Whisky im Weltall

Da ist mir der Stefan Gotthold doch glatt mal wieder zuvorgekommen – kaum taucht man endlich einmal ab, um am nächsten Buch zu schreiben (Deadline ist im November, uff), schon verpasst man alles… Vor drei Wochen ist eine Whiskyprobe zur Erde zurückgekehrt, von der ich bei all der ISS-Beobachtung nicht mitgekriegt habe, dass sie an Bord war (war aber auch eine kleine Probe – ein paar Reagenzgläser sind von der Erde aus kaum zu sehen).

Jetzt bin ich zwar eher Weintrinker (kein Wunder, wofür wohnt man in Württemberg), aber gegen einen guten Whisky ab und zu spricht nichts. Writer’s Tears ist mir ja schon mal in Augsburg über den Weg gelaufen, und mit Hurtigruten ist auf der MS Fram auch schon ein Fass um die Welt gereist – in der Hoffnung, dass der ständige Seegang, die Seeluft und die Temperaturschwankungen den Reifungsprozess positiv beeinflussen. Zum Vergleich wurde vorher eine Probeflasche abgefüllt, und das Ergebnis gibt’s auf der Fram im Bordshop (bei den norwegischen Preisen schon für ein normales Guiness will ich gar nicht wissen, was dann ein weitgereister Whisky kostet).

Die Ardbeg-Brauerei startet ins All

Die Ardbeg-Brauerei startet ins All

Die schottische Ardbeg-Distillery hat jetzt eine ähnliche Aktion durchgeführt, aber mit handfesteren wissenschaftlichen Ambitionen und in Zusammenarbeit mit NanoRacks LLC, die die Wirkung der Schwerelosigkeit (genauer: Mikrogravitation) auf Terpene erforschen will. Im Oktober 2011 brachte eine Progress-Kapsel neben den üblichen Versorgungsgütern auch ein paar Proben mit Whisky-Destillat mit, die in der Schwerelosigkeit reifen sollten. In Anbetracht der Frachtkosten wurde natürlich kein Whisky-Fass ins All geschickt. Die Space-Vial genannte Ampulle enthielt stattdessen kleine Holzstücke – schließlich macht das Fass einiges aus beim Reifeprozess und beeinflusst den Geschmack entscheidend. Genauer gesagt geht es um Terpene, die mit dem Holz des Fasses reagieren. Drei Jahre lang umkreiste die Probe an Bord der ISS die Erde (die Marketingabteilung kürte sie zum schnellsten Whisky aller Zeiten), während eine identische Kontrollprobe auf der schottischen Insel Islay reifte, in der Ardbeg-Destillerie.

Nach Abschluss des Experiments – mittlerweile sind beide Whisky-Destillate wieder auf der Erde – wird es sie aber nicht im Bordshop der ISS zu kaufen geben. Stattdessen werden beide Proben bei NanoRacks LLC in den USA chemisch untersucht: Hat die Schwerelosigkeit die Reifung beeinflusst, und lassen sich Unterschiede nachweisen? Die Reisegeschwindigkeit dürfte übrigens keinen Einfluss haben, schließlich wurde die Probe ja nicht beschleunigt (außer kurzfristig bei Start und Landung). Viel interessanter ist, ob die Durchmischung unter Schwerelosigkeit Einflüsse hat.

Dr. Bill Lumsden, der „Head of Distilling and Whisky Creation“ bei Ardbeg, kommentiert das Experiment mit: „Unser Team hofft, herauszufinden, wie sich die Geschmacksnuancen unter unterschiedlichen Gravitationsbedingungen entwickeln. Die Ergebnisse können den Reifungsprozess für Whisky von Grund auf revolutionieren.“

Ich glaube zwar nicht, dass große Unterschiede gibt, und noch weniger, dass wir in naher Zukunft die erste Destillerie in der Erdumlaufbahn erleben werden, aber was soll’s: Bei Wissenschaft geht es ja darum, dass man eben nicht weiß, was dabei herauskommt – ansonsten wären alle Experimente nur eine intellektuelle Freizeitbeschäftigung. Im nächsten Jahr sollen die Ergebnisse vorgestellt werden – warten wir einmal ab, was dabei herauskommt. Etwas mehr Hintergrundinfos gibt es unter Ardbegspace.de und http://www.ardbeg.com.

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