Polarlichtjagd in Tromsø – Rückblick

Irgendwann krieg ich das mit dem Live-Bloggen vielleicht mal hin, aber wahrscheinlich erst, wenn ich alleine unterwegs bin. In einer Sechsergruppe mit Freunden gibt’s doch zu viel zu reden, man kommt ja sonst nicht dazu…

Mittlerweile bin ich wieder zurück und habe 32 Gig Bilder durchzusehen (incl. der RAW-Dateien). Uff. Am Samstag habe ich dafür noch Lightroom installiert – mal sehen, was es kann. Und im Internetradio läuft statt Radio Caroline jetzt NRK P1.

Die Tour war ein voller Erfolg. Nach dem ersten Test im Kongsparken vom Sonntagabend ging es am Montagabend nach einer Stadtbesichtigung und dem Abendessen auf den Storsteinen. Die Fjellheisen-Bahn fährt im Winter zurzeit alle halbe Stunde, und das Busticket dahin ist mit rund 20 Euro für vier Tage auch noch erschwinglich. Im Vergleich zum letzten Februar lag deutlich weniger Schnee, diesmal hatte das Geländer wirklich eine Funktion und diente nicht nur als Markierung. Die Lichter von Tromsø hellten den Himmel deutlich auf, aber ein recht langsames und dezentes Polarlicht war dennoch schön zu sehen.

Polarlichter vom Storsteinen aus.

Polarlichter vom Storsteinen aus.

Nach ein paar Schnappschüssen ging ich wieder in den Timelapse-Modus; da das Polarlicht recht schwach war, verzichtete ich allerdings auf die Montierung und ließ die Kamera auf dem festen Stativ arbeiten. Den Film muss ich noch einmal bearbeiten, aber er sieht schon jetzt beeindruckender aus als das Polarlicht an dem Abend mit bloßem Auge wirkte.

Nach etwa 2,5 Stunden packten wir zusammen, um die letzte Seilbahn noch zu erwischen – keiner hatte Lust, den Fußweg in die Stadt zu suchen. Die Eile hätten wir uns allerdings sparen können, die Gondel wartete noch auf ein paar Gäste, die an der Endstation ein Gelage veranstaltet hatten. Als eine halbe Stunde nach Abfahrt endlich alle an Bord waren, lag der Alkohol-Gehalt der Luft deutlich über dem Normalwert. Zum Glück hatte niemand das Bedürfnis, sich eine Zigarette anzuzünden…

Gar nicht so dunkel: Die Polarnacht. Tromsø kurz vor 11 Uhr Mittags.

Gar nicht mal so dunkel: Die Polarnacht in Tromsø am 25. November kurz vor 11 Uhr Mittags.

Dienstag war dann der große Tag: Um 19 Uhr erwartete uns Dan Steinbakk von Arctic Experience mit seinem Bus, um das Licht zu jagen. Das Wetter sah nicht sehr vielversprechend aus: In der ständigen Dämmerung der vor kurzem angebrochenen Polarnacht war es zwar noch recht hell, aber die Wolkendecke und der Wetterbericht versprachen nichts Gutes.

Wir nutzten den Tag, um das Vitensenteret zu besuchen: Ein Science-Center mit vielen Versuchen zum selbermachen und einem Planetarium. Der Besuch lohnt sich, wenn man die Zeit dafür hat, kann man sich gut austoben. Nur das Planetarium selbst besuchten wir nicht, auf die nächste englische Vorstellung hätten wir zu lange warten müssen. Dafür gab es eine kleine Wanderung durch die sehr schöne Uni zur (auf ihre Art) beeindruckende Skischanze und am botanischen Garten vorbei.

Zurück im Stadtzentrum gab es noch die Gelegenheit, die Kong Harald zu besichtigen – jeden Tag legen zwei Hurtigrutenschiffe in Tromsø an (einmal nachmittags nordgehend für mehrere Stunden, und einmal südgehend kurz vor Mitternacht für das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale). Mit einem Ausweis erhält man eine Besucherkarte und kann sich auf dem Schiff umsehen. So konnten wir die halbe Flotte kennenlernen. Sehr nett.

Mittlerweile war von Dan, unserem Guide für die Nacht, auch eine EMail gekommen: Bitte die Pässe einpacken, da Regen vorausgesagt war, müssen wir eventuell bis Finnland fahren…

Nach dem Abendessen im Hotel Clarion Aurora (das entgegen der Kritiken und Befürchtungen nicht nur aus einer Suppe bestand, sondern lecker und ausreichend war) stiegen wir dann zu Dan von Arctic Experience ArcticX.no – einem netten Kerl, mit dem wir auch schnell ins Gespräch kamen. Schließlich wollten wir wissen, wie er die tollen Fotos machte, die er unter anderem auf https://www.facebook.com/ArcticEx immer wieder zeigt. Sehr vielversprechend war, dass er die selbe Kameraausstattung hat wie ich: Nikon D7100 und Tokina 11-16mm. Nice. Ich werde seine Tricks hier nicht verraten, sondern gebe nur einen Tipp: Wer in Tromsø ist und Polarlichter sehen will, ist bei Dan genau richtig. Er ist hochmotiviert und will die Aurora selber sehen, und durch den kleinen Bus ist es ein klasse Erlebnis, nur mit ein paar Leuten in der Wildnis zu stehen, während es am Himmel ein Schauspiel gibt.

Twin Peaks: Polarlicht hinter Wolken

Twin Peaks: Polarlicht hinter Wolken

Unser erster Halt war nach einer Stunde „Twin Peaks“, ein Berggipfel an der Straße nach Finnland. Durch ein paar Wolkenlücken waren Sterne zu erkennen, ebenso immer wieder das Tanzen des Polarlichts. Außerdem war es saukalt und windig, sodass wir uns für die Weiterfahrt entschieden. Nur Dan wollte noch ein kurz ein paar Fotos machen, daraufhin packte auch ich mein Stativ aus, und darauf auch alle anderen. Es hat sich gelohnt: Die ersten Kameratricks konnten gleich angewendet werden, und trotz Wolken gab es einige schöne Bilder.

Es ist immer gut, wenn der Guide motivierter ist als seine Gäste:-)

Nach dem kurzen Stopp ging es dann weiter, bis kurz vor die finnische Grenze. Auf einer riesigen, einsamen Ebene in der Nähe eines Sees hatten wir unser Ziel erreicht, und das gerade rechtzeitig: Unter einem beeindruckenden Sternenhimmel (Klassen besser als in den Alpen, alleine deshalb hatte sich die Tour schon gelohnt) bauten wir unsere Kameras auf. Nach einer kurzen Stärkung mit Dans würziger Suppe, Karottenkuchen und heißer Schokolade standen die nächsten eineinhalb Stunden unter dem Motto: Awesome! Holy Crap!

Das Polarlicht fing als breites Band über den gesamten Himmel an, und nach einer Stunde legte es richtig los: Ein rascher Tanz, bei dem neben Grün auch Rot zu sehen war. Unbeschreiblich, und als Fotograf konnte man nur das selbe machen wie Dan: Von einem Eck zum nächsten rennen und abdrücken, ohne sich um die Kameraeinstellungen zu scheren. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal überbelichtete Polarlichtbilder machen würde. Und Dan konnte kaum glauben, dass keinen von uns kalt war – zum Glück war es windstill, und nur wenig unter dem Gefrierpunkt. Er war hier auch schon bei -40 Grad gewesen; die Ebene reicht wohl bis Russland.

Gegen Mitternacht erreichten uns dann die Wolken, und Dan brachte uns sicher zum Hotel zurück – in Tromsø erwartete uns Schneeregen und das warme Bett. Wer sich auch einmal im Winter in Tromsø rumtreibt und die Aurora empfehlen will, dem kann ich Dan und Arctic Experience nur wärmstens empfehlen – mit ihm würde ich sofort wieder fahren; er ist mindestens so polarlichtverrückt wie ich und bestens vorbereitet.

Weihnachtsbäume für Norwegen auf der MS Lofoten

Weihnachtsbäume für Norwegen auf der MS Lofoten

Mittwoch war dann nach einem Besuch im Polarmuseum Pooltag (der Whirlpool auf dem Dach des Hotels ist sehr angenehm, wenn auch kochend heiß), Bilder davon gibt’s aber keine:-) Das Hurtigrutenschiff zum Abschied war die Lofoten mit einer Ladung Weihnachtsbäume, und am nächsten Mittag ging es dann auch schon zurück nach Deutschland. Die MS Midnatsol sahen wir dann nur noch vom Flieger aus.

Jetzt heißt es warten bis zum 20. Januar, wenn es wieder auf die Hurtigrute geht, und ich muss mich erst einmal wieder an die langen Tage hier im Süden gewöhnen…