Hurtigrute mit der Nordlys Tag 7: Kirkenes

Kirkenes

Kirkenes

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Wir sind wirklich schon wieder in Kirkenes. (Vadsø am Morgen habe ich im Halbschlaf sogar mitgekriegt, aber auch nur zur Kenntnis genommen.) Kirkenes ist etwas kompliziert, da es südlich von Vardø liegt (und erst recht von Mehamn, unserem nördlichsten Hafen), wir aber trotzdem als nordgehende Hurtigrute ankommen. Vor allem aber ist es nur ein paar Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Der kleine Grenzverkehr zwischen Kirkenes und Murmansk (den letzten beiden eisfreien Häfen im Norden) funktioniert noch ganz gut.

Irgendwann mache ich wohl auch einmal den Ausflug zur russischen Grenze, bislang waren eigentlich alle Teilnehmer davon begeistert. Für mich steht heute stattdessen wieder ein Spaziergang durch die Stadt an, das Wissen der letzten Touren weitergeben. Bei bedecktem Himmel, Schnee und -4° ist das ganz angenehm, auch wenn die Spikes mitzunehmen eine weise Entscheidung war. Die Ziele: Eisenerzfabrik, Stadtzentrum, Andersgrotta und Russendenkmal, dann zurück zum Schiff. Eine Enttäuschung gibt es dabei: Das schöne alte Feuerwehrauto ist weg. Sehr schade.

20161130-11h-02m-p1270156Die Spuren der Kriegszeit sind noch offensichtlich; einige Häuser stehen auf alten Bunkern. Zurück am Schiff nutze ich die Leere, um ein paar Fotos vom Inneren der Nordlys zu machen, und anschließend noch ein paar Dinge vorzubereiten. Das Blog schreibt sich schließlich nicht von selbst.

Die Busse mit den Ausflüglern sind pünktlich wieder an Bord. Diesmal gab es nur zwei statt drei Hundeschlitten-Touren, sodass für jeden mehr Zeit war als bei meiner ersten Fahrt. Es hat seine Vorteile, wenn weniger als 100 Gäste an Bord sind. Dafür ist das Eishotel noch im Bau, in zwei Wochen soll es fertig sein.

Von Kirkenes bis Vardø fahren wir durch; Vadsø wird nur auf der nordgehenden Route angefahren. Die See ist ruhig genug, sodass Ralf vom Expeditionsteam einen deutschsprachigen Vortrag über den Nordland-Mythos halten kann. Wie wurde aus dem unwirtlichen Ultima Thule der mystische, starke Norden? Für mich ein ungewohntes Thema, aber interessant.

Das Expeditionsteam

Das Expeditionsteam

Pünktlich vor Vardø ist der Vortrag fertig, allerdings erreichen wir Vardø wieder einmal verspätet. Mangels Teilnehmern gibt es auch kein Eismeerbaden. Niri und Magnus vom Expeditionsteam bieten dafür einen flotten Spaziergang durch Vardø an, mit etwas Glück zum Steilneset Hexendenkmal, aber bis wir schließlich anlegen und die Gangway offen ist, vergeht einige Zeit. Letztlich bleibt nur noch eine gute halbe Stunde Zeit für eine Wanderung über die Hauptstraße bis zur Festung Vardøhus. Niri gibt noch ein paar Infos zur Festung (die in erster Linie zum Flagge-Zeigen dient, auch wenn sie wesentlich imposanter ist als Skansen in Tromsø) und den Radarkuppeln in der Nähe, bevor die Gruppe in die Festung geht. Ich seile mich ab und gehe ein paar Meter um die Vardøhus herum, um mal ein paar andere Bilder zu machen.

Und dann gehe ich noch weiter bis zum Zaun, wo es einen Querfeldein-Durchgang zum Hexendenkmal gibt. Mit dieser Route wäre der Weg auch in einer Dreiviertelstunde machbar; der offizielle Weg ist länger. Vielleicht wage ich es nächstes Mal doch; aber da ich diesmal dem Expeditionsteam zugehört habe, langt es definitiv nicht mehr. Allenfalls ein Touch-and-Go wäre möglich gewesen…

Übrigens sind in Vardø ja einige Wandbilder zu sehen. Vor einigen Jahren gab es ein Graffity-Festivl, bei Abbruchhäuser mit Graffity verziert werden durften. Ein paar dieser Kunstwerke waren so schön, dass die Häuser dann doch nicht abgebrochen wurden. Einmal Zeit in Vardø verbringen…

Zurück auf dem Schiff kann ich mich dann entspannen: Heute ist Hans mit seinem Vortrag dran, um 17 Uhr, kurz nachdem wir ablegen. Um 18 Uhr heißt es dann wieder Meet the Expedition Team im Panoramasalon mit Tagesrückblick und Infos zu den Polarexpeditionen, die einst mit Zeppelinen in Vadsø starteten, dann um 19 Uhr Abendessen, und um 20:45 erzählt Magnus in der Bar sehr lebhaft eine kleine Sage. Volles Programm, aber immerhin bleibt noch Zeit für ein paar Gespräche. Das Wetter wechselt zwischen mäßig bedeckt und Schnee, die Stockfisch-Präsentation um 21:30 ignoriere ich. Dafür gibt es ein paar Mal den Verdacht auf Nordlicht, aber das Schimmern ist sogar mit der Kamera kaum erahnbar.

MS Nordkapp

MS Nordkapp

Um 22:20 muss ich dann trotzdem nochmal raus. Die Durchsage „Auf der rechten Seite sehen wir gleich das Nordkap“ ist für mich eindeutig: „Mein Schiffchen“ kommt, wir treffen die Nordkapp. Kein Vergleich mit der Schiffsbegegnung auf der Finnmarken, aber trotzdem schön, und diesmal funktioniert meine Kamera auch.

Das war es dann auch für diesen Tag: Mit Polarlicht ist nichts mehr. Aber für morgen ist besseres Wetter angesagt. Mal sehen, ob Tromsø wirklich immer geht.

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