Tag 5: Tromsø

Finnsnes, rechts im Hintergrund die Gisund-Brücke.

Finnsnes, rechts im Hintergrund die Gisund-Brücke.

Dinge, die ich regelmäßig verpasse, Teil 2: Harstad am Morgen. Die Trondenes-Kirche kenne ich daher nur von Land, von der Vesterålen-Rundfahrt, daher aber sogar von innen – mit dem Schiff fahren wir ja zum Glück nur an ihr vorbei. Der erste Hafen, den ich wach mitkriege, ist immer Finnsnes. Ein hübscher kleiner Ort mit einer großen Brücke, unter der unser Schiffchen aber noch gut hindurch passt. Zu den Dingen, die mich in Norwegen immer faszinieren, gehören die Veränderungen in der Sprache. Vor 100 Jahren waren Schreibweisen wie Finsnes statt Finnsnes und Aalesund statt Ålesund noch üblich. Im Schiffsshop und im Hurtigrutenmuseum gibt es ein paar gute Bücher zur Geschichte des Coastal Express, die auch Bilder der alten Häfen zeigen.

Die Route von Finnsnes nordwärts ist wunderschön und führt an puderbezuckerten Bergen vorbei, auch das Wetter spielt mit. So gehört sich Norwegen.

Das Highlight des Tages ist natürlich Tromsø, das „Paris des Nordens“. Spätestens seit dem Briefing gestern Abend ist es offiziell, dass die Schlittenhundetour nicht stattfindet: Zu wenig Schnee. Das war ja auch Ende letzten Novembers schon das Problem, als ich für ein paar Tage zum Polarlichtgucken hier oben war und die Stadt ganz gut kennen lernte.

Es ist gut, dass die Tour abgesagt wird – eine Schlittenhundetour durch den Matsch macht auch keinen Spaß. Der Vorschlag für die Alternativtour 5x: Gassi mit Husky wird auch nicht umgesetzt… Für mich stand aber ohnehin ein straffes Alternativprogramm an: Erst in das Hotel, das für Silvester gebucht ist (Parkplätze und heißes Wasser reservieren), dann in die Buchhandlungen zu Souvenirs kaufen (Nemi-Comics – kein schlechter Einstieg, um die Sprache zu lernen), anschließend zur Touri-Info, dann ins Nestrada-Einkaufszentrum (diesmal erfolglos) und zwischendrin immer wieder die Beute auf’s Schiff bringen.

Der FahrtkartenkonTroll. Gefährlich!

Der FahrtkartenkonTroll. Gefährlich!

Für Fotografie bleibt auch genügend Zeit. Da die Fjellheisen-Seilbahn auf den Storsteinen hinauf zurzeit geschlossen ist und erst im Frühjahr irgendwann wieder öffnet, war genug Zeit für alles. Es lohnt sich immer, auf die kleinen Details zu achten. Am Bus nach Alta warnt ein Aushang: Pass deg for billetkontroll – Hüte dich vor dem Fahrkartenkon-Troll. Sehr nett.

Ein anderer Punkt, der in Tromsø auch langsam zur Tradition wird: Essen gehen. Da das Wetter ganz brauchbar war, ließ ich das Abendessen auf dem Schiff mal wieder ausfallen und stattete der Pastafabrikken einen Besuch ab. Die 14-Euro-Pizza geht schnell und ist okay, außerdem ist die Pastafabrikken nur wenige Minuten vom Schiff entfernt. Yonas Pizzeria wäre noch näher (sie ist in einem der roten Gebäude, die auf der Webcam vom Schiff immer zu sehen sind), aber da dauert es etwas länger – bessere Lage, mehr Kundschaft. Die Pastafabrikken ist etwa mit unserem Vapiano vergleichbar.

Im Hafen waren schon die ersten schwachen Lichter über dem Schiff zu sehen, daher hielt ich wieder Polarlichtwache. Die Weihnachtsbeleuchtung wurde übrigens schon wieder abgebaut. Ich hoffe mal, nicht wegen mir… Trotzdem konnte ich unsere Leute in aller Ruhe essen lassen, diesmal musste ich keinen Streit mit dem Restaurantchef riskieren. Und im Lauf des Abends konnte die Aurora sich gegen die Wolken durchsetzen: Es war nicht die ganz große Show, aber sie tanzte für uns, und mittlerweile glauben mir auch immer mehr, dass sie wirklich grün ist. Also ab mit der Nikon an die Reling und auf Intervallaufnahme gestellt.

Die Farben waren natürlich nicht so intensiv wie auf diesen Bildern mit fünf Sekunden Belichtungszeit, aber es war schon eindrucksvoller als in den letzten Tagen – langsam wird’s, und mit den Kameras gab’s auch keine Probleme mehr. Ebenso schön: Ich bin ja jetzt mit zwei Kameras unterwegs, und die kleine Panasonic LX-100 schlägt sich sehr wacker – die nächsten Bilder entstanden mit der „Kompaktknipse“:

Das war doch schon mal ein schöner Tagesabschluss.

Einen Lacher gab es noch gegen 21:00: Durch den verschobenen Fahrplan begegneten wir der MS Lofoten auf See. Wie üblich begrüßten beide Schiffe sich mit dem Typhon. Als die Quäke der Lofoten auf das satte Tröööt der Nordkapp antwortete, ging bei uns an Deck das Gelächter los.

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