Erster Eindruck vom Baader Planetarium Morpheus 9mm 76° Okular

Mein Okularpark hat mal wieder Zuwachs bekommen: Das 9 mm Morpheus Okular von Baader Planetarium. Den ersten Test konnte ich letzten Dienstag zwar nicht an meinem ED80/600 durchführen, sondern auf der Heilbronner Sternwarte, aber für einen ersten Eindruck hat’s schon mal gelangt. (Den zweiten Eindruck gibt’s weiter unten in diesem Blogbeitrag.) Dummerweise haben wir hier eher die großen Geräte, und ein 9mm-Okular ist am 150/2250 Refraktor schon grenzwertig – am C14 hab ich’s gar nicht erst ausprobiert…

Der erste Eindruck: Das Ding wiegt ja gar nichts – zumindest im Vergleich mit dem TSWA 38mm/70° und dem Explore Scientific 20mm/100°. Und klein ist es auch, aber das ist ja kein Nachteil: Die Optik füllt das Gehäuse praktisch vollständig aus, und Bino-tauglich soll es durch das kompakte Gehäuse auch sein. Mangels zweitem Okular kann ich das aber nicht testen:-)

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Die Okulare des Abends: TSWA 38mm, Explore Scientific 20mm, Morpheus 9mm, Hyperion Zoom 8-24mm

Das Morpheus hat ein paar Besonderheiten: Mit 76° liegt es in dem Weitwinkelbereich, in dem der Bildfeldrand (genauer: die Feldblende) nicht mehr stört, aber doch gerade noch zu sehen ist. Ich empfinde das als sehr angenehm, da ich bei den Ultraweitwinkelokularen immer in das Okular reinkriechen will, um alles zu sehen, was ich bezahlt habe. Bei etwas kleinerem Bildfeld hat das Bild einen Rahmen, an dem ich mich „festhalten kann“. Auch deshalb mag ich das 36er Hyperion Aspheric mit 72° so als Übersichtsokular.

Das Gehäuse hat genau wie die günstigeren Hyperion-Festbrennweiten-Okulare einen Steckanschluss für 1,25″ und 2″, ist aber nicht teilbar – die Vergrößerung ist also nicht anpassbar, aber in der Praxis braucht man das eh nur selten. Ein 1,25″-Filtergewinde ist natürlich vorhanden. Die Steckhülse ist geriffelt, sodass das Okular nicht verkippt, wenn der Messingspannring oder die Klemmschraube im Okularhalter blöd sitzt. Die Lage der Okularklemmung ist leider nicht genormt, sodass es durchaus zu Verkippungen kommen kann, wenn ein Okular nur eine Sicherungsnut hat. Diese Riffelung gibt besseren Halt als eine glatte Steckhülse und vermeidet mögliche Verkippungen, die durch eine tiefe Nut entstehen kann.

Ein nettes Feature ist die nachtleuchtende Beschriftung, auch wenn ich noch nicht testen konnte, wie lange sie leuchtet – das ist so eine phosphoreszierende grüne Farbe wie bei manchen Zeigeruhren (die Älteren unter uns erinnern sich). Ebenso ansprechend ist die Verpackung: Das Okular wird Apple-like in einem soliden Pappkarton ausgeliefert, sodass das Auspacken richtig Freude macht, und unter dem Okular liegt ein Gürtelholster. Damit lässt sich das Okular am Gürtel tragen – wer keine große Okularablage am Teleskop hat, wird das in der Praxis zu schätzen wissen. Ich brauch’s zwar nicht (die 60cm breite Ablageplatte an meinem Stativ hat mir schon ein paar neidische Blicke eingebracht), aber getestet habe ich’s trotzdem: Funktioniert einwandfrei, und die Tasche ist mit Klettverschluss und Druckknopf gesichert. Hat ein bisschen was von einer Handytasche (die Älteren unter uns erinnern sich), und das Okular sitzt sicher in der Tasche, ohne zu verkratzen. Feine Sache. Das ist mir wesentlich lieber als diese dämlichen sperrigen Drehpacks, und im Fernrohrkoffer ist das Okular bei mir eh ohne weitere Umverpackung verstaut. Aber wie’s so schön heißt: Your mileage may vary, die Geschmäcker sind verschieden.

Für ein paar erste Blicke war der Himmel gut genug, auch wenn er keine 250x her gab: Der Mond war blendend hell (bei der Vergrößerung und 0,6mm Austrittspupille nicht schlecht), aber die Luft war sehr unruhig. Saturn hat auch keinen Spaß gemacht. Aber immerhin: Soweit überzeugt das Okular. Es ist an f/15 natürlich randscharf (und wer meint, dass das keine Leistung ist, darf gerne einmal durch unser 70mm Mittenzwey schauen), aber vor allem ist der Einblick gut – zumindest mit der längeren der beiden Augenmuscheln. Er ist zwar etwas unruhig (mehr dazu unten – das klingt schlimmer als es in der Praxis ist), aber mit Augenmuschel findet man schnell die richtige Position. (Dem Okular liegt neben einer runden, umklappbaren Augenmuschel auch eine kürzere, geflügelte Augenmuschel bei (wohl vor allem für den Bino-Einsatz), und unter der Augenmuschel ist ein Gewinde, um z.B. eine Kamera für die Okularprojektion anzuschließen). Die Augenmuschel selbst ist recht weich, ähnlich wie am Explore Scientific. Der berühmte Spacewalk-Effekt ist auch ähnlich wie 100°-ES, wobei bei 250x und 0,6mm AP sogar der Heilbronner Stadthimmel schwarz erscheint. Die kürzere Augenmuschel dürfte für Brillenträger interessanter sein, oder man klappt die größere einfach um.

Seeing- und teleskopbedingt macht Beobachten in dieser Nacht allerdings keinen Spaß, also mache ich was anderes und überprüfe mal die Gesichtsfelder der Okulare, die ich hier rumliegen habe. Dazu messe ich den Sterndurchlauf bei einem Stern in Äquatornähe. Die Wahl fiel auf den „Glücksstern des Königs“: Sadalmelek (Alpha Aquarii). Laut dem Vehrenberg Himmelsatlas hat er R.A. 22h03.2 und -0°34′, aber für Äquinoktium 1950.0. Seitdem hat sich ein bisschen was getan am Himmel, Starmap Pro gibt als aktuelle Koordinaten 22h05’47“ und -0°19′ an. Jaja, die Präzession… Der Stern ist also nicht genau am Himmelsäquator, aber nah genug – ich brauch ja was einigermaßen helles. Die erste Erkenntnis: Mit Weitwinkelokularen einen Sterndurchlauf zu beobachten macht keinen Spaß, wenn man sich verrenken muss, um den Bildfeldrand zu überblicken. Die zweite Erkenntnis: Bei den vier getesteten Okularen stimmen die Angaben ziemlich gut, das Morpheus zeigt sogar etwas mehr Feld am Himmel. Die Messungenauigkeit würde ich mit ca. +/- 2 Sekunden angeben, eine weitere Fehlerquelle ist, ob ich immer die Bildmitte getroffen habe – so können etwas kleinere Bildfelder gemessen sein als wirklich vorhanden. Aber die Angaben passen ganz gut:

Sterndurchlauf-Aug-2015

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Die Spalte Fokus gibt dabei  an, bei welcher Position des Okularauszugs das Bild scharf war. Mit dem 2″-Anschluss verschwindet das Morpheus tief im Okularstutzen, der dementsprechend weit rausgedreht werden muss. Wenn man es mit 1,25″-Anschluss verwendet, sind davon etwa 21mm abzuziehen – genauer kann ich das nicht angeben, da auch die Bauhöhe der 1,25″-Adapter nicht genormt ist und da natürlich mit reinspielt. Dann liegt es jedenfalls etwa im selben Bereich wie die anderen Okulare, grob im Bereich des TSWA.

Erstes Fazit: Schönes Okular mit sauberer Abbildung und angenehmem Einblick. Für die Öffentlichkeitsarbeit würde ich zwar ein Hyperion o.ä. wegen dem etwas ruhigeren Einblick und der etwas kleineren, besser geschützten Augenlinse bevorzugen (wer schon mal Kinderschminke von Okularen abgeputzt hat, weiß warum – nächsten Samstag ist in HN Kinderfest beim Mediamarkt, danach ist wohl wieder putzen angesagt), aber um in Ruhe zu beobachten, überzeugt es. (Nachtrag: Für die Öffentlichkeitsarbeit taugt’s auch, wie ich später festgestellt habe, und vergleichbare WW-Okulare sind nicht ruhiger.) Beeindruckend ist der Helligkeitsunterschied zum Hyperion Zoom – ich bin es nicht gewohnt, am Mond bei 250x noch einen Filter zu brauchen, um nicht geblendet zu werden.

Ein ausführlicherer Test ist dann an den aufziehenden Wolken gescheitert – mal sehen, wann ich es am ED80/900 einsetzen kann.

Der Test am Himmel – eine Woche später

Die ersten Eindrücke hatte ich ja letzte Woche gesammelt, seitdem ist fast eine Woche vergangen. Zwischendurch konnte ich es noch am kleinen Lunt der Sternwarte mit H-Alpha probieren und gegen das 10mm Classic Ortho von Baader vergleichen. Der erste Einblick war mau, das Ortho war um Welten besser – bis ich mir das Beobachtungstuch von Astrogarten über den Kopf gezogen hatte und so das Streulicht eliminiert hatte. Dann waren beide ziemlich auf Augenhöhe – nicht schlecht für ein Weitwinkel, ganz im Gegenteil. Das zu Anfang schlechtere Bild lag also ausschließlich am Streulicht; und Streulicht im Okular oder Kontrast sind offensichtlich kein Problem.

Und am Montagabend war es dann soweit: Klarer Himmel, und ich mal war wieder auf Achse – damit hatte ich keinen Zugriff auf die Sternwartengeräte, aber auf meinen ED80. Und unterwegs konnte ich noch zwei andere Konkurrenzokulare einsammeln und ausleihen: Ein 10mm Televue Delos mit 72° und ein 12,5mm Docter UWA mit 84°.

Ich stand also mit folgendem Aufbau auf dem Acker, als der noch fast volle Mond gerade aufging:

  • Celestron ED80/600 mit Baader Steeltrack
  • Vixen Porta auf Berlebach Uni 28
  • Baader Maxbright 2″ Zenitspiegel
  • 36mm Hyperion Zoom als Übersichtsokular (V=16,7x, AP=4,8mm, 4,3° Feld am Himmel)
  • 9mm Baader Morpheus 76° (V=66,6x, AP=1,2mm, 1,14° Feld am Himmel)
  • 10mm Baader Classic Ortho 52° (V=60x, AP=1,33mm, 0,86° Feld am Himmel) (außer Konkurrenz)
  • 10mm Televue Delos 72° (V=60x, AP=1,33mm, 1,2° Feld am Himmel)
  • 12,5mm Docter UWA 84° (V=48x, AP=1,66mm, 1,75° Feld am Himmel)

Nicht dabei hatte ich das Hyperion 8-24mm Zoom (das wegen dem letzten Urlaub noch am Spektiv hängt) und die Graufilter für den Mond (die gerade mit dem UHC-Filter in der Kameratasche der kleinen Panasonic sind). Bei Vollmond ist das natürlich blöd, aber solange er noch tief am Horizont stand, ließ ich mich trotzdem von ihm blenden.

Dabei konnte ich die Okulare natürlich nicht mit dem Zoom vergleichen, das mittlerweile fester Bestandteil von meinem Okularkoffer ist – darin sind normalerweise nur das 36mm Hyperion Aspheric, das Hyperion Zoom und das von Astrozoom verzoomte 7mm Lacerta UWAN. Nichtsdestotrotz: Das erste Ziel war der Mond.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos, Docter UWA und Morpheus; ganz rechts das Classic Ortho.

Die drei Weitwinkelokulare Televue Delos 10mm, Docter UWA 12,5mm und Morpheus 9mm; ganz rechts das Classic Ortho 10mm.

Wer sagt eigentlich, dass der fast volle Mond langweilig ist? Alle drei Weitwinkelokulare zeigten ein knackscharfes Bild, wenn die Luft einmal ruhig war, ließen sich sauber fokussieren und zeigten einiges an Strukturen. Der Mond war dabei nicht bildfüllend; die Feldblende war in allen zwar zu sehen, stört aber keineswegs. Beeindruckend: Auch wenn ich den Mond über den Bildrand hinaus bewegte, blieb er scharf und ohne auffällige Verzeichnungen. Lediglich ganz am Rand zeigten alle einen Blausaum entlang der Feldblende, wenn der Mond halb zu sehen war. Das Classic Ortho war in der Bildmitte auf Augenhöhe oder minimal besser; am Rand ließ es natürlich nach – die 52° bieten ein größeres Bildfeld als das Standard-Ortho-Design, sodass es auch für normale Beobachtungen sehr gut taugt, dafür ist die Bildqualität am Rand etwas schlechter. Seine Stärken spielt es eigentlich bei der Planetenbeobachtung aus, aber ca. 60x ist keine Vergrößerung für Planeten (und die Luftunruhe nach diesem Sommer fördert das Ganze auch nicht). Dabei muss man natürlich auch den Preis sehen: Das Ortho liegt bei rund 65,- Euro, das Morpheus bei rund 245,- Euro, das Delos bei etwa 378,- Euro und das Docter bei ca. 745,- Euro (um die Preise Ende August 2015 bei diversen Händlern zu nennen).

Am schlechtesten gefällt mir von den dreien ausgerechnet das Docter: Einerseits zeigt die Gummiaugenmuschel Auflösungserscheinungen, andererseits zeigt es als einziges einen Reflex in der Bildmitte, wenn ich den Mond aus dem Gesichtsfeld bewege. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Solange ich den Mond da beobachte, wo er hingehört, ist das Bild gut. Wer beobachtet, statt Fehler zu suchen, wird hier kaum Probleme haben.

Praktisch ist, dass sowohl das Docter als auch das Morpheus 1,25″ und 2″ Steckanschluss haben; trotzdem ist man auf 1,25″-Filter beschränkt, wenn man sie nicht in das 1,25″-Reduzierstück des Zenitspiegels einschraubt. Das Delos hat nur einen 1,25″-Anschluss.

Der etwas unruhige Einblick des Morpheus war wie oben berichtet das erste negative, was mir aufgefallen war. Aber das können Televue und Docter genauso schlecht, und bei Nacht ist das Bild besser im Auge zu halten als bei Tag. Das Morpheus hat eine weiche Augenmuschel (ähnlich dem Explore Scientific), auf der ich das Auge sanft auflege, um den perfekten Einblick zu haben; das Televue ist eher für Grobmotoriker geeignet und hat eine steifere Augenmuschel (etwa wie die Hyperion-Okulare). Beim Docter habe ich ohne Augenmuschel beobachtet, was erstaunlich gut ging – aber ich wollte sie auch nicht ausklappen und dabei endgültig zerlegen, erst recht nicht bei einem ausgeliehenen Okular…

Bei Vollmond ist nicht viel mit Deep-Sky-Beobachtung, aber Albireo gönnte ich mir dennoch (Epsilon Lyrae stand für die azimutale Montierung leider zu ungünstig). Im Televue war der Farbkontrast vielleicht am blassesten, aber die Unterschiede zu den anderen Okularen waren minimal. Bei rund 60° waren die beiden Komponenten weit auseinander und wirkten trotzdem als Doppelstern, da viel Umgebung zu sehen war. Nett. Der Himmel war schon recht dunkel, das Bild in allen drei sehr kontrastreich: Juwelen auf Samt, wie es sich gehört:-)

Nächstes Ziel: Mizar/Alkor. Mizar war ebenfalls ein schönes und sauber getrenntes Paar, wobei das natürlich keine große Herausforderung ist. Aber die Bildästhetik war in allen Okularen gegeben, ebenso im Ortho – auch wenn hier der Spacewalk-Effekt zwangsweise fehlt.

Spaßeshalber ein Schwenk zu Saturn: Hm… er steht eindeutig zu knapp über dem Horizont, und das Bild profitiert eher von der Vergrößerung als allem anderen. Auch hier kein Gewinner, auch nicht das Ortho.

Ein offener Sternhaufen wäre noch nett – Der Kleiderbügel ist leicht zu finden, wirkt aber nur im Übersichtsokular gut. Aber in seiner Nähe ist doch M71? Stattdessen finde ich den Hantelnebel (seltsam – eigentlich passen doch beide ins Gesichtsfeld vom 36mm, trotzdem finde ich M71 nicht). Die kleine graue Hantel bei Vollmond, ganz ohne Nebelfilter, ist ein hübscher Anblick. Macht in allen drei Weitwinkelokularen Spaß. Vielleicht sollte ich für den nächsten Okulartest mal ein Billig-Okular zum Vergleich mitnehmen…

Was ich mir in dieser Nacht nicht antue: Die erzielte Grenzgröße bestimmen. Das wäre zwar eine nette Herausforderung, aber nicht heute Nacht bei Vollmond, wenn kaum Sternhaufen in der Milchstraße zu sehen sind. Ewig kann und will ich die beiden Leih-Okulare auch nicht behalten, Donnerstag geht’s wieder zurück – und für morgen ist Regen angesagt, und dabei bleibt’s dann auch erst mal. Große Unterschiede erwarte ich in der Transmission aber nicht, falls ich doch mal zum Vergleichen kommen sollte.

Ach ja: Ich war ja der Meinung, dass ein Hyperion wegen des ruhigeren Einblicks für die Öffentlichkeitsarbeit besser geeignet ist. Nachdem noch ein Pärchen Spaziergänger vorbeigekommen war und einen Blick durch das Morpheus geworfen hatte (war reiner Zufall – es war gerade im Okularauszug), muss ich das auch revidieren. Die beiden hatten anscheinend keine Probleme mit dem Einblick.

Erstes richtiges Fazit: Das Morpheus kann mit Televue Delos und Docter UWA meiner Meinung nach problemlos mithalten und gefällt mir mittlerweile sehr gut. Die austauschbare Augenmuschel mit dem Baader-typischen Anschlussgewinde und die Tasche sind vorteilhaft, ebenso das geringe Gewicht. Um von der phosphoreszierenden Beschriftung zu profitieren, muss man das Okular natürlich erstmal in der Sonne aufladen – das hatte ich natürlich vergessen. Also in Zukunft nicht nur Handy und ggf. Akkupack aufladen, sondern auch noch das Okular:-) Aber das Beobachten klappt ja auch ohne selbstleuchtende Beschriftung.

Alle drei Okulare taugen nicht nur für die Deep-Sky-Beobachtung, sondern machen auch am Mond eine sehr gute Figur – ich bin doch verblüfft, dass der Qualitätsabstand auf der Achse zu einem Ortho so gering ist und das Bild bis zum Rand scharf ist. Ich muss das mal am C8 o.ä. probieren, wo ich deutlich höhere Vergrößerungen erziele – vielleicht sind die Unterschiede dann größer. Bei allen drei ist der Einblick etwas unruhiger, als ich es gewohnt bin, aber gerade bei Nacht ist er aber sehr okay. Und wenn man bedenkt, dass das Morpheus nur etwa ein Drittel vom Docter kostet…

Zur Eignung an schnelleren Optiken kann ich nichts sagen, aber der Review auf Stargazers Lounge (PDF, 13 MB – hier der Thread) liest sich auch vielversprechend. Der ED80 mit f/7,5 ist mein schnellstes Teleskop in Reichweite, das ich auch ernsthaft benutze.

Und abschließend noch der Caveat: Okulare sind eine sehr individuelle Sache, und ich habe die drei Stück nicht auf die optische Bank geschnallt, um bewusst Fehler zu finden, sondern wollte wissen, wie sie sich beim Beobachten am Nachthimmel machen. Und da gefallen mir alle ähnlich gut. Vielleicht ersetzt das 9mm Morpheus demnächst das Hyperion Zoom in meinem Okularkoffer – der Sprung vom 36er Hyperion (16x/4°) auf das 9mm Morpheus (66x/1,1°) ist eigentlich noch okay. Dann kann das Zoom am Spektiv bleiben, mal sehen…

Vixen SG 2,1×42 – das Großfeldfernglas

Das Vixen 2,1×42 hatte ich zum ersten Mal auf dem Astrofest von Intercon Spacetec gesehen und fand es damals schon interessant: 42mm Öffnung und nur zweifache Vergrößerung? Bei einem klassischen Fernglas wäre das eine unmögliche Austrittspupille (20mm – irgendwo bei 7mm ist normalerweise Schluss, da man die Pupille ohnehin nicht weiter öffnen kann), aber ein Galilei-Fernglas wie dieses soll wohl anders funktionieren, sodass die Berechnung der Austrittspupille angeblich keinen Sinn macht. Sagt zumindest Astro-Optik Kohler über sein 2,3×40 Gucki. Da der Import von Artikeln aus der Schweiz immer ein Problem ist (irgendwer muss da sein, damit der Postbote den Zoll und die Mehrwertsteuer kassieren kann), habe ich das Gucki nie bestellt.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Das Vixen ist da einfacher zu kaufen, schließlich gibt es das ganz regulär bei deutschen Händlern. Tja, und da ich ein paar Mitarbeiter bei Astroshop kenne, war natürlich nichts naheliegender als dort einmal nach einem Testgerät zu fragen. Hier der Link zum Gerät: Vixen Fernglas SG 2,1×42 Binokular für Sternfeldbeobachtung. Der letzte Auslöser war mein Norwegen-Trip im November: Wie wirken die Polarlichter durch so ein Fernglas? Ist früher Farbe zu sehen? Und wenn ich schon im hohen Norden bin, gibt’s hoffentlich auch so ein paar Sterne zu sehen.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich durfte mir ein Vorführexemplar ausleihen.

Eher unscheinbar: Der Karton

Eher unscheinbar: Der Karton

Unboxing

Der Karton selbst ist erst einmal unauffällig und dezent: Grau-Schwarz und ohne Hinweis auf den Inhalt. Nur die Aufkleber geben einen Hinweis auf das Fernglas. Dafür wiegt er einiges und ist größer als gedacht – irgendwie hatte ich es doch einiges kleiner in Erinnerung.

Nach dem Öffnen zeigt sich des Rätsels Lösung: Ein ziemlich großer Styroporriegel sorgt für Volumen:-) So hat auch die Anleitung Platz. Angenehme Überraschung: Das Fernglas steckt in einer hochwertigen, gepolsterten Gürteltasche.

Der Inhalt der Box

Der Inhalt der Box

Ebenfalls in der Box: Ein Trageriemen und die Bedienungsanleitung. Sehr übersichtlich, das Ganze, aber was soll auch zu einem Fernglas noch dazu gepackt werden? (Okay: Das übliche Reinigungstüchlein, aber wer vermisst das schon…)

Die Tasche macht einen sehr guten Eindruck: Gepolstert und strapazierfähig. Sie hat eine Gürtelschlaufe und eine Kunststofföse für einen Karabinerhaken. Sieht sehr vertrauenserweckend aus – aber ich bin ja nicht an der Tasche interessiert, sondern am Inhalt.

Das Fernglas hat vier Staubschutzdeckel, die fast größer wirken als das eigentliche Bino, und bei dem Gewicht ist die Trageschlaufe keine schlechte Sache – das glatte Metallgehäuse  ist mangels Baulänge nicht besonders griffig. Mit dem Trageriemen kann man es sich aber auch umhängen, sodass keine Sturzgefahr besteht.

Fernglas, Tasche, Deckel und Handschlaufe.

Fernglas, Tasche, Deckel und Trageriemen.

Durch die Mischung aus Metall und gefühlt zwei massiven Glasblöcken ist es schwer, obwohl es so klein ist: gut 470g mit Tasche und 430g ohne Tasche, aber jeweils mit Deckeln und Umhängeschlaufe. Hier der Größenvergleich mit einem 7×50 Porro-Fernglas:

Vixen 2,1x42 und ein 7x50 Porro-Fernglas.

Vixen 2,1×42 und ein 7×50 Porro-Fernglas.

Der Blick durch das kleine Vixen ist ungewöhnlich: Fokussieren ist gar nicht so einfach und erinnert erst einmal an den Blick durch die Sehtestprüfgeräte beim Optiker. Man darf nicht die erste scheinbar scharfe Stellung nehmen, sondern muss wirklich einmal durchfokussieren, dann ist auch der Bildfeldrand beim Blick in Landschaft brauchbar. Das Bildfeld entspricht etwa dem beim Blick aus dem Fenster: Groß, aber nicht gigantisch. Trotzdem kein Vergleich mit einem normalen Fernglas, sondern um Welten größer. Am Bildrand lässt die Qualität nach, die Bildmitte macht einen schönen Eindruck. Und vor allem: Es ist hell! Selbst der Blick in die nebelverhangene Novemberlandschaft zeigt Details, die man ansonsten übersehen hätte. Wie wird es sich wohl am Nachthimmel machen? Bislang konnte ich es nur in einer Nacht testen.

Der Blick in den Himmel…

…ist erst einmal ungewohnt. Der erste Eindruck bei einer Nacht auf dem Land, aber noch einigermaßen in Stadtnähe: Das Gesichtsfeld ist groß, aber nicht so groß, wie man es bei 2x vielleicht erwarten würde. Die sieben Sterne des Großen Wagens passen komplett in das Gesichtsfeld; wirklich scharf wird etwa der Bereich der Kastensterne abgebildet. Durchaus imposant. Noch mehr als der Gewinn an Grenzgröße fällt zunächst die zusätzliche Trennschärfe auf: Während Mizar und Alkor ja als Augenprüfer bekannt sind, sind sie mit dem Vixen gar kein Problem. Plejaden und Hyaden machen richtig Spaß, die Milchstraße ist chic, nur die Andromeda-Galaxie bleibt wenig beeindruckend. Das mag an meinem Standort liegen, sie ist zwar ein Nebelfleck, aber doch recht klein. Bei dem bisherigen Wetter hatte ich leider nur eine Nacht, in der ich es kurz am Sternenhimmel testen konnte.

Die Randunschärfe ist vorhanden, stört mich aber nur, wenn ich darauf achte. Aber das wird natürlich jeder anders empfinden – es ist etwas Wahres an dem Spruch dran, dass fortgeschrittene Sternfreunde im Okular eher Optikfehler als Sterne sehen. Mit Brille macht es übrigens weniger Spaß: Dann ist der Augenabstand größer und das Bildfeld kleiner.

Besonders reizvoll wäre der Blick durch ein paar Nebelfilter mit dem Gerät auf den Sommerhimmel. Nordamerikanebel oder Schleiernebel dürften dann unter Alpenhimmel machbar sein – schade, dass es keine Filterhalter hat. (Wie gut kommt eigentlich ein Nebelfilter mit so einem großen Bildwinkel zurecht?)

Unter einem mäßigen Landhimmel (Kleiner Wagen komplett sichtbar) macht es Spaß, mit dem Vixen Sternhaufen zu jagen oder die Milchstraße abzufahren. Für die Suche nach einem ausgedehnten Komet in der Dämmerung dürfte es sehr gut sein. Aber man bleibt dennoch auf einen Ausschnitt des Himmels beschränkt – es ist nicht so, dass man den Eindruck einer Sternen-Brille hätte.

Der Einsatz für die Polarlichtjagd hat sich leider nicht gelohnt: Wenn die schwache Aurora mit bloßem Auge zu erkennen war, ging es auch im Fernglas, es zeigte jedoch nicht früher Farbe als mit bloßem Auge. Zum Überprüfen, ob man wirklich Polarlichter sieht, bleibt also weiterhin nur der Griff zur Kamera. (Es wäre reizvoll gewesen, einmal ein helles Polarlicht darin zu beobachten – aber das hatte ich auf dem letzten Trip nur einmal, und da hatte ich keine Zeit, um zum Fernglas zu greifen.)

Fazit

Nach dem ersten kurzen Beobachtungsabend bin dem Fernglas gegenüber etwas zwiespältig – die Bildqualität ist nicht ganz so gut, wie ich sie von meinem ersten Blick in Erinnerung hatte, aber durchaus okay: Die Bildmitte ist schön, und der Rand trägt eben nur zum Gesamteindruck bei, dort beobachte ich nicht. Und ein ganzes Sternbild auf einmal zu überblicken, ist etwas vollkommen anderes, als man es normalerweise gewohnt ist. Als Weitfeld-Spezialist und für die Jagd nach helleren Kometen ist es sehr, sehr reizvoll. Durch den Preis ist es aber kein Gerät, das ich einfach so mal kaufe. Verarbeitung und Zubehör sind erstklassig, es ist nur schade, dass sich 2″-Filter nicht adaptieren lassen. Unter einem dunklen Himmel dürfte es wesentlich beeindruckender sein als unter unserem typischen Landhimmel.

Den Haben-Will-Reflex, der dafür sorgt, dass bei mir schon einige Geräte stehen, die ich eigentlich nur mal testen wollte, hat das Vixen nicht ausgelöst – dafür ist es mir im Augenblick noch zu teuer, und andere Anschaffungen haben Vorrang. Aber es ist auch noch nicht von meiner Wenn-mal-Geld-übrig-ist-Liste verschwunden. Es ist halt ein Luxus-Artikel, den ich nicht unbedingt für’s Hobby brauche. Trotzdem gebe ich es nur ungern zurück – aber für die nächsten Wochen wird auch kein schönes Wetter vorhergesagt; für weitere zeitnahe Tests gibt es wohl keine Chance. Vielleicht schlage ich beim nächsten hellen Komet zu…

Hands on: 10Micron Leonardo Fernglas-Montierung

Zugegeben: Eigentlich würde ich jetzt gerne mit der Avalon M-Zero spielen – der Sommer fängt ja mit prächtigem Wetter an. Aber für die Heilbronner Sternwarte sind wir grad auf der Suche nach einem schönen Großfernglas in der 100mm-Klasse, und dazu gehört natürlich auch vernünftiger Unterbau. Eine Bino-Mount / Parallelogramm-Montierung hat mich schon immer gereizt, da gibt’s ja einige – zum Beispiel von Intercon Spacetec die Bino-Mount oder von Orion die Monster, die alle gar nicht mal so teuer sind. Das Problem ist nur: Das kleine „Monster“ hat eine Traglast von 6,5kg, und bei der Bino-Mount gibt’s keine Angabe (aber immerhin 4 kg Gegengewichte). Süß.

Süß deshalb, weil ein schönes 100mm-Fernglas mit Schrägeinblick locker an die 10 kg auf die Waage bringt. Die Vixen HF2 wäre tragfähig genug, aber ist nicht so komfortabel höhenverstellbar – der Vorteil einer Parallelogramm-Montierung ist ja, dass ein Objekt immer im Bild bleibt, auch wenn man die Höhe verstellt. Das ist natürlich perfekt für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Und dann gibt’s noch die neue 10Micron Leonardo. Die ist weder billig noch klein, aber sehr solide. Als ich das erste mal davor stand, dachte ich auch: Was für ein Monster. Aber nachdem Orion seine kleine Montierung schon Monster nennt, muss das wohl was anderes sein. Leviathan? Eine freundliche Version von Jörmungandr, der Midgard-Schlange? Groß A’Tuin? Keine Ahnung, aber die Größe ist erst einmal respekteinflösend. Bleiben wir einfach mal bei Leonardo, der ist ja auch als Geistesgröße bekannt. Als Tragkraft sind 13,5 kg angegeben, das langt sogar für ein C8.

Im Frühjahr konnte ich sie zum Glück einmal ausleihen (auch, um sie in der Öffentlichkeit vorzuführen). Wenn man sie erst einmal aus dem Karton befreit hat, ist sie gar nicht mehr so erschreckend, und passt (wenn die Gegengewichtsstange abgeschraubt ist) problemlos quer in den hinteren Fußraum von meinem Auto. Das Gewicht ist auch okay – 13 kg laut Hersteller, ohne Gegengewichte. Es gibt genügend Griffmöglichkeiten, sodass man sie gut greifen und tragen kann.

Die Montierung ist ausgereifte Ingenieurskunst, die man selber sehen muss, um das Preisschild zu begreifen – oder man muss zumindest einmal darunter stehen. Bilder werden ihr nicht gerecht… Das Prinzip ist simpel: Genau wie bei einer Schreibtischlampe ist die Halterung für das Fernglas an zwei parallelen Armen befestigt, so dass ihre Lage auch bei Höhenänderung gleich bleibt. Damit das auch mit richtigen Großferngläsern funktioniert, sind hier gleich vier statt zwei Stangen verbaut. Eine massive Gegengewichtsstange sorgt dafür, dass das Gerät auch in der eingestellten Höhe bleibt, ohne dass eine Klemmung betätigt werden müsste. Soweit ginge das alles auch mit Baumarktmitteln – die Details und die Verarbeitung sind es, die ein Foto nicht vermitteln kann.

Klemmungen in der Mittelachse auf dem Stativ (für rechts/links) und für die Höhe sind eine Selbstverständlichkeit, und die großen Klemmgriffe sind sehr angenehm zu bedienen. Weniger selbstverständlich (aber naheliegend) sind das Paar aus zwei großen Griffen, um gesamte Halterung für Fernglas/Teleskop nach oben oder unten zu schwenken, und der Handgriff an dem Parallelogramm-Ausleger, um den ganzen Arm zu bewegen. Überhaupt nicht selbstverständlich ist das Gelenk an der Fernglasaufnahme, mit dem das Fernglas noch zusätzlich ein Stück weit nach rechts oder links geschwenkt werden kann – so kann ein Objekt zentriert werden, ohne dass gleich die ganze Montierung bewegt werden muss. Dadurch ist die Befestigung des Fernglases etwas ungewöhnlich: An der Schraube ist ein kleiner Zapfen, der in diese Feinverstellung greift. Zum Befestigen des Fernglases muss die Schraube angehoben und in den Stativadapter geschraubt werden, anschließend wird sie mit einer Kontermutter in der Platte der Feineinstellung gesichert. Das ist blöd zu erklären, funktioniert aber ganz gut.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN 2014.

Kritisch wird es nur, wenn man auf diese Art alleine ein schweres 100mm-Fernglas chinesischer Fertigung auf der Schraube mit kleinem Fotogewinde befestigen will (der Montierung liegen zwei Befestigungschrauben bei, eine mit großem und eine mit kleinem Fotogewinde) und das Fernglas chinesischen Standards entsprechend das Stativgewinde so hahe an den Prismen hat wie bei kleineren Ferngläsern – dann lässt sich das Fernglas nämlich schon von Haus aus nicht ausbalancieren, und die Schraube zu treffen, wird etwas kniffliger.

Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Wenn am Fernglas eh schon gebastelt werden muss, damit die Stativbefestigung am Schwerpunkt liegt, kann man es auch gleich mit einer Prismenschiene versehen. Und dann kann auch gleich noch eine Schnellklemme auf die Montierung geschraubt werden – dann ist das Fernglas ausbalanciert und die Montage leichter.

A propos leicht: Das Ganze muss natürlich noch ausbalanciert werden. Damit die Gegengewichtsstange nicht zu lang wird, ist sie kürzer als der Parallelogramm-Ausleger. Daher ist etwas mehr an Gegengewichten nötig, als die eigentliche Optik wiegt, und bei etwas größeren Optiken sind zusätzliche Gegengewichte nötig. Sehr praktisch: Die Montierung lässt sich über eine Schraube in der Horizontalen fixieren, sodass die Gegengewichte in aller Ruhe auf die Stange geschoben werden können. Dann wird die Schraube einfach herausgezogen und um eine Vierteldrehung gedreht, und schon ist die Montierung wieder frei beweglich.

Etwas ungewöhnlich (wenn man nur die kleineren Montierungen gewohnt ist) ist die Befestigung der Leonardo auf dem Stativ: Sie wird auf einen flachen, mitgelieferten Flansch geschraubt und nicht über eine Mittelschraube. Ich hatte zur Montierung noch ein T-Pod-Stativ von Baader, auf dem der Flansch einfach mit drei Inbusschrauben befestigt wird. Dann muss nur noch die Gegengewichtsstange an die Montierung geschraubt werden, die Montierung auf den Flansch gesetzt und mit drei griffigen Schrauben befestigt werden. Das geht recht komfortabel, wenn man den Ausleger über einem der Stativbeine positioniert, dann kann nichts umkippen.

Um die Montierung auch auf vorhandenen, stabilen Stativen mit EQ-Anschluss zu verwenden, gibt es von Baader den Flanschkopf #245 1145 für Celestron/NexStar – er müsste auch mit dem Ansatzflansch der Leonardo kompatibel sein. Die Chancen sind sehr gut, dass ich das diesen Sommer noch ausprobieren werde…

Die Leonardo im Einsatz - mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Die Leonardo im Einsatz – mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Und wie ist sie im Feldeinsatz? Sie ist natürlich keine Montierung, die man zusammen mit dem Fernglas immer im Auto hat, um mal schnell einen Blick in die Sterne zu werfen – die Höhenverstellung lohnt sich vor allem dann, wenn mehrere Leute durch das Fernglas schauen sollen. Ihren ersten Test hatte sie im April bei der Veranstaltung „Kinder Kinder“ in der Heilbronner Fußgängerzone. Da waren wir als Sternwarte natürlich auch vertreten, und die Leonardo war ein genialer Kundenfänger:-) Aber sie hat nicht nur als Blickfang funktioniert: Wir hatten einen ED80 mit Herschelkeil drauf gesetzt und konnten so jedem gefahrlos die Sonne zeigen. Nachführung/Einstellen war über den Sonnensucher vom Baader-Herschelkeil auch kein Problem und immer wieder nötig: Wer schon einmal Kinderführungen gemacht hat, weiß, dass da atombombensicher gebaut werden muss. Die Leonardo hatte mit grober Behandlung durch Kinderhände keine Probleme, aber sobald das erste Kind sich mit beiden Händen an das Okular hängt, wird die Montierung natürlich erst einmal verstellt. Also musste immer wieder nachgestellt werden. (Wieder mal meinen großen Respekt vor allem, die mit Kindern arbeiten!)

Vom kleinsten Besucher bis zum größten konnte so jeder bequem einen Blick in das Teleskop werfen. Für den kleinen Refraktor hatten wir uns übrigens nicht nur wegen der Sonnenbeobachtung entschieden, sondern auch, weil so nicht jedes mal der Augenabstand vom Fernglas verstellt werden musste – für Erwachsene ist das kein Problem, aber bei einer Kinderveranstaltung ist oft schon der Blick in ein Einzelokular anspruchsvoll genug.

Eine Woche später waren die Taubensuhler Astronächte der Kollegen aus Bellheim, wo die Montierung ihren ersten Einsatz unter dem Sternenhimmel hatte. Auch hier hatte sie Eindruck geschunden (erste Zweifel, ob sie ein 100mm-Fernglas überhaupt trägt, waren nach dem ersten Blick auf die Leonardo in voller Lebensgröße beseitigt) und sich bewährt. Auch bei etwas höherer Vergrößerung wurde das Fernglas noch ordentlich getragen, der Farbfehler und später der Tau auf den Linsen hat da mehr bei der Beobachtung gestört.

Tja, und das Fazit?

Wenn man die Leonardo mal live gesehen hat, überzeugt sie sehr schnell. Eigentlich hatten wir für dieses Jahr die Anschaffung eines iPads für unsere Führungen, aber jetzt wird es doch erst einmal die Leonardo mit einem Großfernglas. Sorry, Apple… Ab Spätsommer wird sie dann wohl auf einer unserer Sandsteinsäulen auf der Plattform zum Einsatz kommen, und dann kann ich auch mal den erwähnten Adapterflansch für andere Stative ausprobieren.

Hands on: Avalon M-Zero

Zu den Vorteilen daran, etwas tiefer in der Astro-Szene tätig zu sein, gehört die Möglichkeit, auch einmal die Neuheiten zu sehen, bevor sie irgendwann einmal auf Astro-Messen oder Teleskoptreffen auftauchen. So konnte ich schon einmal mit den 10Micron-Montierungen rumspielen (sehr chic, aber neu leider fast in der selben Preisklasse wie mein Auto), und nun hatte ich auch die Chance, einmal mit einer Avalon-M-Zero zu spielen, die schon eher in meine Preisklasse fällt. Zugegeben: Im Augenblick werkelt bei mir eine gebrauchte Vixen GP-DX, die auch viel zu selten zum Einsatz kommt.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Der Lieferumfang der Avalon M-Zero. Zum Größenvergleich: Die ausgedruckte Anleitung links unten hat A4-Format. Alles sehr handlich.

Die Avalon M-Zero ist Neuentwicklung aus Italien und trotz aller Vorbehalte gegenüber italienischer Technik ein sauberes Stück Arbeit. Mein erster Gedanke war: Oh wie niedlich! In dem Karton, der etwa so groß ist wie eine Celestron CGEM oder eine SkyWatcher EQ6, stecken sowohl die Montierung als auch das Stativ (wobei die Montierung auch mit den normalen Vixen-GP-Stativen kompatibel ist, man muss das Stativ also nicht mitkaufen – das T-Pod 90 als kleinstes der Serie ist 90 cm hoch und samt Tragegriff 4,5kg leicht). Die Montierung selbst wiegt keine 6kg und passt sogar in das Handgepäck im Flugzeug – wenn meine Nordlichtjagd nicht an Bord eines Hurtigrutenschiffs stattfinden würde, hätte es mich glatt gereizt, sie mitzunehmen. Nur müsste dann das Kameraequipment in das normale Gepäck, bei ca. 8kg ziehen die Fluggesellschaften die Grenze für das Handgepäck. Aber eine Astro-Montierung auf einem Schiff wäre eh Blödsinn… Das Stativ ist relativ klein, es gibt aber auch größere Modelle, wenn der visuelle Einsatz geplant ist – das Set hier ist für die Fotografie ausgelegt, da bringt ein hohes Stativ eher Windangriffsfläche. Die Kombination aus Rohr und gebogenem Metall ist schön stabil, leicht und sowohl mit Tragegriff als auch Tasche gut transportabel. Mein Fotostativ braucht bald mehr Platz – und ist zwar höher, aber auch wesentlich weniger stabil. Sehr chic ist, dass die StarGo-Steuerung am Stativ verschraubt ist. In der Montierung sind nur die Motoren (die Avalon-Montierungen wurden lange mit einer SkyWatcher-Steuerung verkauft; die StarGo verfolgt einen neuen, interessanten Ansatz).

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Die Avalon im parallaktischen Modus, hier noch mit Polsucher. Der kann dann demontiert werden.

Aufgrund der Wolkendecke blieb es leider beim Trockentest ohne Teleskop, aber der war schon sehr vielversprechend: Wenn ich an der Montierung wackle, bewege ich zwar alles (Montierung und Stativ), aber in sich wirkt das ganze sehr stabil. Bei dem geringen Eigengewicht ist das aber auch kein Wunder – der Setup ist transportabler als meine altehrwürdige GP-DX mit Berlebach-Holzstativ. Da die Montierung vor allem für die Fotografie ausgelegt ist, stört das niedrige Stativ auch nicht. Wenn eine Kamera dran hängt, ist der Einblick ohnehin egal (bei einer CCD sogar beim Fokussieren, das läuft dann ja über den Laptop), und der Polsucher wird oben auf der Montierung befestigt. Man muss nicht mehr in respektvoller Haltung vor der Montierung in die Knie gehen, um sie einzunorden, sondern hat den Polsucher in einer brauchbaren Höhe. Mit einem Zenitspiegel für Polsucher wird das richtig komfortabel. (Ja, ich geb’s zu: Ich werde auch nicht jünger. Im Stehen Einzunorden wird da immer reizvoller, den Polsucher habe ich schon vor zwei Jahren für die HEQ-5 im Verein besorgt.)

Dass das ganze sauber verarbeitet ist, sollte bei dieser Preisklasse natürlich eine Selbstverständlichkeit sein – da der Konstrukteur selber Amateurastronom ist, ist es das auch. Für knapp 4000 Euro Einführungspreis mit Stativ muss natürlich etwas geboten werden. Für mich ist natürlich meine GP-DX die Messlatte. Den Nachfolger, die GP-D2, gibt es für rund 1300-1400 Euro incl. StarBook-Computersteuerung, aber ohne Stativ.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Die Elektronik-Box der M-Zero ist am Stativ befestigt; der Handcontroller bietet die wichtigsten Funktionen für den Betrieb.

Lohnt sich der Aufpreis? Ich muss ganz offen zugeben, dass ich das Spiel in Deklination bei meiner GP-DX nie ganz in den Griff bekommen habe. Ich habe zwar nur die einfache Steuerung, aber das Getriebespiel ist spürbar. Dafür kann ich, wenn das System einmal sauber eingenordet ist, problemlos 5 Minuten bei 500mm belichten. Das Vixen StarBook hat mich dafür nie überzeugt, und letztlich ist die GP-D2 Technik aus den 1990ern.

Die Avalon-Montierungen umgehen das Getriebespiel, indem sie auf Getriebe verzichten: Über Riemen ist die Achse mit dem Motor direkt verbunden, es gibt keine Zahnräder, die erst ineinander greifen müssen. Bei einem Richtungswechsel reagiert das System bei diesem Direktantrieb sofort. Fein – das macht wirklich Spaß. Allerdings garantiert das von Haus aus keine perfekte Nachführung: Das System führt sehr gleichmäßig nach, sodass ein Autoguider leichtes Spiel hat. Auch wenn die Montierung 500mm bei sauberer Einnordung nachführen mag: Auch für so kurze Brennweiten wird ein Autoguider empfohlen. Da ich mit meiner GP-DX sowohl Nächte mit 0% Ausschuss als auch mit 100% Ausschuss hatte, kann ich guten Gewissens sagen: Wer ernsthaft Astrofotografie durch das Teleskop betreiben will, wird so oder so bald einen Autoguider auf seiner Einkaufsliste haben.

Die Montierung selber ist deutlich flexibler als die GP-DX: Sie kann natürlich als normale parallaktische Montierung betrieben werden. Sehr schön ist, dass sie auf den Alignment-Prozess verzichten kann: Wenn Sie grob eingenordet wird oder sogar auf eine feste Säule kommt, muss man sie nur anschalten, und schon wird nachgeführt. Klar: Datum und Uhrzeit einzugeben und ein ein-Stern-Alignment zu machen, wie bei modernen Computersteuerungen üblich, ist jetzt kein Hexenwerk, aber doch irgendwo nervig, wenn man in der Zwischenzeit Sonne, Mond oder Planeten selber einstellen könnte.

Der fotografische Einsatz als kompakte, leichte Reisemontierung stand bei der Entwicklung im Vordergrund. Die M-Zero ist nicht nur unglaublich klein und kompakt, sondern benötigt auch weniger als 1,5A Strom. Wenn ich bedenke, dass andere Montierungen aus China mittlerweile 2,5A benötigen, spricht das doch eindeutig für Made in Europe. Und viel wichtiger: Während die modernen Goto-Steuerungen chinesischer Fertigung wie ein Küchenmixer klingen und die ganze Nachbarschaft aufwecken können, erinnert die M-Zero zwar beim Anfahren an ein altes Arkade-Videospiel, aber sie bleibt sehr leise. Im Nachführbetrieb ist sie unhörbar, und auch bei schneller Schwenkgeschwindigkeit ist sie angenehm leise. So gehört das.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Die Avalon für den azimutalen Betrieb. Auch hier können zwei Teleskope eingesetzt werden.

Cool ist, dass sie leicht zu einer azimutalen Montierung umgebaut werden kann: Einfach einen Inbus-Bolzen versetzen, und die Montierung steht senkrecht. Während sie parallaktisch ohne weiteres nur nördlich oder südlich von 20° Abstand zum Äquator einsetzbar ist, ist sie so weltweit einsetzbar – zwar nur visuell, aber noch schneller als im parallaktischen Modus. Für den schnellen Blick in die Sterne oder ohne Nachführung als terrestrische Montierung wird sie so zur echten Grab-and-Go-Montierung. Nett. Vor allem ist sie tragfähiger und hat eine Nachführung, was meine Vixen Porta nicht hat – auch wenn die dafür deutlich billiger war. A propos tragfähig: Die Angaben sind konservativ und beziehen sich auf den Einsatz mit einem Teleskop – die M-Zero hat die Option, zwei Teleskope zu befestigen. So dienen sie gegenseitig als Gegengewicht, und ein C8 plus ein Refraktor (für Rich-Field-Beobachtung oder als Leitrohr) sollen sogar fotografisch nutzbar sein (bei parallaktischem Aufbau, versteht sich). Aus rund 8kg Traglast mit einem einzelnen Teleskop sollen so ca. 13 kg mit zwei Teleskopen werden – egal, ob das zweite Teleskop als Leitrohr dient, oder ob ganz klassisch zwei Teleskope parallel z.B. für die Sonnenbeobachtung genutzt werden.

Und letztlich kann sie für Time-Lapse-Aufnahmen eingesetzt werden – langsame Schwenks sind ebenso möglich wie die Steuerung einer DSLR. Als reine Time-Lapse-Plattform ist sie zwar Overkill (da ist der Nano-Tracker sinnvoller und viel billiger, auch wenn er fast mehr Batterien schluckt als die M-Zero), aber es ist doch eine nette Option.

Ein sehr großer Unterschied zu meiner alt-ehrwürdigen GP-DX ist natürlich die Steuerung. Auf den ersten Blick ist der Unterschied marginal: Am Stativ ist die Elektronikbox befestigt, und die Handsteuerbox hat Richtungstasten sowie Tasten für Schwenkgeschwindigkeit, Fokussierer und eine Funktionstaste. Da ist meine alte Vixen-Steuerung spartanischer, aber: Das soll eine moderne GoTo-Steuerung sein?

Im Prinzip ja – die Handsteuerbox genügt für den einfachen Betrieb; dank Rutschkupplung lässt sich auch jedes Objekt leicht einstellen und manuell einfahren. Nachführrichtung und das Umschwenken lassen sich ebenfalls über die Handsteuerbox einstellen – nach einem Meridian-Flip muss also nicht das Teleskop in Dec umgeschwenkt werden, sondern nur die Dec-Achse „umgepolt“ werden.

Und wo ist das GoTo?

Das Goto ist „im Bluetooth“ – leider nur für Android, Windows-PC und (Halleluja!) Mac. So steht einem ein großes Display zur Verfügung, und ein vollwertiges Planetariumsprogramm. iOS-Geräte werden wegen der etwas speziellen Bluetooth-Handhabung unter iOS nicht unterstützt. Das ist für mich natürlich ein Problem: Die tiefergehenden Einstellungen und die Steuerung erfolgen normalerweise sehr bequem über die App für das Smartphone, so müsste ich das MacBook mit auf den Acker nehmen. Auch die Steuerung über SkySafari geht derzeit nur unter Android, sollte aber auch unter iOS funktionieren. Immerhin: sowohl Android-Gerät als auch ein Computer mit MacOS oder Win unterstützen die Software für die Einstellungen, und z.B. über Stellarium lässt sich die Montierung steuern. Unter Windows muss dafür die ASCOM-Plattform installiert sein, die Treiber sind in der Software integriert.

Da ein Smartphone oder Tablet mehr Rechenleistung zu einem günstigeren Preis bietet als ein dedizierter Handcontroller und auch ohnehin öfter durch ein moderneres Modell ersetzt wird, hat dieser Ansatz seinen Reiz. Android ist weit verbreitet und durchaus erschwinglich (wenn man das Geld für eine 4000-Euro-Montierung plus Foto-Equipment investiert, ist ein Tablet kein großer Posten, falls man nicht ohnehin schon eines hat. Für Apple-User ist das größte Problem, sich mit Android anzufreunden – aber es muss ja nur SkySafari und die Avalon-Software für die Einstellungendarauf laufen).

Das Alignment läuft normalerweise über SkySafari oder das Planetariumsprogramm am PC. Im Gegensatz zu Smartphone-gebundenen Steuerungslösungen kann man aber die Tasten des StarGo-Handkontrollers nutzen. Sehr nett, denn wenn ich durch das Oklar sehe, habe ich am Handy/Tablet keine Rückmeldung, auf welche Taste ich jetzt eigentlch drücke. Durch die echten Tasten weiß ich, was ich tue. (Aus dem selben Grund würde ich mir auch kein Auto kaufen, das auf Touch-Screens setzt – ich will die Tasten auch blind bedienen können).

Langer Rede kurzer Sinn: Die Avalon M-Zero macht einen sehr guten, durchdachten Eindruck, auch wenn Android-Benutzer im Vorteil sind. Es ist gewiss keine Montierung für Gelegenheitsnutzer, sondern ganz klar für Astrofotografen ausgelegt, die ein sehr mobiles und trotzdem stabiles Werkzeug wollen. GoTo geht billiger (und lauter!) mit Montierungen der Massenhersteller, kein Zweifel. In den Foren wird man wohl wenig von ihr lesen, da ihre Benutzer eher mit Fotografieren als mit Fehlersuche und Optimierungen beschäftigt sein dürften. Ich hoffe sehr, die Montierung auch einmal am Nachthimmel testen zu können – natürlich mit Autoguider, denn dafür wurde sie ausgelegt. Wenn das Zusammenspiel funktioniert, ist sie ihr Geld auf jeden Fall wert – zumindest, wenn ich die Zeit berücksichtige, die ich bei anderen Montierungen schon damit verbracht habe, die Technik zum Laufen zu bringen. Time is Cash, Time is Money – wenn ich mich ein klares Wochenende in den Bergen nur mit der Technik beschäftigen muss, ärgert mich das mehr als ein höherer Preis. Fokussiermotor und evtl. noch weiteres über StarGo steuern zu können, ist für Astrofotografen auch reizvoll.

Wenn ich nach Norwegen mal eine dieser Montierung testen kann, werde ich mich natürlich melden. Bis dahin wird das Sparschwein noch etwas gefüttert.

Celestron Ultima 80 Spektiv und Baader Classic Orthos

Das kleine Ultima-80-Spektiv gehört zu den optischen Spielzeugen in meiner Sammlung, die ihr Geld absolut wert waren: Der Achromat zeigt weniger Farbe, als ich gedacht hatte, und das Spektiv ist robust und günstig genug, um es ohne Bedenken auf Reisen mitnehmen zu können. Das mitgelieferte Zoomokular ist nicht der Brüller, aber durchaus brauchbar.

Celestron Ultima 80 Spektiv mit dem Original-Zoom-Okular

Celestron Ultima 80 Spektiv mit dem Original-Zoom-Okular

Nun haben eigentlich alle (Refraktor-) Spektive das selbe Problem: Ein Okular muss ziemlich tief im Gehäuse versenkt werden, um ein scharfes Bild liefern zu können. Normale astronomische Okulare passen eigentlich nie – sogar an den wenigen Refraktorspektiven mit 1,25″-Okularanschluss passt nicht jedes Okular, und vor allem die kurzen Brennweiten machen gerne Schwierigkeiten. Mit dem Hyperion Zoom 8-24mm von Baader Planetarium steht immerhin ein Zoom-Okular zur Verfügung, das ein deutlich größeres Bildfeld liefert, auch wenn der Vergrößerungsbereich gleich bleibt: 20-60x, was für den normalen Gebrauch bei terrestrischer Beobachtung aber auch vollkommen ausreicht. Aber das klappt auch nur, weil die normale Steckhülse abgeschraubt werden kann. Trotzdem ist es schade, dass so wenige Okulare passen, vom Teleskop her ist man doch mehr Auswahl gewohnt.

Tja, und dann hatte ich die Erkenntnis, dass Celestron ja ein M35-Gewinde verbaut hat, genau wie an den ETX- und NexStar-4SE-Teleskopen. Ob ein NX4/ETX-auf-T2-Adapter passen würde? Die Antwort ist: Jein. Der Adapter passt, und eine 1,25″-Okularklemme lässt sich auch anschrauben, nur ein scharfes Bild lässt sich damit nicht erreichen – das ganze baut viel zu hoch.

Aber wie es der Zufall will, habe ich gerade den Classic-Ortho-Satz von Baader zum Testen bei mir. Und wenn da ein Gewinde ist, wird es natürlich aufgeschraubt… (Kids, don’t try this at home – zumindest nicht mit allen Okularen. Im Netz gibt es einige Berichte, wo bei Weitwinkelokularen dem putzwütigen Besitzer die Einzelteile entgegengekullert sind und verzweifelt nach einer Anleitung gesucht wird, wie man den Linsensalat wieder richtig zusammenbaut. Aber wenn die Steckhülse nur eine mechanische Adaption ist wie bei den Orthos, ist das kein Problem.) Die Steckhülsen der Orthos lassen sich abschrauben, und ein Außengewinde kommt zum Vorschein (leider geht das nicht beim 32mm-Plössl: hier ist die Feldblende in die Steckhülse integriert, und um das maximale Bildfeld zu nutzen, gibt es hier ein Innengewinde). Und wie es ein weiterer Zufall will, hatte ich den ETX-Adapter von Baader ausprobiert, und nicht den von Celestron. Das Baader-Teil hat nämlich auch ein Filtergewinde, und siehe da: Der Okularkörper lässt sich direkt in den ETX-Erweiterungsring #295 8500A einschrauben. Und so sieht das aus:

Links: Das 10mm Classic Ortho, unmodifiziert. Mitte: Das 6mm Classic Ortho und die abgeschraubte 1,25"-Steckhülse. Rechts: Das 18mm Classic Ortho in dem M35-Adapter; davor die Steckhülse.

Links: Das 10mm Classic Ortho, unmodifiziert.
Mitte: Das 6mm Classic Ortho und die abgeschraubte 1,25″-Steckhülse.
Rechts: Das 18mm Classic Ortho in dem M35-Adapter; davor die Steckhülse.

Die Frage ist nun natürlich: Funktioniert es?

Die Antwort lautet: Ja. Die Kombination sieht nicht nur vielversprechend aus, sondern ist auch kompakt genug. Ein rund drei Kilometer weit entfernter Kirchturm lässt sich ebenso problemlos scharf stellen wie der Mond, der im 6mm-Okular bildfüllend ist, und das Fokussierrad hat auch noch etwas Spiel.

Das Bild ist so scharf, wie es am Achromat möglich ist; und dass die Okulare etwas taugen wusste ich ja bereits. Der Einblick ist deutlich besser als beim Original-Zoomokular, nur beim 6mm Ortho macht sich der kurze Augenabstand bemerkbar: Was am Teleskop problemlos geht, funktioniert am Spektiv immerhin noch ordentlich – der M35-Adapter umschließt das Okular doch sehr gut, sodass man nicht ganz so gut an das Okular rankommt. Der Schritt von den 60x des Zoom-Okulars auf 80x mit dem 6mm-Okular ist zwar nicht riesig, aber bringt doch noch etwas. Bei 1mm Austrittspupille wird die Auflösung der Optik ja bereits fast ideal ausgenutzt.

Das Ultima 80 mit den 18, 10 und 6mm Classic Orthos. Um das 6mm Okular wirklich bequem nutzen zu können, sollte der M35-Adapter etwas flacher sein, aber es funktioniert!

Das Ultima 80 mit den 18, 10 und 6mm Classic Orthos. Um das 6mm Okular wirklich bequem nutzen zu können, sollte der M35-Adapter etwas flacher sein, aber es funktioniert!

Die Okularkörper lassen sich auch ziemlich gut in den Adapter einschrauben. Der Vergrößerungswechsel ist natürlich nicht ganz so bequem wie mit einem Zoom-Okular, aber dafür kosten alle drei Okulare samt Adapter weniger als ein neues Hyperion Zoom.

Das Bildfeld ist natürlich kleiner als im Hyperion Zoom (immerhin haben die Classic Orthos nur 52° Gesichtsfeld, im Gegensatz zu den bis zu 68° des Hyperion Zoom), aber schön scharf und wird durch das Prisma auch vollständig ausgeleuchtet – beim Hyperion gibt es bei niedriger Vergrößerung schon eine leichte Vignettierung, die aber nicht wirklich stört.

Bei der aktuellen Wetterlage ist es leider knifflig, einen Vergleich zwischen den Okularen zu ziehen – entweder hat es Nebel oder Wolken. Für einen Bildfeldvergleich langt es aber: Orthos und das Celestron-Zoom haben gefühlt etwa das selbe Eigengesichtsfeld, wobei das 18mm Ortho (27fache Vergrößerung) sogar mehr von der Landschaft zeigt als das Celestron-Zoom bei 20x. Das 10mm-Ortho zeigt etwa den selben Bildausschnitt wie das Zoom bei ebenfalls ca. 37x. Bei den 80x des 6mm-Okulars schrumpft das Bildfeld natürlich deutlich unter das des Zooms – bei dem aber auch schon bei 60x Schluss ist; 80x ist mit dem Zoomokular nicht erreichbar. Das Bild ist bei 80x so klar und hell, wie es das Wetter zulässt; Randunschärfe oder Farbsäume fallen mir bei der Naturbeobachtung nicht störend auf. Am Stern konnte ich es noch nicht testen, aber der bildfüllende Mond am Taghimmel ist schon mal chic. Damit ist das Bildfeld mit dem 6mm-Okular auch bestimmt: Etwa ein halbes Grad.

Das Einblickverhalten ist deutlich besser als am Celestron-Zoom (ruhigerer Einblick und kein Kidney-Beaning), dafür ist der Augenabstand niedriger. Wer das 6mm regelmäßig benutzen will, sollte am ETX-Adapter das überstehende (und für diese Anwendung überflüssige) Gewinde abdrehen lassen. So kommt man näher an das Okular heran und kann bequemer beobachten.

Wer mehr aus seinem Spektiv herausholen will und keinen 1,25″-Okularanschluss zur Verfügung hat, hat mit dieser Kombination gute Chancen – das Gewinde gibt es auch an einigen anderen Spektiven.

Cometron 12×70 – erster Eindruck

Zugegeben: Es ist nicht mein erster Eindruck von diesem Fernglas. Ich hatte das Glück, im Sommer das erste Exemplar des Celestron Cometron 12×70 einmal mit in die Alpen nehmen zu können, um es ein wenig zu testen. Ich war damals schon begeistert: Das Fernglas ist sehr leicht und hat eine große Austrittspupille, sodass ich es bei Tag gut und bei Nacht zumindest kurzfristig freihand halten kann – und das bei einem 12×70, das bei der Naturbeobachtung (wo steckt unsere Wandergruppe?) ebenso schöne Bilder liefert wie bei Nacht (wie viele Sternhaufen stecken in einer Milchstraße?).

Ich konnte es zusammen mit ein paar Kollegen mit einem älteren Fujinon 16×70 vergleichen, das mehr als zehnmal soviel gekostet hat.

Links: Cometron 12x70 Rechts: Fukinon 16x70

Links: Cometron 12×70
Rechts: Fujinon 16×70

Das Ergebnis war verblüffend und irgendwo deprimierend. Das Fujinon hat natürlich ein wesentlich robusteres Gehäuse (da merkt man, wo ein Teil vom Geld steckt), aber am Himmel waren die beiden etwa auf Augenhöhe: Einige Objekte waren im Fujinon besser, einige im Cometron. Und am Tag war das Cometron praktischer, da über den Mitteltrieb beide Okulare gleichzeitig fokussiert werden können. Das Fujinon hat Einzelokularfokussierung – bei der Astronomie kein Problem, bei der Naturbeobachtung schon eher.

Ob das Cometron in zehn oder fünfzehn Jahren noch genauso gut dastehen wird wie das Fujinon heute, ist natürlich schwer zu sagen – aber wenn es einigermaßen pfleglich behandelt wird, sollte das eigentlich passen. Und bei einem Preisunterschied von Faktor zehn…

Schon damals war mir klar: Haben will. Und jetzt sind die ersten regulären Exemplare endlich in Deutschland angekommen. Das ist jetzt meins:

Links: ein 7x50 von Photo Porst, Baujahr ca. Mitte der 90er Rechts: Das Cometron 12x70

Links: ein 7×50 von Photo Porst, Baujahr ca. Mitte der 90er
Rechts: Das Cometron 12×70, frisch in meiner Sammlung eingetroffen

Das ist schon eine Nummer größer als das 7×50, das ich normalerweise immer griffbereit im Regal habe (mein Astro-Favorit ist bislang ein Konus 12×50, das ich für vor gut 20 Jahren auf dem ATT in Essen für 50 DM gefunden hatte).

Viel Zeit zum Testen war noch nicht, aber optische Fehler hat mein Exemplar auf den ersten Blick nicht, und der Test am Sternenhimmel war beeindruckend: Der Orionnebel knapp über dem Horizont, ein Sternenmeer in den Hyaden und ein Gesichtsfeld voller Plejaden machen was her. Eindrucksvoll und überdeutlich zu erkennen waren natürlich die großen Sternhaufen im Fuhrmann. Am Sternenhimmel lohnt sich ein Stativ, freihand war das Bild dann doch schon etwas zittrig, aber es war durchaus brauchbar – um die Milchstraße abzugrasen, geht es gut. Nur bei M31 musste ich kapitulieren – die stand im Zenit, da war die Beobachtung dann doch gelinde gesagt sportlich.

Mit anderen Worten: Ich bin begeistert, vor allem für 85 Euro.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Mein größter Kritikpunkt ist der Stativadapter, der nicht viel mehr ist als eine Dreingabe. Aber immerhin: Er langt, um das Fernglas auf ein Stativ zu bringen. Ein 7×50 dürfte er auch stabil tragen; beim 12×70 hilft er immerhin, es ruhig zu halten. Die Tasche ist trotz Polsterung sehr dünn, und ihr Tragegurt könnte länger sein. Ein stabiler Köcher wäre natürlich eine feine Sache… Andererseits: Celestron hat da gespart, wo es nicht stört. Das Fernglas ist klasse, und wenn der Stativadapter fehlen würde, hätte ich eigentlich gar nichts daran auszusetzen. Mit anderen Worten: Jammern auf hohem Niveau. Beim Fujinon war das Zubehör besser – zumindesst ist die Tasche stabiler, ein 90°-Stativadapter war im Preis nicht enthalten.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Jahrhundertkomet ISON seine Sonnenpassage überlebt und der Himmel mitspielt, damit das Cometron auch den Komet einmal sieht, für den es entworfen wurde.

Kleiner Nachtrag: Das 12×70 ist das erste Fernglas, bei dem ich freiwillig den Umhängegurt angebracht habe. Er ist angenehm breit und lang – deutlich sinnvoller als der Gurt der Tragetasche. Nett:-)

NanoTracker

Zu den Vorteilen am freiberuflichen Schaffen gehört, dass man einige Kontakte hat. Von Baader Planetarium hatte ich daher schon vor einiger Zeit ein Exemplar des Nano.Trackers zum Testen erhalten. Der kurze Testbericht steht schon länger auf Celestron-Deutschland, jetzt wird es Zeit, ihn auch hier zu veröffentlichen.

Der NanoTracker ist eine kleine Nachführeinheit für Kameras bis 50 oder 70mm Brennweite. Nachdem wir auf der Heilbronner Sternwarte schon lange den AstroTrac im Einsatz haben (eine der besten Investitionen – ich habe kaum eine Chance ihn nutzen, da er ständig ausgeliehen ist), war das Interesse am kompakteren und billigeren Nano natürlich groß.

Der Nano.Tracker macht eine guten und soliden Eindruck, und vor allem: Er ist wesentlich kompakter als der Astrotrack, mit dem ich schon ein paar mal experimentieren konnte. Einen ersten, kurzen Test konnte ich im Mai von meinem Balkon aus machen, als der Große Wagen schön hoch am Himmel stand. Ich verwendete den Nano.Tracker mit einem Berlebach-Stativ, einem zusätzlichen Manfrotto-Kugelkopf und meiner Nikon D50.

Das Einnorden mit dem Peilloch ist nicht ganz trivial, da ein massiver Videoneiger ähnlich groß ist wie der sehr kompakte Nano.Tracker und das Peilloch leicht verdecken kann. Kleinere Stative dürften hier im Vorteil sein… Mit iPhone und der empfohlenen App PushTo war er jedoch sehr komfortabel einzunorden, und dann war der Polarstern auch schön im Peilloch zu sehen. Mit dieser Elektronikhilfe ist alles in weniger als fünf Minuten aufgebaut und die Kamera einsatzfähig.

Da ich den Nano.Tracker am Stadtrand aufgebaut hatte, war ich in der Belichtungszeit natürlich beschränkt und machte meine Versuche mit drei Minuten. Das erste Ergebnis kann sich schon sehen lassen; zum Vergleich habe ich mit den selben Einstellungen auch einmal ohne Nachführung fotografiert (Bild zum Vergrößern anklicken.)

UMa-NanoTrackerFazit: Der Nano.Tracker trägt die Kamera ohne Probleme, ich würde ihm auch schwerere Kameras zutrauen. Der begrenzende Faktor ist wohl eher der Kugelkopf. Für die Sternfeldfotografie ist er eine sehr reizvolle Alternative zu den teureren Nachführeinheiten: Wer im Urlaub ohnehin ein Fotostativ dabei hat, benötigt nur noch einen weiteren Kugelkopf, den Nano.Tracker und Batterien – also nichts, was in einer größeren Fototasche nicht problemlos unterzubringen wäre. Der einzige Wermutstropfen ist der Stromverbrauch; einen Satz Batterien pro Abend kann man einplanen – wie bei Goto-Montierungen auch.

Mit der Nikon D7100 hatte ich ihn auch im Urlaub im Mittelmeer dabei, um Perseiden zu jagen – nur war von dem Sternschnuppenstrom nichts zu sehen. Aber Fluggepäcktauglich ist der kleine Nano auf jeden Fall. Was jetzt fehlt, sind noch die klaren Nächte – auch mit Blick auf den Komet ISON, der langsam in die Gänge kommt. Infos dazu gibt’s regelmäßig unter anderem auf http://www.jahrhundertkomet.de/