Tag 1: Gut wieder hier zu sein

Die neun Monate seit der letzten Reise haben zwar viel zu lange gedauert, andererseits waren sie so voll mit Terminen und Deadlines, dass es dann doch Schlag auf Schlag ging: Die nächste Tour steht an, vom 3. bis 14. November heißt es wieder Nordlicht auf der Nordkapp. Da der Flug von SAS durchgeführt wird, stört mich der Flugbegleiterstreik bei der Lufthansa auch nicht weiter, und Stuttgart ist ohnehin ein übersichtlicher Flughafen – alles bestens.

Jede Menge Nebel

Jede Menge Nebel

Naja, fast… Meinen Parkplatz habe ich wieder über den Flyaway-Service gebucht, nachdem das letztes Mal sehr gut geklappt hatte. Der Flug ging um 10:00, den Termin am Parkplatz hatte ich auf 7:30 gelegt, um genug Luft wegen Staus und Securitiy-Checks zu haben, und pünktlich um 7:25 war ich dann auch vor Ort. Nur mein Shuttleservice nicht, die Tiefgarage wird saniert, und ein Ausweichparklatz war nötig, irgendwas mit Plieningen und SI-Zentrum, und ohne Adresse für’s Navi. Die Fahrtstrecke wurde mir per Handy erklärt, An der B irgendwas rechts ab… Nur ist diese blöde Bundesstraße? Schließlich hatte ich es geschafft, für fünf Minuten Fahrtstrecke eine Stunde zu brauchen und noch einen Abstecher zum Fernsehturm zu machen. Wer Stuttgart kennt weiß: Ja, der liegt ganz wo anders. Der Trip fängt ja gut an… (Den Flyaway-Service nehme ich nächstes Mal wieder, aber vorher speicher ich mir alle Parkplätze im Navi.)

Aber wofür hat man Sicherheitsspielraum einkalkuliert. Um viertel vor neun war ich dann am Flughafen, trotz der Kameraausrüstung in fünf Minuten durch den Sicherheitscheck und hatte sogar noch Zeit, um auf den Flieger zu warten. Im dichten Nebel war von der Umgebung nichts zu sehen, erst nach dem Start änderte sich der Anblick schlagartig: Kaum hatten wir etwas Höhe gewonnen, gab es wieder strahlend blauen Himmel mit abnehmendem Mond, und es war wunderbar zu erkennen, wie die Täler vom Nebel verhüllt waren.

Der Flug ging über Kopenhagen, wo genug Zeit zum Umsteigen war. Auf dem Rückflug wird’s interessant: Da habe ich nur rund 40 Minuten, mein Gepäck wird es wahrscheinlich nicht schaffen… Kopenhagen ist durchaus hübsch (auch wenn Douglas Adams so schön gesagt hat, dass es das Sprichwort „So schön wie ein Flughafen“ aus gutem Grund nicht gibt), aber auch relativ groß. Mal sehen, wie weit Lande- und Start-Terminal auseinander liegen. Auf dem Flug waren auch schon die ersten Gäste, mit denen ich im Flieger und am Flughafen Bergen ins Gespräch kam.

Am Bergen Lufthavn wartete schon Jürgen, einer unserer beiden Reiseleiter. Bis zum Abflug dauerte es aber noch ein wenig, da zwei weitere Maschinen erwartet wurden, eine davon mit meiner Kollegen Moni – einer alten Kollegin von Astronomie Heute, die jetzt das erste Mal auf Hurtigrute geht. Die zweite Reiseleiterin (noch eine Monika – so kann ich mir die Namen wenigstens merken) war auch schon da.

Als alle Flieger da waren, war der Flughafen fest in unserer Hand: Etwa 60 der rund 80 Gäste waren jetzt am Nachmittag gelandet, die anderen waren schon etwas länger hier. Mit zwei Bussen fuhren wir dann mit einem kurzen Abstecher durch Bryggen zum Schiff: Einchecken, und – in meinem Fall – gleich wieder auschecken, und im nächsten Markt mit Getränken, Souvenirs und Snacks eindecken. Nur für den Fall, dass das Wetter wieder sehr gut wird und ich das Frühstück des öfteren verschlafe… Bergen zeigte sich mal wieder von seiner regnerischsten Seite; erst als ich wieder auf dem Schiff war, ließ der Regen nach.

Das Buffet war gut wie immer, und im Gespräch mit den Kollegen von der Reiseleitung wurden gleich die ersten Termine abgeklärt. Mal was neues: Der Vortragsraum stand schon am zweiten Tag (also morgen Vormittag, am ersten richtigen Tag der Reise) zur Verfügung. Gar nicht schlecht – so konnte der Einstiegsvortrag mit atmosphärischen Phänomenen, Polarlichtern und Fototipps noch vor Ålesund und Trondheim stattfinden, sodass jeder eine Chance hat, seine Fotoausrüstung zu ergänzen. Der einzige Nachteil: Die Ausschiffung von Bergen ging für den Feinschliff am Vortrag drauf. Schließlich wollten Moni und ich ihn gemeinsam halten, und da ist ein bisschen Absprache keine Fehler.

Zwischen Abendessen und dem ersten Arbeitsmeeting (ich bin hier ja nicht im Urlaub) war dann noch der frustrierte Blick auf die Polarlichtvorhersage (im Augenblick sehr aktiv, aber bei den Wolken keine Chance) und die Willkommensveranstaltung der Crew im Panoramasalon. Schade – kaum ein bekanntes Gesicht, also gibt’s auch für meine vierte Tour auf der Nordkapp eine neue Crew. Die Besatzung fährt ja normalerweise immer zwei Runden am Stück und hat dann erst einmal frei. Macht aber nichts: Mit Tourguide Anna lässt sich ebenfalls gut zusammen arbeiten, und in den Rest habe ich auch volles Vertrauen.

Feierabend war dann gegen ein Uhr, während unser Schiff bei recht ruhiger See Kurs um das Westkapp nimmt. Mal sehen, wie alle das erste Geschaukel zum Einstieg vertragen:-)

Tag 2: Ålesund und First Light

Der zweite Tag der Reise, und schon volles Programm: Unser erster Vortrag um 10:00 morgens findet noch vor dem ersten Etappenziel statt. Vorher natürlich Frühstück – die Etappe nach dem Westkapp ist immer spannend, da wir hier offene See haben. Mit anderen Worten: Normalerweise schwanken alle schön durch das Restaurant. Diesmal ist die See aber vergleichsweise ruhig, und der Speisesaal gut gefüllt. Auf vielfachen Wunsch hier das Buffet:

Irgendwann gewöhne ich mich noch wirklich an diesen Braunen Käse…

Da wegen Ålesund das Mittagessen vorverlegt wird, gibt es für unseren Vortrag sogar ein echtes, fixes Zeitlimit. Und dass, wo ich beim ersten Termin doch immer gerne überziehe… Den Vortrag teilen wir uns, Moni erzählt über Regenbögen, Halos und Nebensonnen, anschließend kümmere ich mich um die Polarlichter. Die Zeit kriegen wir sogar gut hin: Eine Punktlandung von einer Stunde. Dann kam ich mit dem Bonusprogramm an: How to knips a Nordlicht. Das hat sich gelohnt, praktisch alle Gäste waren beim Vortrag, und über den Tag hinweg kamen auch immer wieder Fragen zu den Kameras. So kommt man auch mit den Leuten ins Gespräch. Fast die Hälfte der Passagieren gehört ohnehin zur Themenreise Nordlicht und Sterne, sodass es auf dem Schiff schön gemütlich ist. Ein paar neue Kameras habe ich dabei auch wieder kennengelernt…

Ein paar Änderungen auf dem Schiff fallen nebenher auch immer wieder auf. Die Handmikrofone im Vortragsraum wurden durch Headsets ersetzt (Geschmackssache), und die Pepsi Maxx durch Coca Cola. Da hat mich dieses Schiff zur Pepsi Maxx verführt, und dann verschwindet sie von der Karte. Die Getränkekarte mit den Softdrinks ist übrigens auf der letzten Seite der Weinkarte versteckt:-) Und da gerade jedes Schiff einen Werfttag einlegt, um die Teppichböden zu reinigen, begegnen wir auch anderen Schiffen.

Alt trifft neu: Bankskøyta

Alt trifft neu: Bankskøyta

Am Mittag steht dann Ålesund auf dem Programm, die Jugendstilstadt. Ich zerre Moni einmal durch das Zentrum und hoch auf den Aksla – mein Standardprogramm darf sie auch kennen lernen, ob sie will oder nicht. (Gut, Widerstand hat sie keinen geleistet.) Das Bankskøyta-Projekt macht gute Fortschritte, der Schiffsnachbau am Anlegeplatz der Nordkapp ist gegenüber Februar schon ein gutes Stück weiter. Der Aksla ist der Hausberg und bietet einen wunderschönen Ausblick über die Stadt. Im letzten Winter war die Treppe wegen Renovierung geschlossen, jetzt ist sie fertig und ganz hübsch geworden. Überall Geländer, über 400 feste Stufen – früher war das noch ein echtes Abenteuer, diesmal fast schon komfortabel. Bei angenehmen Temperaturen stellte dann auch mancher Wanderer fest, dass Norwegen nicht kalt ist, und Winterkleidung zum Bergsteigen doch etwas zu warm…

Der Troll vom Souvenirshop

Der Troll vom Souvenirshop

Der Blick vom Aksla ist natürlich immer wieder schön, und der kleine Skywalk / Balkon ist auch gut besucht. Oben auf dem Berg treffen wir auch wieder einige von unserer Gruppe, darunter auch einige Wiederholungstäter. Der Rückweg führt natürlich durch den Souvenirshop und mich in das Einkaufszentrum samt Buchladen. Ich mache reiche Beute…

Nach Ålesund geht es sehr entspannt weiter, man trifft sich am Bug, kommt ins Gespräch und genießt das zunehmend besser werdende Wetter. Ich habe nichts zu tun, keine weiteren Termine, den Nordlichtfilm am nachmittag kenne ich ja schon… bis mir das Meeting der Gruppe mit Vorstellungsrunde und so einfällt, das wir für 17:00 angesetzt hatten. Dabei hatte ich da nach dem Vortrag noch selber darauf hingewiesen. Ups. Beinahe den Sektempfang vergessen:-) Typischer Hurtigruteneffekt: Sehr schnell weiß man nicht mehr, wo man gerade ist, und es ist einem auch egal.

Also erst der kleine Empfang, dann das Abendessen, dann ein gemütlicher Abend. Ab und zu mal rausgehen, da die Polarlichtvorhersage wieder in den Keller geht, sollte es aber eine ruhige Nacht sein.

Nette Theorie – und zum Glück falsch, das erste schwache Polarlicht zeigt sich, sodass ich alle heraustrommle, den grauen Streifen zum Polarlicht erkläre und das mit der Kamera auch beweisen kann. Die kleine Panasonic hat sich schon bezahlt gemacht. Meine Nikon mit dem Weitwinkel wird schon mal an die Reling geschnallt, die Ergebnisse gibt’s dann am Ende der Reise als Zeitraffer. Beeindruckend für das Auge war das natürlich noch nicht, da die Farben nur zu erahnen waren, aber so weit im Süden Licht zu sehen, ist schon mal nicht schlecht.

Etwa eine Stunde lang konnte so jeder schon einmal Polarlichtfotos fotografieren, grob von 21 bis 22 Uhr. Mit dem Einlaufen in Kristiansund endete dann auch diese Session, danach sorgten Wolken und gleichbleibende Polarlichtaktivität für einen ruhigen Abend.

Das frühe erste Polarlicht sorgte auch für gute Kontakte mit den Gästen, in aller Gemütlichkeit stießen einige auf das erste Licht an – tusend takk!

Tag 3: Trondheim und Second Light

Ich vergesse immer wieder, wie wenig ich an Bord zum bloggen komme – während ich in diesem Beitrag Trondheim aufarbeite, sind wir bereits in Honningsvåg, auf der selben Insel wie das Nordkapp. Immerhin hinke ich der Tour nur drei Tage hinterher.

Nach dem ersten Polarlicht war es gestern wieder etwas später geworden, aber da wir bis 12 Uhr in Trondheim sind, besteht kein Grund zur Hektik: Zwei Stunden sind für einen Stadtrundgang eigentlich ausreichend, und die meisten Läden machen eh erst um 10:00 Uhr auf. So oder so war ich rechtzeitig für einen wunderbar kitschigen Sonnenaufgang auf den Beinen. Man glaubt es nicht, was es hier für Farben gibt… Bug voraus bot sich ebenfalls ein schöner Anblick: Die Richard With. Da die Flotte gerade einen Werfttag einschiebt, begegnet die Nordkapp diesmal anderen Schiffen als üblich. Normalerweise wäre die Richard With ja erst am Abend in Rørvik dran. Es lohnt sich immer, die anderen Schiffe zu besichtigen, aber da ich die With schon kenne, will ich es heute doch mal wieder nach Trondheim schaffen.

Jürgens Tipp war das Rockmuseum, aber uns zieht es erst einmal in die Stadt, einkaufen ist angesagt. Im Vortrag gestern konnte ich ja rechtzeitig meine drei Ratschläge geben:

  • Lernen Sie Ihre Kamera kennen.
  • Überprüfen Sie alles.
  • Und damit meine ich alles.

Ich wüsste gerne, wie viele Stative und Putzmittel der Fotohändler in Trondheim wegen mir schon verkauft hat:-)

Der übliche Rundweg führt durch die Innenstadt mit Einkaufszentrum vorbei. Am Marktplatz findet gerade eine Ausgrabung statt, bei der Fundamente aus der Zeit um etwa 1700 (wenn ich mich richtig erinnere) freigelegt werden. Die Statue des Wikingerkönigs Olav Tragvason überwacht das und trägt zurzeit Schal. Nach einem Abstecher zum imposanten Nidaros-Dom geht es über die Gamle Bybroen durch ein paar Straßen mit schnuckligen Häusern wieder zurück Richtung Hafen und Schiff.

Blick auf Munkholmen

Blick auf Munkholmen

Die Fahrt aus dem Trondheimfjord heraus ist wunderschön, und das Wetter spielt auch mit: Stellenweise gibt es blauen Himmel. Nachdem wir die Insel Munkholmen passiert haben, wird es leerer an Deck – das Mittagessen ruft. Das Wetter ist wechselhaft, aber trocken, und von Herbststürmen ist nichts zu sehen – die See ist ruhig. Wer dem Essensruf widersteht und an Deck geblieben ist, kann zuschauen, wie die Weihnachtsbeleuchtung hochgezogen wird. Und das, wenn wir abends Nordlichter schauen wollen…

Eigentlich würde ich an diesem Nachmittag den ersten Vortrag halten, aber da das schon erledigt ist, kann ich mir in aller Ruhe den Kjeungskjær fyr anschauen, Norwegens wohl bekanntesten Leuchtturm.

Nordwärts vertreibe ich mir die Zeit damit, den nächsten Vortrag schon einmal vorzubereiten; ein paar tagesaktuelle Bilder sind ja immer dabei – nicht zuletzt die Wetter- und Polarlichtvorhersage. Eine Wolkenfront verfolgt uns, aber es gibt noch Chancen. Und Abend heißt es wieder Bingo: Erneut ist ein Polarlichtband zu sehen, diesmal sogar von einem Gast zuerst erspäht. Mit dem bloßen Auge ist nur etwas Grün zu sehen, aber die Kameras zeigen schon sehr schönes Grün. Es ist immer gut, wenn man am Anfang schon mit der Kamera arbeiten kann.

Für mich war das die Gelegenheit, mich bei der Crew unbeliebt zu machen: Auf Nachfrage wird die Beleuchtung auf dem Heck abgeschaltet – und mit etwas Widerwillen auch die Lichterkette. Dabei war der Maschinenchef so stolz darauf. Hoffentlich besucht er mich nicht einmal abends in der Kabine oder dreht mir die Heizung ab…

Diejenigen, die schon einmal Nordlicht gesehen haben, sind zwar nicht allzu beeindruckt, aber: Nimm, was du kriegen kannst! Immerhin sind wir noch ziemlich weit im Süden, was gut ist: Je mehr jetzt geübt wird, desto besser kann man später eine echte Show genießen. Auf den Fotos sieht man dann auch sehr gut, wie das Polarlicht mit den Wolken gekämpft hat. Es ist heller als letzte Nacht, dafür gibt es auch mehr Wolken…

Der Kampf gegen die Wolken.

Der Kampf gegen die Wolken.

Tag 4: Polarkreis, Bodø und Lofoten

Dinge, die ich regelmäßig verpasse, Teil 1: Die Polarkreisüberquerung. Zumindest, wenn es am Vorabend noch Polarlicht gab und ich bis spät in die Nacht Bilder gesichtet und zum Film zusammengebastelt habe. Kurz nach sieben Uhr morgens war es diesmal so weit: Die Nordkapp überquert den Polarkreis, und das Hupen weckt sogar mich. Zum Aufstehen langt es trotzdem nicht, und es waren wohl auch nicht viele Gäste an Deck. Für schöne Fotos ist es auch noch zu dunkel… Mir tut die Crew immer leid, die um die Zeit versucht, Champagner zu verkaufen, während zumindest die Nordlichtfahrer noch im Bett sind – und im Augenblick stellt unsere Gruppe fast die Hälfte der Passagiere.

Das hübsche Örtchen Ørnes um Viertel nach neun ist ohnehin eindrucksvoller als die Insel mit der Polarkreiskugel: Die roten Häuschen zwischen den hohen Bergen sind ein echtes Postkartenmotiv.

Nach der Abfahrt aus Ørnes wird der Polarkreiswettbewerb aufgelöst: Der Gewinner, der den Zeitpunkt der Polarkeisüberquerung am genauesten geschätzt hat, erhält ein kleines Präsent und darf sogar als erster getauft werden. King Neptune kam wieder pflichtbewusst an Deck und ist diesmal richtig gut gelaunt. Allerdings trauen sich nicht allzu für die Polarkreistaufe in seine Nähe. Dabei ist es im Winter viel angenehmer als im Sommer, der Unterschied zwischen dem Eis und der Umgebungsluft ist nicht so groß.

Am Mittag in Bodø ist es überraschend windstill – normalerweise kenne ich die Stadt nur mit unangenehmem Wind oder gar nicht, weil ich noch mit dem Vortrag am Nachmittag beschäftigt bin. Dieses Mal gehe ich auch nicht einkaufen, sondern mache etwas Sightseeing mit Jürgen und den beiden Monikas. Von einem der Hotels hat man einen schönen Blick auf die Stadt.

Das Denkmal erinnert an das Unglück der Earling Jarl

Das Denkmal erinnert an das Unglück der Earling Jarl

Beim Weg entlang des Hafens sehe ich zwei neue Dinge. Die Hurtigrute ist ja sehr sicher, aber Unglücke geschehen immer wieder einmal. An Bord der Earling Jarl brach am 8. Januar 1958 ein Feuer aus, als das Schiff in Bodø am Kai lag. 14 Menschen starben, obwohl sofort mit den Rettungsmaßnahmen begonnen wurde. Seitdem wurde die Sicherheitsmaßnahmen noch deutlich verbessert. Das Denkmal, das an dieses Unglück erinnert, hatte ich vorher noch nicht gefunden.

Das Lachsmuseum ist nicht weit von dem Denkmal entfernt, in einer kleinen Ausstellung mit interaktivem virtuellem Fischbecken kann man sich hier über den Lachsfang informieren. Da eine reine Ausstellung langweilig ist, ist auch jemand da, der einen durch das kleine Museum führt. Dass die Lachse aus den Farmen einfach abgesaugt werde und nicht mit den Netzen herausgehoben werden, wusste ich auch nicht.

Das Lachsmuseum

Das Lachsmuseum

Um 15:00 hieß es schon wieder Abfahrt aus Bodø, und eine halbe Stunde später stand mein zweiter Vortrag auf dem Programm: Sternbilder, Deep-Sky-Objekte und die griechischen Sagen, dazu eine kurze Erklärung zur drehbaren Sternkarte. Untermalt wurde das mit etwas leichtem Geschaukel, da wir den Vestfjord überquerten. Der Ententeich von Nordsee störte aber kaum, nicht einmal die Leinwand hat gewackelt. Bei dem anschließenden Gespräch vor dem Vortragsraum war schon etwas mehr Bewegung, aber die Probleme hielten sich in Grenzen (soweit ich das mitbekommen habe). Wie es so schön heißt: Eine Hand für das Glas und eine für das Schiff.

A propos: Auch auf dieser Fahrt macht der Tour Guide auch ein kurzes Briefing, wobei es diesmal weniger um Wetter und Polarlichter geht als vielmehr um Essen (das neue A La Carte Menü muss promoted werden), die Ausflüge, und den Wein zu Abendessen. Von wegen „In Norwegen gibt es nichts geschenkt“: Wir dürfen ihn sogar einmal probieren.

Das Wikingerfest mache ich wohl nächstes Jahr wieder mit (die Show in dem rekonstruierten Langhaus macht mir immer wieder Spaß), diesmal hatte ich Zeit, um die Landschaft zu genießen. Leider war es regnerisch, heute also keine Chance für Polarlichter. Die Kamera zeigte einen Hauch von grünen Wolken: Die Aktivität war sehr gut, aber die Wolken waren stärker. In Svolvær war es regnerisch, mehr als ein kurzer Gang zum örtlichen Narvesen war nicht drin. Magic Ice ist ganz hübsch, aber da war ich letztes Jahr schon, und auf das Kriegsmuseum hatte ich keine Lust.

Am Abend steht noch der Raftsund auf dem Programm: Ab etwa 23 Uhr durchqueren wir die Trennlinie zwischen Lofoten und Vesterålen, vor dem Trollfjord wird wieder Halt gemacht. Bei der Dunkelheit fahren wir natürlich nicht hinein, aber er wird schön beleuchtet, während auf dem Achterdeck Fiskekake und der magische Trolltrunk angeboten werden. Danach lassen wir den Abend gemütlich ausklingen, die Ankunft in Stokmarknes um 1 Uhr ist dann ein guter Zeitpunkt, um Feierabend zu machen.

Tag 5: Tromsø

Finnsnes, rechts im Hintergrund die Gisund-Brücke.

Finnsnes, rechts im Hintergrund die Gisund-Brücke.

Dinge, die ich regelmäßig verpasse, Teil 2: Harstad am Morgen. Die Trondenes-Kirche kenne ich daher nur von Land, von der Vesterålen-Rundfahrt, daher aber sogar von innen – mit dem Schiff fahren wir ja zum Glück nur an ihr vorbei. Der erste Hafen, den ich wach mitkriege, ist immer Finnsnes. Ein hübscher kleiner Ort mit einer großen Brücke, unter der unser Schiffchen aber noch gut hindurch passt. Zu den Dingen, die mich in Norwegen immer faszinieren, gehören die Veränderungen in der Sprache. Vor 100 Jahren waren Schreibweisen wie Finsnes statt Finnsnes und Aalesund statt Ålesund noch üblich. Im Schiffsshop und im Hurtigrutenmuseum gibt es ein paar gute Bücher zur Geschichte des Coastal Express, die auch Bilder der alten Häfen zeigen.

Die Route von Finnsnes nordwärts ist wunderschön und führt an puderbezuckerten Bergen vorbei, auch das Wetter spielt mit. So gehört sich Norwegen.

Das Highlight des Tages ist natürlich Tromsø, das „Paris des Nordens“. Spätestens seit dem Briefing gestern Abend ist es offiziell, dass die Schlittenhundetour nicht stattfindet: Zu wenig Schnee. Das war ja auch Ende letzten Novembers schon das Problem, als ich für ein paar Tage zum Polarlichtgucken hier oben war und die Stadt ganz gut kennen lernte.

Es ist gut, dass die Tour abgesagt wird – eine Schlittenhundetour durch den Matsch macht auch keinen Spaß. Der Vorschlag für die Alternativtour 5x: Gassi mit Husky wird auch nicht umgesetzt… Für mich stand aber ohnehin ein straffes Alternativprogramm an: Erst in das Hotel, das für Silvester gebucht ist (Parkplätze und heißes Wasser reservieren), dann in die Buchhandlungen zu Souvenirs kaufen (Nemi-Comics – kein schlechter Einstieg, um die Sprache zu lernen), anschließend zur Touri-Info, dann ins Nestrada-Einkaufszentrum (diesmal erfolglos) und zwischendrin immer wieder die Beute auf’s Schiff bringen.

Der FahrtkartenkonTroll. Gefährlich!

Der FahrtkartenkonTroll. Gefährlich!

Für Fotografie bleibt auch genügend Zeit. Da die Fjellheisen-Seilbahn auf den Storsteinen hinauf zurzeit geschlossen ist und erst im Frühjahr irgendwann wieder öffnet, war genug Zeit für alles. Es lohnt sich immer, auf die kleinen Details zu achten. Am Bus nach Alta warnt ein Aushang: Pass deg for billetkontroll – Hüte dich vor dem Fahrkartenkon-Troll. Sehr nett.

Ein anderer Punkt, der in Tromsø auch langsam zur Tradition wird: Essen gehen. Da das Wetter ganz brauchbar war, ließ ich das Abendessen auf dem Schiff mal wieder ausfallen und stattete der Pastafabrikken einen Besuch ab. Die 14-Euro-Pizza geht schnell und ist okay, außerdem ist die Pastafabrikken nur wenige Minuten vom Schiff entfernt. Yonas Pizzeria wäre noch näher (sie ist in einem der roten Gebäude, die auf der Webcam vom Schiff immer zu sehen sind), aber da dauert es etwas länger – bessere Lage, mehr Kundschaft. Die Pastafabrikken ist etwa mit unserem Vapiano vergleichbar.

Im Hafen waren schon die ersten schwachen Lichter über dem Schiff zu sehen, daher hielt ich wieder Polarlichtwache. Die Weihnachtsbeleuchtung wurde übrigens schon wieder abgebaut. Ich hoffe mal, nicht wegen mir… Trotzdem konnte ich unsere Leute in aller Ruhe essen lassen, diesmal musste ich keinen Streit mit dem Restaurantchef riskieren. Und im Lauf des Abends konnte die Aurora sich gegen die Wolken durchsetzen: Es war nicht die ganz große Show, aber sie tanzte für uns, und mittlerweile glauben mir auch immer mehr, dass sie wirklich grün ist. Also ab mit der Nikon an die Reling und auf Intervallaufnahme gestellt.

Die Farben waren natürlich nicht so intensiv wie auf diesen Bildern mit fünf Sekunden Belichtungszeit, aber es war schon eindrucksvoller als in den letzten Tagen – langsam wird’s, und mit den Kameras gab’s auch keine Probleme mehr. Ebenso schön: Ich bin ja jetzt mit zwei Kameras unterwegs, und die kleine Panasonic LX-100 schlägt sich sehr wacker – die nächsten Bilder entstanden mit der „Kompaktknipse“:

Das war doch schon mal ein schöner Tagesabschluss.

Einen Lacher gab es noch gegen 21:00: Durch den verschobenen Fahrplan begegneten wir der MS Lofoten auf See. Wie üblich begrüßten beide Schiffe sich mit dem Typhon. Als die Quäke der Lofoten auf das satte Tröööt der Nordkapp antwortete, ging bei uns an Deck das Gelächter los.

Tag 6: Honningsvåg und Nordkap

Kurs auf Nordkapp

Kurs aufs Nordkap

Wahnsinn – jetzt ist schon wieder fast die halbe Reise rum. Die Schiffsbegegnung weit westlich vom Nordkap habe nur im Halbschlaf mitbekommen, aber das macht nichts: Die raue Landschaft hier zieht einen auch im Lauf des Tages noch in ihren Bann, und die Gefahr zu verhungern besteht auch nicht. Ich verlasse die Kabine zwar erst kurz vor 10, nachdem ich die letzten Bilder von gestern durchgesehen habe, und bin so pünktlich zur Restaurantschließung da, aber eine halbe Stunde später gibt es schon wieder Mittagessen. Der Grund: Um 11:15 erreichen wir Honningsvåg, und dann fahren auch schon die Busse zum Nordkap ab.

Honningsvåg ist erstaunlich schneefrei. Anscheinend hat es gestern gut geregnet, sodass der Schnee Geschichte ist. Schade eigentlich, denn verschneit ist das Örtchen noch um einiges schöner. Auch dieses Mal wiederhole ich die Fahrt zum Nordkap nichtsondern sehe mir die Ecken von Honningsvåg an, die ich noch nicht kenne. Dieses Mal: Der Aussichtspunkt über der Stadt. Wenn es Schilder gibt, habe ich sie weitestgehend übersehen, aber der Ort ist ja überschaubar. Nach einigen Höhenmetern ist das Ziel erreicht: Neben dem Friedhof ist eine Büste – wenn ich mich richtig erinnere, geht sie auf einen Filmdreh zurück. Von dort bietet sich ein schöner Rundblick über die Bucht.

Der Blick über die Stadt ist sehenswert und lohnt den Aufstieg; bei etwas Restglätte ist der Abstieg schon interessanter. Ohne Spikes möchte ich hier im Winter nicht unterwegs sein… Am Horizont ist etwas blau zu sehen, die Gruppe am Nordkap hat Glück mit dem Wetter. Vom Berg aus ist auch die Kirche zu sehen, die als einziges Gebäude nach dem Rückzug der deutschen Truppen im 2. Weltkrieg noch stand. Sinnlose Zerstörung.

Ich gönne mir nur einen kurzen Rundgang durch die Stadt und besuche die Kirche nicht, stattdessen gehe ich einmal rund um den Hafen. Ohne Schnee im Vordergrund gibt unser Schiff keine so schöne Kulisse ab wie im Februar, dafür ich sehe der üblichen Sicherheitsübung der Crew von außen zu: Ein Rettungsboot wurde zu Wasser gelassen. Rund um das Hafenbecken gibt es einige Skulpturen (was für den nächsten Ausflug), und aus angeschwemmtem Treibgut wie Gummistiefeln wurde Kunst gemacht.

Am Hafen darf ein Besuch beim Denkmal für Bamse nicht fehlen, den Träger des Norwegischen Hundeordens. Er begleitete sein Herrchen im 2. Weltkrieg und war mit Seemannsmütze auf vielen Postkarten in die Heimat abgebildet. Dahinter ist der Souvenirshop; das Nordkap-Museum im selben Haus ist gerade wegen Umzug geschlossen und eröffnet im Fühjahr noch näher am Hurtigrutenkai.

Gegen 14:45 verlassen wir Honningsvåg wieder, und gegen 16:30 steht die Finnkjerka auf dem Programm. In der Nacht wirkt die Beleuchtung eindrucksvoll. Irgendwann will ich mal wissen, ob es für diese Gesteinsformation eine offizielle norwegische Schreibweise gibt. Finnkjerka, Finnkirke, Finnkirka – irgendwie habe ich alles schon mal gelesen… Ein paar Probebilder zeigen auch schon wieder Polarlicht, wenn auch bei bedecktem Himmel. Kurz darauf kommt auch schon der Krabbenfischer an Bord, der bis Kjøllefjord seine Haustiere präsentiert.

Krabbenstreicheln auf Deck 7.

Krabbenstreicheln auf Deck 7.

Die große Polarlichtshow gibt es heute nicht, daher stört es auch kaum, dass bis Kjøllefjord auf Deck 7 Krabben gestreichelt werden können. Der Fischer macht wie immer eine interessante Show und Appetit auf das Nordkap-Buffet, das ab 18 Uhr auf die Passagiere wartet.

Der Abend ist weitestgehend ruhig, auch die See ist für diese Breitengrade angenehm ruhig. Lärm macht nur die Nordlys, der wir bei Berlevåg begegnen: Dort hat der Tourguide wohl zur Vinkekonkurranse aufgerufen, die die Nordlys klar gewinnt. Bei uns gibt es nur ein paar wenige, die darauf vorbereitet waren. Die beiden Schiffe passieren einander mit wenig Abstand, aus Januar und Februar kenne ich so enge Schiffsbegegnungen überhaupt nicht.

Mangels Polarlicht gibt es die Gelegenheit, sich der Bar zu widmen. Blöd: Pepsi Maxx ist anscheinend ganz aus dem Programm genommen, und Guiness ist alle – eventuell südgehend ab Trondheim wieder. Ich kann so nicht arbeiten (auch wenn das Nordlys der Mack Brauerei durchaus trinkbar ist).

Tag 7: Kirkenes, Hexendenkmal und Polarlicht

Der Hafen von Kirkenes

Der Hafen von Kirkenes

Der Wendepunkt der Reise ist nicht der östlichste Punkt: Kirkenes liegt schon wieder ein Stück westlich von Vardø und nicht mehr im Einflussgebiet des Golfstroms, daher gibt es hier sogar schon Schnee. Die Lichtstimmung am frühen Morgen ist immer wieder beeindruckend und hat etwas unwirkliches. Die Stadt selbst ist einige Minuten vom Hafen entfernt, bietet aber nicht genügend Sehenswürdigkeiten, als dass ich jetzt noch einmal dorthin gehen müsste – ich war ja zuletzt vor neun Monaten dort. Der Ausflug zum Schneehotel oder die Huskyfahrt finden um diese Jahreszeit ebenfalls noch nicht statt: den Huskies ist es zu warm, und es gibt noch zu wenig Schnee, sodass weder Schlittenfahren noch Hotel bauen möglich sind. Die Alternative wäre die Fahrt zur russischen Grenze. Einige aus unserer Gruppe machen diese Tour auch: Durch die Flüchtlingskrise ist sie interessant geworden, da über Russland schon zahlreiche Flüchtlinge nach Europa kommen. Weil die Grenze nicht zu Fuß überquert werden darf, werden in Russland für ein Heidengeld Fahrräder verkauft, die hier dann entsorgt werden (oder vielleicht auch nach Russland gehen, um erneut verkauft zu werden). Der große Container, in dem sie einem Fernsehbericht zufolge landen, wird auf der Tour aber nicht gezeigt.

Blick aus dem Hafen.

Blick aus dem Hafen.

In Kirkenes leert sich das Schiff, es steigen nicht allzu viele Gäste zu – zu den Neuankömmlingen gehört aber auch eine Familie aus Syrien, die per Schiff in ein neues Flüchtlingslager gebracht wird. Die Welt ist klein…

Da die Nordkapp nächstes Jahr umgebaut werden soll, nutze ich die Gelegenheit, um noch ein paar Bilder vom leeren Schiff zu machen – die meisten Passagiere vertreten sich doch einmal die Beine in Kirkenes. Da ich die Nordkapp für das schönste Schiff der Flotte halte (ich mag voreingenommen sein), hoffe ich, dass sie ihren Charme behält. Wäre sehr schade drum – aber auch bislang hat ja jedes Schiff seinen eigenen Stil. Natürlich ist das Licht hier oben nicht besonders fotografenfreundlich, aber egal.

Die Überfahrt nach Vardø schaukelt ein wenig, ist aber noch weit von den gefürchteten Herbststürmen entfernt. Trotzdem erreichen wir Vardø erst kurz vor 16:00 – die Hurtigruten-App gibt 15:45 als Ankunftszeit an, der Fahrplan auf dem Schiff 16:00 Uhr… Wie dem auch sei, es bleiben immerhin gut 45 Minuten für die Stadt. Wer nicht selber Eisbaden will oder zumindest den Unverfrorenen dabei zuschauen möchte, kann die Festung Vardøhus besuchen (klein, aber hübsch), in das Museum über den Pomorenhandel gehen (etwas weiter weg) oder sich beeilen und das Hexendenkmal besuchen. Ich entscheide mich für letzteres – da kaum Schnee liegt, sollte der Weg jetzt im November machbar sein. Zu jeder größeren Stadt legt das Schiff ja Karten aus, diesmal ist der Weg sogar eingezeichnet. Gut 12 Minuten… Bei Schnee würde ich das nicht riskieren.

Für den größten Teil der Strecke gibt es Schilder, die einen durch den hübschen Ort lotsen. Ab Kirche und Friedhof beginnt das Abenteuer: Die Straßenbeleuchtung endet, und den Weg am Friedhof entlang muss ich mir mit der Taschenlampe suchen. Nach einem Parkplatz (soweit das in der Finsternis zu erkennen ist) geht es querfeldein: Ein paar Lichter sind am Fuß der Anhöhe zu erkennen, das muss es wohl sein. Quer durch den Acker stoße ich dann auf das langgestreckte Gebäude; je eine Rampe führt zu den Türen an beiden Enden des Steilneset minnested bzw. Heksemonument.

Es ist beeindruckend: Ich bin alleine in dem schummrig beleuchteten, langen Gang, und der Wind pfeift durch das Gebäude. Für jedes Opfer der Hexenverbrennungen gibt es eine Tafel mit den Anklagepunkten und ein kleines Fenster, in dem eine Glühbirne brennt. Viel mehr als fünf oder zehn Minuten bleiben mir leider nicht, da ich das Schiff nicht verpassen will – eigentlich viel zu wenig.

Vardø

Vardø

Der Rückweg ist spannend, da der Fußweg zur Kirche nicht zu sehen ist. Also wird wieder querfeldein durch Schnee und Wiese gejoggt, sodass ich dann rechtzeitig mit den Eismeertauchern wieder am Schiff bin. So faszinierend es ist, durch den Zeitdruck kann ich es als Exkursion nur bedingt empfehlen. Man muss schon bereit sein, ein paar Meter zu rennen.

Auf dem Schiff wartet dann auch gleich der nächste Programmpunkt: Moni hält ihren ersten Vortrag, nachdem wir an Vardø abgelegt haben. Es geht zwar über offene See, aber es ist ruhig genug für einen Blick auf die Sonne – der Stern von dem wir leben, und vor allem die Quelle des Polarlichts.

Nachdem wir Berlevåg abends um viertel nach zehn verlassen, begegnen wir der Finnmarken – und wieder gewinnt das andere Schiff die Winkekonkuranse, bei uns ist es ruhig. Wird Zeit, dass unsere Leute mal an Deck gejagt werden.

Vinkekonkurranse mit der Finnmarken

Vinkekonkurranse mit der Finnmarken

Nächsten Januar fahre ich ja mit der Finnmarken, mal sehen, was dann da abgeht:-) Aber wen interessiert die Lightshow der Schiffe, wenn es am Himmel gut abgeht: Wir haben ausreichend guten Himmel und tolles Polarlicht! Schon vor Berlevåg ging es los, und danach war tolle Show, direkt über uns. Endlich glauben mir alle, dass es wirklich grünes Polarlicht gibt – zumindest alle, die rechtzeitig an Deck sind. Wer zu früh schlafen geht, hat Pech, aber die Nachteulen werden von der Aurora in den Bann gezogen. Eine tolle Show, und viele strahlende Gesichter, als wir das anschließend im Svalbard-Salong feiern: Das Ziel ist erreicht, auch wenn nicht alle die ganz große Show miterlebt haben.

Tag 8: Hammerfest und Feuerwerk vor Tromsø

Die Polarlys vor grandioser Kulisse.

Die Polarlys vor grandioser Kulisse.

Der 10. November begrüßte uns mit richtig schönem Wetter und einer Schiffsbegegnung: Um 8:30 treffen wir die Polarlys, die vor dem Gebirge eine Kurve fährt. Als ich ihr Anfang des Jahrs in dieser Gegend begegnete, hatte sie deutlich mehr gegen den Seegang zu kämpfen; heute bot sie einen fast idyllischen Anblick, als sie durch die See vor Hammerfest kurvte.

Die (zumindest für Tourismuszwecke) nördlichste Stadt der Welt ist der wichtigste Programmpunkt des Vormittags, und zuvor gibt es mit dem  Energiekaffee ein Highlight, auf das ich mich immer ganz besonders freue. Wenn wir die Flüssiggas-Anlage von Melkøya (Projekt Schneewittchen) passieren, wird ein Gebräu nach geheimem Hausrezept serviert. Manchmal gibt’s was überraschend genießbares in Richtung heißer Schokolade, manchmal eine Mischung aus vermutlich 50% Zucker und 50% Schweröl – die genaue Mischung wird nicht verraten. Diesmal war es eine Art Kaffee mit Chili und wahrscheinlich Koriander, die durchaus trinkbar war. Zumindest in der kleinen Portion, die serviert wurde. Mehr hätte es auch nicht unbedingt sein müssen…

Direkt hinter Melkøya taucht auch schon Hammerfest auf, und an steuerbord bietet der Himmel ein prächtiges Farbenspiel. Chic: Der Sikksakkveien (Zickzackweg) ist eisfrei, damit ist steht mein erstes Ziel schon einmal fest. In Januar und Februar habe ich es schließlich noch nie hoch auf den Berg geschafft.

Da wir etwas Verspätung haben (bei etwas rauerer See wird gerne langsamer gefahren, damit die Passagiere nicht so sehr durchgeschüttelt werden, oder es gibt Verspätung, weil mehr Ladung aufgenommen werden muss), haben wir nur etwa eineinhalb Stunden für die Stadt. Das langt aber locker, um Moni zu den klassischen Touri-Fotos mit den Eisbären vor dem Rathaus zu überreden, mein Standard-Foto auf der diesmal völlig schneefreien Bank vor dem blauen Pavillon aufzunehmen und dann den Zickzack-Weg auf den Aussichtsberg Salen zu erklimmen. Ein wenig Eis ist da, aber wir erreichen den Gipfel trotzdem fast zeitgleich mit den Ausflüglern, die die Bustour durch die Stadt gewählt haben. Von da oben hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und den Hafen. Die kleine Grabkapelle links vom Friedhof, der links an die auffällige neue Kirche anschließt, ist ebenfalls gut zu sehen – nur sie hat die Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg überlebt.

Auf dem Plateau gefällt mir vor allem die Wetterfahne mit dem Eisbär. Welcher Wetterhahn würde bei dem Klima auch freiwillig rausgehen… Der Abstieg ist wie erwartet anspruchsvoller als der Aufstieg, auch wenn es kaum glatte Stellen gibt. Auch mit Spikes ist das im Winter nur bedingt empfehlenswert. In Hammerfest trennen sich unsere Wege: Moni macht den Rundgang an den Kirchen vorbei, ich steuere erst die Buchhandlung an (kaum ist man ein paar Monate nicht da, räumen die schon wieder um) und anschließend den Eisbärenklub. Wenn man schon Mitglied ist:-) Der Einkaufsrabatt dort bringt mir mal wieder nichts (dafür lasse ich wieder Geld in der Buchhandlung – mal sehen, wann ich die Einkäufe alle lesen kann), aber er ist immer wieder einen Blick wert.

Nach Hammerfest hält Moni ihren zweiten Vortrag. Wir verpassen so zwar Øksfjord, aber dadurch ist es ruhig genug für eine Reise durch das Planetensystem. Acht Planeten in unter einer Stunde sind immer eine Herausforderung, aber es klappt. Bevor es auf der Lopphavet wieder offenes Meer gibt, sind wir fertig.

Den Rest Tages kann man unter anderem mit Shopping verbringen: Jürgen und ich bringen nicht nur Moni dazu, sich eine Hurtigruten/Helly-Hansen-Jacke zu kaufen, sondern auch noch zwei weitere Passagiere. Wir sollten da eine Provision aushandeln. Irgendwie ist man doch nicht geschäftstüchtig genug…

Da der Hafen von Skjervøy mit dem Abendessen zusammenfällt, sehen wir davon auch nicht viel. Vorher gab es schon ein paar Wolkenlücken mit Polarlicht, aber da klarer Himmel erst für später angesagt war, wollten wir eigentlich eine kleine Manöverkritik zu unseren Vorträgen durchführen. Aber Pustekuchen: Es ist jetzt schon klar, und so verbringen wir den Rest des Abends größtenteils hinten auf Deck 7. Und es lohnt sich: Was für eine Show! Das Polarlicht gibt sich nach einer ruhigeren Startphase richtig Mühe, so eine gute Show hatte ich erst einmal auf dem Schiff. Die Gegend kurz vor Tromsø geht eigentlich immer, das stimmt wirklich. Zum Glück sagt mir einer unserer Gäste Bescheid, als meine Kamera die ersten 1000 Bilder aufgenommen hat und mit dem Intervallprogramm am Ende war – danke nochmal! Nachdem ich die zweite Serie gestartet habe, geht das Feuerwerk richtig los. Einfach nur klasse.

Bis kurz vor Tromsø spielt sich eine Wahnsinnsshow am Himmel an, während im Panoramasalon eine Modenshow abläuft – schließlich steht heute auch das Mitternachtskonzert an, und die Leute wollen wachgehalten werden. Als die Crew dann auf dem Achterdeck die Festbeleuchtung anschaltet, um Stockfisch live zuzubereiten, ist die Stimmung mal kurz richtig schlecht: Wer bei dieser Show das Licht einschaltet, riskiert es, kielgeholt zu werden. Man kann Stockfisch ja auch in genießbaren Zustand versetzen, indem man eine Woche auf ihn einprügelt – oder mit ihm auf jemanden einprügelt. Viel hätte dafür nicht gefehlt, aber die meisten verziehen sich dann doch friedlich auf das dunklere Umlaufdeck, um den Rest der Show zu beobachten. So etwa eine Stunde vor Tromsø geht das Spektakel dann zu Ende und wird passend mit Nordlys-Bier gefeiert. (Hurtigruten gibt ja Nordlicht-Garantie – ich frage mich ob sie sich auf dieses Bier beziehen? Wenn Guinness schon alle ist…)

Das Mitternachtskonzert nehme ich auch diesmal wieder nicht mit. Ich lasse meinen Rechner die Nacht über durchlaufen und verschwinde recht bald im Bett, irgendwie waren die letzten Tage anstrengend. Bis zum nächsten Tag hat er die 2500 Aufnahmen auch bearbeitet und zu Zeitrafferfilmen verarbeitet. Es hat sich gelohnt, die Kamera immer nach achtern zu richten, ansonsten hätte ich nun viele überbelichtete Fotos. Und die kleine Panasonic als Zweitkamera hat sich auch bewährt.

Tag 9: Vesterålen und Hurtigrutenmuseum

Auch die Vesterålenrundfahrt gehört zu den Programmpunkten, die ich irgendwann einmal wiederholen will. Die Trondenes-Kirche samt Museum ist sehenswert, und die Inselwelt sowieso. Mit einer guten Führerin (die diese Gruppe hatte) macht es gleich doppelt so viel Spaß. Die Abfahrt um 8:10 hält mich aber auch diesmal wieder davon ab – ich bin ja nicht zum Vergnügen hier, sondern muss arbeiten und sollte zumindest ansprechbar sein. Also lieber ausschlafen und die Landschaft vom Schiff aus genießen.

Geweisanbrauchung für die Toilette

Geweisanbrauchung für die Toilette

Statt mit dem Bus fahre ich also mit dem Schiff durch eine wunderschöne Landschaft und kann auch ohne Nordlicht ein beeindruckendes Farbenspiel am Himmel erleben. Die Fahrt führt durch den 4,5km langen Risøyrenna-Kanal, der 1922 eingeweiht und seitdem immer wieder vertieft wurde, damit die stetig größer werdenden Schiffe Platz haben – auch die Hurtigrutenschiffe der Millenium-Generation brauchten mehr Platz. Außer den Fahrbahnmarkierungen ist davon natürlich nicht viel zu sehen, aber Risøyhamn hat einen hübschen Hafen.

Die Speisekarte des Tages ist mehr als einen Blick wert. Die Weinempfehlung war ein Gewürstraminer, zu dem leider keine Schlachtplatte gereicht wurde. Dafür gab es als Nachtisch Wildkräuter mit Wildkräutern… So manche Übersetzung hat ihren Reiz; auch die Hinweisschilder auf den Toiletten regen manchen zum Schmunzeln an.

Kurz vor halb eins versammeln wir uns dann am Bug, um traditionsgemäß den Ausflüglern im Bus zuzuwinken, wenn dieser die Brücke überquert. Foto habe ich diesmal kaum: Zusammen mit Monika war ich am Handtuchschwenken, während Anna die Norwegenfahne schwenkte. In Sortland stiegen dann unsere Ausflügler auch wieder alle zu, und die Reise ging weiter Richtung Süden.

Das Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes

Das Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes

Das Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes ist immer einen Besuch wert. Nach einem Blick auf die alte Finnmarken bleibt manchmal noch etwas Zeit für Museum und Shop, leider sind wir etwas spät dran. Nur eine Dreiviertelstunde bleibt für diesen Blick in die Vergangenheit. Im Shop gibt es auch Schiffsmodelle, allerdings nur von der alten Finnmarken sowie der modernen Trollfjord, Midnatsol und Finnmarken – keine Nordkapp. Schade.

Die Finnmarken, die Teil des Museums ist, wurde 1956 in Dienst gestellt und ist somit ähnlich alt wie die Lofoten von 1963/64, wurde aber bereits 1993 außer Dienst gestellt und hofft seitdem auf Finanzmittel, um den Erhalt dieses Oldtimers zu sichern. Nach der Exkursion weiß man den modernen Luxus richtig zu schätzen und fühlt sich auf der Nordkapp gleich doppelt so wohl.

An Bord der alten Finnmarken

An Bord der alten Finnmarken

A propos: Die Nordkapp gehört ja mit Polarlys, Kong Harald und Nordnorge zu den Schiffen, die 2016 modernisiert werden sollen. Gegen eine Renovierung habe ich ja nichts, aber warum mit der Nordkapp ausgerechnet das schönste Schiff der Flotte umgestaltet werden soll, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wer mehr dazu wissen will, findet hier und vor allem hier einige Informationen. Gerade die Doppelbetten in den Kabinen und das Stühle-Chaos im Restaurant überzeugen mich noch nicht so sehr, die aktuellen Bilder sind etwa arg gelbstichig. Und dann werden im Shop des Schiffs gerade die Postkarten mit den Gemälden billig angeboten. Ich ahne Schlimmes – aber warten wir es ab. Nächstes Jahr fahre ich wohl ohnehin nicht auf der Nordkapp. Und bis dahin genieße ich die Fahrt, auch wenn langsam etwas Wehmut aufkommt.

Eine Viertelstunde nach Stokmarknes kommt schon die nächste Aktivität: Auf Deck 7 zeigt der Küchenchef, wir man Lachs zubereitet. Eine Kostprobe gibt es auch dazu, und so mancher weiß jetzt, warum er dabei immer gescheitert ist. Man kann so einen Fisch auch ohne Axt zerlegen:-)

Der Blick über die Relung zeigt derweil düster dräuende Wolken: Schlechte Chancen für den Trollfjord. Allerdings ist es mittlerweile auch schon dunkler als auf der Tour im Februar, sodass ohnehin nicht viel zu sehen ist. Da der Aufenthalt am Trollfjord ausfällt, sind wir eine halbe Stunde früher als geplant in Svolvær. Die Hauptstadt des Lichts ist auf dieser Tour eher die Hauptstadt des Regens. Die Magic Ice Galerie kenne ich schon, im Narvesen war ich auf der Hinfahrt, und das Kriegsmuseum ist wohl vor allem auf Norwegisch beschriftet, also was fängt man mit dem verlängerten Aufenthalt an? Man geht mit zwei Gästen in die Kneipe.

Svolvær hat da durchaus einiges zu bieten, und bei zweieinhalb Stunden lohnt sich das sogar einmal. Von einer urig eingerichteten Kneipe haben wir auch das Schiff im Blick, schließlich wollen wir unsere „Nordknapp“ nicht verpassen. Der Regen ist für meine Schuhe leider zu viel, einer schlägt Leck. Nie wieder deutsche Schuhe; die finnischen Topman by Avec sind um Welten besser.

Pünktlich zum Abendessen begegnen wir der Nordnorge – wider keine Chance bei der Vinkekonkurranse. Auf dem anderen Schiff wehen Banner… Der Abend klingt sehr gemütlich in der Bar aus, während das Wetter letzte Nordlichtsichtungen verhindert.

Tag 10: Vom Polarkreis bis nach Rørvik

Die südgehende Polarkreisüberquerung ist immer relativ gut vorhersagbar: Sie findet etwa um 9:20 statt. Also heißt es wieder einmal früh aufstehen (die Schiffsbegegnung mit der Trollfjord eine Stunde vorher ist ein guter Wecker), das Frühstück ausfallen lassen und ab neun Uhr mit der Kamera auf Deck 7 sein. Das Wetter ist trüb, aber brauchbar, und bald schon kommt die Insel Wiking an Backbord in Sicht. Passieren werden wir sie diesmal wie üblich an Steuerbord, und Tourguide Anna bereitet schon die südgehende Polarkreiszeremonie vor.

Der Hestmannen

Der Hestmannen

Die Lebertran-Ausgabe ist immer wieder faszinierend: Ein Teil der Gruppe vermeidet dieses Ritual, viele machen mit, und einige sogar mehrmals, um sich ein komplettes Service an Lebertranlöffeln zu verdienen. Immerhin bekomme ich nicht mit, dass jemand den Lebertran wegschüttet und nur den Löffel einsteckt. Brav:-)

Der Berg Hestmannen entgeht den meisten wohl. Er markiert den Beginn der längsten Sage – als Reiter mit langem Umhang jagt dieser Troll in der Legende die Magd Lekemøya bis weit hinter Brønnøysund; im Augenblick wirkt der 568 m hohe Berg ruhig und friedlich. Überhaupt ist die Landschaft mehr als nur einen Blick wert. Die Route führt südwärts über den kleinen Ort Nesna bis nach Sandnessjøen. In Nesna halten wir nur eine geschäftige Viertelstunde, in der zwei Gabelstapler Ladung umschlagen. Wer palettenweise Stockfisch sehen will, ist hier richtig.

Ein neuer Mitarbeiter

Ein neuer Mitarbeiter

Die sieben Schwestern verbergen sich mal wieder in den Wolken, und etwas Regen gibt einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Macht nichts: Es ist genug Zeit für ein paar Bilder mit den Gästen. Es macht wirklich Spaß, wenn man mit der Gruppe ins Gespräch kommt, und diese Reise ist sehr angenehm. Vor dem Tourguide-Büro hat sich mittlerweile auch ein neuer Mitarbeiter eingerichtet: Der kleine Troll wohnte bislang im Shop (14000 NOK, wenn ich mich richtig erinnere) und bewacht jetzt die Prospekte.

Aber ich bin ja nicht zum Spaß hier: Um 14:00 steht mein letzter Vortrag über Sternbilder und Mythen an. Der Streifzug durch die letzten 40.000 Jahre kommt gut an, und ich muss wirklich mal wieder an dem Buch arbeiten. Hoffentlich bis nächsten Sommer… In der Zwischenzeit regnet es draußen, sodass es am Abend in Brønnøysund ekelhaft nass ist.

Brønnøysund

Brønnøysund

Bei dem Wetter gibt es eigentlich nur zwei reizvolle Stationen in dem hübschen Städtchen. Die erste ist das Einkaufszentrum. Meine Suche nach Schuhen ist allerdings erfolglos – zwar werden gerade 25% Rabatt angeboten, aber ich will doch keine italienischen Schuhe kaufen. Dafür muss ich nicht nach Norwegen… Also wieder ab zum Frustkauf in die Buchhandlung. Langsam mache ich mir wegen Übergepäck doch Sorgen, aber das ist es wert.

Das eigentliche Highlight in Brønnøysund ist die Eisdiele direkt am Kai, aber bei dem Wetter habe nicht einmal ich Lust auf Eis. Schade, da es zurecht einen sehr guten Ruf hat. Und der Torghatten verbirgt sich bereits in der Finsternis: Der Berg mit Loch bleibt unsichtbar.

Die Offiziere beim Farewell-Drink

Die Offiziere beim Farewell-Drink

Nun, wenn es mit den örtlichen Highlights nicht klappt, dann wenigstens auf dem Schiff: Für einige Gäste endet die Rundreise bereits in Trondheim (für die Nordlicht-und-Sterne-Touren im nächsten Jahr übrigens auch), daher findet das Captain’s Dinner schon heute statt. Wieder einmal lerne ich eine neue Version kennen: Um 18 Uhr lädt das Schiff zum Farewell-Drink in die Panorama-Lounge ein, wo Anna ein Gedicht über die Reise zum Besten gibt (in Deutsch und Englisch, wirklich toll) und die Crew vorstellt.

Gewinnerfoto mit Captain

Gewinnerfoto mit Captain

Die Stimmung ist gelöst, und beim anschließenden Abendessen wurde selten so viel gelacht wie heute. Ich bin gut damit beschäftigt, Gruppenfotos der einzelnen Tische zu machen, bevor Anna die Mitarbeiter des Service-Teams vorstellt. Und zwischendrin gibt es noch eine Neuerung: Vor zwei Tagen nahm jeder, der etwas im Shop gekauft hat, an einer Verlosung teil. And the Winner is: Moni! Damit hat sich der Jackenkauf noch mehr rentiert, Captain Nilsen überreicht ihr einen 500-NOK-Gutschein für den Shop. Willi und ich lassen es uns nicht nehmen, die Preisverleihung im Bild festzuhalten. Ich bin ja mal gespannt, ob ihr der Gewinn von der Heuer abgezogen wird:-)

Nach dem Abendessen erreichten wir dann Rørvik, wo es wieder einmal die Möglichkeit für eine Schiffsbesichtigung gab. Statt der Richard With konnten wir diesmal einen Blick in die Kong Harald werfen. Das Schiff wurde 1993 als erstes der neuen Schiffe in Dienst gestellt und löste die Finnmarken ab, die jetzt in Stokmarknes steht. Nach dem Besuch wussten auch alle wieder, „wo wir zuhause gehören“… Die Kong Harald ist ähnlich gebaut wie die Nordkapp, aber innen deutlich düsterer und 80er-Jahre-mäßig eingerichtet. Da kehrt man gerne wieder auf „sein Schiff“ zurück.

20151112-P1050378Danach muss ich natürlich noch ein Bild vom schönsten Schiff der Flotte machen, wie sie da so schön im Hafen von Rørvik liegt. Da Madis nicht an Bord ist, der auf meiner letzten Fahrt die Facebook-Seite vom Schiff betreut hat, muss ich wohl für ihn am Tau entlang fotografieren. Anschließend geht es hinaus auf die offene Meerstrecke der Folda.