Hurtigrute mit der Nordlys Tag 5: Tromsø

Mit der Trollfjord in Harstad

Mit der Trollfjord in Harstad

Der Tag fängt mal wieder viel zu früh an, zumindest für mich als Sternfreund: Bis 8 Uhr liegen wir in Harstad, und ich bin sogar früh genug auf den Beinen, um mitten in der (Polar)Nacht noch die Trollfjord zu sehen, die hinter uns am Kai liegt. Ein paar Minuten später legen wir auch schon ab und passieren die Trondenes-Kirche, Norwegens älteste Steinkirche und damit den Ort, an dem es mit den christlichen Taufen los ging.

Wasserfontaine im Hafen

Wasserfontaine im Hafen

Das Expeditionsteam hat in Harstad eine Stadtwanderung angeboten, aber Aufbruch um 6:45 ist sowas von nicht meine Zeit, selbst wenn es kostenlos ist, dass ich darauf dankend verzichtet habe. In Harstad setze ich nur einen Fuß auf den Boden, wenn ich die Vesterålen-Rundfahrt mache. Für Wanderungen finde ich humanere Zeiten…

Niri vom Expeditionsteam macht nach dem Ablegen den Point of Interest auf Deck 7 (auf Englisch) und erzählt etwas über Harstad und die Kirche. Vorher gibt es noch eine Neuheit zu bestaunen: Irgendwann im November wurde eine beleuchtete Wasserfontäne am Hafen eingeweiht. Wenn ein Schiff vorbei fährt, geht sie an und soll an ein Segel erinnern, das im Wind flattert. Außerdem wird sie in wechselnden Farben angestrahlt. Immerhin werden wir nicht nass dadurch.

Trondenes Kirke

Trondenes Kirke

Die Trondenes-Kirche passieren wir in einigem Abstand, aber sie ist hübsch beleuchtet. Als Besonderheit steht der Kirchturm neben ihr – angeblich wurde der Troll, der die Kirche einst baute nicht rechtzeitig fertig.

Heute steht ein ruhiger Tag an: Wir haben keinen Vortrag, und den Vortrag vom Expeditionsteam über die Reise der Fram um 11 Uhr schwänze ich. Stattdessen nutze ich die halbe Stunde in Finnsnes, um einmal von Bord zu gehen und den Hügel zu umrunden, an dem wir anlegen. Premiere für mich: Ein Norweger spricht mich an, der nur Norwegisch kann, und ich kann sogar ein paar Brocken Norwegisch zusammen kratzen, um etwas Smalltalk zu machen (Jeg er fra Tyskland og arbeider på Hurtigruten som Tourguide på nordlys og stjerne). Es ist ein Anfang.

Einmal rund um den Hafen sehe ich das Schiff wieder und davor eine Statue, die an Ottar erinnert – dieser Wikinger war der erste, der das Nordkap umrundete und dem englischen König davon berichtete, der es in einer Chronik für die Ewigkeit fest hielt. Die Statue wird fleißig für Erinnerungsfotos genutzt, bevor wir unsere Reise weiter fortsetzen. Das Ziel: Tromsø! Endlich mal wieder. So ein bisschen Heimatgefühl kommt da ja doch jedes Mal wieder auf.

Point of Interest: Rystraumen

Point of Interest: Rystraumen

Bevor wir Tromsø erreichen, gibt es noch einmal einen Point of Interest. Diese kleinen Info-Veranstaltungen sind leider immer auf Englisch, aber durchaus interessant. Diesmal ist wieder Niri dran, der über den Rystraumen erzählt, den zweitstärksten Gezeitenstrom. Für uns macht er sich aber in erster Linie durch den höheren Spritverbrauch bemerkbar. Es gibt hier zwar eine Insel mit Moschusochsen, die der Uni Tromsø gehört (die die Insel zum Verkauf anbietet), aber von einem Strudel sehe ich nichts. Dafür, sobald wir um die Ecke biegen: Die Lichter der Stadt!

Erster Blick zur Eismeerkathedrale

Erster Blick zur Eismeerkathedrale

Als wir endlich in Tromsø anlegen, führt mich mein erster Weg ins Hotel – in einem Jahr ist da ein Urlaub egplant, aber noch können keine Zimmer gebucht werden. Wie sich zeigt, werden gerade noch Zimmerpreise kalkuliert, aber das Hotel ist noch nicht ausgebucht. Beruhigend.

Für die Gäste gibt es das übliche Bündel aus Ausflügen, und sogar die Husky-Tour findet statt – vor zwei Tagen stand das noch auf der Kippe, weil es zu wenig Schnee gab. Für mich (immerhin müssen wir Lektoren die Ausflüge selber zahlen) stehen stattdessen die üblichen Sightseeing-Punkte und Läden an (Libris, Ark, Nerstranda, Coop, …), und diesmal finde ich auch die Festung Skansen, die sich hinter dem Polaria versteckt. Wie niedlich, ein paar Holzhäuser auf einem Hügel. Kein Wunder, dass ich die immer übersehen habe. Dagegen ist Vardø ja gigantisch.

1743 wurde Skansen wohl das erste Mal urkundlich erwähnt und hatte einst eine Palisade; die heutigen Gebäude stammen aus den Jahren 1789-1793. Ich bin nur mäßig beeindruckt. Burgen haben wir in Baden-Württemberg doch deutlich imposantere.

Dann schaue ich lieber noch einmal bei Tromsøs Greatest Souvenir Shop vorbei und schlendere ein wenig durch die Stadt. Die Hauptstraße ist mittlerweile weihnachtlich geschmückt, und mit dem Schnee ein schöner Anblick.

Souvenirs nehme ich diesmal aber keine mit; die meisten Einkäufe habe ich schon vor vier Wochen in Trondheim erledigt. Und neue Bücher, die ich noch nicht lesen kann, brauche ich gerade auch nicht. Da der Himmel weiterhin bedeckt ist, brauche ich auch nicht in der Stadt zu essen, sondern kann das Abendessen auf dem Schiff zu mir nehmen. Mal eine nette Abwechslung, auch wenn ich auf der Strecke nach Skjervøy lieber klaren Himmel statt Schnee gehabt hätte. Wer hat denn das organisiert?

Volkstanz

Volkstanz mit dem Expeditionsteam

Nach dem Abendessen steht um 21 Uhr noch eine Veranstaltung an: Norwegischer Volkstanz. Angelika drängt uns alle zu der Veranstaltung, und als wir in den Konferenzraum reinschauen, ist allen klar: Die erste Reihe muss mitspielen. Und es gibt nur eine Reihe mit Stühlen. War ja klar.

Als erfahrener Wikingerfest-Besucher habe ich mit dem ersten Tanz keine Probleme (nur der Met fehlt), danach wird es schon anspruchsvoller. Hier können einige Kalorien abtrainiert werden, aber irgendwo macht es schon Spaß – auch wenn oder vielleicht gerade weil am Ende Kinderlieder stehen. Aber wer hat gefehlt? Angelika.

Immerhin können wir so ein wenig davon ablenken, dass es heute wieder Wolken statt Polarlicht gibt (auch wenn die Ablenkung nur mäßig gelingt). Immerhin kann der Abend gemütlich in der Bar ausklingen – ein schöner Tag war es trotzdem.

Tag 5: Zwischenstopp in Tromsø

Morgenliche Lichtspiele

Morgenliche Lichtspiele

Genau um 1:33 Uhr haben wir den Polarkreis überquert – aber ich glaube nicht, dass da jemand an Deck war. Sektverkauf gab es jedenfalls keinen, und gehupt wurde auch nicht. Bei tiefster Nacht macht es auch keinen Spaß, die Kugel zu fotografieren, das hebe ich mir für den Rückweg auf.

Der Morgenhimmel mit einer Mischung aus Wolken, klarem Himmel und Regen am Horizont ist ohnehin viel eindrucksvoller. Der heutige Seetag führt uns entlang der Küste Richtung Tromsø, wobei wir den Raftsund nicht durchqueren. Stattdessen wird es an Ramstad, Fjelldal und Sandstrand vorbei gehen, und in einigem Abstand auch an Harstad vorbei. Der Tjeldsund ist das wohl.

Neptun bei der Arbeit

Neptun bei der Arbeit

Vorher steht natürlich noch das Ereignis des Tages an: Die Polarkreistaufe. Um 11 Uhr versammeln sich alle auf Deck 8, Neptun wird herbeigerufen, und Anita in ihrer Funktion als Tourguide des Schiffs liest seine Rede vor. Anschließend: Eis für alle!

Für die Erstüberquerer des Polarkreises ist es eine Riesen-Gaudi (nach der der warme Whirlpool richtig verlockend ist), die Vielfahrer fragen sich eher, ab der wievielten Polarkreisurkunde man die Ehrenbürgerschaft in Njörds Reich erhält. Und während Eis verteilt wird, hält sich an backbord wacker ein Teil eines Regenbogens.

Wer will, kann anschließend Briefmarken zur Polarkreisüberquerung kaufen und sich einen Film über Tromsø als Tor zur Arktis anschauen.

Regenbogen

Regenbogen

Davon abgesehen verläuft unser zweiter Seetag ruhig; wir haben genug Zeit für unseren vierten Vortrag um 14 Uhr. Während wir uns Tromsø nähern, geht es im Tiefflug zu den Planeten des Sonnensystems. Acht Planeten plus jede Menge Kleinkörper sind einfach zu viel, um sich eingehender mit ihnen zu beschäftigen.

Mittlerweile gibt es auch Neuigkeiten zu unserem kurzen Aufenthalt in Tromsø: Wir werden gegen 18 Uhr ankommen und bis etwa 23:30 bleiben, also sogar noch länger als üblich. Außerdem gibt es für uns einen kostenlosen Shuttlebus zur Seilbahn hoch auf den Hausberg Storsteinen. Polaria oder Mack Brauerei konnten sich leider nicht zu verlängerten Öffnungszeiten überreden lassen, und die meisten Läden machen um 18 zu. Auch Tromsøs Greatest Souvenir Shop hat reguläre Öffnungszeiten bis 18 Uhr angekündigt, auch wenn er angeblich länger offen hatte. Der älteste Souvenirshop in Tromsø wurde übrigens 1999 gegründet, nachdem der Eigentümer im Lotto gewonnen hatte… Da wir den ersten Bus auf den Storsteinen nehmen, fällt diesmal ein Besuch aber ohnehin flach.

Tromsø von oben

Tromsø von oben

Polarlicht vom Storsteinen

Polarlicht vom Storsteinen

Die neue Seilbahn auf den Berg läuft butterweich und geisterhaft leise; es ist fast unheimlich, wie wir durch die Nacht gleiten. Oben hat sich bis auf die vergrößerte Besucherplattform nicht allzu viel geändert, und wir haben einen grandiosen Ausblick auf die Lichter der Stadt. Während der üblichen Liegezeiten gibt es diese Chance nicht.

Ein paar Minuten später bewahrheitet sich wieder einmal: Tromsø geht immer. Durch ein paar Wolkenlücken sehen wir eine schöne, helle Aurora tanzen. Letztlich sind die Wolken aber stärker, und wir nehmen die Gondel nach unten in die Stadt. Der Shuttlebus fährt fast bis auf das Autodeck der Finnmarken, und wir gehen zum Abendessen in die Stadt. Das arktische Buffet muss ohne uns auskommen, und bei Bewölkung haben wir ohnehin frei.

Polarlicht im Hafen

Polarlicht im Hafen

Gegen 22 Uhr – normalerweise wären wir jetzt kurz vor Skjervøy – geht es noch einmal durch die Stadt zum Hafen, die Speicherhäuser fotografieren. Dabei ein Blick nach oben: Graugrünliche Bänder, die sich auch noch bewegen – Polarlicht! Also nichts wie zurück zum Schiff, vorbei an den ganzen Fotografen, die ihre Kameras am Kai aufgebaut haben. Noch bevor wir die Finnmarken erreichen, hören wir schon die Durchsage, dass von Deck 8 Polarlicht zu sehen ist.

Oben erwarten uns schon begeisterte Gäste und die Frage, ob wir das auch gesehen haben. Nun, immerhin die anderen haben eine schöne Show gesehen; als wir oben sind, lässt es schon wieder deutlich nach. Hauptsache, die Gäste sind zufrieden und glauben uns, dass Polarlicht nicht nur ein Grünschimmer ohne nennenswerte Strukturen ist. Wenn wir planmäßig abgefahren wären, dürfte es außerhalb von Tromsø noch beeindruckender gewesen sein…

Die MS Spitsbergen

Die MS Spitsbergen

So treffen wir immerhin noch auf die Spitsbergen, das neueste Schiff der Hurtigrute. Es fährt im Winter anstelle der Midnatsol, die gerade in der Antarktis unterwegs ist. Viel los ist auf ihr jedoch nicht.

Die Route nach Skjervøy lohnt sich wieder: Zwar ziehen wieder einige Wolken auf, aber zwischen ihnen tanzt das Polarlicht immer wieder schön hervor. Bis kurz vor zwei Uhr können wir es vom Bug aus beobachten. Noch stehen die Liegestühle an Deck, sodass es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eine angenehme Nacht wird. Immer wieder blitzt sie hell auf, aber nie lange – für eine Durchsage lohnt sich das nicht, und nach der Show im Hafen dürften alle erst einmal gesättigt sein. Immerhin: Das Polarlicht ist hell genug, dass ich Belichtungszeiten von 1,5 Sekunden ausprobiere und erfolgreich Bilder mache, wenn auch recht verrauscht. Aber der Zeitraffer sieht schon mal vielversprechend aus, und ich muss meine zweite Speicherkarte anbrechen – die ersten 128 Gig sind voll…

Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Nördlich von Hammerfest

Nördlich von Hammerfest

Wir sind mittlerweile wieder auf dem Weg nach Süden, und das Highlight des Tages – die Begegnung mit der MS Lofoten – ignoriere ich. Schließlich hatte ich ihr schon einmal während dem Abendessen zugewunken. Eigentlich hatte ich mir Ausschlafen vorgenommen, das klappt aber nicht: Die allgemeinen Infos zur Abfahrt in Havøysund kommen kurz vor acht nicht über das normale Sprechsystem, sondern über die Notfall-Lautsprecher – da stehe wohl nicht nur ich senkrecht im Bett. Das Frühstück fällt zugunsten der Reiseleiter-Sprechstunde trotzdem knapp aus, und sogar den leckeren Energiekaffee an Deck auf der Höhe von Melkøya verpasse ich – Kameras wollen erklärt werden.

Je näher wir Hammerfest kommen, desto besser wird das Wetter, und alles ist bereit für eine kurze Tour durch die Stadt. Sie wird beinahe eine Kirchentour, zumindest hat die Stadt einige Gotteshäuser zu bieten – katholisch, evangelisch, Methodisten… Mein erster Halt ist aber „meine Bank“ am Musikpavillon. Es liegt noch mehr Schnee als im Januar, aber diesmal habe ich mein Mäntelchen dabei, sodass ich Platz nehmen kann. Anschließend geht die Rundtour erst zum Kulturhaus und dem Zufluchtsraum in seiner Nähe, dann zu der Kapelle und Kirche, die das Stadtbild prägen.

Die Eisbärenstadt

Die Eisbärenstadt

In die Kapelle kommen wir nicht hinein, aber die Kirche hat offen. Der Blick hinein lohnt sich immer. Für das nahegelegene Grenzlandmuseum (Gjenreisningsmuseet for Finnmark og Nord-Troms) habe ich keine Zeit, da ich mal wieder in der Buchhandlung und dem Eisbärenclub vorbeischauen will. Da nächste Woche mal wieder Mammut Salg mit vielen Sonderangeboten ist, sind die meisten Bücher abgedeckt, sodass ich nichts hübsches finde. Aber der Eisbär im Eingang der Buchhandlung begrüßt mich trotzdem freundlich. Vielleicht schaffe ich es im April in das Museum.

Im Eisbärenclub wurde etwas umgeräumt, aber da es ziemlich voll ist, heißt es für mich zurück auf’s Schiff: Mittagessen und Vortrag vorbereiten. Heute bin ich wieder dran und darf Geschichten über die Sternbilder erzählen. Irgendwann habe ich das Buch dazu vielleicht auch endlich einmal druckfähig…

Der Nachmittag wäre eigentlich ideal für den Vortrag, da es sonst nicht viel zu tun gibt, aber wir haben den Termin diesmal nicht gekriegt. In Øksfjord halten wir auch nur eine Viertelstunde, was immerhin für ein paar schöne Fotos langt, anschließend geht es auch schon auf die Lopphavet. Auch diese offene Seestrecke ist außergewöhnlich ruhig – der immer noch recht bewölkte Himmel geht zumindest mit recht ruhiger See einher.

Øksfjord

Øksfjord

Um 16:30 führen Matrosen vor, wie man Knoten knüpft, während für mich der Endspurt beginnt: 17 Uhr ist mein Abschlussvortrag. Danach gibt Margit noch eine kurze Vorschau, und dann steht auch schon wieder das Abendessen an.

Der Abend klingt in der Bar aus – so langsam kommt man noch mit weiteren Gästen ins Gespräch. Das Tagesprogramm sieht keine Überbrückung für die Fahrt nach Tromsø vor, trotzdem wird ein Film über den Männerchor von Berlevåg gezeigt, auf norwegisch mit englischen Untertiteln. Und das Polarlicht? Als wir das letzte Mal rausgesehen haben, war bedeckt und kein Licht, sodass wir uns in der Bar festgeschwätzt hatten.

Lite, lite lys über Tromsø

Lite, lite lys über Tromsø

Kurz vor Tromsø kamen dann einige Passagiere rein und schwärmten davon, was das für ein tolles Polarlicht in der letzten halben Stunde gewesen war. Toll – es hat natürlich keiner für nötig gehalten, kurz reinzuschauen und an der Bar Bescheid zu sagen. Da das Polarlicht hinter dem Schiff war, hat der Kapitän das natürlich auch nicht gesehen (die Brücke ist vorne auf Deck 7, da hat er noch zwei Decks über sich und keine Sicht nach hinten), sodass es keine Durchsage gab. Und der Wetterbericht war für die Zeit nach Tromsø optimistischer, wobei das Wetter natürlich sehr unvorhersagbar ist. Für uns blieb daher nur noch das, was Dan auf meiner letzten Tromsø-Tour als lite, lite lys bezeichnet hat: Wenig, wenig Licht.

Domkirke bei Nacht

Domkirke bei Nacht

Im Hafen blitzt immer wieder es Polarlicht zwischen den Wolken durch, aber letztlich lohnt es sich nicht, darauf zu spekulieren. Stattdessen nutzen wir den Samstagabend in der großen Stadt zum Ausgehen: Die Stadt wird wieder von Studenten bevölkert, und es ist viel los auf Tromsøs Straßen. Im Rorbua am Hafen ist die Musik etwas laut, daher landen wir im Bahnhof, wo es nicht nur Guinness gibt, sondern die Musik auch leise genug für eine Unterhaltung ist.

Wieder auf dem Schiff wird noch etwas Polarlichtwache gehalten, aber es gibt bis kurz nach zwei Uhr weder größere Wolkenlücken noch sichtbares Polarlicht. Sehr, sehr schade.

Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Onkel Heinz serviert den Energiekaffee

Onkel Heinz serviert den Energiekaffee

Auf unserer Rückreise südwärts erwartet uns kurz vor Hammerfest wieder der lecker Energiekaffee. Der Himmel ist bedeckt und die Temperatur frisch, da ist das eine willkommene Abwechslung, sodass sich zahlreiche Passagiere um Tourguide Heinz und den Küchenchef drängen. Neben dem Energiekaffee gibt es auch noch frische Garnelen zum probieren; wer Krabben pulen will, kommt hier auf seine Kosten. Wenig später kommt auch schon der Grund für den Kaffee in Sicht: Die Insel Melkøya mit der Erdgasverflüssigungsanlage „Projekt Schneewittchen“. Vergleiche mit der BASF in Ludwigshafen kommen auf, wir sind nicht die einzigen aus Süddeutschland:-) Die Anlage wurde 2006 errichtet und soll noch bis etwa 2035 Flüssiggas produzieren. Heute liegt kein Schiff vor Anker, vielleicht weil Sonntag ist.

In Hammerfest, das langsam hinter der „Milchinsel“ („Melkøya“) auftaucht, haben jedenfalls die meisten Läden geschlossen. Die Stadt ist gut eingeschneit; den Zickzackweg probieren wir gar nicht erst, und auf „meiner Bank“ liegt diesmal auch zu viel Schnee, als dass ich mich darauf setzen wollte. Unsere kurze Tour führt am Friedhof und der kleinen Kapelle vorbei, die als einzige den Krieg überlebt hat. Neben der mächtigen Kirche von Hammerfest entsorgen zwei Bagger den Schnee im Meer, und wir sind pünktlich zum Glockengeläut am Kirchturm. Viel Zeit bleibt aber nicht, denn wir haben noch eine Termin im Eisbärenklub, Neumitglieder werben. Nur zu unserer Jahreshauptversammlung heute Abend um 18 Uhr können wir nicht bleiben, das Schiff legt bereits um 12:45 wieder ab.

Da keine Restaurants in Hammerfest offen haben (Pepes Pizza öffnet heute erst um 13 Uhr), holen wir am Mittagsbuffet das Frühstück nach, während der Captain stolz an Norwegens größtem Stein vorbeifährt: Die Insel Høja ist angeblich ein einziger großer Findling, der in der letzten Eiszeit durch einen Gletscher hierher kam. Unser örtlicher Geologe bezweifelt das, aber wir fahren zu dicht an Høya vorbei, um einen Überblick zu erhalten, aber doch nicht nah genug für Proben. Tante Google schlägt eher den 30m hohen Skipheller als größten Findling vor… Aber was soll’s: Das wird seit 30 Jahren so in der Schule gelehrt, also muss es stimmen, und eindrucksvoll ist der Felsen allemal.

Um 14:30 ist dann volles Programm: Im Panoramasalon auf Deck zeigt die Schiffsbesatzung, wie man richtige Knoten macht, gleichzeitig gibt es in einem Konferenzraum die Möglichkeit, gebeizten Lachs zuzubereiten. Einen Teil davon kann man am Ende der Reise mitnehmen, diese Aktivität kostet daher 250 NOK. Und um 15:00 haben wir im großen Konferenzraum unseren vierten Vortrag, einen Rundflug durch das Sonnensystem. Er fällt mit der Liegezeit in Øksfjord zusammen, sodass wir ruhige See haben und das Schneetreiben im Hafen durch die Fenster beobachten können. Rechtzeitig bevor wir raus aufs offene Meer fahren und die Lopphavet überqueren, ist der Vortrag somit beendet – aber so ruhig wie die See ist, hätten wir ihn auch während der Überfahrt halten können.

Mondhalo

Mondhalo

Das Abendessen fällt mit Skjervøy zusammen, wo wir auf der Hinfahrt das tolle Polarlicht erleben durften. Heute ist der Himmel zwar relativ klar, aber die Polarlichtaktivität ist gering – immerhin gibt es einen schönen Halo rund um den Halbmond, der (für mich) wesentlich interessanter ist als der Film über die Antarktisreisen, mit denen das Schiff die Zeit bis zum Mitternachtskonzert in Tromsø überbrückt. Auf der Novembertour hatten wir hier tolles Polarlicht, bis nach der Modenschau das Licht auf dem Heck angeschaltet wurde, um Stockfisch vorzuführen – diesmal wären wir am Bug ungestört, aber es gab weder Polarlicht noch Modenschau.

Als kleinen Unterhaltungspunkt gab es noch eine wieder sehr ruhige Schiffsbegegnung mit der nordgehenden Richard With, bevor Tromsø wieder in Sicht kam. Am Hafen warteten schon die Busse für das Mitternachtskonzert, aber die Stadt hat noch mehr zu bieten: Das Kneipenleben lohnt sich. Sogar auf dem Schiff scheint das Jägermeister-Symbol zu prangen – es gehört aber zum Tromsø Filmfest, das komplett an uns vorbei ging. Da der Rørbua-Pub direkt am Schiff keine Live-Musik hat, zieht eine kleine Gruppe von uns in die Innenstadt, und ich kriege endlich mein erstes Guiness auf der Reise.

Eine gute Stunde reicht für ein gemütliches Zusammensein, und wie sind sogar noch vor den Konzertgängern wieder an Bord. Mangels vielversprechender Polarlichtprognose ist halb zwei ein guter Zeitpunkt, um Feierabend zu machen.

Tag 5: Wieder mal in Tromsø (mit Nordlicht-Feuerwerk)

Ich bleibe dabei: Kein Frühstück für mich; Mittagessen gibt’s ja auch schon recht früh. Die Passage an der Trondenes-Kirche entgeht mir somit, und Finnsnes ebenso, macht aber nichts: Das Mittagessen wird zum Frühstück, und auf der Strecke nach Tromsø treibt es einige nach draußen auf das Umlaufdeck, sodass sich ein paar Gespräche ergeben. Die Whirlpools auf Deck 7 werden auch schon fleißig genutzt, nur was auf Deck 8 abgeht, entgeht mir irgendwie – das ist zu weit abseits; bislang übersehe ich das Deck tagsüber komplett. Und nachts ist es zu hell erleuchtet, um für die Nordlichtsuche interessant zu sein.

Kurz vor Tromsø: Der Mond über der Finnmarken

Kurz vor Tromsø: Der Mond über der Finnmarken

Es lohnt sich, die Reise an Deck zu verbringen, auch weil das Wetter noch schön ist: Nur ein paar Wolken stehen am Himmel, außerdem die schmale Mondsichel. Die Anfahrt auf Tromsø ist immer wieder toll: Rechts der rund 400 m hohe Storsteinen, dessen Seilbahn noch bis Februar oder März renoviert wird, daneben die Eismeerkathedrale, dann die Tromsøbrücke und natürlich Tromsø selbst. Da war ich ja erst letzte Woche, daher klappern wir nur kurz ein paar Highlights ab, um aktuelle Fotos zu haben, anschließend geht es in die Buchhandlung, meine Bestellung abholen, in Tromsø’s Greatest Gift Shop (der muss einfach sein) und ausnahmsweise sogar in die Domkirke: Die Türe steht offen und man kann sie besichtigen. Diesmal ist nicht einmal eine Veranstaltung, bei der Spenden gesammelt werden – letzte Woche konnten wir hier unser Kleingeld für die Flüchtlingshilfe spenden. Wenn Tromsø das Paris des Nordens ist, ist die Domkirke wohl Notre Dame. Die helle Inneneinrichtung des Holzbaus ist schön warm und beeindruckt mich immer wieder – so etwas gefällt mir noch mehr als ein überbordender Prachtbau.

Der Kapitän serviert Stockfisch.

Der Kapitän serviert Stockfisch.

Anschließend geht es in eine Pizzeria: Zwecks Polarlichtwache lassen wir das Abendessen ausfallen, die Prognose sah nicht so schlecht aus, auch wenn mittlerweile Wolken aufgezogen sind. Während des Abendessens gibt es statt klarem Himmel immer wieder Schneefall, die Prognose hat sich mittlerweile geändert. Wenn es heute mit Polarlicht klappt, dann vor Skjervøj – da erwarten wir etwa eine Stunde lang klaren Himmel, bevor es wieder zuzieht. Um 20 Uhr – zwischen den beiden Sitzungen des Abendessens – serviert Kapitän Einarsen Stockfisch auf Deck 8, während es draußen schneit. Dazu werden benötigt: Ein Stockfisch und eine Axt, um ihn kleinzuhauen. Stockfisch-Chips hatte ich letzte Woche schon probiert: Durchaus genießbar, aber es hat seinen Grund, dass er die Vorführung im Freien macht.

Zum Essen komme ich aber auch nicht: Da ist was helles an steuerbord. Die Kamera zeigt nur eine Wolke, aber das ist Motivation genug, um an den Bug zu gehen, wo Volker ausharrt. Die Probebilder zeigen: Da ist schon ein Grünschimmer, der in Fahrtrichtung zwischen den Wolken durchscheint. Es wird besser, ist aber noch nicht gut. Was tun?

Um halb neun entscheiden wir uns, das Schiff um eine Durchsage zu bitten. Das ist natürlich ideal, um sich die Crew zum Feind zu machen – direkt vor der zweiten Essenssitzung… Nachdem er sich die Lage angeschaut hat, macht Tourguide Heinz auch eine vorsichtige Durchsage (unsere Astro-Spezialisten meinen…), damit zumindest alle in Hab-Acht-Stellung gehen können.

Und ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, den wir vorhergesagt haben, verlassen wir Schnee und Wolken, der Himmel klart auf, und ein Stück vor Skjervøy liefert die Aurora eine hervorragende Show: Einfach nur Wow! Was als geisterhaftes Schimmern begann, wird zu mehreren Bögen und tanzt am Ende hell über den Himmel. Das Wetter ist freundlich, und auch über Skjervøy ist das Polarlicht perfekt zu sehen, trotz der Beleuchtung von Schiff und Stadt. Meine große Kamera läuft für Zeitrafferfilme mal wieder durch, während Volker mit seiner Kamera flexibel ist. Und meine kleine Panasonic schlägt sich auch wacker; ich will gar nicht wissen, wie viele Bilder an diesem Abend entstehen. Die Berge rundrum geben einen angenehmen Windschutz, sodass wir es auch am Bug aushalten können.

Nach Skjervøj verfolgen wir das Schauspiel noch etwa eine halbe Stunde, aber es wird diesiger und wir fahren in eine Wolkenbank hinein – Zeit, den erfolgreichen Abend an der Bar ausklingen zu lassen. Ab jetzt beginnt der entspannte Teil der Reise: Alle haben das Polarlicht gesehen, und der Erfolgsdruck ist weg.

Ein letzter Blick gegen 1 Uhr morgens zeigt immer noch grünen Himmel, aber ohne Strukturen – dafür wecken wir niemanden, nicht nach dieser Show.

Kurztrip nach Tromsø

Der Parkplatz ist DIE Antwort.

Der Parkplatz ist DIE Antwort.

Silvester in Tromsø – das ist nicht nur eine gute Idee, sondern war auch der Plan für den Jahreswechsel 2015/2016. Nachdem die Pläne auf der Sternwarte bekannt wurden und noch ein paar Anmeldungen hinterher kamen, waren wir schließlich 16 Leute, die nach einigen Umbuchungen durch SAS eine spannende Reiseroute vor sich hatten. Am 30.12. ging es über Frankfurt und Oslo nach Tromsø. 10:25 klingt eigentlich nach einer ganz angenehmen Abflugszeit, wenn man nicht schon zwei Stunden vorher am Flughafen sein müsste und eine längere Anfahrt hätte. Immerhin habe ich guten Parkplatz erwischt – die Nummer kann man sich wenigstens merken. Den ersten Flug führte die Lufthansa durch, daher wurde unser Gepäck in Oslo-Gardermoen auch nicht testweise durchgecheckt. Stattdessen mussten wir es am Gepäckband abholen, durch den Zoll tragen und ein Stock höher wieder aufgeben, anschließend noch mal durch die Security und ab zum Gate mit dem nächsten Flieger.

Tomsø Lufthavn

Tomsø Lufthavn

Soweit die Theorie, denn unser Zeitfenster betrug nur 50 Minuten. Gut die Hälfte von uns schaffte es, war rechtzeitig im Flieger und kurz nach 15:00 Uhr am Flughafen in Tromsø, um dann norwegisch-kreativ auszusteigen: Die Maschine am Heck verlassen, über das Rollfeld, die Treppe am vorderen Ende des Fliegers hoch, ins Flughafengebäude und wieder die Treppe runter zur Gepäckausgabe. Dann ab zu Europcar, die beiden Mietautos abholen, und mit den anderen zusammentelefonieren, die in Oslo zurückgeblieben und nun über ganz Nordnorwegen verstreut waren: Die meisten flogen über Bodø und zahlreiche kleine Flughäfen auf den Lofoten, zwei hatten die große Norwegen-Rundreise gewonnen und machten die südgehende Hurtigrute an einem Abend: Kirkenes, Vardø, Vadsø und weitere Luft- und Schiffshäfen, die ich nur von See aus kenne. Mit den Propeller-Maschinen von Widerøe kann man Norwegen auch schnell und gut kennenlernen; ich freue mich schon auf die Fotos dieser Expeditionstour. Einige kamen somit am späten Abend an, die letzten gegen halb eins – und was machen wir derweil?

Eine kurze Rast (der LKW gehört nicht zu uns).

Eine kurze Rast (der LKW gehört nicht zu uns).

Erst einmal im Hotel einchecken, Getränke für die anderen besorgen und um 19:00 Dan Steinbakk von ArticX treffen, schließlich war die Tour ja fest für diesen Abend geplant. Er machte seinem Ruf wieder alle Ehre, dass er das Polarlicht findet – und schließlich waren ein schöner Sonnensturm und gutes Wetter vorhergesagt. Aber auf die Prognosen ist da kein Verlass: Das Sturmgebiet über dem Atlantik (wegen dem sogar ein paar Bohrinseln evakuiert wurde) trieb Wolken zu uns, und statt Sonnensturm gab’s nur Schneesturm. Ein bisschen mehr Wind, und es hätte mich beim Aussteigen glatt weggeweht, zumindest ohne Spikes.

Litte, litte Lys...

Litte, litte Lys…

Die Suche nach klarem Himmel führte uns zwar nicht ganz bis nach Finnland, aber die Hälfte der Strecke unserer Tour vom letzten November machten wir doch – nur ging es durch mehr Schneetreiben. Irgendwann fanden wir dann ein Eckchen mit Wolkenlücke, schöner Kulisse und „litte, litte lys“ – ein bisschen Nordlicht schimmerte durch die Wolkenlücken. Die, die zum ersten Mal dabei waren, waren froh, etwas gesehen haben, die anderen weniger. Dan und ich waren uns einig, in Zukunft besser keine Prognosen mehr abzugeben… Auf der Rückfahrt gab es immerhin noch eine etwas bessere Wolkenlücke, und wir hielten in einer Parkbucht an, um noch etwas Grün zu erhaschen.

Hunting the Light

Hunting the Light

Aber ganz ehrlich: Die Aurora hätte sich ruhig etwas mehr Mühe geben können. Vielleicht hatte sie aber auch nur Mitleid mit dem Rest unserer Gruppe, von denen die ersten mittlerweile in Tromsø angekommen waren und nicht nur die wunderschönen Lofoten von oben gesehen hatten, sondern auch das erste Hurtigrutenschiff besichtigen konnten, das um Mitternacht im Hafen lag. Das war eindeutig die lohnendere Tour, auch wenn ich Dan immerhin einige Kneipentipps für Tromsø entlocken konnte. Irgendwie kenne ich in Norwegen mittlerweile mehr gute Kneipen als in Deutschland…

Die Beute der Nacht ergab immerhin einen kleinen Zeitraffer; zum Üben ganz nett.

Am nächsten Tag waren wir dann vollständig und hatten nur wenig Programm geplant. Daher galt es, die Ladenöffnungszeiten auszunutzen – über Silvester ist Norwegen weitestgehend geschlossen.

Also machten wir eine kurze Orientierungstour für alle, die zum ersten Mal hier waren, danach ging es zum Shoppen: Im Bokhuset Libris wartete eine Buchbestellung auf mich, anschließend wurden die Schuhgeschäfte und Tromsøs Greatest Gift Shop abgeklappert. Der nächste Termin war ein Besuch auf der Midnatsol, dann das Abendessen im Hotel und anschließend das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale – immer wieder schön, und ich kann es mir auf den nächsten Hurtigruten-Touren sparen:-) Der Besuch auf dem Storsteinen fiel flach: Es gibt zwar wohl einen Fußweg, aber Dan würde ihn nur ambitionierten Bergwanderern mit passender Ausrüstung empfehlen. Also ließen wir die Bauarbeiter da oben in Ruhe. Im Oktober dann wieder.

Nach dem Konzert ging es über die Brücke zurück zum Hotel, noch einmal die Trollfjord anschauen und anschließend etwas verfrüht auf das neue Jahr anstoßen – mit Sekt, aber nur in der Lobby vom Hotel, um keine 1500 NOK Strafe wegen Alkohol auf der Straße zu riskieren. Anschließend ab zum Kai, um wenig privates Feuerwerk zu bewundern, zusammen mit viel städtischem Feuerwerk. Respekt, dagegen ist das Heilbronner Feuerwerk nichts.

Und dann: Big Party und ausschlafen! Pustekuchen… Pünktlich um 10 Uhr am 1. Januar erwartete uns das Taxi zum Hundeschlittenfahren mit Arctic Adventure Tours.

Die Tour führte uns rund 1,5 Stunden quer durch die verschneite Insel Kveløya und war echte Arbeit: Aus Kirkenes kennt man die Hundeschlittentour von Hurtigruten ja so, dass man mit dem Schlitten kurz auf einen See gefahren wird, danach geht’s wieder zurück. Hier war Selberfahren angesagt: Immer zwei von uns auf einem Schlitten, und zwischendrin wird abgewechselt. Die Hunde kennen den Weg bzw. laufen dem Leitgespann hinterher (theoretisch zumindest – solange sie es nämlich nicht aus den Augen verlieren), und der Musher ist das siebte Teammitglied zu den Sechs Huskies und muss mitarbeiten: Am Berg anschieben bzw. abbremsen, wenn es bergab geht, damit man keinen überholt. Außerdem dafür sorgen, dass der Schlitten nicht umkippt, in einem Baum hängen bleibt oder in einem Loch verschwindet. Was soll ich sagen: Der siebte Husky war ’ne Niete. Bei jedem Team.

Spaß hat’s trotzdem gemacht. Zum Glück gab es auch Overalls und Stiefel, damit alle passend gekleidet waren. Und es war der Ausflug mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis: Die Knochen taten einem noch zwei Tage später weh. Also wurde der Nachmittag im Boblebad vom Hotel verbracht. So schee. Und nein, Bilder gibt’s keine. Zum Trost noch ein paar Impressionen von Tromsø und dem allnachmittaglichen Hurtigrutenschiff:

Um 19:00 stand dann wieder Polarlichtjagd mit Dan auf dem Programm: Diesmal war das Wetter besser, und es ging nur ein paar Kilometer weit. Angeblich war ja in der Nacht zuvor klasse Polarlicht zu sehen, aber über Tromsø waren Wolken. In dieser Nacht fanden wir einen schönen, windgeschützten Standort, hatten zum ersten Mal das versprochene Lagerfeuer (auf der ersten Tour gab’s zu viel Polarlicht, auf der Tour vorgestern zu viel Sturm) und einen sehr angenehmen Abend mit etwas Polarlicht, viel leckerer Spicy Soup (Geheimrezept), Karottenkuchen und interessanten Gesprächen. Dan ist ja so ziemlich der Einzige, der die Aurora auch hörbar macht, das Geprassel des Sonnenwinds ist durchaus interessant.

Leider wieder nicht die große Show, aber ein toller Abend.

Irgendwann ging’s dann wieder zurück in die superweichen Betten vom Hotel – groggy, k.o., tot. Wecken bitte nicht vor 13 Uhr…

Das rechts ist nicht die Sonne.

Das helle rechts am Horizont ist NICHT die Sonne.

Wobei das mit dem Aufstehen in der Polarnacht ja so eine Sache ist. Irgendwann wacht man auf, überlegt wie spät es ist (gefühlt kann’s nicht viel nach 6 Uhr sein, und dunkel ist’s auch noch), und dann schaut man auf die Uhr: Zwanzig nach Neun? Dann halt doch aufstehen. War auch eine weise Entscheidung: Die anderen wollten die Autoschlüssel, um das Science-Center zu besuchen. Bei mir stand wieder einkaufen auf dem Programm: Zur Tagesbeute gehörten endlich gescheite Schuhe (Warum gibt’s das in Deutschland eigentlich nicht? Ein paar solide Schuhe, die ihr Geld wert sind?) und – erstmals – Souvenirs aus dem Gift-Shop. Anschließend ein Besuch auf dem Schiff der Schiffe, der Nordkapp. Und dann wieder Boblebad, so schee. (Sagte ich das bereits?)

Und für den Abend stand erneut Nordlicht-Jagd auf dem Programm, diesmal auf eigene Faust. Der Himmel war bombenklar, die Polarlichtvorhersage so lala, und von 16 Leuten hatten nur noch zehn Interesse – Leute, wofür sind wir denn in Norwegen? Also ging’s mit zwei Autos westwärts. Der erste Halt war ein spiegelglatter, bitterkalter windiger Parkplatz, der jeden daran erinnerte, dass man die Spikes doch hätte einpacken sollen – gut, dass wenigstens die Autos Spikes haben. Klasse Himmel, kaum Polarlicht. Also noch ein Stück weiter fahren, an Dans VW-Bus vorbei (dann kann die Route schonmal nicht schlecht sein) zum nächsten Parkplatz (nicht schlecht, aber hohe Berge), und dann weiter bis zur Küste, in der Nähe von Skulsfjord. Tolle Kulisse, schönes Polarlicht: Hier bleiben wir! Und zwar fast vier Stunden lang. Zwischendrin holen wir noch ein paar der zurückgebliebenen nach, denn es lohnt sich echt.

Wer das nicht sehen will, ist selber schuld!

Das ist genau die Show, wegen der wir hier sind. Kurz nach 23 Uhr brechen wir dann zusammen, schließlich steigen morgen früh die ersten schon wieder in den Flieger. Auf der Rückfahrt halten wir noch kurz bei Dan und sind uns einig: AWESOME!

MS Lofoten

MS Lofoten

Zurückgekommen bleibt noch Zeit für einen Kaffee im Hotel, einen Besuch am Kai, wo die Lofoten liegt und ein Abschiedsfoto von Tromsø gemacht werden kann, und eine tolle Reise geht zu Ende.

Für den 3. Januar war eigentlich vorgesehen, dass wir alle zusammen zurück nach Frankfurt fliegen, aber dem hat SAS einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein paar von uns konnten wie geplant fliegen, andere wurden umgebucht und sollten von Tromsø nach Oslo und anschließend von Stockholm nach Frankfurt fliegen, mit angenehmen 5,5 Stunden zwischen den beiden Flügen – nur dummerweise sollte der Gatewechsel zu Fuß erfolgen, und schon der Zug braucht sechs Stunden von Oslo nach Stockholm… Letztlich durften wir noch eine Nacht in Oslo verbringen und hatten so genug Zeit, um noch einmal durch Tromsø zu schlendern. Manche Straße war eisglatt, aber nett war’s trotzdem. Sogar die Gullideckel sind hübscher als bei uns… Anschließend war noch genug Zeit für einen Besuch auf der Finnmarken. Auf dem Schiffchen steigen Volker und ich ja am Sonntag in Bergen zu, wieder Nordlicht und Sterne betreuen.

Blöd: Die Finnmarken hat zwar zwei Whirlpools, aber weder Guinness noch Pepsi Maxx oder Smirnoff Ice (Smirnoff Wodka mit Eis ist keine Alternative), und Free WiFi gibt’s genausowenig wie den Coffee Deal. Das kann ja eine Reise werden…

Immerhin war der Rückflug kein größeres Problem, auch wenn unser Flieger wegen schlechtem Wetter über Svalbard Verspätung hatte. Das Radisson Blu in Oslo hat zwar keinen Whirlpool, aber sehr bequeme Betten und gutes Essen, sodass am Montagmittag auch die letzten unserer Gruppe in Frankfurt landeten.

Und am Sonntag geht’s schon wieder nach Norwegen, auf die Hurtigrute:-)

Tag 8: Hammerfest und Feuerwerk vor Tromsø

Die Polarlys vor grandioser Kulisse.

Die Polarlys vor grandioser Kulisse.

Der 10. November begrüßte uns mit richtig schönem Wetter und einer Schiffsbegegnung: Um 8:30 treffen wir die Polarlys, die vor dem Gebirge eine Kurve fährt. Als ich ihr Anfang des Jahrs in dieser Gegend begegnete, hatte sie deutlich mehr gegen den Seegang zu kämpfen; heute bot sie einen fast idyllischen Anblick, als sie durch die See vor Hammerfest kurvte.

Die (zumindest für Tourismuszwecke) nördlichste Stadt der Welt ist der wichtigste Programmpunkt des Vormittags, und zuvor gibt es mit dem  Energiekaffee ein Highlight, auf das ich mich immer ganz besonders freue. Wenn wir die Flüssiggas-Anlage von Melkøya (Projekt Schneewittchen) passieren, wird ein Gebräu nach geheimem Hausrezept serviert. Manchmal gibt’s was überraschend genießbares in Richtung heißer Schokolade, manchmal eine Mischung aus vermutlich 50% Zucker und 50% Schweröl – die genaue Mischung wird nicht verraten. Diesmal war es eine Art Kaffee mit Chili und wahrscheinlich Koriander, die durchaus trinkbar war. Zumindest in der kleinen Portion, die serviert wurde. Mehr hätte es auch nicht unbedingt sein müssen…

Direkt hinter Melkøya taucht auch schon Hammerfest auf, und an steuerbord bietet der Himmel ein prächtiges Farbenspiel. Chic: Der Sikksakkveien (Zickzackweg) ist eisfrei, damit ist steht mein erstes Ziel schon einmal fest. In Januar und Februar habe ich es schließlich noch nie hoch auf den Berg geschafft.

Da wir etwas Verspätung haben (bei etwas rauerer See wird gerne langsamer gefahren, damit die Passagiere nicht so sehr durchgeschüttelt werden, oder es gibt Verspätung, weil mehr Ladung aufgenommen werden muss), haben wir nur etwa eineinhalb Stunden für die Stadt. Das langt aber locker, um Moni zu den klassischen Touri-Fotos mit den Eisbären vor dem Rathaus zu überreden, mein Standard-Foto auf der diesmal völlig schneefreien Bank vor dem blauen Pavillon aufzunehmen und dann den Zickzack-Weg auf den Aussichtsberg Salen zu erklimmen. Ein wenig Eis ist da, aber wir erreichen den Gipfel trotzdem fast zeitgleich mit den Ausflüglern, die die Bustour durch die Stadt gewählt haben. Von da oben hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und den Hafen. Die kleine Grabkapelle links vom Friedhof, der links an die auffällige neue Kirche anschließt, ist ebenfalls gut zu sehen – nur sie hat die Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg überlebt.

Auf dem Plateau gefällt mir vor allem die Wetterfahne mit dem Eisbär. Welcher Wetterhahn würde bei dem Klima auch freiwillig rausgehen… Der Abstieg ist wie erwartet anspruchsvoller als der Aufstieg, auch wenn es kaum glatte Stellen gibt. Auch mit Spikes ist das im Winter nur bedingt empfehlenswert. In Hammerfest trennen sich unsere Wege: Moni macht den Rundgang an den Kirchen vorbei, ich steuere erst die Buchhandlung an (kaum ist man ein paar Monate nicht da, räumen die schon wieder um) und anschließend den Eisbärenklub. Wenn man schon Mitglied ist:-) Der Einkaufsrabatt dort bringt mir mal wieder nichts (dafür lasse ich wieder Geld in der Buchhandlung – mal sehen, wann ich die Einkäufe alle lesen kann), aber er ist immer wieder einen Blick wert.

Nach Hammerfest hält Moni ihren zweiten Vortrag. Wir verpassen so zwar Øksfjord, aber dadurch ist es ruhig genug für eine Reise durch das Planetensystem. Acht Planeten in unter einer Stunde sind immer eine Herausforderung, aber es klappt. Bevor es auf der Lopphavet wieder offenes Meer gibt, sind wir fertig.

Den Rest Tages kann man unter anderem mit Shopping verbringen: Jürgen und ich bringen nicht nur Moni dazu, sich eine Hurtigruten/Helly-Hansen-Jacke zu kaufen, sondern auch noch zwei weitere Passagiere. Wir sollten da eine Provision aushandeln. Irgendwie ist man doch nicht geschäftstüchtig genug…

Da der Hafen von Skjervøy mit dem Abendessen zusammenfällt, sehen wir davon auch nicht viel. Vorher gab es schon ein paar Wolkenlücken mit Polarlicht, aber da klarer Himmel erst für später angesagt war, wollten wir eigentlich eine kleine Manöverkritik zu unseren Vorträgen durchführen. Aber Pustekuchen: Es ist jetzt schon klar, und so verbringen wir den Rest des Abends größtenteils hinten auf Deck 7. Und es lohnt sich: Was für eine Show! Das Polarlicht gibt sich nach einer ruhigeren Startphase richtig Mühe, so eine gute Show hatte ich erst einmal auf dem Schiff. Die Gegend kurz vor Tromsø geht eigentlich immer, das stimmt wirklich. Zum Glück sagt mir einer unserer Gäste Bescheid, als meine Kamera die ersten 1000 Bilder aufgenommen hat und mit dem Intervallprogramm am Ende war – danke nochmal! Nachdem ich die zweite Serie gestartet habe, geht das Feuerwerk richtig los. Einfach nur klasse.

Bis kurz vor Tromsø spielt sich eine Wahnsinnsshow am Himmel an, während im Panoramasalon eine Modenshow abläuft – schließlich steht heute auch das Mitternachtskonzert an, und die Leute wollen wachgehalten werden. Als die Crew dann auf dem Achterdeck die Festbeleuchtung anschaltet, um Stockfisch live zuzubereiten, ist die Stimmung mal kurz richtig schlecht: Wer bei dieser Show das Licht einschaltet, riskiert es, kielgeholt zu werden. Man kann Stockfisch ja auch in genießbaren Zustand versetzen, indem man eine Woche auf ihn einprügelt – oder mit ihm auf jemanden einprügelt. Viel hätte dafür nicht gefehlt, aber die meisten verziehen sich dann doch friedlich auf das dunklere Umlaufdeck, um den Rest der Show zu beobachten. So etwa eine Stunde vor Tromsø geht das Spektakel dann zu Ende und wird passend mit Nordlys-Bier gefeiert. (Hurtigruten gibt ja Nordlicht-Garantie – ich frage mich ob sie sich auf dieses Bier beziehen? Wenn Guinness schon alle ist…)

Das Mitternachtskonzert nehme ich auch diesmal wieder nicht mit. Ich lasse meinen Rechner die Nacht über durchlaufen und verschwinde recht bald im Bett, irgendwie waren die letzten Tage anstrengend. Bis zum nächsten Tag hat er die 2500 Aufnahmen auch bearbeitet und zu Zeitrafferfilmen verarbeitet. Es hat sich gelohnt, die Kamera immer nach achtern zu richten, ansonsten hätte ich nun viele überbelichtete Fotos. Und die kleine Panasonic als Zweitkamera hat sich auch bewährt.

Tag 5: Tromsø

Finnsnes, rechts im Hintergrund die Gisund-Brücke.

Finnsnes, rechts im Hintergrund die Gisund-Brücke.

Dinge, die ich regelmäßig verpasse, Teil 2: Harstad am Morgen. Die Trondenes-Kirche kenne ich daher nur von Land, von der Vesterålen-Rundfahrt, daher aber sogar von innen – mit dem Schiff fahren wir ja zum Glück nur an ihr vorbei. Der erste Hafen, den ich wach mitkriege, ist immer Finnsnes. Ein hübscher kleiner Ort mit einer großen Brücke, unter der unser Schiffchen aber noch gut hindurch passt. Zu den Dingen, die mich in Norwegen immer faszinieren, gehören die Veränderungen in der Sprache. Vor 100 Jahren waren Schreibweisen wie Finsnes statt Finnsnes und Aalesund statt Ålesund noch üblich. Im Schiffsshop und im Hurtigrutenmuseum gibt es ein paar gute Bücher zur Geschichte des Coastal Express, die auch Bilder der alten Häfen zeigen.

Die Route von Finnsnes nordwärts ist wunderschön und führt an puderbezuckerten Bergen vorbei, auch das Wetter spielt mit. So gehört sich Norwegen.

Das Highlight des Tages ist natürlich Tromsø, das „Paris des Nordens“. Spätestens seit dem Briefing gestern Abend ist es offiziell, dass die Schlittenhundetour nicht stattfindet: Zu wenig Schnee. Das war ja auch Ende letzten Novembers schon das Problem, als ich für ein paar Tage zum Polarlichtgucken hier oben war und die Stadt ganz gut kennen lernte.

Es ist gut, dass die Tour abgesagt wird – eine Schlittenhundetour durch den Matsch macht auch keinen Spaß. Der Vorschlag für die Alternativtour 5x: Gassi mit Husky wird auch nicht umgesetzt… Für mich stand aber ohnehin ein straffes Alternativprogramm an: Erst in das Hotel, das für Silvester gebucht ist (Parkplätze und heißes Wasser reservieren), dann in die Buchhandlungen zu Souvenirs kaufen (Nemi-Comics – kein schlechter Einstieg, um die Sprache zu lernen), anschließend zur Touri-Info, dann ins Nestrada-Einkaufszentrum (diesmal erfolglos) und zwischendrin immer wieder die Beute auf’s Schiff bringen.

Der FahrtkartenkonTroll. Gefährlich!

Der FahrtkartenkonTroll. Gefährlich!

Für Fotografie bleibt auch genügend Zeit. Da die Fjellheisen-Seilbahn auf den Storsteinen hinauf zurzeit geschlossen ist und erst im Frühjahr irgendwann wieder öffnet, war genug Zeit für alles. Es lohnt sich immer, auf die kleinen Details zu achten. Am Bus nach Alta warnt ein Aushang: Pass deg for billetkontroll – Hüte dich vor dem Fahrkartenkon-Troll. Sehr nett.

Ein anderer Punkt, der in Tromsø auch langsam zur Tradition wird: Essen gehen. Da das Wetter ganz brauchbar war, ließ ich das Abendessen auf dem Schiff mal wieder ausfallen und stattete der Pastafabrikken einen Besuch ab. Die 14-Euro-Pizza geht schnell und ist okay, außerdem ist die Pastafabrikken nur wenige Minuten vom Schiff entfernt. Yonas Pizzeria wäre noch näher (sie ist in einem der roten Gebäude, die auf der Webcam vom Schiff immer zu sehen sind), aber da dauert es etwas länger – bessere Lage, mehr Kundschaft. Die Pastafabrikken ist etwa mit unserem Vapiano vergleichbar.

Im Hafen waren schon die ersten schwachen Lichter über dem Schiff zu sehen, daher hielt ich wieder Polarlichtwache. Die Weihnachtsbeleuchtung wurde übrigens schon wieder abgebaut. Ich hoffe mal, nicht wegen mir… Trotzdem konnte ich unsere Leute in aller Ruhe essen lassen, diesmal musste ich keinen Streit mit dem Restaurantchef riskieren. Und im Lauf des Abends konnte die Aurora sich gegen die Wolken durchsetzen: Es war nicht die ganz große Show, aber sie tanzte für uns, und mittlerweile glauben mir auch immer mehr, dass sie wirklich grün ist. Also ab mit der Nikon an die Reling und auf Intervallaufnahme gestellt.

Die Farben waren natürlich nicht so intensiv wie auf diesen Bildern mit fünf Sekunden Belichtungszeit, aber es war schon eindrucksvoller als in den letzten Tagen – langsam wird’s, und mit den Kameras gab’s auch keine Probleme mehr. Ebenso schön: Ich bin ja jetzt mit zwei Kameras unterwegs, und die kleine Panasonic LX-100 schlägt sich sehr wacker – die nächsten Bilder entstanden mit der „Kompaktknipse“:

Das war doch schon mal ein schöner Tagesabschluss.

Einen Lacher gab es noch gegen 21:00: Durch den verschobenen Fahrplan begegneten wir der MS Lofoten auf See. Wie üblich begrüßten beide Schiffe sich mit dem Typhon. Als die Quäke der Lofoten auf das satte Tröööt der Nordkapp antwortete, ging bei uns an Deck das Gelächter los.

Tag 5 – Tromsø geht immer

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Der fünfte Reisetag beginnt mit einigen Häfen in der Nacht, die ich nach der Polarlichtaktivität der letzten Nacht erst einmal ignoriere. Der Sonnenaufgang verspricht zumindest für Ausflüge einen schönen Tag: Es ist heiter bis wolkig und nicht besonders kalt.

Zur Einstimmung auf den heutigen Tag gibt es diesmal einen kurzen Film über Tromsø, der die Entwicklung der Stadt beschreibt. Die deutsche Version um 10:20 liegt günstig und ist gut besucht.

Unser erster Termin ist Finnsnes, wo zur Abfahrt um 11:45 alle zum Gruppenfoto antreten durften. Im Hintergrund gibt es zwar keinen strahlend-blauen Himmel, aber immerhin die Insel Senja samt Brücke. Immer wieder eine schöne Kulisse und eine angenehme Einstimmung auf die Fahrt nach Tromsø.

Senja

Senja

Da am Sonntag die Läden in Tromsø geschlossen sind, fuhren Sabine, Volker und ich zusammen mit zwei jüngeren Gästen zur Fjellheisen-Bahn auf den Storsteinen. Zumindest war das der Plan – die Seilbahn fährt alle halbe Stunde, und mit dem Bus hätte es gerade so nicht gelangt, daher stiegen wir in zwei Taxis ein. Das erste fuhr auch zur Seilbahn (mit Navi…), dem zweiten Taxifahrer, zu dem ich mit dem Pärchen eingestiegen waren, konnte ich nach etwas Mühe auch klarmachen, wo wir hinwollten. Dann durften wir wieder aussteigen, weil er einen lukrativeren Auftrag erhalten hatte. Immerhin: Nach ein paar Minuten kam das nächste Taxi, und 150 Kronen ärmer erreichten wir dann auch den Fjellheisen, just in time – und wegen des großen Andrangs fuhr die Bahn auch zweimal.

Hatte ich schon erwähnt, dass der Tag etwas windig war? Auf den letzten Metern vor dem Ziel merkten wir das dann auch: Der Wind blies schöne Schneefahnen vom Berg, und die Gondel schlug sanft gegen die Holzverkleidungen der Bergstation. Auf dem Plateau war es gelinde gesagt unangenehm – ein eisiger Wind und tiefer, lockerer Schnee, bei dem nicht einmal Stiefel etwas nutzen. Wenn ich es mal schaffe, die Videos vom Handy runterzukriegen, kann ich die Schneeverwehungen sogar im bewegten Bild zeigen – die Fotos geben nur einen vagen Eindruck davon.

Auch wenn es letztes Jahr deutlich angenehmer war: Der Sonnenuntergang war es wieder wert, sich durch den Schneesturm zu kämpfen. Auf einen verlängerten Aufenthalt hatte trotzdem keiner Lust, und mit der Gondel ging es dann wieder nach unten, wo die heimtückische Eisplatte vor der Talstation auf Opfer wartete. Nach einer kurzen Sightseeingtour (Eismeerkathedrale, Domkirke und Tromsøs größter Souvenirshop, der trotz Sonntag sogar offen hatte) waren wir wieder am Schiff. Die eineinhalb Stunden bis zum Ablegen wurden gut genutzt: Da die Wettervorsage gut war und wir Polarlicht erwarteten (nicht viel, aber doch brauchbar), nutzen wir die Chance zum Abendessen in der Pastafabrikken. Yonas‘ Pizzeria direkt am Kai hatte zu lange Wartezeiten, und die Pizza war eine willkommene Abwechslung zum Schiffsbuffet.

Um 18:30 wurde zum Abendessen gerufen, etwa um 19:00 Uhr ging die Lightshow los, und gegen 20:00 Uhr riefen wir dann unsere Leute an Bord. Die Show war deutlich besser als erwartet, und in einem heroischen Akt wiederstand ich der Versuchung, mit der Kamera das Licht zu jagen, und ließ sie fast bis Mitternacht am selben Eck an der Reling. Das Ergebnis waren fast 1000 Fotos, die einen schönen Zeitrafferfilm der Aurora ergeben. Die Stockfischpräsentation von Johann, die für das Außendeck geplant war, fand zum Glück in der Bar statt. Er hatte wohl mitgekriegt, wie wenig beistert alle von der Idee waren, die Außenbeleuchtung anzuschalten, und dass auf dem Wikingerfest gestern erwähnt wurde, dass man einen guten Stockfisch auch als Prügel einsetzen kann… Der Aufenthalt in Skjervoy (22:30-22:45) sorgte dann doch für eine Unterbrechung: Im Hafen ging die Beleuchtung von Sonnendeck und Schornstein natürlich wieder an.

Im Hafen und nach der Abfahrt waren trotz der Schiffsbeleuchtung noch Polarlichter zu sehen, und irgendwann wurde sie auch wieder abgeschaltet: Wow. Von einem Moment auf den anderen war es dunkel, und das Polarlicht flammte auf, über den gesamten Himmel. Jetzt konnte jeder sehen, dass es wirklich Grün gibt, und die Aurora legte einen schönen Tanz über den Himmel hin – eher ein langsamer Walzer als Rock’n’Roll, aber sehr eindrucksvoll. Trotzdem gab es Gäste, die das trotz Durchsage verpassten, weil es zu spät war… Aber wer Polarlichter sehen will, muss immer wieder rausgehen. Auch wenn Bar und Bett noch so angenehm sind.

Was für eine Show!

Tag 5 – Tromsø (ohne (erwähnenswertes) Polarlicht)

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Okay, zugegeben: Ich sage ja selbst auch immer wieder, dass die Hurtigrutenschiffe Fähren sind und keine Kreuzfahrtschiffe, obwohl natürlich schon einiges an Luxus da ist. Das Essen ist klasse und mehr als reichlich, die Kabinen haben alle Steckdosen, Dusche und WC (wobei ich mir bei der Lofoten nicht so sicher bin), und man kann es sehr gut darauf aushalten. Leider hatte ich es auf der letzten Fahrt nicht in den Whirlpool am windgeschützten Heck auf der Nordkapp zu steigen, aber von dort die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen muss klasse sein.

Und jetzt ist er weg. Wo einst die beiden Pools waren, ist jetzt neu geplättelt und leerer Raum. Nur die Duschkabine gibt’s noch, und Bademäntel im Shop. Hallo Hurtigruten, falls ihr das lest: Mein Gummientchen und ich hätten gerne den Whirlpool wieder. Das geht doch nicht, dass es den nur auf Midnatsol, Trollfjord und Finnmarken gibt:-(

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

Nun ja, widmen wir uns weniger ernsten Themen. Heute wurde die Polarkreistaufe nachgeholt. King Neptune war diesmal deutlich freundlicher als beim letzten Mal, hat niemanden angepöbelt und kam sogar freiwillig. Letztes Mal mussten wir ihn herbeirufen – dafür hatten damals auch mehr Leute die Polarkreistaufe mitgemacht. Diesmal kamen so Kommentare wie „zu kalt“, dabei war der Temperaturunterschied zwischen Eis und Luft viel kleiner als im Februar 2014…

Leider wird das Wetter immer schlechter, und Wolken ziehen auf. Bei Finnsnes war es heiter bis wolkig, aber nicht mehr so perfekt wie in den letzten Tagen, als wir noch deutlich unterhalb des Polarlichtovals waren. Die Fahrten unter einer Brücke hindurch sind immer wieder spannend, oft ist der Abstand zwischen Brücke und Schornstein wirklich gering. Das Foto kann das nur ungenügend wiedergeben… Die Brücken sorgen übrigens auch dafür, dass die großen Kreuzfahrtschiffe bei vielen Fjorden draußen bleiben müssen, und geben gleichzeitig die maximale Höhe der Hurtigrutenschiffe vor.

Die 1,5km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Die 1,5 km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Nach Finnsnes ging es weiter nach Tromsø. Das kenne ich ja mittlerweile, daher konnte ich mir das Tourismusprogramm sparen. Für den Storsteinen war es auch etwas dunkel (die Sonne lässt sich erst seit ein paar Tagen wieder in Tromsø blicken, und durch die Wolkendecke ist es etwas finsterer als im letzten Februar), daher steuerte ich meine üblichen Ziele an: Die örtlichen Buchhandlungen. Und wieder einmal bin ich fündig geworden und nun stolzer Besitzer der Eventyr von Asbjørnsen und Moe. Das ist wohl das Standard-Werk über die norwegischen Sagen und Märchen, so wie bei uns die Brüder Grimm. Jetzt muss ich das nur noch lesen können, ist natürlich ein etwas dickeres Hardcover-Buch auf Norwegisch. Man braucht ja Herausforderungen. (Ich weiß noch nicht, wie ich das im Gepäck unterbringe…)

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Als Einkaufsstadt ist Tromsø gar nicht schlecht – vielleicht sollte ich nächstes Mal doch wieder einen Ausflug machen, die Hundeschlittentour könnte billiger sein als ein Ausflug in das Nerstranda Senter. Aber auch die nehmen gerne Kreditkarten.

Der Satz „Tromsø geht immer“ in Sachen Polarlicht hat diesmal leider nicht gestimmt. Es gab wohl gegen 19:00 Polarlicht, wie die Kollegen von der Midnatsol aus der Barentssee berichtet haben, aber einerseits gab’s da bei uns Essen, und andererseits war es bedeckt. Nachmittags konnte der Mond noch durch die Wolken schimmern, abends ging erst nichts mehr, und dann war klar, aber ohne nennenswertes Polarlicht. Halt nur noch „Kameragrün“ und nichts, was einen zum Aufbleiben überreden könnte.

Aber was soll’s: So konnte man in Ruhe mit den Gästen plauschen. Am nächsten Morgen war ja schon wieder volles Programm: Das Treffen mit der Midnatsol stand an (touristisch vollkommen wertlos, da lang vor Sonnenaufgang, aber wenn man schon die Kollegen auf dem Schiff hat) und natürlich Honningsvåg und das Nordkapp.