Tag 9: Harstad, Stokmarknes und Svolvær

Die Noorderlicht

Die Noorderlicht in Harstad

Die Vesterålenrundfahrt gehört zu den Ausflügen, die ich in der Regel meide – wenn es Abends wieder einmal spät wird, ist der frühe Tourbeginn übel. Bereits um 9:15 geht die Busfahrt los; und Tromsø hat neben dem Mitternachtskonzert auch schöne Kneipen zu bieten. Da ich das Mitternachtskonzert schon zu Silvester gesehen hatte und der Nieselregen mich gestern Abend doch auf dem Schiff hielt, schaffe ich es heute früh entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch, kurz vor der Einfahrt nach Harstad wach zu sein. Die Bustour mache ich trotzdem nicht mit, aber ich sehe den Hafen einmal, sogar bei Tageslicht.

Die Trondenes-Kirche

Die Trondenes-Kirche

Direkt vor uns liegt die Nordlys; für einen Besuch ist die Zeit aber zu knapp – schade. Ebenfalls im Hafen liegt die hübsche Noorderlicht, die ich bereits im Februar in Finnsnes gesehen hatte. Was mich eigentlich aus den Federn getrieben hat, ist die Kirche von Trondenes. Die älteste Steinkirche Norwegens liegt ein Stück außerhalb der Stadt und ist mangels Kirchturm kaum als solche zu erkennen – er steht ein Stück abseits, da der Troll, der die Kirche einst errichtete, sie nicht mehr vollenden konnte.

Nach der Fotosession steht erst einmal Frühstück an, um dann die Fahrt durch die Risøyrinne zu genießen. Sie ist nur wenig tiefer als unser Schiff, sodass der Kapitän sich strikt an die Markierungen halten muss. Neben den Kormoranen besiedeln jetzt auch zahlreiche Möwen und andere Vögel die Strecke.

Der Königsstein in Risøyhamn

Der Königsstein in Risøyhamn

In Risøyhamn steht für Thomas und mich ein kurzer Spurt zum Königsstein an. Beim Verlassen des Schiffs heißt es: Drei Minuten – aber das langt, die eigentliche Liegezeit beträgt ja 15 Minuten, und der Weg ist nicht so weit. Wir schaffen das. Der Stein wurde von den Königen Håkon und Olav anlässlich der Eröffnug der Risøyrinne unterzeichnet und ist wohl das touristische Highlight des Ortes, zumindest für Reisende auf der Hurtigrute. Für die benachbarte Galerie bleibt gewiss keine Zeit… Also hin und wieder zurück, mit ein paar Fotos mehr in der Kamera. Diese Exkursion ist deutlich entspannter als der Besuch beim Hexendenkmal in Vardø…

Hallo, Ausflügler!

Hallo, Ausflügler!

Die Reise geht weiter nach Sortland. Kari hat einige Leute zusammengetrommelt, damit wir den Ausflugsbussen zuwinken können, wenn sie die Brücke zeitgleich mit uns passieren – immer wieder ein netter Spaß. Sortland selbst fällt natürlich mit dem Mittagessen zusammen; die blaue Stadt sehe ich auch mit dem Frühjahrsfahrplan immer nur vom Schiff aus.

Der nächste Halt ist Stokmarknes mit dem Hurtigrutenmuseum. Bei einer Stunde Aufenthalt kann man entweder in das Museum mit der alten Finnmarken gehen, sich das Städtchen anschauen oder einen Ausflug in den Coop machen, um Souvenirs wie Moltebeerenmarmelade oder Schokolade zu kaufen.

Im Raftsund

Im Raftsund

Eine halbe Stunde nach Stokmarknes geht es auch schon in den Raftsund. Nordgehend hatten wir hier Polarlicht, jetzt tiefhängende Wolken. Der Eindruck: Mit dem Schiff durch die Alpen. Die hohen Felswände sind zum Greifen nah, faszinierend. Irgendwann fängt dann das Rätselraten an: Wo startet eigentlich die Seeadler-Safari? Wir legen zu Beginn dieser Exkursion doch an gar keine Hafen an?

Mitten im Raftsund geht dann ein relativ kleines blaues Boot längsseits und legt an der Steuerbordseite der Trollfjord an – nur die Ballons an der Seite verhindern eine Kollision. Eine Gangway wird ausgelegt, und die Teilnehmer der Safari klettern an Bord. Also so läuft das hier…

Der Trollfjord

Der Trollfjord

Die Vogelfreunde nehmen wir erst in Svolvær im Hafen wieder an Bord, für uns geht die Reise weiter Richtung Trollfjord. Wegen Lawinengefahr ist er immer noch gesperrt (auch die Seeadler-Tour darf nicht hinein), aber vorne am Bug herrscht andächtiges Schweigen, als wir uns langsam der engen Mündung nähern. Die umliegenden Gipfel sind in Wolken verhüllt – es gehört nicht viel Fantasie dazu, um im Nebel Trolle und andere Wesen zu vermuten.

Schließlich drehen wir ab, und das viel zu frühe Abendessen wartet auf uns: In Svolvær stehen immer wieder Ausflüge an, auch wenn die Angeltour mangels Teilnehmern abgesagt wurde. Mittlerweile geht auch ein ekelhafter Schneeregen herunter… Zwei Stunden reichen aus, um sich das Städtchen und jede Menge Stockfisch anzuschauen, oder im Anker beim Scandic-Hotel zu versumpfen. Die Kneipe ist urig, wobei sie im Winter noch besser wirkt, wenn draußen keine Spuren der Moderne zu sehen sind.

Svolvær

Svolvær

Da wir noch bei Tageslicht hier sind, sind auch die Berge im Hintergrund gut zu sehen, mit der Svolværgeita – zwei 1,8m auseinander stehende Bergspitzen, die wie Hörner aussehen. Bei der Abfahrt ist es wieder trocken, und in der Bar ist viel los: Einige Musiker aus Tromsø geben ein kleines Konzert. Kaum tut sich was, ist die Bar gefüllt. Das ist ganz was anderes als die Konservenmusik, die ansonsten den Raum erfüllt – sehr schön. So kann man den Tag ausklingen lassen.

Tag 9: Vesterålen und Lofoten

Die Risøyrenna

Die Risøyrenna

Eigentlich wäre es schön, einmal die Trondenes-Kirche in Harstad vom Schiff aus zu fotografieren. Aber morgens um acht ist das Licht im Februar noch nicht so schön, und am Tag nach Tromsø ist die Nacht ohnehin viel zu kurz, und Frühstück wird auch überbewertet… Langer Rede kurzer Sinn: Während die Teilnehmer der Vesterålen-Bustour pünktlich von Bord gehen, bekomme ich von Harstad nicht viel mit. Mein erstes Fotomotiv ist die Risøyrinne mit ihren unzähligen Kormoranen um kurz nach zehn. Die 4,5 km lange Fahrtrinne ist eigentlich unspektakulär, die Landschaft rund herum macht mehr her – von der Rinne sieht man nun einmal nur die Markierungen; dass sie nur sieben Meter tief ist, ist von oben nicht zu erkennen. Die Trollfjord hat 5,1 Meter Tiefgang; damit die neuen Schiffe (Trollfjord, Midnatsol, Finnmarken) auch bei Ebbe in die Risøyrenna passt, musste sie extra ausgebaggert werden.

Risøyhamn

Risøyhamn; rechts ist die Treppe zum Königsstein im Schnee zu erkennen.

In Risøyhamn wollte ich eigentlich kurz zum Königsstein spurten, aber als mir einfiel, dass das dieser Hafen ist, legen wir fast schon wieder ab. So bleibt es bei einem Bild mit dem Teleobjektiv vom Schiff aus.

Der nächste Halt ist dann Sortland. Wie immer werden wir unter der Brücke hindurch fahren, während die Busse mit den Ausflüglern auf der Brücke entlang fahren, aber es bleibt noch genug Zeit für das Mittagessen. Während wir anschließend in der Reiseleiterecke bei der Sprechstunde sitzen, kommt die Durchsage, dass wir jetzt unter der Brücke durchfahren.

Die Ausflugsbusse

Die Ausflugsbusse

Sehr hilfreich; für mehr als ein Handy-Bild durch die Scheibe langt es bei dieser kurzen Vorwarnzeit nicht. Da gab es schon deutlich mehr Action an Bord, wenn den Bussen mit Norwegerfahnen und Bettlaken zugewunken wird – auf dieser Fahrt bleibt das Event eher eine Randnotiz.

In Sortland mache ich nur ein paar Fotos, ohne vom Schiff zu gehen – die Reiseleiterecke wird doch ganz gut frequentiert. Anschließend wird noch etwas gearbeitet, schließlich schreibt das Blog sich auch nicht von selbst. Aber wer kann auf dieser Reise schon ständig am Laptop sitzen – irgendwann kommt die Sonne zwischen den Wolken hervor und lockt alle Fotografen ins Freie.

Endlich Sonne!

Endlich Sonne!

Bis Stokmarknes wird das Wetter immer besser, und es lohnt sich nicht, noch einmal die Kabine zu gehen. Stokmarknes war die Heimat von Richard With, dem Gründer der Hurtigrute, und beherbergt heute das Hurtigrutenmuseum. Mit der aktuellen Hurtigrutenreederei hat es aber nichts zu tun, und seit dem letzten Eigentümerwechsel von Hurtigruten ASA kostet das Museum auch für die Rundreisepassagiere immer wieder mal Eintritt. Seit 1. Januar wird es wieder einmal mit 50 NOK Eintritt versucht, daher gehen die meisten Gäste auch nicht in das Museum und auf die alte Finnmarken, sondern in den überschaubaren Ort. Bis wir von Bord kommen, ist es auch schon wieder 14:30, sodass nur eine Dreiviertelstunde bleibt.

Vor der Finnmarken steht an Land übrigens ein unauffälliger weißer Container, in dem der Salon der ersten Finnmarken eingelagert ist – das Hinweisschild, das einst über den Inhalt aufklärte, ist auch schon längst verschwunden. Die Finnmarken selbst ist der Witterung ziemlich schutzlos ausgeliefert, aber ein Schutzbau ist in Planung. Vielleicht klappt es einmal.

Mein Ziel ist diesmal die große Brücke, um von dort einmal einen Blick auf Stokmarknes und die alte Finnmarken zu werfen. Die Zeit langt gerade so für einen Fotostopp auf der Brücke, dann muss es auch schon wieder zurück zum Schiff gehen.

Fischfilettieren

Fischfilettieren

Kurz nach der Abfahrt aus Stokmarknes wird auf Deck 9 Fisch filettiert, aber die grandiose Landschaft ist faszinierender: Die Sonne liefert ein unglaubliches Farbenspiel ab. Jetzt haben wir das Wetter, das man sich in Norwegen erwartet. Die Reise führt in nur wenige Metern Entfernung an hohen Felsen vorbei, durch den Raftsund und bis zum Trollfjord, den wir gegen 17 Uhr erreichen. Von dem perfekten Licht, mit dem über die Bordsprechanlage alle nach draußen gelockt werden, merke ich zwar nicht viel, aber die Stimmung ist dennoch faszinierend. Etwas nerviger ist der Hinweis, dass man doch bitte an Deck gehen, den Trollfjord anschauen und etwas zu trinken kaufen soll. Wenn der Hinweis weniger aufdringlich wäre, hätte man vielleicht sogar Lust auf einen Sekt…

Aber egal: Bei der Dämmerungsstimmung fasziniert der Trollfjord auch ohne Alkohol, und man will eigentlich gar nicht zum Abendessen gehen, das heute auch schon um 17:30 beginnt (zumindest für die erste Sitzung) – aber so bleibt mehr Zeit für Svolvær, das wir gegen 18:30 erreichen.

Svolvær bietet Schnee statt Polarlicht, und da Sonntag ist, haben die Galerien auch geschlossen. Wir nutzen die Zeit für einen Abstecher in den Anker, eine von mehreren netten Kneipen in dem Städtchen, gefolgt von einem kleinen Stadtrundgang.

Pünktlich um 20:30 müssen wir wieder auf dem Schiff sein: Margit hält einen Vortrag über die historischen Postschiffe MS Lofoten und MS Nordstjernen, während ich gegen 20:45 der MS Nordkapp winken muss. Im Tagesprogramm fehlt diese Schiffsbegegnung (eigentlich eine Unverschämtheit, mein Schiffchen zu ignorieren), daher stehe ich fast alleine am Bug, während die beiden Schiffe einander hupend begrüßen und sogar ein kleines Konzert mit den Schiffstyphonen geben.

Stamsund

Stamsund

Der letzte Hafen des Tages ist Stamsund, wo wir nur einen halben Steinwurf von den Hafengebäuden entfernt anlegen. Da es mittlerweile stärker schneit, spricht aber alles für einen ruhige Abend – nach Polarlicht Ausschau zu halten ist bei Schneefall sinnfrei. Stattdessen kann man fast schon an das Packen denken – Trondheim ist nicht mehr fern.

Tag 4: Bodø

Ørnes

Ørnes

Der 13. Januar führt uns über den Polarkreis und nach Bodø. Von der Polarkreisüberquerung bekomme ich bis auf das Getute des Schiffshorns nichts mit. Keine Ahnung, wann wir das zwischen 6:30 und 8:00 geschafft hatten. Im Januar ist es um diese Uhrzeit aber ohnehin noch dunkel, sodass die Kugel auf der Insel nicht viel hergibt. Wenn ich mir das Tagesprogramm anschaue, wurde auch der Versuch aufgegeben, im Winter im Dunkeln Sekt zu diesem Ereignis anzubieten. Letzten Januar war außer der Crew auch praktisch niemand an Deck.

Ich führe stattdessen eine neue Tradition ein: Ich verschlafe das Frühstück, schließlich bin ich wegen dem Polarlicht hier – da ist die Zeit um Mitternacht am interessantesten. Prinzipiell hätte es sogar noch zum Frühstück gereicht, aber Ørnes ist ein netter kleiner Hafen, den ich immer gerne fotografiere: Hübsche Holzhäuser in einer Postkartenkulisse – der Anblick ist so typisch für Norwegen-Klischees, dass einem das keiner glaubt, der es nicht selbst gesehen hat.

King Neptune (Finnmarken-Version)

King Neptune (Finnmarken-Version)

Kurz darauf steht die Polarkreistaufe an: Eis für alle, aber nur in den Nacken. Zum Auftauen gibt es dann noch einen Grog oder ähnliches hinterher. Das ist immer ein Riesenspaß, diesmal windgeschützt an Deck 8 zwischen Panoramasalon und Schornstein. Wer will, kann sich zu Auftauen auch an die Lüftungsschlitze des Schornsteins stellen – ein praktisches Feature der Finnmarken. King Neptune verkündet den Gewinner des Polarkreiswettbewerbs (wer schätzt die Abfahrtszeit am genauesten?), erledigt seine kalte Pflicht und steht dann für Erinnerungsfotos zur Verfügung. Anschließend beginnt der Poststempel- und Polarkreisbriefmarkenverkauf. Die Hurtigrutenschiffe führen ja immer noch die Postflagge, auch wenn sie schon lange keine Briefe mehr transportieren, aber ein paar Privilegien sind noch erhalten. Dabei merkt man, dass die Finnmarken eher Kreuzfahrtschiff ist als die mittlere Schiffsgeneration: Wo auf der Nordkapp der Postmeister eher einsam Wache hielt, wird er hier fast überrannt.

Beim Mittagessen gibt es schon wieder Zeitdruck: Die 34 Häfen auf der Route wollen abgearbeitet werden, und in Bodø lohnt sich das Aussteigen. Zum Glück ist es nicht ganz so windig wie befürchtet, manchmal ist der Weg vom Hafen in die Stadt sehr unangenehm. Die Stadtverwaltung plant angeblich Wasserkanonen am Hafen, um die Schiffe zu begrüßen – wahrscheinlich wollen die, dass alle im Schiff bleiben, statt sich Bodø anzuschauen… Aber auch ohne Wasserspiele ist die Landschaft vor Bodø einfach grandios, und das Wetter spielt auch mit.

Bodø selbst braucht einige Zeit, um seinen Reiz zu entfalten: Im Krieg weitestgehend zerstört, dominiert moderne Architektur. Aber sie hat ihre schönen Stellen, die Norweger können auch moderne Architektur. Wir machen nur einen Kurzausflug: Das Restaurant auf dem Dach des Scandic-Hotels bietet leckere Heiße Schokolade und einen grandiosen Blick über die Stadt; ein Kellner schließt uns auch die Tür zu dem Rundgang auf.

Der Rückweg führt an der Gamle Salten („Alte Salten“) vorbei, die direkt am Hotel liegt und einst als Salten auf der Hurtigrute unterwegs war, sowie an Walfängern und dem Coop, einkaufen. Nur ein paar Meter vom Scandic Richtung Schiff liegt auch das Salmon Center mit Informationen zu Lachsfang und -verarbeitung – leider recht gut hinter Bauzäunen verborgen.

Ehrt die Kartoffel!

Ehrt die Kartoffel!

An Bord ist kaum Zeit zum Verschnaufen: Reiseleiter Heinz und der Chefkoch präsentieren um 14:30 – also noch im Hafen – drei der über 5000 Kartoffelarten und fordern auf, sie in Zukunft mit Respekt zu verzehren. Norwegen ist ja eh verrückt nach Kartoffeln, da passt es, dass es einmal Geschmacksproben verschiedener Sorten gibt.

Abfahrt ist um 15:00, eine halbe Stunde steht unser dritter Vortrag an. Wir legen die Vorträge nach Möglichkeit so, dass sie nicht mit Häfen oder Schiffsveranstaltungen kollidieren, aber das ist nicht immer ganz leicht. Die Termine auf Seestrecken werden so gewählt, dass es möglichst wenig Wellengang gibt – wobei wir auf dieser Fahrt wieder einen echten Ententeich haben, so ruhig war die Fahrt bislang selten.

Eine andere Tradition, die ich gerne pflege, ist das Lofotr Wikingerfest. Aber die Wetter- und Polarlichtvorhersage ist vielversprechend, daher lassen wir diese Veranstaltung diesmal ausfallen und besuche den Wikingerkönig hoffentlich im Februar auf der nächsten Tour. Stattdessen legen wir die Strecke zwischen Stamsund und Svolvær mit dem Schiff zurück und können über Svolvær tatsächlich einen schönen, wenn auch nicht zu intensiven Bogen von Polarlicht beobachten. Sehr chic und schon „echtes“ Polarlicht, aber noch nicht die große Show, auf die wir alle hoffen.

Nächstes Highlight, kurz vor dem Hafen von Svolvær: Schiffsbegegnung mit der Kong Harald. Wegen Polarlicht sind bei uns einige an Bord, als die Kong Harald an uns vorbei zieht. Eine Vinkekonkuransje ist das aber nicht: Nebenan ist fast niemand an Bord, und kurz nachdem sie an uns vorbei ist, gehen auch alle Lichter aus.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær

Die Hafeneinfahrt von Svolvær

Ekkehard nutz die letzten Minuten vor Svolvaer, um uns auf eine ganz berühmte Kirche hinzuweisen (die diesmal im Dunkeln liegt), und versucht es dann mit dem tollen Denkmal von Dagfinn Bakke für die Fischerfrauen das an der Hafeneinfahrt von Svolvær steht und sich ebenfalls im Dunkeln verbirgt. Norwegen spürt den fallenden Ölpreis ja deutlich (eine ganze Reihe von Schiffen wurde stillgelegt, was sich in den Arbeitslosenzahlen bemerkbar macht), vielleicht wird ja jetzt auf einmal Strom gespart?

Egal, im Raftsund gibt es wieder lecker Fiskekake zu essen und heißen Trollfjordknert zu kaufen (und man kann die Tasse behalten!), und der Trollfjord wird schön beleuchtet. Ich muss fairerweise sagen, dass das die beste Show war, die ich bislang hatte: Wir sind ziemlich nah an der Mündung, und der Kapitän leuchtet den Trollfjord gut aus. Dabei hilft natürlich, dass die Finnmarken einen begehbaren Bug hat: Sowohl von dort als auch vom Panoramasalon aus sind die steilen Wände schön zu sehen. Ein schöner Tagesausklang, und einer der Gäste gibt mir auch noch andere Hustenbonbons für meine Stimme – langsam kommt sie wieder.

Polarlichter zeigen sich keine mehr, und so endet der Tag recht früh.

Hurtigruten Tag 5 – Polarkreis, Sonne, Wikinger und Trollfjord

Die Kabinen in den Hurtigrutenschiffen haben keine Fenster zu öffnen, dafür eine Klimaanlage, die trockene Luft produziert. Tipp von Tour Guide Marko: Ein Handtuch nassmachen und auswringen, danach kann es als Luftbefeuchter dienen. Ein Glas Wasser irgendwo hinzustellen ist auf einem Schiff keine besonders gute Idee. Aber das Handtuch funktioniert gut.

Ebenfalls keine gute Idee: Nur auf das WLAN des Schiffs zu vertrauen. Internet geht zwar ganz gut (vor allem nach Mitternacht, wenn die meisten im Bett sind und man die Verbindung für sich alleine hat), aber EMail abrufen geht überhaupt nicht. Die Lösung: Der Weekpass der Telekom, um für läppische 15 Euro online gehen zu können. Zum Glück ist man mittlerweile das norwegische Preisniveau gewohnt.

Das Highlight of the Day ist am 25. Februar die Überquerung des Polarkreises um 7:12 Uhr. Es heißt also früh aufstehen, wenn man die Insel mit der Weltkugel links am Schiff vorbeiziehen sehen will.

Am Horizont: Die Insel mit dem Polarkreismonument. Auf Deck 7 war's eng, Deck 5 dürfte frei gewesen sein...

Am Horizont: Die Insel mit dem Polarkreismonument. Auf Deck 7 war’s eng, Deck 5 dürfte frei gewesen sein…

Die Weltkugel, die den Polarkreis markiert.

Die Weltkugel, die den Polarkreis markiert.

Trotz der Kälte gibt es Gedränge auf dem Schiff, jeder will ein Foto – was bei dem Dämmerlicht nicht ganz einfach ist; viele Bilder werden noch am selben Tag wieder gelöscht. Das Schiffshorn kündet die Passage an, und kurz darauf verlassen die Fotografen die Reling – es ist wieder Platz, um in aller Ruhe die zurückbleibende Kugel zu fotografieren. Das Begrüßungsgetränk zum Aufwärmen und Wachwerden zieht die Meute nun mehr an als die beleuchtete Kugel.

Die schöne Landschaft, an der wir jenseits des Polarkreises entlang fahren, genießen wir dann in aller Ruhe vom Frühstücksbuffet aus. Schon eine Stunde später gibt’s den nächsten Foto-Termin, als uns die MS Nordnorge entgegenkommt.

Damit auch ja keiner zur Ruhe kommt, steht um 9:30 dann das hübsche Örtchen Ørnes auf dem Programm, bei dem wir allerdings nicht aussteigen – der Aufenthalt ist kurz.

Der Hafen von Ørnes.

Der Hafen von Ørnes.

Übrigens ist es immer noch nicht kalt: obwohl Winter ist, hat auch Norwegen 2014 nicht besonders viel Schnee abgekriegt. Die Temperaturen sind frisch, aber nicht unerträglich. Aber damit damit keinem zu warm wird, steht kurz nach zehn die Polarkreistaufe an, mit Eiswürfeln in den Nacken und einem Schnaps hinterher, anschließen Fototermin mit König Neptun (auch wenn Njørd die Urkunde unterschrieben hat).

Fototermin mit Neptun (der aus gutem Grund verkleidet ist...)

Fototermin mit Neptun (der aus gutem Grund verkleidet ist…)

Tipp: Wer als letzter dran ist, erhält alles übriggebliebene Eis. Ideal für alle, denen doch noch zu warm ist…

Auf den nächsten Höhepunkt verzichtete ich wieder: Die Fahrt zum Saltstrømen dürfte zwar ganz nett sein und das Fliegereimuseum von Bodø auch, aber da die Stadt im Krieg völlig zerstört wurde und heute eher zweckmäßig als schön ist, verbrachte ich den Aufenthalt in Bodø lieber damit, den Vortrag nochmal aufzupolieren.

Die gute Neuigkeit des Tages: Mittlerweile waren endlich alle Koffer aufgetaucht, und jetzt konnten alle die Reise entspannt antreten. Irgendwo hinter Ørnes war auch die Sonne erstmals aufgetaucht – ganz passend, da die Sonne auch das Thema des heutigen Vortrags war. „Der Stern von dem wir leben“ hat ja einiges zu bieten, und diesmal gab es auch keinen anschließenden Fototermin, sodass danach noch die Chance für eine Fragerunde bestand. Hier kam auch mein kleines Handspektroskop zum Einsatz.

Heute Abend durfte es aber keine Polarlichter geben: Volker und ich waren beide auf dem Lofotr-Wikingerfest, das auch von all denen genossen wurde, die beim Essen Probleme mit dem schwankenden Schiff hatten. Nach einer längeren Busfahrt begrüßte uns ein Wikingerhäuptling in einem an historischer Stelle wieder errichteten Langhaus, und ein Fest wurde nachgespielt – inclusive den Versuche, seinen Sohn zu verheiraten und den Sklave zu verkaufen. Nette Show, gutes Essen und leckeres Met, und auch der Tanz war ganz witzig (wenn auch unkoordiniert, und einige Gäste hatten sich gedrückt).

Auf dem Lofotr Wikingerfest.

Auf dem Lofotr Wikingerfest.

Schade war nur, dass wir nur eine Stunde Zeit hatten – schließlich mussten wir das Schiff in Svolvær erwischen. Da ein Engländer wohl seine Kamera am Festbankett vergessen hatte (auch wenn sie nicht wiedergefunden wurde), hatten wir trotzdem leichte Verspätung. Aber wir kamen fast in dem Moment an, als Marko durchsagte, dass das Schiff ausnahmsweise auf uns warten würde. Daher legten wir doch noch pünktlich ab.

Ach ja, freudige Überraschung: Auf der Fahrt zum Bus und am Langhaus hatten wir einige Sterne gesehen; am Schiff standen aber wieder Wolken und keine Polarlichter am Himmel. Trotzdem waren etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht alle an Deck: Der berühmte Trollfjord stand auf dem Programm. Er sollte vom Schiff beleuchtet werden, außerdem konnte man bei Marko einen Voucher für einen Magic Drink auf Deck 7 erwerben – zusammen mit einer Trolltasse. Nach einer Rücksprache mit Angelika hatten wir die Info, dass der Fjord am Bug am besten zu sehen sein sollte. Dummerweise hatte das niemand dem Käptn gesagt, und so drängten sich einige am Bug, während die Scheinwerfer ziellos in der Gegend herum fuhren und Felsen sowie kleine Eisschollen beleuchteten – die Fahrt in den Fjord ist im Winter zu gefährlich, da Eis oder Gestein auf das Schiff stürzen kann.

Das war nicht der Trollfjord, der hier beleuchtet wurde.

Das war nicht der Trollfjord, der hier beleuchtet wurde.

Die Show war wohl eindeutig für die zahlenden Gäste auf dem Sonnendeck und nicht für die frierenden am Bug. Immerhin: Als das Schiff dann wendete, konnten wir doch noch einen Blick auf den Eingang zum Trollfjord erhaschen. Ohne Schiffsbeleuchtung. Und damit hatten wir für heute genug gesehen.

Trollfjord, 1. Versuch

Trollfjord, 1. Versuch