Nach der Reise ist vor der Reise

Die Reiseunterlagen.

Die Reiseunterlagen.

Kaum habe ich die Nacharbeiten zur Nordlicht-und-Sterne-Reise GRP107 abgeschlossen, steht schon die nächste Tour an: GRP101 startet am Mittwoch, für mich beginnt der Flug diesmal in Frankfurt, wieder mit Volker. Die Reiseunterlagen sind da, und wer sich wundert, warum GRP101 nach GRP107 kommt: Die 101 war ausgebucht, und 107 wurde nachträglich angeboten – was sich bei der Polarlichtausbeute auch gelohnt hat, und Glück mit dem Wetter hatten wir auch. Jetzt hat ja das Sturmtief Ole neue Rekorde gesetzt, und so richtig schön sind die Aussichten noch nicht. Aber in Norwegen ändert sich das Wetter ja stündlich. Mal sehen, wie die Nordkapp das schwere Wetter überstanden hat.

Da letztes Mal gefragt wurde, hier schon einmal die Reisedaten:

  • Tag 1 – 11.2.2015: Bergen (Ablegen gegen 22:30)
  • Tag 2 – 12.2.2015: Ålesund
  • Tag 3 – 13.2.2015: Königsstadt Trondheim (am Freitag, ideal zum Shoppen – als ob ich die Buchhandlungen noch nicht durch hätte)
  • Tag 4 – 14.2.2015: Polarkreis und Lofoten (vielleicht komme ich diesmal zum Wikingerfest)
  • Tag 5 – 15.2.2015: Tromsø (Sonntags…)
  • Tag 6 – 16.2.2015: Honningvåg und Nordkapp
  • Tag 7 – 17.2.2015: Kirkenes, der Wendepunkt
  • Tag 8 – 18.2.2015: Hammerfest (mal wieder im Isbjørnklubben vorbeischauen) und Tromsø zur Mitternacht
  • Tag 9 – 19.2.2015: Vesterålen und Lofoten (Mit Hurtigrutenmuseum)
  • Tag 10 – 20.2.2015: Polarkreis (schon wieder)
  • Tag 11 – 21.2.2015: Trondheim (bevor die Läden aufmachen) und Kristiansund
  • Tag 12 – 22.2.2015: Back to Bergen – das Ende der Reise

Und da ich ja nicht nur zu meinem Vergnügen hinfahre (auch wenn es immer wieder Spaß macht), darf ich mich noch ein wenig auf Bergen vorbereiten – ich darf nicht nur die Dinge über den Wolken erklären, sondern auch auf der Fahrt durch Bergen etwas über die Stadt erzählen. Kein Problem, ich bin ja nicht das erste mal da.

Polarlichtvideo – GRP107 im Zeitraffer

So langsam bin ich mit meinem Reiserückblick für die Nordlicht-und-Sterne-Tour GRP107 vom Januar fertig. Pünktlich dazu hat mir Arthus ein schönes Bild der Nordkapp in Honningsvåg geschickt, das ich niemandem vorenthalten will:

MS Nordkapp in Honningsvåg

MS Nordkapp in Honningsvåg

Ich geb’s zu: Ist doch hübscher als die Shell-Tankstelle.

Ich hab’s jetzt auch geschafft, meine ganzen Polarlichtbilder zu einem Film zu verarbeiten. Er steht wie immer bei Vimeo:

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Nordlicht über der MS Nordkapp – Nordlicht und Sterne GRP107 im Januar 2015 from Alex Kerste on Vimeo.

Viel Spaß beim Anschauen!

Den ganzen Reisebericht gibt es in der Kategorie-Ansicht in der chronologisch richtigen Reihenfolge.

Tag 12 & 13 – Bergen und der Rückflug

Es ist eine seltsame Stimmung an Bord, während wir uns langsam nach Süden vorarbeiten: Bereits um 10 Uhr mussten die Kabinen geräumt werden, damit die Crew eine Chance hat, das Schiff für die nächste Reise fertig zu machen. Immerhin kommen wir erst gegen 14:30 in Bergen an, und rund zwei Stunden später dürften schon die nächsten Gäste an Bord kommen und sich auf das Bergen-Buffet freuen. Das große Gepäck wird im Laderaum verstaut und in Bergen dann über ein Gepäckband ausgegeben, bis dahin ist es außer Reichweite. Dummerweise habe ich meinen Kaffeebecher da ebenfalls mitverpackt… Nur das Handgepäck behält man, aber ich denke, nächstes Mal gebe ich das auch mit ab. Ständig darauf aufzupassen macht auch keinen Spaß.

Allerdings muss ich sagen, dass der Kontrast vom Schiff zu Flughäfen und der Bahn größer nicht sein könnte.

Auf dem Flugplatz: Never leave your baggage unattanded, or it will be SHOT because of terrorism. Oder vielleicht wegen der Diebstahlgefahr.

Auf der Nordkapp: Stell’s einfach irgendwo hin, wird schon keiner klauen.

Das Schiff ist mir da sympathischer… Trotzdem habe ich den letzten Teil der Reise im Computereck Reiseleitereck verbracht, um die nächste Reise zu planen, und es war ganz praktisch, den Laptop gelegentlich in Reichweite zu haben. Für den gelegentlichen Blick und Gang nach draußen war trotzdem genug Motivation da, schließlich wurde das Wetter immer besser.

Je näher es zum regenreichen Bergen ging, desto schöner wurde es, und letztlich hieß es dann, Abschied nehmen: In Bergen endete die Reise, und für alle, denen ich am Ausgang nicht mehr begegnet war: Macht’s gut, es war eine schöne Tour! Mir hat’s Spaß gemacht.

Im Bus zum Flughafen war nur etwa ein Drittel der Gruppe, der Rest durfte noch einen Tag in Bergen bleiben, da es keinen passenden Rückflug mehr gab. Für Felicitas und mich ging die Reise ebenfalls zum Flughafen, aber erstmal ins Hotel: Auch für uns gab es erst am nächsten Morgen einen Rückflug nach Stuttgart, und zumindest mir war ein Hotel am Flughafen sympathischer: So liegt das Frühstück näher an meinem Tagesrhythmus. Das Clarion Hotel am Bergen Lufthavn kann ich sehr empfehlen, auch wenn ich in den Matratzen fast versunken wäre. So kuschlig…

Immer wieder süß: Der Regionaljet 900, der uns gen Süden bringen würde.

Immer wieder süß: Der Canadair Regionaljet 900, der uns gen Süden bringen würde.

Über die Rückreise gibt’s nicht viel zu erzählen: Vom sonnigen Bergen gings ins verschneite Württemberg, das Auto beim FlyAway-Service abgeholt (perfekter Service: Raus dem Zollbereich und der Gepäckausgabe vom Flughafen, den im Preis inbegriffenen Shuttleservice angerufen, die Treppe hoch und bis zum Auto gefahren worden. Und dann in das süddeutsche Schneechaos gestürzt, um irgendwann gegen Abend nach Hause zum kommen.

Der Plan für die Woche: Das Blog fertigschreiben (mittlerweile erledigt, da der Hackerangriff geendet hat), Bilder sortieren und die Seite für die Kursteilnehmer fertigstellen, und dann die ganzen Polarlichtbilder zu einem Zeitraffer-Film verrechnen. Und zwischendrin etwas Geld verdienen. Die Deadline: 11. Februar, wenn ich wieder auf der Nordkapp bin. Volles Programm, aber es könnte klappen.

Achja: Der Nordlichtfilm ist dann öffentlich, den wird es hier und auf Vimeo geben.

Tag 11 – Trondheim und südwärts

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Jetzt kommt der Teil der Reise, der mir auch neu ist: Letzten Februar endete die Reise ja schon in Trondheim. Da das Feuerwerk gestern noch mindestens bis 1 Uhr ging (zumindest hatte ich dann die Kamera abgebaut), verzichtete ich auf einen erneuten Gang durch Trondheim, obwohl wir zwischen 6:30 und 10 Uhr eigentlich ausreichend Zeit hätten. Diejenigen, die sich den Stadtbummel nicht nehmen ließen, stellten fest, dass die Geschäfte erst so gegen zehn Uhr aufmachen. Immerhin war so jeder rechtzeitig zum Gruppenfoto wieder an Bord, das wir mit Trondheim im Rücken auf Deck 7 aufnahmen. Ein Gruppenfoto gehört zu jeder Reise, und gegen den bedeckten Himmel kann man später ja immer noch etwas unternehmen:-)

Ich muss zugeben, dass ich von der Landschaft nicht zu viel mitgekriegt habe. Die letzte Reise war entspannender – stärkeres Polarlicht, aber dafür deutlich weniger. Dafür nutzte ich den Tag, um meinen Koffeinhaushalt wieder auf ein Arbeitsniveau zu bringen und mich in die Bildbearbeitung mit Pixelmator einzuarbeiten – Photoshop fehlt noch auf dem Reiselaptop, und das Gruppenbild musste noch etwas aufgehübscht werden. Aber das Ergebnis gibt’s nur für die Teilnehmer der Reise.

Am Ende dieses Relax-Tages mit ständig wechselndem Wetter stand Kristiansund, gefolgt von einem kleinen Abschiedstrunk in der Bar: Ein kurzer Rückblick auf die Reise, zu dem ich wenig beizutragen hatte – langsam versagte die Stimme, und große Reden waren von meiner Seite nicht mehr drin. Aber dafür hab ich ja die Webseite.

Beim Tagesausklang in der Bar gab es dann zwei große Fragen: „Gibt’s heute Abend nochmal Polarlicht?“ und „Kannst du es für eine Stunde abstellen, damit wir packen können?“ Den Gefallen konnte ich den Gästen tun, ohne Polarlicht konnte tatsächlich in Ruhe gepackt werden – schließlich müssen die Kabinen am nächsten Tag bereits um zehn Uhr geräumt sein. Das Ende der Reise ist nah…

Tag 10 – die längste Sage

Nachdem es in der letzten Nacht früh zu Bett ging (also schon kurz nach Mitternacht), hatte ich mich eigentlich auf Ausschlafen gefreut. Bis um viertel nach sechs mein Kabinenfenster per Hochdruckreiniger gereinigt wurde.

Gegen acht Uhr weckte mich dann die Durchsage, dass wir gleich der MS Trollfjord begegnen.

Und gegen neun Uhr kam dann die Durchsage, dass wir jetzt wieder den Polarkreis südgehend passieren, wegen des Wetters die Insel auf der linken Seite sehen würden, und es anschließend eine kleine Arktische Zeremonie gäbe.

Südgehend am Polarkreis-Monument vorbei.

Südgehend am Polarkreis-Monument vorbei.

Irgendwann gebe sogar ich das kuschlige Bett auf, und mittlerweile lag die Nordkapp auch nicht mehr so schief im Wasser wie noch gegen acht, also war letztlich doch Aufstehen angesagt. Und der Griff zur Kamera, weil ich die Insel mit der Polarkreiskugel vom Fenster aus sehen konnte. Soll doch keiner sagen, ich hätte den Polarkreis verschlafen:-)

Für mich beginnt nun der gemütliche Teil der Reise: Alle Vorträge sind gehalten, und je weiter nach Süden es geht, desto geringer sind auch die Aussichten auf Polarlicht. Parallel dazu darf ich meine Ernährung auf Ricola und Kaffee umstellen: Die trockene Luft der Klimaanlage fordert ihren Tribut in Form eines rauen Halses. Den Tipp, immer ein nasses Handtuch als Luftbefeuchter an den Türgriff zu hängen, habe ich in den ersten Nächten leider vergessen, und vielleicht sollte ich die Klimaanlage wärmer einstellen. Aber was soll’s.

Die sieben Schwestern sind heute etwas schüchtern.

Die sieben Schwestern sind heute etwas schüchtern.

Das Wetter ist mittlerweile nicht mehr so schön wie am Anfang unserer Reise, sondern eher trüb und wolkig. Die sieben Schwestern zeigten sich auch eher scheu. Der Sage nach sind sie die Töchter des Königs Sulitjelmakongen, dessen Reich auf der Höhe von Svolvaer lag, jedoch auf der anderen Seite des Vestfjords. In Svolvaer herrschte zu dieser Zeit König Vågekallen. Sein Sohn Hestmannen bemerkte eines Tages die Aufpasserin der sieben Schwestern, die schöne Jungfrau Lekemøya. Er schwang sich auf sein Pferd, woraufhin Lekemøya und die sieben Schwestern die Flucht ergriffen. Die Schwestern gaben die Flucht auf, dorch Hestmannen war nur an Lekemøya interessiert und ließ sie links liegen. Als die Jungfrau ihm zu entkommen drohte, schoss er ihr einen Pfeil hinterher. Der König der Sømnaberge bemerkte das und warf seinen Hut, um den Pfeil abzufangen – noch heute liegt der durchschossene Hut als Torghatten, der Berg mit Loch, vor Brønnøysund. An Lekemøya erinnert heute die Insel Leke, auf der sie Schutz suchte.

Ansonsten war es ein angenehm ruhiger Tag, der mit Gesprächen und der Landschaft gut ausgefüllt war. In Brønnøysund war es schon zu dunkel für schöne Bilder des Torghatten, und das Captain’s Dinner am Abend war wie immer eine lockere Veranstaltung.

MS Nordkapp trifft MS Kong Harald in Rørvik

MS Nordkapp trifft MS Kong Harald in Rørvik

In Rørvik konnten wir dann noch der Kong Harald beim Anlegen zusehen. Das Schiff hatte einen schlechten Start in das Jahr: Wegen einem Generatorschaden mussten die Passagiere im Januar auf die Midnatsol umsteigen (auf der ja Volker mit seiner Nordlicht-und-Sterne-Gruppe war), und am 2. Februar – also kurz nach unserer Reise – wurde sie bei Berlevåg von einem schweren Brecher beschädigt, der zwei Fenster eingedrückt hatte. Am 29.1. in Rørvik sah sie aber noch gut aus.

Da sowohl der Wetterbericht als die Polarlichtvorhersage schlecht aussahen, wurde dieser Abend für Gespräche genutzt, ganz gemütlich. Im Fernsehen (ja, das hat auch auf der Nordkapp Einzug gehalten) liefen Berichte über einen Sturm, der in halb Norwegen für Stromausfall gesorgt hatte, während wir weiterhin eine ruhige Fahrt hatten. Kurz nach Mitternacht hatten sich dann die letzten Gäste ins Bett verabschiedet, und ich ging noch für einen letzten Kontrollblick an Deck. In der Bar war niemand mehr, und draußen am Heck auch niemand. Ein Blick nach oben:

Åååååå!

Ein großer Fetzen grünen Lichts hing über dem Heck; das Nordlicht lieferte noch einmal eine großartige Show. Also einmal durch’s Schiff zur Rezeption rennen, um eine Durchsage machen zu lassen, zur Kabine, die Kamera hoelen, und die Show genießen. Noch eine Stunde lang gab es ein Abschiedsfeuerwerk, dass ich in diesen Breiten nicht erwartet hätte. Mittlerweile gab es auch wieder Wolken, aber das Nordlicht tanzte lange genau zwischen den Wolkenlücken. Ich durfte mir nur eine Kritik von den Gästen anhören: Nächstes mal bitte zehn Minuten früher Bescheid sagen, bevor alle im Bett sind.

Ich probier’s:-)

Tag 7 – Kirkenes und retour

Ich sag’s doch: Wenn man bei den Polarlichtern lange genug wartet, sieht man auch rot:

Sonnenaufgang vor Kirkenes

Morgenrot vor Kirkenes

Kirkenes im Schnee

Kirkenes im Schnee

Okay, diesmal vielleicht nicht von den Lichtern selbst, aber immerhin… Kirkenes begrüßte uns mit einer langen Morgendämmerung und prächtigem Morgenrot, sodass die Teilnehmer der Hundeschlittentour und des Besuchs im Schneehotel bestes Wetter hatten. Mit den warmen Sachen lässt es sich auf dem Schlitten sehr gut aushalten.

Lediglich die Bustour zur russischen Grenze fiel diesmal aus – ob es an der geringen Teilnehmerzahl oder doch am Wetter lag, habe ich nicht mitgekriegt. Für mich standen heute keine Ausflüge auf dem Plan, sondern Bilder sichten und zusätzliche Speicherkarten und Festplatten für die nächste Reise bestellen…

Entweder die Amalthea oder die Antarctic im Nebel – ich bin aus Marinetraffic nicht schlau geworden.

Entweder die Amalthea oder die Antarctic im Nebel – ich bin aus Marinetraffic nicht schlau geworden.

Im Lauf des Tages wurde das Wetter immer schlechter, und in einer Mischung aus Schneetreiben und Nebel ging es wieder zurück in Richtung Vardø, dem östlichsten Punkt unserer Reise. Kurz vor Vardø stand ein Informationsfilm über den Pomorenhandel auf dem Programm, der bis ins frühe 20. Jahrhundert zwischen der Finnmark und Russland stattfand. Kaum zu glauben, wie viele einmal Schiffe gleichzeitig in Vardø lagen.

Heute gibt es in Vardø noch einiges zu sehen, wegen der frühen Dunkelheit wagte ich den Weg zu Hexendenkmal oder Festung allerdings nicht. Stattdessen: Eismeerbaden. Aber nur gucken, nicht schwimmen. Sogar einer von unserer Gruppe hat sich in die 2° warmen Fluten gewagt, außerdem ein Crewmitglied, das dann auch noch ein paar Runden geschwommen war. Respekt.

Ab zum Eismeerbaden in Vardø

Ab zum Eismeerbaden in Vardø

Angeblich war es gar nicht so schlimm, und das Schiff fühlte sich danach wie eine Sauna an. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass es ein Ersatz fürs Boblebad ist.

Nachdem alle wieder an Bord waren, gab es zum Aufwärmen dann auch schon den vorletzten Vortrag unserer Reihe: Das Universum in 60 Minuten, diesmal wieder von Felicitas und wegen des schlechten Wetters sogar mit mir als Zuhörer. Das Ende der Reise ist nahe – wobei wir ja sogar effektiv zwei Tage mehr an Bord haben, nachdem die Reise 2014 schon in Trondheim endete.

IMG_1439In Anbetracht des Wetters gab es schon eine gewisse Vorfreude auf den Abend: Endlich ein gemütlicher Abend in der Bar, und dann früh ins Bett.

Pustekuchen. Immer wieder machten sich Wolkenlücken breit, durch die das Polarlicht schimmerte – nicht allzu intensiv, aber doch wahrnehmbar und nur von einigen Häfen unterbrochen. Daher lief meine Kamera ab 21:30 durch, erst am Bug, später am Heck. Es gab auch einiges an Polarlicht, aber auch noch mehr Wolken – gegen halb 12 gab ich wie die meisten Gäste auf und kehrte in die Kabine zurück.

Der erste Schritt: Kamera putzen. Durch die salzhaltige Gischt hatte ich jetzt eine weiße Nikon statt einer schwarzen… Der Seegang nahm ebenfalls zu, daher verarbeitete ich die Bilder noch zu einem Filmchen für den Vortrag morgen Nachmittag, und machte gegen halb zwei Feierabend. Der Film ist ganz nett, die Einzelbilder weniger:

Der Legende zufolge gab es um halb drei noch einen Polarlichtalarm und ruchtig schönes Polarlicht, aber der ging völlig an mir vorbei. Aber Felicitas und einige Gäste hatten es gesehen und waren begeistert, daher konnte ich mich guten Gewissens dem Schlaf der Gerechten widmen.

Tag 2: Ålesund und erstes Polarlicht

Blick zurück auf's Westkap

Blick zurück auf’s Westkap

Bei bestem Wetter sind wir in die Reise gestartet, und sogar das Westkap war recht freundlich: Das erste Stück offenes Meer wird pünktlich zum Frühstück passiert, und dementsprechend sind alle etwas um das Frühstücksbuffet herumgetorkelt. Trotzdem planen die Norweger weiterhin, das Westkap zu untertunneln – bei richtigem Sturm geht es anders ab.

Um 11 Uhr war dann Meet&Greet angesagt: Reiseleiter Kai, Ko-Lektorin Felicitas und ich stellten uns der 42-köpfigen Gruppe vor, klärten organisatorische Details und gaben die Vortragstermine bekannt, anschließend stand auch schon das Mittagessen auf dem Programm – etwas früher, damit auch jeder die Stadtführung am nächsten Halt mitmachen konnte, ohne auf eine Mahlzeit verzichten zu müssen. Allerdings hatte schon der kleine Schoko-Nachtisch genug Kalorien für eine ganze Familie. Uff…

Die Rute führt vom Westkap aus über Torvik in die Jugendstilstadt Ålesund. Jetzt weiß ich endlich, wie der Aksla bei Sonnenschein aussieht, letztes Jahr bei Sturm war doch ein Erlebnis der anderen Art. Auch diesmal habe ich die Stadt auf eigene Faust erkundet, man war ja doch noch nicht überall. Und nach dem Mittagessen war Bewegung nötig. Hübsche Kirche.

Nach Ålesund ging es ruhig weiter. Unser Tourguide zeigte am Nachmittag den Hurtigrutenfilm über die Polarlichter, der mal wieder meinen halben Vortrag vorwegnahm (macht aber nichts, so merkt man es sich besser), und für den Abend war Sternbilder erklären angesagt. Es ist zwar noch einiges an Materie im Sonnensystem unterwegs, aber auf der Höhe Polarlichter? Wohl kaum.

Da das Schiff mit rund 150 Passagieren bei weitem nicht ausgelastet ist, gibt es nur eine Abendessensitzung um 19:00, im Anschluss hatte ich dann zu einer kurzen Sternführung auf dem Achterdeck eingeladen – der Käptn hatte die Beleuchtung ausgeschaltet, nur der Schornstein war noch erstrahlt, sodass die schwächeren Sterne fehlten. Aber das erleichtert immerhin die Orientierung, und Felicitas konnte den Komet Lovejoy im Fernglas präsentieren. Im Norden zog derweil Nebel auf.

Nebel?

Einen kurzen Sprint in die Kabine später hatte ich meine Kamera aufgebaut, und 30 Sekunden später war klar: Das ist grün. Ich konnte also jetzt schon das erste Polarlicht präsentieren, noch vor Kristiansund, auf 63° 6′ 26,53″ N und 7° 32′ 25,308″ O.

Ein Hauch von Polarlicht

Ein Hauch von Polarlicht

Zugegeben, dieses schmale graue Band war jetzt nicht gerade das, weshalb wir hier sind, aber der Pflichtteil war erledigt. Diesmal droht uns keiner eine zweite Polarkreistaufe / Icebucket-Challenge an, weil es keine Polarlichter gibt.

In Kristiansund (22:15-23:00) ging wegen Stadtbeleuchtung eh nichts. Die Kollegen auf der Midnatsol zwei Schiffe weiter nördlich hatten auch schon etwas gesehen, und nachdem das Schiff kurz vor Mitternacht fast ausgestorben war, ging ich noch ein letztes Mal nach draußen. Da tat sich doch was, ein sanfter, aber deutlicher Bogen über dem Nordhorizont. Also zurück in die Kabine, Kamera plus Stativ holen und ab an den Bug: Keine Chance, mir hätte es fast das Stativ über Bord geweht. Am seitlichen Umlauf ging es dann, und mittlerweile war auch etwas Farbe und Bewegung zu erkennen:

Das erste richtige Polarlicht

Das erste richtige Polarlicht. 5 Sekunden bei 3200 ISO und 13mm/f2,4

Damit war klar: Das muss bekannt gegeben werden. Die Rezeption war zum Glück noch besetzt und konnte eine Durchsage machen. Viele haben es gehört, und das Deck hat sich dann langsam gefüllt. Das Licht wandelte sich allmählich zum breiten Band und zeigte Strukturen. So geht Polarlicht, zumindest so weit im Süden. Eineinhalb Stunden später leerte sich das Deck wieder, da morgen von 6-12 Uhr Trondheim auf dem Programm steht, aber das Licht tanzte schwächer weiter.

Dancing slowly: Die Farben waren dezent, aber mit der Zeit waren Veränderungen zu sehen.

Dancing slowly: Die Farben waren dezent, aber mit der Zeit waren Veränderungen zu sehen. Irgendwo darunter ist die Midnatsol…

Und die Kollegen auf der Midnatsol? WOW. HAMMER. Die waren mit ihrem überfüllten Schiff (die Gäste der Kong Harald sind wegen Generatorschaden auf die Midnatsol umgesiedelt) näher dran und begeistert. Aber für den Einstieg können wir auch zufrieden sein (zumindest alle, die die Durchsage gehört haben).

2015_GRP_100-6-Midnatsol

Das Polarlicht über der Midnatsol, etwa Höhe Lofoten.

Und in unseren modernen Zeiten sieht man natürlich noch mehr: Daniel Fischer ist gerade mit einer Gruppe auf der Insel und war mitten drin statt nur dabei – festes Land hat natürlich den Vorteil, dass es nicht wackelt

Bei mir war dann als letzter gegen zwei Uhr Feierabend, und es blieb nur noch den Kamerakku wieder ans Ladegerät zu hängen und den Gang durch Trondheim zu streichen – um sechs Uhr aufstehen ist nicht mehr:-) Stattdessen werden morgen früh Bilder gesichtet und dieser Beitrag geschrieben.

Endlich wieder auf der Hurtigrute

Es ist wieder soweit: Tag 1 meiner ersten Hurtigrutentour ist Realität! Vielleicht klappt’s diesmal mit dem Live-Bloggen; Twitter wird zumindest mal öfter gepflegt – ein neuer Handyvertrag macht’s möglich.

Flugzeugenteisung auf dem Stuttgarter Flughafen

Flugzeugenteisung auf dem Stuttgarter Flughafen

Und wie sich das gehört, hat es mit Chaos begonnen: Der Schneeregen im Ländle war wohl für manchen Autofahrer zuviel, und die Fahrt zum Stuttgarter Flughafen hat statt einer Stunde satte eindreiviertel Stunden gedauert – Unfall im Engelbergtunnel. Zum Glück war ein eine halbe Stunde früher als geplant losgefahren und habe nur sechs der zwanzig Kilometer Stau mitgemacht. Der obligatorische Streik der Security war auch schon letzten Donnerstag, sodass ich pünktlich im Flieger nach Kopenhagen saß – samt meiner Ko-Lektorin Felicitas Mokler, und einer Handvoll Passagiere. Der Flieger war diesmal ein Regionaljet 900 und fällt in die Kategorie lächerliche Keksdose, zumindest im Vergleich mit den Airbus‘, die ich so gewöhnt bin: Aufrecht stehen ist nicht. Da Stuttgart sich von seiner besten Seite zeigt (Nebel Schneeregen und Sichtweite Null), habe ich auch endlich mal eine Flugzeugenteisung miterlebt. Die grüne Soße hat gewirkt, sodass wir problemlos nach Kopenhagen fliegen und dort in einen Airbus umsteigen konnten (Kopffreiheit! Handgepäckfach!). Die gute Nachricht: Nicht nur die meisten unserer Gäste waren an Bord, sondern – richtig ungewohnt – sogar mein Gepäck! Das ist auch ganz gut so, da diesmal kein Aufenthalt in Bergen auf dem Programm stand, sondern es gleich auf die Nordkapp ging.

Nein, das war nicht unser Flieger...

Nein, das war nicht unser Flieger…

Am Flughafen Bergen erwartete uns Kai, unser Reiseleiter, und mit dem Bus ging es dann auf leichten Umwegen zum Schiff: Da kein Aufenthalt in Bergen mehr auf dem Programm steht, wird die Fahrt zu einer kleinen Stadtrundfahrt genutzt. Diesmal gab’s keinen Regen in Bergen, aber dafür war Nacht…

Und dann das Deja-vu: Endlich wieder Hurtigruten-Terminalen und MS Nordkapp. Man kommt sich fast wie zuhause vor, auch wenn es ein paar Änderungen gibt: Unser Reiseleiter vom letzten Mal ist auf die Midnatsol gewechselt (seine Nachfolgerin ist aber auch nett), die beiden Whirlpools sind weg (buhu), und das Schiff ist fast leer: Nur rund 150 Passagiere sind an Bord. Da ist es kein Problem, den Konferenzraum zu kriegen. Wird eine gemütliche Fahrt.

Auf der Midnatsol ist’s enger: Eigentlich hätte ich ja die Tour machen sollen, die zwei Tage früher gestartet ist, dafür haben Volker und Marcus jetzt volles Haus – die Kong Harald hat technische Probleme, und ihre Passagiere sind jetzt auf die Midnatsol gewechselt. Dafür haben die beiden schon am zweiten Tag Polarlichter gesehen: Der Himmel ist klar (Von wegen, über Baden lacht die Sonne – diesmal lacht sie über Bergen), und die Voraussichten sind gut. Die Stürme der letzten Wochen haben sich auch ausgetobt: Beste Voraussichten!

Adieu, BErgen: Ein letzter Blick auf's Hurtigruten-Terminalen.

Adieu, Bergen: Ein letzter Blick auf’s Hurtigruten-Terminalen.

Nach dem Bergen-Buffet, ersten Gesprächen mit den Mitreisenden und etwas Verzögerung (die Rettungsboote wurden wohl noch getestet) geht’s jetzt endlich los: Wir verlassen Bergen, und gegen ein Uhr kommt wohl etwas offenere See. Letztes Mal hat’s am nächsten Morgen schön geschaukelt, mal sehen was das Westkap morgen zu bieten hat.

Und viel interessanter: Mal sehen, was der Himmel in den nächsten Tagen zu bieten hat!

Nachtrag: Die Tourdaten

Noch als Ergänzung, weil gefragt wurde: Hier die Tourdaten:

  • Tag 1 – 20.1.2015: Anreise, Abfahrt Bergen
  • Tag 2 – 21.1.2015: Ålesund
  • Tag 3 – 22.1.2015: Königsstadt Trondheim
  • Tag 4 – 23.1.2015: Polarkreis und Lofoten
  • Tag 5 – 24.1.2015: Tromsø, Tor zur Arktis
  • Tag 6 – 25.1.2015: Honningsvåg und Nordkap
  • Tag 7 – 26.1.2015: Kirkenes, der Wendepunkt
  • Tag 8 – 27.1.2015: Hammerfest und Tromsø
  • Tag 9 – 28.1.2015: Vesterålen und Lofoten
  • Tag 10 – 29.1.2015: Polarkreis
  • Tag 11 – 30.1.2015: Trondheim und Kristiansund
  • Tag 12 – 31.1.2015: Bergen, das Ende der Reise

Wenn das Blog vollständig ist, lassen sich alle Beiträge auch chronologisch über die Kategorieauswahl abrufen; mit dem ältesten Beitrag zuerst.

Reisevorbereitungen

Ach ja – ich könnte jetzt schon im Flieger sitzen, wenn ich die GRP100 der Nordlicht und Sterne Tour von Astronomie.de und Hurtigruten nicht mit der GRP107 getauscht hätte. So sitzen jetzt Volker und Marcus (hoffentlich) im Flieger nach Norwegen und stechen heute Abend mit der MS Midnatsol in See. Macht aber nichts, ich fliege dann am Dienstag ab Stuttgart und mache es mir wieder auf der MS Nordkapp bequem. Bei Havøysund können wir uns dann zuwinken, irgendwann später kommt dann sogar die Sonne halb über den Horizont – abklingende Polarnacht ist was feines.

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen sind da und gepackt ist fast alles. Der Handy-Tarif ist jetzt auch auf Norwegen umgestellt, sodass ich zumindest den Twitter-Feed öfter füttern kann, ohne mir um Roaming Gedanken zu machen – mal sehen, ob die Live-Berichterstattung jetzt besser klappt als auf der letzten Reise. Die Wettervorhersage ist auch nicht schlecht (nach den ganzen Stürmen zum Jahresbeginn), jetzt muss nur noch die Sonne mitspielen und sich etwas Mühe geben. Bis zum nächsten Minimum ist eigentlich noch Zeit…

Mit etwas über 40 Teilnehmern ist die Gruppe recht überschaubar, aber es ist ja auch „nur“ der Ausweichtermin, weil die Midnatsol voll ist. Könnte gut werden. Ach was: Wird gut werden!

Gegenüber der letzten Reise haben sich ein paar Sachen geändert:

  • Es gibt jetzt keine Übernachtung vor der Reise in Bergen mehr. Das ist einerseits gut, da Peppes Pizza so meine Reisekasse nicht plündert, andererseits sollte das Gepäck diesmal gefälligst auch mit mir im selben Flieger sein. Am Donnerstag hat die Security in Stuttgart gestreikt, hoffentlich arbeiten sie dann am Dienstag. Oder winken mich einfach so durch, unsicherer fühle ich mich dann auch nicht.
  • Die Reise endet in Bergen statt schon in Trondheim. Mal sehen – Trondheim hatte einen netten Flughafen, Bergen ist wohl immer noch Baustelle. Dafür gibt’s einen Tag mehr auf dem Schiff.
  • Das Boblebad auf der Nordkapp ist anscheinend stillgelegt:-(
  • Ich bleibe im Anschluss an die Reise noch eine Nacht in Bergen, weil kein Rückflug mehr frei war…

Von mir aus kann’s losgehen:-)

Nordlicht und Hurtigruten 2014/2015

Mittlerweile stehen meine Termine für diesen Winter in Norwegen, die Flüge sind gebucht, wieder umgebucht und schließlich bestätigt, die Hotels ebenfalls, und ich werde insgesamt immerhin einen Monat in Norwegen sein. Wenn das mal keine Heizkosten spart…

Die MS Nordkapp

Die MS Nordkapp

Hurtigruten darf ich dieses Jahr gleich zweimal machen: Eigentlich sollte ich die GRP100 vom 18.-29. Januar 2015 auf der Midnatsol begleiten, aber dann wurde kurzfristig umdisponiert, und ich starte zwei Tage später mit der Nordkapp: Vom 20. bis zum 31. Januar hoffe ich dann auf klaren Himmel und ruhige See. Das Schiff kenne ich ja, die Tour im letzten Februar war ja ebenfalls mit diesem Schiff. Das ganze ist die GRP107, es sind übrigens noch Plätze auf dieser Nordlicht und Sterne-Reise frei. Die Fahrt geht fast in die Polarnacht, das wird bestimmt spannend.

Dann schaue ich mal kurz in BaWü vorbei, bevor es vom 11. bis zum 22. Februar heißt: GRP101, die selbe Tour nochmal – dann wieder mit Volker und wieder auf der MS Nordkapp, wie letzten Februar. Selbes Schiff, andere Kabine und anderer TourGuide (Marco ist ja jetzt auf der Midnatsol). Die Februar-Tour ist bereits ausgebucht, wer mich live erleben will, muss also entweder im Januar mitfahren oder noch etwas warten.

Der Foto-Setup für Timelapse-Aufnahmen.

Der Foto-Setup für Timelapse-Aufnahmen.

Bleiben wir mal regional: Am 2. Januar 2015 werde ich voraussichtlich meinen Hurtigruten-Vortrag im Keplersaal des Planetarium Stuttgart halten. Organisieren wird das die Schwäbische Sternwarte. Das ist noch ein bisschen unter Vorbehalt; wenn ganz Württemberg unter Neujahrsglatteis liegt, werde ich eher nicht nach Stuttgart rutschen… Der Vortrag ist vor allem ein Rückblick auf die letzte Hurtigruten-Tour, aber:

Vom 23.-27. November (also demnächst) bin ich für ein paar Tage in Tromsø, Polarlichter jagen. Heute Abend habe ich schon einmal das Equipment getestet (es gibt Fotoläden in Tromsø, aber wer will sich das schon leisten): Den StarAdventurer mal im TimeLapse-Modus getestet, Batterien getestet, Schutzgläser für die Objektive besorgt und ein Auto samt Fahrer fürs Polarlichtjagen organisiert (das war’s dann mit meinem Reisebudget). Die letzten Teile habe ich letzte Teile mal wieder bei Fernrohrland/Photo Universal besorgt. Jetzt muss ich nur noch ein paar Optiken putzen, Batterien kaufen und auf gutes Wetter hoffen.

Winter is coming – ich freu mich drauf!