Nach der Reise ist vor der Reise

Die Reiseunterlagen.

Die Reiseunterlagen.

Kaum habe ich die Nacharbeiten zur Nordlicht-und-Sterne-Reise GRP107 abgeschlossen, steht schon die nächste Tour an: GRP101 startet am Mittwoch, für mich beginnt der Flug diesmal in Frankfurt, wieder mit Volker. Die Reiseunterlagen sind da, und wer sich wundert, warum GRP101 nach GRP107 kommt: Die 101 war ausgebucht, und 107 wurde nachträglich angeboten – was sich bei der Polarlichtausbeute auch gelohnt hat, und Glück mit dem Wetter hatten wir auch. Jetzt hat ja das Sturmtief Ole neue Rekorde gesetzt, und so richtig schön sind die Aussichten noch nicht. Aber in Norwegen ändert sich das Wetter ja stündlich. Mal sehen, wie die Nordkapp das schwere Wetter überstanden hat.

Da letztes Mal gefragt wurde, hier schon einmal die Reisedaten:

  • Tag 1 – 11.2.2015: Bergen (Ablegen gegen 22:30)
  • Tag 2 – 12.2.2015: Ålesund
  • Tag 3 – 13.2.2015: Königsstadt Trondheim (am Freitag, ideal zum Shoppen – als ob ich die Buchhandlungen noch nicht durch hätte)
  • Tag 4 – 14.2.2015: Polarkreis und Lofoten (vielleicht komme ich diesmal zum Wikingerfest)
  • Tag 5 – 15.2.2015: Tromsø (Sonntags…)
  • Tag 6 – 16.2.2015: Honningvåg und Nordkapp
  • Tag 7 – 17.2.2015: Kirkenes, der Wendepunkt
  • Tag 8 – 18.2.2015: Hammerfest (mal wieder im Isbjørnklubben vorbeischauen) und Tromsø zur Mitternacht
  • Tag 9 – 19.2.2015: Vesterålen und Lofoten (Mit Hurtigrutenmuseum)
  • Tag 10 – 20.2.2015: Polarkreis (schon wieder)
  • Tag 11 – 21.2.2015: Trondheim (bevor die Läden aufmachen) und Kristiansund
  • Tag 12 – 22.2.2015: Back to Bergen – das Ende der Reise

Und da ich ja nicht nur zu meinem Vergnügen hinfahre (auch wenn es immer wieder Spaß macht), darf ich mich noch ein wenig auf Bergen vorbereiten – ich darf nicht nur die Dinge über den Wolken erklären, sondern auch auf der Fahrt durch Bergen etwas über die Stadt erzählen. Kein Problem, ich bin ja nicht das erste mal da.

Polarlichtvideo – GRP107 im Zeitraffer

So langsam bin ich mit meinem Reiserückblick für die Nordlicht-und-Sterne-Tour GRP107 vom Januar fertig. Pünktlich dazu hat mir Arthus ein schönes Bild der Nordkapp in Honningsvåg geschickt, das ich niemandem vorenthalten will:

MS Nordkapp in Honningsvåg

MS Nordkapp in Honningsvåg

Ich geb’s zu: Ist doch hübscher als die Shell-Tankstelle.

Ich hab’s jetzt auch geschafft, meine ganzen Polarlichtbilder zu einem Film zu verarbeiten. Er steht wie immer bei Vimeo:

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Nordlicht über der MS Nordkapp – Nordlicht und Sterne GRP107 im Januar 2015 from Alex Kerste on Vimeo.

Viel Spaß beim Anschauen!

Den ganzen Reisebericht gibt es in der Kategorie-Ansicht in der chronologisch richtigen Reihenfolge.

Tag 8: Hammerfest

Gefühlt mitten in der Nacht (und laut Uhr kurz nach acht) hat mich das Hupen der Polarlys geweckt. Nach viel zu wenig Stunden Schlaf wurde ich dann von den Gästen auch noch mit „Und, die Polarlichterlichter um halb vier gesehen? Was für eine Show!“ begrüßt. Nein, habe ich nicht gesehen – aber ich freue mich ja, wenn die Gäste mehr sehen als ich und auf ihre Kosten kommen. Ehrlich:-)

Dafür gab’s dann kurz vor Hammerfest einen wunderschönen Mond. Ist doch auch hübsch:

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Halbmond bei Hammerfest

Projekt Schneewittchen

Projekt Schneewittchen

Vor Hammerfest gab es statt des Energietees vom letzten Jahr einen Energiekaffee, der viel Chili und Schokolade enthielt – geschmackliche eine deutliche Steigerung. Anlass dafür ist die Erdgasverflüssigungsanlage auf der Insel Melkøya, das „Projekt Schneewittchen“.

Hammerfest ist zumindest für die Werbung ja immer noch die nördlichste Stadt, auch wenn Honningsvåg mittlerweile ebenfalls Stadtrecht hat. Was mir dieses Jahr auffiel: Wie wenig Schnee dort liegt! Im letzten Jahr waren die Bänke noch bis zur Sitzfläche eingeschneit, und heute fast frei. Bei Temperaturen um die 0° eigentlich kein Wunder.

Die Tour „Hammerfest auf eigene Faust“ führte mich mich über eine Buchhandlung (diesmal ohne Beute) zu Sicksackveien und dem blauen Pavillon, den ich schon vom letzten mal kannte. Hier war der Vergleich zum Vorjahr extrem: Auch ohne Spikes sah er begehbar aus, während ich vor elf Monaten keinen Meter weit gekommen war. Mein Touristenprogramm führte mich anschließend zu den beiden Polarbären vor dem Rathaus, zum Getränkekaufen und dann in den berühmten Isbjørnklubben. Ja, jetzt bin ich auch Mitglied im ehrwürdigen und so weiter Club. Ist doch ein netter Gag, und der Eisbären-Pin ist auch nett.

So waren die zwei Stunden Aufenthalt auch rasch vorbei, und nicht nur am Wetter wird deutlich, dass wir langsam im Endspurt sind: Um 15:00 und bei leichter Dünung stand mein Vortrag zum Thema Sternbilder und Mythen auf dem Programm. Durch den Zwischenstopp in Ørnes hampelte ich nicht allzusehr vor der Leinwand herum und verlor kaum Zuhörer an die See. Die Kollegen auf der Midnatsol hatte es schwerer getroffen: Zwei Tage Regen, gestern schwerer Sturm, und während unseres Telefonats am frühen Abend kam dann die erneute Sturmwarnung mit dem Hinweis, dass alle, die nicht wirklich seefest sind, doch bitte in ihre Kabinen gehen sollten. Nach dem Polarlichtsturm, den wir nur am Rande mitgekriegt hatten, hatten die also auch den richtigen Sturm voll abgekriegt. Wo bei uns das Vier-Gänge-Menü auf dem Plan stand, gab’s da Reisetabletten…

Kurz vor Mitternacht war noch alles ruhig in Tromsø

Kurz vor Mitternacht war noch alles ruhig in Tromsø

Das exzessive Abendessen zog sich über fast zwei Stunden hin, wobei es kein Buffet gibt, sondern immer wieder mal etwas serviert wird. Es war als also nicht das große Fressen, das man erwarten könnte. Der Grund für den langen Zeitraum: Am Abend stand erneut Tromsø auf dem Plan, mit dem sehr empfehlenswerten Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Polarlichter waren keine zu sehen, aber ein schönes Panorama bei fast milden Temperaturen und Windstille. Die Polarlichtvoraussage war mäßig und für vier Uhr war klarer Himmel vorausgesagt, es sah also wieder einmal nach einer langen Nacht aus… und als kurz nach eins die Konzertbesucher wieder auf dem Schiff waren, war die erste Frage: Hast du die Polarlichter über der Eismeerkathedrale fotografiert?

Nein, hatte ich nicht – auf dem Schiff war es gerade auch zu hell, um sie zu fotografieren, aber der Steuermann ließ mit sich reden und schaltete erst die Beleuchtung auf dem Umlaufdeck aus und nach dem Verlassen des Hafens auch die Beleuchtung auf Deck 7. Nur der Schornstein strahlte noch hell auf.

Es gab nicht die ganz große Show, aber über lange Zeit viel Grün, teilweise auch hell genug für das bloße Auge. Der blaue Dunst auf den Fotos ist übrigens die Dampfwolke der MS Nordkapp. Der Film wird mehr hergeben als die Einzelbilder, aber es war ein netter Abschluss.

Kleine Schocker zuletzt: Die Kamera habe ich um 3 Uhr abgebaut, das gibt wieder eine kurze Nacht… Für Morgen (Mittwoch) ist von 14-16 Uhr Generalstreik angesagt, vielleicht mache ich mit und tauche auch erst um 16 Uhr auf:-)

Tag 6 – Vom Nordkap ostwärts

Auch  wenn es morgens kurz nach acht noch recht duster ist: Das Treffen mit der Midnatsol konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ob die Kollegen der GRP100 mich auch gesehen haben, weiß ich nicht sicher – aber es waren auf jeden Fall einige Leute an Deck.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Nachdem die Midnatsol auf ihrem Kurs südwärts an uns vorbeigezogen war, stand erst einmal Bilder sichten, duschen und spätes Frühstück auf dem Programm. Dabei herrschte richtig Stress: Frühstück bis 9:30, Mittagessen dann von 10-13 Uhr wegen der Tour zum Nordkapp. Aber es ist kein Problem, hier eine Mahlzeit ausfallen zu lassen. (Schreibe ich eigentlich zu viel über das Essen? Sollte ich Bilder davon posten? Oder ist das eher etwas für Facebook?)

Kurs auf Honningsvåg

Kurs auf Honningsvåg

Kurz nach 11 kam dann Honningsvåg in Sicht. Die Stadt ist der Ausgangspunkt für die Fahrt zum Nordkap. Gestern war die Tour wohl wegen zu schlechtem Wetter ausgefallen, aber bei unserem Besuch war das Wetter fast optimal. Das Schöne an den Wintertouren ist auch, dass das Kap dann nicht so überlaufen ist – bei drei Bussen kann man das Kap genießen. Mein Programm sah anders aus: Zum Nordkap wollte ich nicht schon wieder, auf Fischerdorf mit Weihnachtshaus hatte ich keine Lust, aber die berühmte Shelltankstelle am 71. Breitengrad, die musste diesmal sein. Vom Hafen aus sind es etwas über zwei Kilometer, ein schöner Spaziergang, um das Frühstück zu rechtfertigen. Da Sonntag war und die Temperaturen doch recht frisch, war kaum jemand unterwegs, aber ich bin wohl dem Hund des Schneepflugfahrers vom letzten Mal begegnet, der gerade Gassi geführt wurde.

Ein Troll?

Ein Troll?

Honningsvåg hat wie üblich viele kleine Holzhäuser, die nur etwas größer wirken als so mancher Geländewagen, der davor steht. Die verschneiten kleinen Häuser, die schroffen und vereisten Felsen und das düstere Licht haben ihren Reiz, aber leben wollte ich da nicht unbedingt. Die Shelltankstelle ist natürlich nur dann interessant, wenn man die Sache mit dem Breitengrad weiß, und auch dann eher ein netter Gag – für das nächste Mal dürfte der Hausberg von Honningsvåg auf dem Programm stehen, der einen schönen Ausblick bietet. Gelohnt hat es sich trotzdem: Ich glaube, ich habe schon wieder einen Troll gesehen, diesmal mit einer Kaffeetasse am Straßenrand. Als ich ihn erreicht hatte, war nur noch eine schneefreie Felswand zu sehen – die Trolle sind gerissen!

Sicherheitsübung.

Sicherheitsübung.

Weiterer Vorteil der Tour zur Tanke: Man ist rechtzeitig wieder auf dem Schiff, um doch noch was vom Buffet mitzukriegen. (Fisch-Cordon-Bleu. Sehr lecker. Wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen.) Die Crew führte derweil eine Sicherheitsübung aus, mit Aussetzen eines Rettungsboots. Der Blick auf die Webcam des Nordkaps zeigte, dass nicht nur in Honningsvåg gutes Wetter war (bedeckt und kalt, aber windstill), sondern auch am Kap selbst gute Bedingungen herrschten.

Um viertel vor drei – die Ausflügler waren alle wieder an Bord und begeistert, kein Wunder – ging die Reise dann weiter ostwärts. Die Wetterprognose war nicht so berauschend und die Polarlichtaktivität der Gegend angemessen, sodass es nach einer ruhigen Nacht aussah. Für 20:00 war unser nächster Vortrag vorgesehen (von Felicitas über das Planetensystem), und da das Abendessen als Nordkappbuffet serviert wurde, passte das auch vom Zeitplan. Eine Stunde langt für jeden, um sich zu überfressen, und der Nachtisch hat es immer wieder in sich.

Krabbenfischer entern das Boot

Krabbenfischer entern das Boot

A propos Essen: Gegen 16:30, also zwischen Nordkap-Tour und Abendvortrag, stand schon wieder ein Highlight auf dem Programm. Kurz vor Kjøllefjord legten Krabbenfischer in voller Fahrt an der Nordkapp an und präsentierten ihren Fang. Einziges Problem: Entweder steht man an der Reling und beobachtet das Anlegemanöver, oder man sichert sich einen guten Platz auf Deck 7 für die Vorführung. Zeit für ein Foto mit den Krabben bleibt aber allemal.

Ich konnte das Anlegemaneuver von Deck 5 aus verfolgen, da hier ein guter Blick auf die Felsformation der Finnkirka möglich war. Mit f/1,4 und viel zu viel ISO war sie sogar schön zu fotografieren, auch wenn das Farbenspiel schon etwas arg nach Disneyland aussieht. Aber es ist durchaus eindrucksvoll. Allerdings muss ich fairerweise sagen, dass mir die Finnkirka nur im Mondlicht besser gefällt. Ist viel mystischer als das ständig wechselnde Farbenspiel. Andererseits sieht man sie dann nur auf den Fotos und nicht mit dem Auge.

Felicitas‘ Vortrag konnte ich mir nicht anhören: Ich hielt stattdessen Polarlichtwache am Bug, da schon vor dem Abendbuffet ein paar Lichter zu sehen waren.

Durch die Wolken war immer wieder ein Hauch von Grün zu erahnen, und die Kamerabilder waren schon ganz nett, aber Wetter und Intensität waren nicht sehr beeindruckend. Dafür wollte ich den Vortrag nicht unterbrechen – im Gegensatz zum Käptn, der Polarlichtwarnung ausgab. Also verschwand ich kurz in den Vortragsraum, um Entwarnung zu geben. Bis Berlevåg um 21:45 war immer wieder ein grauer Schleier zu sehen, und das Wetter besserte sich (im Gegensatz zur Polarlichtvorhersage). Bug voraus war immer wieder etwas zu sehen, aber nicht wirklich toll.

Klar, das dann die besorgten Fragen aufkamen, wie es den Rest der Nacht weitergehen würde – Polarlicht oder Ruhe & Erholung? Meine Schätzung war Ruhe & Erholung, dann kam kurz nach Berlevåg die Durchsage vom Käptn, dass es wieder Lichter gibt – und diesmal lohnte es sich! Der Nachteil dabei, die Kamera immer auf den selben Punkt zu richten, ist natürlich dass einem mal ein paar Highlights entgehen. Aber dafür gibt das später einen hübschen Film.

Quer über das Schiff erstreckte sich ein großer Bogen, und nun glaubten mir endlich alle, dass die Auro wirklich grün ist und sogar tanzt. Wow. So gehört sich das. Bis Båtsfjord um kurz vor Mitternacht ging die Show, und hoffentlich hat jeder die Durchsage gehört. Das Licht auf Deck 7 wurde (leider bis auf den Schornstein) abgeschaltet, und jeder kam auf seine Kosten (und auch wenn ich ein paar Leute an der Bar zusammentrommeln musste). Awesome, great show! Für ca. Stufe 5 schon sehr schön. Ich leide mit allen, die die Reise nicht machen konnten.

Nach Mitternacht und Båtsfjord leerte sich das Deck dann langsam, und der Kontrollblick um halb eins zeigte: Immer noch Lichtshow. Nicht mehr so stark und beeindruckend, aber doch gut genug für einige Fotos. Zwischen 0:40 und kurz vor zwei Uhr entstand dieser Nachschlag:

Aber das Ziel der Reise ist erreicht: Es kam die Bitte, doch die Lichter abzuschalten, damit man endlich schlafen darf… Mal sehen, wer sich jetzt noch alles den Nordlichtvirus eingefangen hat.

Bei mir droht dafür jetzt langsam der Supergau: Die externe Festplatte ist voll und der Laptop sowieso. Bleiben noch die 192 Gig Speicher in der Karte…

Tag 5 – Tromsø (ohne (erwähnenswertes) Polarlicht)

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Okay, zugegeben: Ich sage ja selbst auch immer wieder, dass die Hurtigrutenschiffe Fähren sind und keine Kreuzfahrtschiffe, obwohl natürlich schon einiges an Luxus da ist. Das Essen ist klasse und mehr als reichlich, die Kabinen haben alle Steckdosen, Dusche und WC (wobei ich mir bei der Lofoten nicht so sicher bin), und man kann es sehr gut darauf aushalten. Leider hatte ich es auf der letzten Fahrt nicht in den Whirlpool am windgeschützten Heck auf der Nordkapp zu steigen, aber von dort die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen muss klasse sein.

Und jetzt ist er weg. Wo einst die beiden Pools waren, ist jetzt neu geplättelt und leerer Raum. Nur die Duschkabine gibt’s noch, und Bademäntel im Shop. Hallo Hurtigruten, falls ihr das lest: Mein Gummientchen und ich hätten gerne den Whirlpool wieder. Das geht doch nicht, dass es den nur auf Midnatsol, Trollfjord und Finnmarken gibt:-(

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

Nun ja, widmen wir uns weniger ernsten Themen. Heute wurde die Polarkreistaufe nachgeholt. King Neptune war diesmal deutlich freundlicher als beim letzten Mal, hat niemanden angepöbelt und kam sogar freiwillig. Letztes Mal mussten wir ihn herbeirufen – dafür hatten damals auch mehr Leute die Polarkreistaufe mitgemacht. Diesmal kamen so Kommentare wie „zu kalt“, dabei war der Temperaturunterschied zwischen Eis und Luft viel kleiner als im Februar 2014…

Leider wird das Wetter immer schlechter, und Wolken ziehen auf. Bei Finnsnes war es heiter bis wolkig, aber nicht mehr so perfekt wie in den letzten Tagen, als wir noch deutlich unterhalb des Polarlichtovals waren. Die Fahrten unter einer Brücke hindurch sind immer wieder spannend, oft ist der Abstand zwischen Brücke und Schornstein wirklich gering. Das Foto kann das nur ungenügend wiedergeben… Die Brücken sorgen übrigens auch dafür, dass die großen Kreuzfahrtschiffe bei vielen Fjorden draußen bleiben müssen, und geben gleichzeitig die maximale Höhe der Hurtigrutenschiffe vor.

Die 1,5km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Die 1,5 km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Nach Finnsnes ging es weiter nach Tromsø. Das kenne ich ja mittlerweile, daher konnte ich mir das Tourismusprogramm sparen. Für den Storsteinen war es auch etwas dunkel (die Sonne lässt sich erst seit ein paar Tagen wieder in Tromsø blicken, und durch die Wolkendecke ist es etwas finsterer als im letzten Februar), daher steuerte ich meine üblichen Ziele an: Die örtlichen Buchhandlungen. Und wieder einmal bin ich fündig geworden und nun stolzer Besitzer der Eventyr von Asbjørnsen und Moe. Das ist wohl das Standard-Werk über die norwegischen Sagen und Märchen, so wie bei uns die Brüder Grimm. Jetzt muss ich das nur noch lesen können, ist natürlich ein etwas dickeres Hardcover-Buch auf Norwegisch. Man braucht ja Herausforderungen. (Ich weiß noch nicht, wie ich das im Gepäck unterbringe…)

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Als Einkaufsstadt ist Tromsø gar nicht schlecht – vielleicht sollte ich nächstes Mal doch wieder einen Ausflug machen, die Hundeschlittentour könnte billiger sein als ein Ausflug in das Nerstranda Senter. Aber auch die nehmen gerne Kreditkarten.

Der Satz „Tromsø geht immer“ in Sachen Polarlicht hat diesmal leider nicht gestimmt. Es gab wohl gegen 19:00 Polarlicht, wie die Kollegen von der Midnatsol aus der Barentssee berichtet haben, aber einerseits gab’s da bei uns Essen, und andererseits war es bedeckt. Nachmittags konnte der Mond noch durch die Wolken schimmern, abends ging erst nichts mehr, und dann war klar, aber ohne nennenswertes Polarlicht. Halt nur noch „Kameragrün“ und nichts, was einen zum Aufbleiben überreden könnte.

Aber was soll’s: So konnte man in Ruhe mit den Gästen plauschen. Am nächsten Morgen war ja schon wieder volles Programm: Das Treffen mit der Midnatsol stand an (touristisch vollkommen wertlos, da lang vor Sonnenaufgang, aber wenn man schon die Kollegen auf dem Schiff hat) und natürlich Honningsvåg und das Nordkapp.

Tag 3: Trondheim

Die Insel Munkholmen vor Trondheim

Die Insel Munkholmen vor Trondheim

Trondheim! Alte Hauptstadt! Der Nidaros-Dom! Wunderschön zu Fuß zu erkunden!

Ich hab’s verschlafen. Es war doch eine lange Nacht, und ich war ja schon mal da, und überhaupt gibt’s nur bis 10:00 Frühstück. Gegen halb zehn hatte ich es dann zum Frühstücksbuffet geschafft, gerade rechtzeitig. Da heute der erste Vortrag anstand, ging der Rest des Vormittags dann für Vorbereitungen drauf – ich bin ja nicht zum Spaß hier. Ein später Start in den Tag, aber für einen Blick auf die Insel Munkholmen hat es gelangt.

An Bord war dann auch für das Unterhaltungsprogramm gesorgt: Beim Mittagessen (man kann an diesen Schiffen irgendwie echt nur am Essen sein – da ist Selbstdisziplin gefragt, sonst steht die Tour unter dem Motto 11 Tage, 11 Kilo) waren ein paar Orcas zu sehen. Whale Watching wird auf dieser Tour auch erstmals angeboten. Das Tourismus-Programm wird immer weiter ausgebaut… Trotzdem noch einmal der Hinweis, dass die Hurtigrutenschiffe immer noch in erster Linie Fähren sind, auch wenn einige Punktabzug geben, weil nicht jeder Deutsch spricht oder irgendwas weißes an der Reling ist (könnte Salz gewesen sein). Es sind halt Arbeitsschiffe, und das macht den speziellen Reiz der Hurtigruten-Touren aus. Hoffen wir, dass er noch lange erhalten bleibt.

Orcas vor dem Restaurant.

Orcas vor dem Restaurant.

Die Orcas waren kleiner als ich gedacht hätte, aber kamen sehr nah ans Schiff heran. Natürlich hatte ich da nur die Händykamera dabei, aber bei der weißen Wellenkrone war tatsächlich einer abgetaucht. Glaubt mir:-)

Zwischen 12 Uhr (Abfahrt Trondheim) und 20:45 (Ankunft Rørvik) verbringt man diesen Tag komplett auf See. Langweilig wird es aber keinesfalls: Neben Essen und überraschenden Walen sorgt die grandiose Landschaft für Abwechslung, und um 15:00 gab es meinen ersten Vortrag über atmosphärische Phänomene, Polarlichter und Fototipps. Das war die Gelegenheit, um noch einmal darauf hinzuweisen: Lernen sie Ihre Kamera kennen – und zwar vor der Reise! Auch kleine Kompaktknipsen können heute schon sehr gute Bilder machen, wenn die Software nicht Belichtungszeit, ISO und Blende automatisch begrenzt. (Hallo Nikon, Canon, Panasonic, Olympus und Co.: Was soll der Blödsinn?)

Die Richard With vor der Nordkapp.

Die Richard With vor der Nordkapp.

In Rørvik gab es dann nach dem Abendessen wieder die Gelegenheit, die Richard With zu besuchen. Mit der CruiseCard (oder irgendeinem anderen Dokument) kann man problemlos an Bord der Hurtigrutenschiffe gehen und sich umsehen, und danach geht jeder wieder mit der Gewissheit auf sein Schiff zurück, dass er das beste hat:-) Da die Fahrpläne fix sind, begegnet sich immer die selben Schiffe. Für mich war das die Chance, mal die Richard With zu fotografieren – ich weiß ja schon, dass die Nordkapp schöner ist:-)

Nach Rørvik ging es dass weiter Richtung Polarkreis, und es gab wieder Aurora-Alarm. Eine ruhige Show: Von etwa 21:30 bis 23:30 gab es wieder Gedränge am Bug, während das Licht als breiter Bogen im Norden stand. Es war ausgedehnter, aber gefühlt etwas weniger intensiv als in der vorhergegangenen Nacht.

Immer wieder schön und mit leichten Veränderungen, aber gegen Mitternacht gaben die meisten Zuschauer dann doch auf, und ich ging auch zum Akkus aufladen und Bilder sortieren in meine Kabine. Das war natürlich ein Fehler, wie ich am nächsten Morgen erfuhr: Nach Mitternacht ging es noch einmal los. Aber wer rechnet schon damit, dass sich das schwache Polarlicht noch einmal so viel Mühe gibt, dass es sich gegen den Hafen von Brønnøysund durchsetzen kann?

In Brønnøysund hatte ich noch einmal aus dem Fenster geschaut, den hellen Hafen gesehen und Feierabend gemacht – der Kameraakku war wieder voll und die Bilder zu einem hübschen Filmchen zusammengestellt (der aber erst online geht, wenn ich wieder in Deutschland bin und DSL zur Verfügung habe – das Schiffs-WLAN ist damit etwas überfordert, und mein Handytarif auch). Und kaum war ich am einschlafen, kam die Durchsage: Polarlichter steuerbord voraus. Die sollten sich besser Mühe geben… also schnell wieder fertig gemacht, da bei 0°, aber eisigem, starken Wind sogar ich ganz gerne eine Jacke anziehe. Langer Rede kurzer Sinn: Eine Stunde später hatte ich nochmal 200 Bilder im Kasten, und ja, es hat sich gelohnt. Das Licht hat zwar wieder nur einen langsamen Tanz gezeigt, aber immer wieder mit einem Hauch von Grün. Auch die „Vorhänge“ waren immer wieder zu erkennen.

Aber sehen Sie selbst, während ich meine Ernährung langsam auf Koffein umstelle:

Und der erste Programmpunkt morgen früh? Die Polarlichtüberquerung morgens kurz nach sieben. Na dann gute Nacht.

Endlich wieder auf der Hurtigrute

Es ist wieder soweit: Tag 1 meiner ersten Hurtigrutentour ist Realität! Vielleicht klappt’s diesmal mit dem Live-Bloggen; Twitter wird zumindest mal öfter gepflegt – ein neuer Handyvertrag macht’s möglich.

Flugzeugenteisung auf dem Stuttgarter Flughafen

Flugzeugenteisung auf dem Stuttgarter Flughafen

Und wie sich das gehört, hat es mit Chaos begonnen: Der Schneeregen im Ländle war wohl für manchen Autofahrer zuviel, und die Fahrt zum Stuttgarter Flughafen hat statt einer Stunde satte eindreiviertel Stunden gedauert – Unfall im Engelbergtunnel. Zum Glück war ein eine halbe Stunde früher als geplant losgefahren und habe nur sechs der zwanzig Kilometer Stau mitgemacht. Der obligatorische Streik der Security war auch schon letzten Donnerstag, sodass ich pünktlich im Flieger nach Kopenhagen saß – samt meiner Ko-Lektorin Felicitas Mokler, und einer Handvoll Passagiere. Der Flieger war diesmal ein Regionaljet 900 und fällt in die Kategorie lächerliche Keksdose, zumindest im Vergleich mit den Airbus‘, die ich so gewöhnt bin: Aufrecht stehen ist nicht. Da Stuttgart sich von seiner besten Seite zeigt (Nebel Schneeregen und Sichtweite Null), habe ich auch endlich mal eine Flugzeugenteisung miterlebt. Die grüne Soße hat gewirkt, sodass wir problemlos nach Kopenhagen fliegen und dort in einen Airbus umsteigen konnten (Kopffreiheit! Handgepäckfach!). Die gute Nachricht: Nicht nur die meisten unserer Gäste waren an Bord, sondern – richtig ungewohnt – sogar mein Gepäck! Das ist auch ganz gut so, da diesmal kein Aufenthalt in Bergen auf dem Programm stand, sondern es gleich auf die Nordkapp ging.

Nein, das war nicht unser Flieger...

Nein, das war nicht unser Flieger…

Am Flughafen Bergen erwartete uns Kai, unser Reiseleiter, und mit dem Bus ging es dann auf leichten Umwegen zum Schiff: Da kein Aufenthalt in Bergen mehr auf dem Programm steht, wird die Fahrt zu einer kleinen Stadtrundfahrt genutzt. Diesmal gab’s keinen Regen in Bergen, aber dafür war Nacht…

Und dann das Deja-vu: Endlich wieder Hurtigruten-Terminalen und MS Nordkapp. Man kommt sich fast wie zuhause vor, auch wenn es ein paar Änderungen gibt: Unser Reiseleiter vom letzten Mal ist auf die Midnatsol gewechselt (seine Nachfolgerin ist aber auch nett), die beiden Whirlpools sind weg (buhu), und das Schiff ist fast leer: Nur rund 150 Passagiere sind an Bord. Da ist es kein Problem, den Konferenzraum zu kriegen. Wird eine gemütliche Fahrt.

Auf der Midnatsol ist’s enger: Eigentlich hätte ich ja die Tour machen sollen, die zwei Tage früher gestartet ist, dafür haben Volker und Marcus jetzt volles Haus – die Kong Harald hat technische Probleme, und ihre Passagiere sind jetzt auf die Midnatsol gewechselt. Dafür haben die beiden schon am zweiten Tag Polarlichter gesehen: Der Himmel ist klar (Von wegen, über Baden lacht die Sonne – diesmal lacht sie über Bergen), und die Voraussichten sind gut. Die Stürme der letzten Wochen haben sich auch ausgetobt: Beste Voraussichten!

Adieu, BErgen: Ein letzter Blick auf's Hurtigruten-Terminalen.

Adieu, Bergen: Ein letzter Blick auf’s Hurtigruten-Terminalen.

Nach dem Bergen-Buffet, ersten Gesprächen mit den Mitreisenden und etwas Verzögerung (die Rettungsboote wurden wohl noch getestet) geht’s jetzt endlich los: Wir verlassen Bergen, und gegen ein Uhr kommt wohl etwas offenere See. Letztes Mal hat’s am nächsten Morgen schön geschaukelt, mal sehen was das Westkap morgen zu bieten hat.

Und viel interessanter: Mal sehen, was der Himmel in den nächsten Tagen zu bieten hat!

Nachtrag: Die Tourdaten

Noch als Ergänzung, weil gefragt wurde: Hier die Tourdaten:

  • Tag 1 – 20.1.2015: Anreise, Abfahrt Bergen
  • Tag 2 – 21.1.2015: Ålesund
  • Tag 3 – 22.1.2015: Königsstadt Trondheim
  • Tag 4 – 23.1.2015: Polarkreis und Lofoten
  • Tag 5 – 24.1.2015: Tromsø, Tor zur Arktis
  • Tag 6 – 25.1.2015: Honningsvåg und Nordkap
  • Tag 7 – 26.1.2015: Kirkenes, der Wendepunkt
  • Tag 8 – 27.1.2015: Hammerfest und Tromsø
  • Tag 9 – 28.1.2015: Vesterålen und Lofoten
  • Tag 10 – 29.1.2015: Polarkreis
  • Tag 11 – 30.1.2015: Trondheim und Kristiansund
  • Tag 12 – 31.1.2015: Bergen, das Ende der Reise

Wenn das Blog vollständig ist, lassen sich alle Beiträge auch chronologisch über die Kategorieauswahl abrufen; mit dem ältesten Beitrag zuerst.

Reisevorbereitungen

Ach ja – ich könnte jetzt schon im Flieger sitzen, wenn ich die GRP100 der Nordlicht und Sterne Tour von Astronomie.de und Hurtigruten nicht mit der GRP107 getauscht hätte. So sitzen jetzt Volker und Marcus (hoffentlich) im Flieger nach Norwegen und stechen heute Abend mit der MS Midnatsol in See. Macht aber nichts, ich fliege dann am Dienstag ab Stuttgart und mache es mir wieder auf der MS Nordkapp bequem. Bei Havøysund können wir uns dann zuwinken, irgendwann später kommt dann sogar die Sonne halb über den Horizont – abklingende Polarnacht ist was feines.

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen sind da und gepackt ist fast alles. Der Handy-Tarif ist jetzt auch auf Norwegen umgestellt, sodass ich zumindest den Twitter-Feed öfter füttern kann, ohne mir um Roaming Gedanken zu machen – mal sehen, ob die Live-Berichterstattung jetzt besser klappt als auf der letzten Reise. Die Wettervorhersage ist auch nicht schlecht (nach den ganzen Stürmen zum Jahresbeginn), jetzt muss nur noch die Sonne mitspielen und sich etwas Mühe geben. Bis zum nächsten Minimum ist eigentlich noch Zeit…

Mit etwas über 40 Teilnehmern ist die Gruppe recht überschaubar, aber es ist ja auch „nur“ der Ausweichtermin, weil die Midnatsol voll ist. Könnte gut werden. Ach was: Wird gut werden!

Gegenüber der letzten Reise haben sich ein paar Sachen geändert:

  • Es gibt jetzt keine Übernachtung vor der Reise in Bergen mehr. Das ist einerseits gut, da Peppes Pizza so meine Reisekasse nicht plündert, andererseits sollte das Gepäck diesmal gefälligst auch mit mir im selben Flieger sein. Am Donnerstag hat die Security in Stuttgart gestreikt, hoffentlich arbeiten sie dann am Dienstag. Oder winken mich einfach so durch, unsicherer fühle ich mich dann auch nicht.
  • Die Reise endet in Bergen statt schon in Trondheim. Mal sehen – Trondheim hatte einen netten Flughafen, Bergen ist wohl immer noch Baustelle. Dafür gibt’s einen Tag mehr auf dem Schiff.
  • Das Boblebad auf der Nordkapp ist anscheinend stillgelegt:-(
  • Ich bleibe im Anschluss an die Reise noch eine Nacht in Bergen, weil kein Rückflug mehr frei war…

Von mir aus kann’s losgehen:-)

Hurtigruten Tag 12 – Trondheim und der Rückflug

So stellt man sich ein Postschiff vor: Die MS Lofoten.

So stellt man sich ein Postschiff vor: Die MS Lofoten.

Das wars also: Ein letztes Frühstück, alles in den Koffer stopfen, wo man gestern wegen dem letzten Polarlicht nicht dazu gekommen war, und um 9:00 war Treffpunkt an der Rezeption ausgemacht. Aber als gute deutsch-schweizer Reisegruppe waren um 9 Uhr natürlich schon alle am Transferbus. Für einen Besuch auf der Lofoten, die mit der Nordkapp am Kai liegt, bleibt keine Zeit: Man ist ja auch Ansprechpartner und will ggf. beim Gepäck helfen, außerdem ist das die Chance, einige Leuten noch Adieu zu sagen.

Anstatt direkt zum Flughafen zu fahren und uns dort die Beine in den Bauch zu stehen, machen wir noch einen längeren Halt am Nidaros-Dom: Fast eineinhalb Stunden bleiben uns, um noch einmal Trondheim unsicher zu machen. Einkaufen, die Gassen bewundern… wir entscheiden uns für die Festung Kristiansten, die mit einem flotten Fußmarsch gut zu erreichen ist. Da oben bleibt nach gut 20 Minuten Fußweg zwar nicht viel Zeit, aber es langt, um einmal durch die alte Festungsanlage zu schlendern und bei herrlichem Wetter den Blick über Trondheim und zurück zur Nordkapp schweifen lassen, die noch im Hafen liegt. Als sie noch einmal tutet, damit alle Passagiere an Bord kommen, wird so richtig bewusst, dass die Reise nun zu Ende ist.

Hoch über Trondheim: Die Festung Kristiansten

Hoch über Trondheim: Die Festung Kristiansten.

Der berühmte Fahrrad-Lift

Der berühmte Fahrrad-Lift

Auf dem Rückweg stolpern wir noch über eine Sehenswürdigkeit, über die uns an Bord vorgeschwärmt wurde, die wir beim letzten Mal aber glatt übersehen hatten: Den Fahrradlift. Trotz des frühlingshaften Wetters ist er nicht in Betrieb, aber das Prinzip wird klar: Man setzt sich auf sein Rad, einen Fuß auf den Lift, und der katapultiert einen dann den Hügel hoch. Cool. Mit Einstellmöglichkeit für Anfänger und Profis. Sehr nett.

Aber es gibt kein Zurück: Wenig später sitzen wir im Bus, auf dem Weg zum Flughafen Trondheim, ein gutes Stück außerhalb der Stadt. Wie in Frankfurt heißt es auch hier, sein Gepäck selber einchecken – obwohl es hier wenigstens noch echte Mitarbeiter gibt, falls es Probleme gibt. Die Security ist diesmal kein Problem (zumindest für alle, die weder braunen Käse noch Marmelade [läuft als Flüssigkeit und somit als Terrorwaffe {ich frag mich grad, ob die skandinavischen Airlines Surströmming im Handgepäck zulassen würden – es ist schon was dran an der Erkenntnis, dass der einzige Beitrag der Schweden zur internationalen Küche die Edelstahlküche ist…}] oder die Sprudelflasche fürs Vesper dabei haben – der Käse darf durch, der Rest muss verzehrt oder entsorgt werden), und dann bleibt genug Zeit, um den Duty-Free-Bereich zu erkunden. Der Versuch, unsere letzten Kronen bei der Pizzeria loszuwerden, scheitert kläglich: Die Gruppe um Volker und mich wird als Trinkgeld für die Fahrt noch auf eine Runde Pizza eingeladen. Besten Dank nochmal Richtung Bodensee:-)

Unwiederstehlich: Trollturen von Ivar Rødningen. Gab's auch auf Französich; die Wahl fiel leicht...

Unwiderstehlich: Trollturen von Ivar Rødningen. Gab’s auch auf Französisch; die Wahl fiel leicht…

In der Buchhandlung werde ich dann aber doch noch etwas Geld los: Nachdem das mit dem norwegisch lesen schon so gut klappt und die Fahrt nicht die letzte gewesen sein wird, schlage ich hier zu. Was gibt es besseres, um zuhause eine Sprache zu lernen, als Bücher in ihr zu lesen? Ich lande bei den Kinderbüchern. Der Verlag der Trollturen sitzt sogar in Trondheim. Beim Vergleichen der Beute hätte Kirsten dann beinahe verraten, wie die Geschichte ausgeht…

Und irgendwann ging dann die Abreise weiter, zuerst ins verschneite Oslo, wo wir am teuersten Burgerstand unsere letzten Kronen los wurden. Praktisch: Zahl mit Kronen und den Rest mit Kreditkarte. Blöd: Unsere Mitreisenden denken langsam, dass wir nur am Essen sind.

Vorher bot sich in einer Buchhandlung noch die Gelegenheit, weitere Kronen loszuwerden. Beim Angebot „Zwei Bücher zum Preis von einem“ kann ich nicht wiederstehen, auch wenn’s englische Romane sind. Hier rächt sich meine Geizigkeit: Wenn ich mir das Datenroaming für eine weitere Woche gegönnt hätte, hätte ich gleich gesehen, dass Norwegen auch dann kein Schnäppchenland für Bücher ist, wenn eins umsonst ist. Was für Preise…

Bevor wir in die Maschine nach Frankfurt einsteigen, können wir der Gruppe noch Ade sagen, die weiter nach Süden fliegt, und und ab dafür. In Frankfurt kommt sogar alles Gepäck an, das Auto ist auch noch da, und dann sind wir fort. Das war’s mit Nordlicht und Sterne 2014 für uns.

Ich habd doch ganz schön viel fotografiert, wie die GPS-Daten verraten...

Ich hab doch ganz schön viel fotografiert, wie die GPS-Daten verraten…

Was bleibt? Die Idee, im Herbst mal nach Tromø zu fliegen, um Polarlichter von Land aus zu fotografieren. Die Überzeugung, die Reise nochmal machen zu wollen. Die Erkenntnis, dass dieses Pepsi Max gar nicht so schlecht ist (an Bord gab’s keine Coke). Über 6000 Fotos – alle 1,5 Kilometer eines, zum Glück fast alle mit GPS-Koordinaten. Und eindeutig dieser Hurtigrutenvirus. Ich bin jetzt auch im Ambassador-Programm und hoffe, dass sich dafür nicht Hurtigruten bei mir 5% Rabatt und 25% Frühbucherrabatt gönnt, wenn ich die nächste Tour begleite…

Am nächsten Tag kommt dann der Schock mit der Realität wieder, beim Blick in die Mailbox. Mit dem Schwanken an Land hab ich zum Glück keine Probleme, aber mir fehlen die å und ø. MÅ wäre doch ein viel passenderes Kennzeichen für „Monnem“ als MA, oder?

Mit anderen Worten: Wann geht das nächste Schiff?

Hurtigruten Tag 11 – Trollfjord, Antarktis, 7 Schwestern und ein letztes Mal

Langsam ist wirklich Endspurt bei unserer Reise, kaum zu glauben. Und endlich: Ein schönes Bild vom Trollfjord! Oder zumindest von der MS Trollfjord, die uns nordgehend um kurz nach acht Uhr morgens begegnet – ein schöner Auftag für einen herrlichen Tag.

Die nordgehende MS Trollfjord, an einem richtge gudn Morgn in Paradies.

Die nordgehende MS Trollfjord, an einem richtge gudn Morgn in Paradies.

Warten auf das perfekte Bild

Warten auf das perfekte Bild

Die Begrüßung der beiden Schiffe sollte auch jeden noch so motivierten Langschläfer geweckt haben, sodass eine Stunde später alle Mann auf dem Sonnendeck sind: Wir überqueren erneut den Polarkreis. Nach etwas Verwirrung (Tourguide Marco: Backbord/Links sehen Sie die Insel mit dem Globus [hektisches Gerenne nach links] die wir gleich Steuerbord/Rechts passieren werden [hektisches Gerenne zurück]) sind dann alle auf Position, und bei bestem Wetter verlassen wir gegen 9:20 das Polargebiet. Bis zum nächsten Mal… Immerhin dürfte bei diesem herrlichen Wetter jedem das gewünschte Bild gelungen sein, und es gibt noch eine Überraschung: Das Nebelhorn der Nordkapp hat nicht nur alle Passagiere, sondern auch ein paar Seeadler geweckt, die nun den Globus umkreisen. Ein hübscher Anblick.

Natürlich gibt es auch bei dieser Polarkreispassage eine kleine Überraschung: Einen Löffel Lebertran, und man darf den Löffel sogar behalten. Von wegen, in Norwegen gibt’s nichts geschenk. Unverschämt sind allerdings die älteren Passagiere, die den Lebertran wegschütten und sich nur Löffel und den Schnaps hinterher sichern. Leider hatte ich das nicht gesehen, so geht’s ja mal gar nicht.

Polarkreiskugel mit Seeadler

Polarkreiskugel mit Seeadler

Um 11:15 stand dann ein ganz besonderes Highlight an: Marco zeigt die Bilder, die er bei 60? Antarktis-Reisen gemacht hat. Ein eindrucksvoller Kontinent, aber man muss Eis und Pinguine mögen. Durchaus sarkastisch berichtet er von den Problemen, die bei diesen Expeditionsreisen auftreten (zum Beispiel, dass bei Kap Hoorn bei schlechtem Wetter eigentlich jedem schlecht wird – aber die Passage dauert ja nur 36 Stunden) und wie klein die Nordkapp neben den riesigen Kreuzfahrtschiffen ist. Der Vortrag war auf Englisch, da wir den deutschen ein paar Tage zuvor verpasst hatten. Aber dass er nur ein wenig geknipst hat, glaubt ihm bei diesen Bildern niemand. Wenn das keine Lust auf eine Antarktistour macht… Schon mal mit dem Sparen anfangen.

Und weiter geht’s im Programm: Mittagessen (ein letztes Mal), dann ein kleiner Umtrunk mit der Gruppe zum Abschied, garniert mit meinen Reisefotos, die die letzten Tage noch einmal Revue passieren lassen, und Infos zum Ausschiffen morgen früh: Wir haben eine Stunde länger als die normalen Passagiere, die in Trondheim aussteigen, und da wir erst später am Flughafen sein müssen, bleibt uns noch genügend Zeit für einen weiteren Aufenthalt in Trondheim.

Anschließend gibt’s schon den nächsten Fototermin: Die sieben Schwestern, dieses Mal nicht der Wasserfall in einem Fjord (der nur im Sommer befahren werden kann), sondern eine Bergkette, die in einigen Sagen eine Rolle spielt. So nah wie wir an der Küste vorbeifahren ist das ein klarer Fall für’s Ultraweitwinkelobjektiv.

De syv Søstre – die sieben Schwestern.

De syv Søstre – die sieben Schwestern.

Noch einmal die herrliche Landschaft genießen, und dann erreichen wir auch schon Brønnøysund – ein malerisches Städtchen mit einer wunderschönen Hafeneinfahrt. Hier haben wir über eine Stunde Zeit – genug, um die Ortschaft zu erkunden, Bilder vom Schiff zu machen oder im Einkaufszentrum Braunen Käse zu bunkern. Diese Norwegische Spezialität ist allerdings nicht mein Ding und hat denjenigen, die zugeschlagen haben, am nächsten Tag leichte Probleme bereitet: Der Scanner der Flughafensecurity konnte mit dem Zeug auch nichts anfangen, da war dann Taschen ausräumen angesagt.

Das Loch im Torghatten von Norden...

Das Loch im Torghatten von Norden…

Im Sonnenuntergang ging die Reise dann weiter – rechtzeitig, um das Loch im Berg aufs Bild zu bannen. Von Brønnøysund aus kommen ist es sehr dezent, beim Blick zurück dann deutlich auffallender.

... beim Blick zurück dagegen deutlich auffallender.

… und beim Blick zurück deutlich auffallender.

Viel Zeit für Fotos blieb aber nicht, da um 18:30 schon wieder das Abendessen serviert wurde. Und so segelten wir in den herrlichen Sonnenuntergang, und das Abenteuer nahm sein Ende.

Moment.

Klarer Himmel? Da war doch was. So weit südlich sind wir noch nicht, dass Polarlichter keine Chance hätten, und die Prognosen sehen gar nicht schlecht aus. Also wird gleich nach dem Essen auf Deck gestürmt (nach einem Abstecher auf die Kabine, Kamera und Stativ holen), der Kapitän gebeten, das Licht abzuschalten (klappt hervorragend – vielen Dank für diesen Service) und Ausschau gehalten.

Vorerst ist nichts zu sehen, also sammeln wir uns erstmal im Svalbard-Salon mit der Bar. Einige unserer Gäste laden uns zum ein oder anderen Drink ein, und so habe ich dann auf einmal zwei Guiness vor mir stehen (nachdem ich meins ausgetrunken hatte). Auch nicht schlecht – nur das mitten drin der Polarlichtalarm los geht. Schnell ein guiness ausgetrunken und ab an Deck: Die Show geht weiter. Ab 23 Uhr können wir über eine Stunde noch einmal das Schauspiel in der Ferne bewundern, das wir langsam hinter uns lassen. Das gute daran: Draußen wird mein Guiness auch wieder kalt:-)

Ein letztes Mal klicken die Kameras, und zum Abschied gibt sich das Polarlicht noch einmal Mühe – auch wenn es das letzte überwältigende Ereignis nicht mehr toppen kann.

Ein Polarlicht zum Abschied, Blick vom Heck zurück.

Ein Polarlicht zum Abschied, Blick vom Heck zurück.

Diesmal machen sich die neu zugestiegenen Fahrgäste negativ bemerkbar: Irgendjemand, der zumeist nur Englisch versteht, steht immer vor der Kamera. Aber wir haben doch die Gelegenheit für letzte Abschiedsfotos. Was bleibt, sind randvolle Speicherkarten und die Erinnerung an eine einmalige, wiederholenswerte Fahrt. Der Hurtigrutenvirus hat eindeutig identifiziert.

Nochmaaal!