Und wieder ab nach Norwegen!

Die Reiseunterlagen und noch mehr Probedrucke

Die Reiseunterlagen und noch mehr Probedrucke

Naja, noch nicht heute, sondern erst am Montag. Aber die Unterlagen sind da, und wenn ich nicht noch auf der Frankfurter Buchmesse vorbeischauen wollte, könnte ich eigentlich schon durchstarten. Ebenfalls angekommen sind jetzt die letzten Probedrucke von meinem aktuellen Buchprojekt zur Nordlicht und Hurtigruten – gleich zwei Stück, einmal von Amazon und einmal von der Druckerei. Schauen beide gut aus, wieder ein Projekt abgeschlossen. Aber die beiden Bücher gehen nicht mit auf die Tour.

Die Oktober-Tour ist meine früheste in der Nordlicht-Saison, das heißt: Wir fahren noch nach dem Herbstfahrplan. Damit gibt es ein paar Änderungen zur normalen Route. In den berühmten Geirangerfjord fahren wir wieder nicht, aber der ist wohl eh von Kreuzfahrtschiffen überlaufen. Den verlängerten Aufenthalt in Ålesund, den ich aus den Wintermonaten kenne, wird es trotzdem nicht geben, stattdessen steht ein Abstecher in den Hjørundfjord an – der wird wohl erst seit 2013 von der Hurtigrute angefahren und soll ähnlich beeindruckend sein wie der Geiranger. Könnte dann so aussehen:

Nur halt mit der Finnmarken statt der Midnatsol. Also weniger Zeit in Ålesund und mehr Fjorde. Auch fein. Und dass wir dann etwas kürzer und später Trondheim sind, macht auch nichts aus. Ob wir von 8:30 bis 12:00 oder von 6:00 bis 12:00 Uhr in Trondheim sind, kommt auf’s selbe raus – ich muss nicht gleich um 6 Uhr nach Trondheim reinstürmen. Alelrdings kriege ich so eventuell mal das Einlaufen in Trondheim mit.

Ebenfalls neu: Mit etwas Glück fahren wir südgehend in den Trollfjord ein, statt wegen Lawinengefahr davor anzuhalten. Noch scheint er befahrbar zu sein, wenn Marinetraffic genau genug ist. Zumindest war die Nordkapp gestern noch drin.

Was ich leider nicht rechtzeitig fertig gebracht habe, ist eine Fahne zum Winken. Schade, denn auf der Nordkapp (also einen Tag nach mir) startet ein Wiederholungstäter einer der letzten Fahrten (Hallo Holger: Viel Spaß!), und auf der Polarlys fährt die Freihalterin. Dann wird halt doch mit Taschenlampe oder Handtuch gewunken. Hauptsache Vinkekonkurranse:-) Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass diesmal auch wieder einige bekannte Gesichter mit auf Tour sind.

Ich freu mich schon!

Tag 1: Auf nach Bergen

Es geht wieder einmal nach Bergen – am 24. Oktober startet ein SAS-Maschinchen von Stuttgart nach Bergen. Und da die A81 nach Stuttgart zurzeit ein einziger Stau ist, heißt es viel zu früh starten. Um fünf Uhr losfahren, um rechtzeitig zum Abflug (10:05) im knapp 70 km entfernten Stuttgart zu sein. Irgendwas läuft falsch in diesem Land…

Kopenhagen

Kopenhagen mit bestem Wetter

Immerhin ist so mehr als genug Puffer drin, um morgens nach der Fahrt durch die regnerische Nacht noch in Stuttgart einkaufen zu gehen und dann mit dem Fliegerchen nach Kopenhagen zu hüpfen, bevor es weiter nach Bergen geht. Es ist richtig ungewohnt, ohne einen Besuch in der Enteisungsstation Richtung Norden zu fliegen.

In Bergen dann die Überraschung: Entweder haben wir uns verflogen, oder Bergen ist kaputt – jedenfalls scheint die Sonne und gibt ein paar völlig ungewohnte Blicke auf die Stadt. Der Neubau vom Flughafen schreitet auch rasch voran. Beeindruckend. Hier sammeln wir dann auch die Gäste der Gruppe ein – über 80 – und starten zu einer kleinen Stadtrundfahrt, die gegen 18:30 an der Finnmarken endet.

Auf dem Schiff dann erstmal Stress und Hektik: Wir legen dank Herbstfahrplan bereits um 20:00 Uhr ab, damit bleibt nicht viel Zeit, um sich auf dem Schiff einzurichten. Vorher geht’s noch kurz in den Kiwi, Getränke und Schokolade kaufen. Rett-i-koppen gibt’s nur in der Light-Version – mal sehen, wie das schmeckt.

Dann ab ans Buffett (sehr schön: Den Koch hatten wir letztes Mal auch, am Ende der Reise – das heißt, das Essen ist gut, und Eis gibt’s auch), und zu den Vorbesprechungen: Um 20:30 ist die Vorstellungsrunde vom Schiff, und das Auslaufen aus Bergen verpasse ich, weil noch die Vortragsräume reserviert werden müssen. Kleines Problem: Es sind noch einige Gruppen mehr an Bord, und eine hat jeden Tag reserviert. Eine englischsprachige Astronomie-Tour, einer ihrer Lektoren ist Ian Ridpath – sein Sternsagen-Buch kenne ich natürlich, ich habe ja selbst noch eines in Arbeit. Cool. Nur dass er ähnliche Vortragszeiten plant wie ich ist weniger cool, aber man ist das improvisieren ja gewohnt. Immerhin ist er ein netter Kerl.

So gegen 22 Uhr sind wir bereits aus Bergen raus und seit zwei Stunden unterwegs; langsam kehrt Ruhe ein, und man könnte in Ruhe was trinken. Volker und ich machen naturgemäß vorher noch einen kleinen Besuch am Bug, wo uns ein klarer Himmel und eine helle Wolke im Norden erwarten. Das wird doch nicht… Schnell zurück in die Kabine, die Kamera und: Es ist grün.

Wahnsinn. So weit im Süden hatte ich noch nie Polarlicht (zugegeben: noch nicht einmal klaren Himmel). Wir entscheiden, dass dieser Schimmer eine Durchsage wert ist, und trommeln alle an Deck. Fein: Es füllt sich rasch, und „unsere Leute“ halten auch lange durch. Könnte eine gute Reise mit einer tollen Truppe werden. Es gibt auch immer wieder Strukturen im Polarlicht und einen Hauch von geisterhaftem Grün, gleichzeitig ist die See schön ruhig. Langer Rede kurzer Sinn, hier ist schon mal das Ergebnis:

Gegen vier Uhr gab es wohl noch einmal einen Schwung Polarlicht, aber da gab gab es keine Durchsage mehr. Schade, aber es wird hoffentlich noch mehr zu sehen geben in den nächsten Tagen.

Vom Westkapp kriege ich diesmal nichts mit – kurz nach 7 Uhr sind wir am nächsten in Torvik und etwas später in Ålesund, aber die See ist sehr ruhig. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen. Der Start ist vielversprechend.

Tag 2: Rund um Ålesund, mit Hjørundfjorden

Wir fahren nach dem Herbstfahrplan, daher sind wir schon gegen 8:45 in Ålesund. Das erste Frühstück findet also nicht am Westkapp statt, damit entfällt ein beliebtes Schauspiel: Wer seefest ist, kann im Oktober nicht im Restaurant beobachten, wer mit Wellengang klar kommt und wer stärker torkelt.

Ålesund im Morgenrot

Ålesund im Morgenrot

Früh aufstehen (gegen 7 Uhr) lohnt sich trotzdem: Die Jugendstilstadt schimmert im Morgenrot. Diesmal zum Glück kein Stadtbrand wie Anfang des letzten Jahrhunderts, sondern ein prächtiges Naturschauspiel. Wir nutzen die Dreiviertelstunde Anlegezeit, um einmal kurz Richtung Stadtzentrum und wieder zurück zu gehen – schließlich legen wir um 9:30 schon wieder ab, Richtung Hjørundfjorden. Das langt, um kurz in die Stadt zu sprinten und einige Fotos der Häuser vor klarem Himmel zu machen. Für den Hausberg Aksla langt das natürlich nicht, aber der Hjørundfjord soll ja auch sehr schön sein.

Im morgendlichen Ålesund

Im morgendlichen Ålesund

Bevor ich einen Blick auf diesen Fjord werfen kann, ruft erst einmal die Pflicht: Der Begrüßungscocktail mit der Gruppe. Irgendwie muss man ja alle einmal kennenlernen, die mit uns unterwegs sind, bzw. vor allem selber Hallo sagen, um erkannt zu werden. Ganz wichtig sind auch die Hinweise, dass man seine Kamera kennen lernen sollte.

Um 10 Uhr heißen wir also alle Gäste willkommen, und anschließend quatschen Volker und ich uns mit Ekkehard fest, einem unserer beiden Reiseleiter. Draußen zieht derweil die Landschaft vorbei, und irgendwann ist klar: So angenehm das Gespräch auch ist, draußen verpassen wir etwas. Der Fjord ist hübsch, relativ eng und schneefrei; um 11:30 erreichen wir schon unseren nächsten Hafen: Urke, mit 51 Einwohnern das Zentrum der Zivilisation in diesem Fjord. Hübsch, aber leben wollte ich hier nicht – es liegt doch ziemlich einsam…

Unser Halt dauert etwa 3,5 Stunden, wir legen jedoch nicht an. Stattdessen bringt ein Tenderboot die Ausflügler an Land, später dann auch alle, auf die kein Bus wartet. Wer sich Urke anschaut, wird persönlich begrüßt und erhält erst einmal einen Ortsplan; aber ich bin ja nicht zum Spaß hier. Stattdessen stehen noch die letzten Vorbereitungen für den abendlichen Vortrag an, und dann kommt die Müdigkeit. Wecker auf 7 Uhr war doch zu früh, auch wenn sich Ålesund gelohnt hat, und während das Schiff im Fjord rumdümpelt, mache ich mal Mittagsschlaf. Tut Not, und tut gut…

Kurs auf Ålesund

Kurs auf Ålesund

Um 15 Uhr geht die Reise wieder weiter; wir haben niemanden in Urke zurück gelassen und ich habe jetzt auch die Chance, den Fjord einmal zu sehen. Wirklich ganz nett.

Gegen 17 Uhr und sogar ein paar Minuten zu früh sind wir dann wieder in Ålesund und stürmen die knapp 400 Stufen auf den Aksla hinauf. Für Ålesund im Sonnenuntergang sind wir zu früh, aber die herbstlich-bunten Bäume bieten einmal ein ganz anderes Panorama als wir es sonst kennen. Leider machen sich mittlerweile auch ein paar Wolken breit, aber als Wanderwetter ist es optimal.

Ålesund im Herbstkleid

Ålesund im Herbstkleid

Das Abendessen wurde wieder einmal neu organisiert: Jetzt gibt es vier Sitzungen, die immer eine halbe Stunde versetzt anfangen. So wurde das Servieren entzerrt und ist für Gäste (und hoffentlich auch Crew) entspannter. Table Water gibt es auch wieder kostenlos, aber nur ohne Kohlensäure.

Beim Abendessen gibt es dann einen kleinen Schock: Für ein paar Sekunden fällt das Licht aus. Die Finnmarken hatte in den letzten Wochen ja schon ein paar Mal Probleme, die wird doch nicht schon wieder…? Immerhin scheint nach ein paar Sekunden alles wieder zu funktionieren.

Nordlicht und Wolken

Nordlicht und Wolken

Um 20:45 halten wir dann als Tagesabschluss unseren Nordlicht-Vortrag samt Fototipps und bereiten uns auf einen ruhigen Abend vor. So ganz klappt das aber nicht: Es ist zwar bewölkt, aber nicht völlig, und dazwischen scheint ziemlich starkes Nordlicht durch. Gut genug, um Fotografieren zu üben, aber nicht schön genug für eine beeindruckende Show. Da muss noch mehr gehen auf dieser Tour.

Bleibt zu hoffen, dass schönes Wetter in Bergen nicht schlechtes Wetter an der übrigen Küste bedeutet. Ebenso beunruhigend: Während unseres Vortrags kam die Info, dass Molde und Kristiansund gestrichen werden. die Finnmarken will schon um 4 Uhr Trondheim erreichen, damit der Techniker mehr Zeit hat. Na schaun wir mal – viel Fahrt macht sie stellenweise nicht. Es bleibt spannend, aber bekanntlich ist ja jede Reise anders.

Tag 3: Trondheim. Sonst nichts.

Bei der geplanten Ankunft in Trondheim um 8:30 ist der Aufenthalt in der alten Königsstadt im Oktober fast ein wenig knapp, allerdings machen die meisten Läden ohnehin erst um 10 Uhr auf. Mit einem frühen Frühstück vor dem Anlegen ist das aber auch kein Problem und langt für einen Rundgang durch die Stadt.

Am Pirbadet Kreuzfahrtanleger

Am Pirbadet Kreuzfahrtanleger

Durch die Maschinenprobleme wollte die Finnmarken den Hafen sogar schon um 4 Uhr erreichen, es wurde dann aber doch etwa 7 Uhr. Nach dem Aufstehen geht der erste Blick natürlich aus dem Fenster: Haben wir unser Ziel erreicht? Statt der gewohnten Silhouette der Stadt begrüßt uns der Blick ins Hallenbad – wir haben am Pirbadet Anleger für die Kreuzfahrtschiffe angelegt, der wohl mit weniger Kurswechseln zu erreichen ist. Nicht sehr vertrauenserweckend, aber immerhin ist so der Weg in die Stadt etwas kürzer…

Wir kombinieren unseren Gang durch die Stadt mit einem Frühstück in Trondheim; um keine Zeit zu verlieren, verzichten wir auf einen Besuch der Richard With, die am normalen Hurtigrutenkai liegt. In den norwegischen Häfen kann man ja problemlos auf alle Hurtigrutenschiffe gehen, Cruise Card oder Personalausweis langen. Das Wetter ist bedeckt, aber bei leichten Plusgraden ganz angenehm für den Rundgang.

Trondheim hat sich seit dem letzten Besuch nicht sehr verändert, aber die Baustellen im schnuckligen Bakklandet-Viertel sind weg, und der Nidaros-Dom wirkt zwischen den buntgefärbten Bäumen sehr chic. Im Japan-Photo trifft sich wieder das halbe Schiff und ergänzt fehlendes Foto-Zubehör; in der Buchhandlung sind wir wie üblich eher unter uns. Auf dem Schiff lagen wieder Stadtpläne mit einem eingezeichneten Rundgang aus, an den wir uns auch mehr oder weniger gehalten haben.

Denkmal für Leif Erikson

Denkmal für Leif Erikson

Auf dem Rückweg finde ich wegen des anderen Anlegers noch ein neues Fotomotiv: Leif Erikson wird mit einer Statue geehrt; dank Gegenlicht leider kein allzu dankbares Fotoziel.

Auf dem Schiff steigt dann die Spannung – noch steht ein Auto von Siemens am Kai. Zur geplanten Abfahrt um 12 Uhr sind wir im Restaurant, und wenig später kommt die Durchsage: Der Schaden ist noch nicht behoben, wir fahren heute nicht mehr weiter. Uff. Erst einmal betroffene Gesichter und Galgenhumor, schließlich war die Finnmarken letzten Monat schon einmal defekt, und die Reise direkt vor unserer Fahrt musste sie ihre Fahrt schon einmal in Tromsø beenden. War es das jetzt mit der Finnmarken? Wird ihr ein Platz in Stockmarknes reserviert, im Hurtigrutenmuseum neben der alten Finnmarken?

Genauso faszinierend: Auf Twitter kommt die Info etwa zeitgleich mit der Durchsage auf dem Schiff…

Auf 13 Uhr ist eine Infoveranstaltung geplant, vorher werden die Reiseleiter der Gruppen noch über die Optionen informiert. So können wir für unsere Gruppe eine eigene Infoveranstaltung machen; Eckehard und Jeanette zeigen die Optionen auf: Reise abbrechen, auf eine Abfahrt morgen hoffen, nach Tromsø fliegen, um auf die Nordkapp einzuchecken, oder morgen auf die Polarlys umsteigen. Die Hoffnung ist, dass die Finnmarken morgen um 16 Uhr wieder fährt; ob es klappt, weiß natürlich noch niemand. Nur eins ist klar: Wir – Reiseleiter und Lektoren der GRP 107 – bleiben an Bord. Wer will, kann gehen, jeder entscheidet selbst.

An einem Alternativprogramm für den nächsten Tag wird fieberhaft gearbeitet, Fahrten nach Munkholmen und zu einem Freilichtmuseum sollen angeboten werden. Später heißt es sogar, dass sie kostenlos sein sollen.

Solsiden Einkaufszentrum

Solsiden Einkaufszentrum

Für den Rest des Tages läuft aber erst einmal nichts mehr; und da viele Gäste noch einmal von Bord wollen, blasen wir unseren für 17 Uhr geplanten Vortrag auch ab. Stattdessen gehen wir noch einmal nach Trondheim, um zu sehen, was es sonst noch in dieser Stadt gibt.

Ich bleibe dabei: Zum Einkaufen ist Norwegen trotz der Preise optimal. Die Stadt profitiert ganz schön von uns. Zu den neuen Erkenntnissen gehört, dass Einkaufszentren gerne alte Gebäude integrieren; im Solsiden finden sich genau wie auch im Trondheim Torg im Stadtzentrum alte Häuser mitten im Einkaufszentrum. Und unser Geld werden wir auch los.

Die Rückseite der Königsresidenz

Die Rückseite der Königsresidenz

Ebenso schön: Norwegens größtes Holzhaus, das gleichzeitig Wohnsitz der Königsfamilie in Trondheim ist, ist von hinten wesentlich hübscher als von vorne. Der kleine Park ist auch reizvoll.

Ansonsten hat sich in Trondheim seit unserem letzten Besuch wenig verändert, und so viel neues entdecken wir nicht. Ich würde lieber in Tromsø statt in Trondheim liegen bleiben…

Einige Kilometer später erreichen wir am Abend wieder das Schiff und verpassen gerade noch eine Durchsage. Die gute Neuigkeit finden wir trotzdem bald heraus: Es soll bereits morgen zwischen acht und neun weiter gehen, allerdings nonstop bis Honningsvåg. Ab Kirkenes wollen wir wieder im normalen Fahrplan sein. Aber wer sich bereits umentschieden hat, ist raus. Es geht also weiter – wird das doch noch was mit gutem Polarlicht. *Freu*

Um die reine Seereise zu überbrücken, werden vom Schiff Wein- und Bierproben angeboten, und wir schmeißen unsere Vortragsplanung auch um: Wenn wir auf Ausflüge und Häfen keine Rücksicht nehmen brauchen, gibt es ein paar bessere Termine, und wir füllen die Seetage mit Vorträgen. Außerdem wird ein kurzer Stopp in Tromsø angedeutet – immerhin.

Fahrräder zählen

Fahrräder zählen

Damit hat sich aber auch der Plan erledigt, morgen in das Rockheim-Museum zu gehen, und nach dem Essen geht es noch einmal in die Stadt – zum Rema 1000 bei Solsiden, Vorräte bunkern. Bei Nacht ist Trondheim auch ganz hübsch, und wir merken erstmals, dass die Fußgängerbrücke über den Fluss bei Nacht beleuchtet ist und die Radfahrer gezählt werden, die sie benutzen. Ideen haben die Norweger… Auf der Straße steht übrigens immer wieder ein „Danke, dass du radelst“ oder „Danke, dass du zu Fuß gehst“.

Am Abend ist der Himmel dann wieder einmal unentschieden: Polarlichtaktivität ist da, aber die prognostizierten Wolkenlücken fehlen. Auf den angedachten nächtlichen Ausflug zur Festung (dunklerer Himmel als im Hafen) verzichten wir daher. Am späten Abend läuft meine Kamera trotzdem noch eine Stunde lang und fängt die Wolken ein, zwischen denen das Polarlicht hindurchschimmert. Keine beeindruckende Show, zumindest für uns. Also ab ins Bett.

Nordlicht und Wolken

Nordlicht und Wolken

Tag 4: Auf See

Déjà Vu: Morgenrot in Trondheim

Déjà Vu: Morgenrot in Trondheim

Am Donnerstagmorgen liegt die Finnmarken immer noch in Trondheim, aber das ist (noch) okay: Schließlich haben wir das Frühstück so gelegt, dass wir zur geplanten Abfahrt an Deck sein können. Die vorbeifahrende Polarlys um halb neun verpasse ich zwar, aber um kurz nach 9 legen wir endlich ab – und über die Schifflautsprecher ertönen Fanfaren und Musik. Das mag ich an Norwegen: Es wird nicht alles bierernst genommen.

[A propos Frühstück und Restaurant, bevor ich es vergesse: Mittlerweile stehen Kaffeekannen auf dem Tisch; für die Koffeinjunkies ist also auch gesorgt. Und den O-Saft gibt es jetzt aus wieder aus dem Automat, was mir auch sympathischer ist als eine edle Karaffe, bei der jeder mit dem Verschluss kämpft. Und Mittags und Abends gibt es Table Water, auch wenn die Flasche diesmal nicht auf dem Tisch stehen bleibt.]

Wir fahren!

Wir fahren!

Aber zurück zum Schiff: Durch den Trondheimfjord geht es nun entlang unserer normalen Route. Wie angekündigt lassen wir die Häfen bis Tromsø aus, zum Glück bleiben wir aber in der Nähe der Küste: Auch wenn das Wetter nicht so toll ist, gibt es also immer etwas zu sehen. Wer will, kann mit einem Film über die samische Geschichte starten, und anstelle der Ausflüge nach Munkholmen werden die Passagiere zu Bier- und Weinproben eingeladen. Wir finden um 11 Uhr Zeit für unseren zweiten Vortrag: Wie funktioniert eigentlich unsere Sonne? Ein wenig technischer darf es mal werden, aber wir schaffen es, dass alle bis zum Ende durchhalten – das durch den Kjeungskjærfyr markiert wird. Pünktlich zur Vorbeifahrt schicke ich alle an Deck, damit dieser Leuchtturm wieder zum meist-fotografierten der Reise werden kann. Ich kriege mal wieder nichts von ihm mit: Wir haben diesmal den zweiten Konferenzraum auf der falschen Seite vom Schiff und müssen noch ein wenig aufräumen.

Stokksund

Stokksund

Nach dem Mittagessen fahren wir gegen 13:30 sogar in den Stokksund ein. Er war eigentlich nur für schönes Wetter geplant, aber jetzt haben wir ausreichend Zeit und testen die Steuerung: Butterweich geht es durch den engen Sund, nur das Nieselwetter macht die Fahrt etwas unbequem – zumindest für die am Bug; im Panoramasalon dürfte es angenehmer sein. Aber nur vom Bug aus oder von Deck 8 sieht man, wie niedrig so manche Brücke ist.

Die Fahrt über die Folda ist für uns trotz der rund fünf Meter hohen Wellen recht erträglich, die Wellen kommen zum Glück von hinten. Wer für Seekrankheit anfällig ist, hat natürlich trotzdem ein Problem. Einige verschwinden in der Koie oder stellen fest, dass es bei diesem Seegang draußen an der frischen Luft am besten für sie ist. Patentrezepte gegen Seekrankheit gibt es leider nicht.

Trotzdem: Ganz harmlos ist die Fahrt nicht, kleinere Boote, denen wir begegnen, werden ganz schön durchgeschüttelt. Die Masse der Finnmarken und ihre Stabilisatoren sind da sehr angenehm. Wie die Fahrt wohl mit der ersten Finnmarken gewesen wäre, vor rund einem Jahrhundert?

Rørvik

Rørvik

An Rørvik rauschen wir gegen halb sechs vorbei, und die Fahrt geht an der Insel Leka vorbei nach Brønnøysund. Pünktlich zum Abendessen kommt dann die Durchsage, dass es Nordlicht gibt – was korrekt ist, aber leider zeigt es kaum Strukturen und ist nur hinter den Wolken zu sehen. Die große Show bleibt aus. Kurz vor Brønnøysund biegen wir auch links ab (der Torghatten ist in der Dunkelheit zu erahnen), und es wird sehr unangenehm am Bug: Der eisige Wind erwischt uns nun voll; Zeit, um die Kameras abzubauen. So etwa von 19:50 bis 20:20 MESZ konnten wir so etwas Grün am Himmel sehen. Also gerade lange genug, um den Hauptgang des Abendessens abzubrechen und den Nachtisch zu verpassen.

In Anbetracht des Wetters können wir um 21 Uhr mit unserem nächsten Vortrag starten: Der Sternenhimmel, samt einigen griechischen Sagen. Leichte Kost zu später Stunde, und hoffentlich eine gute Alternative zum bedeckten Himmel draußen.

Im Lauf des Abends passieren wir Sandnessjoen, und in der Gegend der Sieben Schwestern gibt es vor Mitternacht noch einmal Polarlicht. Im Prinzip eine gute Show, zumindest zeigt die Kamera, dass der halbe Himmel grün ist. Ein Überfluss an Wolken und ein Mangel an Strukturen im Polarlicht lassen das ganze jedoch zu einer unbefriedigenden Show werden, und irgendwann geben wir auf. Mal sehen, was der nächste Tag bringt. Immerhin scheint unser Aufenthalt in Tromsø länger zu dauern.

Tag 5: Zwischenstopp in Tromsø

Morgenliche Lichtspiele

Morgenliche Lichtspiele

Genau um 1:33 Uhr haben wir den Polarkreis überquert – aber ich glaube nicht, dass da jemand an Deck war. Sektverkauf gab es jedenfalls keinen, und gehupt wurde auch nicht. Bei tiefster Nacht macht es auch keinen Spaß, die Kugel zu fotografieren, das hebe ich mir für den Rückweg auf.

Der Morgenhimmel mit einer Mischung aus Wolken, klarem Himmel und Regen am Horizont ist ohnehin viel eindrucksvoller. Der heutige Seetag führt uns entlang der Küste Richtung Tromsø, wobei wir den Raftsund nicht durchqueren. Stattdessen wird es an Ramstad, Fjelldal und Sandstrand vorbei gehen, und in einigem Abstand auch an Harstad vorbei. Der Tjeldsund ist das wohl.

Neptun bei der Arbeit

Neptun bei der Arbeit

Vorher steht natürlich noch das Ereignis des Tages an: Die Polarkreistaufe. Um 11 Uhr versammeln sich alle auf Deck 8, Neptun wird herbeigerufen, und Anita in ihrer Funktion als Tourguide des Schiffs liest seine Rede vor. Anschließend: Eis für alle!

Für die Erstüberquerer des Polarkreises ist es eine Riesen-Gaudi (nach der der warme Whirlpool richtig verlockend ist), die Vielfahrer fragen sich eher, ab der wievielten Polarkreisurkunde man die Ehrenbürgerschaft in Njörds Reich erhält. Und während Eis verteilt wird, hält sich an backbord wacker ein Teil eines Regenbogens.

Wer will, kann anschließend Briefmarken zur Polarkreisüberquerung kaufen und sich einen Film über Tromsø als Tor zur Arktis anschauen.

Regenbogen

Regenbogen

Davon abgesehen verläuft unser zweiter Seetag ruhig; wir haben genug Zeit für unseren vierten Vortrag um 14 Uhr. Während wir uns Tromsø nähern, geht es im Tiefflug zu den Planeten des Sonnensystems. Acht Planeten plus jede Menge Kleinkörper sind einfach zu viel, um sich eingehender mit ihnen zu beschäftigen.

Mittlerweile gibt es auch Neuigkeiten zu unserem kurzen Aufenthalt in Tromsø: Wir werden gegen 18 Uhr ankommen und bis etwa 23:30 bleiben, also sogar noch länger als üblich. Außerdem gibt es für uns einen kostenlosen Shuttlebus zur Seilbahn hoch auf den Hausberg Storsteinen. Polaria oder Mack Brauerei konnten sich leider nicht zu verlängerten Öffnungszeiten überreden lassen, und die meisten Läden machen um 18 zu. Auch Tromsøs Greatest Souvenir Shop hat reguläre Öffnungszeiten bis 18 Uhr angekündigt, auch wenn er angeblich länger offen hatte. Der älteste Souvenirshop in Tromsø wurde übrigens 1999 gegründet, nachdem der Eigentümer im Lotto gewonnen hatte… Da wir den ersten Bus auf den Storsteinen nehmen, fällt diesmal ein Besuch aber ohnehin flach.

Tromsø von oben

Tromsø von oben

Polarlicht vom Storsteinen

Polarlicht vom Storsteinen

Die neue Seilbahn auf den Berg läuft butterweich und geisterhaft leise; es ist fast unheimlich, wie wir durch die Nacht gleiten. Oben hat sich bis auf die vergrößerte Besucherplattform nicht allzu viel geändert, und wir haben einen grandiosen Ausblick auf die Lichter der Stadt. Während der üblichen Liegezeiten gibt es diese Chance nicht.

Ein paar Minuten später bewahrheitet sich wieder einmal: Tromsø geht immer. Durch ein paar Wolkenlücken sehen wir eine schöne, helle Aurora tanzen. Letztlich sind die Wolken aber stärker, und wir nehmen die Gondel nach unten in die Stadt. Der Shuttlebus fährt fast bis auf das Autodeck der Finnmarken, und wir gehen zum Abendessen in die Stadt. Das arktische Buffet muss ohne uns auskommen, und bei Bewölkung haben wir ohnehin frei.

Polarlicht im Hafen

Polarlicht im Hafen

Gegen 22 Uhr – normalerweise wären wir jetzt kurz vor Skjervøy – geht es noch einmal durch die Stadt zum Hafen, die Speicherhäuser fotografieren. Dabei ein Blick nach oben: Graugrünliche Bänder, die sich auch noch bewegen – Polarlicht! Also nichts wie zurück zum Schiff, vorbei an den ganzen Fotografen, die ihre Kameras am Kai aufgebaut haben. Noch bevor wir die Finnmarken erreichen, hören wir schon die Durchsage, dass von Deck 8 Polarlicht zu sehen ist.

Oben erwarten uns schon begeisterte Gäste und die Frage, ob wir das auch gesehen haben. Nun, immerhin die anderen haben eine schöne Show gesehen; als wir oben sind, lässt es schon wieder deutlich nach. Hauptsache, die Gäste sind zufrieden und glauben uns, dass Polarlicht nicht nur ein Grünschimmer ohne nennenswerte Strukturen ist. Wenn wir planmäßig abgefahren wären, dürfte es außerhalb von Tromsø noch beeindruckender gewesen sein…

Die MS Spitsbergen

Die MS Spitsbergen

So treffen wir immerhin noch auf die Spitsbergen, das neueste Schiff der Hurtigrute. Es fährt im Winter anstelle der Midnatsol, die gerade in der Antarktis unterwegs ist. Viel los ist auf ihr jedoch nicht.

Die Route nach Skjervøy lohnt sich wieder: Zwar ziehen wieder einige Wolken auf, aber zwischen ihnen tanzt das Polarlicht immer wieder schön hervor. Bis kurz vor zwei Uhr können wir es vom Bug aus beobachten. Noch stehen die Liegestühle an Deck, sodass es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eine angenehme Nacht wird. Immer wieder blitzt sie hell auf, aber nie lange – für eine Durchsage lohnt sich das nicht, und nach der Show im Hafen dürften alle erst einmal gesättigt sein. Immerhin: Das Polarlicht ist hell genug, dass ich Belichtungszeiten von 1,5 Sekunden ausprobiere und erfolgreich Bilder mache, wenn auch recht verrauscht. Aber der Zeitraffer sieht schon mal vielversprechend aus, und ich muss meine zweite Speicherkarte anbrechen – die ersten 128 Gig sind voll…

Tag 6: Nordkap, Nordkapp und wieder im Fahrplan

Vielversprechendes Wetter bei Magerøya

Vielversprechendes Wetter bei Magerøya

Die Nacht war kurz: Erst wurde bis zwei Uhr Polarlicht geguckt, dann trötet uns die Nordlys irgendwann gegen neun Uhr an, und schließlich klopft die Putzfrau zweimal an, bis ich endlich die Kabine räume. Mittlerweile ist der 29. Oktober und der sechste Reisetag – weiter in den Norden als heute kommen wir auf dieser Fahrt nicht.

Kurz nach halb zehn bin ich dann am Restaurant, genau rechtzeitig, um kein Frühstück mehr zu kriegen. Macht aber nichts, ab 10:15 gibt es ja schon Mittagessen. Schließlich wollen wir um 11:15 in Honningsvåg auf der Insel Magerøya sein, damit insgesamt sechs Busse die Passagiere zum Nordkapp starten können. Aber ehrlich gesagt: Wer braucht schon Frühstück. Stattdessen schaue ich mir lieber an, wie wir in Honningsvåg einlaufen – mit ein paar Minuten Verspätung erreichen wir den Ort, der noch nicht so trostlos wirkt wie im November, wenn das letzte Gelb und Grün verschwunden ist, jedoch noch kein Schnee liegt.

Alle Mann von Bord

Alle Mann von Bord

Wir schauen noch zu, wie alle Mann von Bord gehen, und kümmern uns dann in aller Ruhe um das Essen. Honningsvåg wird ja gerne auch für Sicherheitsübungen auf dem Schiff genutzt, aber diesmal wohl nicht: Ein Großteil der Crew ist ebenfalls ans Nordkap gefahren, mit einem weiteren Bus. Vielleicht wird ja auch „Abandon Ship!“ geübt… Möglichkeiten zum Umgang mit unvorhergesehen Ereignissen gab es auf der Fahrt ja genug.

Volker und ich steuern dann erst einmal das Denkmal am Aussichtspunkt über dem Ort an, um es links liegen zu lassen und weiter den Berg hinauf zu gehen: Auf der anderen Seite soll es einen schönen Ausblick auf den Nachbarort geben. Der Aufstieg ist allerdings etwas weiter als geplant, aber letztlich schaffen wir es und haben einen hübschen Ausblick auf Nordvågen. Hübsch, und wir sind ganz schön hoch gekommen.

Viele, viele kleine Boote

Viele, viele kleine Boote

Auf dem Rückweg bleibt noch genug Zeit für einen Besuch bei der Büste für den Regisseur am Friedhof hoch über der Stadt, bevor es zurück in den Ort geht. Allmählich fängt es zu regnen an, und wir machen noch ein paar Fotos der Kirche, vom Schiff und dem Weg entlang des Hafens.

Dabei kommen wir auch wieder an Trash Art vorbei – dem Gebäude mit den Kunstwerken aus angeschwemmten Gummistiefeln –, ebenso wie an einigem Müll im Meer. Das landet wohl alles hier.

Das Schiff erreichen wir gleichzeitig mit dem Crew-Bus, vom Schiff aus erwarten wir dann die anderen Exkursionsteilnehmer. Ein schönes Schauspiel: Zehn Minuten vor der geplanten Abfahrt wird noch einmal die Gangway neu eingestellt, um den Gezeitenhub auszugleichen, und bis wer auch immer die Gangway einstellt endlich mit dem Ergebnis zufrieden ist, vergeht einige Zeit. Die ersten Gäste an Land hatten verständlicherweise schon die Panik gekriegt, als die Gangway zu früh hoch ging; als sie wieder unten ist, steht der Kai voll mit unseren Leuten. Zum Trost kann man dann an Bord Apfelkuchen mit heißer Schokolade kaufen.

Die Finnkirche

Die Finnkirche

Von Honningsvåg aus geht es über die Barentssee – etwas schaukelig, aber für diese Region harmlos. Eine gute Möglichkeit, ein paar Dinge aufzuarbeiten. Kurz nach halb sieben erreichen wir am Nachmittag die Finnkirche. Die alte samische Opferstätte ist wieder ein Programmpunkt. Alle werden zur Beobachtung auf Deck 8 gebeten, wo Anita etwas darüber erzählt und Musik abspielt, während die Finnmarken vor der unbeleuchteten Felsformation anhält. Ich bin gewohnheitsmäßig auf Deck 5, wo mehr Platz ist, und bekomme von der Geschichte daher nichts mit. Irgendwann geht dann das Licht an, und die Fotografen können sich an der Finnkirche die Zähne ausbeißen. Mit Blende 1,4 hat man Chancen…

Da der Himmel bedeckt ist, sehen wir diesmal kein Nordlicht, während wir langsam weiter nach Kjøllefjord fahren, und der Krabbenfischer kommt ebenfalls nicht an Bord. So setzen wir die Teilnehmer der Exkursion „Samischer Herbst“ im Hafen ab, bevor wir nach Mehamn weiterfahren. Irgendwo auf dieser Strecke passieren wir auch Nordkyn, den nördlichsten Punkt des europäischen Festlands. Mangels Durchsage bekomme ich davon aber nichts mit.

Pünktlich zum Abendessen gibt es dann die Durchsage, dass Polarlicht zu sehen ist. Der Blick vom Bug aus ist aber enttäuschend: Es gibt zwar verschwommene Bänder aus Polarlicht, aber sie sind hinter Wolken verborgen. Kein einziger Stern ist zu sehen, und leicht regnen tut es auch noch. Da kann man guten Gewissens ins Restaurant gehen. Mehamn, den nördlichsten Hafen auf der Route, erreichen wir dann mit etwas Verspätung und leichtem Niederschlag.

Ein Programmpunkt fehlt noch: Das Treffen mit der Nordkapp. Ich will ja eh winken, da eine andere Nordlicht-und-Sterne-Tour auf dem Schiff ist und mit Holger einer von einer früheren Tour (Hurtigrute hat Suchtpotential), und da eine Winkekonkurranse organisiert wird, verspricht das trotz Nieselregen Spaß zu machen.

Winkekonkuranse

Winkekonkuranse

Kurz nach zehn bin ich dann draußen an Deck, wo die Crew Vorbereitungen trifft, und sehe die Nordkapp an uns vorbeirauschen. Was zum Geier…?

Wie sich herausstellt, haben wir Passagiere für die Nordkapp an Bord, die zuerst in Berlevåg aussteigen müssen. Obwohl wir Verspätung hatten, muss die Nordkapp also draußen warten. Wir machen nur mit einem Tau am Kai fest, lassen die beiden Mädels aussteigen und legen schon wieder ab. Und während der ganzen Zeit ist Stimmung an Bord: Ein paar von der Crew tanzen auf Deck 5, die Musik ist laut aufgedreht und Luftballons stehen bereit. Wahnsinn. Wir waren mit voller Partybeschallung in den Hafen gefahren und nehmen nun Kurs auf die Nordkapp.

MS Nordkapp

MS Nordkapp

Auch wenn sie sich Mühe gibt: Es passt schon, dass kurz nach der Passage ein We are the Champions erschallt. Und es ist kein Wunder, dass die Finnmarken bei MarineTraffic nicht als RoRo-Ferry, sondern als Pleasure Craft erscheint… Spaß hat’s gemacht, und morgen ist dann die Polarlys dran:-)

Tag 7: Von Kirkenes bis zum Abwinken

Vadsø

Vadsø

Es ist der letzte Sonntag im Oktober, und damit endet auch die Sommerzeit. So sind gleich zwei Wunder möglich: Wir erreichen Vadsø pünktlich, und ich bin um kurz vor sieben Uhr wach, während wir im Hafen liegen. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich Vadsø mal erlebe – jetzt fehlen mir eigentlich nur noch Florø und Maløy, beide kurz vor Bergen. Vadsø ist die Hauptstadt der Finnmark, aber ich kann nicht sagen, dass sich das Aufstehen gelohnt hat…

Andererseits hatte ich auch keine Chance zum Aussteigen, und den Ankermast von Roald Amundsens Luftschiffexpedition habe ich vom Schiff aus nicht erkannt. Jedenfalls verspüre ich erst einmal kein Verlangen, länger in Vadsø zu bleiben, und sichte noch ein paar Fotos, bevor es zum Frühstück geht. Mittlerweile sind meine erste Speicherkarte und das Handy voll…

Blick auf Vadsø

Blick auf Vadsø

Die Ankunft in Kirkenes ist auf 9 Uhr angesetzt, was auch etwa passt. Kirkenes ist der Wendepunkt der Reise – etwa auf der selben Höhe wie Tromsø, aber deutlich trostloser. Den Kirkenes-Tag nutze ich immer gerne, um das Schiff zu fotografieren (aber die Finnmarken habe ich ja schon durch) oder mein Blog zu pflegen, aber diesmal ist Ekkehard an Bord und plant einen Rundgang durch die Stadt – das verspricht, interessant zu werden. Den Russenmarkt haben wir leider verpasst, der ist in der Regel am letzten Donnerstag im Monat.

Busse und Bagger

Busse und Bagger

Kirkenes präsentiert sich trübe wie immer. Noch gibt es keinen Schnee, nur etwas Glatteis. Bevor wir das Schiff verlassen dürfen, wird erst einmal Splitt gestreut. Am Hafen warten Busse für die Ausflügler und im Hintergrund eine ganze Armada von Baggern – die Eisenerzmine ist wieder einmal still gelegt.

Unser kleiner Rundgang geht am Feuerwehrhaus mit dem alten Dodge vorbei an einigen alten Bunkern, die zum Teil als solides Fundament für moderne Häuser dienen, und führt uns zur alten Eisenerzfabrik, die nun auch schon rund 20 Jahre still steht. Dahinter ist eine Werft, die nur zur Reparaturzwecken errichtet wurde. Mit den russischen Fischtrawlern gibt es dafür genug Kundschaft, wenn auch nicht unbedingt zahlungskräftige. Wobei im Augenblick kaum ein rostiger Kahn im Hafen liegt, normalerweise ist da mehr los.

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Die Finnmarken in Kirkenes

Dafür sehen wir im Hafen zwei Schlauchboote, die zur Krabbensafari gehören – einem der Ausflüge, die im schneefreien Kirkenes angeboten werden. Die Teilnehmer können Krabben zerlegen und essen.

Vom Eisenwerk sind es nur ein paar Schritte bis zur menschenleeren Fußgängerzone – am Sonntag ist Kirkenes wirklich tot. Mittlerweile fängt es auch an zu schneien, sodass wir uns auftrennen: Während Eckehard noch einen Aussichtspunkt ansteuert, gehen wir über Andersgrotte und Russendenkmal zurück zum Schiff.

Hier gibt es mittlerweile Änderungen bei den Passagieren: Einige verlassen das Schiff und fliegen heim, während neue Gäste für die südgehende Tour an Bord kommen. Bevor die Ausflugsbusse zurück kommen, kümmern wir uns um das Mittagessen, und um 12:30 geht es planmäßig Richtung Vardø. Die Überfahrt ist nicht so ruhig, wie sie sein könnte, sodass diverse Mittelchen gegen Seekrankheit ausprobiert werden, wenn auch mit mäßigem Erfolg.

Die Seestrecke nach Vardø lässt sich immerhin zum Arbeiten nutzen, und auf dieser Tour funktioniert das Schiffs-WLAN auch einwandfrei. Bislang hatte ich noch keine Probleme, auch wenn mein Laptop sich immer im WLAN der Crew anmelden will.

Vardøhus

Vardøhus

Vardø steht bei Hurtigruten immer noch mit 15:45 auf dem Fahrplan; der Tagesfahrplan der Finnmarken geht gleich mal von 16:00 aus. Um 16:30 erreichen wir den Hafen dann endlich und bekommen sogar die Gangway auf – immerhin Ekkehard und Sabine trauen sich, in 45 Minuten zum Hexendenkmal zu sprinten. Wir sollen ja weiterhin zehn Minuten vor Abfahrt an Bord sein. Ich gehe stattdessen nur zur Festung, das ist entspannter machbar. Wenn man weiß, wo es steht, kann man das Steilneset Hexendenkmal sogar am Horizont erahnen – und die Taschenlampe unserer beiden mutigen Hexendenkmal-Jogger.

Um 17:15 verlassen wir Vardø, die halbe Stunde Verspätung behalten wir bei. Die Barentssee ist etwas unruhig, aber für diese Gewässer noch ganz angenehm. Im Lauf des Abends nimmt das Geschaukel zu, und beim Abendessen sind ein paar Plätze mehr frei als normal. Pünktlich zum Hauptgang gegen 19:15 kommt dann die Durchsage „Polarlicht“, was aber keinen von unser Gruppe vom Hocker reißt – und ein Probebild vom Kollege an Deck zeigt auch, dass es wieder nur Grün hinter Wolken ist.

Am Abend gibt es immer wieder Durchsagen wegen Wolkenlücken und Polarlicht, aber bis man draußen ist, hat es schon wieder zugezogen oder regnet. Irgendwann kommt die Durchsage, dass man sich bitte nicht am Bug aufhalten sollte, damit keiner weggeweht wird. Wenig später folgt der Hinweis, dass ein Stativ bei dem Wellengang keine besseren Bilder liefert, sondern nur Stolperfalle für die Passagiere ist. Soviel zur Polarbelichtbeobachtung in dieser Nacht.

Vinkekonkurranse

Vinkekonkurranse

In Berlevåg ist die Polarlys erwartungsgemäß vor uns im Hafen, und unsere Vorbereitungen für die Vinkekonkurranse laufen auch Hochtouren. Wir warten wieder mit Partymusik und Luftballons an Deck, bis die südgehende Hurtigrute MS Polarlys endlich Berlevåg verlässt und von uns mit Scheinwerfern, Hupe und Geschrei begrüßt wird. Um es kurz zu machen: Meine Kamera hat versagt und das Ereignis nicht gefilmt (verdammt), aber wir haben wohl eindeutig gewonnen. Zur Feier gibt es noch eine Polonaise über Deck 5.

We are the champions läuft eindeutig zu Recht, als wir nach Berlevåg einlaufen und einen Passagier absetzen – nachdem wieder einige Zeit mit der Gangway gekämpft wurde. Auf der Lofoten wäre der Reiz einer Postschiffreise (an jedem noch so kleinen Hafen von Bord gehen und die Reste der Party von außen fotografieren zu können) kein Problem gewesen, hier durfte keiner von uns für ein kurzes Foto von Bord. Schade eigentlich.

Kurz nach elf endet die Party dann, und die Wolkendecke macht Hoffnung auf eine erholsame Nacht. Schließlich ist zumindest die Wolkenprognose für das Stück vor Tromsø morgen vielversprechend.

Tag 8: Hammerfest

Havøysund

Havøysund

Eigentlich hatte ich nicht vor, mir Havøysund anzuschauen, aber wir erreichen den Hafen immerhin mit einer Dreiviertelstunde Verspätung gegen 8:30 und bleiben ein wenig länger als die geplante Viertelstunde. Das passt sogar zu meinem Tagesrhythmus. Ein paar Fotos sind schnell gemacht, sodass genug Zeit für das Frühstück bleibt. Immerhin: Wie angekündigt bessert sich das Wetter, und die für den Abend angekündigte Wolkenlücke vor Tromsø scheint Bestand zu haben. Nur die Polarlichtaktivität ist mau…

Auch wenn wir Hammerfest mit Verspätung erreichen, gibt es pünktlich um 10 Uhr den berühmten Energiekaffee, auf den ich dankend verzichte. Anlass ist wie immer die Passage an der Flüssiggasanlage auf der „Milchinsel“ Melkøya kurz vor Hammerfest. Mit Energie haben die Norweger ja schon öfter experimentiert, Hammerfest hat schon seit Ende des 19. Jahrhunderts elektrische Straßenbeleuchtung, unter anderem aus einem Gezeitenkraftwerk. Wenn ich mir das Tempo anschaue, dass die Finnmarken vorlegt, sollten die den Energiekaffee aber vielleicht besser in den Tank schütten.

Hammerfest

Hammerfest

Bei der aktuellen Verspätung dürfte uns einiges an Zeit in Hammerfest fehlen, was schade ist – auch wenn die Reiseinfo einer englischen Gruppe, die mit uns an Bord ist, Hammerfest für überflüssig hält. Deren Reiseleiter meint in seiner Info, dass er keine Tipps für die Stadt geben kann: Es gibt den Eisbärenklub voller ausgestopfter Polarbären, ein Wiederaufbaumuseum, in dem er noch nicht war, und die Grabkapelle, die die Deutschen aus irgendeinem Grund vergessen hatten, auch noch niederzubrennen. Das Beste wäre noch der Ausblick vom Zickzackweg.

Der Mann hat doch keine Ahnung.

Die markante Kirche von Hammerfest ist auch von innen sehenswert, ebenso wie wie das Museum des Eisbärenclubs, für das leider immer zu wenig Zeit bleibt. Dabei lohnt es sich, die Schautafeln durchzulesen und nicht nur an den Ausstellungsstücken vorbeizulaufen. Die Grabkapelle ist leider meist verschlossen, liegt aber auf dem Weg, wenn man einen Rundgang durch die Stadt macht. Und das Wiederaufbaumuseum ist absolut eindrucksvoll, und Buchhandlungen gibt’s natürlich auch. Daher bin ich durchaus froh, als wir Hammerfest kurz nach 11:15 erreichen und immerhin bis 13 Uhr Zeit haben.

Für die, die seit Bergen an Bord sind, werden ausnahmsweise auch kurze Brückenführungen angeboten, während das Schiff im Hafen liegt. Ich gehe lieber von Bord und schaue mir Hammerfest an.

Meine Bank ist schneefrei

Meine Bank ist schneefrei

Im Hafen liegt links am Kai immer noch die Gamle Mårøy – ein Oldtimer, der auch gut auf der Hurtigrute hätte fahren können und den selben Aufbau hat wie die alten Postschiffe. Da noch kein Schnee liegt, geht es vom Hafen aus dann schnurstracks den Zickzack-Weg hoch. Die Eisbären vor dem Rathaus werden diesmal ignoriert, aber für einen kurzen Halt an „meiner Bank“ am Musikpavillon muss Zeit sein. Das Erinnerungsfoto ist ohne Schnee natürlich langweilig; im Februar schließt die Sitzfläche oft bündig mit der Schneedecke ab.

Der Zickzackweg ist dank Wasser und Matsch etwas rutschig, aber gut begehbar, und belohnt einen mit einem schönen Ausblick über Hammerfest. Die Bepflanzung in den Blumenkübeln oben auf dem Berg ist dafür etwas ungewöhnlich und erinnert an Salat…

Im Eisbärenclub

Im Eisbärenclub

Den Rundgang an Grabkapelle und Kirche vorbei beschleunigen wir etwas, da noch ein Besuch im Eisbärenclub ansteht. Es müssen wieder neue Mitglieder geworben werden. Neben Eisbären erwartet einen hier auch eine ganze Armada von Huskies. Niedlich:-)

Kurz nach 13 Uhr und somit nur mit einer Viertelstunde Verspätung verlassen wir dann Hammerfest pünktlich zum Mittagessen und passieren Håja, einen großen Felsen, der gelegentlich – und ohne Belege, aber es klingt gut – regional als größter Findling beworben wird. So wie es aussieht, ist es aber doch nur eine ganz normale Insel. Übrigens lohnt sich eine Fahrt mit Ekkehard immer, so viel über Geologie habe ich selten gelernt. Leute, redet mit euren Reiseleitern!

Um 15 Uhr gab es dann schon den nächsten Programmpunkt: Moltebeeren-Verköstigung im Panoramasalon. Die kleinen gelben Beeren sind okay, und man kann jede Menge Produkte draus machen, die es alle im Shop zu kaufen gibt.

Erster Blick auf Øksfjord

Erster Blick auf Øksfjord

Øksfjord erreichen wir gegen 16 Uhr und verlassen es 20 Minuten später, mittlerweile sind wir also wieder bei einer halben Stunde Verspätung. Immer wieder gibt es aber die beruhigenden Mitteilungen, dass das Mitternachtskonzert in Tromsø eine Exklusiv-Veranstaltung für Hurtigruten ist und auf jeden Fall stattfindet. Es gibt noch Plätze, und das Konzert lohnt sich wirklich.

Nach Øksfjord geht es auf die offene Seestrecke der Loppa, die recht ruhig ist – zum Glück, denn der Himmel ist klar genug, und schon in der Abenddämmerung um 17 Uhr gibt es das erste Polarlicht am Horizont. Das gibt eine lange Nacht…

Zu Beginn ist es ein ruhiger Bogen, der über dem Horizont schimmert und sich während der Überfahrt in mehrere Bänder auflöst. Damit ist das Abendessen gestorben, wir beobachten das Schauspiel teils vom Bug und teils vom Heck bis Skjervøy. Als wir den Hafen fast pünktlich erreichen und die Lichter angehen, ziehen sich einige zurück und verpassen die ganz große Show: Ein riesiger Ausbruch tanzt kurz aber heftig am Himmel, genau als wir den Hafen erreichen. Selbst im Hafen ist es noch beeindruckend. Die Gegend geht eigentlich immer, sogar noch besser als Tromsø.

Über den Rest des Abends gibt es eigentlich nicht viel zu berichten außer: Polarlicht satt. Von Skjervøy bis zur Ankunft in Tromsø kurz vor 23:45 bleiben wir an Deck, und langsam geht mir der Speicherplatz aus. In Skjervøy habe ich schon angefangen, Platz auf den SD-Karten zu schaffen; 2×128 GB sind einfach zu wenig für stundenlange Zeitraffer im RAW-Format. Mit der Verarbeitung der Bilder ist mein Computer noch den ganzen nächsten Tag beschäftigt. Was für eine ausdauernde Show.

Auf der ruhigen See zwischen Skjervøy und Tromsø sind die Bedingungen für die Beobachtung eigentlich optimal, und es lohnt sich, die ganze Zeit über an Deck zu bleiben.

In Tromsø kann das Ereignis dann gefeiert werden – entweder mit einem Besuch des Mitternachtskonzerts oder mit einem Besuch in der Kneipe. Montagnachts ist recht wenig los in den Kneipen, aber für ein gemütliches Guiness langt es. Und ich muss zugeben: Wenn es im Lauf der Nacht noch weitres Polarlicht gab, war mir das dann erst einmal egal – pünktlich zur Abfahrt sind wir wieder an Bord, dann wird der Rechner für die Bildbearbeitung angeworfen und darf die Nacht über arbeiten, während ich Feierabend mache.

Tag 9: Lofoten und Trollfjord

Trondenes-Kirche in Harstad

Trondenes-Kirche in Harstad

Mittlerweile haben wir den ersten November, und die Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Vorher geht es aber noch durch die beeindruckende Inselwelt von Lofoten und Vesterålen. Wer will, kann die Bus-Tour durch die Vesterålen machen und so auch der Trondenes-Kirche einen Besuch abstatten. Sie ist die älteste Steinkirche Norwegens und hat einen freistehenden kleinen Glockenturm, in ihrer Nähe gibt es ein hübsches Museum.

Oder man genießt einfach die Fahrt durch die Inseln und durch die Risøyrinne. Dieser Kanal ist von oben unscheinbar und nur durch die von Kormoranen besiedelten Fahrbahnmarkierungen zu erkennen. Kaum zu glauben, dass wir hier nur eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben.

Der Königsstein

Der Königsstein

In Risøyhamn am Ende der Rinne erinnert der „Königsstein“ an die Eröffnung des Fahrtwegs. Er ist mit einem kleinen Spurt leicht zu erreichen: Runter vom Schiff auf die andere Straßenseite und ein paar Meter nach links. Bei einer Viertelstunde planmäßigem Aufenthalt klappt das aber nur, wenn die Gangway beim ersten Versuch ausgeklappt wird und man auch von Bord gelassen wird. Diesmal wird Wert darauf gelegt, dass man 10 Minuten vor Abfahrt wieder an Bord ist, und da das Anlegen zu lange dauert (mit der Frachtluke klappt das deutlich besser – die ersten Autos fahren schon an Bord, bevor die Gangway in ihrer richtigen Position ist), kann der Stein diesmal nur vom Schiff aus besichtigt werden. Schade.

Vorbereitungen zum Busse-Winken

Vorbereitungen zum Busse-Winken

Eineinhalb Stunden später erreichen wir dann Sortland, die blaue Stadt. Die Finnmarken macht ihrem Ruf als Vergnügungsdampfer wieder einmal alle Ehre: Alle werden an den Bug gebeten, und wer kein Handtuch dabei hat, wird mit Flaggen, Ballons, Müllsäcken oder Transparenten zum Winken ausgestattet. Wie immer überqueren die Busse mit den Teilnehmern der Vesterålen-Rundfahrt die Sortland-Brücke genau dann im Kriechtempo, wenn das Schiff darunter hindurch fährt. In Sortland sammeln wir dann die drei Ausflugsbusse wieder ein, und die Fahrt geht weiter Richtung Süden, nach Stockmarknes, dem Geburtsort der Hurtigrute.

Die alte Finnmarken hat gelitten

Die alte Finnmarken hat gelitten

Mit den letzten Strahlen der Abendsonne erreichen wir den Ort und nutzen die Zeit für ein spontanes Gruppenfoto an Bord, bevor es in das Hurtigrutenmuseum geht. Da das Museum nicht zur Hurtigrute gehört, sondern privat betrieben wird, kostet es Eintritt. In den letzten Jahren gab es immer wieder verschiedene Regelungen: Mal war der Besuch im Reisepreis inbegriffen, mal kostet es extra. Es ist schade, dass der Eigner von Hurtigruten jetzt ein britischer Finanzinvestor ist, der wohl eher an Geld als an der Tradition interessiert ist.

Das Museum kann die Eintrittsgelder jedenfalls gut gebrauchen: Das mächtigste Ausstellungsstück ist die alte Finnmarken, die an Land liegt und den Elementen ausgeliefert ist. Am Bug fehlen einige Buchstaben des Namens, im April war er noch vollständig. Traurig, aber ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Der einstündige Aufenthalt reicht entweder für Museum oder Schiff; am besten schaut man sich zuerst das Schiff an.

Im Raftsund

Im Raftsund

Mittlerweile liegt das Mittagessen auch schon wieder zweieinhalb Stunden zurück, daher werden auf Deck Waffeln angeboten, und der „magische Trolltrunk“. Der Grund: Wir fahren nun in den Raftsund mit dem berühmten Trollfjord. Um 16 Uhr beginnt diese eindrucksvolle Passage, und gegen 17 Uhr steht der Trollfjord auf dem Programm. Dank der Zeitumstellung ist es nun leider schon recht dunkel, und bis zuletzt ist unklar, ob der Kapitän noch genug sieht, um in den Trollfjord hineinzufahren.

Es ist ohnehin eng mit dem Timing: Auf dieser Fahrt haben wir vier Sitzungen für das Abendessen, die mit einer halben Stunde Versatz anfangen, damit schneller serviert werden kann. Normalerweise geht es um 18:30 los, unsere Sitzung wäre dann um 19 Uhr. Damit alle zu den Ausflügen in Svolvær können, gibt es diesmal nur zwei Sitzungen um 17:15 und 20:30. Aber egal, wenn wir in den Trollfjord fahren, will ich das sehen.

Der Eingang zum Trollfjord

Der Eingang zum Trollfjord

Und kurz vor der Mündung dann die Durchsage: Wir gehen rein!

Das Schiff schiebt sich langsam in den Fjord, und an Bord herrscht andächtiges Schweigen. Genau so stellt man sich einen Fjord vor: Eng, steile Wände, ruhiges Wasser.

Am Ende des Fjords steht ein Turbinenhaus, das seit 1960 einen Wasserfall zur Stromerzeugung nutzt – also daher stammt das Licht, das man im Winter immer im Fjord schimmern sieht.

Am Ende des Fjords dreht das Schiff dann auf der Stelle und setzt unter dem Applaus der Passagiere seine Reise fort. Wow. Für die Ausfahrt bleibt uns an Deck leider keine Zeit, das Abendessen ruft. So wie es aussieht, sind wir für diese Saison das letzte Schiff, das in den Trollfjord fährt: Die Polarlys am nächsten Tag fuhr wegen Sicht und Lawinengefahr schon nicht mehr hinein.

In Svolvær gehe ich dann etwas später von Bord, diesmal bleibt es nur bei einem kurzen Blick in den Anker, die urige Kneipe im Scandic-Hotel. Dafür zeigt Eckehard uns noch einen weiteren verborgenen Schatz: Ein großes Gemälde der Schlacht am Trollfjord im Scandic-Hotel, bei dem traditionelle und moderne Fischer sich in die Haare geraten waren.

Eines der ältesten Häuser in Svolvær

Eines der ältesten Häuser in Svolvær

Ein kleiner Spaziergang durch Svolvær lohnt sich immer, und die Galerie von Dagfinn Backe (der die Karikaturen im Treppenhaus der Finnmarken gezeichnet hat und auch das Denkmal der Fischerfrau am Hafeneingang geschaffen hat) ist wohl ebenfalls geöffnet. Da bin ich aber zu spät, sie steht erst am Ende meines Rundgangs.

Zurück auf dem Schiff gibt es klaren Himmel, aber alle Prognosen deuten auf eine ruhige, polarlichtfreie Nacht hin. Außer dem üblichen Grünschimmer am Horizont ist nichts zu erwarten. Heute dürfen wir wohl einmal früh ins Bett.

So weit die Theorie.

Die Trollfjord

Die Trollfjord

Bei der Schiffsbegegnung mit der Trollfjord kurz vor 21 Uhr ist tatsächlich noch alles ruhig, und nicht einmal die übliche Party an Deck steigt.

Kurz vor 23 Uhr gehe ich dann aber noch einmal an Deck, ein paar Sternbilder erklären, und kurz darauf beginnt ein tolles Feuerwerk. Wahnsinn, sogar vom recht hellen Oberdeck aus. Jetzt zeigt die Aurora noch einmal, was sie kann, und tanzt, bis die Wolken kommen.

Zum Glück bleiben wir noch länger an Deck, denn gegen Mitternacht kommt die nächste Wolkenlücke, passend zur nächsten großen Show. Diesmal verpasse ich das Maximum, da ich kurz unter Deck bin, aber es ist und bleibt beeindruckend. Volker erlebt die Show im Dunklen am Bug, ich verbringe sie auf Deck 8.

Es ist immer wieder faszinierend, und man gewöhnt sich nie daran. Aber irgendwann werden die Jubelrufe weniger, und man nickt der Aurora eher zu, wie einer guten alten Freundin, und genießt den Abend. Dieser Abend bot das volle Programm, mit schnellen, flatternden Bändern, hellen Streifen und einem breiten, von senkrechten Abschnitten unterteilten Band. Das ist die Show, wegen der immer mehr Menschen diese Fahrten öfters unternehmen, und der einen in seinen Bann zieht.

Was für eine Nacht!