Bereit für Norwegen – Hunting the Light

In letzter Zeit war es ruhig hier, während ich am Rödeln war – da sorgt nicht nur mein Finanzamt für, sondern auch so manches Projekt, das ansteht. Immerhin an einem Buch – Projektname ist vorerst Fenris – komme ich so langsam mal wieder zum Schreiben, und mein Fernglasbuch bringe ich mit etwas Glück auch noch ins Englische.
Deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, Beobachtungstipps für 2014 zusammenzusuchen. Sorry…

Das kleine Redesign der Homepage war so nebenher. Endgültig ist es noch nicht…

Vor allem aber ist das Projekt, das die meiste Zeit in Anspruch genommen hat, jetzt endlich offiziell:

Die Reiseunterlagen

Die Reiseunterlagen

Ich habe die Reiseunterlagen für meine Hurtigruten-Tour erhalten, nachdem alle Passagiere sie schon länger haben. Am 21. geht’s um 9:25 in Frankfurt los; im Augenblick ist die MS Nordkapp laut Marinetraffic noch im Dock. Hoffentlich ist sie bis zum 22. dann rechtzeitig frisch saniert in Bergen und nicht, wie laut Marinetraffic, in Lamar im US-Bundesstaat Colorado. Ich will Polarlichter sehen und keine Prärie.

Meine Vorträge für die Reise stehen soweit (auch wenn ich einen wohl noch mal umschmeiße und neu mache), die Meteoritesammlung ist ebenfalls bereit, und das Kamera-Equipment ist auch vollständig. Außerdem gibt es an Bord wohl WLAN, sodass ich über Twitter und dieses Blog hoffentlich viel neues posten kann.

Und während ich mich auf den hohen Norden vorbereite (zusammen mit einem Kollege der Heilbronner Sternwarte), hat der Oliver Dreissigacker einen Parabelflug vor sich – den Livetweet dazu gibt’s vom @odreissi unter dem Hashtag #zeroG. Da wünsche ich viel Spaß!

Hurtigruten Tag 1 – Streiks, Regen und leichtes Gepäck

Endlich ist es soweit: Die Hurtigruten-Fahrt Nordlicht und Sterne 2014 beginnt. Nach ein paar Umverteilungen hat auch alles in Reisetasche und Handgepäck gepasst. 22,8kg (von 23kg erlaubt) für die Tasche und 7,7kg (von 8kg Limit) für den Rucksack, dazu die Kamera und der Mantel. Passt alles, perfekt um relaxt am Freitag in aller Frühe (5:30) zum Flughafen nach Frankfurt zu fahren. Und dann kam die Mail von Sandra an:

Panik! Morgen Streik am Flughafen Frankfurt!

Da konnte ich nur sagen: Keine Panik, dann fahren halt alle ein bischen früher los. Sandra und Nick waren eh im eigenen Auto unterwegs, und bei mir hieß es dann, allen anderen aus dem Auto hinterherzutelefonieren. Letztlich: Treffen bei mir um 5:00, Ankunft Flughafen Frankfurt 6:15. Ab zum Check-In bei der Lufthansa – alles ist ruhig, und das Gepäck aufgeben (das heißt aus gutem Grund so) geht mittlerweile automatisch. Früher gab’s da mal Personal, heute muss man sogar die Barcodes selber draufkleben. O tempora, o mores – deutsche Servicegesellschaft. Bis auf ein paar Fernsehteams ist am Flughafen alles ruhig. Dann ab zur Sicherheitskontrolle: geschlossen, nur für Piloten.

Mist.

Ab zum anderen Eingang: Gut, hier staut es sich. Und nicht zu wenig, da die geöffneten Eingänge von fünf auf vier auf drei reduziert werden.

Das Chaos beginnt: Menschenmengen vor der Security in Frankfurt/Main. Ich fühle mich da nicht besonders sicher...

Das Chaos beginnt: Menschenmengen vor der Security in Frankfurt/Main. Ich fühle mich da nicht besonders sicher…

Endlich den Eingang passiert (6:42 – ging ja noch), und dann die richtige Warterei: Schlange um Schlange zieht sich durch die Vorhalle des Security-Checks. Um 8:25 die Info von Sandra: Obwohl sie vielleicht 15 Minuten nach uns da war, hat sie jetzt erst die Passkontrolle passiert. Derweil wird die Luft immer schlechter, Wintersachen sind definitiv nichts für eine völlig überhitzte Wartehalle, in der angeblich die Klimaanlage auf Hochtouren läuft. Die ersten Leute kippen schon um, aber ist ja für die Sicherheit. 9:00: Endlich – der Scanner ist in Sicht. Nur darf keiner durch, weil ein männlicher Mitarbeiter fehlt, um jemanden zu überprüfen, und zwischendrin alles stillstehen muss. Ca. 9:15 haben wir endlich die Security hinter uns und rasen wie die Bekloppten zum Gate, stürmen die Treppe runter und sitzen um 9:25 im Transferbus. Drei Stunden vom Auto bis zum Flieger – nicht schlecht. Ach ja: Geplanter Abflug war 9:25. Immerhin haben wir Glück und erreichen den Airbus noch, Sandra und Nick bleiben zurück. Wir gedenken ihrer, während wir im Flieger freie Platzwahl haben: Der Großteil der Teilnehmer der Tour sollte von Frankfurt abfliegen, aber die Maschine ist sehr übersichtlich besetzt. Auf dem Rollfeld wird noch das Gepäck sortiert – damit nur das von den Passagieren mitkommt, die auch in der Maschine sind.

Die MAschine nach Kopenhagen startet mit leichter Verspätung - unser Glück. Passagiere hat sie jedoch kaum.

Die Maschine nach Kopenhagen startet mit leichter Verspätung – unser Glück. Passagiere hat sie jedoch kaum.

Gut eine Stunde später sind wir in Kopenhagen und steigen in den Flieger nach Bergen um, das wir dann pünktlich erreichen. Da treffen wir auch Sandra und Nick wieder, die in einen Direktflug umgebucht wurden. Alles ist gut.

Alles?

Naja, mal abgesehen davon, dass kein Mensch weiß, wo unser Gepäck ist. Mittlerweile nimmt Hurtigruten mit uns Kontakt auf: Wo wir wären, und dass zumindest eine der beiden Reiseleiterinnen mittlerweile leicht verzweifelt Passagiere sucht. Immerhin: Gut ein Dutzend steht jetzt mit uns an der Beschwerdestelle, um das Gepäck vermisst zu melden. Die meisten Passagiere haben’s geschafft, und so was schweißt zusammen – man lernt sich schon einmal kennen. Schließlich sind alle beisammen, und ab geht es in den Transferbus nach Bergen, ins Clarion Admiral. Kurz nach 15 Uhr sind wir da, checken ins Zimmer ein, lernen die andere Resieleiterin (Kirsten) kennen und können uns dann mal Bergen anschauen.

Bergen. Regen. Trotzdem schön.

Bergen. Regen. Trotzdem schön.

Mittlerweile hat es zu regnen angefangen (soll wohl typisch für Bergen sein), und wir kommen immerhin bis zum Starbucks. Beim Venti Caramel Hot Chocolate klingelt das Handy: Hurtigruten fragt nach, ob ich Kontakt zur Reiseleiterinh hätte und am Hotel für einen Aushang sorgen kann: 18 Uhr kleiner Sektempfang. Kein Problem, ich bin ja nicht zum Spaß hier.

Die Begrüßung von (fast) allen Teilnehmern

Die Begrüßung von (fast) allen Teilnehmern

Nach einer kleinen Vorstellung und ersten netten Gesprächen mit den Gästen haben wir dann den Abend für uns. Außerdem besteht Hoffnung: Der erste hat schon die SMS-Info erhalten, dass sein Gepäck gefunden wurde. Wir begeben uns auf die Suche nach Frühstück, Mittagessen und Abendessen – in Frankfurt war ja keine Zeit dafür gewesen. Mittlerweile ist der Regen auch weg, und wir können Bergen in aller Ruhe erkunden.

Bergen bei Nacht - Blick über den Hafen.

Bergen bei Nacht – Blick über den Hafen.

Hübsches Städtchen.

Historische Häuser am Hafen

Historische Häuser am Hafen

Aber letztlich zieht es uns doch in eine Pizzeria (Fisch gibt es in den nächsten Tagen noch genug), und der erste Schock mit dem norwegischen Preisniveau überredet uns alle dazu, die kleine Pizza zu nehmen (für rund 20 Euro). Immerhin: Die hat auch eine Größe, die mehr als satt macht. Und dann: Feierabend, ab ins Hotel (nachdem geklärt wurde, wie das in der Pizzeria mit Bezahlen und Trinkgeld abläuft). Die freudige Überraschung: Ich habe zwar immer noch keine Gepäck-gefunden-SMS erhalten, aber das Gepäck ist da (samt dem Ladegerät für den Kamera-Akku, juhu!) – der Abend ist gerettet.

Jetzte nur noch kurz ein paar Vorträge anpassen (nun, da man die Leute besser kennt – einige haben die Tour schon mal gemacht, und viele waren auch schon in der Antarktis – ich bin neidisch), diesen Blogpost schreiben und das Gepäck überprüfen – und das war’s für heute. Abenteuer war genug dabei (der Flughafen Frankfurt hat mittlerweile komplett dicht gemacht), ab jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, und die Sonnenaktivität. Noch ist’s ruhig, aber sie soll gefälligst noch mal ein bisschen in die Gänge kommen.

Für morgen stehen Frühstück (von 7:30-11 Uhr – sehr angenehme Zeit), Freizeit und um 13:30 Stadtrundfahrt mit anschließendem Transfer zum Schiff auf dem Programm. Und um 22:30 ist dann Abfahrt.

Hurtigruten – Polarlichter gesehen!

Ja, ich bin ein schlechter Blogger – mittlerweile hat die MS Nordkapp Tromsö passiert, und ich habe den Überblick verloren, welchen Tag wir eigentlich haben. Morgen steht das Nordkapp auf dem Programm, es sind endlich alle Gepäckstücke auf dem Schiff angekommen, und nur mein Twitterfeed war in letzter Zeit ein Lebenszeichen. Die Tage sind gut ausgebucht.

Bevor ich mit Tag 2 (Stadtrundfahrt durch Bergen und die erste Nacht an Bord) weitermache, hier ein kurzer Zwischenstand: Zwei von fünf Vorträgen sind gehalten, den Regen haben wir hinter uns gelassen, einige Passagiere hat man näher kennen gelernt, und heute Abend gab es die erste Polarlichter. Relativ schwach, aber die grünliche Färbung war erahnbar, und das Schauspiel war fast zwei Stunden lang sichtbar. Die ersten Bilder:

Polarlicht mit 30mm f/1,4

Polarlicht mit 30mm f/1,4

Und dann mit mehr Bildfeld:

Polarlicht mit 11mm f/2,8; 20 Sek bei 800 ISO.

Polarlicht mit 11mm f/2,8; 20 Sek bei 800 ISO.

Damit ist der Erfolgsdruck auch von dieser Reise genommen, und alle können es genießen. (Bis auf meinen Ersatzakku der Nikon – der ist keine zwei Monate alt und schon tot, als ich ihn gerade aus dem Ladegerät in die Kamera verfrachten wollte.

 

Hurtigruten Tag 2 – Bergen und Check-In

Mit leichter Verspätung komme ich nun endlich dazu, weiter über die Reise zu berichten. Mit dem Beitrag hab ich am 1. März angefangen, danach war die Internetverbindung abgebrochen, dann mein Roaming-Volumen aufgebraucht und ohnehin keine Zeit mehr… Also zurück in die Vergangenheit: Samstag, 22. Februar.

Noch immer fehlen drei Teilnehmern unserer Gruppe (natürlich auch Sandra) Gepäckstücke, und der Frankfurter Flughafen weiß von nichts – rund 20.000 Gepäckstücke sind dem Verdi-Streik zum Opfer gefallen. Das hindert uns aber nicht daran, das reichhaltige Buffet im Hotel zu genießen (es stellt sich die Frage, welche Themenreise wir begleiten: „Nordlicht und Sterne“, „11 Tage, 11 Kilo“ oder doch „11 Tage über der Reling“?), die beiden Reiseleiterinnen näher kennen zu lernen und schließlich Bergen bei Tag zu erkunden, bevor die Stadtrundfahrt ansteht.

Buffet-Clarion-Admiral-Bergen

Das Buffet gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

Bergen selbst ist ein hübsches Städtchen, wenn es mal trocken ist – unsere Tour führt uns über den Markt auf den Hausberg, wobei wir uns für die Fahrt mit der Seilbahn nach oben entscheiden und zu Fuß absteigen wollen. Oben angekommen, ist das Wetter brauchbar: Kein Regen (dafür mal kurz etwas Schneefall und recht viel Wind), und Bergen ist zu sehen. Ebenfalls erstmals zu sehen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen (links, gegenüber den beiden gelben Arbeitsschiffen): Die MS Nordkapp.

Auf dem Rückweg in die Stadt (der erst einmal den Berg hinauf führt) sehen wir nicht nur die ersten Trolle, sondern auch zahlreiche Jogger – es ist wohl am Wochenende üblich, den Berg hinaufzulaufen. Wer’s mag… Unser Rückweg bot eine schöne Aussicht und war auch eindrucksvoll: Immer wieder ein schöner Blick auf die Stadt, im Wald verborgene Trolle und und das Hinweisschild, dass man die Hexe nicht fotografieren soll.

No Photos of the Witch.  Aber Solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

No Photos of the Witch.
Aber solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

Bergen hat eine schöne Altstadt und mach den Eindruck eines lebenswerten, netten kleinen Städtchens. Viele kleine Gässchen, Einzelhandel gibt es auch noch, und ganz wichtig: Gegenüber vom McDonalds liegt immer noch das Starbucks, in dem wir uns aufwärmen und das Free WiFi ausnutzen. Noch ist die Motivation gering, einen Daypass zu buchen, um ins Internet zu kommen. Den Zeitraum zwischen Hotel und Schiff, die beide WLAN bereit stellen, wird man wohl auch im 21. Jahrhundert überleben…

Gegen 13:30 beginnt dann die Stadtrundfahrt zum Schiff, bei der wir einiges über die Stadt erfahren – und mehr sehen, als wir gedacht hatten: Mit fast 270.000 Einwohnern ist Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens und bei weitem nicht so klein wie gedacht. You ain’t see nothing yet. Wichtigstes modisches Accessoire ist aber wohl das Paar Gummistiefel, immerhin ist Bergen die regenreichste Stadt Europas. Auch die Neubauten sind zumindest teilweise im traditionellen Holz-Stil gehalten, und auch bei den anderen muss ich sagen: Ich würde gerne einige unserer Architekten zum Nachsitzen nach Norwegen schicken. Hübsch. Beim ersten Stopp im Hafen sorgt dann auch ein plötzlicher Regenschauer dafür, dass alle rasch wieder im Bus sitzen und die Fahrt in die höhergelegenen Regionen der Stadt beginnt, mit gemütlich wirkenden Neubauten.

Auch die traditionelle Bryggen-Häuserzeile am Hafen darf natürlich nicht fehlen: Früher ein reines Männer-Viertel, in dem wegen Feuergefahr auch auf Heizungen verzichtet wurde, ist es heute ein schöner Einblick in die ungemütliche Vergangenheit, der zum Glück den Modernisierungsplänen der 1970er getrotzt hat.

Im Bus stören die Regenschauer nicht...

Im Bus stören die Regenschauer nicht…

Und dann, endlich: Ankunft im Hurtigruten-Terminal, wo das Gepäck aus dem Bus auf das Schiff gebracht wird, während wir unsere Cruise-Cards erhalten (der Zimmerschlüssel, der über die Kreditkarte auch zum Bezahlen verwendet werden kann). Der badische Dialekt macht da gleich mal eine Grußkart‘ draus und wirft die Frage auf, wofür man denn eine Grußkart‘ braucht… Die Sicherheitsunterweisung in Filmform ist Pflicht, und danach können alle ihren Kabinen beziehen, die nicht noch einmal zurück auf’s Schiff müssen, weil sie etwas vergessen haben…

Der Gang im sechsten Stock und die KAbine mit Blick auf ein Rettungsboot

Der Gang im sechsten Stock und die Kabine mit Blick auf ein Rettungsboot

Meine Kabine im sechsten Stock ist nicht zu groß – für eine Person langt’s locker, für zwei Personen wird’s schon enger. Das Bett (rechts) lässt sich ausklappen, und das Sofa links kann ebenfalls zum Bett umgelegt werden. Ich habe freien Blick auf ein Rettungsboot, was aber mehr als okay ist: Es gibt Tageslicht, und wenn ich was von der Landschaft sehe, weiß ich, dass ich ein Problem habe. A propos: Der Generalalarm wird heute auch geübt, damit jeder weiß, wie ein Alarm klingt. Das Abendprogramm ist überschaubar: Ein reichliches Buffet für’s Abendessen, den Tourguide schnappen, um den Vortragsraum zu reservieren, und abends Meet&Greet auf dem Panoramadeck vorne im Schiff: Die Crew stellt sich vor, und Tour Guide Marco macht noch einmal klar, dass die Nordkapp eine Fähre ist: Anders als auf Kreuzfahrtschiffen wird nicht an jedem Hafen die Schiffsevakuierung geübt, und es kümmern sich auch nur 50 Leute (vom Kapitän bis zum Maschinist) um das Schiff und seine bis zu mehr als 600 Passagiere – zurzeit ist die Norkapp nur zur Hälfte ausgebucht. Ein Kreuzfahrtschiff wie die MS Europa hat dagegen pro Passagier ein Besatzungsmitglied. Gott sei Dank: Ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein muss, wenn ständig ein Animateur hinter einem her ist. Immerhin: Die Zimmer werden einmal am Tag gemacht, und es hat bislang noch jeder Passagier geschafft, das Bett selbständig herauszuklappen. Was will man mehr? Marcos Show zeigt schon, dass uns eine unterhaltsame und leicht makabre Zeit bevor steht.

Abends gegen halb elf verlassen wir dann auch Bergen: Die Fahrt beginnt.

Hurtigruten Tag 3 – Westkapp und Ålesund

Die erste Nacht an Bord verging für mich ganz angenehm, andere hatten leichte Probleme: War man Abend noch sanft in den Schlaf gewiegt worden, ging es über Nacht auf offene See, und am Morgen passierten das Westkapp bei Windstärke acht bis neun. An Deck war es ein klasse Gefühl, während die morgendliche Dusche schon etwas anspruchsvoller war.

Bewegte See am Westkapp – ideale Voraussetzungen für das Frühstück.

Bewegte See am Westkapp – ideale Voraussetzungen für das Frühstück.

Zum Frühstück gibt’s wie in den nächsten Tagen üblich ein reichliches, fischlastiges Buffet, bei dem meine Versuche, das dänische Smørebrøt nachzubauen, mir einige seltsame Blicke bescheren. Immerhin weiß ich jetzt, dass Smørebrøt eigentlich nur belegtes Brot bedeutet. Und Norwegisch ist eine nette Sprache: Die Butter heißt Smør, was ich mal frei als Schmiere übersetze. Passend für etwas, das auf’s Brot geschmiert wird.

Kurz nach 10 (Frühstück gibt’s von 7-10 Uhr) machen wir den ersten Halt, von dem ich etwas mitkriege: Ein kurzer Stop in Møre, den man nutzen kann, um kurz das Schiff zu verlassen und ein paar Fotos zu machen, bis das Schiffshorn die Abfahrt ankündigt. Dann bleiben noch ein paar Minuten, um wieder an Bord zu gehen. Mit der Cruise Card meldet man sich immer an und ab – damit klar ist, wer an Bord ist. Gewartet wird aber auf niemanden, wer zu spät kommt, darf sehen, wie er wieder an Bord kommt. Den ersten Landgang spare ich mir aber, den hebe ich mir für Ålesund nach dem Mittagessen auf.

Unverzichtbar: Die Cruise Card, der Becher für den Coffee Deal und das Info-Buch.

Unverzichtbar: Die Cruise Card, der Becher für den Coffee Deal und das Info-Buch.

Die Zeit bis Ålesund wird auch genutzt, um sich an Bord mit dem Wichtigsten einzudecken. In Norwegen gibt es nichts umsonst, aber immerhin ist im Reisepreis ein sehr schönes Buch inbegriffen, dass man sich beim Tour Guide abholen kann. Es stellt alle Etappen der Reise vor – zumindest an zwei oder drei Tagen schaffe ich es sogar, die Kapitel zu lesen, bevor wir die Orte passieren.

Die Cruise Card ist ohnehin im Reisepreis inbegriffen. Sie dient als Zimmerschlüssel, zum An- und Abmelden auf dem Schiff und zusammen mit den hinterlegten Kreditkartendaten zum Bezahlen. Und das macht man oft genug, denn der Coffee-Deal, bei dem man einmal den Becher kauft und sich dann das ganze Jahr auf der Nordkapp am Kaffee- und Tee-Automat bedienen kann, gilt nicht während der Essenszeiten im Speisesaal. Ab 12 Tassen Kaffee/Tee hat man den Preis wieder drin – aber das Teewasser ist dermaßen kochend heiß, dass es in dem Isolierbecher ewig braucht, bis es auf Trinktemperatur kommt.

Ebenfalls an diesem Tag gab es eine kleine Infoveranstaltung zum Schiff und einen Film über Polarlichter. Toll. Der Film ist neu, bislang wurden nur schöne Bilder gezeigt (die DVD gibt’s im Schiffsshop) und der neue Film nimmt gleich mal meinen halben Vortrag vorweg. Also immer schön zuhören, damit ich im Vortrag nichts gegenteiliges behaupten werde:-)

Jugendstilstadt Ålesund

Jugendstilstadt Ålesund

Ålesund erreichen wir kurz nach Mittag. Die Stadt wurde nach einem Großbrand Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugendstil neu aufgebaut und ist sehenswert – das regnerische Wetter bietet aber keine besonders gute Kulisse. Anstelle der Stadtführung entscheiden wir uns, Ålesund auf eigene Faust zu erkunden, und den Hausberg Aksla zu erklimmen. Anders als beim Fløyen in Bergen gibt es hier keine Bergbahn, sondern eine ganze Reihe von Stufen.

Der Aufstieg zum Akslaerfolgt über Treppen, die in den Felsvorsprung gehauen sind.

Der Aufstieg zum Aksla erfolgt über Treppen, die in den Felsvorsprung gehauen sind.

Die über 400 Stufen sind eigentlich kein Problem, aber der heftige Wind machte den Aufstieg zu einem Erlebnis – ich hatte ein paar Mal das Gefühl, gleich weggeblasen zu werden. Immerhin gibt’s meistens ein Geländer…

Oben angekommen bietet sich nicht nur etwas Windschutz, auch von Regenschauern bleiben wir verschont und können den Blick über Ålesund schweifen lassen. Im Hafen versteckt sich auch die Nordkapp: Im Vergleich zu den Häusern schon ganz groß. Zum Glück sind wir nicht während der Kreuzfahrtsaison hier, wenn Riesen-Schiffe wie Aida und Co den Hafen voll machen. So sind wir weitestgehend unter uns und können die Ruhe genießen, bevor der Abstieg beginnt. Dabei kann ich langsam die Albatrosse verstehen, die erst ab Windstärke 8 fliegen können. Ein Mantel bietet zwar guten Schutz gegen Regen, aber auch genug Windangriffsfläche.

Unten angekommen schlendern wir noch ein wenig durch das Städtchen, das am Sonntag nicht viel zu bieten hat – bis wir auf einen Souvenirshop stoßen, der überraschenderweise geöffnet hat. Neben viel Kitsch mit Wikingern und Elchen (bei dem kleinen Bleistiftspitzer in Elchform konnte ich nicht wiederstehen) gab es im Obergeschoss auch Kleidung, teils sogar zu akzeptablen Preisen – die Gelegenheit, um verlorenes Gepäck zu ergänzen oder neue, warme Kleidung anzuschaffen.

Ålesund vom Aksla aus.

Ålesund vom Aksla aus.

Auf dem Rückweg begegnen wir dann noch der Gruppe, die die Stadtführung mitmacht, und da das Wetter weiterhin bedeckt bis regnerisch ist, können wir den Abend leider ruhig ausklingen lassen. Nach Polarlichtern sieht es nicht aus, und wenn, hätten sie keine Chance. Also verbringen wir den Abend in der Bar und dem Panoramasalon auf Deck 7 und holen die Kamera nur raus, um Abends noch ein paar Fotos von Kristiansund und dem Schiff zu machen. Außerdem konnte die Ausbeute des Tages noch einmal verglichen werden – dieser Elch mit Bleistiftspitzer im Popo (Bild bei Twitter) ist wirklich zu bescheuert, der musste einfach sein. Das kleine Hand-Spektroskop hatte ich schon mal als Vorbereitung für meinen Vortrag am nächsten Tag dabei, das war kein Souvenir.

Kristiansund bei Nacht und (Hoch)Nebel.

Kristiansund bei Nacht und (Hoch)Nebel.

Hurtigruten Tag 4 – Nidaros-Dom und Wolkenlücken

En richtge gudn Morn – so oder so ähnlich wurden wir heute über die Bordsprechanlage auf Norwegisch begrüßt, gefolgt von Englisch und Deutsch. Wir haben mittlerweile Montag, den 24. Februar, und Trondheim erreicht. Der morgendliche Gang auf Deck 5 (hier ist der Umlauf um das Schiff und die Strecke, die jeder vor dem Frühstück viermal zurücklegen sollte, um sich die Kalorien zu verdienen) war vielversprechend: Das Wetter ist heiter bis wolkig, und vor uns liegt das Hurtigrutenschiff Vesterålen. Innen soll sie sehr schön sein, aber von außen springt bei mir kein Funke über. Da macht die Nordkapp doch mehr her.

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen, direkt vor der Nordkapp.

Wir entscheiden uns wieder gegen die Stadtrundfahrt und wollen auch Trondheim zu Fuß erkunden. Vorher gibt’s noch die Warnung von Tour Guide Marko, pünktlich zu sein: Es ist zwar kein Problem, das Schiff auf seiner Fahrt einzuholen, aber auch kein ganz billiger Spaß: Entweder nimmt man das Taxi für 1100 Euro, oder den Bus, der 10 Minuten zu spät ankommt, oder für 150 Euro das Flugzeug als billigste Möglichkeit. Also nochmal Uhrenvergleich, und los gehts. Einen Stadtplan zum mitnehmen gibt’s übrigens wie bei allen größeren Stationen beim Büro vom Tour Guide, ebenso wie einen Tagesplan mit Infos dazu, wann welcher Hafen angesteuert wird, welche Tageshighlights an Bord geplant sind, welchem Hurtigrutenschiff wir auf offener See begegnen, wann es Fotogelegenheiten gibt und wann Anmeldefrist für die Ausflüge ist. Alles perfekt organisiert.

Die Innenstadt von Trondheim ist nicht nur sehenswert, sondern auch gut zu Fuß erreichbar. Der Weg führt durch den Industriehafen und den Yachthafen mit hübschen alten Wirtschaftsgebäuden bis zum Zentrum.

Blick auf alte Speicherhäuser ind Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Blick auf alte Speicherhäuser in Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Wer die Stadtrundfahrt gebucht hatte, wurde bequem mit dem Bus zum berühmten Nidaros-Dom gefahren; zu Fuß waren wir ein paar Minuten vor der geführten Gruppe da. Der Grund für die Eile: Die Orgel wird gerade neu gestimmt, daher ist der Dom nicht frei zugänglich. Mit der Gruppe konnten wir einen Blick in das eindrucksvolle Gebäude werfen, bevor wir Trondheim weiter erkundeten.

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen.

Trondheim selbst hat einiges zu bieten. Da wäre die malerische Altstadt mit ihren kleinen Gassen und bunten Holzhäusern, die gammlige Brücke (okay: Gamle Bybroen, die alte Stadtbrücke) und rund um den Marktplatz die sehenswerte Innenstadt. Bei Temperaturen im Plusbereich kam auch kein Winterfeeling auf. Da Montag war, konnten wir auch einkaufen gehen: Klamotten (da immer noch einige Koffer vermisst wurden), eine Schützhülle für das iPad im Apple Store (damit später mit dem iPad der Sternenhimmel erklärt werden konnte, ohne das es zu kalt würde) und Reinigungsmittel für die Kamera (gegen das ganze Salz- und Regenwasser, das sich in den letzten Tagen auf der Kamera angesammelt hatte).

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Entgegen aller Internetseiten gibt es in Trongheim sogar ein Starbucks; der Tag war gerettet. Dafür hat die Tourist-Information nicht diese berühmten Norweger-Elche, die auf der Einkaufsliste standen. Was typische Souvenirs angeht, war die Reise bislang eh ein Flop – aber immerhin wurde das Wetter immer freundlicher, und wir waren ja nicht zum Einkaufen hier. Bei dem Preisniveau macht das eh keinen großen Spaß, da lieber in ein billiges Land wie Ägypten oder die USA…

Der Vormittag war somit gut ausgefüllt, und wir konnten uns auf den Rückweg zum Schiff machen, das wir auch pünktlich zum Mittagsbuffet erreichten. Mit entspannen war aber nichts, schließlich mache ich die Reise nicht zum Spaß: Jetzt hieß es erst einmal, den Wetterbericht und die Polarlichtprognosen noch in meinen Vortrag einbauen, und am frühen Nachmittag stand dann der erste Vortrag exclusiv für die Teilnehmer der Nordlicht und Sterne Tour an: Atmosphärische Phänomene. Von der blauen Himmelsfarbe über Nebensonnen und Erdschatten bis zum Regenbogen gab es einen Überblick über die Phänomene des Nachthimmels. Und anschließend: Polarlichter, Sagen und Entstehung. Natürlich war das eine Wiederholung des Hurtigrutenfilms, aber wenn man es zweimal hört, bleibt es besser im Gedächtnis.

Leider war das Wetter noch nicht polarlichtfreundlich, und die Sonne recht inaktiv – bis auf die Breaking News, dass gerade ein Fleckengebiet um den Sonnenrand rotiert und seine Strahlung die Erde knapp verfehlen würde.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Mit dem Vortrag und der Vorschau sowie dem Aufräumen des Konferenzraums (er ist für rund 120 Personen ausgelegt und war mit unseren über 70 Teilnehmern gut besucht) war ich rechtzeitig fertig, um das nächste Tagesereignis mitzukriegen: Die Passage einer Brücke bei Sør-Trøndelag. Viel Platz war nicht mehr zwischen Brücke und Schiff. Marko moderierte das Ereignis wieder sehr schön und machte den Countdown, wann wir fotografieren (oder in Deckung gehen) sollten.

Der Himmel wurde zwar besser und zeigte Strukturen sowie Spuren von Himmelsblau, aber noch keine Chance für sternklaren Himmel. Langsam wurden nicht nur unsere Gäste, sondern auch wir unruhig… Daher war das Hauptereignis des Abends noch die Begegnung mit der südgehenden Richard With im Hafen von Rørvik. Und wieder einmal die Erkenntnis, dass die Nordkapp hübscher war.

Übrigens hatte ich spätestens jetzt den Überblick verloren, wo wir eigentlich waren und welcher Tag war – spätestens jetzt war ich heilfroh, mir den GPS-Empfänger für meine Kamera gegönnt zu haben. Für alle die es interessiert: Der Solmeta GPS Geotagger N3 war ständig auf meiner Nikon. Mit dem Händler habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, ich kann beides empfehlen.

Übrigens auch das Guiness im Bordcafe: Es kommt aus der Dose, was schon einmal deutlich besser ist als das aus der Flasche (es hat den richtigen Schaum). 82 Kronen sind natürlich kein Schnäppchen.

Hurtigruten Tag 5 – Polarkreis, Sonne, Wikinger und Trollfjord

Die Kabinen in den Hurtigrutenschiffen haben keine Fenster zu öffnen, dafür eine Klimaanlage, die trockene Luft produziert. Tipp von Tour Guide Marko: Ein Handtuch nassmachen und auswringen, danach kann es als Luftbefeuchter dienen. Ein Glas Wasser irgendwo hinzustellen ist auf einem Schiff keine besonders gute Idee. Aber das Handtuch funktioniert gut.

Ebenfalls keine gute Idee: Nur auf das WLAN des Schiffs zu vertrauen. Internet geht zwar ganz gut (vor allem nach Mitternacht, wenn die meisten im Bett sind und man die Verbindung für sich alleine hat), aber EMail abrufen geht überhaupt nicht. Die Lösung: Der Weekpass der Telekom, um für läppische 15 Euro online gehen zu können. Zum Glück ist man mittlerweile das norwegische Preisniveau gewohnt.

Das Highlight of the Day ist am 25. Februar die Überquerung des Polarkreises um 7:12 Uhr. Es heißt also früh aufstehen, wenn man die Insel mit der Weltkugel links am Schiff vorbeiziehen sehen will.

Am Horizont: Die Insel mit dem Polarkreismonument. Auf Deck 7 war's eng, Deck 5 dürfte frei gewesen sein...

Am Horizont: Die Insel mit dem Polarkreismonument. Auf Deck 7 war’s eng, Deck 5 dürfte frei gewesen sein…

Die Weltkugel, die den Polarkreis markiert.

Die Weltkugel, die den Polarkreis markiert.

Trotz der Kälte gibt es Gedränge auf dem Schiff, jeder will ein Foto – was bei dem Dämmerlicht nicht ganz einfach ist; viele Bilder werden noch am selben Tag wieder gelöscht. Das Schiffshorn kündet die Passage an, und kurz darauf verlassen die Fotografen die Reling – es ist wieder Platz, um in aller Ruhe die zurückbleibende Kugel zu fotografieren. Das Begrüßungsgetränk zum Aufwärmen und Wachwerden zieht die Meute nun mehr an als die beleuchtete Kugel.

Die schöne Landschaft, an der wir jenseits des Polarkreises entlang fahren, genießen wir dann in aller Ruhe vom Frühstücksbuffet aus. Schon eine Stunde später gibt’s den nächsten Foto-Termin, als uns die MS Nordnorge entgegenkommt.

Damit auch ja keiner zur Ruhe kommt, steht um 9:30 dann das hübsche Örtchen Ørnes auf dem Programm, bei dem wir allerdings nicht aussteigen – der Aufenthalt ist kurz.

Der Hafen von Ørnes.

Der Hafen von Ørnes.

Übrigens ist es immer noch nicht kalt: obwohl Winter ist, hat auch Norwegen 2014 nicht besonders viel Schnee abgekriegt. Die Temperaturen sind frisch, aber nicht unerträglich. Aber damit damit keinem zu warm wird, steht kurz nach zehn die Polarkreistaufe an, mit Eiswürfeln in den Nacken und einem Schnaps hinterher, anschließen Fototermin mit König Neptun (auch wenn Njørd die Urkunde unterschrieben hat).

Fototermin mit Neptun (der aus gutem Grund verkleidet ist...)

Fototermin mit Neptun (der aus gutem Grund verkleidet ist…)

Tipp: Wer als letzter dran ist, erhält alles übriggebliebene Eis. Ideal für alle, denen doch noch zu warm ist…

Auf den nächsten Höhepunkt verzichtete ich wieder: Die Fahrt zum Saltstrømen dürfte zwar ganz nett sein und das Fliegereimuseum von Bodø auch, aber da die Stadt im Krieg völlig zerstört wurde und heute eher zweckmäßig als schön ist, verbrachte ich den Aufenthalt in Bodø lieber damit, den Vortrag nochmal aufzupolieren.

Die gute Neuigkeit des Tages: Mittlerweile waren endlich alle Koffer aufgetaucht, und jetzt konnten alle die Reise entspannt antreten. Irgendwo hinter Ørnes war auch die Sonne erstmals aufgetaucht – ganz passend, da die Sonne auch das Thema des heutigen Vortrags war. „Der Stern von dem wir leben“ hat ja einiges zu bieten, und diesmal gab es auch keinen anschließenden Fototermin, sodass danach noch die Chance für eine Fragerunde bestand. Hier kam auch mein kleines Handspektroskop zum Einsatz.

Heute Abend durfte es aber keine Polarlichter geben: Volker und ich waren beide auf dem Lofotr-Wikingerfest, das auch von all denen genossen wurde, die beim Essen Probleme mit dem schwankenden Schiff hatten. Nach einer längeren Busfahrt begrüßte uns ein Wikingerhäuptling in einem an historischer Stelle wieder errichteten Langhaus, und ein Fest wurde nachgespielt – inclusive den Versuche, seinen Sohn zu verheiraten und den Sklave zu verkaufen. Nette Show, gutes Essen und leckeres Met, und auch der Tanz war ganz witzig (wenn auch unkoordiniert, und einige Gäste hatten sich gedrückt).

Auf dem Lofotr Wikingerfest.

Auf dem Lofotr Wikingerfest.

Schade war nur, dass wir nur eine Stunde Zeit hatten – schließlich mussten wir das Schiff in Svolvær erwischen. Da ein Engländer wohl seine Kamera am Festbankett vergessen hatte (auch wenn sie nicht wiedergefunden wurde), hatten wir trotzdem leichte Verspätung. Aber wir kamen fast in dem Moment an, als Marko durchsagte, dass das Schiff ausnahmsweise auf uns warten würde. Daher legten wir doch noch pünktlich ab.

Ach ja, freudige Überraschung: Auf der Fahrt zum Bus und am Langhaus hatten wir einige Sterne gesehen; am Schiff standen aber wieder Wolken und keine Polarlichter am Himmel. Trotzdem waren etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht alle an Deck: Der berühmte Trollfjord stand auf dem Programm. Er sollte vom Schiff beleuchtet werden, außerdem konnte man bei Marko einen Voucher für einen Magic Drink auf Deck 7 erwerben – zusammen mit einer Trolltasse. Nach einer Rücksprache mit Angelika hatten wir die Info, dass der Fjord am Bug am besten zu sehen sein sollte. Dummerweise hatte das niemand dem Käptn gesagt, und so drängten sich einige am Bug, während die Scheinwerfer ziellos in der Gegend herum fuhren und Felsen sowie kleine Eisschollen beleuchteten – die Fahrt in den Fjord ist im Winter zu gefährlich, da Eis oder Gestein auf das Schiff stürzen kann.

Das war nicht der Trollfjord, der hier beleuchtet wurde.

Das war nicht der Trollfjord, der hier beleuchtet wurde.

Die Show war wohl eindeutig für die zahlenden Gäste auf dem Sonnendeck und nicht für die frierenden am Bug. Immerhin: Als das Schiff dann wendete, konnten wir doch noch einen Blick auf den Eingang zum Trollfjord erhaschen. Ohne Schiffsbeleuchtung. Und damit hatten wir für heute genug gesehen.

Trollfjord, 1. Versuch

Trollfjord, 1. Versuch

Hurtigruten Tag 6 – Tromsø und erste Polarlichter

Heute ist mein freier Tag – genauer gesagt, es steht kein Vortrag an, und am morgen ist auch kein Ausflug fällig. Dementsprechend nutze ich die Nacht, um mal einen Blick in die Reiseunterlagen zu werfen: Das kleine Buch, das Hurtigruten verteilt (früher gab’s wohl mal einen DuMont Reiseführer, jetzt machen sie’s selber – und gut) ist sehr interessant, und gegen halb zwei morgens will ich dann doch Feierabend machen. Nur noch mal kurz rausschauen, ob Polarlichter zu sehen sind: Es ist taghell. Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir mittlerweile in Stokmarknes angelegt haben und daher alle Lichter an sind, wie im Hafen üblich. Der Gang um’s Schiff zeigt dann den geschäftigen Hafen und die alte Finnmarken, die mittlerweile Teil des Hurtigrutenmuseums ist. Um diese Nachtzeit gehe ich aber nicht rüber, sondern mache lieber ein paar Fotos und dann ab ins Bett.

Die Finnmarken am Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes.

Die Finnmarken am Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes.

Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen (mittlerweile ist Mittwoch, der 26. Februar – der sechste Tag unserer Reise und der fünfte im Schiffsplan – unser Tag in Bergen zählt ja nicht zum Schiffsprogramm) ist malerisch: Die Sonne ist nur hinter leichter Bewölkung versteckt, und die Berge sind schneebedeckt. Das ist fast der erste Schnee, den ich in diesem Winter sehe…

Ein vielversprechender Sonnenaufgang

Ein vielversprechender Sonnenaufgang

Mit spätem Aufstehen, Gesprächen mit den Gästen, Frühstück und Mittagessen kriegt man den Tag auch sehr schnell rum, dazu noch ein bisschen Planung für die nächsten Vorträge: Ich versuche, sie schnell rum zu kriegen, da wir zwar einige Ausweichtermine haben, falls das Wetter doch einmal schlecht wird, aber man weiß ja nie… wenn ich vorne im Vortragsraum rumtanze, um Windstärke zehn auszugleichen, ist das nicht besonders produktiv, und von den Zuhörern hätte auch niemand was davon. Außerdem ist das Schiff zwar frisch aus der Werft und gut mit Desinfektionsmitteln ausgestattet, aber bevor doch ein Virus zuschlägt, gehe ich lieber auf Nummer sicher. Jedenfalls sind alle Termine so gelegt, dass möglichst alle an Bord sind (es werden doch einige Landausflüge angeboten) und wir nicht ständig anlegen bzw. nicht in einer Region sind, wo es viel zu fotografieren gibt. Morgen ist ein Abendtermin vorgesehen, ansonsten sind alle Vorträge tagsüber.

Den ersten Halt des Tages habe ich verschlafen: Harstad mit der nördlichsten mittelalterlichen Steinkirche der Welt. Macht aber nichts: Beim Vesterålen-Ausflug ist sie auch eine Station. A propos Ausflug: Heute war auch Anmeldefrist für den Ausflug zum Nordkap (das sich anders als unser Schiff wirklich nur mit einem p schreibt). Unser Tischnachbar beim Abendessen (neben dem wir auch schon auf dem Hinflug gesessen hatten) hat die Nordlicht-und-Sterne-Tour schon zweimal gemacht und will dem Nordkap ebenfalls noch eine Chance geben: Bislang kennt er es nur mit Schneegestöber oder Nebel – sehr mystisch, aber nicht sehr fotogen.

Die Nordkapp neben dem Kreuzfahrtschiff Boudicca im Hafen von Tromsø.

Die Nordkapp neben dem Kreuzfahrtschiff Boudicca im Hafen von Tromsø.

Der interessanteste Hafen ist heute Tromsø. Etwa vier Stunden haben wir in der größten nordnorwegischen Stadt zur Verfügung, von 14:30-18:30. Da die größte Stadt Nordnorwegens nur 69.000 Einwohner hat, sollte das reichen. Im Hafen liegen wir neben dem zum Glück einzigen Kreuzfahrtschiff, dem wir auf der Reise begegneten: Die 1973 in Dienst gestellte Boudicca. Schon im Vergleich mit ihr wirkt die Norkapp gar nicht mehr so groß, aber viel gemütlicher und sympathischer.

Wir erkunden Tromsø wieder auf eigene Faust. Der Weg führt uns am schnurstracks am Polarmuseum vorbei über die markante Brücke bis zur Eismeerkathedrale. Der moderne Bau prägt das Statdtbild und liegt mehr oder weniger auf einer Verkehrsinsel. Das Design ist nicht ganz mein Geschmack, aber durchaus interessant. Das Eintrittsgeld sparen wir uns allerdings – auf der Rückfahrt steht das Mitternachtskonzert auf dem Plan, da sind wir dann eh in der Kirche. Stattdessen ist der Storsteinen unser nächstes Ziel: Der Hausberg, auf den eine Seilbahn fährt. Über die zum Teil mit gut 5-10 cm Eis bedeckten Straßen finden wir die Talstation dann auch, und auf dem Weg erreicht mich auch der erste Anruf aus der Heimat: Auf meinem Blog tut sich gar nichts mehr – ob alles klar ist, oder ob ich mit dem Gepäck verloren gegangen wäre? Ich sollte die Seite doch besser pflegen…

Vom Berg aus bietet sich eine überwältigende Aussicht nicht nur auf Tromsø: Das eis- und schneebedeckte Plateau vermittelt einen Eindruck von Arktis oder Hochalpen, und die Geländer zum Abhang hin bieten einen Hauch von Abenteuer. Sie sind vorhanden, aber weitestgehend unter Eis und Schnee verborgen…

Sonnenuntergang über Tromsø.

Sonnenuntergang über Tromsø.

Auf dem Plateau sind wir alles andere als alleine, es wird nicht nur als Ausflugsziel genutzt, sondern auch von vielen Fotografen. Da steht einiges an professionellem Equipment, viele haben Fotostative aufgebaut. Nun, wir fotografieren uns und die Umgebung freihand, und als die Sonne sich vom Himmel zurückzieht, verlassen wir auch allmählich das Plateau. Immerhin haben wir ein Schiff zu erreichen. An der Seilbahn gab es erst einmal Stau, und wir können dem Quietschen der Bahn zuhören. Deutscher Standard ist das nicht, aber sie funktioniert, und unten angekommen entscheiden wir uns, mit dem Stadtbus zurück zum Schiff zu fahren. Von dem Plan, der Dame in der Hurtigrutenjacke zu folgen, nehmen wir Abstand: Der Bus macht erst noch eine kleine Stadtrundfahrt, und sie steigt fern vom Hafen aus – wohnt wohl hier und gehört nicht zur Nordkapp.

Domkirche in Tromsø

Domkirche in Tromsø

Am Hafen angekommen bleibt noch genügend Zeit für einen kurzen Stadtrundgang. Sehr sehenswert (und für meinen Geschmack hübscher als die Eismeerkathedrale) ist die Domkirke, die vor dem tiefblauen Abendhimmel noch schöner wirkt. Ein Reinfall ist der weltbeste Souvenirshop ein paar Meter weiter, den wir ohne Beute wieder verlassen. Schade eigentlich. Der Drop-In-Tattoo-Laden reizt auch niemanden von uns.

Zurück auf dem Schiff ist beim Abendessen die Spannung hoch: Wird es heute was geben? Noch ist alles ruhig, aber später gibt der Kapitän dann Alarm: Polarlichter! Um 20 Uhr gelingt mir meine erste Polarlichtaufnahme, die ich weiter unten ja schon gepostet hatte.

Tour Guide Marko gibt Tipps zur Fotografie (maximal 800 ISO, ruhig 20-30 Sekunden belichten), und damit gelingen einige gute Aufnahmen. Was weniger gut geklappt hat: Mein Rat vom ersten Vortrag, man möge sich doch im Voraus schon einmal mit seinen Kameraeinstellungen vertraut machen. Aber die meisten Probleme sind lösbar, und es wird fotografiert was das Zeug hält. Andere halten sich auch an meinen Rat, sich nicht nur mit der Technik zu beschäftigen, sondern das Schauspiel auch mit bloßem Auge zu beobachten. Ich hab da leicht reden: Meine Kamera steht auf Serienaufnahme und werkelt alleine vor sich hin, was auch gut so ist: Sie steht an der Reling, und vor lauter Menschen komme ich eh nicht mehr an sie ran. Bös erwischt hat es unser junges schweizer Pärchen: Das hat zwar ein gutes Stativ und eine gute Kamera, aber der Händler hat keine Adapterplatte beigepackt. In dem seiner Haut möchte ich nicht stecken, wenn die beiden wieder zuhause sind. Später verleiht Volker immer wieder sein Stativ, während eine Auswahl meiner Aufnahmen den Teilnehmern zur Verfügung steht (die Geheimseite ist mittlerweile online, mit einer Auswahl der gelungen Fotos). Problematisch sind eigentlich nur die Leute, die ständig vor Kameras stehen oder über Stative fallen – anscheinend sind die Polarlichter immer da am schönsten zu sehen, wo gerade eine Kamera steht, obwohl sie sich über den gesamten Himmel erstrecken. Noch besser ist eigentlich nur der Kollege, dem bei dem Schauspiel nur die Frage einfällt: „Wo ist eigentlich das Sternbild Krebs?“ Das hat mich dann doch etwas aus der Bahn geworfen…

Kurz nach Tromsø: Das erste Polarlicht als Vorhang aus Licht.

Kurz nach Tromsø: Das erste Polarlicht als Vorhang aus Licht.

Und wie sieht ein Polarlicht aus? Ich nenne mich zwar Schriftsteller, aber ich wünschte, ich hätte die richtigen Worte… Die Bilder und Filme vermitteln einen falschen Eindruck. Sie bestehen aus Einzelaufnahmen von 5-30 Sekunden, dementsprechend läuft das Schauspiel wesentlich langsamer ab (obwohl wir im Lauf der Reise auf innerhalb von Sekunden Veränderungen sehen). An diesem Abend ist es eher ein breites Band mit vertikalen Strukturen, das sich langsam verändert. Die grüne Färbung ist sehr dezent, aber es ist auch kein besonders starkes Polarlicht, das wir heute sehen. Da geht noch mehr! Das geisterhafte Schimmern lässt aber leicht verstehen, welchen Eindruck das Polarlicht früher auf die Menschen gemacht haben muss. Fast zwei Stunden lang können wir es beobachten, dann verblasst das Schauspiel, ohne ganz zu verschwinden. Gegen Mitternacht mache ich die letzten Bilder, aber hier ist es nur schwach hinter Wolken zu erkennen. Und in unserer Gruppe herrscht Erleichterung: Entgegen aller Befürchtungen seit dem regnerischen Bergen hatten wir Erfolg, (fast) alle sind beeindruckt, und die Pflicht ist erledigt. Was jetzt an Polarlichtern kommt, ist die Kür.

Polarlichtjagd auf dem Sonnendeck

Polarlichtjagd auf dem Sonnendeck

Hurtigruten Tag 7 – Nordkap

Heute ist’s beinahe stressig: Um 11 Uhr war Anmeldeschluss für die Schlittenhundefahrt in Kirkenes (gebucht), und um 11:15 legen wir in Honnigsvåg an. 3,5 Stunden liegt die Norkap hier. Wer einen Ausflug gebucht hat, geht entweder in das Fischerdorf Skarsvåg und besucht das Weihnachtshaus oder fährt wie wir zum Nordkap. Wer dazu keine Lust hat, kann das Highlight von Honnigsvåg mitnehmen: Wer zu Fuß bis zur Shell-Tankstelle geht, kann so den 71. Breitengrad zu Fuß überqueren. Hey hey!

Markiert den 71. Breitengrad: Die Shell-Tankstelle.

Markiert den 71. Breitengrad: Die Shell-Tankstelle.

Wir nehmen den Bus zum Nordkap.

Mittlerweile lassen sich Nordkap und Honnigsvåg bequem auf der Straße erreichen, sogar ohne Maut: Die Straße ist abbezahlt, und somit keine Maut mehr fällig. Das wäre mal was für Deutschland, wo eher umgekehrt gehandelt wird.

Die letzten Kilometer bis zum Nordkapp besteht Konvoi-Pflicht: Alle müssen auf der schmalen Straße hinter dem Schneepflug herfahren, der bei Temperaturen um den Gefrierpunkt aber nicht viel zu tun hat und ein ordentliches Tempo vorlegen kann. Der Hund des Fahrers, der auf den glatten Wegen so seine Probleme hat, zieht einige Blicke auf sich. Endlich geht’s im Konvoi los, über eine Hochebene, die schon sehr arktisch aussieht – weit mehr als das Plateau bei Tromsø gestern. Immerhin nähern wir uns dem nördlichsten Punkt Europas. Das Wetter sieht (fürs Nordkap) gut aus: Immer wieder scheint die Sonne durch die Wolken

Gleichzeitig trostlos und faszinierend

Gleichzeitig trostlos und faszinierend

Am Nordkap selbst folgen wir wieder dem Rat von Tourguide Marko und stürmen nicht sofort zum Globus, sondern schlittern über eine Eisfläche zum Aussichtspunkt im Westen. Mit dem Geländer geht es ziemlich gut, auch wenn wir den Mitreisenden böse Blicke zuwerfen, die sich mit Spikes ausgestattet haben. Einfach so über das Eis zu gehen, so eine Unverfrorenheit.

Aber der Weg lohnt sich, und auf die letzten Meter stört auch kein Eis mehr. Wir haben nicht nur freien Blick auf das Kliff des Nordkaps samt Globus und Touristen, sondern auch nach Westen: diese Landzunge namens Knivskjellodden ist in Wirklichkeit Europas nördlichstes Ende. Genau wie das Nordkap selbst liegt es auf der Insel Magerøya, aber noch einmal 1400 Meter weiter nördlich, markiert also nicht das nördlichste Ende des europäischen Festlands. Der Fußmarsch dorthin dauert aber länger als wir Zeit haben.

Blick aufs Nordkap

Blick aufs Nordkap

Als wir dann zurückgehen und uns das Nordkap samt Globus ansehen, sind die meisten anderen schon wieder in der Nordkaphalle (mit dem Cafe, das sogar für Norweger zu teuer ist), und wir haben freie Bahn. Nachdem alles fotografiert ist, was zu fotografieren ist, geht es auch für uns in die Nordkaphalle. Wer dort den Informationsfilm nicht ansehen will (der sich wirklich lohnen soll), kann die Zeit im riesigen Souvenirshop vertreiben. Ich werde da zwar auch nicht fündig, andere ergattern ein Glas Marmelade.

Arktis-Stimmung am Nordkap

Arktis-Stimmung am Nordkap

Als wir das Nordkap schließlich verlassen (auch hier wieder die Warnung, pünktlich zu sein – wer zu spät kommt, wird erst am nächsten Tag abgeholt), wird das Wetter auch wieder etwas schlechter: Es zieht zu. Honnigsvåg selber bietet wenig sehenswertes, sodass wir direkt aufs Schiff gehen.

Gegen 16:30 passieren wir die kleine Felsformation der Finnkirche, und anschließend bekommen wir Besuch von Krabbenfischern. Die großen Königskrabben breiten sich langsam westwärts aus und werden gefischt. Bei der Vorführung der Krabbenfischer, die in voller Fahrt am Schiff anlegen und ihren Fang präsentieren, kann jeder eines der großen Tiere in die Hand nehmen. Man darf raten, was es später zu Essen gab:-)

Was ist das? Grünes Polarlicht. Was macht das? Grüne Wolken.

Was ist das? Grünes Polarlicht.
Was macht das? Grüne Wolken.

Nach dem Abendessen versammelt sich alles auf Deck 7, aber der Blick vom Sonnendeck in den Nachthimmel zeigt keine nennenswerten Polarlichter. Genauer gesagt: Da ist grün zu sehen, vor allem auf Fotos, aber das ganze ist hinter den Wolken. Mit anderen Worten: Wir sehen fahlgrün-schimmernde Wolken, was nur mäßig spektakulär ist. Kurz nach 20 Uhr fange ich daher mit meinem dritten Vortrag an: Das Sonnensystem. Merkur und Venus kann ich problemlos abhaken, und auch meine kleine Meteoritensammlung zeigen. Irgendwann kommt Volker rein, der Polarlichtwache gehalten hat, und meint, dass Lichter zu sehen sind – allerdings nur „kameragrün“ und nicht „bloßes-Auge-grün“. Die Mehrheit entscheidet sich, dass es sich nicht lohnt, deshalb raus zu gehen, und ich kann mit Mars weitermachen. Mit Rot-Blau-Brillen sind 3D-Ansichten des roten Planeten möglich, bis Volker kurz vor halb zehn wiederkommt: Jetzt lohnt es sich wirklich! Also zeige ich noch rasch die letzten vier 3D-Bilder in 15 Sekunden, und dann geht’s ab an Deck. Das war’s mit dem Vortragsprogramm für heute, und nachdem ich abgebaut und meine Kamera geholt habe, geht’s auch für mich ab an Deck.

Wow.

Polarlichter über uns: Eine Corona.  Mitten drin: Der Große Wagen.

Polarlichter über uns: Eine Corona.
Mitten drin: Der Große Wagen.

Wir sind jetzt mitten im Polarlichtoval direkt unter einem Polarlicht, die Lichtvorhänge sind auf allen Seiten von uns. Grün ist deutlich zu erkennen, manchmal auch ein Hauch von rot. So muss das. Die Fahrt auf der Barentssee, bei der wir eher unruhige See befürchtet hatten, belohnt uns mit einem unruhigen Himmel. Wahnsinn. Wenn das letzte Mal die Pflicht war, gibt der Feuerfuchs, der über den Schnee rennt und dabei Funken schlägt (um meine Lieblingserklärung für Polarlichter zu zitieren) sich diesmal richtig Mühe. Wahnsinn. Das Grün ist gut zu sehen, und die Bewegung der Lichtbänder ebenfalls.

Tanzende Vorhänge aus Licht.

Tanzende Vorhänge aus Licht.

Etwa eine Dreiviertelstunde währt das Schauspiel, bevor wir vorläufig einpacken und den Abend bei Guiness und Gesprächen ausklingen lassen können. Im Warmen bemerke ich dann auch, warum mich mein Kugelkopf im Stich gelassen hat: Jedesmal, wenn ich ihn drehen wollte, hat er sich vom Stativ abgeschraubt. Am Stativ sind drei kleine Inbusschrauben, mit denen er fixiert werden kann. Jetzt weiß ich, warum Dörr da zwei Inbusschlüssel beigelegt hat, die in Heilbronn liegen… Die Bilder sehen schon einmal vielversprechend aus, und wenn man sie zu einem Film zusammenfügt, stört das Schwanken des Schiffs auch weniger als bei Einzelaufnahmen.

Ein geisterhaftes Schauspiel

Ein geisterhaftes Schauspiel

 

Hurtigruten Tag 8 – Kirkenes

Willkommen in Russland?

Willkommen in Russland?

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Kirkenes markiert den Wendepunkt unserer Reise. Weiter nach Osten kommen wir nicht, auch wenn mein Laptop meint, wir wären schon viel weiter – er hat auf Zeitzone Moskau/Murmansk umgestellt und meint, er wäre in der russischen Föderation. Naja. Wer will, kann immerhin einen Ausflug zur russischen Grenze machen, aber Schlittenhunde und Schneehotel reizen mich doch mehr.

Nach kurzer Busfahrt erreichen wir kurz nach 9 Uhr morgens das Lager der Schlittenhunde. Über 100 Hunde warten hier gespannt auf Bewegung; jeweils sieben bis acht ziehen einen Schlitten mit zwei Gästen und einem Musher oder einer Musherin. Bei Bedarf wird warme Kleidung gestellt; ich verlasse mich auf meinen Mantel und – was sich als weise herausstellt – meine Sonnenbrille. Immerhin legen die Hunde in 20 Minuten fünf Kilometer zurück. Bei Tempo 15 wird es durchaus frisch, auch wenn es für die Huskies schon fast zu warm ist. Dank der eisigen Wegstrecke erreichen sie trotzdem ein gutes Tempo, wälzen sich aber auch bei jeder Pause zum Abkühlen im Schnee. Wir haben ein gutes Gespann erwischt: Unser Schlitten fällt bei der wilden Hatz nicht um. Ein Riesenspaß für uns und die Hunde, die eindeutig Spaß an ihrer Arbeit haben.

Kurze Abkühlung im Schnee.

Kurze Abkühlung im Schnee.

Nach der Fahrt gab es für uns ein warmes Getränk, während die Hunde schon wieder durchstarteten: 60 Teilnehmer hatten die Tour gebucht (eigentlich sogar 62, aber die letzten Nachzügler mussten wieder zurücktreten – die Schlittenhundefahrt und die Schneemobile sind die Touren, die man frühzeitig buchen sollte), daher wurde die Masse in drei Fahrten abgearbeitet.

Das "WC" im Schneehotel – eine von vielen Skulpturen.

Das „WC“ im Schneehotel – eine von vielen Skulpturen.

Im Anschluss an die Fahrt war genug Zeit, um das Schneehotel anzusehen. Ganz aus Schnee ist ein Hotel mit Rezeption, Bar und mehreren Zimmern errichtet worden. Jedes Zimmer ist mit Wandreliefs verziert, die von sehr schön bis sehr kitschig reichen. Wem das WC (oder heißt das EC? Eis-Closett?) zu kalt war, kann auch im Hauptgebäude aus Stein sanitäre Einrichtungen nutzen. Wenn es draußen -40° hat, soll die Temperatur in den Zimmern bei molligen -18° liegen. Die Betten sind auch aus Eis, Bettwäsche (und wohl auch Schlafsäcke) immerhin nicht. Perfekt, um eine Beziehung abkühlen zu lassen…

Kirkenes selbst bietet wohl keine weiteren Sehenswürdigkeiten, und viel Zeit bleibt ohnehin nicht mehr: Das Schiff ruft. Auch die Gruppe, die die russische Grenze besucht hat, ist wieder vollständig zurückgekommen. Das nächste Ziel ist Vardø, wo man die alte Festung besuchen kann (die wohl gerade geschlossen ist) oder im Eismeer baden kann (was einige australische Touristen sogar machen. Viel Spaß).

Vardø bietet die Option, im Eismeer zu baden.

Vardø bietet die Option, im Eismeer zu baden.

Für mich wird’s wieder ernst: Vor dem Abendessen steht noch mein vierter Vortrag an – Unser Kosmos, eine Reise durch das Universum. Natürlich steht auch wieder die Frage nach Polarlichtern an, aber obwohl der Kapitän wieder so lieb ist, das Licht auf dem Sonnendeck abzuschalten, gibt es nur ein paar strukturlose grüne Schimmer hinter den Wolken – zu wenig für schöne Beobachtungen, aber ideal um mit den Mitreisenden zu plaudern.

Besser wurde es an diesem Abend nicht, und visuell war noch weniger zu sehen als auf dieser Aufnahme

Besser wurde es an diesem Abend nicht, und visuell war noch weniger zu sehen als auf dieser Aufnahme.

Übrigens, was man bei der Polarlichfotografiererei nicht vergessen sollte: Danach die Kamera wieder auf Normalbetrieb zurücksetzen. Ansonsten macht man beim nächsten Fotohalt erst ein Bild mit hoher ISO-Zahl, Spiegelvorauslösung und Langzeitbelichtung. Das nervt:-)