardø anlegen. Angesagt wurde es sogar, aber selbst das übliche 16 Uhr wird knapp. Damit bleibt genug Zeit für einen Blick an Deck: Die Barentssee bietet dunkle Wolken und blauen Himmel. Hm…

Vardø im Schneesturm

Ein paar Minuten später hat Vardø sich dann für „Schneesturm“ entschieden: Vom Hafen ist nicht viel zu sehen, und ich überlege, ob es sich überhaupt lohnt, zur Festung rüberzugehen. Das Hexendenkmal habe ich aufgegeben – erst um 16:15 öffnet sich die Gangway, und wir können das Schiff verlassen. Die meisten schauen beim Eismeerbaden zu, ein paar Mutige sprinten kurz zur Festung Vardøhus und schießen ein paar Fotos. Vor der Festung wird der Schnee gerade in Rechtecke aufgeteilt… Ich habe irgendwas im Hinterkopf, dass Vardø Schauplatz von einem Schneeballschlacht-Festival wäre. Was meint Google zu dem Thema?
Es gibt die Seite VisitVardo.com, die zuerst einmal empfiehlt: „Experiencing a true Arctic storm should be on everyone’s „bucket list“.“ Okay, aber dafür braucht man keinen Turnierplatz. Es ist wohl entweder „Yukigassen – the European championship in snowball fighting“ oder eher die „Fortress Games“

Vardø

Es bleibt bei einer halben Stunde leider kaum Zeit für Vardøhus, aber immerhin ist der Schneesturm vorbei, sodass ein paar Bilder möglich waren. Als ich zum Schiff zurückspurte, kommen die Teilnehmer des Eismeerbadens auch schon zurück. Von Deck 7 aus kann ich noch ein paar Bilder der Stadt schießen. Die zahlreichen Grafitti sind weniger geworden: Vor ein paar Jahren gab es einen Wettbewerb, bei dem abbruchreife Häuser mit Grafitti verziert wurden, die zum Teil sehr gut aussahen, so langsam verschwinden die Häuser wohl Dafür stehen noch ein paar Ruinen ohne Schmuck am Hafen.

Links Eismeerbaden, rechts Schiffs-Whirlpool

Vom Heck aus bietet sich noch ein Blick auf zwei Schwimmbecken: Einerseits der Whirlpool vom Schiff, andererseits das Becken im Hafen für das Eismeerbaden. Ich weiß, was mir da verlockender erscheint…

Anschließend geht es auf die Barentssee, und unser gutes Wetter scheint erstmal vorbei zu sein: Bei (laut windy.com) drei Meter hohen Wellen ist doch gut Bewegung im Schiff, das Restaurant ist weniger gut besucht als bislang.

Båtsfjord

Båtsfjord (angeblich 39% Bewölkung) erreichen wir mit etwas Verspätung und in einem Schneeschauer, aber immer wieder blitzt der Mond durch. Haben wir vielleicht später Glück?

Vorerst sieht es nicht so aus, auch wenn bei der Abfahrt aus Båtsfjord ein Hauch von Grün auf der Kamera zu sehen ist. Abwarten – alle Prognosen sind gerade pessimistisch, die Polung des Magnetfelds stimmt einfach nicht.

Abfahrt aus Båtsfjord mit einem Hauch von Grün (rechts)

Das Geschaukel sorgt dafür, dass es im Schiff ruhiger wird, den Rest erledigen die Musiker, die mitreisen und im Multe auf Deck 7 mit Geige und Harfe aufspielen. Hans und ich hören uns das einige Zeit an, bevor wir die Flucht ergreifen. Ich suche Ruhe und Frieden im Panoramasalon, wo die Bewegung des Schiffs deutlicher wird. Nicht jeder verträgt das gut… wir haben Gegenwind, sodass auch relativ geringer Seegang sich gut bemerkbar macht.

Berlevåg

In Berlevåg, das wir ebenfalls mit einiger Verspätung erreichen, sieht es schlecht aus. Dafür kann man dem Gabelstapler zuschauen, Fracht wird gelöscht und aufgenommen. Mehr als ein Hauch von Polarlicht ist nicht zu erahnen.

Feierabend? So ziemlich. Ein bisschen Polarlichtbogen ist zu sehen, aber sobald wir aus dem schützenden Fjord raus sind, nimmt das Geschaukel wieder zu, und ich mache Feierabend.

Sturmsicherung

Dann kommt kurz nach 23 Uhr die Durchsage, dass wir am Bug etwas Nordlicht haben… Also Kamera packen und ab an den Bug – gute Güte. Bei dem Seegang hätte ich keine Durchsage gemacht, das ist schon sportlich. Die einzige Türe auf Deck 5, bei der die automatische Öffnung noch funktioniert, ist auch gesperrt, die anderen sind noch offen. Das Polarlicht ist nett, aber noch nicht die ganz große Show. Dazu kommen immer wieder Wolken, Wolken, Wolken… Nach einer Viertelstunde und einem kurzen Zeitraffer gebe ich auf, gehe ins Warme, Bilder kopieren, und bis Mitternacht immer wieder mal rausschauen. Bleibt wohl so.

Die Strecke von Berlevåg bis Mehamn schaukelt gut, liegt aber auch schön im Polarlichtoval. Als kurz nach Mitternacht die nächste Durchsage kommt, bin ich bereit. Mittlerweile sind alle Türen auf der linken Seite verschlossen, aber ich finde den Weg zum Bug, befestige meine Kamera und werde mit rund 20 Minuten guter Show belohnt: Es gibt zwar nicht die ganz kräftigen Farben (was auch an dem Gischtschleier liegen kann, der vom Bug hochweht), aber ein paar Minuten lang schöne Bewegung: Das Nordlicht tanzt! Sehr chic. Und über die Türen am Heck komme ich sogar wieder in das Innere des Schiffs zurück, uff.

Nach nicht ganz einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und da wir bald in Mehamn ankommen, mache ich endgültig Schluss für diese Nacht. Jetzt dar der Rechner dran. Das Ergebnis: Doch ein netter kleiner Zeitraffer:

Das Polarlicht von Tag Nacht 7

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Diese Reise ist schlecht für meinen Tagesrhythmus: Der Wecker steht auf kurz nach acht, und ich wache bereits um halb acht auf. Obwohl es gestern wieder spät war, dem Nordlichtalarm um Mitternacht sei Dank. Damit bleibt mir genug Zeit, um nicht nur Havøysund zu sehen, sondern auch die südgehende MS Lofoten.

Sie ist das älteste Schiff, dass noch auf der Hurtigrute fährt. Nächstes Jahr, wenn der neue Staatsvertrag gilt und neben Hurtigruten AS auch Haviland die Kystruten (wie die Strecke jetzt heißt, weil die Namensrechte an der Hurtigrute mit der Reederei verkauft wurden) befährt, wird sie aus dem Liniendienst gehen. Die „alte Dame“, die seit 1964 im Dienst ist, erfüllt die neuen Bestimmungen bezüglich Behindertengerechtigkeit nicht, und dank Denkmalschutz darf sie auch nicht umgebaut werden. Wahrscheinlich wird sie dann ähnlich wie die Nordstjernen eigene Touren betreiben – ob entlang der Küste oder nach Spitzbergen, wird sich zeigen. So schön wie heute habe ich sie jedenfalls selten gesehen. Überhaupt sind das gute Wetter und die ruhige See fast unheimlich.

Havøysund als erster Hafen des Tages präsentiert sich schön in der Morgensonne, und zum ersten Mal wird mir bewusst, wie sehr die Kirche einer Stabkirche ähnelt. Nett. Wir erreichen den Hafen mit etwas Verzögerung, was sich über den gesamten Tag hindurchzieht. Havøysund fällt für mich daher mit dem Frühstück zusammen.

Wolkenspiele vor Honningsvåg

Den Point of Interest zur Magerøya-Straße schenke ich mir: Die Zeit verbringe ich teils auf Deck 5, teils in der Reiseleitersprechstunde und teils bei den Bordreiseleitern, meine Videos zur Verfügung stellen. Den Text des Point of Interests dürfte ich kennen: Der mautfinanzierte Tunnel zur Insel, den wir gerade überqueren, die Rentiere, die den Magerøyasund entweder schwimmend oder auf Fähren des Militärs überqueren, das Nordkapp auf der Insel Magerøya, das somit weder auf dem Festland liegt noch der nördlichste Punkt der Insel ist – alles interessant, aber ich muss es nicht jedesmal hören. Lieber das tun, was man auf dieser ereignisreichen Reise ohnehin viel zu selten macht: Einfach mal an Deck stehen und Norwegen genießen!

Kurz vor Honningsvåg taucht eine dunkle Wolkenwand auf und wir fahren durch einen Schneeschauer – schlechte Aussichten für das Nordkap? Nach fünf Minuten endet der Spuk zum Glück, und wir haben wieder bestes Wetter. Wer den Nordkap-Ausflug gebucht hat oder ihn mit einem der lokalen Anbieter, die am Kai stehen, auf eigene Faust macht, wird mit Sonnenschein und Windstille belohnt. Da ich den Ausflug selbst zahlen müsste, verzichte ich wieder (vielleicht auf der nächsten Tour, mal sehen) und erstürme mit Hans und Stefan den Aussichtspunkt über dem Ort.

Honningsvåg ist wunderbar verschneit, auch wenn das den Aufstieg etwas mühsam macht. Durch fast kniehohen Tiefschnee zu stapfen macht nur bedingt Spaß, lohnt sich aber: der Ausblick auf den Ort von hier oben ist immer wieder schön. Beim Rückweg sehen wir das Expeditionsteam beim Schneeschuhhike und hören, wie die Teilnehmer aufgefordert werden, es langsam angehen zu lassen – „without snowshoes, it would be impossible“. Unser Gelächter wird mit einem „It’s easier where you are“ kommentiert:-)

Naja, stapfen wir halt den leichten Weg zurück – um zwanzig vor eins sind wir wieder im Ort, etwas zu spät, um rechtzeitig zum Mittagessen wieder an Bord zu sein. Wegen der Sicherheitsübung gibt es heute nur bis 13 Uhr Essen, normalerweise langt es mir. Egal – ich habe noch einen Apfel und „Sjokoladeterapie“ auf der Kabine, also gönne ich mir noch den Umweg zur Fischereischule auf der anderen Hafenseite, um unser Schiffchen zu knipsen. Sind ja perfekte Bedingungen dafür…

Anschließend noch ein paar Bildchen vom Ort und zurück zum Schiff – trotz Bilderbuchwetter wird es langsam etwas frisch.

Ein kitschiger Sonnenuntergang

Honningsvåg verlassen wir mit einer leichten Verspätung, dann kommt Überfahrt nach Kjøllefjord. Die Barentssee zeigt sich als echter Ententeich, und gegen 17 Uhr kommt die Finnkirche in Sicht. Statt einem Point of Interest an Deck gibt es jetzt vom Expeditionsteam Norwegen Land & Leute mit dem Tagesrückblick. Wer schwänzt, kann nicht nur die Finnkirche sehen, sondern auch einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang.

Vor Kjøllefjord

Früher wurde die Felsformation beleuchtet und beschallt, heute wird der ehemalige samische Opferplatz ignoriert – ob aus Respekt oder wegen Streiterein darüber, wer den Betrieb der Lichtanlage bezahlt, ist unklar. Auch der Krabbenfischer, der in Kjøllefjord früher an Bord kam, ist Geschichte. Die Firma ist wohl bankrott, und mit dem Fischer kam kein neuer Vertrag zustande.

Daher sehen nur eine handvoll Leute die Felsformation, die bei Tageslicht wirklich an eine Kirche erinnert: Ein hoher Turm, an den das flache Kirchenschiff anschließt. Im Januar 2016 hatte ich sie mal beleuchtet und mit Mond erlebt – das war richtig mystisch, heute im Sonnenschein ist die schmale Mondsichel über ihr lediglich nett anzuschauen.

Kjøllefjord

Im hübsch verschneiten Kjøllefjord machen wir nur kurz Halt, bevor es bei schönstem Wetter weiter geht. Für uns heißt das Abendessenzeit, jetzt ist das Nordkap-Buffet auf dem Programm. Also feste Sitze, aber freie Essenswahl. Es mag sein, dass ich mich am Rentiergeschnetzelten leicht überfressen habe, aber ich hatte ja auch kein richtiges Mittagessen…

Anschließend heißt es abwarten. Bislang hatten wir ja bestes Wetter, Nordkap mit Sonne und ohne Wind ist sehr selten. Aber zumindest das Weltraumwetter könnte mal etwas unruhiger werden. Wir haben sternklaren Himmel, ruhige See und nur acht Grad unter null – aber bestenfalls ein Hauch von einer Ahnung von Polarlicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt – gegen Mitternacht gebe ich auf. Immerhin ist für morgen auch klarer Himmel angesagt. Wir werden sehen.

Einziger Lichtblick: Ich bin mit meinem Blog auf dem aktuellen Stand.

Hurtigrute Tag 5: Tromsø und Polarlicht

Kurs Tromsø

Wir nähern uns meiner norwegischen Lieblingsstadt: Tromsø. Die Wetterprognose ist unentschieden, was die Bewölkung angeht, aber die See ist ruhig und die Temperaturen knapp unter null. Harstad habe ich verschlafen, und am nicht mehr ganz so frühen Morgen ist es dann bewölkt mit klaren Streifen – etwas besser kann es von mir aus bis zum Abend noch werden. Bis dahin ist aber noch viel Zeit, die ab 10 Uhr mit dem Vortrag von Hans über die Sonne gefüllt wird – zusammen mit einem kleinen Streifzug durch die Sternentstehung.

Vortragszeit

Für mich bedeutet das einen ruhigen Tag: Bilder bearbeiten, Vortrag anhören, Bilder machen. Für Tromsø habe ich noch keinen festen Plan, schließlich war ich erst über Silvester für eine Woche da – und hatte wegen Schlechtwetter gerade mal eine halbe Stunde Wolkenlücke mit Polarlicht…

Königskrabben

Kurz nach dem Vortrag beginnt im Bistro des Schiffs eine Präsentation zu Königskrabben. Diesmal muss der Koch dran und präsentiert, was im Aquarium auf Deck 4 schwimmt; füher kam bei Kjøllefjord ein Krabbenfischer vorbei, der mit seinem Boot bei voller Fahrt an der Hurtigrute anlegte. Aber die Zeiten sind wohl vorbei, jetzt macht Hurtigruten das selber…

Finnsnes

Um 11 legen wir in Finnsnes an – zwischen Vortrag, Reiseleitersprechstunde und noch mehr bleibt mir keine Zeit, um kurz von Bord zu gehen, und ich begnüge mich mit ein paar Fotos vom Schiff herunter: Das Männchen mit der Schokowerbung und das Denkmal für den Wikinger Ottar, dazu noch die 1147 m lange Gisundbrücke. Es langt ja immer nur bestenfalls für einen kurzen Spaziergang um den Hügel oder zu Ottar, der auch vom Heck aus gut zu sehen ist.

Kurs Tromsø

Die Fahrt nach Tromsø ist ruhig, kalt und schön (immer wieder eine beeindruckende Landschaft, vor allem im Winter mit Schnee). Gegen 14 Uhr komm die Stadt dann in Sicht, und irgendwas stimmt nicht: Da ist ein neues Hochhaus. Die AidaAURA liegt dort, wo die Hurtigrute vor kurzem noch anlegte, bevor das neue Hafengebäude errichtet wurde. Die AidaAURA hat laut Wikipedia 389 Mann Besatzung und bis zu 1500 Passagiere. Zum Vergleich: Die Nordnorge hat rund 497 Betten und Platz für 590 Passagiere inklusive Tagesgäste, mit 400 Passagieren ist sie schon etwa ausgebucht (nicht jede Kabine ist voll belegt)…

Die Festung Skansen – gut gewappnet für Schneeballschlachten…

Durch das neue Hafengebäude in Tromsø sind leider einige Fotomöglichkeitem weggefallen, sodass Hurtigrute und Aida kaum auf ein Foto passen. Auch Selfies vor dem Bug mit der Eismeerkathedrale gehen nicht mehr.

Ich entscheide mich spontan für einen Gang zu dem roten Türmchen am Ende des Piers, der das Hafenbecken beschränkt. Der Zugang zu dem Pier ist unterhalb der Tromsø-Brücke, und der der Weg zieht sich… Dafür habe ich ein paar neue Fotoperspektiven auf den Hafen, auch wenn ich auch von hier Aida und Hurtigrute auch nicht gleichzeitig aufs Bild kriege. Die Aida ist einfach zu fett. Ich will gar nicht wissen, wie das hier im Sommer aussieht, wenn die großen Kreuzfahrer in der Stadt sind. Und in Trondheim liegen ab Sommer keine zwei Hurtigrutenschiffe mehr gleichzeitig am Kai, damit nicht zu viele Touristen gleichzeitig in der Stadt sind (so ein Teil der offiziellen Begründung)…

Die Domkirche

Auf dem Rückweg hake ich noch einmal die üblichen Sehenswürdigkeiten ab (die Festung Skansen, die wohl bestenfalls einer Schneeballschlacht wiederstehen kann, und die Domkirche), dann shoppen: Tromsøs Greatest Souvenirshop, ein paar Buchhandlungen, Schuhgeschäfte (ich bin ja der Meinung, dass man in Deutschland keine brauchbaren, „zivilen“ outdoortauglichen Schuhe findet. Aber jetzt scheitere ich damit auch in Norwegen) und die Vorräte auffüllen.

Um 18:00 gibt es Abendessen auf dem Schiff, eine halbe Stunde bevor wir ablegen. Es ist noch hell genug, dass ich das Essen nicht wegen Polarlichtwache ausfallen lassen muss. Dann heißt es warten – der Himmel ist okay, nur das Nordlicht fehlt noch. Gegen 21 Uhr geht es dann endlich los, die Strecke Tromsø-Skjervøy lässt uns nicht im Stich: Das Polarlicht ist deutlich, oft relativ ruhig und hell. Chic.

Ich schraube meine Kamera zuerst an den Bug, bis das Schiff nach rechts abdreht und ich an die Seite wechsle. Schöne Show:

Diesmal hält das Polarlicht nicht bis Skjervøy durch, die Aktivität lässt nach, und die Wolken nehmen zu. Aber egal: Es war eine schöne Show zur besten Zeit, und jetzt kann jeder sagen, dass er Nordlicht gesehen hat. Für das Sonnenminimum gar nicht schlecht:-)

Danach wird es ruhig: Ich nutze Skjervøy, um die Bilder für den Zeitraffer oben zu überspielen. Nach Skjervøy ist der Himmel ruhig, es bieten sich noch ein Gespräche, und der letzte Check kurz vor Mitternacht zeigt ein bisschen Polarlicht – aber nicht viel. Schwamm drüber, für heute habe ich genug gesehen und gehe ins Bett.

Das war zumindest der Plan, kurz nachdem ich in der Kabine bin kommt die Durchsage: Vi har nordlys. Toll. Also wieder anziehen und raus: Naja. Hans ist auch da, geht die paar Meter bis zum Bug und ruft mich: Vorne lohnt es sich tatsächlich und ist wieder auf der Level wie vor drei Stunden, als es wirklich schön war. Diesmal kommen zwar noch ein paar Wolken dazu, aber ab Mitternacht gibt es noch einmal rund 20 Minuten schöne Show. Dann heißt es endgültig ab ins Bett.

Hurtigrute Tag 4: Polarkreis, Bodø und Trollfjord

Vikingen

Uff – wir haben wirklich schon Tag 4 unserer Reise, ein Drittel ist vorbei. Wie die Zeit vergeht, wenn man Spaß hat… Etwa um 7:12 Uhr haben wir den Polarkreis überquert, und ich habe es tatsächlich geschafft, gerade noch rechtzeitig an Deck zu sein. Ein letzter Blick auf die Insel Vikingen, dann auf das Kamera-Display – völlig falsche Einstellungen. Das ist das Blöde bei einer DSLR: Der Blick in den Sucher ist doch anders als das Ergebnis… Also gibt’s die Bilder doch nur aus einigem Abstand und nicht so schön wie geplant. Egal.

Traumhaft schön

Immerhin: Normalerweise kenne ich die Kugel auf der Wikinger-Insel nur bei Nacht; sie nordgehend im Sonnenschein – wenn auch unter einer geschlossenen Wolkendecke – zu sehen ist mal eine nette Abwechslung.

Die Reise vom Polarkreis nordwärts führt an einer wunderbar schroffen, gebirgigen Landschaft vorbei, die auch trotz der niedrigen Wolkendecke beeindruckt. Bis zum nächsten Ereignis bleibt genug Zeit für das Frühstück, und kurz nach acht begegnen wir der südgehenden Hurtigrute MS Nordlys. Hoffentlich bleibt das heute nicht das einzige Nordlicht, aber wir sind genau an der Wolkengrenze. Jeder Wetterbericht meint was anderes…

Ørnes

Um 9:30 steht Ørnes an, einer der am schönsten gelegenen Häfen der Hurtigrute. Mit dem grauen Himmel kann er seinen Reiz nicht ganz entfalten, aber ich bin trotzdem irritiert, wie wenig Leute an Deck sind – Deck 7 ist fast leer, sogar im Panoramasalon sind noch Plätze frei. Seltsam und seltsamer…

Eine Stunde später folgt die Polarkreistaufe, die Zeit bis dahin wird mit der Reiseleitersprechstunde überbrückt. Jetzt ist es auch voll an Deck.

Ich kenne das Spiel ja mittlerweile: Alles drängt sich an Deck, und fotografieren ist fast unmöglich. Dank DSGVO ist das für einen armen Blogger aber auch egal, veröffentlichen darf man ja eh kaum noch etwas. Also: Ab ganz ans Heck, sodass ich Blick auf den Raum vor den Schornstein habe. Der Gewinner des Polarkreiswettbewerbs wird bekannt gegeben, er erhält die Hurtigrutenflagge, die bei Überquerung des Polarkreises am Schiff geweht hat, samt Unterschrift vom Käpitän und die Pole Position bei der Taufe – das Eis steht bereit, nur Njord muss noch herbeigerufen werden. Mit kräftigem Anfeuern durch die Gäste erscheint er dann auch auf dem Deck vor dem Schornstein, gibt seine Macht über das Wasser bekannt (auch über das Heißwasser, das heute früh wegen Reparaturarbeiten kurzzeitig gefehlt hatte), kämpft im Wind mit seinem Bart, lässt sein mächtiges Horn erschallen und schreitet zur Taufe herbei. Das ist der Moment, in dem ich mich verdrücke: Einerseits habe ich die Taufe schon einmal mitgemacht, und andererseits halte ich um zehn Uhr meinen ersten Solo-Vortrag über den aktuellen Sternenhimmel, garniert mit ein paar griechischen Sternsagen. Der Rest der Sagenwelt kommt in einem späteren Vortrag dran.

Bodø

Und dann? Ein Blick nach draußen, wo das Wetter schöner (wenn auch nicht wärmer) wird und Bodø langsam in Sicht kommt. Die Landschaft ist schöner als der Ort, trotzdem steht ein kleiner Abstecher nach Bodø auf dem Programm. Aber erst lassen wir die Ausflügler zu Mittag essen, dann stürzen wir uns auf das Buffet.

Der Gang in die Stadt dauert etwa 15 Minuten, wobei die Hauptstraße immer noch eine Baustelle und für Fußgänger gesperrt ist. Was soll ich sagen: Bodø ist kaputt. In der windigsten Stadt Norwegens weht gerade mal ein laues Lüftchen.

Direkt am Anleger ist das Denkmal für das verunglückte Hurtigrutenschiff Prinsessin Ragnhild, ansonsten hat die moderne Stadt erst einmal nicht so viel für das Auge zu bieten: Sie wurde im Krieg zerstört und rasch wieder aufgebaut, seitdem ist sie stark gewachsen. Leider ist Nachkriegsarchitektur touristisch eher uninteressant, der Reiz von Bodø braucht ein paar Besuche, um sich zu entfalten. Aber es gibt das markante graue Rathaus mit seinem Turm, das gerade erweitert wird, die seltsame Kirche mit freistehendem Glockenturm, dahinter das interessante Nordlandmuseum, und am Hafen das Lachsmuseum/Salmon Center. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist es immer noch offen. Sehr zu empfehlen, wenn man Englisch kann.

Fantastisches Licht

Nach dem Gang durch Bodø bin ich erst einmal platt – eigentlich wollte ich nur kurz die Kamera ablegen, daraus wird eine halbe Stunde im Bett. Und dann verlassen wir schon wieder Bodø und ich muss raus. Wir haben eine fantastische Lichtstimmung, während wir weiterfahren. Eigentlich sollte ich Filter für meine Kamera holen, aber dann würde ich hier was verpassen… und noch was gibt es zu sehen: Die Lofotenwand, also die unzähligen Berggipfel der Lofoten-Inseln. Auf so eine Fernsicht hätte ich nicht gewettet. Und was ich zum ersten Mal hier bemerke: Eine Fata Morgana. Einige der vorgelagerten, dunklen Inseln scheinen über dem Wasser zu schweben. Eigentlich nicht so eindrucksvoll wie ich mir eine Fata Morgana vorgestellt hatte, aber trotzdem ein interessanter Anblick, zumindest mit dem Teleobjektiv.

Normalerweise bekomme ich von dieser Strecke nicht viel mit, da es einerseits dunkel ist und ich andererseits hier meinen üblichen Vortragstermin habe, aber jetzt habe ich Zeit, um auf den Leuchtturm Landegode zu warten. Er liegt hübsch vor einem Berg, bekommt das richtige Licht ab, und nach einer Dreiviertelstunde an Deck ist mir kalt. Aber das war es wert:

Das Schiff ist mittlerweile richtig voll: Die Hurtigrute dient ja bei aller touristischer Auslegung immer noch für den öffentlichen Nahverkehr, und es ist voll mit Norwegern, die für das Wochenende von Bodø auf die Lofoten fahren. Freitagnachmittag halt, da sind unsere Straßen und Züge ja auch voll.

Vielversprechendes Wetter im Westfjord

Die weitere Fahrt über den Westfjord ist ruhig, wahnsinnige 30 Zentimeter hohe Wellen waren angesagt. Ich nutze die Zeit, um in der Kabine auszuruhen, wo ich keinen störe. Zum Abendessen sieht der Himmel vielversprechend aus, vielleicht haben wir ja doch noch Glück?

Stamsund

In Stamsund ist der Himmel klar, aber keine Spur von Nordlicht. Alle Prognosen sind auch pessimistisch: Die Polung ist falsch, es kommt einfach nichts zu uns durch. Kurz vor Svolvær zeigt der ACE-Satellit etwas brauchbarere Daten – wird es in ein, zwei Stunden im Raftsund klappen? Wäre ja toll. Und die Hoffnung stirbt zuletzt (aber sie stirbt!).

Die Nordkapp

Zwischen Stamsund und Svolvær ist nichts, nur die südgehende MS Nordkapp bringt Licht in die Nacht. Erstes Schiff, erste Liebe… klar, dass ich an Deck bin und dem Schiff zuwinke, auf dem ich meinen ersten Touren hatte. Sie fährt schön nahe an uns vorbei, und die Schiffe begrüßen sich mit lautem Hupen. Immer wieder eine schöne Tradition:-) Ein paar Minuten später erreichen wir dann auch Svolvær auf den Lofoten.

Galerie Dagfinn Bakke

In Svolvær sorgte der Wind für unangenehme Temperaturen, sodass ich es bei einem kleinen Spaziergang durch die Dunkelheit belasse. Ein Ziel ist die Galerie von Dagfinn Bakke. Als die Hurtigrutenschiffe noch alle individuell ausgestattet waren, hatte er die Finnmarken mitgestaltet und ist für seine Cartoons ebenso bekannt wie für die (unbeleuchtete) Statue der Fischerfrau, die am Hafeneingang von Tromsø steht. Am 1. Januar 2019 starb der Künstler 85-jährig, seine Galerie wird aber weiterbetrieben. Heute hat sie zu, die Öffnungszeiten sind meist bei Tag (verständlicherweise).

Die Fahrt durch den Raftsund ist ruhig: Sternklarer Himmel, überraschend wenig Schnee an den Berghängen, und keine Spur von Polarlicht. Frust.

Ein Hauch von Nordlicht

Kurz vor dem Trollfjord, ein paar Minuten nach 23 Uhr, zeigt zumindest die Kamera einen Hauch von Grün. Visuell: Ich müsste lügen, wenn ich sagen wollte, dass da was mit Sicherheit zu sehen wäre… Trotzdem lasse ich meine Kamera mal laufen. Am Trollfjord bewegt der Käptn das Schiff passt perfekt: Erst wird der Fjord vom Bug aus beleuchtet, dann dreht das Schiff, und er ist vom Heck aus zu sehen, wo magischer Trolltrunk verkauft und Fiskekake serviert werden. Und dann: Tatsächlich ein helleres Grau am Himmel – das Nordlicht lebt!

Zumindest ein wenig… als ich meine Kamera vom vollen Deck 7 wieder auf 5 gebracht und aufgebaut habe, ist schon wieder nur diffuses grünes Licht zu erahnen. Kurz nach Mitternacht ziehen dann auch Wolken aus. Das war es wohl für diese Nacht. Das Ergebnis im Zeitraffer sieht ganz nett aus, aber irgendwie muss da doch noch mehr gehen.

Ein Hauch von Nordlicht im Raftsund…