Tag 3: Trondheim. Sonst nichts.

Bei der geplanten Ankunft in Trondheim um 8:30 ist der Aufenthalt in der alten Königsstadt im Oktober fast ein wenig knapp, allerdings machen die meisten Läden ohnehin erst um 10 Uhr auf. Mit einem frühen Frühstück vor dem Anlegen ist das aber auch kein Problem und langt für einen Rundgang durch die Stadt.

Am Pirbadet Kreuzfahrtanleger

Am Pirbadet Kreuzfahrtanleger

Durch die Maschinenprobleme wollte die Finnmarken den Hafen sogar schon um 4 Uhr erreichen, es wurde dann aber doch etwa 7 Uhr. Nach dem Aufstehen geht der erste Blick natürlich aus dem Fenster: Haben wir unser Ziel erreicht? Statt der gewohnten Silhouette der Stadt begrüßt uns der Blick ins Hallenbad – wir haben am Pirbadet Anleger für die Kreuzfahrtschiffe angelegt, der wohl mit weniger Kurswechseln zu erreichen ist. Nicht sehr vertrauenserweckend, aber immerhin ist so der Weg in die Stadt etwas kürzer…

Wir kombinieren unseren Gang durch die Stadt mit einem Frühstück in Trondheim; um keine Zeit zu verlieren, verzichten wir auf einen Besuch der Richard With, die am normalen Hurtigrutenkai liegt. In den norwegischen Häfen kann man ja problemlos auf alle Hurtigrutenschiffe gehen, Cruise Card oder Personalausweis langen. Das Wetter ist bedeckt, aber bei leichten Plusgraden ganz angenehm für den Rundgang.

Trondheim hat sich seit dem letzten Besuch nicht sehr verändert, aber die Baustellen im schnuckligen Bakklandet-Viertel sind weg, und der Nidaros-Dom wirkt zwischen den buntgefärbten Bäumen sehr chic. Im Japan-Photo trifft sich wieder das halbe Schiff und ergänzt fehlendes Foto-Zubehör; in der Buchhandlung sind wir wie üblich eher unter uns. Auf dem Schiff lagen wieder Stadtpläne mit einem eingezeichneten Rundgang aus, an den wir uns auch mehr oder weniger gehalten haben.

Denkmal für Leif Erikson

Denkmal für Leif Erikson

Auf dem Rückweg finde ich wegen des anderen Anlegers noch ein neues Fotomotiv: Leif Erikson wird mit einer Statue geehrt; dank Gegenlicht leider kein allzu dankbares Fotoziel.

Auf dem Schiff steigt dann die Spannung – noch steht ein Auto von Siemens am Kai. Zur geplanten Abfahrt um 12 Uhr sind wir im Restaurant, und wenig später kommt die Durchsage: Der Schaden ist noch nicht behoben, wir fahren heute nicht mehr weiter. Uff. Erst einmal betroffene Gesichter und Galgenhumor, schließlich war die Finnmarken letzten Monat schon einmal defekt, und die Reise direkt vor unserer Fahrt musste sie ihre Fahrt schon einmal in Tromsø beenden. War es das jetzt mit der Finnmarken? Wird ihr ein Platz in Stockmarknes reserviert, im Hurtigrutenmuseum neben der alten Finnmarken?

Genauso faszinierend: Auf Twitter kommt die Info etwa zeitgleich mit der Durchsage auf dem Schiff…

Auf 13 Uhr ist eine Infoveranstaltung geplant, vorher werden die Reiseleiter der Gruppen noch über die Optionen informiert. So können wir für unsere Gruppe eine eigene Infoveranstaltung machen; Eckehard und Jeanette zeigen die Optionen auf: Reise abbrechen, auf eine Abfahrt morgen hoffen, nach Tromsø fliegen, um auf die Nordkapp einzuchecken, oder morgen auf die Polarlys umsteigen. Die Hoffnung ist, dass die Finnmarken morgen um 16 Uhr wieder fährt; ob es klappt, weiß natürlich noch niemand. Nur eins ist klar: Wir – Reiseleiter und Lektoren der GRP 107 – bleiben an Bord. Wer will, kann gehen, jeder entscheidet selbst.

An einem Alternativprogramm für den nächsten Tag wird fieberhaft gearbeitet, Fahrten nach Munkholmen und zu einem Freilichtmuseum sollen angeboten werden. Später heißt es sogar, dass sie kostenlos sein sollen.

Solsiden Einkaufszentrum

Solsiden Einkaufszentrum

Für den Rest des Tages läuft aber erst einmal nichts mehr; und da viele Gäste noch einmal von Bord wollen, blasen wir unseren für 17 Uhr geplanten Vortrag auch ab. Stattdessen gehen wir noch einmal nach Trondheim, um zu sehen, was es sonst noch in dieser Stadt gibt.

Ich bleibe dabei: Zum Einkaufen ist Norwegen trotz der Preise optimal. Die Stadt profitiert ganz schön von uns. Zu den neuen Erkenntnissen gehört, dass Einkaufszentren gerne alte Gebäude integrieren; im Solsiden finden sich genau wie auch im Trondheim Torg im Stadtzentrum alte Häuser mitten im Einkaufszentrum. Und unser Geld werden wir auch los.

Die Rückseite der Königsresidenz

Die Rückseite der Königsresidenz

Ebenso schön: Norwegens größtes Holzhaus, das gleichzeitig Wohnsitz der Königsfamilie in Trondheim ist, ist von hinten wesentlich hübscher als von vorne. Der kleine Park ist auch reizvoll.

Ansonsten hat sich in Trondheim seit unserem letzten Besuch wenig verändert, und so viel neues entdecken wir nicht. Ich würde lieber in Tromsø statt in Trondheim liegen bleiben…

Einige Kilometer später erreichen wir am Abend wieder das Schiff und verpassen gerade noch eine Durchsage. Die gute Neuigkeit finden wir trotzdem bald heraus: Es soll bereits morgen zwischen acht und neun weiter gehen, allerdings nonstop bis Honningsvåg. Ab Kirkenes wollen wir wieder im normalen Fahrplan sein. Aber wer sich bereits umentschieden hat, ist raus. Es geht also weiter – wird das doch noch was mit gutem Polarlicht. *Freu*

Um die reine Seereise zu überbrücken, werden vom Schiff Wein- und Bierproben angeboten, und wir schmeißen unsere Vortragsplanung auch um: Wenn wir auf Ausflüge und Häfen keine Rücksicht nehmen brauchen, gibt es ein paar bessere Termine, und wir füllen die Seetage mit Vorträgen. Außerdem wird ein kurzer Stopp in Tromsø angedeutet – immerhin.

Fahrräder zählen

Fahrräder zählen

Damit hat sich aber auch der Plan erledigt, morgen in das Rockheim-Museum zu gehen, und nach dem Essen geht es noch einmal in die Stadt – zum Rema 1000 bei Solsiden, Vorräte bunkern. Bei Nacht ist Trondheim auch ganz hübsch, und wir merken erstmals, dass die Fußgängerbrücke über den Fluss bei Nacht beleuchtet ist und die Radfahrer gezählt werden, die sie benutzen. Ideen haben die Norweger… Auf der Straße steht übrigens immer wieder ein „Danke, dass du radelst“ oder „Danke, dass du zu Fuß gehst“.

Am Abend ist der Himmel dann wieder einmal unentschieden: Polarlichtaktivität ist da, aber die prognostizierten Wolkenlücken fehlen. Auf den angedachten nächtlichen Ausflug zur Festung (dunklerer Himmel als im Hafen) verzichten wir daher. Am späten Abend läuft meine Kamera trotzdem noch eine Stunde lang und fängt die Wolken ein, zwischen denen das Polarlicht hindurchschimmert. Keine beeindruckende Show, zumindest für uns. Also ab ins Bett.

Nordlicht und Wolken

Nordlicht und Wolken

Tag 3: Trondheim im Regen

Trollfjord in Trondheim (ohne Midnatsol)

Trollfjord in Trondheim (ohne Midnatsol)

Nach dem perfekten Wetter gestern Nachmittag zeigt sich Trondheim heute weniger gastfreundlich: Ein grauer, wolkenverhangener Himmel hängt morgens um halb acht über der Stadt. Und nicht nur die Sonne fehlt, sondern auch die Midnatsol, der wir hier eigentlich begegnen sollten. Der gesamte Fahrplan hat sich wohl um einen Tag verschoben, daher liegt die Trollfjord einsam am Kai. Grund, genug, nach dem Frühstück ebenfalls das Schiff zu verlassen und in die Stadt zu gehen.

Die ersten Regentropfen verheißen wenig gutes, aber zum Glück kommt kein starker Regen, sondern nur kleinere Schauer. Der Weg den Kai entlang lohnt sich, zahlreiche alte Schiffe haben hier angelegt – ein hübscher Anblick. Ich mache den Stadtrundgang einmal in der umgekehrten Richtung und biege nach der Brücke über die Gleisanlage Richtung Bakklandet und Nedre Elvehavn ab. Das Elvehavn-Viertel ist sehr chic, viele alte Backsteingebäude haben eine neue Verwendung gefunden und sind schön herausgeputzt.

Ohne Schnee sieht man auch einmal, was die Norweger alles auf die Straße schreiben. Es gibt häufiger die Aufforderung, doch zu Fuß zu gehen, oder Danksagungen dafür. Dabei gelten die Norweger doch eh schon als Frischluftfreunde…

20160405-09h-24m-P1090626Von Elvehavn geht es weiter zu den kleinen Holzhäusern des Bakklandet-Viertels. Wenn man die beiden größeren Straßen (und die Baustellen, die Norweger sind nicht zu unrecht Weltmeister im Renovieren) hinter sich lässt, den Rundweg ignoriert und einmal abbiegt, geht es steil den Berg hoch. Aber auch dieser Anblick lohnt sich, und ich will ja nicht immer die selben Häuser fotografieren.

Kurz vor dem Ende des Viertels (oder dem Anfang, wenn man die Standard-Tour macht) treffe ich dann auch einige von unserer Reisegruppe, die ohne mich den berühmten Fahrradlift wohl auch übersehen hätten. Er macht aber erst im April auf; jetzt (Anfang April) hat er noch zu. Über die Gamle Bro, die markante alte Brücke, geht es weiter zum Nidaros-Dom. Wie oft habe die Brücke schon geknipst? Egal!

Im Torg Einkaufszentrum

Im Torg Einkaufszentrum

In Trondheim gibt es noch einen kleinen Abstecher in das Einkaufszentrum, in das einige alte Häuser einfach integriert wurden. Hier lasse ich kein Geld, dafür lasse ich die Gäste dann wieder in Ruhe: Mein Weg führt mich wieder in die Buchhandlung. Siri Pettersens Ravneringene-Trilogie klingt ganz interessant, aber bis mein Norwegisch gut genug für Romane ist, dauert es wohl noch ein bisschen. Hier widerstehe ich mal; schließlich erwartet mich in Tromsø noch eine Bestellung.

Der Rückweg zum Schiff ist regnerischer, aber das Wetter ist noch erträglich. Nachdem wir abgelegt und Munkholmen passiert haben, muss ich meine Kamera trotzdem erst einmal trockenlegen. Anschließend wird es etwas stressig: Schnell Mittagessen, damit ich kurz nach 13:00 wieder an Deck sein kann, wenn wir die Rissa-Werft passieren. Hier wird gerade die MS Nordkapp auf das neue Arktische Design umgebaut. Da muss ich doch aus der Ferne Händchen halten, hoffentlich kriegt mein Nordkäppchen eine Vollnarkose bei der OP. Bei der Gelegenheit richte ich ihr gleich noch schöne Grüße aus Deutschland aus. (Hurtigrutenfahrer und Lieblingsschiffe sind so eine Geschichte für sich.) Aber wenn ich bedenke, dass ich diese Zeilen auf der Trollfjord schreibe, in der die Kunst des Salons der alten Harald Jarl komplett versetzt wurde, während auf der Nordkapp gerade die Kunstwerke von Karl Erik Harr entfernt werden, was dem Künstler auch nicht gefällt…

Viel Zeit bleibt aber nicht: Um 14:00 steht mein zweiter Vortrag an, und für 14:45 plant das Schiff die Passage des Kjeungskjærfyr Leuchtturms und eine Miesmuschelprobe. Also beschränke ich mich auf eine halbe Stunde, und prompt kommt die Info, dass wir Gas gegeben haben und den Leuchtturm früher erreichen. Also gibt es nur einen kurzen Ausflug in den Sternenhimmel und seine Sagenwelt, der ich mich im letzten Vortrag ohnehin mehr widmen werde. Vom Leuchtturm bekomme ich nichts mit: Am Ende gibt es noch eine kleine Fragerunde, bei der wir uns festquatschen.

Das Wetter bleibt trüb und regnerisch, trotzdem ist die Passage des Stokksunds eindrucksvoll. Sehr schön ist auch, wie viel Abstand einige Passagiere von den Pfützen an Deck halten. Falsches Schuhwerk, sag ich da nur. Trotzdem ist danach wieder Kameratrocknen angesagt, und bis zum Abendessen gibt es noch einige schöne Gespräche.

Zum Abendessen gibt es Ente – hoffentlich endet damit nicht auch der „Ententeich“, über den wir bislang gefahren waren. Im November gab es Ente und anschließend Sturm… Die Folda, die wir während des Essens überqueren, ist ebenfalls sehr ruhig.

Die Finnmarken in Rørvik

Die Finnmarken in Rørvik

Rørvik erreichen wir eine Viertelstunde früher als geplant, und hier liegt die Finnmarken vor uns. Die eingesparte Zeit wird beim Anlegemanöver aber locker wieder reingeholt, beide Schiffe brauchen mehrere Anläufe, bis alle Taue passen und wir von Bord können. So bleibt doch nur eine knappe halbe Stunde für den Besuch des anderen Schiffs, auf dem ich im Januar unterwegs war. Heinz ist wieder Reiseleiter, für ein paar nette Worte bleibt Zeit. Aber er will auch die Kollegen auf unserem Schiff besuchen, also bleibt es beim Hallo sagen. Also auf zu einem kleinen Rundlauf durch die Finnmarken. Im Vergleich mit der Trollfjord wirkt sie mit ihrer Art-Deco-Ausstattung deutlich maritimer, aber auch düster. Im Oktober sehe ich sie wieder.

Die Trollfjord in Rørvik

Die Trollfjord in Rørvik

Noch ein letztes Bild der Trollfjord schießen, und dann geht es auch wieder zurück – wir müssen weiter. Der Himmel bleibt bedeckt, sodass der Tag ruhig ausklingt und es die Möglichkeit gibt, noch einmal früh ins Bett zu kommen – schließlich steht morgen schon die Polarkreisüberquerung an, irgendwann nach 7 Uhr.

Tag 11: Von Trondheim nach Hause

Die Vesterålen

Die Vesterålen

Alles hat ein Ende – und nach dem Feuerwerk gestern Abend ist diese Reise rundum gelungen. Ich hatte schon befürchtet, auf dieser Fahrt nur normales Polarlicht zu sehen, aber jetzt sind auch wir beiden Lektoren zufrieden. Die Trollfjord hat irgendwann gegen 6 Uhr in Trondheim angelegt, und jetzt zeigt sich auch, wer Reiseprofi ist und wer nicht: Die ersten drängen schon früh vom Schiff oder sammeln sich an der Rezeption, während andere in aller Ruhe frühstücken und vielleicht noch einen Blick auf die Vesterålen werfen. Das einzige noch im Dienst befindliche 80er-Jahre-Schiff der Hurtigrute liegt direkt hinter uns am Kai, vor einem malerischen Sonnenaufgangshimmel.

Viel bleibt nicht zu sagen: Wer unsere Infoveranstaltung aufmerksam verfolgt hat, findet den richtigen Transferbus zum Flughafen ohne Probleme. Um zehn Uhr fährt ein Bus direkt zum Flughafen; wer einen späteren Flug hat, hat noch eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Trondheim. Statt am Flughafen können wir so etwas Wartezeit in der Nähe des Doms verbringen. Einige kaufen noch eine Eintrittskarte, wir werfen einen Blick in den Hof des Bischofssitzes direkt daneben.

Besonders beeindruckend finde ich den Schneemann mit den Teufelshörnchen im Innenhof, oder was auch immer das darstellen soll… Das Schild „0 km bis zum Nidaros-Dom“ hat übrigens auch seine Berechtigung: Es markiert das Ende eines ganzen Netzwerks aus Pilgerwegen, die alle zum Nidaros-Dom führen. Als Olavsweg oder Nidaroswege erinnern sie an den Heiligen König Olav.

Im Augenblick ist High-Life in Trondheim, da die NATO eine Übung mit 19.000 Soldaten hat; auch unsere Busfahrer sind nicht aus Trondheim, sondern wegen diesem Großereignis vor Ort – da wird viel Personal gebraucht. Dennoch finden sie den Weg zu Flughafen, wo wir wieder auf Margit treffen, einen Blick auf den automatischen Check-In werfen und dann noch rund drei Stunden warten, bis endlich auch unser Flieger geht.

Die NATO nebelt den Flughafen ein

Die NATO nebelt den Flughafen ein

Wir blieben noch einige Zeit im nationalen Bereich, da er mehr zu bieten hat als der internationale Bereich, aber irgendwann hat man sowohl den Pizza Hut als auch die Buchhandlung durch. Immerhin sorgt die NATO für etwas Unterhaltung: Auf dem Rollfeld gegenüber steht eine große Transportmaschine, und immer wieder starten Hubschrauber, die dabei den halben Flughafen mit aufgewirbeltem Schnee einnebeln. Kurz nach 15:00 geht dann auch unsere Maschine nach Kopenhagen, und ich verbrate meine Vielfliegerpunkte mit Cola, Apfelsaft und Schokolade zusätzlich zu dem Gratis-Kaffee, den SAS zum Flug serviert. So fliegt es sich fast wie in SAS Plus (der „ersten Klasse“, und ich bin ausnahmsweise nicht völlig ausgetrocknet, als wir in Kopenhagen landen. Also gönne ich mir für den Weiterflug nach Frankfurt den selben Luxus noch einmal.

Das war’s dann auch schon fast: Das Gepäck landete irgendwann auch auf dem Gepäckband, und Abends um 20 Uhr war die Autobahn auch schön frei. Jetzt muss ich nur noch etwas Verwaltungskram erledigen und meine Polarlichtaufnahmen zu einem Film zusammenfassen, und dann war es das vorerst mit Norwegen. Anfang April startet dann meine letzte Reise für diese Saison, wieder auf der Trollfjord – einmal darf ich noch:-)

Tag 3: Von Trondheim ins Boblebad

Wenn es das erste wirklich gute Polarlicht schon in der ersten Nacht gibt, wird die Reise sehr entspannt: Der Erfolgsdruck ist weg, jeder (der den Weckruf um 1 Uhr gehört und darauf reagiert hat) glaubt uns, dass es wirklich grünes Polarlicht gibt, und die ersten Bilder haben auch geklappt. Auch deshalb packe ich den ersten Vortrag samt Fototipps nach Möglichkeit in den ersten Tag.

Vår Frue Kirke

Vår Frue Kirke

Den dritten Tag der Reise können wir daher entspannt angehen. Das Schiff liegt zwar schon seit 6 Uhr morgens im Hafen von Trondheim, aber Marcus und ich starten erst nach dem Frühstück so gegen halb zehn in Richtung Innenstadt, um im Starbucks zu frühstücken etwas zu trinken und kurz die Highlights abzuklappern: Am Rockheim-Museum vorbei (ein Museum zu Rock- und Popmusik) geht es über Bahnhof und Fluss Richtung Innenstadt zum Marktplatz mit Einkaufszentrum, der steinernen Marienkirche (Vår Frue Kirke) und dem Starbucks mit angeschlossener Buchhandlung (diesmal ohne Beute – den Ringens Herrene [Herr der Ringe] werde ich mir nicht auf Norwegisch antun).

Die königliche Residenz

Die königliche Residenz

Diesmal suche ich endlich auch Stiftsgården, die Residenz des Königs, die ich bislang noch nie bewusst gesehen hatte. Bemerkenswert: Stiftsgården ist das größte Holzhaus Norwegens und für eine königliche Residenz überraschend unauffällig. Keine Ahnung, wie oft ich schon daran vorbei gegangen bin. Der gelbe Holzbau ist nicht sonderlich umzäunt oder geschützt – überraschend volksnah. Kein Wunder, dass mir das nie als königliche Residenz ins Auge gestochen war.

Viel Zeit bleibt nicht, daher beschränken wir uns auf einen kurzen Besuch am Nidarosdom, bevor es raschen Schrittes über vereiste Straßen durch Bakklandet mit seinen hübschen Holzhäuschen zurück zum Schiff geht, das wir auch pünktlich zehn Minuten vor Abfahrt erreichen. Wegen der vielen Passagiere soll man auf dieser Tour ja schon zehn Minuten vor Abfahrt an Bord sein.

Etwas irritierend sind die vielen Plastikflaschen, die in einigen Bäumen an unserem Weg hängen. Vielleicht wird hier gegen das niedrige Flaschenpfand von nur 1 NOK protestiert? Ich weiß es nicht…

Munkholmen

Munkholmen

Pünktlich um 12 Uhr verlassen wir dann Trondheim und fahren in Schlangenlinien an der Insel Munkholmen vorbei durch den Trondheimfjord. Die Trollfjord kann sich ganz schön in die Kurve legen… Da vorerst keine besonderen Termine oder Fotoziele mehr anstehen, ist es Zeit für das Mittagessen. Es bleibt aber bei einer Kleinigkeit, da wir recht bald die Werft in Rissa passieren. Hier erledigen wir auf einen Schlag die meisten Schiffsbegegnungen auf dieser Tour: Kong Harald und Polarlys werden gerade in Rissa umgebaut, und die neue Spitsbergen liegt versteckt vor der Polarlys.

Zum Ausgleich dafür gab es heute früh kein Treffen mit der Midnatsol, die wegen Nacharbeiten erst später als geplant wieder in den Liniendienst einstieg – mittlerweile ist sie aber wieder auf Tour.

Anschließend bleibt etwas Zeit, um Kameras zu erklären und den heutigen Vortrag vorzubereiten, bevor der nächste Termin ansteht: Der unaussprechliche Leuchtturm Kjeungskjær Fyr.

Gegen 16 Uhr fahren wir dann durch den wirklich engen Stokksund; die nächsten Felsen sind nicht weit entfernt. Und auch unter der Brücke ist nicht mehr viel Platz, wenn sich die Trollfjord durchquetscht. Beeindruckend, und eine Route, die relativ selten genommen wird.

Dann sind wir wieder gefragt, der nächste Vortrag steht an. Marcus erklärt den Sternenhimmel, anschließend gibt Margit noch eine Vorschau auf die nächsten Tage, dann ist Abendessen angesagt und ein ruhiger Tagesausklang. Wir treiben uns in der Bar herum, bis ich meinen nächsten Termin in Rørvik habe: Den Pfandzettel im Coop einlösen, den ich vor gut zwei Wochen vergessen hatte. Immerhin 17 Kronen und die Gelegenheit, die Vorräte wieder aufzufüllen…

Chic: Die Nordlys

Chic: Die Nordlys

Bei nur einer halben Stunde Aufenthalt bleibt immerhin noch etwas Zeit, um die vor uns liegende MS Nordlys zu knipsen, zumindest von außen. Im April bin ich ja wieder auf der Trollfjord, vielleicht langt es dann für einen Blick in das Schiff.

Da der Himmel nun bedeckt ist und es in Rørvik leicht zu regnen anfängt, lassen wir den Tag gemütlich ausklingen. Gegen 22 Uhr sind Marcus und ich weitestgehend alleine – das nächtliche Polarlicht und die frühe Stadtrundfahrt durch Trondheim fordern wohl ihren Tribut, zumindest finden wir kaum vertraute Gesichter auf dem Schiff. Ein letzter Rundgang über das Oberdeck zeigt statt Grün nur Wolken am Himmel, aber der Whirlpool lächelt uns an. Wird es in den nächsten Nächten klar? Wer weiß, aber vielleicht ist das unsere einzige Chance, den Whirlpool in Ruhe zu nutzen, also tun wir das – der perfekte Tagesausklang. So macht der Job Spaß, und den Himmel haben wir auch immer im Blick.

Und morgen früh übernimmt das Schiff den Weckruf, wenn wir voraussichtlich kurz nach sieben den Polarkreis überqueren. Und ich stelle entsetzt fest, dass wir morgen früh eine Schiffsbegegnung mit der Nordkapp haben – Zeit das Blog zu beenden, damit ich morgen früh rechtzeitig an Deck bin. Geht ja nicht, dass ich der Lofoten winke und die Nordkapp verschlafe…

Tag 11: Trondheim und ab nach Hause

Abflug für die Reise Nordlight und Dingens

Abflug für die Reise Nordlight und Dingens oder so…

War’s das wirklich schon? Irgendwie vergingen die letzten zehn Tage wie im Flug. Das mag damit damit zusammenhängen, dass es die letzten Tage über bedeckt war und ich das Frühstück konsequent ignoriert habe – so bin ich nicht ganz so übernächtigt und vollgefressen wie normal. Und an die Finnmarken habe ich mich auch gewöhnt – wie bei jeder Tour blickt man mit Wehmut zurück auf das Schiff. Mein Favorit ist zwar trotzdem die mittlere Generation (echte „kleine“ Schiffe), aber der Komfort hat doch auch etwas. Und vielleicht kann ich den Pool ja im Oktober nutzen, wir werden sehen. Schön war’s auf jeden Fall immer wieder, und die Küche ist tatsächlich sehr gut.

Wie dem auch sei, um 8:00 muss die Kabine geräumt sein, und wir können das Gepäck auf der Tanzfläche der Bar auf Deck 4 zwischenparken. Für ein paar Gäste ist früher Aufbruch angesagt, bereits etwa eine Stunde später geht es zum Flughafen. Die meisten haben einen späteren Flug, daher verlassen wir das Schiff um kurz vor zehn, damit es den Rest der Reise zurücklegen kann. Uns erwartet der Transferbus, der mit dem (in gewisser Weise) mehrsprachigen Hinweisschild leicht zu identifizieren ist. Draußen hat das Schneegestöber zum Glück nachgelassen. Uns bleibt noch eine Stunde Zeit, um noch einmal das frisch verschneite Trondheim zu besuchen: Der Bus parkt am Nidarosdom, sodass wir de Stadt von ihrer besten Seite sehen können.

Ein echter Wintertraum! Da ab zehn Uhr die Geschäfte öffnen, gibt es auch die Möglichkeit für letzte Einkäufe oder Heißgetränke. Pünktlich zur Abfahrt sind alle wieder im Bus, ohne dass er fünf Minuten vor Abfahrt warnend hupen musste, und weiter geht’s zum Flughafen.

Der Flughafen Trondheim ist überschaubar, der Bus hält direkt vor dem Abflugterminal. An den Check-In-Automaten gibt man nur seine Buchungsnummer an (ein oft sechsstelliger Code, der auf dem „Flugticket“ steht), dann kann man sich seinen Sitzplatz aussuchen und den Gepäckaufkleber ausdrucken, um den Griff vom Gepäck kleben und sein Gepäck am Baggage Drop auf’s Band legen und einscannen – fertig. Man muss nur darauf achten, dass man die Gepäckquittung, die mit dem Gepäckaufkleber ausgedruckt wird, nicht über den Strichcode der Bordkarte klebt…

Der nächste Halt ist die Security. Hier wird ordentlich gefilzt – einige haben doch Metall am Körper vergessen und müssen eine gründliche Durchsuchung über sich ergehen lassen, andere stellen fest, dass auch sündhaft teure Marmelade wohl für Terroranschläge geeignet ist und ins aufgegebene Gepäck gehört. Immerhin kann diesmal das Handgepäck aufgegeben werden, statt dass die Marmelade entsorgt werden muss. Und irgendwann werden wir alle zurückgedrängt – mein erster Verdacht ist, dass wir ans Ende vom Gepäckband nach dem Röntgengerät gehen sollen und dort unsere Sachen wieder an uns nehmen, statt über das ganze Band verteilt zu warten, aber die gute Frau drängt uns kommentarlos immer weiter zurück. Der gesamte Scannerbereich wurde geräumt, dann passierte einige Minuten nichts (auch kein Bombenräumkommando oder ähnliches), und dann darf jeder wieder an seine Plätze seltsame Aktion.

Wer sich die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen will, sollte sich noch vor der Security von Avinor einen Stempel abholen, dass er die Dinge wirklich dabei hat und sie unbenutzt sind. Die Global Blu Stelle, bei der man Rechnung und Bordpass zeigen muss, um das Geld zurückzuerhalten, ist im Nationalen Bereich hinter der Sicherheitskontrolle, gleich rechts in der Tanum-Buchhandlung. Manchmal wollen sie die Sachen doch sehen. Tipp: Wenn man das Geld auf die Kreditkarte buchen lässt, werden keine Gebühren fällig.

Unser Flieger ist da

Unser Flieger ist da

Nun heißt es Warten auf den Flieger, und das ist im nationalen Bereich wesentlich angenehmer. Hier gibt es Restaurants, Läden und – hallo Deutschland, nimm dir da mal ein Vorbild dran – Trinkwasserspender, an denen man seine gerade geleerten Wasserflaschen kostenlos wieder auffüllen kann.

Unsere Maschine hat etwas Verspätung, während draußend er Schneefall wieder stärker wird. Dank Flightradar können wir aber verfolgen, dass eine Maschine aus Kopenhagen mit rund 20 Minuten Verspätung im Anflug ist, und tatsächlich ist das unsere, die dann noch rechtzeitig wieder geputzt, betankt und enteist wird. In Kopenhagen startet der Anschlussflieger nach Frankfurt wieder direkt am benachbarten Gate, sodass wir im Prinzip nur raus aus der Maschine müssen, rechts abbiegen und abwarten.

In Frankfurt endet die Reise dann endgültig, und was zeigt der Blick auf’s Handy: Klasse Polarlicht über Skandinavien nach der Flaute der letzten Tage. Immerhin ist es über der Route der Finnmarken noch bedeckt. Und unser Vortrag über das Planetensystem ist auch schon wieder obsolet: Hatten wir noch Pluto hinterher getrauert, gibt es jetzt Hinweise auf einen neuen neunten Planet im Sonnensystem.

Für mich beginnt jetzt noch etwas Nacharbeit: Blog fertig schreiben, Filme und Bilder hochladen, etwas Verwaltung machen und etwas Geld verdienen, bevor es am 6. Februar wieder Nordlicht & Sterne heißt – dann auf der Trollfjord. Ich bin gespannt:-)

Tag 3: Die Königsstadt Trondheim & erstes Licht

Richard With und Finnmarken

Richard With und Finnmarken

Schon um 6:00 legen wir fahrplangemäß in Trondheim an – zumindest glaube ich das; vom Anlegen bekomme ich nichts mit. Man gewöhnt sich doch recht schnell an die Geräusche an Bord. Mein Plan für heute sieht vor, kurz nach acht loszuziehen, um in Trondheim zu frühstücken, und das ziehe ich mit Volker auch gnadenlos durch: Ausflug 3K – Trondheim kulinarisch auf eigene Faust. Das schöne an den norwegischen Städten ist ja, dass man sie problemlos zu Fuß erkunden kann, und die großen Stadtpläne, die normalerweise auf dem Schiff ausliegen, wurden durch kompaktere Pläne ersetzt, in denen gleich Tourenvorschläge eingezeichnet sind. Die mittlere Tour mit 5km deckt das meiste ab; wir machen sie „rückwärts“ und ergänzen sie durch Restaurantbesuche. Das erste Ziel ist natürlich die Richard With, die direkt vor der Finnmarken liegt und ein schönes Fotomotiv abgibt.

Über vereiste Anlegeplätze kleinerer Schiffe geht es durch das Bakklandet-Viertel mit seinen wunderschönen kleinen Holzhäusern bis zu Nidaros-Dom.

Im Nidaros-Dom ist die Olaf-Quelle versteckt – ein kleiner Brunnen, in dem es seit einer Ewigkeit kein Wasser mehr gibt, der mit dem Nidaros-Dom aber das Ende einer Pilgerstrecke markiert. Statt einen Blick in den Dom zu werfen, gehen wir einmal in den Hof des angrenzenden Bischoffspalasts: Chic, durchaus einen Abstecher wert. Die Kirchenherren lebten nicht schlecht.

Die Temperaturen sind eisig, durch den Wind kommt es einem deutlich kälter vor als die rund 5° unter Null. Auf dem Weg vom Dom in die Innenstadt treffen wir einige Gäste, die die Stadt erkunden oder sich im Japan-Foto mit fehlenden Kameraequipment ausgestattet haben – vom Ladegerät bis zum Stativ. Ich sollte von dem Laden doch Prozente verlangen… Heute steht aber kein Fotohändler auf meinem Programm, stattdessen geht es in den Starbucks und die angrenzende Buchhandlung, meine Comic-Sammlung vervollständigen. Irgendwie muss das mit dem Norwegisch lernen doch klappen, auch wenn man mit Deutsch und Englisch gerade auf dem Schiff und in den Touri-Zentren problemlos durchkommt.

Da das Schiff schon gegen 12 Uhr wieder ablegt, steht nach einer schönen heißen Schokolade auch schon wieder der Rückweg an. Ein Besuch im Torget Einkaufszentrum muss sein: Einige kleinere Häuser wurden hier einfach überbaut und in das Einkaufszentrum integriert. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass einige einfach nicht verkaufen wollten, als Trondheim Torg errichtet wurde, und das Center einfach über die Häuser gebaut wurde… Von den Ausgrabungen, die im November auf dem Marktplatz waren, ist dafür nichts mehr zu sehen. Den Weg durch den Hafen zum Schiff kenne ich mittlerweile, und einige folgen uns auch – man hat als Astro-Lektor wohl doch eine gewisse Autorität, auch in Norwegen. Dabei sind gar keine Sterne zum Navigieren zu sehen. Macht aber nichts, die Finnmarken ist schon aus einiger Entfernung zu sehen.

Erster Blick auf die MS Spitsbergen

Erster Blick auf die MS Spitsbergen

Im Hafen ist es immer wieder beeindruckend zu sehen, wie ein kleiner Kranwagen mit den Containern jongliert. Zur Abfahrt geht es an den Bug: Es ist zwar windig, aber es haben sich doch einige Passagiere versammelt, um die Fahrt durch den eindrucksvollen Trondheimfjord zu erleben. Sie verzögert sich etwas: Ein Passagier wird mehrmals ausgerufen. Keine Ahnung, ob er es noch an Bord geschafft hat. An Munkholmen vorbei geht es Richtung offenes Meer, und bis der Hunger alle Richtung Restaurant treibt, ergeben sich einige interessante Gespräche.

Während dem Essen bringt Ekkehard das Gespräch auf die Werften am Ufer; dabei kommt heraus, dass wir auch and er Werft vorbei fahren, in der gerade die Spitsbergen umgebaut wird – das neueste Hurtigrutenschiff, das ab Sommer gemeinsam mit der Lofoten fahren soll, aber auf einer touristisch interessanteren Route. Also raus aufs Deck und mit dem Teleobjektiv drauf halten: Neben dem linken Kran müsste sie liegen, die beiden weißen Schornsteine deuten darauf hin. Ein erster Jagderfolg.

Der nächste Jagdaufruf ist weniger erfolgreich: Der Kapitän sagt durch, dass ein paar Wale zu sehen seien. Aber bis ich an Deck bin, sind sie schon weg; Volker hat wenigstens noch eine Schwanzspitze erspähen können. Für seine Kamera waren sie aber doch zu flott.

Unseren zweiten Vortrag verschieben wir etwas, da nach der Passage des berühmten unaussprechlichen Leuchtturms Kjeungskjærfyr um 14:30 wieder lokale Delikatessen an Deck präsentiert werden. Damit jeder eine Chance zum Probieren hat, beginnen wir etwas später. Der Wind am Bug ist eisig, oben auf Deck 8 lässt es sich besser aushalten. Die Gischt des Schiffs hat einen netten Effekt: Da hinter uns die tiefstehende Sonne leuchtet, gibt es unter uns einen Regenbogen neben dem Schiff. Das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Nach dem Vortrag bleibt etwas Zeit für den gemütlichen Teil; die Wetterprognosen für diesen Abend sind ja nicht so toll. Vorfreude gibt’s trotzdem: Dan hat aus Tromsø tolle Bilder der letzten Nacht gepostet (und er ist auch erkältet; ich bin bei den Vorträgen ebenfalls froh über das Mikro), und für morgen Abend in Svolvær ist gutes Wetter vorhergesagt. In Rørvik begegnen wir nach dem Abendessen der Nordnorge und nutzen die Gelegenheit für einen Besuch. Ich bekomme leichtes Heimweh – sie ist fast identisch mit „meiner“ Nordkapp, nur die Inneneinrichtung ist anders, aber ebenfalls sehr chic. (Jeder hat so seine Vorlieben. Die Finnmarken ist ein schönes, großes und luxuriöses Schiff, aber mein Favorit ist etwas kleiner – so läuft man sich häufiger über den Weg. Aber andere lassen zum Beispiel nichts auf die Lofoten kommen. Es gibt für jeden das richtige Schiff.)

Vom Heck der Nordnorge aus gibt es einen guten Blick auf die Finnmarken, und auf dem Achterdeck ziehen Schneehaufen den Blick auf sich: Im Norden gibt es wohl echten Winter. (Die Lofoten hat aus Kirkenes schöne Grüße bei -25° gepostet.) Schönes Schiff; Volker kann mich trotzdem wieder auf die Finnmarken zerren:-) Bemerkenswert ist übrigens die Schräglage der beiden Schiffe zueinander: Jedes wird so getrimmt, dass es bei Seitenwind die Küste entlang möglichst gerade im Wasser liegt; wenn bei gutem Wind ein nord- und ein südgehendes Schiff nebeneinander liegen, fällt das erst so richtig auf.

Das erste grüne Beweisfoto. Für das Auge war Grau schwarz und Grün grau.

Das erste grüne Beweisfoto. Für das Auge war Grau schwarz und Grün grau.

Der Abend klingt gemütlich in der Bar aus; da die Finnmarken nicht einmal zur Hälfte besetzt ist (die Nordnorge sogar nur zu einem Viertel), hat nur der Ausschank im Panoramasalon offen. Unsere beiden Reiseleiter haben zum gemütlichen Abendtreffen eingeladen, und zwischendurch werfen wir immer wieder einen Blick nach draußen. Am frühen Abend ist ein kameragrüner Lichtstreifen unter den Wolken am Horizont zu sehen, gegen 23 Uhr ein Grünschimmer hinter den Wolken – gegen Mitternacht kann man beruhigt ins Bett gehen, und ich kann den Blogeintrag für diesen Tag beenden. Ein paar grüne Bilder sind immerhin entstanden.

Abgesehen davon, dass um halb zwei, nachdem wir Brønnøysund verlassen haben, die Durchsage kommt, dass es vom Bug aus Polarlicht zu sehen gibt. Also wieder ganz anziehen (zum Glück war ich ja noch am Rechner), Kamera schnappen und ab an den Bug.

Stimmt, da ist Nordlicht – etwa von der Stärke, die man so weit im Süden erwarten kann: Kameragrün, mit bloßem Auge grau, keine starke Bewegung, aber trotzdem ganz schön anzuschauen. Es haben sich doch einige von der Gruppe am Bug versammelt und trotzen dem Wind und der Kälte, auch wenn das natürlich noch nicht die Show ist, auf die wir alle hoffen.

Und noch ein Wort an alle, die schneller Blogeinträge erwarten und dabei das freundliche Augenzwinkern vergessen: Ich mache das zum Spaß und in meiner Freizeit; wer mehr Leistung will, kann ja versuchen, mich mit Bestechungsgeldern zu motivieren:-) Ansonsten gibt’s immer wieder ein paar Impressionen über meinen Twitter-Kanal. Aber keine Echtzeit-Polarlicht-Bilder, so gut ist meine Handy-Kamera auch nicht. Und es gibt auf der Reise viel zu sehen und zu erleben, wer sitzt da schon freiwillig ständig am PC:-)

Tag 3: Trondheim und Second Light

Ich vergesse immer wieder, wie wenig ich an Bord zum bloggen komme – während ich in diesem Beitrag Trondheim aufarbeite, sind wir bereits in Honningsvåg, auf der selben Insel wie das Nordkapp. Immerhin hinke ich der Tour nur drei Tage hinterher.

Nach dem ersten Polarlicht war es gestern wieder etwas später geworden, aber da wir bis 12 Uhr in Trondheim sind, besteht kein Grund zur Hektik: Zwei Stunden sind für einen Stadtrundgang eigentlich ausreichend, und die meisten Läden machen eh erst um 10:00 Uhr auf. So oder so war ich rechtzeitig für einen wunderbar kitschigen Sonnenaufgang auf den Beinen. Man glaubt es nicht, was es hier für Farben gibt… Bug voraus bot sich ebenfalls ein schöner Anblick: Die Richard With. Da die Flotte gerade einen Werfttag einschiebt, begegnet die Nordkapp diesmal anderen Schiffen als üblich. Normalerweise wäre die Richard With ja erst am Abend in Rørvik dran. Es lohnt sich immer, die anderen Schiffe zu besichtigen, aber da ich die With schon kenne, will ich es heute doch mal wieder nach Trondheim schaffen.

Jürgens Tipp war das Rockmuseum, aber uns zieht es erst einmal in die Stadt, einkaufen ist angesagt. Im Vortrag gestern konnte ich ja rechtzeitig meine drei Ratschläge geben:

  • Lernen Sie Ihre Kamera kennen.
  • Überprüfen Sie alles.
  • Und damit meine ich alles.

Ich wüsste gerne, wie viele Stative und Putzmittel der Fotohändler in Trondheim wegen mir schon verkauft hat:-)

Der übliche Rundweg führt durch die Innenstadt mit Einkaufszentrum vorbei. Am Marktplatz findet gerade eine Ausgrabung statt, bei der Fundamente aus der Zeit um etwa 1700 (wenn ich mich richtig erinnere) freigelegt werden. Die Statue des Wikingerkönigs Olav Tragvason überwacht das und trägt zurzeit Schal. Nach einem Abstecher zum imposanten Nidaros-Dom geht es über die Gamle Bybroen durch ein paar Straßen mit schnuckligen Häusern wieder zurück Richtung Hafen und Schiff.

Blick auf Munkholmen

Blick auf Munkholmen

Die Fahrt aus dem Trondheimfjord heraus ist wunderschön, und das Wetter spielt auch mit: Stellenweise gibt es blauen Himmel. Nachdem wir die Insel Munkholmen passiert haben, wird es leerer an Deck – das Mittagessen ruft. Das Wetter ist wechselhaft, aber trocken, und von Herbststürmen ist nichts zu sehen – die See ist ruhig. Wer dem Essensruf widersteht und an Deck geblieben ist, kann zuschauen, wie die Weihnachtsbeleuchtung hochgezogen wird. Und das, wenn wir abends Nordlichter schauen wollen…

Eigentlich würde ich an diesem Nachmittag den ersten Vortrag halten, aber da das schon erledigt ist, kann ich mir in aller Ruhe den Kjeungskjær fyr anschauen, Norwegens wohl bekanntesten Leuchtturm.

Nordwärts vertreibe ich mir die Zeit damit, den nächsten Vortrag schon einmal vorzubereiten; ein paar tagesaktuelle Bilder sind ja immer dabei – nicht zuletzt die Wetter- und Polarlichtvorhersage. Eine Wolkenfront verfolgt uns, aber es gibt noch Chancen. Und Abend heißt es wieder Bingo: Erneut ist ein Polarlichtband zu sehen, diesmal sogar von einem Gast zuerst erspäht. Mit dem bloßen Auge ist nur etwas Grün zu sehen, aber die Kameras zeigen schon sehr schönes Grün. Es ist immer gut, wenn man am Anfang schon mit der Kamera arbeiten kann.

Für mich war das die Gelegenheit, mich bei der Crew unbeliebt zu machen: Auf Nachfrage wird die Beleuchtung auf dem Heck abgeschaltet – und mit etwas Widerwillen auch die Lichterkette. Dabei war der Maschinenchef so stolz darauf. Hoffentlich besucht er mich nicht einmal abends in der Kabine oder dreht mir die Heizung ab…

Diejenigen, die schon einmal Nordlicht gesehen haben, sind zwar nicht allzu beeindruckt, aber: Nimm, was du kriegen kannst! Immerhin sind wir noch ziemlich weit im Süden, was gut ist: Je mehr jetzt geübt wird, desto besser kann man später eine echte Show genießen. Auf den Fotos sieht man dann auch sehr gut, wie das Polarlicht mit den Wolken gekämpft hat. Es ist heller als letzte Nacht, dafür gibt es auch mehr Wolken…

Der Kampf gegen die Wolken.

Der Kampf gegen die Wolken.

Tag 11 – Endlich Lofoten!

Frisch aus der Werft: Die MS Lofoten in Trondheim.

Frisch aus der Werft: Die MS Lofoten in Trondheim.

Für einige ist es ja das Highlight der Reise: Im Hafen von Trondheim begegnen wir der Lofoten nach ihrem Werftaufenthalt. Einen Besuch ist sie auf jeden Fall wert: Noch bis in die 90er Jahre waren das die üblichen Schiffe für die Hurtigrute; in den 1980ern war die Flotte zwar um drei Schiffe ergänzt worden, die aber eher auf Container ausgelegt waren – von diesen dreien fährt nur noch die umgebaute MS Vesterålen die Route, Narvik und Midnatsol sind bereits ausgemustert. Und die mittlere Schiffsgeneration wie die Nordkapp kam erst in den 90ern, fährt nun aber auch schon seit rund 20 Jahren. Die MS Lofoten ist mittlerweile seit 50 Jahren unterwegs und wurde in der Werft wieder auf den Stil der 1960er umgestaltet. Mal sehen, wie lange dieser robuste Oldtimer noch im regulären Dienst betrieben wird – vorläufig gibt es jedenfalls noch die Möglichkeit, die klassische Postschiffreise auch auf einem klassischen Postschiff zu unternehmen, und genügen Enthusiasten, die auch die Nordstjernen in Betrieb halten. Bei guter Pflege ist das Alter kein Probleme, die Schiffe sind robust gebaut – kritischer sind Ladekapazität und Komfort.

Nach dem Besuch auf der Lofoten gab es eigentlich zwei Gruppen von Gästen: Die einen waren froh, ihre vergleichsweise geräumigen Kabinen auf der Nordkapp zu haben, die anderen buchten schon die nächste Reise auf einem Oldtimer und schwankten nur noch zwischen Ostsee auf der Nordstjernen und Hurtigrute auf der Lofoten. Wer die Reise bucht, muss wissen, auf was er sich einlässt – und dann kann es eine einmalige Tour sein, die viel mehr mit klassischer Seefahrt zu tun hat als die heutigen großen Schiffe.

In Trondheim verließen ein Großteil der Passagiere und der Besatzung das Schiff; auch die Nordlicht-und-Sterne-Reise endet oft genug in dieser hübschen Stadt. Da es für die GRP101 bis Bergen weiter geht, gab es für unsere Gäste noch einmal volles Programm. Im Anschluss an das Ablegen in Trondheim stand um 10:30 die Info-Veranstaltung zum Ausschiffen auf dem Terminplan: Wie checke ich an einem Flughafen, der nur noch beim Sicherheitscheck echtes Personal beschäftigt (wobei ich ja noch darauf hoffe, dass das irgendwann auch automatisiert wird – einen wirklichen Sicherheitsgewinn sehen ich bei der ganzen Paranoia nicht)? Wann muss die Kabine geräumt werden, und wohin mit dem Gepäck? Wie wird abgerechnet?

Nach den ganzen technischen Fragen und dem Mittagessen ging es entspannt weiter: Kai bot seinen Vortrag „Wussten Sie schon?“ mit Wissenswertem und Unterhaltsamem rund um Norwegen an. Ich beschäftigte mich stattdessen lieber mit einem anderen norwegischen Souvenir, dem Husten – nachdem mich heute in aller Frühe der Hochdruckreiniger aus dem Bett geholt hatte, holte ich etwas Schlaf nach und ignorierte die schöne Landschaft.

Je näher wir Bergen kommen, desto trüber wird das Wetter. Eine Stunde vor dem Abendessen versammeln wir noch einmal die ganze Gruppe im Panoramasalon für eine kleine Abschiedsveranstaltung. Volker und ich beschränken uns auf ein Dankeschön, während Margit und Kai noch einen augenzwinkernden Rückblick auf die Reise und das Land werfen. Abschließend heißt es noch einmal Skål, und dann ab zum letzten Dinner.

Da wir das Gepäck morgen früh schon um 9:00 Uhr vor die Fahrstühle stellen sollen, heißt es am Abend noch ein wenig packen – und bei mir ein wenig schlafen, zumindest bis ich gegen 22:00 wieder fit bin und in der Bar noch ein paar Leute treffe. Viel ist aber nicht mehr los, sodass ich dann wie die meisten anderen wohl auch die Nacht und das üblicherweise unruhige Westkap verschlafe.

Tag 11 – Trondheim und südwärts

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Jetzt kommt der Teil der Reise, der mir auch neu ist: Letzten Februar endete die Reise ja schon in Trondheim. Da das Feuerwerk gestern noch mindestens bis 1 Uhr ging (zumindest hatte ich dann die Kamera abgebaut), verzichtete ich auf einen erneuten Gang durch Trondheim, obwohl wir zwischen 6:30 und 10 Uhr eigentlich ausreichend Zeit hätten. Diejenigen, die sich den Stadtbummel nicht nehmen ließen, stellten fest, dass die Geschäfte erst so gegen zehn Uhr aufmachen. Immerhin war so jeder rechtzeitig zum Gruppenfoto wieder an Bord, das wir mit Trondheim im Rücken auf Deck 7 aufnahmen. Ein Gruppenfoto gehört zu jeder Reise, und gegen den bedeckten Himmel kann man später ja immer noch etwas unternehmen:-)

Ich muss zugeben, dass ich von der Landschaft nicht zu viel mitgekriegt habe. Die letzte Reise war entspannender – stärkeres Polarlicht, aber dafür deutlich weniger. Dafür nutzte ich den Tag, um meinen Koffeinhaushalt wieder auf ein Arbeitsniveau zu bringen und mich in die Bildbearbeitung mit Pixelmator einzuarbeiten – Photoshop fehlt noch auf dem Reiselaptop, und das Gruppenbild musste noch etwas aufgehübscht werden. Aber das Ergebnis gibt’s nur für die Teilnehmer der Reise.

Am Ende dieses Relax-Tages mit ständig wechselndem Wetter stand Kristiansund, gefolgt von einem kleinen Abschiedstrunk in der Bar: Ein kurzer Rückblick auf die Reise, zu dem ich wenig beizutragen hatte – langsam versagte die Stimme, und große Reden waren von meiner Seite nicht mehr drin. Aber dafür hab ich ja die Webseite.

Beim Tagesausklang in der Bar gab es dann zwei große Fragen: „Gibt’s heute Abend nochmal Polarlicht?“ und „Kannst du es für eine Stunde abstellen, damit wir packen können?“ Den Gefallen konnte ich den Gästen tun, ohne Polarlicht konnte tatsächlich in Ruhe gepackt werden – schließlich müssen die Kabinen am nächsten Tag bereits um zehn Uhr geräumt sein. Das Ende der Reise ist nah…

Hurtigruten Tag 12 – Trondheim und der Rückflug

So stellt man sich ein Postschiff vor: Die MS Lofoten.

So stellt man sich ein Postschiff vor: Die MS Lofoten.

Das wars also: Ein letztes Frühstück, alles in den Koffer stopfen, wo man gestern wegen dem letzten Polarlicht nicht dazu gekommen war, und um 9:00 war Treffpunkt an der Rezeption ausgemacht. Aber als gute deutsch-schweizer Reisegruppe waren um 9 Uhr natürlich schon alle am Transferbus. Für einen Besuch auf der Lofoten, die mit der Nordkapp am Kai liegt, bleibt keine Zeit: Man ist ja auch Ansprechpartner und will ggf. beim Gepäck helfen, außerdem ist das die Chance, einige Leuten noch Adieu zu sagen.

Anstatt direkt zum Flughafen zu fahren und uns dort die Beine in den Bauch zu stehen, machen wir noch einen längeren Halt am Nidaros-Dom: Fast eineinhalb Stunden bleiben uns, um noch einmal Trondheim unsicher zu machen. Einkaufen, die Gassen bewundern… wir entscheiden uns für die Festung Kristiansten, die mit einem flotten Fußmarsch gut zu erreichen ist. Da oben bleibt nach gut 20 Minuten Fußweg zwar nicht viel Zeit, aber es langt, um einmal durch die alte Festungsanlage zu schlendern und bei herrlichem Wetter den Blick über Trondheim und zurück zur Nordkapp schweifen lassen, die noch im Hafen liegt. Als sie noch einmal tutet, damit alle Passagiere an Bord kommen, wird so richtig bewusst, dass die Reise nun zu Ende ist.

Hoch über Trondheim: Die Festung Kristiansten

Hoch über Trondheim: Die Festung Kristiansten.

Der berühmte Fahrrad-Lift

Der berühmte Fahrrad-Lift

Auf dem Rückweg stolpern wir noch über eine Sehenswürdigkeit, über die uns an Bord vorgeschwärmt wurde, die wir beim letzten Mal aber glatt übersehen hatten: Den Fahrradlift. Trotz des frühlingshaften Wetters ist er nicht in Betrieb, aber das Prinzip wird klar: Man setzt sich auf sein Rad, einen Fuß auf den Lift, und der katapultiert einen dann den Hügel hoch. Cool. Mit Einstellmöglichkeit für Anfänger und Profis. Sehr nett.

Aber es gibt kein Zurück: Wenig später sitzen wir im Bus, auf dem Weg zum Flughafen Trondheim, ein gutes Stück außerhalb der Stadt. Wie in Frankfurt heißt es auch hier, sein Gepäck selber einchecken – obwohl es hier wenigstens noch echte Mitarbeiter gibt, falls es Probleme gibt. Die Security ist diesmal kein Problem (zumindest für alle, die weder braunen Käse noch Marmelade [läuft als Flüssigkeit und somit als Terrorwaffe {ich frag mich grad, ob die skandinavischen Airlines Surströmming im Handgepäck zulassen würden – es ist schon was dran an der Erkenntnis, dass der einzige Beitrag der Schweden zur internationalen Küche die Edelstahlküche ist…}] oder die Sprudelflasche fürs Vesper dabei haben – der Käse darf durch, der Rest muss verzehrt oder entsorgt werden), und dann bleibt genug Zeit, um den Duty-Free-Bereich zu erkunden. Der Versuch, unsere letzten Kronen bei der Pizzeria loszuwerden, scheitert kläglich: Die Gruppe um Volker und mich wird als Trinkgeld für die Fahrt noch auf eine Runde Pizza eingeladen. Besten Dank nochmal Richtung Bodensee:-)

Unwiederstehlich: Trollturen von Ivar Rødningen. Gab's auch auf Französich; die Wahl fiel leicht...

Unwiderstehlich: Trollturen von Ivar Rødningen. Gab’s auch auf Französisch; die Wahl fiel leicht…

In der Buchhandlung werde ich dann aber doch noch etwas Geld los: Nachdem das mit dem norwegisch lesen schon so gut klappt und die Fahrt nicht die letzte gewesen sein wird, schlage ich hier zu. Was gibt es besseres, um zuhause eine Sprache zu lernen, als Bücher in ihr zu lesen? Ich lande bei den Kinderbüchern. Der Verlag der Trollturen sitzt sogar in Trondheim. Beim Vergleichen der Beute hätte Kirsten dann beinahe verraten, wie die Geschichte ausgeht…

Und irgendwann ging dann die Abreise weiter, zuerst ins verschneite Oslo, wo wir am teuersten Burgerstand unsere letzten Kronen los wurden. Praktisch: Zahl mit Kronen und den Rest mit Kreditkarte. Blöd: Unsere Mitreisenden denken langsam, dass wir nur am Essen sind.

Vorher bot sich in einer Buchhandlung noch die Gelegenheit, weitere Kronen loszuwerden. Beim Angebot „Zwei Bücher zum Preis von einem“ kann ich nicht wiederstehen, auch wenn’s englische Romane sind. Hier rächt sich meine Geizigkeit: Wenn ich mir das Datenroaming für eine weitere Woche gegönnt hätte, hätte ich gleich gesehen, dass Norwegen auch dann kein Schnäppchenland für Bücher ist, wenn eins umsonst ist. Was für Preise…

Bevor wir in die Maschine nach Frankfurt einsteigen, können wir der Gruppe noch Ade sagen, die weiter nach Süden fliegt, und und ab dafür. In Frankfurt kommt sogar alles Gepäck an, das Auto ist auch noch da, und dann sind wir fort. Das war’s mit Nordlicht und Sterne 2014 für uns.

Ich habd doch ganz schön viel fotografiert, wie die GPS-Daten verraten...

Ich hab doch ganz schön viel fotografiert, wie die GPS-Daten verraten…

Was bleibt? Die Idee, im Herbst mal nach Tromø zu fliegen, um Polarlichter von Land aus zu fotografieren. Die Überzeugung, die Reise nochmal machen zu wollen. Die Erkenntnis, dass dieses Pepsi Max gar nicht so schlecht ist (an Bord gab’s keine Coke). Über 6000 Fotos – alle 1,5 Kilometer eines, zum Glück fast alle mit GPS-Koordinaten. Und eindeutig dieser Hurtigrutenvirus. Ich bin jetzt auch im Ambassador-Programm und hoffe, dass sich dafür nicht Hurtigruten bei mir 5% Rabatt und 25% Frühbucherrabatt gönnt, wenn ich die nächste Tour begleite…

Am nächsten Tag kommt dann der Schock mit der Realität wieder, beim Blick in die Mailbox. Mit dem Schwanken an Land hab ich zum Glück keine Probleme, aber mir fehlen die å und ø. MÅ wäre doch ein viel passenderes Kennzeichen für „Monnem“ als MA, oder?

Mit anderen Worten: Wann geht das nächste Schiff?