Endlich wieder Hurtigrute

Ein wenig habe ich ja gemischte Gefühle. Einerseits: Die Nordlichtsaison hat wieder begonnen, und ich gehe wieder auf die Hurtigrute! Alte Bekannte treffen (Moni fährt mit) und wieder nach Norwegen gehen. Yay!

Andererseits: Es ist meine einzige Fahrt in dieser Saison. Buhu… Bleibt die Hoffnung, dass es 2018/19 wieder etwas mehr wird.

Straßensperren in Ba-Wü 2017

Und dann: Flug mit Lufthansa ab Stuttgart um 8:20. Eigentlich keine schlechte Zeit, wenn wir nicht 2017 hätten und man wegen dem Security-Theater zwei Stunden vorher am Flughafen sein sollte. Und eine halbe Stunde für den Transfer (wieder mit dem erprobten Flyaway-Service) vom Parkplatz zum Flughafen einplanen müsste, weil sich Terminalparken ja kein Mensch leisten kann. Hieße um 6 Uhr in Stuttgart sein – und dass heute, wo in Baden Württemberg eh alle Straßen geschlossen sind. Die Zeiten, in denen Autofahren Spaß macht, sind lange vorbei.

Die Highscore für die Fahrt nach Stuttgart

Also was bleibt: Am Vortag anreisen, weil man nie weiß, wie lange man für die rund 70 km von Heilbronn oder diesmal Karlsruhe braucht. Die Lösung: Ein 200-Euro-Hotelzimmer im Herzen Stuttgarts nehmen (Listenpreis laut Booking.com, gekostet hat es real nur 29,-), über Parkopedia einen bezahlbaren Parkplatz suchen und ab da für. Geschätzte Reisezeit weniger als eine Stunde, gedauert hat’s dann ohne morgendlichen Berufsverkehr 1:44 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h. Zum Vergleich: Die Trollfjord, auf die morgen gehen werde, läuft 16 Knoten (30 km/h). Immerhin ist die Anreise so entspannter, und das Hotel Hansa ist direkt gegenüber vom Vapiano und einer Bäckerei. Das Überleben bis zum Bergenbuffett morgen ist gesichert.

Blick in ein 200-Euro-Hotelzimmer (Listenpreis).

Ach ja, Lufthansa: Die genießen zwar keinen Ruf als Billigflieger, aber sie neigen dazu, das Handgepäck zu wiegen. Das durfte ich zumindest in Edinburgh im August erleben. Ist ja im Prinzip kein Problem, aber es wäre sinnvoller, mal auf die Größe statt auf das Gewicht zu achten – bei dem, was manche als Handgepäck an Bord schleppen… Also 8kg max. Und ob ich meinen Koffer jeweils wieder sehe, wird sich zeigen – in Frankfurt und Oslo heißt es umsteigen mit jeweils weniger als einer Stunde Zeit bis zum Abflug. Plätze vorne im Flieger sind reserviert.

Das ist ein Nachteil der Oktobertour: Da es in den Hjørund-Fjord geht statt eines längeren Aufenthalts in Ålesund, legt das Schiff schon um 20:30 in Bergen ab. Sollte ich also nichts mehr von der Tour berichten, waren die Umsteigezeiten doch zu kurz…

Hurtigrute Tag 1: We made it to Bergen!

Schönstes Wetter in Stuttgart

Mir war ja von Anfang an klar, dass die Flugverbindung mit diesem City-Hopping sportlich war, aber wenn das die einzige brauchbare Verbindung von Stuttgart nach Bergen ist: So sei es. Dass mir der Lufthansa-Mitarbeiter am Baggage-Drop viel Glück wünscht, ist natürlich kein besonders aufbauendes Zeichen, aber was soll’s. Oslo hat ein neues Terminal, das Durchchecken vom Gepäck sollte also kein Problem sein (hatte im Mai mit SAS ja perfekt geklappt), und ich habe Plätze schön weit vorne im Flieger reserviert, damit ich schnell aus dem Maschinchen komme, für meinen Spurt durch die Flughäfen. Was kann schon schief gehen?

Dass ich an der Security-Kontrolle in Stuttgart ziemlich alleine bin und daher zufällig für die Sprengstoffkontrolle meiner Kameras ausgewählt werde, wundert mich auch nicht. Irritierender ist, dass ich zusehen kann, wie der Tag dämmert und mein Flugzeug am Gate steht.

Und steht.

Und kurz nach dem offiziellen Start angekündigt wird, dass in etwa zehn Minuten mit dem Boarding begonnen wird. Statt wie geplant um 8:20 verlassen wir das Gate dann um 9:00 und heben 13 Minuten später sogar für den 30-Minuten-Flug ab.Das langt gerade, damit die Business-Klasse Frühstück serviert bekommt.

Nebel in Frankfurt

Gute Neuigkeiten, die schon im Flieger verkündet werden: Frankfurt kämpft mit Nebel, der Anschlussflug hat auch Verspätung. Ein Spurt von Gate A5 nach A25, und ich habe sogar noch 10 Minuten bis zum Boarding. Moni ist auch noch da – damit sind zumindest die Lektoren für die Tour zusammen. Mit ausreichend Verspätung geht es dann nach weiter nach Oslo, wo wir landen, als unser Anschlussflug gerade abhebt.

Und nun? Erst mal zur Gepäckausgabe, weil die Lufthansa nur den Zettel draufklebt, dass das Gepäck bis Bergen durchgecheckt wird, es aber nicht durchcheckt wird. Also Gepäck abholen, durch den Zoll, einen Stock höher und zum SAS-Schalter, wo wir freudig erfahren, dass wir automatisch auf den nächsten ebenfalls verspäteten Flieger umgebucht wurden. Kurz per SMS Kai informiert (einen unserer beiden Reiseleiter), und er erklärt sich bereit, mit dem Bus auf uns zu warten. Uff. In Skandinavien ist ein verpasster Flieger wohl kein größeres Problem als ein verpasster Bus, zumindest wenn alles auf einen Buchungscode läuft und die Fluggesellschaft dafür verantwortlich ist. (Andere traf es übler: Eine Maschine in Amsterdam war überbucht…). Einen Vorteil hat das Gepäckabholen: Ich komme an das Ladekabel für mein Handy ran. Um fünf Uhr morgens hatte ich das doch glatt mit dem Ladegerät ins große Gepäck gepackt, und so zwar die Powerbank dabei, aber kein Ladekabel. Fliegen in den 90ern: Man hat seine Boardingcard auf Papier. Fliegen 2017: Man hat die Boardingcard auf dem Handy. Und die Powerbank, falls der Akku leer geht. Und den Papierausdruck als Backup. Moderne Zeiten.

Also: Endlich ab nach Bergen, und mit nicht zu extremer Verspätung kamen wir beiden Lektoren dann auch als letzte im Bus an. Keine Zeit, um jemanden kennen zu lernen… Aber ich muss sagen, am Flughafen Bergen-Flesland  hat sich einiges getan: Der neue Terminal wurde kürzlich eröffnet, und mittlerweile fährt auch die Bybanen von der Stadt bis zum Flughafen. Chic, nur zum Umschauen bleibt nicht viel Zeit.

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt ging es dann ab auf die Trollfjord. Bergen ohne Regen und bei Licht – sehr ungewohnt.

An Bord dann: Schiff erkunden, Bekanntschaften auffrischen (nicht nur im Reiseleiter-und-Lektoren-Team, auch unter den Gästen gibt es Wiederholungstäter) und die Vortragsräume buchen. Und natürlich die Cruisekarte mit der Kreditkarte koppeln, um bezahlen zu können. Außerdem noch Abendessen: Bergenbuffet. Es gibt wieder diese Lachsröllchen und Eis. Lecker.

Vor lauter Organisation (nicht ganz trivial: Es ist wieder eine englische Nordlicht-Gruppe an Bord) und Gerede verpassen wir glatt die Vorstellung der Crew und das Auslaufen aus Bergen – schließlich geht es schon um 20 Uhr los, damit wir morgen den Hjørundfjord mit Urke besuchen können. Schade eigentlich, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier. Erst gegen Mitternacht und weit auf offener See schaffe ich es, mal einen Rundgang an Deck zu machen. Kein Regen…

Anschließend heißt es Feierabend. Schließlich sind wir morgen um 8:45 schon kurz in Ålesund.

Übrigens, noch kurz für die Nachwelt: Die Tour geht vom 16.-26.10.2017.

Hurtigrute Tag 2: Ålesund, Urke und Ålesund

Regnerisches Ålesund am frühen Morgen

Der Herbstfahrplan ist für mich als Winterfahrer immer wieder verwirrend: Durch die frühe Abfahrt in Bergen ist nicht Torvik mein erster Hafen an diesem Tag, sondern Ålesund. Torvik steht im Oktober schon um 7:15 auf dem Programm, das Geschaukel am Westkapp fällt also nicht mit dem Frühstück zusammen, sondern wird verschlafen. A propos verschlafen: Mein Wecker bimmelt zwar pflichtbewusst um 7:00 für Torvik, das mit dem wach werden klappt aber erst eine Stunde später. Also kein Frühstück, sondern das Anlegen in Ålesund anschauen und mal kurz von Schiff – den Regen genießen und ein paar Fotos machen. Viel Zeit bleibt nicht, da die Trollfjord um 9:30 nach nur einer halben Stunde schon wieder ablegt.

Die Welcome-Veranstaltung

Wieder an Bord bleiben ein paar Minuten, um mit Adi zu schwätzen – ich bin das erste mal mit ihm unterwegs, aber wir kommen beide aus dem Ländle. Seine Webseite gibt es unter sblachut.de. Anschließend dürfen wir uns alle vorstellen: Unsere Hallo-Willkommen-und-Info-Veranstaltung ist um 10 Uhr, hier gibt es vor allem die wichtigesten organisatorischen Infos. Die Nordlicht-und Sterne-Tour ist ja eine begleitete Gruppenreise, das heißt: Wir sind zwar da und eigentlich jederzeit ansprechbar, aber jeder ist für sich selbst verantwortlich, ohne von einem Animateur verfolgt zu werden. Durch den Ålesund-Spaziergang starte ich den Tag also mit Sekt statt Frühstück…

Wir fassen uns kurz, da die Fahrt durch den eigentlich wunderschönen, in Nebel und Regen aber eher mystischen Hjørundfjord führt. Diesmal habe ich sogar Zeit, ihn mir einmal näher anzuschauen – letztes Jahr auf der Finnmarken war das Wetter besser, aber die Anreise zu stressig…

Von 11:30 bis 15 Uhr liegen wir vor dem 52-Seelen-Ort Urke, ab 12 Uhr dürfen auch die von Bord, die keine Ausflüge gebucht haben. Die Hurtigrute ist wohl das einzige große Schiff, das Urke anfährt, und das auch nur kurz im Herbst (statt des Geirangerfjords). Vom Autodeck der Trollfjord aus geht es auf das gemütliche kleine Fährboot, das einen zum Gästekai des Örtchens bringt. Es regnet immer wieder, aber trotzdem besuchen Moni und ich den Aussichtspunkt über Urke und die meisten anderen Sehenswürdigkeiten, die auf der Infotafel beschrieben sind – der kleine Laden, der Bruapark an der Brücke über den kleinen Wasserfall am Kraftwerk, Scheunen und alte Lagerhäuser sowie der Campingplatz. Ganz abgeschnitten von der Welt ist Urke dann doch nicht.

Last Boat from Urke

Urke Downtown ist natürlich überschaubar, aber liebevoll herausgeputzt. Trotzdem sehe ich zu, dass ich das letzte Boot um 14:45 nicht verpasse – und die Einheimischen sind wohl auch froh, dass nicht mehr lauter Touris auf den Straßen herumirren und vor fahrende Autos springen.

An Bord hat mich die Zivilisation dann wieder: Ich bin nicht der einzige, der keine EMails auf dem Handy abrufen kann. Des Rätsels Lösung: Wahrscheinlich ist Port 995 gesperrt; mit 110 und ggf. veränderter Verschlüsselung funktioniert es dann. Bei der Lösung war hilfreich, dass im Select-Tarif (mit dem wir unterwegs sind) wieder eine Kaffeeflatrate inklusive ist – leider ohne die roten Thermosbecher, die es früher gab. Die sind in Norwegen wohl zu üblich und auch an vielen Tankstellen gängig…

Anschließend ging es wieder nach Ålesund, bei zunehmend besserem Wetter. Bis 19:00 sind wir knapp zwei Stunden dort, da es um 18:30 aber bereits Abendessen (abends gibt es kein Buffett, sondern vier Sitzungen bei rund 500 Passagieren an Bord) gibt, bleibt mir etwas weniger Zeit für den Stadtrundgang. Der Hausberg Aksla fällt somit flach, dafür schaue ich beim Cruise Terminal vorbei, an dem die Hurtigrute auf meinen ersten Fahrten anlegte. Mittlerweile ist er abgesperrt, und Arbeitsschiffe liegen vor Anker. Die Kreuzfahrtsaison ist wohl eindeutig vorbei. Dafür zeigt sich Ålesund in gewohnter Pracht, wenn auch mit mehr Baustellen als gewohnt. Auch die Apotheke im Jugenstilzentrum wird gerade renoviert, ich begnüge mich mit einem Blick durch’s Fenster. Schaut chic aus, irgendwann muss ich da doch mal reinschauen.

Aber immerhin hält das Wetter, und ein Spaziergang durch die Stadt lohnt sich. Das Einkaufszentrum Kremmergaarden wird auch saniert oder erweitert, meine Buchhandlung ist vor der Baustelle geflüchtet und ein paar Läden weiter gezogen.

Die Lofoten

Zurück an Bord wartet nach dem Essen ein ruhiger Abend mit Gesprächen. Molde erreichen wir etwas zu früh, sodass die Lofoten noch den Kai belegt. So können wir der alten Dame aus ungewohnter Perspektive beim Beladen zuschauen. Nach Molde reißt der Himmel im Norden sogar auf, von Polarlicht ist aber nicht viel zu sehen – für die nächsten Tage sieht es besser aus, sowohl was Wetter als auch Aktivität angeht. Auch Ian Ridpath, der mit einer englischen Astronomy Voyage unterwegs ist, geht von einer ereignislosen Nacht aus. Damit können wir die Fahrt über die ruhige Hustadvika nutzen, um noch ein wenig am Vortrag zu arbeiten. Morgen vor dem Abendessen steht Arbeit an.

Hurtigrute Tag 3: Von Trondheim nach Rørvik (und First Light)

Die Spitsbergen in Trondheim

Die Trollfjord hat eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 30km/h, und die scheint unser Kapteinen auch auszureizen. Laut Herbstfahrplan kommen wir um 8:30 in Trondheim an, was sogar mir eigentlich reichen sollte, um einmal die Einfahrt nach Trondheim mitzuerleben. Zum Winterfahrplan, wenn wir bereits um 6:00 Uhr anlegen, habe ich keine Chance.

Das klappt natürlich nur, wenn wir nicht schon zwanzig Minuten vorher die Wendepirouette drehen, um hinter dem südgehenden Hurtigrutenschiff anzulegen. Daher sehe ich nur die Bordwand der Spitsbergen an mir vorbeiziehen, als ich aus der Dusche steige.

Draußen ist das Wetter noch wechselhaft, von blauem Himmel bis drohenden Regenwolken gibt es alles. Gegen neun soll der Regen nachlassen, daher bleibt genug Zeit für das Frühstück, bevor ich mich in die alte Königsstadt aufmache. Das ist trotzdem noch früh genug, um ein paar leichte Regenschauer mitzunehmen. Trondheim selbst hat sich nicht sehr verändert, bis auf ein paar Baustellen mehr.

Also der übliche Rundgang durch das alte Werftgebiet von Nedre Elvehaven mit seinen schmucken restaurierten Steinbauten über Bakklandet mit den kleinen Holzhäuschen rüber zur Gaml Bybro und dem Nidaros-Dom. Die Sonne kommt raus und beantwortet die Frage, aus welcher Perspektive ich die Brücke dieses Mal fotografiere: Vom Ufer des kleinen Mini-Parks aus, ein paar Meter nach der Brücke. Der Herbst hat tolle Farben, aber die Bäume versperren den Blick auf den Dom ein wenig. Trotzdem hübsch.

In der Vår Frue Kirke

Noch ein kleiner Besuch beim Dom selbst, dann führt mich die Route weiter zum Marktplatz. Der soll in den nächsten Jahren auch neu gestaltet werden – aber noch muss ich meinen Reiseführer nicht aktualisieren. Uff. In der Vår Frue Kirke treffe ich Moni: Hier ist offene Kirche, und nicht nur Obdachlose können hier ihren Kaffeebedarf stillen. Hier landet das Geld an der richtigen Stelle, wenn man sich auch einen gönnt.

So etwa ab zehn hat der Regen auch aufgehört, und Trondheim zeigt sich von seiner hübschen Seite. Leider kann man langsam schon über den Rückweg nachdenken. Noch ein kurzer (erfolgloser) Besuch bei den üblichen Läden, und dann bin ich auch schon wieder auf dem Schiff, das pünktlich um zwölf ablegt. Knapp eine halbe Stunde dauert der Weg von der Innenstadt bis zum Schiff; zum Nidaros-Dom vielleicht nochmal rund zehn Minuten mehr.

Blick auf Munkholmen

Nach dem Ablegen sehen wir dunkle Wolken über Stadt und eine unwirkliche Lichtstimmung, während das Wetter bei uns gut ist einen schönen Blick auf die Insel Munkholmen ermöglicht. Die Trollfjord wird noch „klassisch“ betrieben, zumindest zurzeit gibt es kein Expeditionsteam an Bord, das Show macht. Damit hält sich die Schiffsreiseleitung angenehm zurück, und es gibt kein ständiges Ding-Dong gefolgt von Durchsagen über die Bordsprechanlage. Auf Sehenswürdigkeiten wie die alte Mönchs- und Gefängnisinsel wird trotzdem hingewiesen, aber man merkt: Wir sind eine Fähre. Schön entspannend.

Dunkle Wolken über Trondheim

Die Fahrt den Trondheimfjord entlang ist ruhig mit wechselhaftem Wetter: Meist bieten sich prachtvolle Ausblicke, und manchmal ist Norwegen einfach kurz weg, wenn wir einen Regenschauer durchqueren. Auf die Fosenwerft, auf der die Trollfjord gebaut wurde, wird kurz hingewiesen, ebenso auf einen der ältesten Leuchttürme Norwegens.

Kjeungskjærfyr

Gegen halb drei passieren wir dann den wohl meist-fotografierten Leuchtturm: Kjeungskjærfyr, das charakteristisch-rote, eckige Türmchen auf einer der vielen Schären. Das Wetter hat schon vorher alle Fotografen an Deck gelockt. Anschließend nehmen wir Kurs auf den Stokksund. Das Wetter ist gut genug, dass wir diese enge Passage durchqueren; auf der Brücke über den Sund stehen Schaulustige, die uns mit einer Norwegen-Flagge zuwinken. Und vorher spannt sich noch kurz ein Regenbogen über das gesamte Schiff, bevor wir kurz in ihn (bzw. besagten Regen) hineinfahren. Was wäre Norwegen ohne Dusche?

Eigentlich deprimierend, dass mein Handy bessere Panoramen abliefert als die „echte“ Kamera, aber ich erwische den Regenbogen.

Anschließend heißt es arbeiten: Um 17:30 haben wir unseren ersten Vortrag über das Polarlicht, ergänzt mit Fototipps und den Webseiten, die ich für die Polarlichtvorhersage nutze. Dank Essen um 18:30 haben wir auch eine Deadline, die wir aber problemlos einhalten. Und dank der offenen Seestrecke der Folda wackelt es auch ein wenig, pünktlich zum Abendessen. Bei Windstärke 5 verzichten zwar schon einige auf das Abendessen, aber das Geschaukel ist noch überschaubar. (Gott sei Dank bin ich bislang von der Seekrankheit verschont geblieben).

Blick von der Nordlys auf die Trollfjord

Rørvik erreichen wir überpünktlich, und um 20:45 können wir schon für einen kurzen Besuch auf der Nordlys vorbeischauen. Auf die Spitsbergen in Trondheim hatte ich verzichtet, aber auf der Nordlys kenne ich ja den ein oder anderen – allerdings nicht von der aktuellen Crew, also bleibt es bei einer kurzen Visite. Hübsches Schiffchen im alten Design.

Mit leichter Verspätung (aber allen Passagieren) verließen wir dann Rørvik um 21:30, und Moni und ich sahen uns noch ein wenig den prächtigen Sternenhimmel an, der hinter den Wolken hervorlugte. Alle Prognosen sagten eine ruhige, nicht nur für unsere Breiten nordlicht-freie Nacht voraus, und als Adi vorbei kam, war für uns klar: Heute Nacht wird das nichts.

First Light über den Wolken

Fünf Minuten später zeigte ein Probeschuss mit der Kamera, dass der Nebel am Horizont Polarlicht war. Zwar noch recht schwach und nur wenig über den Wolken am Horizont, aber nach fünf Minuten war deutlich: Das ist real und bleibt (obwohl Tromsø bei kp0 rumdümpelte und das Oval auch nur mäßig war). Irgendwann gebe ich das mit den Polarlichtvorhersagen auf… Da wir zu zweit sind, informierte Moni die Rezeption, während ich meine Kamera an den Bug schraubte. Wenig später versammelten sich dann alle an Deck 9, wo das Polarlicht zwar nur als helle graue Wolken, aber doch deutlich zu sehen war. Die Kameras lieferten den Beweis, und bis Mitternacht gab es doch noch etwas Bewegung. Wer aushielt, wurde mit ein paar helleren Lichtsäulen belohnt, in denen auch etwas geisterhaftes Grün zu sehen war. Sporadische Schauer trieben dann doch einige unter Deck – da zeigt sich schon, wen man in den nächsten Nächten immer an Deck sehen wird und wen nicht.

Die Pflicht ist erledigt, die Kür kann kommen – für morgen nach Svolvær auf dem Raftsund ist gutes Wetter vorhergesagt. Ich bin gespannt und entscheide mich um halb eins, die Polarkreisüberquerung morgen früh gegen 7 Uhr einfach zu verschlafen, sodass ich die Infotaste am Telefon ausmache. Und was ist? Am nächsten Morgen erfahre ich, dass es gegen zwei Uhr noch einen besseren Nachschlag gab. Schade.

Dafür zum Abschluss mein Zeitraffer von unserem ersten Nordlicht auf Twitter:

Hurtigrute Tag 4: Von Bodø zum Trollfjord (mit Polarlicht-Feuerwerk)

Die Nordkapp

Heute überqueren wir schon den Polarkreis – wie üblich am sehr frühen Morgen, und so wie ich den Kapitän einschätze, eher noch vor 7 Uhr als gegen acht. Damit dürfte die Kugel noch im Dunkeln liegen, und ich schenke mir das frühe Aufstehen. Die Begegnung mit der südgehenden MS Nordkapp um 8:15 verpasse ich auch knapp, immerhin kann ich ihr noch aus dem Fenster zuwinken. Schade – es wäre mittlerweile doch hell genug gewesen, um noch ein paar schöne Bildchen von meinem alten Lieblingsschiffchen zu knipsen.

Jenseits des Polarkreises

Stattdessen geht es halt anschließend kurz auf Deck, um die Landschaft zu genießen. Der nächste Hafen ist Ørnes um 9:15, das in einem wunderschönen Fjord liegt. Im Winter ist es eine perfekte Postkartenidylle, jetzt mit den Herbstfarben des Oktobers wirkt es ganz anders, aber ebenfalls fast kitschig.

Ørnes

Dazu kommen Nebel und Wolken, die der Region etwas mystisches verleihen, je näher wir dem Hafen kommen.

Von 10 bis 12 Uhr ist heute Reiseleiter-Sprechstunde angesetzt, und ich bin zum Kamera-Erklären auch meist da. Das wird zum Glück auch rege genutzt. Von der Polarkreistaufe auf Deck 9 bekomme ich daher nur wenig mit, aber ich kenne das Spektakel ja schon. Neptun ist diesmal wohl Magnus – ich kenne ihn vom Expeditionsteam der Nordlys, er dürfte in Rørvik zugestiegen sein.

Polarkreistaufe

Anschließen steht schon wieder Mittagessen an, da wir kurz vor 12:30  Bodø erreichen. Mittlerweile habe ich in der Stadt auch ein paar nette Ecken gefunden, und wir haben einen neuen Liegeplatz: Direkt am Bahnhof, sodass es nur ein paar Meter bis zum Stadtzentrum sind. Hier wird kräftig gebaut: Rathaus und Kirche sind eingerüstet. Dafür schaue ich mal beim Fotohuset Johnson vorbei, direkt neben der Kirche. Wenn ich hier schon alle hinschicke, die noch Kamera-Equipment brauchen…

Blick vom Lachscenter zum Schiff

Die Norweger sind ja Weltmeister im Renovieren, und dementsprechend viele Baustellen gibt es auch in Bodø. In den nächsten Jahren soll außerdem der Flughafen versetzt werden und ein neues Viertel entstehen. Dafür, dass hier vor 200 Jahren nur ein paar Häuschen standen, hat sich viel getan. Das Nordlandmuseum gibt einen interessanten Überblick über die Stadtgeschichte.

Ich begnüge mich mit einem kurzen Rundgang, bevor es wieder zum Schiff geht – gerade rechtzeitig, denn das Wetter wechselt wieder einmal, und ein Schauer erwischt mich kurz vor der Trollfjord.

Da die Astronomy Voyages von Hurtigruten UK ebenfalls an Bord sind, ist der Vortragsraum heute Nachmittag belegt. Für mich bedeutet das eine Premiere: Ich sehe einmal den Leuchtturm von Landegode, der malerisch auf einer Insel vor einem Bergmassiv liegt. Hat auch was. Anschließend geht es zu einer überraschend ruhigen Überfahrt über den Vestfjord. Das Wetter ist gut genug, um die Lofotwand zu sehen: Aus der Entfernung wirken die steilen Inseln wie ein Gebirge.

Kai nutzt die Überfahrt für eine kleine Kunstführung. Wie alle Schiffe, die noch nicht auf das arktische Design umgebaut wurden, hat auch die Trollfjord ihre eigene Innenausstattung, darunter auch die Bilder aus dem Salon eines älteren Hurtigrutenschiffs. So manches Kunstwerk erschließt sich dem Betrachter erst nach einer Erklärung, aber Kai ist der richtige dafür. Auf der Nordkapp konnte ich das auch, bevor die Kunstwerke durch moderne Fotos ersetzt wurden…

Abendstimmung

In Stamsund verlassen uns die Teilnehmer des Wikingerfests wieder, aber wir bleiben zum Glück an Bord: Pünktlich zum Nachtisch kommt während des Abendessens die Durchsage, dass es Polarlicht gibt. In der Tat erwartet uns an Deck eine gute Show. Ein schöner Bogen zieht sich über Stamsund zusammen, und Farbe ist auch zu erkennen. Damit ist das Pflichtprogramm eigentlich erledigt, und die Liegezeit in Svolvær wird genutzt, um die Bilder auf den Laptop zu laden. Gibt mal wieder ein nettes Filmchen, das ich am nächsten Morgen auch zeigen kann. Hier schon einmal die Twitter-Version:

Noch ein paar weitere Impressionen:

Magic Ice

Schöne Show, bis wir der Finnmarken begegnen und kurz darauf in Svolvær einlaufen. Wie üblich legen wir direkt neben der Magic Ice Galerie an, aber diesmal steige ich nicht aus – Bilder kopieren und Platz auf der Speicherkarte ist wichtiger.

Und nach Svolvær? Das Wetter ist okay (im Hafen stand ich im Regen und konnte auf der anderen Hafenseite Polarlicht sehen) und die genaue Polarlichtaktivität wie immer unvorhersagbar. Also wohl dem, der an Deck bleibt und ausharrt, während in der Bar ein Konzert gegeben wird (parallel läuft auch noch ein Kulturprogramm mit Konzerten an Land und an Bord), anstatt erst zum Trollfjord wieder ins Freie zu gehen. Nach einem ordentlichen Polarlicht gibt es die ganz große Show, das Polarlicht tanzt, und über uns ist eine schöne Korona, die sich sogar fotografieren lässt. Mittlerweile kann ich mit Belichtungszeiten unter einer Sekunde arbeiten – wenn ich daran denke, zu fotografieren. Viel besser geht kaum. Dass mir mein Stativ umfällt und bei der kleinen Panasonic der Objektivdeckel zersplittert, kann ich bei dem Ausgleich am Himmel verschmerzen.

Dann lässt die Aktivität nach, und wir erreichen den Trollfjord. Für mich eine Premiere: Wir fahren auf der nordgehenden Route in den Trollfjord, und oben gibt es noch einen Nachschlag an Polarlicht. Was für eine Show! Ian Ridpath (der englische Lektor) und ich sind uns einig: Eigentlich können wir jetzt in Rente gehen, das ist schwer zu toppen. Gegen Mitternacht lässt das Feuerwerk dann nach, und es ist Zeit für das Bett – morgen früh um 9 müssen wir den nächsten Vortrag halten.

Hier noch der Zeitraffer, der am Tag 6 dann endlich fertig gerendert war – wieder in der Twitter-Version. Die eigentliche Show war bereits am 19. Oktober.

Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Nebel bei Finnsnes

Ich gebe es ja zu: 9:00 ist eine üble Zeit für unseren zweiten Vortrag. Aber die Alternative wäre die Mittagszeit gewesen, bevor wir Tromsø anlaufen, also erzähle ich nach einem etwas hektischen Frühstück unseren Gästen etwas über den aktuellen Sternhimmel, gewürzt mit griechischen Sagen und einem Überblick über das Leben der Sterne. Ansonsten würde uns die schöne Landschaft entgehen. Und da die Frage aufkam: Nein, ich bin kein Frühaufsteher. Ich leide da auch…

Ottar fra Hålogaland

Trotzdem fasse ich mich kurz, da draußen bestes Wetter herrscht. Es gibt wieder die Chance für Gespräche, und ich quatsche mich fest, sodass ich keine Zeit habe, um in Finnsnes von Bord zu gehen. Im Ort beschränke ich mich daher auf einen Rundgang auf dem Umlaufdeck – bislang hatte ich immer die Schokoladen-Werbung an dem Haus fotografiert, das man vom Bug aus sieht; diesmal gehe ich mit dem Teleobjektiv auch ans Heck und fotografiere die Statue von Ottar fra Hålogaland. Er war ein reicher Wikinger-Kaufmann aus dieser Region, der im Jahr 890 König Alfred von Wessex von seiner Heimat im hohen Norden berichtete.

Bei der Fahrt nach Finnsnes kommt langsam Nebel auf; besonders beeindruckend ist das dampfende Meer. Aber so mythisch es auch ist, fotogen ist etwas anderes. Pläne scheitern – da hätte ich den Vortrag auch Mittags machen können. Aber egal, trotzdem geht es immer wieder an Deck, nachdem ich meinen Computer mit den Bildern der letzten Nacht gefüttert habe. Bis nach Mitternacht er mit den Bildern des Polarlichts nach Svolvær beschäftigt sein, dann kann ich das Filmchen erstellen (das ich bereits im gestrigen Blogbeitrag drin habe. Es hat seine Vorteile, dass ich nicht jeden Tag zum Schreiben komme).

Am Rystraumen

Kurz vor Tromsø erzählt Magnus auf Deck 9 etwas über den Gezeitenstrom Rystraumen und die Hinrichtungen auf der vorgelagerten Insel, und dann lichtet sich der Nebel: Tromsø kommt in Sicht, meine Lieblingsstadt in Norwegen. Für mich ist das ein sehr entspannter Aufenthalt, da ich nächste Woche schon wieder hier sein werde. Nach einer Nordlicht-und-Sterne-Tour brauche ich auch mal etwas Urlaub, und was bietet sich da mehr an als die 70.000-Einwohner-Stadt Tromsø, mitten im Polarlichtoval?

Einen Rundgang durch Tromsø lasse ich mir trotzdem nicht nehmen. Die Stadt wird gerade winterfest gemacht, vor der Domkirke wird neu gepflastert. Zur Abwechslung ist sie aber heute geöffnet und lädt zu einem Blick in das schöne Holzgebäude ein.

Anschließend wandere ich zum Polarmuseum und, auf der anderen Seite des Hafens, zum Polaria, dem Nicht-nur-Aquarium von Tromsø. Bei Temperaturen von vielleicht fünf Grad gibt es schon das erste Eis auf der Straße. Der Sonnenuntergang verdient das Prädikat „grandios“, hier wirken die Wolken auch schön – leider werden es im Lauf des Abends immer mehr. Diesmal habe ich also keinen Grund, das Abendessen ausfallen zu lassen. Die Überfahrt nach Skjervøy – eigentlich eine tolle Strecke auch für Polarlicht – ist ruhig, aber unter Wolken.

Licht und Wolken nach Tromsø

Ein wenig Polarlicht schimmert zwischen den Wolken durch, als wir Tromsø verlassen, aber es lohnt sich kaum, dafür die Kamera aufzubauen. Bis Skjervøy nimmt die Bewölkung immer mehr zu, und in Skjervøy schneit es sogar ein wenig. Da kann ich in aller Ruhe Magnus zuhören, der in der Bar auf Deck 8 Storytelling macht und ein kurzes Märchen auf Englisch erzählt – von dem Mann, der einmal statt seiner Frau die Hausarbeit verrichtet und Porridge machen will, was natürlich im Chaos endet.

Und irgendwann gegen ein Uhr Nachts habe ich sogar die Nordlicht-Filme fertig, die ich am nächsten Morgen vor dem Vortrag zeigen will…

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg

Kurs Havøysund

Willkommen im hohen Norden! Im Morgenlicht dampfen wir Richtung Havøysund, wo uns eigentlich die Richard With entgegenkommen sollte. Die charakteristischen Felsformationen vor der Biegung vor dem Ort sind zwar pünktlich zu sehen, aber von der südgehenden Hurtigrute keine Spur. Ein Blick auf Marinetraffic zeigt, dass sie noch genauso weit von Havøysund entfernt ist wie wir. Dabei war auf der Barentssee gar kein Sturm vorhergesagt?

Aber es ist alles gut – mit etwas Verspätung läuft sie Havøysund an, während wir draußen warten und so einmal den Ort mit Hurtigrutenschiff fotografieren können. Die Chance gibt es auch selten.

Damit habe ich wohl erst einmal genug Bilder dieses Schiffs und kann mich kurz dem Frühstück widmen, bis um 9:30 unser dritter Vortrag ansteht: Moni berichtet über den Stern, von dem wir leben: Die Sonne.

Honningsvåg

Zum Glück muss ich danach nicht gleich zum Mittagessen übergehen. Schließlich ist heute Nordkap-Tag, und wer den Ausflug zum Nordkap gebucht hat, muss in die Busse einsteigen, die in der Nähe des Anlegers warten. Die Wettervorhersage ist nicht schlecht, auch wenn es gegen später schlechter werden soll, daher mache ich mich zu einem kurzen Spaziergang durch den Ort auf: Zur Kirche, rund um den Hügel mit der Fischereischule und dann zurück zum Schiff. Die Übergangszeit zwischen Herbst und Winter ist spannend – noch kein Schnee, aber auch nicht mehr viel Grün. Noch ist aber genug Farbe da, dass sich das Örtchen sehen lassen kann.

Alle gehen zum Nordkap

Ein paar Graffiti (zum Glück keine Schmierereien) sind neu und ermöglichen neue Bilder. Als ich hinter Fischereischule bin, steht ein Regenbogen über der Stadt. Ich schaffe es noch rechtzeitig den Hügel zu erklimmen und ihn über dem Schiff zu erwischen.

Chic.

Anschließend geht es am Hafen mit seinen Statuen und der „Trash Art“ (dem Kunstwerk aus angeschwemmten Gummistiefeln) vorbei zurück zum Schiff. Kein Regenbogen ohne Regen: Das Schauerwetter lädt nicht dazu ein, sich die Veränderungen im Stadtzentrum näher anzuschauen. Das kleine Café an der Kreuzung vor dem Anlieger scheint einen neuen Besitzer zu haben, und gegenüber hat eine Kunstgalerie aufgemacht.

Das Nordkap-Museum

Den Regen nutze ich aus, um in aller Ruhe das Mittagsbuffett zu plündern. Die Nachspeisen sind gefährlich… Anschließend gehe ich noch einmal von Bord, um das neue Nordkappmuseum zu besuchen. Früher war es in dem Souvenirshop, an dem die Busse abfahren und vor dem noch immer ein riesiger Troll und die Statue des Schiffshunds Bamse wachen, jetzt ist es noch näher an den Anleger gezogen.

Es hat von 10-15 Uhr offen, aber nicht Samstag und Sonntag. Genau: Heute ist Samstag. Vielleicht klappt es ja ein andermal, aber diesmal wieder nicht. Schade.

Nachdem die Ausflügler wieder an Bord sind, geht die Reise weiter. Auf der Fahrt nach Kjøllefjord schaukelt es ein wenig: Für die Barentssee ist das praktisch nichts, aber manch einer geht doch auf Nummer Sicher. In den nächsten Tagen geht es immer wieder von den windgeschützten Häfen und Fjorden und Häfen kurz auf offene See.

Finnkirka

Nach zwei Stunden erreichen wir Kjøllefjord und passieren die kaum erkennbare Finnkirka. Die Felsformation wird im Winter bunt angeleuchtet, im Oktober bleiben die Lichter aber gerne aus. Heute ist sie vor dem dunklen Hintergrund leider kaum zu erkennen. Wer nicht weiß, wo sie ist, hat eigentlich keine Chance.

In Kjøllefjord verlassen uns die Teilnehmer der Samischer-Herbst-Exkursion, die einen kleinen Einblick in die samische Kultur werfen dürfen. Auf die an Bord gebliebenen wartet stattdessen das Nordkapp-Buffett. Während wir in Mehamn anlegen, stehen Leckereien wie Rentier-Gulasch, Krabben und Meeresfrüchte bereit, dazu Lachsröllchen und Nemesis-Schokolade, die ihren Namen zu recht trägt. In 100g dürften 200g Schokolade verarbeitet worden sein… Da kapituliere sogar ich nach einem Stückchen. Burps.

Auf der Überfahrt nach Berlevåg schaukelt es wieder stärker. Als Verdauungsspaziergang kämpfe ich mich zu Bug durch. Es gibt etwas Poalrlicht, aber bei dem Seegang jemanden an den Bug zu schicken wäre… unklug, nennen wir es einmal so. Vor allem, weil es nur kleine Wolkenlücken gibt, die in den fünf Minuten, die es für eine Durchsage braucht, auch schon wieder zuziehen können. Also mache ich es mir mit meinem Laptop im Panoramasalon bequem (wegen des letzten Sturms laufen immer noch Reparaturarbeiten, sodass er wenig genutzt wird), bis eine Stunde vor Berlevåg Polarlicht durchgesagt wird. Es ist nicht die ganz große Show (zu diesig, zu wolkig), aber für das bloße Auge doch schön anzuschauen. Wenn man sich auf den Beinen halten kann. Ich lasse meine kleine Kamera samt Stativ in der Kabine und schraube nur die Nikon an die Reling. Immerhin:

Die Nordnorge

Danach geht es noch kurz an den Bug: Die Nordnorge hat Verspätung, und wir müssen auf sie warten, bevor wir Berlevåg anlaufen. Der kleine Hafen hat nur Platz für ein Hurtigrutenschiff. Und auch wenn keine Vinkekonkurransje angesetzt ist: Auf dem Schiff ist eine andere Nordlicht-und-Sterne-Gruppe, da muss ich dem Hans Köchl winken. Und dann gehe ich zur Abwechslung mal früh ins Bett. Noch ist für die Rückfahrt morgen gutes Wetter und ruhigere See angesagt, es könnte also wieder spät werden

Hurtigrute Tag 7: Von Kirkenes nach Berlevåg

Kirkenes am frühen Morgen

Kann es sein, dass die Reise noch schneller vergeht, wenn man die Route bereits einigermaßen verinnerlicht hat? Jedenfalls sind wir schon wieder in Kirkenes, und das an einem Sonntag. Mit anderen Worten: Die Läden haben zu, und es gibt eigentlich nur zwei Optionen: Den strahlend schönen Tag ausnutzen, um in die Stadt zu gehen, oder an Bord zu bleiben und auf die Armee zu warten – die will nämlich Spenden für UNICEF sammeln.

Vorher steht aber etwas anderes wichtiges an: In Vadsø erhalte ich eine SMS der Telekom, die mich zum Roaming in Russland begrüßt. Gottseidank bin ich im WLAN, sodass kein Datenvolumen angefallen sein sollte, aber ich stelle schnellsten die automatische Netzwahl ab, damit ich schön im EU-Roaming bei der Telekom bleibe. In Kirkenes kann ich ja verstehen, dass Russland in Reichweite ist, aber doch nicht in Vadsø. Russland scheint wirklich zu expandieren…

Und das nächste Problem, diesmal aus den USA: Vimeo hat den Download-Button entfernt, man kann meine Videos nicht mehr so leicht herunterladen. Die Download-Option würde Geld kosten, aber Vimeo verrät nicht, welches Paket ich dafür kaufen müsste. Mist.

Die Huskies am Kiosk sind geschmückt

Zurück zu Kirkenes: Nach dem Frühstück entscheide ich mich, lieber auf dem Schiff zu bleiben, mein Blog auf den aktuellen Stand zu bringen und nur ein paar Schritte nach draußen zu gehen. Der Rückweg gestaltet sich schwierig: Ständig begegnet man bekannten Gesichtern, die einen mit in die Stadt nehmen wollen. Aber letztlich komme ich doch wieder an Bord. Von der Armee ist nicht viel zu sehen, nur ein Mädchen mit Klingeldose geht schüchtern herum. Damit wird das ein produktiver Vormittag.

Beim Mittagessen sind wir die letzten, damit hat sich die Frage auch erledigt, ob ich mir den Vortrag von Magnus über die Hexenverbrennungen in Vardø anhöre: Bis ich um halb drei aus dem Restaurant komme, leert sich der Vortragsraum auch. Da neben uns und den Engländern auch noch die Kulturreise an Bord ist, ist der Saal gut ausgebucht.

Sonnenuntergang vor Vardø

Vardø erreichen wir wieder einmal mit etwas Verspätung um 16:00 pünktlich zu einem traumhaften Sonnenuntergang. Da die Kuturreisenden mit einem Kleinbus zum Hexendenkmal gefahren werden, verdanken wir diesem Ausflug eine spätere Abfahrt. Erst um 17:00 Uhr geht es weiter, wir haben also knapp die versprochene Stunde Aufenthalt. Das langt, um zu Fuß zum Hexendenkmal zu spurten und dort einmal durchzugehen. Mit der Meute vom Schiff ist das aber bei weitem nicht so eindrucksvoll wie alleine im Winter. Dafür ist es hell genug für ein paar schöne Fotos, bevor es zurück zum Schiff geht. Irgendwann sehe ich mir auch noch Pomoren-Museum und die Plaketten für den Venustransit am Rathaus an…

Da wir heute keinen Vortrag im Programm haben, steht ein ruhiger Spätnachmittag an, bis es um 18:30 schon wieder „Essen fassen“ heißt. Danach zeigt ein Blick vom Bug schon das erste Polarlicht. Nachdem wir aus dem Hafen heraus sind, kommt dann auch die Durchsage, und bis Berlevåg gibt es immer wieder eine nette Show am Himmel. Kurz vor dem Hafen gibt die Aurora sich sogar noch einmal etwas mehr Mühe, und ein helles, breites Band zieht sich über den Himmel. Da wir auf der schaukeligen Barentssee sind, lasse ich aber nur eine Kamera arbeiten und lasse mein Stativ mit der kleinen Panasonic meistens in der Kabine.

Nach Berlevåg gibt es noch einen besseren Nachschlag, bevor es wieder diesig wird und wir uns einer Wolkenbank nähern. Keine schlechte Gelegenheit, um abzubrechen und den Rechner auf die Bilder loszulassen.

Und um Mitternacht kam eine weitere Nordlicht-Durchsage – also schnell noch einmal in die Schuhe schlüpfen, Kamera schnappen und an den Bug – aber was da noch an Nordlicht über den Himmel flammt, ist nicht der Rede wert. Da hätte ich um Mitternacht einen knallgrünen Himmel erwartet, und nicht nur zwei graue Bögen. Also ab ins Zimmer, und die Sprechanlage für den Rest der Nacht abstellen.

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Ein Bilderbuch-Sonnenaufgang

Ein ruhiger Tag auf einer ruhigen Reise: Wir haben in der Nacht die Barentssee verlassen und als ersten Hafen nach dem Frühstück Hammerfest auf dem Programm – auf Havøysund um 7:45 verzichte ich. Dafür gibt es gegen 9:00 Uhr einen wunderschönen Sonnenaufgang zu sehen. Der Tag verspricht ähnlich schön zu werden (die Wetter-Apps übrigens auch). Die See ist ruhig, damit dürften wir auf dieser Fahrt von den Herbststürmen verschont bleiben. Was jetzt noch an offenen Seestrecken kommt, ist ohnehin bei Nacht.

Melkøya

Vor Hammerfest kommt immer Malkøya, die Flüssiggasanlage, zu der Magnus etwas auf Deck 9 erzählt. Ich lasse mich bei der parallel stattfindenden Reiseleitersprechstunde blicken und komme daher zu spät um zu sehen, ob es diesmal auch wieder den leckeren Energiekaffee gibt. Dafür komme ich in Hammerfest rechtzeitig von Bord, um Moni für mein Standard-Foto auf der Bank beim Musikpavillon zu requirieren. Vorher geht es am Hafen entlang zur Gamle Mårøy (einer alten Fähre aus der Mitte des 20. Jahrhunderts) und dann zum Marktplatz. Der ist gerade ebenfalls eine Baustelle: Er wird neu gestaltet und erhält bei der Gelegenheit gleich eine Fußbodenheizung. Offensichtlich wird mit Wasser statt mit Strom geheizt, wäre das auch geklärt. Zu den Eisbären vor dem Rathaus kommt man zwar, aber freien Blick auf sie hat man nicht. Schade.

Anschließend geht es kurz auf den Berg, der Zickzack-Weg ist diesmal frei – viel Schnee war auf dieser Reise noch nicht zu sehen. So weit wir auch im Norden sind: Es ist Herbst, und der Golfstrom funktioniert. Also bietet sich vom Berg aus ein schöner Blick auf den Hafen samt der Insel (oder Stein, je nachdem, wen man fragt) Håya. Am Aussichtspunkt steht auch ein Fernglas, das ich bislang immer ignoriert hatte. Aber obwohl in Norwegen nichts umsonst ist, kostet das tatsächlich kein Geld, und ich kann mir erstmals Struves Meridiansäule anschauen. Sie markiert einen der Messpunkte, mit denen sich Norwegen ab 1845 an einem internationalen Projekt zur Vermessung der Form der Erde beteiligte. Für einen normalen Besuch ist sie recht abseits (außer, man leiht ein Fahrrad), aber so ist doch ein Blick darauf möglich – und mit dem Handy auch ein Foto.

Nach dem Hausberg bleibt genug Zeit für einen kleinen Stadtrundgang an Grabkapelle und Kirche vorbei sowie einen Abstecher in den Eisbärenclub. Zurück auf dem Schiff steht nach dem Mittagessen Monis zweiter Vortrag an: Die Planeten des Sonnensystems um 14:00 Uhr. Da um 15:00 im Rahmen der Kulturreise der nächste Vortrag ansteht (Magnus erzählt über From Fish to Oil), gibt es eine fixe Deadline. Ich bin mit Vortrag übermorgen dran, wobei wir schon morgen unsere Abschlussveranstaltung machen müssen – freie Vortragsräume sind gerade Mangelware.

Øksfjord

Durch den etwas früheren Vortragstermin bleibt immerhin ausreichend Zeit, um das Einlaufen in Øksfjord anzuschauen. Mit Ørnes gehört er zu den idyllischsten Häfen, wunderschön eingebettet zwischen hohe, bereits teils schneebedeckte Berge. Chic.

Bis zum Sonnenuntergang bleibt nicht viel zu tun: Es verspricht eine schöne, klare und klirrend kalte Nacht zu werden. Muss nur noch das Polarlicht mitspielen – die Strecke von Skjervøy nach Tromsø ist ja ideal: windgeschützt und mitten im Polarlichtoval. Das dummerweise sehr dezent ist. Adi ist ja der Meinung, Skjervøy geht immer, ich sage das selbe über Tromsø. Aber heute?

Ein Bilderbuch-Sonnenuntergang

In Skjervøy ist keinerlei Grün am Himmel zu sehen, trotzdem baue ich meine Kamera am Bug auf. Vielleicht klappt es ja, und kurz nach Ablegen taucht das erste zarte Licht an steuerbord auf. Viel mehr wird es auf der Fahrt aber auch nicht.

Nach einer Dreiviertelstunde wechsle ich ans Heck, um wenigstens etwas Aktivität einzufangen, aber die Ausbeute ist mager. Tromsø scheint wieder mal kaputt zu sein.

Und dann, als wir schon kurz vor Tromsø sind und das Ufer von Häusern erleuchtet ist, gibt es doch eine nette Aktivität. Wenn’s keiner mehr brauchen kann…

Daher lasse ich die Kamera bis in den Hafen durchlaufen, bevor ich sie abbaue. Während die meisten sich zum Konzert in der Eismeerkathedrale aufmachen, baue ich die Kamera wieder auf: Über besagter Kathedrale (und dem Schiff) gibt die Aurora sich doch noch Mühe und zeigt eine nette Show, die sich sogar gegen die Lichter der Stadt durchsetzen kann.

Tromsø funktioniert also doch noch. Aber bis ich die Bilder verarbeitet habe, wird es morgen Abend werden – eine 128-Gig-Karte ist in den vier Stunden voll geworden.

Mal sehen, was der morgige Abend noch bietet, wenn wir Svolvær verlassen.


Update: Das erste Video vom Polarlicht über der Eismeerkathedrale ist fertig gerendert:

Hurtigrute Tag 9: Risøyrenna, Trollfjord und Svolvær

Die Risøyrinne

Wieder ein wunderschöner Tag – auch wenn ich langsam etwas Schlaf nachholen muss. Aber wer kann das schon auf dieser Reise!

Gut: Auf Harstad am frühen Morgen verzichte ich, den Vestrålenausflug habe ich zum Glück nicht gebucht. Er ist zwar schön und hat heute das perfekte Wetter, aber die Abfahrt ist meinem aktuellen Tagesrhythmus nicht kompatibel. Für mich geht es mit der Risøyrinne los – der nur wenige Meter breiten und tiefen Fahrrinne nach Risøyhamn, die wieder von unzähligen Kormoranen besiedelt wird.

Der Königsstein kommt in die Sonne, davor der lädierte Kai

In Risøyhamn stellt die Trollfjord wieder den Königsstein in den Schatten; erst nach dem Ablegen hat er wieder Sonne. Diesmal gehe ich nicht zu ihm, dafür macht die Kultur-Reise einen „Ausflug“ auf die andere Straßenseite. Ich bleibe zur Abwechslung mal hier an Bord und werfe einen Blick auf den Kai: Man kann noch erkennen, wo die Trollfjord ihn im Frühjahr gerammt hat.

Die anschließende Fahrt durch die Vesterålen ist schön, aber ereignislos – vielleicht abgesehen von einer kleinen Schar Papageitaucher, die knapp über der Wasseroberfläche entlangfliegen. Leider sind sie zu klein für meine kleine Kamera. Manchmal hat Zoom doch seine Vorteile…

Bus-Winken bei Sortland

Kurz vor Sortland geht es wieder an den Bug: Neben Norwegen-Fahnen wurden auch zwei Piratenfahnen verteilt, um den Ausflugsbussen zuzuwinken. Die Busse fahren wieder langsam über die Brücke nach Sortland, während wir darunter hindurch fahren. Die Durchsage kam recht kurzfristig, daher bin ich einer der wenigen, die mit einem Handtuch winken. Die Aktion ist immer ein netter Spaß pünktlich zum Mittagessen.

Die Finnmarken in Stokmarknes

Die Reise geht weiter durch die Vesterålen bis Stokmarknes mit dem Hurtigrutenmuseum. Die alte Finnmarken wartet dort weiterhin auf Gäste und einen Schutzbau, aber immerhin ihr Name ist wieder vollständig – im Frühjahr hat das A am Bug gefehlt. Das Schiff von 1956 gibt einen Eindruck davon, wie man früher reiste. Da haben wir es doch deutlich komfortabler.

Im Raftsund

Von Stokmarknes aus ist es nicht mehr weit bis in den Raftsund, den wir etwa bei Sonnenuntergang erreichen und in der blauen Stunde durchqueren. Die Dämmerung gibt auch eine gute Stimmung für unseren zweiten Besuch im Trollfjord. Lange ist es nicht mehr möglich, in ihn hineinzufahren, aber machen das ein zweites Mal.

Eindrucksvoll, immer wieder.

Im Trollfjord

Nach dem Trollfjord steht ein frühes Mittagessen an: Damit wir die zwei Stunden Liegezeit in Svolvær ausnutzen können, gibt es bereits um 17:30 Buffett. Für Svolvær war mal wieder ein Besuch im Anker geplant, um die Reise ausklingen zu lassen, aber Pustekuchen: Ein letzte Blick von Deck im Hafen zeigt Polarlicht.

Also Back to Work, die Kamera aufgebaut und noch mal das Polarlicht fotografiert. Immerhin gibt es so ein paar neue Perspektiven: Die Svolværgeita wird angestrahlt, und das Licht in der Abenddämmerung über der Stadt hat auch seinen Reiz.

Ein paar Bilder von Schiff mit Polarlicht vom Anleger aus werden leider nichts, es gibt zu viel Streulicht.

Nach dem Ablegen zieht es leider zu, aber so haben wir immerhin Zeit für unsere Abschlussveranstaltung. Am letzten Reisetag war kein Termin mehr frei, so gibt es die Abreiseinfos und zwei Reiserückblicke halt schon an Tag 9. Dafür verpasse ich die nordgehende MS Nordkapp, der wir kurz nach Svolvær begegnen. Es langt nur für einen raschen Blick durch die Fenster des Konferenzraumes. Schade. Für den Rest des Abends gibt es auch nicht mehr viel zu tun: Über Stamsund sind Wolken, und die Überfahrt nach Bodø ist recht ruhig, aber ebenfalls unter einem wolkenverhangenen Himmel.