Tag 4: Polarkreisüberquerung, Bodø und Lofoten

Viking-Insel und Hestmannen

Viking-Insel und Hestmannen

Jeden Tag neues Wetter: Nach dem eher trüben Wetter gestern begrüßt uns heller Sonnenschein, als wir gegen halb acht den Polarkreis überqueren. Kurz nach sieben bin ich dann auch schon an Deck – Nordgehend kenne ich die Vikinginsel mit dem Polarkreismonument eher nur als Schemen, von dem trotz der künstlichen Beleuchtung viele unscharfe Bilder entstehen. Wenn die Sonne scheint, ist das ganze schon viel fotogener, und auch der versteinerte Troll Hestmannen im Hintergrund ist gut zu sehen – er jagte mit seinem Pferd und wehenden Mantel der schönen Lekemøya hinterher und vergaß darüber den drohenden Sonnenaufgang, sodass er versteinerte und heute noch am Polarkreis zu sehen ist.

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Bei wunderschönem und recht warmem Wetter geht die Reise weiter nach Ørnes, das wunderschön am Ende eines kleinen Fjords liegt. Die Berge spiegeln sich im Wasser, und die Sonnenbrille macht sich bezahlt. Nach Ørnes bekommen wir dann Besuch von Neptun: Der Gewinner des Polarkreiswettbewerbs wird verkündet und darf auch gleich als erster getauft werden. Anschließend stellen sich wieder viele der Ice-Bucket-Challenge und werden mit einem Gläschen Schnaps oder Aquavit belohnt. Um das Gedränge schön zu fotografieren brauche ich irgendwann mal eine kleine Kameradrohne…

Bis zur Ankunft in Bodø bleibt noch etwas Zeit für das Mittagessen. Mittlerweile bin ich zum siebten Mal in Bodø, und allmählich erkenne ich auch den Reiz dieser Stadt, oder zumindest die interessanten Orte. Vor 140 Jahren bestand die Stadt noch aus einer Handvoll Häusern, und 1940 wurde es von der deutschen Luftwaffe weitestgehend in Schutt und Asche gelegt. Seitdem hat sich viel getan. Kari hat mir den Tipp gegeben, einmal in das Nordlandmuseum direkt hinter der Kirche zu gehen. Das gelbe Haus hat den Krieg wohl überlebt und bietet neben einem Überblick über die Stadtgeschichte auch einen kleinen Wikingerschatz aus Silber, darunter eine 1,2 kg schwere Gewandfibel. Noch beeindruckender ist ein samischer Gammen, eine also eine der kleinen Hütten, die die Samen benutzten – die letzte wurde erst 1950 errichtet. Unglaublich.

Am Hafen fällt mir zum ersten Mal die Gedenksäule für den Untergang der Prinsesse Ragnhild auf, die während des Kriegs bei Bodø unterging. Der Aufbruch in die Stadt verzögert sich etwas: Es macht zu viel Spaß, den Vorbereitungen für die Bootssafari zuzusehen, die mit Speedbooten Richtung Saltstraumen fahren werden. Das Nordlandmuseum ist direkt hinter die Kirche, beide haben geöffnet und sind einen Besuch wert. Zwischen einer halben und einer Stunde kann man für das Museum einplanen, wobei auch ein 25 Minuten langer Film mit englischen Untertiteln gezeigt wird. Anschließend blieb noch genug Zeit für einen Abstecher zur Gamle Salten am Scandic-Hotel, dem Denkmal für den Brand auf der Erling Jarl und einen Blick in das Lachs-Center, bevor wir auch schon wieder auf das Schiff müssen.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Etwas später zeigt das Schiff den Nordlichtfilm, daher haben wir heute keinen Vortrag und können zusehen, wie die über 100 km lange Lofotenwand langsam Horizont auftaucht und immer größer wird. Es ist windig, aber ein traumhaftes Wetter – hoffentlich hält es bis zur Nacht.

Stamsund erreichen wir pünktlich zum Abendessen, danach nutze ich die Chance, um den zwischen hohen Bergen eingezwängten Ort einmal bei Tag zu sehen. Chic. Hier verlassen uns auch die Teilnehmer des Wikingerfests, während bei uns Nyr von 19 glücklichen Kühen auf dem Teller landet. Lecker.

Wer Wikingerfest und Nordlicht & Sterne plant, für den ist der April-Termin perfekt: Es ist während der ganzen Tour noch hell, und in Svolvær, wo es wieder an Bord geht, herrscht Abenddämmerung. Ich habe mal wieder vergessen, dass dieser Ausflug jetzt schon stattfindet, und erlebe daher die Passage nach Svolvær einmal bei Tag – und Junge, was für ein Abendlicht! Die Bilder können das kaum wiedergeben:

Das einzige, was ich nicht sehe, ist die Vesterålen, der wir eigentlich kurz vor Svolvær begegnen sollten. Auf See habe ich sie nicht gesehen, gehupt wurde auch nicht, und Marinetraffic behauptet steif und fest, sie wäre in Svolvær im Hafen. Aber zu sehen ist sie da auch nicht.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Dafür sehe ich Svolvær einmal bei Tag – die „Hauptstadt des Licht“ in der blauen Stunde. Nett. Am Hafeneingang sehe ich jetzt auch die Statue der Fischerfrauen, die Dafinn Bakke geschaffen hat und im Januar eher zu erahnen war. Eine knappe Stunde bietet genug Zeit für einen kurzen Marsch zum Scandic-Hotel mit den alten Rørbua-Häuschen und zur Galerie von Dagfinn Bakke, die allerdings geschlossen hat.

Als wir Svolvær um 22 Uhr verlassen, ist es immer noch ziemlich hell. Der Wetterbericht ist allerdings pessimistisch, und viel Polarlichtaktivität wird auch nicht vorhergesagt. Wir hatten schon deutlich mehr, aber auch sehr viel weniger. Über der Stadt hängt eine Wolkendecke mit etwas klarer Sicht am Horizont. Vielleicht klappt es ja nach dem Trollfjord, wenn es dunkler ist und wir weiter im Norden sind.

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Den Trollfjord erreichen wir mit etwas Verspätung, dafür gibt es pünktlich Trollfjordkarsk in der exquisiten Tasse (im Preis inbegriffen) und heiße Fiskekake (gratis). Für etwas Irritierung sorgt, dass der Fiskekake im Tagesprogramm als Fischsuppe angekündigt wird, aber das wird hier nicht so eng gesehen.

Gegen halb zwölf erreichen wir dann den Trollfjord, den der Captain wieder mit den Schiffsscheinwerfern beleuchtet. Vom Deck aus sind derweil die ersten Sterne zu erkennen, und wenig später auch der erste Grünschimmer – zumindest wenn man sich in den dunkleren Bereich am Heck hinter dem Schornstein zurückzieht. Also auf, die Kameras holen; das Schiff macht schon eine Durchsage, bevor ich Bescheid geben kann. Diesmal ist wohl auch der Captain von der Nordlicht-Sichtung überzeugt:-)

Ich stelle wieder mal fest, dass mir die Nordkapp lieber ist – an der breiteren Reling der Trollfjord habe ich Probleme, meine Kamera zu befestigen. Hinten am Heck geht es zu Glück, und ab Mitternacht arbeitet sie durch. Obwohl der Himmel selbst um Mitternacht noch recht hell ist (wobei Sommerzeit und Längengrad auch mit reinspielen), kann sich das Nordlicht durchsetzen und zeigt sogar etwas Farbe – oft nur ein geisterhaftes Grün, aber immer wieder auch etwas deutlicher. Nach einer Stunde, kurz vor Stokmarknes, sind auch noch einige kräftigere Bögen am Nordhorizont zu sehen, die ich mit der „Heckkamera“ aber nicht erwische. Aber wofür hat man eine Zweitkamera, und einen Kollegen, der ebenfalls eine Kamera hat. Um ein Uhr ist es auch schon weitestgehend dunkel, nur im Norden ist noch Dämmerung – langsam kommt die Mitternachtssonne.

Der Raftsund ist wieder eine grandiose Kulisse, und auch Stokmarknes ist schön. Das Polarlicht ist sehr ruhig und tanzt nicht, dafür gibt es einige schöne Bänder und Vorhänge, die sich langsam verändern. Dafür, dass kaum Aktivität vorhergesagt war, ist das gar nicht schlecht. Tromsø hatte immerhin einen Kp-Index von vier erreicht, und so hätte ich die zweite Hälfte der Show auch eingeschätzt. Nach Stokmarknes begnügen wir uns mit einem kurzen Blick nach draußen: Mehr Aktivität ist nicht zu erwarten, dafür frischt der Wind auf – immerhin haben meine Vallerret Handschuhe (aus Norwegen, via Kickstarter) sich bewährt. Kurz vor 2 Uhr ist auch keine schlechte Zeit, um die Bilder durch den Computer zu jagen und Feierabend zu machen. Am nächsten Morgen war mein kleiner Zeitraffer dann auch fertig: