Hurtigrute Tag 11: Trondheim und südwärts

Heute kann ich ausschlafen – von 6:30-9:45 liegen wir in Trondheim, und der Ausflug, der mich interessiert hätte, fällt aus. Keiner hat Interesse an den geheimen Gemächern des Nidarosdoms – oder vielleicht auch kein Budget mehr, der Ausflug ist doch deutlich teurer als die normale Stadtrundfahrt oder Dombesichtigung. Auf einem Schiff war er einmal als „Die geheimen Gemächte des Nidarosdoms“ angekündigt. Es sind diese Kleinigkeiten, die die Fahrt so sympathisch machen.

Pirbadet

Den erneuten Gang in die Stadt erspare ich mir, stattdessen gehe ich nur kurz durch den Hafen. Neben dem Pirbadet steht eine Wikinger-Statue, und daneben ist recht neu eine Fahrrad-Verleihstation. Per App kann man hier ein Fahrrad ausleihen und in die Stadt fahren. Außerdem stehen ein paar Elektroroller rum – QR-Code scannen und losfahren. Eine interessante Option, um sich den Fußmarsch zu sparen. Kein Wunder, dass die Dinger in der Kritik stehen, dass durch sie Fußmärsche statt Autofahrten wegfallen…

Blick auf Trondheim

Noch ein kurzer Besuch im Rema 1000, den ich später bereue – dank Schokoladenvorräten kratzt mein Koffer am Gewichtslimit. Bei so einer tollen Reise kommt man nicht mal zum Frustfressen:-)

Beim Ablegen sehen wir noch wehmütig-neidisch die nordgehende Hurtigrute MS Richard With. Sie wartet vor Munkholmen und nimmt uns aufs Korn, als wir endlich ablegen und den Kai frei machen: Ihr Bug ist fest auf uns gerichtet.

Richard With

Der Rest des Tages dient dazu, endlich einmal die Seele baumeln zu lassen. Um 10 Uhr gibt Heinz allgemeine Infos zum Check-Out in Bergen, um 14 Uhr machen wir unseren Farewell-Cocktail mit Rückreise-Infos für unsere Gruppe und einem Reiserückblick – von Andreas in Worten und mir in Bildern.

Kristiansund

Vom Nachmittag bekomme ich nicht allzu viel mit: Bis Kristiansund bin ich am Tisch vor dem Konferenzraum und verteile meine Bilder und Filme auf die USB-Sticks und Speicherkarten der Gäste. Den Begriff Memory-Stick hatte Heinz so schön mit Erinnerungs-Stock übersetzt. Für Kristiansund gehe ich kurz an Deck, aber erst, nachdem wir schon angelegt haben. Also gibt es nur die klassische Ansicht der Kirche vom Schiff aus. Schönes Städtchen mit vielen Brücken und Inseln.

Hustadvika

Nach Kristiansund bleibt noch eine Stunde bis zum Abendessen, und es geht auf die Hustadvika. Im März war hier die Viking Sky havariert, bei uns wackelt es nur ein wenig bei rund 2,5 Meter hohen Wellen – aber es doch die stärkste Bewegung im Schiff seit Beginn der Reise. Im Restaurant sieht es auch immer wieder aus wie in der Achterbahn: Wir haben nicht nur ordentlich Hub, sondern immer wieder auch ein Rollen im Schiff. Es kommt nicht nur auf die Wellenhöhe an, sondern auch auf die Richtung. Das macht es schwer, die Auswirkungen der Wellen einzuschätzen. Aber auch wenn manche Wasserflasche auf den Tischen umkippt, die Reihen sind überraschend wenig gelichtet. Mittlerweile sind fast alle echte Seefahrer:-)

Wobei: Als wir uns Molde nähern und ruhigere Fahrwasser durchqueren, werden im Bistro die ersten Pizzas serviert. Manch einer, der sicherheitshalber auf die Schweinshaxe verzichtet hatte, macht groooße Augen und bestellt sich dann eine Pizza.

Molde

Als wir schließlich Molde erreichen, ist es bereits stockfinstere Nacht. Noch ein letztes Foto, dann heißt es Koffer packen. Mit Müh und Not bringe ich meinen unter die 23 kg. Ich habe wohl mehr als ein „lite stycke Norge“ dabei…

Nach Molde begenen wir noch unserem Schwesterschiff, der MS Nordnorge, dann kann der Abend ganz ohne Termine ausklingen. Morgen steht noch ein Seetag an, und dann: Ha det bra! Mach’s gut Norwegen.

Going North: MS Nordnorge

Hurtigrute Tag 12: Das Finale

Florø

Es ist kaum zu glauben, dass wir schon am Ende der Reise sind. Eine Tour ohne Schnee und ohne Stürme vergeht wie ein Traum. Aber es ist wahr: Noch vor acht Uhr legen wir in Florø an, dem letzten Hafen vor Bergen. Das bedeutet: Wer keine Suite hat, muss um zehn Uhr raus aus der Kabine, die schon bald für die nächste Tour heute Abend bereit gemacht wird. Schließlich hat das Schiff keine Pause, sondern wird sich um 20:30 wieder auf die Reise in den Norden machen, mit einem Großteil der Crew. Die Besatzung macht ja immer zwei Fahrten am Stück, und nur diejenigen, die Kontakt mit den Gästen haben, wechseln in Bergen. Alle anderen steigen durchaus irgendwo entlang der Route aus, je nach Wohnort.

Die Polizeistation im Hafen von Florø

In Florø bin ich früh genug auf den Beinen, um zumindest einen Gang um das Deck zu machen. In Florø legen wir auch im Industriegebiet an, aber der Ort ist hinter den Containern zu erkennen und wirkt ganz hübsch. Nah am Anleger ist das Polizeigebäude. Jetzt weiß ich endlich, wo Lego in den 80er das Vorbild für seine Polizeistationen gefunden hat. Oder Architekt hat früher mit Lego gespielt, wer weiß das schon.

Das Lektorenteam

Nach Florø kommt nur noch Landschaft, zum Glück bei prächtigem Wetter und minimalem Wellengang. Perfekt. Das Tagesprogramm wird wegen Computerproblemen nur durchgesagt und liegt nicht gedruckt vor. Um 10:30 gibt es noch ein Gruppenfoto von Seiten des Schiffs für die Facebook-Seite der Kong Harald – jede Reise erhält da ihr eigenes Album. Vorher dürfen Thomas und ich noch für ein Team-Foto posieren. Der Ort ist gut gewählt: Wir fahren durch den engen Steinsund, Norwegen ist noch einmal zum Greifen nah. Auf den anschließenden Volkstanz mit dem Expeditionsteam verzichte ich jedoch und ergreife die Flucht.

Gruppenfoto auf Deck 7

Um 11:30 wird zum ersten Mittagessen gerufen. Es gibt noch einmal zwei Sitzungen, damit alle etwas zu Essen bekommen, bevor wir gegen 14:30 Bergen erreichen. Ich lasse es aber ausfallen und genieße noch ein wenig die Landschaft. Endlich ist auch der Apfel dran, der von meinem Ambassador-Obstkorb von der Abreise bis jetzt überlebt hat. (Das Ambassador-Programm lohnt sich für alle, die Wiederholungstäter werden wollen: Es gibt ein paar Ausflüge billiger, und vor allem unter Umständen vergünstigte Reisen – zwar nur 5%, aber immerhin. Und die Möglichkeit, ein Fahrrad auszuleihen, sowie einen Obstkorb pro Kabine.)

Norwegen, zum Greifen nah.

Die Fahrt ist weitestgehend windgeschützt und vergeht bei diesem Traumwetter schnell – bei Sturm oder Regen sieht das ganz anders aus, dann sitzt man im Schiff auf dem Gepäck und wartet auf Bergen. So zeigt die Hurtigrute sich noch einmal von der besten Seite. Seltsam: Eigentlich sollte es in Bergen regnen und in Tromsø schön sein, nicht umgekehrt. Egal, es bleibt die Zeit für einen letzten Gang durch das „Hurtigruten-Schiff des Jahres“. Endlich mal die Aushänge anschauen. Wichtige Info: Wer bar bezahlt, darf sich keine alten Kronen-Scheine andrehen lassen, die sind ungültig. Ebenfalls deprimierend: Batterien sind auf dem Schiff billiger als im Rewe in Deutschland oder auf dem Flughafen Paris/Charles de Gaule.

MS Midnatsol

Und dann kommt auch schon Bergen in Sicht, pünktlich gegen 14:30. Im Hafen überraschen uns die vertrauten Weiß-Rot-Schwarzen Farben eines Hurtigrutenschiffs: Am Nachbarkai, durch eine Halbinsel vom Hurtigrutenterminal getrennt und mit Blick auf die Festung Bergenhus, liegt die Midnatsol. Sie macht sich für den Winter bereit: Sie tauscht den Platz in der Route mit der Spitsbergen und wird bald Richtung Antarktis starten, für Expeditionsreisen im antarktischen Sommer.

Hurtigrutenterminalen

Wenig später legen wir am Hurtigrutenterminal an, wo deckweise ausgestiegen wird – von oben nach unten. Ein letztes Mal heißt es „Good Bye“, dann sammeln alle ihre Koffer vom Gepäckband ein und steigen in die Busse ein. Für unsere Gruppe geht es direkt zum Flughafen; einmal quer durch das neue Tunnelsystem unter der Stadt geht es schnell, auch wenn man von Bergen nichts sieht.

Gepäckausladen

Noch ein oder zwei Tage in Bergen wären reizvoll, um die Reise ausklingen zu lassen – aber die müsste man separat dazu buchen. So geht es schnurstracks zum Flughafen und dem Kampf mit der Technik: Vor allem die Automaten von KLM machen mal wieder Ärger, und viele müssen dann doch an dem einzigen bemannten Schalter anstehen. Soweit ich das mitkriege, kommen aber doch alle rechtzeitig in ihre Flugzeuge und treten den Heimweg an.

Mein Flugzeug nach Kopenhagen startet auch rechtzeitig, und die 15 Minuten für den Gatewechsel sind bei 55 Minuten Umsteigezeit auch machbar. Das Boarding beginnt pünktlich, und wir passen sogar in den Transferbus – es stehen mal wieder alle in der Tür, sodass man kaum in den Bus kommt, obwohl noch alle Sitzplätze frei sind. Das ist wohl die Angst, zu spät in den Flieger zu kommen, obwohl es reservierte Plätze kommt. Wir fahren zum Flugzeug und schauen es einige Zeit an: Die Türen bleiben zu, die Crew werkelt am Flieger rum, und dann drehen wir kommentarlos um und fahren zum Gate zurück. Gut, dass ich mir einen Sitzplatz genommen hatte, statt auch vor der Tür stehen zu bleiben… Derweil meldet sich die SAS-App mit neuer Abflugzeit und neuem Gate: Unser vorgesehenes Flugzeug hat einen technischen Defekt. Naja, lieber eine Stunde später abfliegen als mit einem kaputten Flugzeug.

Ab nach Stuttgart

Endlich findet sich ein Ersatzflieger. Kurz vor 23 Uhr erreichen wir Stuttgart. Mit Blick auf das Nachtflugverbot nicht schlecht, wobei wir – dank geplanter Landezeit um 22:10 – sogar bis Mitternacht hätten landen dürfen. Das Gepäck kommt um die Zeit extrem schnell auf das Gepäckband, und ich kann den Parkplatz sogar noch verlassen, ohne nachzahlen zu müssen. Da habe ich wohl genug Karenzzeit eingeplant.

Jetzt bleibt nur noch, die letzten Bilder zu sortieren und meinen Abschlussfilm auf den Server zu laden, dann ist diese Reise auch schon wieder abgeschlossen – so kurz, schön und ereignisreich sie auch war. Für mich heißt es Ende November wieder Norwegen, während einige unserer Gäste Alaska, Antarktis oder auch die nächste Hurtigrute planen. Schön war’s!